22. Januar 2010

Penfolds Luxury & Icon Tasting - Grange Präsentation mit Peter Gago

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 09:38

Unter dem Titel Luxury & Icon Tasting präsentierte Penfolds Chief Winemaker Peter Gago in Hamburg den aktuellen Grange Jahrgang 2004, den 1990er Grange und eine Reihe weiterer spannender Weine.

Peter Gago arbeitet seit 1989 bei Penfolds und ist seit Juli 2002 der Chief Winemaker (Chefönologe) des gesamten Unternehmens. Er ist damit seit 1948 erst der vierte Winemaker, der für Grange und die anderen renommierten BIN-Weine verantwortlich zeichnet (nach dem Grange-Schöpfer Max Schubert, Don Ditter und John Duval). Vom amerikanischen Weinmagazin Wine Enthusiast wurde Peter Gago als “Winemaker of the year 2005″ ausgezeichnet. Diesem Mann, der neben seiner Arbeit in den Penfolds-Kellern viele Wochen im Jahr zu Präsentationen, Cork-Clinics und anderen Veranstaltungen um die Welt reist, merkt man einfach an, dass er seinen Job liebt. Peter Gago ist ein sympathischer Weinverrückter im positivsten Sinne.


Einige Worte noch vorweg zur in diesem Artikel dominierenden Rebsorte Shiraz: Es handelt sich um die australische Bezeichnung der in Europa unter Syrah bekannten Rebsorte. Syrah wird in Europa hauptsächlich an der Nördlichen Rhone angebaut und bringt dort vor allem in den Appellationen Côte Rôtie und Hermitage einige der besten Weine Frankreichs hervor. Hermitage war auch das Vorbild für Penfolds Grange, der bis die Europäische Union 1989 den Namen des Rhone-Ortes Hermitage weltweit schützen lies, als Grange Hermitage vermarktet wurde.

1. Koonunga Hill 76 Shiraz Cabernet 2006
Diese 2006er Sonderedition des Koonunga Hill mit Etikett im Retro-Look des ersten Jahrgangs dieses Weines wurde anlässlich der Feier des dreißigsten Jahrgangs dieses erfolgreichen Penfolds-Weines auf den Markt gebracht. Der Wein dürfte jetzt seinen Höhepunkt erreicht haben und ihn die nächsten zwei-drei Jahren halten. Der Orginal 1976er muss ein großartiger Jahrgang gewesen sein. Laut Peter Gago wurde der 1976er im Jahre 2006 (also mit genau 30 Jahren) im eine Stunde vor Genuss geöffneten Zustand von Robert Parker mit 94 Punkten bewertet. 87P

2. Koonunga Hill Shiraz Cabernet 1978
Dieser Wein, der dritte je erzeugte Jahrgang des Koonunga Hill, ist 1980 für 1,89 $ auf den Markt gekommen, mittlerweile also über 30 Jahre alt. Kann man so etwas noch trinken? Ja man kann! Zwar ist er nicht ganz so großartig, wie der 1976er sein soll. Das war er allerdings wohl nie. Der Jahrgang 1976 zählte beim Koonunga Hill von Anfang an zu den Top-Jahrgängen, 1978 nur zu den Normalen. In der Nase macht der Wein mit seinem wunderbaren Reifeton eine tolle Figur, im Mund erinnert er etwas an Portwein, schwächelt im Abgang aber schon merklich (ist langsam am austrocknen & leicht oxydativ). Auf Grund der tollen Nase sehe ich ihn aber immer noch locker über achtzig Punkten. Peter Gago berichtet dabei, dass er eine Reihe vermögender Weinfreunde kennt, die problemlos nur Grange trinken könnten, aber gerne zum Barbecue 20-jährige Versionen von Koonunga Hill oder Bin 28 genießen. 84P

