1. April 2014

Riedel präsentiert neue Kollektion: interchanged materials

Category: News @ 13:18

Maximilian Riedel mit dem neuen Riedel Bleikristallbecher

Die versammelten Glasproduzenten auf der diesjährigen ProWein schinen nur noch ein einziges Thema zu kennen, das an Pariser Modeschauen der 80er und 90er erinnernde Credo “dünn, dünner, am dünnsten”. Einzig der Österreichische Traditionsbetrieb Riedel fiel einmal mehr mit innovativen Ideen aus der Reihe.

Bei der neuen Serie “interchanged materials” ist der Name Programm. Nach dem überwältigenden Erfolg des im letzten Jahr eingeführten Coca-Cola-Glases setzt man in Kufstein (Tirol) nun auch auf weitere Alltagsgegenstände, die in hochwertiger Ausführung neu auf den Markt gebracht werden sollen. Eines der ersten Muster, dass Firmenchef Maximilian Riedel auf der Düsseldorfer Leitmesse präsentierte ist der mundgeblasene Riedel Becher aus feinstem Kristalglas der dem zeitlosen Design des sicher schon milliardenfach verkauften weißen Plastikbecher nachempfunden wurde. Er wird künftig Teil der Sommelier-Serie werden und für private Käufer zum Stückpreis von ca. 75 Euro verfügbar sein.

Christina Fischer mit dem neuen Riedel Cola-Glas

Den umgekehrten Weg geht man beim neuen Dekantierschlauch, mit dem eine in der Glasvariante nicht umsetzbare Designstudie nun mit dem strapazierfähigeren Werkstoff PVC umgesetzt wird. Besonders vereinfacht wird hier vor allem die Reinigung: Gummistopfen am Fuß entfernen, erst mit hohem Wasserdruck durchspülen, dann kurz mit Luftdruck durchpusten, Stopfen zurückstecken und fertig.

Riedel Dekanter Eve

Weinkaiser.de wünscht allen Lesern einen schönen Start in den April.

26. März 2014

Robert M. Parker startet Lifestyle-Magazin

Category: News @ 20:33

Robert M. Parker

Nach Informationen von Wine-Searcher.com starten Hubert Burda Media und Robert M. Parker ein neues Livestyle Magazin. Die erste Ausgabe von  “100 Points by Robert Parker” soll Anfang Juni vorgestellt werden, wenn Parker erstmals seit mehreren Jahrzehnten öffentliche PR-Termine in London wahrnimmt.

Die nach unterschiedlichen Quellen zweimonatlich oder quartalsweise erscheinende Publikation ist im absoluten Luxussegment positioniert und wird im Gegensatz zu Parkers Wine Advocate auch Werbung von außerhalb der Weinwelt abdrucken.


Den Berichten zufolge wird in 100 Points by Robert Parker zwar über Wein geschrieben aber es werden weder Parkers Verkostungsnotizen, Weinkritiken oder Punktelisten veröffentlicht. Dies bleibt dem Wine Advocate und dem dazugehörigen Onlineportal erobertparker vorbehalten.

Auch in welchem Umfang Parker selbst und andere Autoren des Wine Advocate zu Wort kommen ist noch nicht ganz klar. Laut Laura Lim von Burda kommen die Texte und Beiträge von einem internationalen Team von Autoren. Das Wine Advocate Team würde dazu auf “ad hoc Basis” beitragen. Grundsätzlich würden die Autoren und Photographen von Burda, dem Verleger des Magazins ausgewählt.

19. März 2014

Challange Euposia 2013

Category: Schaumwein,Veranstaltungen @ 20:03

Challenge Euposia

Die Challange Euposia ist mittlerweile der größste Schaumweinwettbewerb Italiens. Am Start sind hier nicht nur italienische Spumantis, Trentodoc und Franciacorta sondern Schaumweine aus aller Welt. Rheingauer Rieslingsekt ebenso wie Champagner, Cremant, Cava bis hin zu Brasilianischen Schaumweinen. Im vergangenen Oktober wurde die Challange zum sechsten Mal ausgetragen. Veranstalter ist die in Italien bekannte Weinzeitschrift Euposia.

Challenge Euposia

In diesem Jahr wurde die zweitägige Verkostung in der Nähe von Verona durchgefürt. Aus Deutschland in der Jury vertreten waren der Champagnerexperte Boris Maskow und der Autor dieser Zeilen.

Challenge Euposia

Die Gewinner werden dieses Jahr auch in Deutschland bei der ProWein 2014 präsentiert. Am Montag, 24.03. um 12.00 Uhr unter dem Titel “Mille Bollicine – Perlen aus aller Welt” am Gemeinschaftsstand der DE.S.A. Deutschland Sommelier Association in Halle 3 Stand N65. Vorgestellt werden dort in der Challange Euposia 2013 ausgezeichnete Schaumweine aus Italien, Deutschland, Frankreich, England, Brasilien und Argentinien. Die Moderation übernimmt die Südtiroler Champagnerbotschafterin Christine Mayr. Mit dabei auch die beiden Deutschen Jurymitglieder Boris Maskow und Ralf Kaiser.

Challenge Euposia

Aus Deutschland kam auch einer der Gewinner: Weingüter Wegeler Rheingau Riesling Sekt Brut Geheimrat J. 2008. Hier ein Blick in die weiteren Siegerlisten der Challange Euposia 2013.

Challenge Euposia

Und die Rosé-Kategorie:

Challenge Euposia

Als Nachtrag gibt es auch noch Bilder von der Preisverleihung auf der ProWein 2014.

