28. Februar 2010

Kein anderes Weingut in Deutschland hat in der letzten Zeit eine solche Aufmerksamkeit erfahren, wie das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar. Vergangene Woche wurde offiziell bestätigt, was seit Mitte Januar in der Region die Runde machte aber zumindest offiziell noch dementiert wurde. Günther Jauch übernimmt das Weingut und ist am Mittwoch auch gleich schon mal (einstimmig) in den VDP Mosel-Saar-Ruwer (Großer Ring) aufgenommen worden. Im VDP sind nicht Weingüter Mitglied, sondern nur Personen, also die Winzer. Spätestens seit Mittwoch ist Günther Jauch also Winzer. Die Übergabe des Weinguts soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Die Übernahme gerade dieses Weinguts kam nicht von ungefähr: noch Jauchs Großmutter hieß Elsa von Othegraven und auch mit der bisherigen Eigentümerin, der 71-jährigen früheren leitenden Fachärztin für Anästhesie einer Kölner Klinik, Dr. Heidi Kegel, ist Jauch lose verwandt. Frau Dr. Kegel hatte das Weingut nach dem Tod ihrer Tante Maria von Othegraven im Jahr 1995 übernommen. Das Weingut wurde um das 1500 herum gegründet und ist seit 1805 im Besitz der Familie Grach-Weißebach von Othegraven. Das große Gutshaus und sein romantischer Park mit altem Baumbestand stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Allein schon die sicher nicht günstigen Renovierungsarbeiten an diesem Gebäude werden mit Jauchs finanziellem Backround sicher leichter fallen.
Das Weingut von Othegraven war auch schon bisher alles andere als unbekannt. In den letzten Jahren zählte von Othegraven qualitativ regelmäßig zur Top 5 der Saarweingüter. Man verfügt über beste Saarlagen im Kanzemer Altenberg, dem Ockfener Bockstein und der Wiltinger Kupp. Schon Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre hinein muss es hier großartige Weine gegeben haben. Nach der Übernahme des Weinguts 1995 lies Heidi Kegel sich erst einmal vom 2004 verstorbenen Rheingauer Spitzenwinzer Bernhard Breuer beraten. Ein klares Zeichen, wohin die Reise gehen sollte. (weiterlesen…)
23. Februar 2010

Das Weingut Carl Loewen in Leiwen an der Mosel wurde 1803 vom letzten Verwalter des Detzemer Gutshofes der Benediktinerabtei St. Maximin zu Trier gegründet. Durch die Säkularisation konnte er die ihm wohl bestens bekannten Lagen der bis dahin im Weinbau führenden Benediktiner in der Detzemer Maximiner Klosterlay übernehmen und gründete damit sein eigenes Weingut. Seit dem ist das Weingut in Familienhand und wurde vor allem in den letzten dreißig Jahren stetig erweitert. Die Erweiterung begann 1982 mit der Übernahme von Parzellen der lokalen Top-Lage Laurentiuslay vom Trierer Weingut Reichsgraf von Kesselstadt und wurde erst im letzten Jahr wieder weiter voran getrieben durch die Übernahme des Weinguts Carl Schmitt-Wagner in Longuich, wodurch man u.a. teilweise schon 1896 bestockte und damit noch wurzelechte Parzellen im Longuicher Maximiner Herrenberg hinzu bekam.
Mittlerweile umfasst das Weingut 12 ha, darunter einige der Top-Steillagen der näheren Umgebung: Leiwener Laurentuslay und Klostergarten, Thörnicher Ritsch, Detzemer Maximiner Klosterlay und Longuicher Maximiner Herrenberg. Es ist aber auch im Besitz einiger eher flachen Lagen um den Ort herum, die eine maschinelle und damit weniger kostenintensive Bewirtschaftung für Basisqualitäten ermöglichen. Im Keller des Weinguts Carl Loewen wird nur mit Hilfe von Schwerkraft gearbeitet (also ohne mechanische Pumpen, die Traubenkerne beschädigen könnten und so Bitterstoffe freisetzen würden) und auf Spontanvergärung gesetzt. (weiterlesen…)
21. Februar 2010

