27. November 2010

Bei der letzten großen Veranstaltung im Rahmen der 100-Jahr-Feierlichkeiten des VDP stehen klassisch fruchtige Riesling Spätlese und Kabinettweine im Mittelpunkt. In den letzten Jahren wurde der jährlichen Vorstellung der Großen Gewächse deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als den fruchtigen Spezialitäten. Dabei sind das die deutschen Weine, die international die größte Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Um meiner Lieblings-Weinart auch in Deutschland wieder zu dem Ansehen zu verhelfen, dass sie verdient hat, startet der VDP am Sonntag, dem 28.11.2010 in Köln mit einem großartige besetzten Tasting die Kampagne zur Renaissance der Spätlese.

Zur Verkostung stehen 157 Riesling Spätlese und Kabinettweine von 2009 bis 1964, präsentiert von 43 VDP-Weingütern von Mosel, Nahe, Rheingau und Mittelrhein, darunter alle Stars dieses Weinstils wie Joh. Jos. Prüm, Fritz Haag, Egon Müller, Ziliken, Haart, Dönnhoff, Emerich-Schönleber, Weil sowie die Schlossgüter Diel, Johannisberg und Lieser. Es wird die Gelegenheit geben, ein paar längst ausverkaufte Raritäten zu verkosten, darunter der 1990er Scharzhofberger Kabinett von Egon Müller und die MILZ-Laurentiushof Neumagener Nusswingert Riesling Spätlese 1998, deren Version als Versteigerungswein eine genialsten Spätlesen ist, die ich je im Glas hatte.

Ältester Wein der Veranstaltung wird die wunderbar gereifte 1964er Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese sein, die ich im Sommer schon einmal im Weingut verkosten konnte (hier links, der Wein in grün).

Insgesamt verteilen sich die 157 angekündigten Spätlesen und Kabinettwein wie folgt auf die Jahrgänge: (weiterlesen…)
22. November 2010

Neben dem handlichen Mitgliederverzeichnis ist anlässlich des 100. Geburtstages des VDP auch dieser großformatige und repräsentative Bildband über die Mitgliedsbetriebe des Verbands erschienen. Auf mehr als 500 Seiten finden sich ganzseitige Schwarz-Weiß-Portraits von mehr als 250 Winzerinnen und Winzern, je ein Etikett eines Weines aus der wichtigsten Lage von jedem der 194 Mitglieds-Weingüter, wunderbar farbenfrohe Weinbergs- und Landschaftsfotos, Beschreibungen zu allen deutschen Weinbauregionen sowie unzählige Interviews und Hintergrundinformationen. Alle Texte sind in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. Dazu stellen alle neun 3-Sterne-Köche unseres Landes je eine der wichtigsten deutschen Rebsorten und die damit verbundenen Weinarten vor und präsentieren anschließend ein eigens für dieses Buch entwickeltes Rezept, das zu dieser Weinart passt.

Das mehrere Kilo schwere und 31 x 29,4 x 4,6 cm große “Coffee-Table-Book” enthält keinerlei zugekaufte Fotos. Alle Winzerportraits wurden in diesem Frühjahr speziell für dieses Werk angefertigt, was allein schon eine Leitung darstellt, denn einige der Winzerpersönlichkeiten gelten als ausgesprochen Kamerascheu. Auch die Weinbergs- und Landschaftsbilder wurden in diesem Jahr von drei Kamerateams, die durch die Regionen reisten, extra für diesen Bildband fotografiert.
Einen kleinen Einblick ins Buch (einige ausgewählte Seiten) gibt online es unter diesem Link.
Eine Präsentation eines neuen Bildbandes kann sich schon mal recht trocken und zäh gestalten. Angesichts der Beteiligten war das in diesem Fall zum Glück nicht zu erwarten. Die Vielzahl der sympathischen kleinen Anekdoten rund um die aufwändige Entstehung dieses Bildbandes, die bei der Buchpräsentation im Kloster Eberbach vorgetragen wurden, sorgten für einen sehr unterhaltsamen Nachmittag. Am Tisch von links: VDP-Präsidiumsmitglied Armin Diel, gerade bei seinem humorvollen Vortrag, sowie die sichtlich amüsierten Zuhörer Wilhelm Weil (ebenfalls Mitglied im VDP-Präsidium), Hilke Nagel (VDP-Presseverantwortliche), Verleger Ralf Frenzel vom TreTorri-Verlag und im Hintergrund VDP-Bundesgeschäftsführerin Eva Raps.

Bei Amazon.de bestellen: Bildband Deutschlands Weinelite (100 Euro, TreTorri-Verlag).

Mit “Die Mitglieder - The Members” gibt der VDP anlässlich seines hundertsten Geburtstages erstmals in seiner Geschichte ein gebundenes Mitgliederverzeichnis heraus. Das im September 2010 erschienene Taschenbuch präsentiert von allen 194 Mitgliedsbetrieben je eine Seite mit einem kurzen Steckbrief, einem Winzerportrait, einem Etikett eines aktuellen Weines und einem kurzen Text in deutscher und englischer Sprache. Daneben finden sich grobe Übersichtskarten der Weinbauregionen, in denen die Standorte der VDP-Betriebe vermerkt sind. Das VDP-Mitgliederverzeichnis 2010 hat 256 Seiten und gleicht seinem Vorbild, dem Mitgliederverzeichnis der Union des Grand Crus de Bordeaux (kurz UGCB) wie ein Ei dem Anderen.