18. März 2014

ProWein 2014 Tweetwall / Twitterwall

Category: Veranstaltungen @ 20:47


Vom 23.-25. März findet in Düsseldorf die ProWein 2014 statt. Hier gibts ständig die 50 neusten Tweets zur ProWein 2014 und auf der Weinkaiser-Facebookseite findet ihr während der Messe wieder einen kommentierten Fotostream.


Hier noch mal die Link zum den kommentierten Fotosammlungen der letzten drei Jahre:

Weinkaiser-Fotostream ProWein 2013 (57 Fotos)

Weinkaiser-Fotostream ProWein 2012 (112 Fotos)

Weinkaiser-Fotostream Prowein 2011 (90 Fotos).

Das Veranstaltungsprogramm der ProWein 2014 kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden und in der Veranstaltungsdatenbank online durchsucht werden.

Falls Sie oberhalb dieses Textes nicht die Twitterwall sehen, sollten Sie überprüfen, ob Javascript eingeschaltet ist oder ein Skriptblocker das Twitter-Plugin blockiert…

ProWein 2014 Messeplan

16. März 2014

Lagen lernen Laufen – das Projekt „Wurzelwerk“

Category: Wein @ 21:50

Drei Flaschen aus dem 2012er Wurzelwerk-Paket

Von Marc Herold

Oft entstehen aus den einfachsten Fragen die erstaunlichsten Erkenntnisse. Im Herbst 2012 setzte eine solch einfache Frage ein Projekt ungeahnter Ausmaße in Gang. Alwin Jurtschitsch und Max von Kunow stiegen damals durch den Scharzhofberg und der Winzer aus Österreich fragte seinen Kollegen und Studienfreund von der Saar, was denn wohl passieren würde, wenn die Trauben aus dem Scharzhofberg nicht an der Saar sondern in seinem Keller im Kamptal zu Wein verarbeitet würden? Würde der Wein dann immer noch als Scharzhofberger erkennbar sein und würde er genauso schmecken, wie wenn Vergärung und Ausbau an der Saar erfolgte?

Obwohl die Frage recht einfach aussieht berührt sie doch ein Thema, dass unter Weinliebhabern und Winzern kontrovers wie kein zweites diskutiert wird. Es geht darum warum Wein so schmeckt, wie er eigentlich schmeckt. Ist der Geschmack nur von der Weinbergslage und der Witterung abhängig oder entsteht der Geschmack durch den Einfluss im Keller und die Kunst des Winzers? Beide Extremmeinungen haben ihre Anhänger die dann auch oft auch eine Menge Argumente in flüssiger Form ins Feld führen.


Seit einigen Jahren wird das Thema auch wissenschaftlich von der Forschungsanstalt Geisenheim bearbeitet (http://www.terroir-hessen.de). Die Geisenheimer erwerben dazu Traubenmaterial aus unterschiedlichen Lagen des Rheingaus und der hessischen Bergstraße und erzeugen daraus unter mehr oder weniger standardisierten Bedingungen Wein. Eine Verkostung der Weine im Jahr 2008 hinterließ bei mir allerdings den Eindruck, dass die Weine zwar unterschiedlich schmeckten, dass dieser unterschiedliche Geschmack aber aufgrund von methodischen Schwierigkeiten kein Beweis für unterschiedliche Lagencharaktere ist. So wurden die Weine nicht im gleichen Reifezustand oder zum gleichen Zeitraum geerntet und auch die Art der Riesling-Klone war nicht einheitlich. Das zeigt auch die grundsätzlichen Schwierigkeiten, der Frage des Lageneinflusses wissenschaftlich Herr zu werden. Für ein ideales Experiment bräuchte man Weinberge in unterschiedlichen Lagen, die mit den gleichen Klonen zur gleichen Zeit bepflanzt wurden und in denen die Weinbergsarbeit (Begrünung, Laubarbeit, Schnitt etc.) bis zum Zeitpunkt der Lese möglichst gleich gehalten worden wäre. Eine Aufgabe, gegenüber der die Errichtung des Berliner Flughafens wie eine Laubsägearbeit für Hobbybastler erscheint.

Unter diesen Vorzeichen wirkt der Lösungsansatz der beiden Winzer im Scharzhofberg ebenso praxisnah wie genial: Wie wäre es, wenn man einen Teil der Trauben wirklich nach Österreich ins Kamptal fahren würde und den Wein dort im Keller des Jurtschitsch‘schen Weinguts Sonnhofs vinifizieren würde? Der daraus entstehende Wein würde die Frage beantworten können. Und weil man grade so gut in Fahrt war, beschloss man das Projekt noch auszubauen und Traubenmaterial vom Weingut Gunderloch ins Boot und auf die Autobahn zu holen. Drei Wochen später wurden also Trauben aus dem Scharzhofberg, dem Nackenheimer Rothenberg und dem Zöbinger Heiligenstein gelesen und jeweils ein Drittel der für das Projekt bestimmten Ernte wurde auf die Weingüter von Hövel , Gunderloch und Jurtschitsch verteilt.

Die Transportrouten des Wurzelwerks. Bild: Wurzelwerk.org

Die Trauben wurden auf den jeweiligen Gütern mit pneumatischen Pressen gepresst, 12 Stunden Maischestandzeit wurden eingehalten und anschließend erfolgte die Vergärung in 330 L Edelstahltanks. Im Weingut von Hövel wurde dazu eigens ein solcher Tank angeschafft. Eine Besonderheit ist noch, dass für jede Lage ein „Gäransatz” aus sechs Tagen vor der Ernte hergestellten, spontanvergorenen Trauben erzeugt wurde. Dieser Gäransatz wurde aber nicht benötigt und die Moste vergoren damit komplett spontan. Die Alkoholgehalte der Weine liegen durchweg bei 12 % bis 12,5 %.

