6. Mai 2013

Weinkaiser.de ist heute seit zwei Jahren mit einer eigenen Seite bei Facebook vertreten. In dieser Zeit haben wir dort weit über tausend Bilder von Weinbergen, Weinkellern, Weingütern, Weinverkostungen und Weinpartys so wie viele kleine Texte und Kommentare veröffentlicht. Da das alles nur Sinn macht, wenn es auch angesehen und gelesen wird, freuen wir uns über die inzwischen mehr als 800 gewonnenen Fans und auf alle, die künftig noch dazukommen. Dafür sagen wir Danke und verlosen zwei Karten zur WineVibes Vol. 6 am 25. Mai in Köln.

Vor wenigen Tagen hatten wir die Gelegenheit, die Location der ersten Kölner WineVibes zu besichtigen und den geplanten Aufbau und Ablauf erläutert zu bekommen. Das The New Yorker | Dock.one mit einem genehmigten Fassungsvermögen von 1.300 Besuchern ist die bisher größte WineVibes-Location. Das ehemalige Fabrikgebäude unweit der Harald-Schmidt-Studios in Köln Mülheim wurde zu einem hochmodernen Veranstaltungsgebäude umgebaut.

Die WineVibes Vol. 6 wird in Zusammenarbeit mit der Generation Riesling des Deutschen Weininstituts stattfinden, dass heißt viele junge Winzer und Winzerinnen aus der ganzen Republik werden ihre Weine präsentieren. Da an diesem Abend auch das Champions-League-Finale zwischen Dortmund und dem FC Bayern stattfindet, werden zum Spiel auch TV-Monitore (60-Zoll) aufgestellt.

Alles weitere zur WineVibes auf der Webseite der Organisatoren: http://winevibes.de.
Die beiden Karten werden zusammen verlost (also einmal zwei Karten) am Sonntag , 12. Mai um 22 Uhr. Um teilzunehmen hinterlasst bitte bis dahin unter diesem Blogpost einen kurzen Kommentar oder teilt das entsprechende Posting auf der Facebookseite von Weinkaiser.de. Viel Erfolg!

26. April 2013

Nico Medenbach vom Weinblog Drunkenmonday hat sich das Thema der Weinrallye 62 ausgedacht. Weine unter fünf Euro. In diesem Preisbereich habe ich länger nichts mehr für den eigenen Keller gekauft. Andererseits habe ich mit industriell verarbeitetem Wein aber auch kein Problem. Man kann hier nichts Spannendes und Komplexes erwarten, allerdings in großen Mengen erzeugte, gut trinkbare und solide Basisqualität. Mir ist klar, dass in dieser Kategorie das Hauptgeschäft gemacht wird und das, was wir hier sonst so diskutieren, alles Luxusgüter in homöopathischen Mengen sind. Dass die Basisqualität im Discounter in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist, ist zwar ein Problem für viele kleine Winzer, da der Abstand zu ihren handwerklich erzeugten Weinen kleiner wird und manchem preissensiblen Kunden Handwerk egal ist, es ist aber unverzichtbar wenn man neue Kunden ansprechen will, die bisher keine Erfahrung mit Wein haben. Auch die allermeisten, die später hochwertige Weine trinken, haben mal mit einfachster Basisqualität angefangen. Da ich aber sowohl für meinen Blog als auch für andere und in Weinjurys regelmäßig Weine aller Preisbereiche verkoste, möchte ich etwas nicht alltägliches, wenn ich mal Weine aus dem eigenen Keller öffne. Darum lege ich mir in den privaten Keller schon länger keine Alltagsweine mehr. In den 90ern war das noch anders. Darum müssen zwei Überbleibsel aus dieser Zeit herhalten, damit ich an dieser Weinrallye teilnehmen kann.

Der erste Wein ist eine 1997er Oppenheimer Krötenbrunnen Auslese von der Thomas Rath GmbH aus Zell (Mosel). Solche restsüße Weine aus dem Supermarkt gab es zu Beginn meiner Studentenzeit in meiner Konstanzer WG häufiger zum Schnitzel. Die Alternative meiner Mitbewohnerinnen war Pinot Grigio aus dem ALDI zur Pizza. Wie genau allerdings diese 97er Flasche in meinen Keller gekommen ist, erinnere ich mich nicht mehr, denn eigentlich war die Phase mit solchen Weinen schon ein paar Jahre früher vorbei. Aktuell kosten solche Auslesen 2 bis 3 Euro und welche Rebsorten verwendet wurden will man besser auch nicht wissen. Diese Flasche enthält also einen 16 Jahre alten lieblich/süßen Billigwein. Kann so was noch trinkbar sein?
Erstaunlicherweise ja. Sicher, ein Hochgenuss ist es nicht, aber dennoch trinkbar: Dichtes Goldgelb, extrem intensives Pflaumenaroma, ein künstlich wirkender Eisbonbon- und Früchteteeton, etwas Firne, leicht Petrol, nahezu säurefrei, üppige Süße, im extrem kurzen Abgang leicht bitter und etwas metallisch oxidativ. Dieser oxidative Ton nimmt mit längerem Luftkontakt deutlich zu.