3. BIN 28 Kalimna Shiraz 2006
Seit der BIN 28 vor einigen Jahren einem guten Freund in einem Amsterdamer Gourmetlokal als ideale Begleitung zu Steakgerichten empfohlen wurde entwickelte er sich zu einem meiner Lieblingsweine zu genau diesem Zweck. Der Kalimna Hill, aus dem dieser Wein bis in die 70er Jahre ausschließlich stammte, wurde zumindest teilweise schon 1888 bepflanzt. Damals war es hier vor allem Cabernet aber auch die in mehreren anderen Weinbergen damals vorherrschenden klassischen Rhone Rebsorten Grenache, Syrah und Mourvedre, die zu dieser Zeit vor allem als Grundweine für die damals sehr beliebten australische Portweine dienten. Seit den 70er Jahren ist der Bin 28 eine multiregionale Cuvée, die genau wie Grange jedes Jahr neu komponiert wird. Das Ergebnis ist aber Jahr für Jahr sehr ähnlich: ein sehr kräftiger tiefroter Wein mit enormer Frucht, Noten von dunkler Schokolade, Pfeffer, weiteren Gewürzen und einem so feinen Tannin, dass er schon sehr jung mit großem Genuss getrunken werden kann, sich aber gleichzeitig auch über bis zu 20 Jahre gut weiterentwickeln kann. 89+P

4. St Henri Shiraz 2005
Obwohl der Wein seinen Shiraz im Namen trägt, handelt es sich nicht um einen reinsortigen Shiraz, sondern um eine Cuvée aus Shiraz und Cabernet-Sauvignon mit aktuell 90% Shiraz und 10% Cabernet. Am St Henri wurde erstmals ab 1953 experimentiert, bevor dann ab dem Jahrgang 1957 die kommerzielle Serienproduktion aufgenommen wurde. Eine Flasche des 1957er St Henri wurde vor kurzem für rund 5200 Euro versteigert. In den ersten Jahren wurde St. Henri zum selben Preis wie Grange auf den Markt gebracht, erst später entwickelten sich die Preise weit auseinander. Heute kostet ein junger St Henri rund 70 Euro. Der aktuelle 2005er gilt dabei als einer der besten St Henri Jahrgänge überhaupt. Ein feiner, seidiger Wein, mit konzentrierter Frucht und dichter Tanninstruktur. Noch sehr verschlossen, braucht noch einige Jahre Zeit. 92+P

5. RWT - Barossa Valley Shiraz 2006
RWT steht für Red Winemaking Trial und das war der Titel eines 1995 gestarteten Projektes mit dem Ziel eines reinen Shiraz ausschließlich aus dem Barossa Valley, der gleichzeitig neue Maßstäbe für Barossa-Valley-Shiraz setzen sollte. Am Ende des Projekts, nach zweijährigen Experimenten, wurde mit dem Jahrgang 1997 der RWT erstmals öffentlich präsentiert. Als einziger der hier beschriebenen Weine wird er nicht in Fässern aus amerikanischer Eiche ausgebaut, sondern in französischer Eiche. Noch sehr verschlossen, daher vorerst ohne Bewertung.