Seit Ende 2013 sind die neun so entstandenen Weine in einer stilvoll gestalteten Aufmachung in einer Holzkiste erhältlich (http://wurzelwerk.org/). Am 14.3.2014 gab es schließlich im Trierer „Weinhaus Minarski“ die einzige Verkostung des gesamten Sets die für Endkunden zugänglich war. Ich musste da natürlich hin und war gespannt wie ein Draht im Drahtrahmen, wie sich die Weine präsentieren und ob es irgendein verallgemeinerbares Ergebnis geben würde.

Die 2012er Wurzelwerk-Kiste. Bild: Wurzelwerk.org

Max von Kunow ließ es sich nicht nehmen, selbst sehr engagiert durch die Probe zu navigieren, wobei die Weine blind in Dreier-Flights verkostet wurden und am Ende jedes Flights die Auflösung erfolgte. Aufgrund weinrechtlicher Gegebenheiten (das Weinrecht hinkt der Wissenschaft noch etwas hinterher) können die Weine offiziell nicht mit den Original-Lagennamen verkauft werden sondern müssen unter den Künstlernamen „Schatzberg“ (Scharzhofberg), „Roter Berg“ (Rothenberg) und „Heiliger Stein“ (Heiligenstein) Zuflucht nehmen.

Als die ersten drei Weine vor uns standen, war die Verwirrung fast mit Händen zu greifen. Der erste Wein mit seiner fast etwas chlorig, hefigen Nase könnte ein Scharzhofberger sein? Ist da etwas Schiefer? Riecht der Zweite nicht auch noch etwas nach Hefe wie diese Weine, die an der Saar Spontan vergoren werden? Der zweite Wein schmeckte dann wesentlich fülliger als der erste, hier meinte ich diese typische rote Fruchtigkeit (rote Äpfel, sehr schmelzig, etwas Restsüße) der Weine des Roten Hangs zu registrieren. Der dritte Wein war dann ganz anders, eher kräuterig und vielleicht etwas laktisch in der Nase, die Mineralik kam aber im Nachhall stark zum Vorschein. Mein erster Tipp wäre gewesen, dass es sich um die drei unterschiedlichen Lagen handelt, die alle an der Saar ausgebaut wurden.

Und damit lag ich sagenhaft falsch. Es handelte sich komplett um Weine aus dem Scharzhofberg. Der hefig Mineralische war bei von Hövel vinifiziert worden, der „rote“ beim Weingut Gundeloch und der „verschlossen mineralische Laktiker“ bei Alwin und Stefanie Jurtschitsch. Konnte das sein? War die rötlich-fruchtige Aromatik wirklich nur Resultat des Kellers am Roten Hang? Die mögliche Erklärung für die Eingenheiten des österreichischen Scharzhofbergers erscheint da fast schon trivial: Der Keller bei den Jurtschitschs ist etwas wärmer, biologischer Säureabbau kann so eher ablaufen und führt zu den charakteristischen Yoghurt-Noten.

Derart erleuchtet machte ich mich an das zweite Dreiergrüppchen, und versuchte zunächst den Kamptaler aufgrund der BSA-Note zu finden. Diese war auch diesmal wieder beim dritten Wein zu erriechen, die ersten beiden Weine wirkten zudem wie etwas kräftigere, durchgehend fruchtbetontere Brüder der beiden ersten Scharzhofberger. Die Gleichung „Mehr Frucht = Roter Hang“ ging hier auf; es handelte sich tatsächlich um einen reinen Rothenberg-Flight. Wobei der Saar-Rothenberg in der Nase am hefigsten und „Schiefer“-typischsten roch und der Gunderloch-Rothenberg der kraftvollste, opulenteste und auch restsüßeste Wein der Probe war.

Der dritte Flight sollte dann wieder alle Hypothesen in Frage stellen, die in den ersten beiden Teilen der Probe aufgestellt wurden. Denn weder war der österreichische Heiligenstein durch BSA geprägt, solche Noten kamen diesmal eher aus Reinhessen, noch erinnerte der Saar-Heiligenstein auch nur entfernt an Saar-Klassiker und ihre hefige Schieferigkeit. Es war sogar so, dass der Wein von von Hövel der opulenteste und Roter-Apfel-betonteste Wein des Flights war. Etwas versöhnlich für den vinologischen Sinnsucher war die Steinigkeit und Kargheit des österreichischen Heiligensteins und die straffe Struktur aller drei Weine dieser Reihe. Etwas Kamptal ist damit wohl bei allen Weinen dieser Gruppe im Glas eingewoben.

Die 2012er Wurzelwerk-Kiste. Bild: Wurzelwerk.org

Wie könnte also ein Fazit dieser Probe aussehen? Für mich ist nach dieser Probe klar, dass der Keller eines Weinguts, die darin herrschende Temperatur, die Temperaturschwankungen und andere keller-immanente Parameter einen sehr großen Einfluss auf den Geschmack eines Weines haben. Mich hat besonders überrascht, dass diese Faktoren einen Einfluss haben, auch wenn die Gärung komplett durch weinbergseigene Hefen startet und komplett in Edelstahltanks gearbeitet wird.