Den anderen 1997 Discounterwein habe ich im Jahr 2000 mit voller Überzeugung gekauft, er wurde mir damals von mehreren Seiten empfohlen und kostete knapp unter 10 Mark. Es handelt sich um den 1997er Chianti Classico Beni Duilio Riserva von Castellani. 1997 ist einer der besten Chianti-Jahrgänge aller Zeiten und auch viele einfache Weine waren in diesem Jahr herausragend gut. Mir hat dieser Wein jung gut gefallen, so dass ich in der Folge ca. 15 Flaschen eingelagert habe. Leider stellte sich mit der Zeit heraus, dass es unterschiedliche Chargen gab. Manche der Weine waren farblich recht schwach, fast Pinot-artig, dafür aber geschmacklich sehr harmonisch. Ich habe ihn mehrfach in Blindverkostungen mit Spitzenchiantis eingeschleust, die er zwar nie gewonnen hat, aber auch nie letzter wurde. Andere Flaschen enthielten einen farblich deutlich dichteren und auch sonst konzentrierteren Wein, der sich leider aber nicht so gut entwickelte wie der “dünnere”. Die heutige Flasche gehört leider zur zweiten Gruppe. Der Wein hat noch eine stabile Farbe, zeigt ein intensives süßliches Kirscharoma, leichte animalische Noten, etwas Brett, bittere Holz-Röstaromen, Vanille, trocknet am Ende aus und wird leicht bitter.
Die Wochenzeitung Die Zeit im Jahr 2002 über Castellani: Aldi hat für den unschlagbaren Preis von je 1,99 Euro jährlich acht Millionen Flaschen Castellani-Chianti verkauft – zehn Prozent der Chianti-Jahresproduktion. Mit diesem Preis lag der Wein unter den Produktionskosten. Erst im August 2002 erhöhte Aldi den Preis auf 2,49 Euro. Vielleicht weil die Staatsanwaltschaft in Pisa gegen Castellani wegen des Verdachts auf Weinfälschung ermittelt.
ALDI hat daraus gelernt und lässt die Weine seines Sortiments heute von einem Essener Weinlabor untersuchen, nicht nur auf Qualität, sondern auch auf offensichtliche Widersprüche, wie zu niedrigem Einkaufspreis für die vor Ort üblichen Produktionskosten oder für den Produzenten ungewöhnlich hohe Produktionsmengen. Außerdem gibt es eine Reihe Kooperationen mit namhaften Erzeugern aus dem VDP oder dem Badischen Spitzenwinzer Fritz Keller, der ALDI mit den Weinen seines VITIS-Projekts beliefert. Einen Spätburgunder Rosé 2012 von dort hatte ich gerade in der Post und auf dem Prüfstand. Bei ALDI-Süd ist der Wein derzeit noch im Programm und ab dem 13. Mai kann man ihn auch in den ALDI-Nord-Filialen kaufen. Sehr fruchtig (Erd- und Himbeeren), Hagebutte, erstaunlich frische Säure, für meinen Geschmack ein wenig zu überreif und restsüß. Für viele andere wird es so gerade richtig sein. Für 4,99 Euro ein ordentlicher Wein, der auf vielen Partys gut ankommen wird.

3. April 2013

Unter dem Namen Große Rieslingweinprobe wird in der Winninger August-Horch-Halle (der AUDI-Gründer ist in Winningen geboren) jedes Jahr im März die traditionelle Frühjahrsweinprobe der Jungwinzer und Schröterzunft Winningen abgehalten. Präsentiert werden ausschließlich Rieslingweine des aktuellen Weinjahrgangs, diesmal also 2012, sowie ein Jahrgangs-Riesling-Winzersekt. Im Mittelpunkt der Verkostung steht jeweils das gesamte Spektrum der Winninger Rieslinge vom trockenen Qualitätswein bis zu edelsüßen Eisweinen.

