22. Januar 2010

Unter dem Titel Luxury & Icon Tasting präsentierte Penfolds Chief Winemaker Peter Gago in Hamburg den aktuellen Grange Jahrgang 2004, den 1990er Grange und eine Reihe weiterer spannender Weine.
Peter Gago arbeitet seit 1989 bei Penfolds und ist seit Juli 2002 der Chief Winemaker (Chefönologe) des gesamten Unternehmens. Er ist damit seit 1948 erst der vierte Winemaker, der für Grange und die anderen renommierten BIN-Weine verantwortlich zeichnet (nach dem Grange-Schöpfer Max Schubert, Don Ditter und John Duval). Vom amerikanischen Weinmagazin Wine Enthusiast wurde Peter Gago als “Winemaker of the year 2005″ ausgezeichnet. Diesem Mann, der neben seiner Arbeit in den Penfolds-Kellern viele Wochen im Jahr zu Präsentationen, Cork-Clinics und anderen Veranstaltungen um die Welt reist, merkt man einfach an, dass er seinen Job liebt. Peter Gago ist ein sympathischer Weinverrückter im positivsten Sinne.
Einige Worte noch vorweg zur in diesem Artikel dominierenden Rebsorte Shiraz: Es handelt sich um die australische Bezeichnung der in Europa unter Syrah bekannten Rebsorte. Syrah wird in Europa hauptsächlich an der Nördlichen Rhone angebaut und bringt dort vor allem in den Appellationen Côte Rôtie und Hermitage einige der besten Weine Frankreichs hervor. Hermitage war auch das Vorbild für Penfolds Grange, der bis die Europäische Union 1989 den Namen des Rhone-Ortes Hermitage weltweit schützen lies, als Grange Hermitage vermarktet wurde.

