20. September 2010

Stefan Schwytz vom Baccantus.de-Blog hat die Organisation der Weinrallye #37 übernommen und ein spannendes Motto ausgegeben: «TOUT BLANC» - Weißweine aus dem französischen Midi.
Endlich mal die passende Gelegenheit ein paar Flaschen auszugraben, auf die ich schon eine ganze Weile gespannt bin.

Entschieden habe ich mich für zwei Weißweine aus dem Languedoc vom Weingut Mas de Daumas Gassac in Aniane im Département Hérault. Der Name des Weinguts geht zum einen zurück auf den Gassac-Tal (mit dem gleichnamigen Fluss), in dem sich das Weingut befindet und zum anderen auf die Familie Daumas, die dort eine Farm betrieb. Im Gassac Tal wurde schon ab dem achten Jahrhundert von Mönchen Weinbau betrieben. Nach Beratungen mit dem auf Weinbau spezialisierten Geologen Professor Henri Enjalbert wurde 1972 zusätzlich zu den vorhandenen einheimischen Rebsorten ungeklonter Cabernet Sauvignon, der angepflanzt, der 30-40 Jahre zuvor aus stets besten (wie Top-Medoc-Chateaux) aber unterschiedlichen Quellen (um resistenter zu sein) vermehrt wurde. Ab 1978 war dann auch Professor Emile Peynaud, der wohl bekannteste Önologe seiner Zeit, mit an Bord. Der erste offiziell gefüllte rote Mas de Daumas Gassac stammt aus dem Jahrgang 1978 und dieser tiefschwarze Wein mit 80% Cabernet Sauvignon Anteil gilt bis heute als legendär. Offiziell sind die Weine von Daumas Gassac Vin de Pays de L’Hérault - also einfache Landweine. Mit durchschnittlich 25 Euro zwar ein teurer Landwein, für die gelieferte Qualität aber allemal ein Schnäppchen.
Der erste Jahrgang, den ich selbst gut kenne ist der 1985er, den ich schon aus mehreren Quellen von großartig bis altersschwach erlebt habe. Der erste Weißweinjahrgang, also der erste Jahrgang von Mas de Daumas Gassac Blanc ist 1986, von dem 1987 gerade einmal 2.000 Flaschen abgefüllt wurden.
Seit 1997 wird mit dem Vin de Laurence (Vin de Liqueur) auch ein Süßwein aus Sercial und der Muskateller-Rebsorte Muscat blanc à petits grains produziert (nach den Vorbildern des legendären südafrikanischen Süßweins Vin de Constance, der aus der selben Muscat-Sorte besteht und des ungarischen Tokaji).

Die Jahrgänge 1998 und 1999 des Mas de Daumas Gassac Blanc bestehen zu je 30% aus Viognier, Chardonnay und Petit Manseng sowie 10% mit 15 seltenen europäische Rebsorten (darunter unter anderem Petite Arvine du Valais, Courbu, Vermentino, Marsanne). (weiterlesen…)
9. September 2010

Anlässlich seines 100. Geburtstags verzichtete der VDP - also der Verband der Prädikatsweingüter in diesem Jahr auf seine sonst jährlich im Daimler Atrium durchgeführte Veranstaltung GutsWein und präsentierte stattdessen 1000 Weine von 192 seiner 196 Mitgliedsbetrieben in 57 über ganz Berlin verteilte Galerien und anderen Orten, die üblicherweise der Kunst vorbehalten sind. Eine Idee, die mich auch ganz persönlich ansprach, da ich mit der Welt der Spitzenweine erstmals richtig in Kontakt kam, als ich während des Studiums gelegentlich in einer Bonner Weinhandlung namens WeinKunst jobbte, deren Ladenfläche zu einem Drittel regelmäßig für wechselnde Kunstausstellungen genutzt wird.
Das Bild oben zeigt übrigens Nahe-Winzer und VDP-Vizepräsident Armin Diel vom Schlossgut Diel im “me Collectors Room” vor dem Bild “Sisters No. 2″ von Li Ji, China, aus dem Jahr 2005, Öl auf Leinwand, 160 x 190 cm. Den Standort seines Standes hatte er sich übrigens nicht selbst ausgesucht, es war der einzig freigebliebene Tisch als er in das Ausstellungsgebäude kam. Wirklich unglücklich schien er damit allerdings auch nicht zu sein. Mit am Diel-Stand war übrigens Künstler Johannes Helle, der jedes Jahr die Stahltanks im Keller des Schlossgutes mit neuen Kunstwerken verziert.
Wer nun dachte, bei einer solchen Großveranstaltung würden die VDP-Mitglieder nur ihren Gutswein und ein paar weitere einfache Qualitäten zeigen, sah sich getäuscht. Nahezu alle hatten ihre Großen Gewächse am Stand und bei vielen Weingütern gab es dazu tolle Raritäten wie Versteigerungsweine, Edelsüßes oder gereifte Spitzenweine.

Philipp Wittmann präsentierte unter anderem den Riesling Alte Reben “La Borne”, aus einer kleinen Parzelle im oberen Bereich seiner Top-Lage Westhofener Morstein, insgesamt nur 800 Flaschen, davon gehen 240 in die VDP-Versteigerung am 26.09. in Bad Kreuznach, der Rest wandert für längere Zeit in den Weingutskeller. Ein extrem mineralisches Monument, besser geht trockener Riesling nicht mehr, nur noch anders. (weiterlesen…)

Im Rahmen des VDP-Jubiläumsjahres wird es am 23. September in Trier die sehr seltene Gelegenheit geben, eine große Auswahl gereifter Spitzenrieslinge zu verkosten. Die veranstaltende Agentur Organize hat gestern die Liste der rund 50 reifen Spitzenrieslinge veröffentlicht, die unter der Rubrik “Auserlesen” bei der Präsentation “Meisterwerke der Mosel” des Großen Ring des VDP Mosel-Saar-Ruwer (am Vortag der Trierer Prädikatsweinversteigerung) im Kurfürstlichen Palais Trier probiert werden können. Mir hatten in den letzten Tagen und Wochen mehrere Winzer erzählt, dass sie in Trier eine tollen Wein präsentieren wollen. Mit dieser riesigen Liste hatte ich dennoch nicht gerechnet. Einige dieser Weine wurden immer wieder mal bei privaten Verkostungsrunden langjähriger Sammler geöffnet. Eine öffentliche Veranstaltung mit einer so großen und hochkarätigen Kollektion reifer Rieslinge hat es allerdings seit vielen Jahren nicht gegeben.
Neben den reifen Rieslingen stellen die 31 Mitgliedsbetrieben des VDP Mosel-Saar-Ruwer bei dieser Veranstaltung auch ca. 250 Rieslinge des Jahrgangs 2009 vor sowie den Großteil der Versteigerungsweine, die am nächsten Tag zur 123. Prädikatsweinversteigerung des Großen Rings (wie immer in der Trierer Europahalle) angestellt werden. Der Katalog der Versteigerungsweine findet sich auf den Seiten des Großen Rings.
„Auserlesen“– Riesling-Raritäten vergangener Jahrzehnte
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