Am 12. November 2010 sind zwei der berühmtesten Weingüter des Bordeaux zu Gast in Frankfurt:
Château Angélus und Château Pichon Longueville - Comtesse de Lalande.
Beim zweiten Winemaker Dinner des Restaurant Français im Hotel Steigenberger Frankfurter Hof werden je vier Jahrgänge von 1995 bis 2005 vorgestellt und begleitend zu einem von Chefkoch Patrick Bittner perfekt abgestimmten Fünf-Gang-Menü präsentiert. Die französisch inspirierte, zeitgemäß leichte Küche von Patrick Bittner im Restaurant Français wurde in der neuesten Ausgabe des Guide Michelin zum zweiten Mal in Folge mit einem Stern ausgezeichnet und führt 18 der begehrten Gault Millau Punkte.
Die Gastgeber:
Patrick Bittner, Sternekoch und Küchenchef Restaurant Français
Nils Blümke, Maître Restaurant Français
Jean Bernard-Grenié, Miteigentümer von Château Angélus
Gildas d’Ollone, Generaldirektor von Château Pichon Comtesse de Lalande
Panos Kakaviatos, internationaler Weinjournalist und Moderator des Abends. (weiterlesen…)
Eines vorweg: auf die geplante Verkostung einer aktuellen Scheurebe Spätlese von Müller-Catoir muss ich heute leider verzichten, da ich versehentlich einen Rieslaner vom selben Weingut eingepackt habe und schon wieder in Bonn, also 60 km von meinem Keller entfernt bin.
Auf einen kurzen Beitrag zum Thema der Weinrallye 38 – Underdog Scheurebe, die unser Kölner Weinfreund Torsten Goffin ausgerufen hat, möchte ich trotzdem nicht verzichten, da ich diese Rebsorte in den letzten Jahren sehr zu schätzen gelernt habe. Daher heute ausnahmsweise keine Verkostungsnotiz sondern nur ein wenig Grundsätzliches zur Scheurebe.
Die Scheurebe ist nach dem rheinhessischen Rebenzüchter Georg (Schorsch) Scheu (1879-1949) benannt, der sie 1916 in der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey durch eine Kreuzung von Riesling mit einer unbekannten Wildrebe kreierte. Scheu selbst nannte seine Neuzüchtung Sämling 88 (kurz S88), wie sie auch heute noch in weiten Teilen Österreichs genannt wird. Lange Zeit wurde eine Kreuzung von Riesling mit Silvaner angenommen, erst Ende der 1990er Jahre wurde durch DNA-Analysen festgestellt, dass neben Riesling nicht Silvaner, sondern eine unbekannte Wildrebe an der Kreuzung beteiligt war.
Scheurebe gilt neben Gewürztraminer, Sauvignon Blanc und Muskateller als eine der bekanntesten Aromarebsorten (Bukettrebsorten). Trocken hat die Scheurebe oft eine gewisse Ähnlichkeit mit Sauvignon Blanc, die wahre Stärke scheint aber im restsüßen Bereich zu liegen.
Die meisten guten Scheureben kommen traditionell aus der Pfalz aber auch in anderen Regionen gibt es einzelne erstklassige Vertreter. Von den folgenden Weingütern habe ich in den letzten Jahren großartige restsüße Scheureben getrunken, die von den Weingütern übrigens oftmals zu deutlich günstigeren Preisen abgegeben werden als die Rieslinge der gleichen Prädikatsstufe:
Schlossgut Diel (Nahe) - geniale Spät- und Auslesen
Keller (Rheinhessen) - von großartigen Auslesen bis zur 100 Punkte TBA
Koehler-Ruprecht (Pfalz) - Spätlese bis Beerenauslese
Müller-Catoir (Pfalz) - Spätlese bis Eiswein
Pfeffingen (Pfalz) - Spätlese bis TBA
Weegmüller (Pfalz) - Spätlese bis Beerenauslese
Helmut Lang (Neusiedlersee) - Ausbruch und TBA (als Sämling 88)
Mit einer kleinen Runde Bonner Weinfreunde hatte ich gestern die Gelegenheit einige jüngeren Barolos von guten Produzenten zu verkosten. Insgesamt gab es 13 Barolos und am Ende noch eine Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Spätlese 2009 von Weingart zur Wiederbelebung.