1. Koonunga Hill 76 Shiraz Cabernet 2006
Diese 2006er Sonderedition des Koonunga Hill mit Etikett im Retro-Look des ersten Jahrgangs dieses Weines wurde anlässlich der Feier des dreißigsten Jahrgangs dieses erfolgreichen Penfolds-Weines auf den Markt gebracht. Der Wein dürfte jetzt seinen Höhepunkt erreicht haben und ihn die nächsten zwei-drei Jahren halten. Der Orginal 1976er muss ein großartiger Jahrgang gewesen sein. Laut Peter Gago wurde der 1976er im Jahre 2006 (also mit genau 30 Jahren) im eine Stunde vor Genuss geöffneten Zustand von Robert Parker mit 94 Punkten bewertet. 87P
2. Koonunga Hill Shiraz Cabernet 1978
Dieser Wein, der dritte je erzeugte Jahrgang des Koonunga Hill, ist 1980 für 1,89 $ auf den Markt gekommen, mittlerweile also über 30 Jahre alt. Kann man so etwas noch trinken? Ja man kann! Zwar ist er nicht ganz so großartig, wie der 1976er sein soll. Das war er allerdings wohl nie. Der Jahrgang 1976 zählte beim Koonunga Hill von Anfang an zu den Top-Jahrgängen, 1978 nur zu den Normalen. In der Nase macht der Wein mit seinem wunderbaren Reifeton eine tolle Figur, im Mund erinnert er etwas an Portwein, schwächelt im Abgang aber schon merklich (ist langsam am austrocknen & leicht oxydativ). Auf Grund der tollen Nase sehe ich ihn aber immer noch locker über achtzig Punkten. Peter Gago berichtet dabei, dass er eine Reihe vermögender Weinfreunde kennt, die problemlos nur Grange trinken könnten, aber gerne zum Barbecue 20-jährige Versionen von Koonunga Hill oder Bin 28 genießen. 84P
3. BIN 28 Kalimna Shiraz 2006
Seit der BIN 28 vor einigen Jahren einem guten Freund in einem Amsterdamer Gourmetlokal als ideale Begleitung zu Steakgerichten empfohlen wurde entwickelte er sich zu einem meiner Lieblingsweine zu genau diesem Zweck. Der Kalimna Hill, aus dem dieser Wein bis in die 70er Jahre ausschließlich stammte, wurde zumindest teilweise schon 1888 bepflanzt. Damals war es hier vor allem Cabernet aber auch die in mehreren anderen Weinbergen damals vorherrschenden klassischen Rhone Rebsorten Grenache, Syrah und Mourvedre, die zu dieser Zeit vor allem als Grundweine für die damals sehr beliebten australische Portweine dienten. Seit den 70er Jahren ist der Bin 28 eine multiregionale Cuvée, die genau wie Grange jedes Jahr neu komponiert wird. Das Ergebnis ist aber Jahr für Jahr sehr ähnlich: ein sehr kräftiger tiefroter Wein mit enormer Frucht, Noten von dunkler Schokolade, Pfeffer, weiteren Gewürzen und einem so feinen Tannin, dass er schon sehr jung mit großem Genuss getrunken werden kann, sich aber gleichzeitig auch über bis zu 20 Jahre gut weiterentwickeln kann. 89+P
4. St Henri Shiraz 2005
Obwohl der Wein seinen Shiraz im Namen trägt, handelt es sich nicht um einen reinsortigen Shiraz, sondern um eine Cuvée aus Shiraz und Cabernet-Sauvignon mit aktuell 90% Shiraz und 10% Cabernet. Am St Henri wurde erstmals ab 1953 experimentiert, bevor dann ab dem Jahrgang 1957 die kommerzielle Serienproduktion aufgenommen wurde. Eine Flasche des 1957er St Henri wurde vor kurzem für rund 5200 Euro versteigert. In den ersten Jahren wurde St. Henri zum selben Preis wie Grange auf den Markt gebracht, erst später entwickelten sich die Preise weit auseinander. Heute kostet ein junger St Henri rund 70 Euro. Der aktuelle 2005er gilt dabei als einer der besten St Henri Jahrgänge überhaupt. Ein feiner, seidiger Wein, mit konzentrierter Frucht und dichter Tanninstruktur. Noch sehr verschlossen, braucht noch einige Jahre Zeit. 92+P
5. RWT - Barossa Valley Shiraz 2006
RWT steht für Red Winemaking Trial und das war der Titel eines 1995 gestarteten Projektes mit dem Ziel eines reinen Shiraz ausschließlich aus dem Barossa Valley, der gleichzeitig neue Maßstäbe für Barossa-Valley-Shiraz setzen sollte. Am Ende des Projekts, nach zweijährigen Experimenten, wurde mit dem Jahrgang 1997 der RWT erstmals öffentlich präsentiert. Als einziger der hier beschriebenen Weine wird er nicht in Fässern aus amerikanischer Eiche ausgebaut, sondern in französischer Eiche. Noch sehr verschlossen, daher vorerst ohne Bewertung.
6. Grange 2004
Grange entstammt nicht, wie die meisten anderen großen Rotweine der Welt, Jahr für Jahr aus der einen oder den wenigen immer selben Lagen, sondern wird jedes Jahr aufs neue kreiert aus hunderten einzeln gelesenen und ausgebauten Blocks in diversen Weinbergen verteilt über mehrere australische Weinregionen. Der 2004er besteht aus 96% Shiraz und 4% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr aus dem Barossa Valley (darunter ein großer Teil Kalimna Shiraz), dem McLaren Vale und den Magill-Weinbergen.
Der Wein wird von der Fachpresse mit Lorbeeren nur so überhäuft: Robert Parker vergibt 99 von 100 Punkten, der Wine Spectator 98, die britische Master of Wine Jancis Robinson gab 19,5 von 20 (ihre höchste je vergebene Bewertung) und Stephan Reinhardt im Deutsch-Schweizer WeinWisser 20 von 20 Punkten. Penfolds empfiehlt in Europa offiziell einen Verkaufspreis von 300 Euro, einige deutsche Händler bieten ihn schon ab 240 Euro an. Damit kostet er deutlich weniger als die Hälfte vergleichbar bewerteter Spitzengewächse aus Bordeaux.
Mir gefällt er natürlich auch. Die oben genannten Bewertungen sind allerdings Potentialnoten - bewerten also nicht den aktuellen Stand sondern das Potential des Weines. Derzeit zeigt er zwar schon, wohin die Reise einmal gehen wird, ist aber noch deutlich verschlossen. Ich rate daher dazu, nach dem Kauf die nächsten 15 Jahre die Finger davon zu lassen und den Wein lieber im Alter von 20-30 Jahren zu genießen. Dann wird der Genuss noch um ein Vielfaches höher sein als heute. 97-99P
7. Grange Magnum 1990
Der 1990er Grange besteht aus 95% Shiraz und 5% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr vom Kalimna Hill, aus weiteren Teilen des Barossa Valley, dem Clare Valley und aus Coonawarra. Dieser Wein ist einfach ein Erlebnis. Mittlerweile zwanzig Jahre alt und immer noch jugendliche Kraft. Zumindest aus der Magnum verkostet hat der 90er Grange das Potential für weitere 20-30 Jahre. Robert Parker gibt “nur” 94 Punkte. Der Wine Spectator trifft mit 98 Punkten und der Auszeichnung “Wine Spectator’s Wine of the Year 1995″ schon eher meinen Geschmack. Eine wunderbare Nase, edle Hölzer, dunkle Beeren, reife Kirschen, Dill, dunkle Schokolade, Espresso, mild gereifte Tannine und sehr elegant. Ein toller Wein. Ich könnte drin baden! 97P
Nach Ansicht von Peter Gago hat übrigens der um die 30 Euro gehandelte BIN 389 Cabernet Shiraz das beste Preis-Leistungsverhältnis aller Penfolds-Weine.
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Für englischsprachige Penfolds-Fans gibt es ein neu überarbeitetes und auf den aktuellen Stand gebrachtes Buch mit 360 Seiten Informationen über die Geschichte des Weinguts, die über halb Australien verstreuten Weinbergslagen und vor allem die Weine.
Für viele wohl am Interessantesten: ausführliche Beschreibungen aller Grange (auch BIN 95 und bis 1989 Grange Hermitage genannt) Jahrgänge von 1951 bis heute mit aktuellem Entwicklungsstadium und Geschmack, Rebsorten-Zusammensetzung der Cuvée (schwankend von immer wieder mal 100% Shiraz bis zu mehrfach 87% und 1993 gar nur 86% Shirazanteil - der Rest ist immer Cabernet Sauvignon) auch die selten genannte Herkunft des jeweils verwendeten Traubenmaterials.
Auch die meisten anderen lagerfähigen Weine werden vom ersten Jahrgang an beschrieben (wenn auch etwas weniger detailiert). Darunter
St Henri Shiraz ab 1953,
BIN 28 Kalimna Shiraz ab 1959,
BIN 389 Cabernet Shiraz ab 1960,
BIN 707 Cabernet Sauvignon ab 1964,
Koonunga Hill Shiraz Cabernet ab 1976,
BIN 138 Shiraz Grenache Mourvèdre ab 1992,
Yattarna ab 1995,
RWT (steht für Red Winemaking Trial) ab 1997,
Aged Release Riesling ab 1992 (der Wein heißt so, da er immer erst fünf Jahre nach Füllung in den Verkauf geht).
Außerdem wird eine Vielzahl von Penfolds-Weinen oder Sondereditionen vorgestellt, die im Normalfall nur in anderen Regionen der Welt erhältlich sind (dabei auch Bioweine, Portweine und weitere Rieslinge).
Der britische Autor Andrew Caillard ist seit 1993 Master of Wine (MW) und lebt seit vielen Jahren in Sydney. Er ist Autor diverser Weinpublikationen und Mitbegründer des bedeutendsten australischen Weinaktionshauses (und dort auch weiterhin als Auktionator tätig).
Zum Thema hier im Blog: Penfolds Grange 2004 Präsentation beim Luxury & Icon Tasting mit Winemaker Peter Gago
Bei Amazon.de bestellen: Penfolds: The Rewards of Patience
21. Januar 2010