Gibt es also garkeinen Lageneinfluss? Das würde ich so auch nicht sagen, die Weine der drei Flights hatten schon auch einen lagenspezifischen Charakter. Der Scharzhofberger insgesamt feingliedriger mit einer straffen Säurestruktur und etwas sehr „Transparentem“. Der Rothenberg sehr kraftvoll und eher wuchtig und der Heiligenstein am mineralischsten. Mein Fazit wäre also ein salomonisches: Sowohl der Keller als auch die Lage trägt zum Charakter eines Weines bei. Beim „Wurzelwerk“ liefert der Keller in 2012 aber den stärkeren Einfluss. Spannend wird hier sicher, ob sich mit der Reife der Weine auch die Gewichtung der Einflüsse verschiebt.

Wie geht es jetzt weiter? Ich hatte ja die Idee, im nächsten Jahr rheinhessische Fassware zu kaufen, und sie im Keller von Egon Müller zum Scharzhofberger zu veredeln, aber dieses spekulative Großunternehmen scheitert an der Unzugänglichkeit des Scharzhof’schen Kellers. So bleibt mir momentan nur das Warten auf die 2013er Weine des „Wurzelwerks“ und die damit verbundenen Erkenntnisse. Ich danke schon jetzt allen mit dem Projekt verbundenen Winzer und Aktivisten die diese hoch spannende Idee ins Leben gerufen haben und am weiter am Leben halten!

28. Februar 2014

Romantische Rumänen

Category: Weinrallye @ 14:17

Weinrallye #71

Von Marc Herold

Alleine die Flasche dieses Weins erzählt schon Bände. Unregelmäßiges Pressglas, so schwer und archaisch als wäre es nicht kontrolliert erzeugt, sondern in einer Elfenhöhle gefunden worden. Die Pressnaht scheint das Profil eines Gebirgszugs in den Kaparten nachzubilden und es gibt auch kein Etikett sondern nur einen mit Wurstkordel befestigten Papieranhänger. All dies nichts, was man in einem aufgeräumten Riesensupermarkt erwarten würde. Es sei den dieser Supermarkt stände in Rumänien.

Als ich 2007 mit Freunden in Rumänien war, habe ich natürlich auch versucht etwas von den lokalen Weinen einzukaufen und zu probieren. Das meiste davon war günstig und etwas rustikal, der obligatorische Blick in den „Kleinen Johnson“ ergab aber, dass es dort auch einen Süßwein, den „Cotnari“ geben soll. Dieser Wein kommt aus der Gegend, die an der Grenze zur Republik Moldau liegt. Und jetzt stand er vor mir im Regal, 11,5 % Alkohol und von 1987, das waren die einzigen Informationen, die ich auf Anhieb extrahieren konnte. Wegen seiner ungewöhnlichen Optik und dem Reiz des Unerwarteten musste diesen sozialistischen Exoten mit nach Deutschland nehmen.

Dann passierte erstmal lange nichts bis ich gestern die Flasche hervorkramte und mich eingehender mit dem Text auf dem Etikettanhänger beschäftigte. Dank Charlie Gierlings (Weinlagen.info) blitzartiger Übersetzung des Textes war ich auch nach wenigen Minuten schlauer und um folgende poetische Beschreibung reicher:

„Es ist eine Cuvee aus den klassischen Sorten des Cotnari. Er ist mild, süß, mit feinen Anklängen von Akazienblüten, entsprechend den romantischen und empfindsamen Naturen.“

Das hörte sich schon vielversprechend an, die klassischen Sorten des Cotnari, Fetească Alba, Grasă de Cotnari und Tamaioasa Romaneasca waren schnell gefunden und der Wein nach Abbröseln des Siegellacks um den Kork auch schnell geöffnet. Die Nase ist nach einiger Belüftung zwar firn aber nicht zu oxidiert, auf der Zunge überrascht der Wein dann mit einer fast rieslinghaften Säure und die Süße ist auch eher dezent vorhanden. Dies scheint eine Cotnari Variante mit 60 – 80 g Restzucker pro Liter zu sein, neuere Cotnari haben da deutlich mehr Zucker im Gepäck. Der Wein wirkt gut gereift und dennoch lebendig – durch aus also ein Getränk für romantische Naturen, die ältere Weine mögen.

Weinrallyelogo #71

Dies war der Weinkaiser-Beitrag zur Weinrallye #71.

Was ist eine Weinrallye?

Einmal im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einen Tag lang einem (alle dem selben) vorher festgelegten Thema zu widmen. Heute ist ein solcher Tag und das Thema der Weinrallye, wie sich dieser Onlineevent nennt, der heute zum 71. Mal stattfindet, lautet Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-Immigrant im Weinregal. Der Aufruf zur Weinrallye #71 kam von Dorit Schmitt vom Blog Château et Chocolat.

Eine Übersicht aller bisherigen Weinrallye-Themen und Gastgeber gibt es übrigens hier: Weinkaiser.de/ehemalige-weinrallye-themen

Die Koordination der Weinrallyes und Bekanntgabe neuer Themen erfolgt in der Facebook-Gruppe zur Weinrallye.

17. Februar 2014

Willamette Vineyards – How the west was won with Burgundy

Category: Wein @ 13:28

Willamette Vineyards

Von Marc Herold

Amerikanische Rotweine, sind fett, alkoholisch und von neuem Holz dominiert. Alle amerikanischen Rotweine? Nicht alle! Weit von uns entfernt in der nordwestlichen Ecke der USA werden im Willamette Valley Pinot Noirs erzeugt, die diesem Klischee vollkommen widersprechen.

