15. März 2010

Der vergangene Samstag stand bei mir komplett im Zeichen des Rieslings. Gemeinsam mit drei Weinfreunden (Verena Di Pauli, Michael Gmall und dem Direttore - Philipp Erik Breitenfeld) ging es zuerst zum Mittagessen in Josef Laufers Hotel Zum Krug nach Hattenheim. Das 1720 erbaute Hotel ist nicht nur ein optischer Leckerbissen von außen und innen, hier wird auch gut gekocht und vor allem gibt es im Krug eine großartige Weinkarte mit Rheingauer Weinen bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts hinein.

Wir begannen mit der Edition “1467″ Riesling Feinherb 2007 vom Eltviller Weingut Koegler, einem herrlich erfrischenden Riesling mit nur ganz dezenter Restsüße. Das Weingut Koegler, das seit Jahren eine gute Qualität abliefert, ist in den letzten Jahren vor allem mit einem Experiment in den Schlagzeilen gewesen: Als erstes Weingut im Rheingau baut Koegler seit wenigen Jahren die aus Österreich bekannte, im Vergleich zu Riesling etwas säureärmere und dadurch für viele Menschen bekömmlichere Rebsorte Grüner Veltliner an.

Es folgte ein 18 Jahre alter Riesling Kabinett, der im Krug auch glasweise ausgeschenkt wird. Der Riesling Kabinett 1992 aus der Toplage Rauenthaler Baiken von den Staatsweingütern Kloster Eberbach mit seiner leichten Firne, kräftigen Karamellnoten, ein wenig verbliebener Restüße und auch noch der nötigen Säure wirkte überhaupt nicht zu alt. Einen solch wunderbar gereiften Wein offen auf die Karte zu setzen trauen sich leider viel zu wenige Restaurants. In zu vielen Restaurants gibt es ja heute nicht einmal mehr flaschenweise einen Weißwein, der älter als fünf Jahre ist.

Zum Hauptgang wurde noch etwas tiefer in die Schatzkammer gegriffen und eine 1993er Riesling Auslese Trocken aus dem Wallufer Walkenberg vom Rheingauer Spitzenweingut J.B. Becker hervorgezaubert. Der Wein machte in den rund 60-70 Minuten, in denen wir ihn immer wieder probierten eine riesengroße Entwicklung durch. In den ersten Minuten etwas unangenehm staubig mit kräftiger Firne wirkend, veränderte sich der Geschmack erst für einige Minuten in Richtung Karamell um sich dann sehr intensiv in etwas Petroleum-, Diesel- oder Altölartiges zu verwandeln. Erst einmal zur Seite gestellt war der unangenehme Treibstoff-Ton aber schon eine Viertelstunde später wieder komplett verschwunden. Nur ein Hauch Firne blieb. Ein spannender Wein, uns aber zu (knochen-)trocken und mit 14,5 Vol. auch etwas zu alkoholisch. Hochkonzentriert und ein gutes Beispiel dafür, dass es für einen Wein, der lange reifen können soll, besser gewesen wäre, auf etwas Alkohol zu verzichten und dafür etwas Restzucker übrig zu lassen (den man nach einigen Jahren sowieso nicht mehr als süß wahrnehmen würde). Der Wein wäre heute also trotzdem sensorisch trocken aber deutlich harmonischer.

Nach dem Essen ging es in die nur hundert Meter entfernt liegende Winebank im oder besser unter dem Weingut Balthasar Ress. Einige mitgebrachte Schätze sollten hier eingelagert werden. (weiterlesen…)
12. März 2010

Das Weingut St. Antony aus dem rheinhessischen Nierstein ist stellte in diesem Jahr einigen Weinbloggern und der Twitter-Weinszene seinen Riesling Bodenschatz 2009 und den 2009er Rose vor der offiziellen Markteinführung zum Test zur Verfügung.
Beim Weingut St. Antony ist derzeit viel in Bewegung. Im Jahre 2005 hat Unternehmer Detlev Meyer St. Antony von der MAN AG übernommen. Bis dahin war das Weingut immer in Industriebesitz. Gegründet unter dem Namen Gutehoffnungshütte als Anhängsel einer Kalkgrube wurde hier ab 1920 Wein von den grubenumgebenden Flächen produziert, der in den ersten Jahren allerdings nur Konzernintern verwendet wurde. Im Laufe der Jahre wurde dann in weitere und hochwertigere Lagen investiert. Nach Konzernumstrukturierungen 1986 heißt die Eigentümerin in der Folge MAN AG und die brachte auch gleich einen neuen Weingutsnamen mit: St. Antony, benannt nach der ersten Eisenhütte des Ruhrgebiets, der 1760 errichteten St. Antony-Hütte in Oberhausen-Klosterhardt.
Neben St. Antony erwarb die aktuelle Eigentümerfamilie Meyer 2006 auch das Niersteiner Weingut Heyl zu Herrnsheim, das im Jahr 2008 aufgelöst wurde und nun nur noch als eine Marke von St. Antony weitergeführt wird. Grund ist das deutsche Weinrecht: Es ist hierzulande nicht zulässig, die Weine mehrerer Weingüter gemeinsam in der selben Kellerei zu keltern und auszubauen. Mit diesem Problem schlagen sich übrigens auch diverse weitere Weingüter nach Übernahmen, Erbschaften oder Hochzeiten herum.
Das neuste Großprojekt von St. Antony ist der geplante Neubau der Kellerei als hochmoderner Aussiedlerhof auf dem über Niestein gelegenen Paterberg. Das derzeitige Gutsgebäude (seit 2006) im renovierten ehemaligen Weingut Gustav Adolf Schmitt mitten in Nierstein hat seine Kapazitätsgrenzen mittlerweile erreicht, die Anzahl der jährlichen gefüllten Flaschen soll aber in den nächsten Jahren noch verdoppelt werden und zudem will sich St. Antony noch weiter für Publikumsverkehr öffnen. Dieses Vorhaben wäre mitten in Nierstein wohl nur durch den Abriss ganzer Straßenzüge zu realisieren. Der mehrere Millionen schwere und architektonisch spektakuläre (schräg im Hang liegende) Neubau (Bild1 & Bild2) soll laut Plan rechtzeitig zur Lese im Herbst 2012 fertig gestellt sein. Eigentümer Meyer und sein Geschäftsführer Felix Peters, ein Önologe mit Geisenheim-Abschluss, haben also noch einiges vor. (weiterlesen…)
11. März 2010