Vorab eine kurze Begriffsklärung: Barolo ist der Name einer sehr kleinen Weinregion rund um das Dorf Barolo im Piemont. Barolo selbst liegt ca. 13 km südwestlich von Alba auf 310 Meter Höhe. Die 13 Dörfer der Barolo-Zone liegen mit ihren Weinbergslagen auf Höhen von ca. 280-550 Meter. Allerdings verfügen nur fünf der Dörfer (Castiglione Falletto, La Morra, Monforte d’Alba, Serralunga und Barolo selbst) über Grand-Cru-Lagen. Die Rebfläche der Barolo-Region, die einen maximalen Durchmesser von ca. 12 km hat, wurde seit den 60er Jahren von 644 ha auf ca. 1250 ha im Jahr 2000 vergrößert. Neben der Herkunft gibt es noch ein weiteres wichtiges Merkmal der Barolos: Die Weine sind reinsortige Nebbiolos (müssen also 100% aus der Rebsorte Nebbiolo bestehen) was übrigens genauso für Barbaresco gilt, die andere ebenso berühmte piemonteser Mini-Weinregion, die nur wenige Kilometer entfernt gelegen und mit 600 ha gerade einmal halb so groß ist wie das Barolo-Gebiet. Nebbiolo erinnert farblich oft an Spätburgunder, kann aber deutlich tanninreicher (gerbstoffreicher) sein. Klassische Aromen der Barolos sind Kräuter, Leder, Tabak und bei uns heute auch Rindergulasch, da die Verkostung heute genau über der Küche stattfand, in der unser leckerer Fleischberg zubereitet wurde.
Der Domenico Clerico Barolo Pajana 2005 war eines der Highlights des Abend. Auf jeden Fall der beste 2005er Barolo, den ich bisher im Glas hatte. Dunkle Beeren, viel feines Tannin, Röstaromen von Kaffee und Hölzern, ein Barolo im eher klassischen Stil mit Power und gewaltigem Potential. Besser erst mal wieder für einige Jahre im Keller vergraben. Wine Spectator vergibt 95 Punkte, das ist sicher angemessen. Der Preis liegt bei 65 Euro.
Angelo Gaja hat 1995 das ehemalige Weingut Marengo-Marenga in La Morra übernommen und damit neun Hektar in der Grand-Cru-Lage Cerequio dazu bekommen, wo nun dieser Barolo Dagromis entsteht. Gaja verfügt damit neben Sperss aus Serralunga über eine zweite Top-Lage im Barolo-Gebiet. Der erste Jahrgang dieses Weines scheint 1999 gewesen zu sein. Für einen Gaja-Barolo und diese Qualität mit rund 50 Euro erstaunlich bezahlbar (Gajas Barolo Sperss kostet je nach Jahrgang das zwei bis vierfache und zeigte mir dafür in reiferen Jahren einfach zu häufig Schwächen).
Der Gaja Barolo Dagromis 2004 ist ein Barolo im moderneren Stil, weich, fruchtbetont und schon nach wenigen Jahren mit hohem Genuss trinkreif. Sehr mildes Tannin, gut abgestimmte (also keinesfalls störende aber immer noch ausreichende) Säure, Noten von Schokolade, edlen Hölzern, ohne störende Ecken und Kannten aber wiederum auch nicht so glatt, dass es langweilen würde. Der Höhepunkt dürfte in den nächsten 2-3 Jahren erreicht sein. Erinnert mich stark an den australischen Parker-Liebling Mitolo G.A.M Shiraz dessen 2004er (97 Punkte von Robert Parker) ich vor wenigen Tagen beim Geburtstag eines Freundes getrunken habe. (weiterlesen…)
Rund dreißig der besten Weingüter Südtirols hatten zur Präsentation ihrer aktuellen Kollektionen ins Hamburger 5-Sterne-Hotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee geladen.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es die Gelegenheit, sich von Hendrik Thoma in einem restlos ausgebuchten Seminar “Von klassisch bis Riserva - Südtirols Weißburgunder-Spektrum” durch unterschiedlichste Vertreter der selben Rebsorte zu probieren und sich nebenher mit einem interessanten Referat über aktuelle Entwicklungen in Südtirol informieren zu lassen. Die Weißburgunder reichten vom frischen und mineralischen “Strahler” (Südtiroler Begriff für als gemischter Satz gekelterte Weine - hier mit je 4% Grauburgunder und Chardonnay) mit Apfel-Birne-Aromen und animierender Säure, über cremigere Varianten mit etwas Holzeinsatz und BSA (biologischer Säureabbau, der auch malolaktische Gärung genannten Umwandlung von aggressiverer Apfelsäure in mildere Milchsäure) bis zu einem fetten Vertreter, der durch starkem Holzeinsatz und intensive Battonnage an für meinen Geschmack etwas zu bitter geratene Bittermandeln im Holzmantel erinnert.