6. Grange 2004
Grange entstammt nicht, wie die meisten anderen großen Rotweine der Welt, Jahr für Jahr aus der einen oder den wenigen immer selben Lagen, sondern wird jedes Jahr aufs neue kreiert aus hunderten einzeln gelesenen und ausgebauten Blocks in diversen Weinbergen verteilt über mehrere australische Weinregionen. Der 2004er besteht aus 96% Shiraz und 4% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr aus dem Barossa Valley (darunter ein großer Teil Kalimna Shiraz), dem McLaren Vale und den Magill-Weinbergen.
Der Wein wird von der Fachpresse mit Lorbeeren nur so überhäuft: Robert Parker vergibt 99 von 100 Punkten, der Wine Spectator 98, die britische Master of Wine Jancis Robinson gab 19,5 von 20 (ihre höchste je vergebene Bewertung) und Stephan Reinhardt im Deutsch-Schweizer WeinWisser 20 von 20 Punkten. Penfolds empfiehlt in Europa offiziell einen Verkaufspreis von 300 Euro, einige deutsche Händler bieten ihn schon ab 240 Euro an. Damit kostet er deutlich weniger als die Hälfte vergleichbar bewerteter Spitzengewächse aus Bordeaux.
Mir gefällt er natürlich auch. Die oben genannten Bewertungen sind allerdings Potentialnoten - bewerten also nicht den aktuellen Stand sondern das Potential des Weines. Derzeit zeigt er zwar schon, wohin die Reise einmal gehen wird, ist aber noch deutlich verschlossen. Ich rate daher dazu, nach dem Kauf die nächsten 15 Jahre die Finger davon zu lassen und den Wein lieber im Alter von 20-30 Jahren zu genießen. Dann wird der Genuss noch um ein Vielfaches höher sein als heute. 97-99P

7. Grange Magnum 1990
Der 1990er Grange besteht aus 95% Shiraz und 5% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr vom Kalimna Hill, aus weiteren Teilen des Barossa Valley, dem Clare Valley und aus Coonawarra. Dieser Wein ist einfach ein Erlebnis. Mittlerweile zwanzig Jahre alt und immer noch jugendliche Kraft. Zumindest aus der Magnum verkostet hat der 90er Grange das Potential für weitere 20-30 Jahre. Robert Parker gibt “nur” 94 Punkte. Der Wine Spectator trifft mit 98 Punkten und der Auszeichnung “Wine Spectator’s Wine of the Year 1995″ schon eher meinen Geschmack. Eine wunderbare Nase, edle Hölzer, dunkle Beeren, reife Kirschen, Dill, dunkle Schokolade, Espresso, mild gereifte Tannine und sehr elegant. Ein toller Wein. Ich könnte drin baden! 97P

Nach Ansicht von Peter Gago hat übrigens der um die 30 Euro gehandelte BIN 389 Cabernet Shiraz das beste Preis-Leistungsverhältnis aller Penfolds-Weine.

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Buch: Penfolds - The Rewards of Patience

Kategorie: Literatur — Weinkaiser @ 09:37

Für englischsprachige Penfolds-Fans gibt es ein neu überarbeitetes und auf den aktuellen Stand gebrachtes Buch mit 360 Seiten Informationen über die Geschichte des Weinguts, die über halb Australien verstreuten Weinbergslagen und vor allem die Weine.

Für viele wohl am Interessantesten: ausführliche Beschreibungen aller Grange (auch BIN 95 und bis 1989 Grange Hermitage genannt) Jahrgänge von 1951 bis heute mit aktuellem Entwicklungsstadium und Geschmack, Rebsorten-Zusammensetzung der Cuvée (schwankend von immer wieder mal 100% Shiraz bis zu mehrfach 87% und 1993 gar nur 86% Shirazanteil - der Rest ist immer Cabernet Sauvignon)  auch die selten genannte Herkunft des jeweils verwendeten Traubenmaterials.


Auch die meisten anderen lagerfähigen Weine werden vom ersten Jahrgang an beschrieben (wenn auch etwas weniger detailiert). Darunter
St Henri Shiraz
ab 1953,
BIN 28 Kalimna Shiraz ab 1959,
BIN 389 Cabernet Shiraz ab 1960,
BIN 707 Cabernet Sauvignon ab 1964,
Koonunga Hill Shiraz Cabernet ab 1976,
BIN 138 Shiraz Grenache Mourvèdre
ab 1992,
Yattarna ab 1995,
RWT (steht für Red Winemaking Trial) ab 1997,
Aged Release Riesling
ab 1992 (der Wein heißt so, da er immer erst fünf Jahre nach Füllung in den Verkauf geht).

Außerdem wird eine Vielzahl von Penfolds-Weinen oder Sondereditionen vorgestellt, die im Normalfall nur in anderen Regionen der Welt erhältlich sind (dabei auch Bioweine, Portweine und weitere Rieslinge).