Die Lage Rüdesheimer Bischofsberg wurde schon im Jahre 1074 im Auftrag des damaligen Mainzer Erzbischof Siegfried I. von Mainz für Weinbau nutzbar gemacht. Daher auch der Name. Da in dieser Lage oft Nebel herrscht wird und es dadurch fast jedes Jahr zu Botrytisbefall kommt eignet sich der Bischofsberg besonders für Süßweine.
Das Weingut Breuer, eines der renommiertesten Weingüter im Rheingau, hat mittlerweile entschieden, Weine aus dem Bischofsberg nicht mehr separat auszubauen, da sie nicht ganz an die Qualität der Lagen aus dem Rüdesheimer Berg (Berg Schlossberg, Berg Roseneck, Berg Rottland und Berg Kaisersteinfels) herankommen. Mit den Partien aus dem Bischofsberg wird nun vor allem die lagenbezeichnungslose Riesling Auslese Rheingau aufgewertet.
Georg Breuer Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Auslese 1999
Helles gelb, geringe Reifenoten, wirkt (trotz der 0,375 Flasche) deutlich jünger als seine mittlerweile zehn Jahre, intensiver Duft von Pfirsich und Zitrusfrucht, daneben vor allem Nelken (und ein Hauch weiterer Kräuter), Karamell, etwas Vanille, wunderbar cremig, immer noch eine mittlere Restsüße und eine gut dazu passende Säure. Die 9,5 % Vol. sind geschmacklich kaum wahrnehmbar. 91P
4. Januar 2010