Der recht träge Willamette River begegnet dem Reisenden schon in Portland, der Hipster- und Fahrradmetropole der USA. Folgt man dem Fluß ein paar Meilen, landet man im burgundischsten Teil der USA. Die Landschaft ist hügelig, recht kleinteilig und die Weinberge sind meist von Wäldern und Buschwerk eingerahmt. Ja, sogar die Pinot Noir-Klone wurden zu Beginn des Weinbaus in den 1970er Jahren größtenteils aus dem Burgund importiert. Aber im Gegensatz zum Burgund, das ja beim Boden von allen denkbaren Mischungen aus Kalk und Eisenoxiden lebt, ist die Art der Untergründe im Valley wesentlich vielfältiger. Es gibt vulkanisches Gestein, wie Basalt aber auch ebenfalls viel Kalk, Kiesel und Schwemmland. Dieser steinige und mineralienreiche Untergrund sorgt mit dem kühlen Klima für ebenso kühle wie klare Pinots.

Willamette Vineyards

Wohin also zuerst wenden in diesem Tal? Viele Güter im Gebiet, welches nur ein Drittel größer ist als der Rheingau, sind mittlerweile auch international berühmt und deren Weine haben ein Preisniveau erreicht, das sie nicht unbedingt zur günstigsten aller Burgunder-Alternativen hat werden lassen. „Willamette Vineyards“ trägt nicht nur den Namen des Flusses im Namen, das Gut gehört auch zu den Pionieren des Gebiets. Der Start damals war alles andere als einfach, so dass Jim Bernau , der Gründer des Gutes auf einer Weinmesse sämtliche Autokennzeichen abschrieb und den Autohaltern Weinprospekte zuschickte. Das würde sich momentan wahrscheinlich nicht mal Google oder die NSA trauen. Das Marketing war aber erfolgreich. Mittlerweile gibt es über 4500 Weinfreunde, die einen Anteil am Weingut gekauft haben. “Willamette Vineyards“ hat damit eine recht erstaunliche Struktur aus vielen Teilhabern, die starken Anteil an der Entwicklung des einstmals kleinen Gutes.

Willamette Vineyards

Der ideale Start also, um sich dieser Weinlandschaft zu nähern. Praktisch ist hier, dass es einen gemütlichen Verkostungsraum gibt, bei dem verschiedene Flights probiert werden können. Neben den Rotweinen gibt es hier auch einige spannende Weißweine. Eine große Überraschung ist beispielsweise der 2012er Riesling des Weinguts. Blind würde er als leicht restsüße Mosel-Spätlese durchgehen, grüne, kräuterige Aromen sorgen mit der eine betonen Säure für einen fast „deutschen“ Eindruck. Am wenigsten hätte ich hier den nächsten Wein, einen Grünen Veltliner erwartet. Der kommt recht erdig aber durchaus sehnig, fast karg daher. Man merkt den Einfluss des kühlen Klimas. Allein der Abschluss des Weißwein Teils durch einen „Late Harvest“ Riesling von 2012 zeigt diese Bratapfel und Zimt-Noten, die für mich bei amerikanischem Riesling so typisch sind. Aber auch dieser Wein ist durch seine straffe Säure noch gut balanciert.

Willamette Vineyards

Bei den Pinot Noirs stach für mich der „Elton“ heraus, ein Wein von einer sehr vulkanisch geprägten Lage. Auch ist hier viel eisenhaltiges Gestein im Boden beigemengt. Der Wein schreit förmlich „Gevrey-Chambertin“ und „Pommard“. Das Eisen im Boden setzt sich im Wein fort, der wundervoll zwischen Kirscharomen und fast rostartigen Noten balanciert ist. Der 2010er im Glas zeigt zudem in seiner Struktur Parallelen zum sehr feinen, und ziselierten 2010er im Burgund. Diese Feinheit kommt vielleicht auch daher, dass neben dem vulkanischen Untergrund Winde vom Pazifik bei diesem Lage für besondere Kühle in der Nacht sorgen sollen.

Wer die Gestaltung und die Informationsfülle auf dem Weinguts-Etikett sieht, fühlt sich außerdem direkt an die Weine von Nicolas Potels „Maison Roche de la Bellene“, einem meiner absoluten Lieblings-Negociants erinnert. Die Oregon Pinots aus dem Tal des Willamette Rivers zeigen hier einmal mehr ihre Verwandtschaft zum Burgund (auch werden auf dem Gut fast nur französische Fässer eingesetzt). Genau so spannend sind aber die Eigenheiten, die sehr schön im „Signature Pinot Noir“ von 2010 zum Vorschein kommen. Hier fühlt man sich vor ein Panorama gestellt, was aus allem besteht, was Pinot Noir ausdrücken kann. Eine beschwingte Leichtigkeit, Aromen von abgehangenem Wildgeflügel und dunkle Gewürze für Lebkuchen.

Willamette Vineyards

Neben den Pinots gibt es auch einen sehr gelungenen Syrah (auch 2010), der ebenfalls sehr filigran daherkommt. Die Säure seht hier nicht so sehr wie bei den Pinots im Vordergrund, sie ist tiefer verwoben und dezent integriert. Der Wein würde blind sicher als sehr guter Crozes-Hermitage durchgehen und damit verstärkte sich noch der Eindruck, dass Jim Bernau und sein damaliger Kellermeister Forrest Klaffke sehr genau wussten, welche geschmacklichen Vorbilder eine lohnende Orientierung geben können. Dass das Gut auf biologische Schädlingsbekämpfung setzt, die teilweise durch Eulen geschieht, macht dieses Unternehmen noch sympathischer und es wundert nicht, dass sie auch eine ganz zauberhafte Adresse haben: „8800 Enchanted Way“. Solltet ihr in der Gegend sein und neben den unzähligen Microbreweries noch etwas anderes durchtrinken wollen, seid ihr hier an der richtigen Stelle.