Eine Auswahlprobe, welche Weine es unter die 26 präsentierten Rieslinge der Veranstaltung schaffen sollten, fand in diesem Jahr im Weingut Richter, einem der besten der teilnehmenden Weingüter, statt. Zu Beginn der Großen Riesling Weinprobe erhielt jeder Besucher eine Verkostungsliste aller angestellten Weine mit Angabe der Prädikatsstufe und ggf. der Weinbergslage, allerdings ohne jede Information, von welchem Weingut die Weine jeweils stammten. Da zudem aus neutralen Flaschen eingeschenkt wurde, blieb vollkommen unklar wer hier was (positiv wie negativ) zu verantworten hatte. Später erklärte der Moderator allerdings, das Kaufinteressierte nach der Veranstaltung bei ihm den Produzenten ihres favorisierten Weines erfragen könnten. Erwartungsgemäß vertreten war das gesamte Winninger Lagenspektrum von den weltbekannten Terrassenlagen Uhlen und Röttgen, über Hamm und Brückstück bis hin zum über die gesamten Gemarkung verteilten Winninger Domgarten, der aus meiner Sicht auch gerne komplett in ein hübsches Baugebiet umgewandelt werden könnte…

Kommentiert wurde die Probe von Achim Rosch, Diplom-Oenologe am DLR Mosel (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum), der die schwierige Aufgabe mit Bravur meisterte, alle 26 zwar meist gut trinkbare aber selten außergewöhnliche Rieslinge einzeln vorzustellen und zu lobpreisen. Um es mit Loriot zu sagen: Einer wie der andere, das ist Qualität.
Abseits der Weinbeschreibungen machte es allerdings durchaus Sinn, Achim Rosch zuzuhören. Er erklärte eine ganze Reihe Begriffe aus der Welt des Weines und gab auch diverse sinnvolle Tipps für unerfahrene Weinfreunde. Leider haben davon bei steigendem Alkoholpegel und zunehmender Lautstärke im Saal die Wenigsten noch etwas mitbekommen.

Wer also eine akademische Weinprobe erwartete, war hier auf der falschen Veranstaltung. Wer aber Spaß und gute Stimmung suchte, war absolut richtig. Da dieser Event regelmäßig ausverkauft ist (ca. 350 Besucher) und es keinen Vorverkauf gibt, waren die meisten Plätze schon lange vor dem offiziellen Beginn der moderierten Verkostung eingenommen und es wurde zünftig mit Rieslingsekt vorgeglüht. Dann folgten, zumindest an meinem Tisch, pro Teilnehmer 26 Portionen Riesling zwischen 4 und 5 cl, was sich auf 1 bis 1,3 Liter zusammenaddiert. Tonkrüge als Spucknäpfe waren zwar vorhanden aber blieben weitgehend verschont. Die Stimmung stieg von Runde zu Runde. Zum Abschluss des Abends wurden dann auch gemeinsam einige Mosel-Gesänge angestimmt. Fazit: eher ein geselliges Weintrinken in feucht-fröhlicher Runde als eine klassische Weinprobe aber die Stimmung ist einzigartig und die allermeisten Besucher werden auch im nächsten Jahr wieder mit von der Partie sein.

Die teilnehmenden Weingüter:
Weingut Fries
Weingut Werner Fries
Weingut Freiherr von Heddesdorff
Weingut Hess-Hautt
Weingut Fred Knebel
Weingut Gerd Knebel
Weingut Knebel-Lehnigk
Weingut Friedrich Kröber
Weingut Am Hohen Rain
Weingut Kurt Kröber
Weingut Rüdiger Kröber
Weingut Ute und Stefan Mölich
Weingut Horst Löwenstein
Weingut Richard Richter
Weingut Horst Sünner
Weingut Richard Weyh
Die beiden Winninger Spitzenbetriebe Heymann-Löwenstein und Reinhard & Beate Knebel nahmen nicht teil.

1. April 2013

In den 90er Jahren kam die Idee auf, brach gefallene Moselsteillagen mit Weinbergspfirsichen zu bepflanzen, um Erosion vorzubeugen und auch die optische Wirkung der Brachflächen etwas abzumildern. Lange Jahre wurde das auch mit üppigen Landesmitteln gefördert. Mittlerweile gibt es eine Überproduktion von Weinbergspfirsichen und immer mehr Pfirsichbäume bleiben ungeerntet. Zahlreiche dieser pflegeintensiven Bäume verwildern inzwischen, da sie nach Krankheits- oder Schädlingsbefall von in Sachen Baumpflege überforderten Winzern einfach aufgegeben wurden.
Lösung in Sicht
Zu einer wirtschaftlichen Weiterverarbeitung in der Holzindustrie eignen sich die zierlichen Weinbergspfirsich-Bäume leider auch nicht. Genau hier ist der Ansatzpunkt einiger innovativer Betriebe, der nun immer mehr Nachahmer findet. Seit durch einen vielbeachteten Beitrag der Gebrüder Lange in der Wochenzeitung Die Zeit öffentlich bekannt wurde, dass der im Weißwein beliebte Pfirsichgeschmack vor allem auf den Ausbau im Eichenholzfass zurückzuführen ist, ist die Nachfrage nach Fässern aus der noch geschmacksintensiveren Pfirsicheiche sprunghaft angestiegen.
Gerade die Spitzen-Rieslinge der Mosel profitieren davon. Während die mit wenig Eigengeschmack ausgestatteten Weine aus mit Höchsterträgen bewirtschafteten Flachlagen schon durch den Ausbau in herkömmlichen Eichen-Barriques eine ausreichende Intensität des so moseltypischen Pfirsicharomas annehmen, ist für die mit stärkerem Eigengeschmack ausgestatteten Spitzenweine aus Steillagen schon schwereres Geschütz erforderlich. Genau hier eignen sich Fässer aus Pfirsicheiche perfekt, um auch diesen Weinen zu dem begehrten Pfirsich-Touch zu verhelfen.