Das Weingut „Le Gallais” in Wiltingen an der Saar wurde schon 1954 durch Egon Müller III. (dem Vater des heutigen Winzers) vom Weingut Egon Müller-Scharzhof übernommen. Die ausschließlich mit Riesling bepflanzte Lage Wiltinger Braune Kupp umfasst vier Hektar tiefer Schieferverwitterungsböden und ist, seit in den 90er Jahre die letzten zwei fehlenden Hektar vom Weingut Vereinigte Hospitien Trier übernommen werden konnten, im Alleinbesitz (daher auch Monopollage genannt) des Weinguts Egon Müller-Scharzhof. Dieses im Wiltinger Scharzhofberg gelegene Weingut ist das mit Abstand renommierteste Weingut an der Saar. Die Weine aus der Lage Wiltinger Braune Kupp werden allerdings weiter ausschließlich mit dem „Le Gallais”-Etikett vermarktet.
Egon Müller Le Gallais Wiltinger Braune Kupp Riesling Spätlese 1995
Über zwei Tage getrunken, erst dunkles goldgelb, am zweiten Tag dann eher Bernsteinfarben. Wunderbar gereift, dezente Firne, intensiver Duft von reifem Pfirsich, dazu Zitrusnoten, im Mund vor allem Schieferwürze, deutlich mineralisch, nur noch wenig vorhandene Restsüße und eine kräftige Säure. Macht Spaß, kann sich auch noch einige weitere Jahre schön entwickeln, hatte seinen Höhepunkt für meinen Geschmack aber schon vor einer Weile, als der wirklich knackigen Säure ein wenig mehr Restsüße gegenüber stand. 90P
15. Dezember 2009

Das kleine Champagnerhaus Chapuy in Oger ist in Deutschland noch recht unbekannt. Der Familienbetrieb besitzt in 8 Hektar eigene Rebflächen in Grand Cru Lagen in Oger, die komplett mit Chardonnay bepflanzt sind. Oger ist eine von nur 17 Champagne-Gemeinden (von insgesamt 319) deren Lagen als Grand Cru ausgewiesen wurden.
Champagner Chapuy Grand Cru Blanc de Blancs Brut Réserve
Ein kaum bekannter Grand Cru Champagner für gerade einmal 26 Euro, so sehen Dinge aus, die meine Neugierde erwecken. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch und stiegen auch nur minimal, als ich von 90 Punkten im Wine Spectator gelesen habe. Daher war die Überraschung um so größer. Dieser aus 100% Chardonnay aus Grand Cru Lagen in Oger produzierte Blanc de Blances ist richtig schön trocken, hat eine sehr feine Perllage und Cremigkeit, eine tolle frische Zitrusnote, einen feinen Hefeton, einen Hauch Haselnuss und auch sonst alles, was ein toller Champagner braucht. Einzig die nussigen Aromen könnten meinen persönlichen Champagner-Vorlieben entsprechend noch etwas ausgeprägter sein. Eine schöne Champagner-Entdeckung mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis. 91P
Mit dieser Meinung scheine ich auch nicht ganz allein zu sein. Offenbar hatte auch Mario Scheuermann diesen Champagner in den letzten Tagen im Glas und kam, wie man bei Twitter lesen konnte, zu einem ähnlichen Ergebnis… (weiterlesen…)
9. Dezember 2009