Am Rande des 14. Rheingau Gourmet & Wein Festival 2010 veranstaltete Josef Laufer (Bildmitte) wieder einmal eine seiner legendären Küchenpartys im Hotel Zum Krug in Hattenheim. Josef Laufer, gerade mal Mitte dreißig, zählt zu den besten Köchen der Region. Nach der Ausbildung im Hotel Nassauer Hof Wiesbaden und seinem langjährigen Sternelokal Ente, Stationen in Johann Lafers Stromburg und weiteren deutschen Spitzenbetrieben, einem Auslandsaufenthalt in Australien sowie dem Abschluss der Kuchenmeisterschule hat er die Leitung des eigenen Familienbetriebs übernommen.
Er gehört zu den Gründern des kulinarischen Rheingau-Netzwerks “Die Diktatur des Geschmacks“, das seit rund zwei Jahren regelmäßig spannende Veranstaltungen rund um das Thema unverfälschtes gutes Essen (und Trinken) organisiert.
Einen Abend lang gab es hier die Gelegenheit, gemeinsam mit dem jungen Meisterkoch am Herd zu stehen, sich den in oder anderen Küchen-Kniff erklären zu lassen und ab und an auch selbst ein wenig helfend zur Hand zu gehen.

Das 1720 erbaute Hotel Zum Krug, am Hattenheimer Marktplatz direkt neben dem Rathaus gelegen, ist mit seinem wunderbar bemalten Fachwerk eines der sehenswertesten Gebäude der Region.

Weinjournalist Manfred Lühr kümmerte sich den gesamten Abend um die Weinauswahl. Vor allem Rheingauer Spitzengewächse - Rieslinge wie Spätburgunder - standen im Mittelpunkt. Neben einer kleinen Vertikale des Ersten Gewächs aus der Toplage Marcobrunn von Schloss Reinhartshausen, den Ersten Gewächsen von Schloss Johannisberg und Robert Weil präsentierte der ebenfalls anwesende Alexander Jung Spitzenrieslinge und wunderbare Spätburgunder seines Erbacher Weinguts Jakob Jung.
Höhepunkt des Abend war der Riesling der als erster trockener Wein 100 Punkte vom Online-Weinführer Wein-Plus erhielt und vor zwei Jahren bei einer Nachverkostung noch einmal mit 99 Punkten ausgezeichnet wurde: Die trockene Riesling Auslese Goldkapsel Hochheimer Hölle 2002 vom Weingut Künstler. Der GaultMillau Weinguide sah diesen Wein kurz nach der Füllung übrigens “nur” bei 91 Punkten. Mir war er in seinem aktuellen Stadium (schon schön gereift aber immer noch sehr kraftvoll mit intensiven Fruchtaromen, deutlichen mineralischen Geschmacks-Bestandteilen und perfekter Säure) an diesem Abend 96P wert. (weiterlesen…)
9. März 2010

Im Rahmen des 14. Rheingau Gourmet & Wein Festival präsentierte das kalifornische Weingut Beringer Vineyards eine Auswahl seiner Weine im Gutshaus des VDP-Weinguts Georg Müller Stiftung in Hattenheim. Moderiert wurde die Veranstaltung abwechselnd in deutscher und englischer Sprache. Den englischen Part übernahm der eigens dafür aus Kalifornien angereiste Beringer-Vertriebsleiter. Auf Deutsch stand Kai Schattner Rede und Antwort. Er wurde 2003 als Sommelier des Jahres im GaultMillau WeinGuide für seine Arbeit im Sternerestaurant Ente im Hotel Nassauer Hof Wiesbaden ausgezeichnet. Schattner, der das Weingut Beringer in den letzten Jahren mehrfach besucht hat, war damit ein kompetenter Ersatz für den kurzfristig verhinderten Weinjournalisten Ingo Swoboda, der im Vorfeld der Veranstaltung als Moderator angekündigt war.