Da die wuchskräftige Pfirsicheiche in den ersten Jahren noch keine Frucht trägt und das Holz bereits nach sieben bis acht Jahren “geerntet” werden kann, scheint dies der perfekte Baum für die Region zu sein. Langfristig kann man davon ausgehen, dass die Pfirsicheiche die Weinbergspfirsiche verdrängen wird. Da sich neben dem Pfirsicharoma noch eine Reihe anderer Fruchtaromen zunehmender Beliebtheit im Wein erfreuen, wird an der Hochschule Geisenheim University bereits an anderen Baumkreuzungen geforscht. Schon in wenigen Jahren wird hier die Marktreife der Apfeleiche erwartet.

PS: Weinkaiser.de wünscht einen schönen ersten April! Das wirklich Schräge: der oben verlinkte Zeit-Artikel von Mitte März, der uns erst sprachlos hinterließ und dann Auslöser zu diesem Beitrag war, enthält leider noch mehr Fehler als unser heutiger Aprilscherz.
14. März 2013

Im Sommer 2011 bekam ich von der FH Mainz einen Fragebogen zugesandt. An der FH würden Bloggerportraits erstellt, die letztendlich in einem Buchprojekt münden sollen. Fragebögen auszufüllen war ich mittlerweile gewohnt, schließlich schreibt dauernd jemand eine Diplom- oder Masterarbeit über Blogs und bittet um Mithilfe. Die Aussicht in einem Fachbuch über die Szene vertreten zu sein, war hingegen neu. Also habe ich mir die Zeit genommen, die Fragen in Ruhe zu beantworten.
Danach kehrte Ruhe ein. Soviel Ruhe, dass ich das Projekt längst abgeschrieben und vergessen hatte, als ich gut eineinhalb Jahre später im Oktober 2012 aus dem Büro von Frau Prof. Beyer PDF-Dateien zur Durchsicht und mit der Bitte um Druckfreigabe gemailt bekam. Natürlich hatte sich seit meinen Fragebogen-Antworten bei mir und meinem Blog einiges verändert, die wesentlichen Aussagen stimmten aber nach wie vor, so dass ich nur Zahlen aktualisieren lies um nicht für weitere Verzögerung zu sorgen. Drei Monate später lag das fertige Werk nun kürzlich in meinem Briefkasten.
Das Buch beginnt mit einer etwa 15-seitigen Analyse der deutschen und internationalen Blogosphäre, ihrer typischen Probleme, der Verdienstmöglichkeiten, ihres Einflusses und der Zukunftsaussichten.
Tenor: die Zahl der Blogleser stagniert, verteilt sich aber auf weniger Blogs, deren Leserzahlen damit weiter steigen. Grund ist der Wegfall vieler sehr persönlicher Blogs, die nur für das eigene private Umfeld geschrieben wurden, nach und nach verschwinden, da ihre Autoren vermehrt auf Facebook ausweichen. Die verbleibenden Blogs werden zunehmend professioneller betrieben. Mehr als 90% der Blogger nutzen Facebook, je professioneller der Blog betrieben wird, desto höher die FB-Nutzung der Macher.
Anschließend werden 35 Blogger mit ihren Blogs porträtiert, vom Social-Media-Experten Leander Wattig über SPIEGELblog-Betreiber Torsten Engelbrecht bis hin zu den Autoren vielgelesener Spezialblogs zu Themen wie Mode, Börsenhandel, Computerspiele und Rechtsprechung. Oder eben Wein.
An Ende des Buches gibts dann noch eine kleine Anleitung für alle, die auf den Geschmack gekommen sind und einen eigenen Blog aufbauen wollen.