Vertikalen großer Bordeaux sind keine Seltenheit, ist es doch (zwar mit gewissem finanziellen Aufwand) fast immer möglich, fehlende Flaschen über die vielen regelmäßig stattfindenden Auktionen zusammen zu tragen. Eine solche, fast lückenlose, Vertikale eines deutschen Top-Rieslings sucht allerdings ihres gleichen, da kaum jemand alle dazu nötigen Weine selbst eingelagert hat und reife Rieslinge auf Auktionen und im Handel so gut wie nie zu bekommen sind.
Zwei Bonner Weinfreunde, beide seit langem Heymann-Löwenstein-Fans, haben den Großteil dieser Uhlen-Kollektion aus ihren umfangreichen Privatsammlungen zusammen getragen und die noch fehlenden Jahrgänge konnten mit Hilfe von Winzer Reinhard Löwenstein und des Berliner Lokals Weinstein hinzugefügt werden.

Zur Verkostung standen 20 verschiedene Uhlen-Riesling aus dem Weingut Heymann-Löwenstein von 1996 bis 2007. Dazu gab es einen als Pirat angekündigten Wein, der ohne nähere Angaben zu seiner Herkunft aus dem Dekanter serviert wurde. Bis zum Jahrgang 2000 füllte Reinhard Löwenstein nur einen “trocken” Uhlen, seit 2001 werden die Schieferformationen Roth Lay (Uhlen R), Laubach (Uhlen L) und Blaufüßer Lay (Uhlen B) von Löwenstein getrennt ausgebaut. Seit dem gibt es also jählich drei sensorisch mehr oder weniger trockene Uhlen-Rieslinge. Nach einer kurzen Diskussion vor Beginn der Verkostung haben wir uns für die Probenreihenfolge beginnend mit den ältesten Jahrgängen und endend mit den jüngsten entschieden. (weiterlesen…)

Am Wochenende wurde eine neue Art von Bank eröffnet, die Winebank im (oder besser unter dem) Weingut Balthasar Ress in Hattenheim im Rheingau. Nutzer der Winebank haben eine Chipkarte zu Verfügung, mit der sie sich an dieser Pforte rund um die Uhr Zugang zu ihren gemieteten Kellerfächern verschafften können. Die 223 unterschiedlich großen Bank-Fächer liegen gut geschützt in einem in den letzten Jahren nicht mehr genutzten und stilvoll umgebauten Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert, der mit einem 1922 erbauten Kreuzgewölbe verbunden ist.

Die Temperaturen in der Winebank bewegten sich über alle Jahreszeiten konstant zwischen 13 und 15 Grad Celsius, sagt Initiator Christian Ress. Eingebaut sind LED-Lampen, die kaum Wärme abstrahlen und auch sonst den Wein mit ihrem Licht nicht schädigen sollten, da sie keine UV-Emissionen haben. Die Fächer für bis zu 35 Normalflaschen kosten monatlich 49 Euro, für Fächer mit Fassungsvermögen von bis zu 105 Flaschen werden 89 Euro aufgerufen, für ein 150er Fach sind es dann 149 Euro und für die 332er Fächer 199 Euro.

Neben den Fächern gibt es auch drei begehbare Privatkeller. Einer der beiden bereits vermieteten befindet sich am Ende dieses Ganges. Mieter des 3900 Flaschen fassenden Nussbrunnen-Kellers ist ein bekannter Sommelier aus der Region. (weiterlesen…)
23. November 2009