Beide Mitgliederverzeichnisse haben das gleiche Format, sind gleich hoch, dick und breit.

Auch innen sind sie nahezu identisch aufgebaut. Das UGCB-Verzeichnis ist ebenfalls nach Regionen unterteilt und beginnt in jeder Region mit einer Übersichtskarte und den eingezeichneten Betrieben. Der einzigen beiden Unterschiede sind, dass im UGCB-Guide auch noch die asiatischen und russischen Schreibweisen der Château-Namen angegeben sind und (was mir gut gefällt) dass im VDP-Mitgliederverzeichnis an Stelle der Weingüter im UGCB-Guide die Köpfe der VDP-Winzer abgebildet sind. Die Portraits stammen alle aus diesem Jahr und sind eigens für den ebenfalls in diesem September erschienenen großformatigen Bildband “Deutschlands Weinelite” (100 Euro, TreTorri-Verlag) aufgenommen worden.

Vor hundert Jahren waren die Spitzenbetriebe Deutschlands auf Augenhöhe mit den Top-Bordeaux und erzielten sogar teilweise höhere Preise. Heute sind die Grand Cru Chateaux des Bordeaux die erfolgreichsten Weingüter der Welt, aber der Abstand zwischen VDP und UGCB wird zunehmend kleiner. Da kann man es sich schon einmal herausnehmen eines der erfolgreichsten Marketingtools der Franzosen zu kopieren. Was soll man bei einem Weingüterverzeichnis auch groß anders machen, Telefonbücher sehen auch auf der ganzen Welt gleich aus. Hauptsache, es gibt endlich ein VDP-Mitgliederverzeichnis. Es war längst überfällig und mir gefällt es.

Das neue VDP-Mitgliederverzeichnis kann für 9,50 Euro über den Online-Shop des VDP bestellt werden.
21. November 2010

Buch: Mario Scheuermann - Wortklaubereinen - Von Serviertöchtern und Restaurant-Bären - ein gastronomisch-kulinarisches Sammelsurium der deutschen Sprache aus drei Jahrhunderten
Über Monate hinweg konnte man Mario Scheuermann im letzten Jahr dabei beobachten, wie er über seinen Twitter-Account freudig von neu gefundenen Wörtern aus dem gastronomisch-kulinarischen Bereich berichtete. Anfangs war nicht ganz klar, was es mit dieser zwar nicht neu entdeckten aber erst zu diesem Zeitpunkt öffentlich gewordenen Sammelleidenschaft auf sich hat. Mario Scheuermann sammelt, wie er in der Einleitung offenbart, schon seit seiner Kindheit Wörter und Formulierungen mit allem möglicherweise später einmal interessanten “auf Vorrat”. Schon länger ist bekannt, dass er in den Bereichen Wein und Gastronomie über ein mittlerweile riesiges Archiv verfügt.
Dieses Archiv hat er nun durchforstet und für dieses Buch einige hundert Wörter zusammengetragen. Sie sind alphabetisch sortiert, mit Nennung des kompletten Satzes in der Fundstelle und einer Quellenangabe. Die jüngsten Fundstellen sind Zeitungsartikel von 2010 und älteste Fundstelle ist ein Buch aus dem Jahre 1832.
Die Qualität der zusammengeklaubten Wörter ist sehr unterschiedlich, von banalen Alltagsbegriffen wie Mittagessen oder Pub bis zu schreiend komischen wie Rezessionsbier oder Damengedeck (das Mario Scheuermann gleich in zwei Varianten gefunden hat: Variante 1: Orangensaft und Piccolo und Variante 2: Glas Leitungswasser und Cosmopolitan). Daneben ist erstaunlich wie alt manche Begriffe schon sind, bei denen man es nicht vermutet hätte: für Studentenfutter fand Scheuermann einen Beleg von 1832 in dem auch der Inhalt des Trockenfutters beschrieben wird, der schon genau so war, wie man ihn auch heute noch kennt.

Aufgelockert wird das 104-Seiten starke Taschenbuch mit humorvollen kleinen Illustrationen von Michaela von Aichberger, die einem größeren Publikum spätestens seit ihrem Projekt immf (ich male meine follower) bekannt wurde, bei dem sie wunderbare Portraits ihrer Kontakte aus dem Twitter-Netzwerk zeichnet (oftmals ohne sie je gesehen zu haben, nur nach dem Eindruck, den sie bei Twitter hinterlassen haben) und die es damit schon zu diversen Ausstellungen von Hamburg bis München gebracht hat.
Das gesamte Buchprojekt dürfte dem Online-Netzwerk Twitter zu verdanken sein, denn erst dort sind der Hagener Verleger Tobias Wimbauer, die Erlanger Grafikerin Michaela von Aichberger und der Hamburger Weinjournalist Mario Scheuermann miteinander in Kontakt gekommen und haben dieses Projekt in Angriff genommen.
Mario Scheuermanns Wortklaubereinen bei Amazon bestellen.