Deutschland Deine Blogger
Andrea Beyer/Lothar Rolke: Deutschland Deine Blogger. Ein persönlicher Report aus der Blogosphäre. Mainz 2013. Preis: 12 Euro zzgl. Versandkosten.
Die offizielle Pressemitteilung zum Buchprojekt
Interview mit Professor Lothar Rolke von der FH Mainz im PR-Journal
Ansprechpartner für Bestellungen
Nina Huber - E-Mail: nina.huber@fh-mainz.de - Tel: 06131.628-3418
Ansprechpartner für das Projekt
Prof. Dr. Lothar Rolke - E-Mail: lothar.rolke@fh-mainz.de
Prof. Dr. Andrea Beyer - E-Mail: andrea.beyer@fh-mainz.de
13. März 2013

Die Mitglieder von Vinissima – Frauen und Wein, dem Verein von Frauen in Berufen mit Bezug zum Deutschen Wein, treffen sich einmal jährlich zu ihrem Weinforum. Der Austragungsort wechselt immer zwischen einem Ort in einer Weinregion und im jeweils folgenden Jahr einem weinaffinen Ort abseits der Weinregionen. In diesem Jahr traf man sich in Münster, da die Stadt für ihr weininteressiertes Publikum bekannt ist. Im nächsten Jahr ist die Rhein-Main-Region an der Reihe.

Das dreitägige Weinforum mit vielen Vorträgen und Diskussionsrunden ist vor allem auf die interne Vernetzung und Weiterbildung der Mitglieder ausgelegt. Das Schwerpunktthema in diesem Jahr war “Trends in der Weinwelt“. Hier wurden einerseits Themen wie Oranges Wines kontrovers diskutiert, andererseits herrschte Einigkeit, dass einer der wichtigsten Trends derzeit lautet: “Weg von dick und fett, hin zu Finesse und Eleganz“. Zur abendlichen Weinpräsentation von rund 40 Betrieben mit anschließender Party im cool designeten Club HEAVEN waren aber auch alle weininteressierten Münsteraner geladen. Mit gut 300 Besuchern zwischen den Probiertischen war die mitten in einer Industrieruine gelegene Location dann auch gut gefüllt. Neben einer Auswahl von Vinissima-Betrieben war hier eine Handvoll Gastwinzerinnen aus gleichgesinnten Vereinigungen von Österreich bis Griechenland mit am Start. Ich habe nur etwa ein Drittel der 120 gezeigten Weine probiert, erwartungsgemäße Highlights für mich waren dabei die Weine vom Pfälzer Weingut Weegmüller und von Anette Closheim aus Langenlonsheim/Nahe, gute Neuentdeckungen die Weine der beiden rheinhessischen Weingüter Kurt Erbeldinger und Jean Buscher, beide in Bechtheim gelegen.

Vinissima wurde 1991 von sieben Weinfrauen am Kaiserstuhl gegründet, schon damals nicht nur von Winzerinnen, wie man z.B. beim Gründungsmitglied Barbara Wanner sehen kann, der bekannten PR-Expertin und Mitinhaberin der Agentur Organize. Aktuell hat Vinissima bundesweit etwa 420 Mitglieder und ist in allen wichtigen Schaltstellen der deutschen Weinwelt gut vertreten. Heute sind kompetente Wein-Frauen der Alltag und werden idR auch von ihrem Umfeld so wahrgenommen. Als die Vinissima-Vorsitzende Ulrike Lenhardt 1984 in Geisenheim Weinbau und Kellerwirtschaft studierte, waren gerade mal 10% ihrer Kommilitonen weiblich, heute sind es mehr als 50%. Auch die öffentliche Wahrnehmung war anders. Als Önologin konnte man sich dem vielleicht noch etwas entziehen, indem man sich weitgehend in den Keller zurückzog und ansonsten die Weine für sich sprechen ließ.
Anders als Sommelière: Vinissima-Mitglied Natalie Lumpp berichtete letztes Jahr bei einem FES-Seminar von ihren Erfahrungen als junge Sommelière in Badischen Top-Restaurants ab Anfang der 90er Jahre, wo ihr vor allem ältere Gäste regelmäßig zu verstehen gaben, dass sie ihre Kompetenz in Frage stellten und sie erst einmal einem Wissens-Test unterziehen wollen. Ein solches Verhalten ist mittlerweile deutlich seltener, ganz verschwinden wird es wahrscheinlich nie und ich glaube, es hat weniger mit dem Geschlecht als mit dem Alter zu tun. Viele ältere Weinsnobs wollen einfach nicht wahrhaben, dass sich jemand auch schon mit Mitte zwanzig detaillierter als sie mit edlen Weinen auskennen kann. Ein Beispiel? Als Student hatte ich zeitweise mit einem renommierten Anwalt zu tun, der mit erklärte, seine Lieblingsweine - die er auch regelmäßig trinke - seien die großen Merlot aus der Toskana, vor allem Sassicaia und Tignanello. Jeglicher Einwand meinerseits war zwecklos. Wahrscheinlich hatte er bis heute noch nie einen echten Merlot im Glas.