Das 1876 von den Mainzer Brüdern Jacob und Frederick Beringer in St. Helena (Kalifornien) gegründete Weingut Beringer ist das älteste durchgängig betriebene Weingut im Napa Valley. Heute ist das Weingut allerdings nicht mehr in der Hand der Familie Beringer. Die Familie verkaufte das Weingut 1971 an Nestlé. Mittlerweile gehört Beringer Vineyards zur Forster’s Group, einem weltweit tätigen australischen Getränkekonzern. Beringer besitzt derzeit über 4.000 ha Rebfläche und erzeugt im Durchschnitt 90 Mio. Flaschen Wein pro Jahr.
Das Weingut mit dem 1850 erbauten Hudson House, dem 1884 nach dem Vorbild der Mainzer Familienvilla erbauten Rhine House, den Rund 400 Meter langen Tunneln (die schon in Zeiten ohne Klimaanlage ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für Ausbau und Lagerung der Weine ermöglichten) und dem Weinbaubetrieb selbst, der als einer der weltweit ersten über mehrere Ebenen so angelegt wurde, dass die Verarbeitung von der Traube bis zum Wein ohne Pumpen und nur mit natürlicher Schwerkraft möglich war, kann ganzjährig besichtigt werden. Im Jahr 2001 wurde Beringer Vineyards in das National Register of Historic Places (Nationales Verzeichnis der Historischen Stätten), die offizielle Kulturdenkmalliste der US-Regierung aufgenommen.

Verkostet wurden: (weiterlesen…)
5. März 2010

Nachdem wir jahrelang als Standart Weißweinglas auf das Model Diva von Schott gesetzt haben wird nun ein Wechsel vollzogen. Die vom Rheingauer Sommelier Kai Schattner (Sommelier des Jahres 2003 des GaultMillau WeinGuide) entworfenen Gläser Opulenz (für große Rieslinge) und Passion (für edelsüße Weine) von Stölzle Lausitz, die wir bei der Eröffnung der Balthasar Ress Winebank in Hattenheim zum ersten Mal gesehen und verwendet haben, bieten einfach hervorragende Qualität zu einem unschlagbar günstigen Preis. Die Schattner-Gläser von Stölzle Lausitz sind zwar genau wie auch die Schott Diva Serie nicht mundgeblasen aber im Gegensatz zu den Diva-Gläsern in einem Stück gefertigt (der Kelch geht also nahtlos in den Stiel und der ebenso nahtlos in den Fuß über). Nach einem kleinen Test mit einigen Mustern über Weihnachten ist gestern die erste größere Lieferung eingetroffen.
1. März 2010

FISCHERS Weingenuss & Tafelfreuden der Kölner Sommelière Christina Fischer und die Sommelier Union hatten geladen und viele kamen zum Portwein-Mitmach-Workshop in der Galerie des FISCHERS.
Als Seminarleiter konnte der Langenfelder Portweinspezialist Axel Probst gewonnen werden, der u.a. im Internet das „World of Port-Portal“ betreibt und der selbst vor wenigen Wochen in Leverkusen die umfangreichste je in Deutschland durchgeführte Portwein-Präsentation veranstaltete (dort waren u.a. alle deklarierten 2007er Vintage-Ports vertreten). Axel Probst kam Anfang der 90er Jahre in England zum Portwein. Das er sich mittlerweile komplett vom Thema Bordeaux abgewendet hat und sich nun fast ausschließlich dem Port widmet hat auch mit der extremen Preisentwicklung im Bordelais zu tun. Gute Vintage Ports mit jahrzehntelangem Potential sind heute für einen Bruchteil eines Spitzenbordeaux zu bekommen und trotzdem qualitativ auf Augenhöhe. Axel Probst: „Ich war schon immer der Ansicht, dass ein gereifter Vintage Port oder ein gealterter Tawny auch einem sehr guten Bordeaux in Bezug auf Komplexität und Aromenvielfalt den Rang ablaufen kann.”

Der Workshop behandelte die wesentlichen Unterschiede von Ruby, Tawny und Vintage (sowohl geschmacklich als auch beim Ausbau der Ports), Informationen zu Rebsorten und zur Anbauregion am Douro, Lagenklassifikationen, Qualitätssicherungsmaßnahmen des Portweininstituts, passenden Speisen zum Port und die wichtigsten geschichtlichen Hintergründe. Dazu wurde die gesamte Bandbreite der Portweinerzeugung verkostet.

Die Farben reichten von hellem Gelb bei einem an torfigen Malt-Whisky erinnernden White Ports über Pink bei einem auf junge Alkopop-Trinkerinnen zugeschnittenen Rosé Port und helles braun bei lange Fassgereiften Tawnys & Colheitas bis hin zu einer tiefen dunkel-violetten Farbe beim jungen Vintage Port (unteres Bild).

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