Der britische Autor Andrew Caillard ist seit 1993 Master of Wine (MW) und lebt seit vielen Jahren in Sydney. Er ist Autor diverser Weinpublikationen und Mitbegründer des bedeutendsten australischen Weinaktionshauses (und dort auch weiterhin als Auktionator tätig).

Zum Thema hier im Blog: Penfolds Grange 2004 Präsentation beim Luxury & Icon Tasting mit Winemaker Peter Gago

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21. Januar 2010

Georg Breuer Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Auslese 1999

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:17

Die Lage Rüdesheimer Bischofsberg wurde schon im Jahre 1074 im Auftrag des damaligen Mainzer Erzbischof Siegfried I. von Mainz für Weinbau nutzbar gemacht. Daher auch der Name. Da in dieser Lage oft Nebel herrscht wird und es dadurch fast jedes Jahr zu Botrytisbefall kommt eignet sich der Bischofsberg besonders für Süßweine.

Das Weingut Breuer, eines der renommiertesten Weingüter im Rheingau, hat mittlerweile entschieden, Weine aus dem Bischofsberg nicht mehr separat auszubauen, da sie nicht ganz an die Qualität der Lagen aus dem Rüdesheimer Berg (Berg Schlossberg, Berg Roseneck, Berg Rottland und Berg Kaisersteinfels) herankommen. Mit den Partien aus dem Bischofsberg wird nun vor allem die lagenbezeichnungslose Riesling Auslese Rheingau aufgewertet.

Georg Breuer Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Auslese 1999
Helles gelb, geringe Reifenoten, wirkt (trotz der 0,375 Flasche) deutlich jünger als seine mittlerweile zehn Jahre, intensiver Duft von Pfirsich und Zitrusfrucht, daneben vor allem Nelken (und ein Hauch weiterer Kräuter), Karamell, etwas Vanille, wunderbar cremig, immer noch eine mittlere Restsüße und eine gut dazu passende Säure. Die 9,5 % Vol. sind geschmacklich kaum wahrnehmbar. 91P

4. Januar 2010

Egon Müller Le Gallais Wiltinger Braune Kupp Riesling Spätlese 1995

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 15:13

Das Weingut „Le Gallais” in Wiltingen an der Saar wurde schon 1954 durch Egon Müller III. (dem Vater des heutigen Winzers) vom Weingut Egon Müller-Scharzhof übernommen. Die ausschließlich mit Riesling bepflanzte Lage Wiltinger Braune Kupp umfasst vier Hektar tiefer Schieferverwitterungsböden und ist, seit in den 90er Jahre die letzten zwei fehlenden Hektar vom Weingut Vereinigte Hospitien Trier übernommen werden konnten, im Alleinbesitz (daher auch Monopollage genannt) des Weinguts Egon Müller-Scharzhof. Dieses im Wiltinger Scharzhofberg gelegene Weingut ist das mit Abstand renommierteste Weingut an der Saar. Die Weine aus der Lage Wiltinger Braune Kupp werden allerdings weiter ausschließlich mit dem „Le Gallais”-Etikett vermarktet.

Egon Müller Le Gallais Wiltinger Braune Kupp Riesling Spätlese 1995
Über zwei Tage getrunken, erst dunkles goldgelb, am zweiten Tag dann eher Bernsteinfarben. Wunderbar gereift, dezente Firne, intensiver Duft von reifem Pfirsich, dazu Zitrusnoten, im Mund vor allem Schieferwürze, deutlich mineralisch, nur noch wenig vorhandene Restsüße und eine kräftige Säure. Macht Spaß, kann sich auch noch einige weitere Jahre schön entwickeln, hatte seinen Höhepunkt für meinen Geschmack aber schon vor einer Weile, als der wirklich knackigen Säure ein wenig mehr Restsüße gegenüber stand. 90P