Einige weitere Bilder vom 15. Vinissima WeinForum 2003 in Münster auf der auch ohne Anmeldung zugänglichen Weinkaiser-Facebookseite.

12. März 2013
Vom 24.-26. März findet in Düsseldorf die ProWein 2013 statt. Hier gibts ständig die 50 neusten Tweets zur ProWein 2013. Während der Messe richten wir natürlich auch diesmal wieder einen Fotostream ein.
Außerdem gibt es hier eine Weinkaiser-Sonderseite mit Terminen im ProWein Rahmenprogramm 2013.
Hier noch mal die Links zum letztjährigen Weinkaiser-Fotostream ProWein 2012 und der ersten Ausgabe Weinkaiser-Fotostream Prowein 2011 mit vielen kommentierten Fotos.
Falls Sie oberhalb dieses Textes nicht die Twitterwall sehen, sollten Sie überprüfen, ob Javascript eingeschaltet ist oder ein Skriptblocker das Twitter-Plugin blockiert…

11. März 2013

2003 edelsüß von der Mosel. Kann das was? In die Top 10 der edelsüßen Weine des Jahres im GaultMillau Weinguide hatte es aus dem Jahrgang 2003 kein einziger Süßwein von der Mosel geschafft. Die Spitze machten damals Weil (zweimal 100P und einmal 98P) und Keller (einmal 100P und zweimal 98P) mit je drei Weinen in der Top 10 fast unter sich aus. Wir hatten gestern 32 Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine des Jahrgangs 2003 von der Mosel auf dem Tisch. Die schlechte Nachricht vorweg: leider gab es fast ein Viertel Ausfälle (drei Korker und mehrere Oxidierte). Es waren alles halbe Flaschen und teilweise saßen die Korken so locker, dass offensichtlich war, dass sie nicht perfekt passten oder zu stark beschichtet waren und so im Laufe der zehn Jahre zu viel Luft in die Flasche gelassen wurde. Das Problem mit Ausläufern und oxidierten Weinen kommt bei halben Rieslingflaschen leider deutlich überdurchschnittlich vor, so dass ich davon ausgehen muss, dass einige Flaschenproduzenten immer wieder Flaschen auf den Markt bringen, deren Hals sich schon zu dicht hinter der Öffnung weitet und die so die Korken nicht fest genug fixieren können.
Abgesehen von Flaschenvarianzen war der Jahrgang 2003 in Deutschland auch grundsätzlich sehr extrem. Ein extrem heißer und trockener Sommer führte in vielen Weinbergen zu Trockenstress und sogar Sonnenbrand der Weintrauben. Die Säurewerte sanken oft ins Bodenlose. Als Reaktion wurde von den Behörden Bewässerung und Zugabe von Weinsäure erlaubt. Andererseits waren die Zuckerwerte oft auch schon ohne Botrytis schon gigantisch. All das sorgte für extreme Weine. Trockene Rieslinge waren in der Folge allermeist deutlich zu alkoholisch. Die Chancen für Edelsüße waren besser. Ältere Weinjournalisten und Händler verglichen den Süßweinjahrgang 2003 gar mit dem historischen 1959er. Das Ergebnis unserer Verkostung könnte heterogener kaum sein. Neben den Totalausfällen gab es mehrere TBAs, wie exemplarisch die Trittenheimer Apotheke von Rosch, bei denen zwar fast alle Merkmale vorhanden waren, die eine erstklassige TBA ausmachen aber die Harmonie fehlte völlig. Die nicht nur für 2003 enorm intensive Säure dieses Weins war leider überhaupt nicht eingebunden. Dass wir uns bei einem Wein mehr Säure gewünscht hätten, kam seltener vor als erwartet. Die Kritik ging mehrfach in die Richtung, dass zwar genug Säure spürbar war aber das Zusammenspiel mit der Süße komplett fehlte.
Eines der Highlights war die Doctor-Visite: Das Weingut Wwe. Thanisch Erben Thanisch hat 2003 gleich zwei TBAs aus dem Doctor gefüllt, eine mit 6,5 % (AP 19/04) und eine mit 8 % (AP 18/04). Während sich die orangegoldene Nr. 19 sehr harmonisch und immer noch recht frisch zeigte (94P), wirkte die goldgelbe 18 neben vanilligen und mineralischen Noten etwas zu matt und seifig, so dass wir einen leichten Flaschenfehler vermuten. Es war kein typischer Korkschmecker mit Muff- oder Chloraromen, es schien trotzdem etwas nicht ganz zu stimmen (91+P). Die Doctor-TBA vom Weingut Wwe. Thanisch Erben Müller Burggraef präsentierte sich noch erstaunlich frisch, vor allem feine Tee-Aromen dominierten (überhaupt war Tee der am häufigsten notierte Begriff des Abends). 93P.