Willamette Vineyards

6. Februar 2014

Vintage Port 2011 Präsentation

Category: Veranstaltungen @ 21:18

Niepoort Vintage Port 1985

Morgen steht in Leverkusen die Verkostung des Jahres für Portwein-Freunde an. Im Schnitt dreimal pro Dekade werden von der breiten Mehrheit der renommierten Häuser Vintage (Jahrgangs) Ports deklariert. Die letzten Jahrgänge waren 2007 und 2003. Morgen wird der Jahrgang 2011 in Deutschland präsentiert. Nach einhelliger Meinung der Experten einer der größten Jahrgänge der jüngeren Geschichte. Der Witterungsverlauf war einfach perfekt für großen Port. Ein Großteil der besonders gesuchten 2011er Vintage Ports ist bereits heute ausverkauft. Trotzdem werden morgen bis auf ganz wenige Ausnahmen (es wird z.B. keinen der mehrere tausend Euro teuren und nur in homöopathischen Mengen gefüllten Einzellagenport Nacional aus den wurzelechten Reben der Quinta do Noval geben) alle Vintage Ports des Jahrgangs 2011 zur Verkostung auf dem Tisch stehen. Diese Veranstaltung ist nicht nur bundesweit einmalig, es wird sogar weltweit nur eine Handvoll vergleichbarer Tastings geben.

Das Farbenspiel des Portweins

Vintage Ports sind die Königsklasse der Portweine. Um als Vintage Port anerkannt zu werden, müssen die Weine in einer Blindverkostung des Portweininstituts 9 von 10 möglichen Punkten erreichen. Die Portweine werden dann nach zweijähriger Reife im großen Holzfass ungefiltert auf die Flasche gefüllt und haben je nach Qualität und Lagerbedingungen ein Reifepotential von 20 bis weit über hundert Jahre.

1962er Jahrgangsport

Alle teilnehmenden Häuser haben Vintage Port 2011 dabei, viele noch einen LBV und gereifte Ports. Darüber hinaus gibt es ab 15 Uhr noch vom Bayer Weinkeller eine Verkostung der Douro DOC von Niepoort, Vale D. Maria, Pintas, Passdouro und Vale Meao.

Douro DOC Rotweine von Pintas

Viele Portugiesen sind persönlich vor Ort, u.a. Luis Sottomayor (Sandeman, Ferreira), Dominic Symington (Grahams, etc.), Oscar Quevedo (Quevedo), Joao Machete (Ramos Pinto), Luisa Ronca Borges (Vieira de Sousa), Francisca van Zeller (Vale D. Maria) u.v.m.

Reife Vintage Ports

Bereits am Vormittag wird Dominic Symington in einer Master Class für einen kleinen Kreis geladener Experten und Fachjournalisten eine Grahams Vintage Port Vertikale von 1970-2011 präsentieren.

07. Februar 2014 im Bayer Kasino Leverkusen
(Kaiser-Wilhelm-Allee 3, 51373 Leverkusen)
13 bis 16 Uhr Reserviert für Fachpublikum nach Anmeldung bei info@worldofport.de
16 bis 19 Uhr „Open to the Public“, Eintritt 20 Euro

Reife Portweine

Folgende Häuser nehmen teil (Ports und Weine sind bereits alle vor Ort):
Andresen
Barão de Vilar
Barros
Burmester
Cockburn
Crasto
Dalva
Delaforce
Dona Matilde
Dow
Duorum
Ferreira
Graham
La Rosa
Messias
Niepoort
Noval
Offley
Passadouro
Pintas
Poças
Portal
Prelada
Quevedo
Ramos Pinto
Romaneira
Royal Oporto
Rozes
Sandeman
Smith Woodhouse
Vale D. Maria
Vale do Meão
Viera de Sousa
Vista Allegre
Warre

Mit der Portzange geöffneter Vintage Port

21. Januar 2014

Zuwachs für den Traubenadler – VDP Neuaufnahmen 2014

Category: Allgemein @ 22:55

VDP Neuaufnahmen 2014: Rudolf May, Fritz Keller und Sebastian Schäfer

Der Traubenadler hat Zuwachs bekommen. Mit den Weingüter Joh. Bapt. Schäfer (Nahe), Franz Keller – Schwarzer Adler (Baden) und Rudolf May (Franken) wächst der Verband Deutscher Prädikatsvogelzüchter nun auf 202 Mitglieder an. VDP Vize Armin Diel, der bei der heutigen Pressekonferenz seinen Präsidenten Steffen Christmann vertrat, war es wichtig darauf hinzuweisen, dass sich der VDP nicht als Closed Shop sehe, sondern immer für neue Mitglieder offen sei, wenn die Voraussetzungen stimmten. Seit 1990 hat der Verband einerseits netto nur um 40 Mitglieder zugelegt, andererseits verbergen sich dahinter allerdings 120 Neuaufnahmen und 80 Abgänge.

Zwar muss der Bundesverband die Aufnahmen absegnen, die Auswahl der Neumitglieder erfolgt aber vor Ort in den zehn Regionalverbänden. Dort sind sowohl die Mentalitäten recht unterschiedlich als auch die Vorgehensweise, wenn es um die Vorbereitung von Neuaufnahmen geht. An der Nahe hat man beispielsweise eigens einen mehrstufigen Kriterienkatalog erarbeitet, welche Voraussetzungen ein Neumitglied erfüllen muss. Die bisherigen neun Nahe-Mitgliedswinzer haben die Weine von neun potentiellen Kandidaten offen verkostet. Laut Diels Schilderungen konnte zwar die Weinqualität mehrerer Betriebe überzeugen, das komplette Anforderungsprofil erfüllte aktuell nur ein Kandidat, der dann auch aufgenommen wurde.