Hendrik Thoma ist neben Frank Kämmer und Christian Bock einer von nur drei Master Sommeliers im deutschsprachigen Raum. Die Prüfung zum Master Sommelier gilt als mindestens ebenso große Herausforderung wie der Master of Wine, da hier neben perfekten Weinkenntnissen in Theorie und Praxis (Blindverkostungen) auch Expertenwissen zu Themen wie Spirituosen, Zigarren oder Service verlangt wird.
Später hat Hendrik mit seiner Flip-Minicam noch ein spontanes Interview über meine Verkostungseindrücke des Tages mit mir geführt. Als ich noch dachte, Hendrik wollte nur ein Foto machen, war ich bereits mitten im Interview…
Neben den separaten Verkostungstischen der einzelnen Produzenten gab es in der Mitte des Verkostungssaals des Grand Elysée eine freie Verkostung mit mehr als vierzig Weinen der autochthonen (einheimischen) Südtiroler Rebsorte Lagrein (entfernt mit Syrah verwandt), die mit 416 ha genau 8 % der Weinbergsfläche Südtirols (also insg. 5200 ha) einnimmt. Eine Rebsorte, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat, denn was ich hier verkosteten konnte machte durchweg Spaß und das zu (gerade für Italien) erstaunlich guten Preisen. Insgesamt werden in Südtirol jährlich ca. 330.000 Flaschen Wein produziert, davon 56% Weißwein und 44% Rotwein. Wohl nirgendwo sonst haben Genossenschaften einen so großen Anteil und auch eine in der Breite so hohe Qualität wie hier: Die 14 lokalen Genossenschaften erzielen 70% der jährlichen Traubenproduktion, weitere 39 Weingüter stellen 25% der Produktion und die über hundert kleinen Eigenbauwinzer nur 5% der Produktion. Noch vor dem Lagrein ist die in Deutschland als Trollinger bekannte Rebsorte Vernatsch wichtigste autochthone Rebsorte Südtirols uns stellt auch mit mehr als 22% den größten Anteil aller Rebsorten in Südtirol. Auch der Gewürztraminer hat seine Heimat hier und macht etwa 9% der Fläche aus.
Am hinteren Ende des Saals ist auch die, in Anlehnung an die wunderbaren Ansitze Südtirols hier Ansitz 2.0 genannte, Zone für Online publizierende, in der an alles gedacht war, was des Onliners Herz begehrte: Stromversorgung am Tisch, WLAN, und die Möglichkeit sich vom ebenso freundlichen wie kundigen Service sämtliche Weißweine am Platz servieren zu lassen. Hier die Weinautoren Mario Scheuermann und Helmut O. Knall, der eigens aus Wien angereist war, an ihren Tischen im Ansitz 2.0
Die Weine der Cantina Terlan gehörten erwartungsgemäß zu den Highlights der Veranstaltung. Vor allem der Sauvignon blanc “Quartz” zählt seit Jahren zu meinen Lieblingsweinen, der zwar mit 22-28 Euro zu den eher teueren Vertretern dieser Rebsorte zählt, aber auch in diesem Jahrgang 2008 sein Geld wieder absolut wert ist. Deutlich schlanker aber mit seiner feinen Mineralik auch nicht unspannend war der 2007er Terlaner Weißburgunder Riserva aus der 700-900 Meter hoch gelegenen Steillage Vorberg (12-15 Euro).
Cantina Terlan wurde im Jahr 1893 von 24 Weinbauern als eine der ersten Kellerei-Genossenschaften Südtirols gegründet. Heute hat die Kellerei Terlan mit ca. 100 Mitgliedern eine Anbaufläche von 150 ha und eine Gesamtjahres-Produktion von 11.000 hl bzw. 1,2 Mio. Flaschen. In der Vinothek der Kellerei lagern aktuell ca. 12.000 Flaschen aller Jahrgänge von 1955 bis heute, einzelne auch von noch früher. Die ältesten Flaschen stammen aus dem Gründungsjahr. (weiterlesen…)