Die Stilistiken der vier Doctor-TBAs war sehr unterschiedlich. Diese von Wegeler hatte die kühlste Aromatik, fast ätherisch kräuterwürzig. Weitere Aromen waren Senf, Mullbinden, tropische Früche, Mandarinenlikör. Nicht einstimmig aber für die Meisten am Tisch lag sie bei den Doctor-TBAs knapp vorne. Von mir 95P.

Heute gehört das Weingut Dr. Hermann für mich zur absoluten Spitze der Mosel. 2003 war die Kollektion noch nicht ganz so homogen. Drei der vier Dr. Hermann Süßweine waren mit Alkoholwerten von 10% und mehr ausgebaut, was zumindest zwei dieser Weine nicht besonders gut bekommen ist, sie wirkten nun im gereiften Stadium zu alkoholisch. Bei der Würzgarten-TBA ist es besser gelungen, sie lässt sich mit einem zumindest von mir so noch nie gelesenen Begriff sensorisch fast perfekt beschreiben: “TBA-feinherb“.

Ganz anders die monumentale Treppchen-TBA mit nur 6,5 %: Extrem konzentriert und ölig. Im Glas deutlich sichtbare Zuckerschlieren durch den extrem hohen Restzuckergehalt. Bringt zwar auch eine enorme Säure mit, wirkt aber trotzdem nicht spielerisch sondern bleibt aufgrund der enormen Konzentration mehr ein Wein zum tropfenweisen Genuss als zum glasweise Trinkvergnügen. Daher einigen am Tisch auch zu mächtig. Ein echtes Monument mit 298° Öchsle, um die 500 Gramm Restzucker und 7,8 Gramm Säure, am ehesten vergleichbar mit einer Tokaji Essenzia. Wird nahezu ewig altern können. 96+P.

Das Farbenspiel des Abends war extrem vielfältig, vom hellen Goldgelb eines Eisweins über alle konzentrierten Gelb und Orangetöne, dunkle Rosé- und Rotschattierungen bis zu dunkelbraunen Mokkatönen. Die Farben in denen sich die edelsüßen Rieslinge aus 2003 zeigten, gingen schon sehr weit auseinander.

Der erfrischendste und spritzigste Wein des Abends. In einer Blindverkostung wäre niemand am Tisch auf den Jahrgang 2003 gekommen, wahrscheinlich nicht mal auf Eiswein. Helles goldgelb, zu Beginn unglaublich frisch, sehr rassige und zugleich gut eingebundene Säure, später auch ein dezenter Petrolton. Ich hätte auf eine leicht gereifte Auslese aus einem kühleren Jahr getippt.
23. Februar 2013

Zum drittem Mal vergab die Deutsche Ausgabe der Zeitschrift Falstaff am Wochenende ihre Wein Trophy. Im Essener Schlosshotel Hugenpoet traf sich aus diesem Anlass das Who-is-Who der deutschen Weinszene. Gleichzeitig war der Abend auch Teil des zweiwöchigen Gourmetfestivals Wein und Lebensart Ruhr 2013 und damit offen für alle zahlungskräftigen Weinfreunde der Region. Rund 160 Gäste feierten mit den Nominierten und Ausgezeichneten in den wunderbar restaurierten Sälen von Hugenpoet.
In seiner heutigen Form wurde das Schloss, nach kompletter Zerstörung während des 30-jährigen Krieges, im Jahre 1647 wiedererrichtet. Seit 1995 führt der aktuelle Inhaber und Schlossherr, Michael Lübbert, die Geschäfte des Luxushotels, dessen Spitzenrestaurant seit einem Jahr auch mit einem Michelinstern ausgezeichnet ist.

Zu Beginn der Veranstaltung präsentierten alle nominierten Weingüter eine Auswahl ihrer Weine und Sekte. Durch die anschließende Preisverleihung führte Falstaff-Herausgeber Hans Mahr.

War für die Nominierungen noch ausschließlich die Falstaff-Redaktion um Peter Moser verantwortlich, wurde die anschließende Auswahl der Gewinner auf eine deutlich breitere Basis gestellt. Eine fachkundige 50-köpfige Jury, bunt besetzt von Winzerblogger Dirk Würtz bis zu den Spitzen-Sommeliers Gerhard Retter und Hendrik Thoma traf die Entscheidung in geheimer Abstimmung.