In Baden hingegen wurde der Fokus nahezu komplett auf die Weinqualität gelegt. Die Namen von zehn potentiellen Neumitgliedern wurden gesammelt, dann deren Weine auf dem freien Markt zusammengekauft und anschließend blind verkostet. Der Gewinner wurde aufgenommen.

Da es nicht nur beim Aufnahmeprozedere regional unterschiedliche Vorgehensweisen gibt, sondern auch beim Umgang mit Mitgliedsbetrieben, deren Qualität rückläufig ist, arbeitet der Bundesverband aktuell daran, seine Vorstellungen in Sachen Qualitätssicherung auch in den Regionen durchzusetzen, die sich in der Vergangenheit als weniger rigoros mit schwächelnden Mitgliedern gezeigt haben.

VDP Vize Joachim Heger mit Neumitglied Fritz Keller

Freunde seit Jahrzehnten und beide maximal umtriebig: VDP-Vize Joachim Heger (links) mit Neumitglied Fritz Keller, der im Nebenjob auch noch Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Freiburg ist. Sein Hauptberuf? Gute Frage. Inhaber eines der renommiertesten  Hotels Deutschlands, dreier Restaurants, darunter ein Sternerestaurant das bereits mehrfach für die beste Weinkarte Deutschlands ausgezeichnet wurde (2650 Positionen bis zurück ins 18. Jahrhundert), eines Weinhandelshauses das palettenweise die ganz großen Namen aus Bordeaux und Burgund umsetzt, Berater und Namengeber für das wichtigste und bestorganisierte Weinprojekt der beiden ALDI-Ketten und nun endlich auch VDP-Winzer. Seine Spitzenweine tragen seit Jahrzehnten den berühmten Schwarzen Adler aus Oberbergen. Neben der Qualität wohl einer der Gründe, weshalb Kellers Weingut schon seit langem von vielen Weinfreunden immer wieder fälschlicherweise zu den VDP-Betrieben gezählt wurde. Ich bin schon gespannt, wie die beiden grafisch sehr unterschiedlichen Adler künftig auf einer Flasche untergebracht werden.

VDP Vize Paul Fürst mit Neumitglied Rudolf May

Das man nicht wie Franz Keller auf mehrere Generationen Weinbau in seiner Familie zurückblicken können muss, um in den erlauchten Kreis aufgenommen zu werden, beweist Rudolf May aus Retzstadt in Franken. Aus dem elterlichen Gemischtwarenladen mit geringem Nebenerwerbs(Fass-)Weinbau in nur 15 Jahren von der Gründung des Weinguts bis hin zu überschwänglichem Lob der berühmten englischen Kritikerin Jancis Robinson und dem Traubenadler neben der Haustür. Rudolf May hat in seiner Jugend eine Lehre in einem fränkischen VDP-Betrieb absolviert und spätestens nach der Gründung des eigenen Weinguts war klar, wo er einmal hinwollte. Seit heute heißt es: Mission accomplished! Zurecht. Ich habe heute vier seiner Silvaner aus 2011 und 2012 verkosten können, vom Gutswein bis hin zu den beiden Spitzen mit und ohne neuem Holz. Die Stile sehr unterschiedlich, die hohe Qualität hingegen absolut konstant.

VDP Vize Armin Diel mit Neumitglied Sebastian Schäfer

Seit 2002 ist Sebastian Schäfer für die Weine im Weingut Johann Baptist Schäfer verantwortlich, den er nun in vierter Generation führt. Ein Jahr später ist er mir erstmals aufgefallen. Auf den Tipp meines damaligen Weinhändlers hin wanderten einige seiner sensationellen 2003er Edelsüßen in meinen Keller. Inzwischen stehen seine ebenfalls sehr guten trocken Rieslinge und Burgunder mehr im Fokus. Zum Abendessen hatte ich heute sein künftiges GG aus dem Dorsheimer Goldloch. Nachdem der Wein etwas Luft hatte, hätte ich mich hineinlegen können….

6. Dezember 2013

Brangelinas Miraval Blanc Coteaux Varois en Provence 2012

Category: Wein @ 08:00

Jolie-Pitt & Perrin Miraval Blanc Coteaux Varois en Provence

Was ist der aktuell meistgesuchte Wein der Welt? Romanée-Conti? Château Petrus? Über diese Weingüter wird häufig geschrieben, bei Preisen von 2.000-15.000 Euro für 0,75 l Einzelflaschen aktueller Jahrgänge hält sich die Zahl derer, die tatsächlich über einen Kauf nachdenken allerdings in engen Grenzen. Anders den Weinen von Château Miraval, dem Weingut das Angelina Jolie und Brad Pitt 2008 gepachtet und 2011 schließlich für rund 60 Millionen US-Dollar vom amerikanischen Industriellen Tom Bove gekauft haben. Millionen Brangelina-Fans weltweit reißen sich um die wenigen tausend Flaschen, die am Wohnsitz der beiden Superstars produziert werden.

Château Miraval

Das im 14. Jahrhundert entstandene Weingut in Mitten der Provence (ca. 30 km Luftline vom Mittelmeer) ist der ideale Ort für die prominente Familie mit sechs Kindern, die es leid ist, ständig von dutzenden Paparazzi verfolgt zu werden.

Château Miraval

Brangelina haben hier in der Nähe der 900-Einwohner-Gemeinde Correns (nennt sich selbst das erste Biodorf Frankreichs) ein ganzes Tal komplett für sich. Die Zufahrt zu den Gebäuden führt über eine etwa zwei Kilometer lange Privatstraße.