Nach Eichelmann (Deutschlands Weine 2010) und GaultMillau WeinGuide 2010 ist nun auch der dritte Deutsche Weinführer auf dem Markt: Der Feinschmecker Guide: Die 800 besten Weingüter in Deutschland 2010.
Das Booklet (Der Feinschmecker schreibt vom “Weingüter-Buch”) ist genau wie in den Vorjahren nur 260 Seiten stark. Die Seiten fallen diesmal allerdings ca. 1 cm breiter aus und wurden auf deutlich dickerem und hochwertigerem Papier gedruckt.
Im Vorwort wird explizit darauf eingegangen, dass im vergangenen Sommer “heftig zwischen deutschen Spitzenwinzern und deutschen Weinjournalisten über Weinkritiker und ihre Arbeitsweise gestritten wurde”. Es folgt der der ausdrücklich Hinweis, die Weine würden blind verkostet, die Teilnahme sei für alle Weingüter kostenlos und es stehe jedem deutschen Weingut frei, sich um eine Aufnahme in diesen Führer zu bewerben.
Wie beim Feinschmecker üblich, wird das Renommee der Weingüter mit 0,5 F (F) bis 5 F (FFFFF) klassifiziert. Die Weingüter ab FF (rund ein Drittel der 800 Weingüter) werden mit ein paar Zahlen und Namen der Akteure , einem kurzen Text und 5-6 Weinempfehlungen (ohne Bewertung) vorgestellt. Die Weingüter bis FF werden nur mit Adresse und Klassifizierung genannt.
Obwohl in der Einleitung darauf hingewiesenen wird, in die Gesamtwertung der Weingüter würden nur die letzten 4-5 Jahre berücksichtigt, werden einige der TOP-Weingüter der 90er Jahre, die mittlerweile deutlich abgefallen sind, noch immer bei vollen FFFFF eingeordnet.
An einigen Stellen wird es skurril: (weiterlesen…)
22. November 2009

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen Riesling Auslese Goldkapsel 1998
Kräftiges goldgelb, intensiver Duft von Grapefruit und reifen Pfirsichen, im Mund auch herbe Grapefruit, Pfirsich, Mirabellen, Mandarine, etwas Botrytis, cremig, ein Hauch Karamell, saftig, eine feine dezente Süße, stabile Säure, gute Länge. 94P
So meine Verkostungsnotiz vor einigen Wochen, als ich eine der Flaschen mit Freunden zur Creme Brûlée getrunken habe. Die heutige Flasche wollte ich eigentlich zum Abschluss der gestrigen Verkostung von 21 “trockenen” Uhlen aus dem Hause Heymann-Löwenstein von 1996-2007 beisteuern, habe sie aber im Eisschrank vergessen. Da ich erst 12 Stunden später zurück war, rechnete ich mit einer geplatzten Flasche. (weiterlesen…)
17. November 2009

Nach spannenden Diskussionen um die Zukunft dieses WeinGuides im vergangenen Sommer und dem anschließenden Ausscheiden von Armin Diel, der bis dahin gemeinsam mit Joel Payne Chefredakteur und Herausgeber des WeinGuide war, liegt nun die erste allein von Joel Payne verantwortete Ausgabe vor.
Die Zäsur in der Chefredaktion wurde offensichtlich genutzt um neuen Wind in Deutschlands wichtigsten Weinführer zu bringen. Erstmals erscheint der WeinGuide durchgehend vollfarbig mit zugleich deutlich höherer Bildqualität und zeitgemäßerem Schriftbild.
Joel Payne zeigt sich mit den bewerteten Weinjahrgängen 2008 bei Weißweinen und 2007 bei Rotweinen sehr zufrieden. Sein Fazit zur Bundesfinalprobe der besten trocken Rieslinge: „Wir hatten selten eine solche Qualitätsdichte auf dem Tisch.“ Als Sieger und mit 96 Punkten bester trockener Riesling Deutschlands setzte sich am Ende der
2008er Forster Kirchenstück “GC” vom Weingut Dr. Bürklin-Wolf
in Wachenheim (Pfalz) durch. Platz zwei mit je 95 Punkten teilen sich Emrich-Schönleber (Halenberg GG), Klaus-Peter Keller (Abtserde GG) und noch einmal Bürklin-Wolf (Pechstein GC). Lediglich bei den Auslesen und edelsüßen Rieslingen müsse man im Jahrgang 2008 Abstriche machen. Hier sei das hohe Niveau der Vorjahre nicht immer erreicht worden.
Noch gelungener seien die Spätburgunder. 2007 habe grandiose Rotweine hervorgebracht. „Dieser Jahrgang kann Geschichte schreiben“, ist sich Payne sicher. Man habe deshalb bei den Bewertungen ganz hohe Noten zücken müssen. Nie zuvor in der 17-jährigen Geschichte des WeinGuides erhielt ein Rotwein 97 Punkte, wie diesmal der Pinot Noir von Friedrich Becker aus der Pfalz (und damit gleich zwei Punkte mehr als jemals zuvor für einen Deutschen Spätburgunder vergeben wurden). (weiterlesen…)