Die Laudatio auf den Winzer des Jahres lies sich Falstaff-Chefredakteur Peter Moser natürlich nicht nehmen. Der seinen Betrieb in dritter Generation führende Hansjörg Rebholz arbeite vor allem im Weinberg “mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers” und bringe so konsequent biodynamische Weine auf die Flasche, die nach einigen Jahren Reife und Entwicklung in voller Schönheit aufblühten.

Neben Hansjörg Rebholz vom Pfälzer Weingut Ökonomierat Rebholz die beiden ebenfalls als “Winzer des Jahres” nominierten Werner Schönleber (Weingut Emrich-Schönleber, Nahe) und Gunter Künstler (Weingut Künstler, Rheingau).

Der Preis für die Newcomerin des Jahres ging an Eva Fricke vom Weingut Eva Fricke in Kiedrich/Rheingau. Laudator Roman Niewodniczanski, bei dem sich Eva Fricke zu Beginn ihrer Karriere einmal auf ein Praktikum beworben hatte und der seither ihren Weg verfolge, zog seinen imaginären Hut und bekannte, ob der Qualität ihrer Weine sei er “schlicht von den Socken”.

Die Newcomerin des Jahres mit den für ihr Crossmosel-Projekt gemeinsam nominierten Lea Linster und Maximilian von Kunow (Weingut von Hövel, Saar) sowie Michel Städter (Chat Sauvage, Rheingau).

Der Titel Sommelier des Jahres ging an Jens Pietzonka vom Restaurant bean & beluga in Dresden.

Die Laudatio auf Pietzonka, der nach Stationen im Baden-Badener Schlosshotel Bühlerhöhe, der Villa Merton bei Frankfurt und im Söl’ring Hof auf Sylt zurück in seiner Heimatstadt Dresden ist, wo er alljährlich auch den Service des Semperopernball leitet, hielt Marcus Macioszek, Marketingleiter von Gerolsteiner.

Sommelier des Jahres Jens Pietzonka mit beiden ebenfalls nominierten Sven Oetzel (Restaurant La Vie in Osnabrück) und Stefanie Hehn (Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern am Tegernsee).

Fritz Keller ist nicht nur Inhaber des Weinguts Franz Keller - Schwarzer Adler in Oberbergen am Kaiserstuhl, des Sterne-Restaurants Schwarzer Adler mit angeschlossenem Hotel der Extraklasse sowie eines auf große Bordeaux- und Burgunder-Weine spezialisierten Weinimports. In einer seiner diversen Nebentätigkeiten ist er zugleich 1. Vorsitzender des Fußballbundesligisten SC Freiburg. So erklärt sich die Verbindung zu seinem langjährigen Freund, Fußballkommentator Marcel Reif, der die Laudatio auf den mit der Falstaff Wein Trophy 2013 für sein Lebenswerk als Winzer ausgezeichneten Fritz Keller hielt.
Neben seinem eigenen Weingut leitet Keller seit 2006 das VITIS-Projekt, bei dem inzwischen mehrere hundert kleine Badische Weinbauern unter genauen Vorgaben und Kontrollen Trauben zuliefern, die dann mit modernster Kellertechnik verarbeitet werden und mittlerweile ganzjährig als Weine der “Edition Fritz Keller” in ALDI-Märkten zu finden sind. Für diese in Millionenauflage erzeugten Editionsweine werden Flaschenpreise von bis zu 10 Euro aufgerufen, was für den Discounter den Super-Premium-Bereich darstellt, höhere Traubenpreise als zuvor ermöglicht und so vielen kleinen Weinbauern die Existenz sichert.

Keller, der nach einem Sieg “seines” FC Freiburg beim Auswärtsspiel in Bremen am Nachmittag, schon bestens gelaunt die Veranstaltung betrat, war von der überraschenden Auszeichnung sichtlich gerührt. Im Gegensatz zu vielen anderen Preisverleihungen, wo die Sieger lange vorher bekannt sind, wurden beim Falstaff nur wenige Mitarbeiter der Redaktion und die Laudatoren vorher eingeweiht. Publikum und Nominierte mussten sich überraschen lassen, was sicher zur guten Stimmung im Saal beigetragen hat.

Nach der Preisverleihung folgte alternativ eine Küchenparty mit mehreren Gastköchen und ein gesetztes Galadinner mit Köstlichkeiten aus der mit einem Michelinstern ausgezeichneten Schlossküche unter der Leitung von Erika Bergheim.

Anschließend ging es aufs Parkett zur Schlossparty, für die eigens ein regional bekannter DJ verpflichtet wurde. Ein nächtliches Highlight dann noch war die Currywurst, die allen verbliebenen Gästen irgendwann weit nach Mitternacht serviert wurde.

Die komplette Fotoserie mit 50 Bildern vom Abend gibts auf unserer Weinkaiser-Facebookseite (auch ohne bei Facebook angemeldet zu sein).