Château Miraval

Neben rund 40 ha Weinbergen und dem Gebäudekomplex mit insgesamt mehr als 1000 qm Dachfläche gehören zum Gelände von Miraval fast 500 ha eigener Wald, der das Château komplett umschließt und mit Hilfe moderner Technik und ehemaliger britischer Elitesoldaten weiträumig abgesperrt ist.

Château Miraval

Pitt und Jolie haben laut Presseberichten in den letzten fünf Jahren bis zu 25 Millionen Euro in die Renovierung des Anwesens gesteckt. Dazu muss man wissen, dass die Anlage allein über 35 Schlafzimmer verfügt und bisher unzureichend (das Haupthaus gar nicht) mit elektrischem Strom und Heizungen ausgestattet war.

Jolie-Pitt & Perrin Miraval Blanc Coteaux Varois en Provence

Neben dem Weingut gehört zu den Gebäuden auch das berühmte Studio Miraval.  Es wurde 1977 vom Jazz Pianisten Jacques Loussier erbaut, dem Château Miraval seit 1970 gehörte und der das Gelände 1992 an Tom Bove verkaufte. Das Studio umfasst 300 qm und hat im Laufe der Zeit das who-is-who der Musikbranche beherbergt: AC/DC, The Cure, Chris Rea, Gipsy Kings, Sade, Wham!, Steve Winwood, Yes, UB40, Shirley Bassey, Rammstein und viele weitere. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Studio Miraval 1979 als Pink Floyd hier ihr legendäres Album The Wall aufgenommen haben. In früheren Jahren trug  der Rosé von Miraval aus diesem Grund auch den Namen Pink Floyd auf den Etikett.

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Die Weinberge von Château Miraval liegen alle im selben Tal wie das Weingut, gehören aber zu zwei unterschiedlichen Appellationen (AOPs) der Provence, da die Grenze der beiden Appellationen genau durch das Tal (Monopolbesitz) von Pitt und Jolie verläuft: Weine aus dem überwiegenden Teil der Fläche werden zu Côtes de Provence und aus dem deutlich kleineren Teil zum Coteaux varois en Provence. Aus diesem kleineren Teil stammt auch der heute vorgestellte Miraval Blanc. Die Weinberge liegen auf durchschnittlich 350 Meter Höhe, was den Reben trotz des mediterranen Klimas die nötige Kühle verschafft um erfrischende Weine mit ausreichend animierender Säure entstehen zu lassen.

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Verantwortlich für den Weinan- und Ausbau ist Marc Perrin. Die Familie Perrin gehört zu den erfolgreichsten Akteuren im Weinbusiness an der gesamten Rhone.

Der Weg zu Château de Beaucastel

Unter anderem führt die Familie Perrin mittlerweile in vierter Generation das berühmte Weingut Château de Beaucastel in Châteauneuf du Pape. Dazu kommen Weine aus diversen weiteren Rhone-Appellationen und einige sehr erfolgreiche Markenweine.

Château de Beaucastel Vertikale mit zwei Piraten

Marc Perrin selbst hat 2008 gemeinsam mit Nicolas Jaboulet das erfolgreiche Weinhandelshaus Maison Nicolas Perrin an der nördlichen Rhone gegründet.

Nicolas Jaboulet mit den Weinen der Maison Nicolas Perrin

Nach dem Miraval Rosé 2012 zu Jahresbegin ist der in dieser Woche neu präsentierte Miraval Blanc der zweite Wein aus der Produktion der neuen Eigentümer. Eigentlich war für diesen Herbst auch schon der Miraval Rouge angekündigt. Für April 2014 ist die Markteinführung des Top-Weißweins Château Miraval Blanc geplant, der große Rote soll dann im Herbst 2014 folgen. Vom Miraval Blanc kommen insgesamt nur 480 Flaschen nach Deutschland. Davon hat Hawesko, (die mir diese Flasche als Muster geschickt haben) 120 Flaschen bekommen und will sie laut meiner Info heute in den Verkauf geben.

Jolie-Pitt & Perrin Miraval Blanc Coteaux Varois en Provence

Der Miraval Blanc Coteaux Varois en Provence 2012 ist eine Cuvée aus Grenache Blanc (5%) und Rolle (auch bekannt als Vermentino – 95%), die Vinifikation erfolgte im Edelstahl (90%) und in Eichenfässern mit Battonage (10%). Gleich nach dem Öffnen (Naturkorken) war mir der Holzeinfluss noch etwas zu kräftig. Mit etwas Luft legt sich das. Ein paar Monate weiterer Entwicklung in der Flasche dürfte da auch guttun. Dahinter intensiver Birnenduft, Tee, wilde Kräuter- und Blütenaromen. Leider auch recht kräftig im Alkohol. Der Alkohol gibt dem Wein zwar Fülle, macht ihn aber ohne Speisebegleitung auch etwas anstrengend. Zum Steak mit Salat passt er hingegen ausgezeichnet. Auch im Mund ist mir der holzbedingte Vanillinton derzeit noch etwas zu deutlich. Andererseits ist der Miraval Blanc für einen Wein mit 14,x% erstaunlich erfrischend. Hier zahlen sich wohl die kühlen Nächte der hochgelegenen Weinberge aus. Das verwendete Weinglas sorgt bei diesem Wein für enorme Unterschiede: Im Zalto Universalglas wirkt er deutlich erfrischender, die elegante mineralische Note kommt besser zur Geltung aber auch der Alkohol ist stärker wahrnehmbar. Hingegen im Zwiesel The First Glas für junge fassgereifte Weißweine wirkt er viel milder und cremiger. Sowohl das Holz als auch der Alkohol wirken hier deutlich besser eingebunden. 87P

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