Das Konsortium der Sagrantino Produzenten (Consorzio Tutela Vini Montefalco) präsentierte im Kölner Sterns Eventsalon die aktuellen Weine seine Mitglieder. Sagrantino ist in Umbrien eine autochthone Rebsorte mit kräftiger Säure und sehr hohem Tanningehalt (dem höchsten aller italienischen Rebsorten). Gleichzeitig hat Sagrantino auch den höchsten Polyphenolgehalt (Antioxidantien die entzündungshemmend und krebsvorbeugend wirken) aller italienischen Rebsorten. Der Zusammenhang zwischen hohem Tanningehalt und gesundheitsfördernder Wirkung ist auch aus Frankreich bekannt, wo aus der tanninreichsten französischen Rebsorte Tannat der rote Madiran entsteht, der gleichzeitig auch als der gesundheitsförderndste Wein des Landes gilt. Zum Vergleich: Sagrantino enthält 4174 mg Polyphenole pro Kilogramm Wein. Nebiolo, Cabernet Sauvignon, Merlot und Sangioveseenthalten zwischen 2000 und 2500 mg/kg. Syrah und Barbera gar nur knapp über 1500 mg/kg.
Es wird vermutet, bei Sagrantino handele es sich um die gleiche Rebsorte, die vor fast 2000 Jahren von Plinius dem Älteren unter dem Namen Itrida beschrieben wurde. Der Name Sagrantino ist abgeleitet von „sacro vino“, „heiligem Wein“ und geht darauf zurück, dass er in den letzten Jahrhunderten häufig als Messwein Verwendung fand. Sagrantino wird heute fast ausschließlich in der Gegend um Montefalco (Umbrien) angebaut, wo sich die Existenz dieser Rebsorte zurück bis ins Jahr 1549 belegen lässt. Nur in Australien gibt es seit wenigen Jahren auch vereinzelte Weine dieser Rebsorte. Bis Mitte der 80er Jahre wurde Sagrantino nahezu ausschließlich restsüß ausgebaut. Seit 1974 wurde mit trockenem Sagrantino experimentiert, allerdings nur in verschwindend geringen Mengen. Heute gibt es 235 Winzer die Sagrantino Trauben anbauen, aber 50 abfüllende Betriebe. Die Fläche, auf der Sagrantino angebaut wird, ist allein zwischen 2000 und 2008 von 122,5 Hektar auf 660 ha angestiegen. Die Zahl der produzierten Montefalco Sagrantino DOCG Flaschen stieg in vier Jahren von 0,66 Mio. in 2002 auf 2,6 Mio. Flaschen in 2006. Trotzdem wurde in Köln versucht den Eindruck zu erwecken, die Weine stammen allesamt von alten (also hochwertigeren) Rebstöcken. Ich lasse mir zum Wein ja gerne mal wilde Geschichten erzählen, aber man sollte sich dabei wenigstens Mühe geben…
Sagrantino wurde 1993 in die Riege der mittlerweile 44 DOCG Weine aufgenommen (DOCG ist die höchste Qualitätsstufe Italiens). Der weit überwiegende Teil des Montefalco Sagrantino DOCG wird vor Ort in Umbrien verkauft. Direkt nach Deutschland wird nur ca. 1% der produzierten Menge exportiert. Dazu kommt noch die Menge, die von Touristen aus dem Urlaub mitgebracht wird. Diese Menge soll gar nicht so klein sein. Dafür spricht, dass die Weine vor Ort nur knapp über 10 € kosten, hier in Deutschland aber oft rund 30 € aufgerufen werden (einzelne Luxuscuceés wie der Montefalco Sagrantino DOCG Selezione Gold 2005 liegen sogar bei 60 €). Für die 10-15 € vor Ort sind einige der Montefalco Sagrantino DOCG ein guter Kauf, für 25-60 € sind sie in Deutschland schlicht nicht wettbewerbsfähig.

Bei einer von Italienexperten Dr. Jens Priewe kommentierten Verkostung (weiterlesen…)
20. Februar 2010
Die alten Rieslinge vom Weingut Herrenberg (heute Loch-Riesling), die ich in letzter Zeit getrunken habe, sind wie auch viele Saar-Rieslinge anderer Spitzenweingüter alle recht säurebetont. Die spritzige Säure ist im gesamten Mosel-Saar-Ruwer Gebiet ein wichtiger Bestandteil des Geschmacksbilds. An der Saar ist dies oft noch etwas intensiver ausgeprägt als an der Mosel selbst. Wer keine säurebetonten Rieslinge verträgt oder mag sollte daher besser die Finger von den allermeisten klassischen Saar-Rieslingen lassen. Und wenn stimmt, was man seit einigen Wochen so aus der Gegend hört, wollen wir hoffen, dass auch Günter Jauch säurebetonte Weine verträgt.
Ein weiteres Charakteristikum speziell der Loch Rieslinge ist die enorme Alterungsfähigkeit schon einfachster Qualitäten. Außerdem brauchen diese Weine brutal viel Luft. Ich hatte im letzten Jahr mehrere Kabinett und Contes-Saar Rieslinge dieses Weingutes und alle waren nach einem Tag im Dekanter oder aus der angebrochenen Flasche im Kühlschrank am zweiten Tag deutlich harmonischer und zugänglicher als am ersten Tag gleich nach dem Öffnen der Flasche. Mehrere 1996er und 1997er hatten Probleme mit porösem Korken, so dass einige der Weine durch ein Sieb gejagt werden mussten. Bei der heutigen Flasche war auch der Korken Tip-Top. (weiterlesen…)