22. Februar 2011

Traditionell zu Jahresbeginn richtet das Rheinland-Pfälzische Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung seit vielen Jahren ein hochkarätig besetztes Seminar zur Weinbaupolitik aus. Diesmal unter dem Titel “Wein – Neue Wege” in der Festhalle Landau.
Die erste Podiumsdiskussion nahm den Dualen Studiengang Weinbau und Oenologie unter die Lupe, den die Fachhochschulen Bingen, Kaiserslautern und Ludwigshafen gemeinsam mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz in Neustadt anbieten. Das Studium ist Blockweise aufgebaut, so dass die Studenten vom ersten Semester an abwechselnd einige Wochen studieren und wieder einige Wochen in ihrem ausbildenden Weingut arbeiten.
Auf dem Podium von links: Prof. Dr. Uli Schell (FH Kaiserslautern), Weinbau-Minister Hendrik Hering, Moderator Prof. Dr. Ulrich Fischer (DLR Rheinland-Pfalz in Neustadt), Reinhard Löwenstein (Weingut Heymann-Löwenstein), Adam Dijkstra (Student im dualen Studiengang und Weingut zur Römerkelter), Edmund Diesler (Präsident des Bundes deutscher Oenologen).
Der größte Vorteil des Dualen Studiengang? Reinhard Löwenstein brachte es auf den Punkt: Diese Absolventen wissen neben ihren akademischen Kenntnisse auch, was ein Kantholz oder eine Schraubzwinge ist. Irgendwie klang das wie “im Gegensatz zu den Absolventen anderer Weinbau-Studiengänge”.
Anschließend gab Dr. Friedhelm Leimbrock vom Rheinland-Pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Weinbau-Recht auf europäischer Ebene und die Auswirkungen auf den Weinbau in Deutschland.

Nach dem zwar interessanten aber doch sehr trocken Vortrag zum Weinbaurecht folgte Anthony Robert Hammond, der in Oestrich-Winkel im Rheingau the garage winery betreibt. Sein Vortrag “Garagenwein – Wilder Wein” handelte vor allem von zeitgemäßer Vermarktung aus Sicht eines gut organisierten kleinen Boutique-Weingutes, das vorgibt immer noch jung und wild zu sein, tatsächlich allerdings längst mitten im Establishment angekommen ist.
Was Mr. Hammond gar nicht mag, ist der “EFT - Ein Flaschen Tourist“: Der schlimmste Kunde sei der, der mit dem GuideMillau unter dem Arm auf den Hof kommt und anfängt mit “Ich möchte gerne mal mit Ihnen über Ihre Weine diskutieren”.

Es folgt eine interessante Diskussion zum Thema Weinverschlüsse. Auf dem Podium: Claus-Dieter Morio-Roth (Verschlusstechnik-Experte), Volker Gies (Weingut Gies-Düppel), Hansjörg Rebholz (Weingut Ökonomierat Rebholz), Hofrat Robert Steidl (Institutsleiter und Professor am LFZ Klosterneuburg, Österreich), Moderator Wolfgang Schwarz (MdL), Dr. Rowald Hepp (Gutsdirektor Schloss Vollrads), Stefan Maennle (Pfaffenweiler Weinhaus), Johann Peter Reinert (Weingut Johann Peter Reinert).
Eingeleitet wurde die Runde durch einen sehr spannenden Vortrag von Robert Steidl vom LFZ Klosterneuburg (dem “Geisenheim Österreichs”), der darin gipfelte, das es seriöse Studien gibt, die belegen, dass es im unteren Preissegment einen beachtlichen Anteil Weintrinker gibt (in einer australischen Studie 38% !!! der Käufer diesen Segments), die einen leichten TCA-Kork-Fehlton als normalen Bestandteil des Weingeschmacks ansehen und ihren Wein genau so wollen. (weiterlesen…)
20. Februar 2011

Im Monat März 2011 richtet der Weinkaiser-Blog erstmals eine Weinrallye aus. Am 20. März ist die Riesling Spätlese Thema der 43. Weinrallye-Ausgabe. Vor fast vier Jahren hat der Winzerblog die erste Weinrallye ins Leben gerufen. Seit dem organisiert jeden Monat ein anderer Blog eine Weinrallye zu einem neuen Thema.

Alle, die teilnehmen möchten, sind aufgerufen, einen Artikel zu schreiben, der in irgend einer Weise mit dem Thema Riesling Spätlese in Verbindung steht. Das kann einfach die Vorstellung und/oder Verkostung eines Weines sein, gerne aber auch Erlebnisberichte oder grundsätzlichere Überlegungen. Ein Winzer hat mir beispielsweise gerade angekündigt, sich “lyrisch” mit dem Thema zu befassen…

Die Riesling Spätlese ist die Königsklasse des deutschen Weines. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Weinart, die nur ansatzweise an das geniale Süße-Säure-Spiel feiner Riesling-Spätlesen heranreichen kann. Spitzenspätlesen werden weltweit von den allermeisten Weinexperten mit Lob und Auszeichnungen überhäuft. Auf einer VDP-Veranstaltung in Berlin konnte ich vor kurzem z.B. dem berühmten englischen Weinautor Hugh Johnson bei einer mehrere Minuten lagen Lobeshymne auf diese Weinart lauschen. Nur in ihrem Heimatland trauen sich viele Weintrinker immer noch nicht heran, da sie irgendwann einmal gehört haben, Weine mit Restsüße seinen minderwertige Weine. Dabei ist die Riesling-Spätlese selbst für Punkte-Trinker einer der Weine mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis weltweit. Unzählige Riesling Spätlesen wurden von den wichtigsten internationalen Weinkritikern im Bereich von 92-97 Punkten bewertet und sie kosten nur zwischen 10 und maximal 33 Euro (einzig Egon Müller sprengt diesen Preisrahmen mit rund 55 Euro für die aktuelle Spätlese aus dem Scharzhofberg). Ein solches Preis-Leistungsverhältnis ist weltweit einmalig. In den USA liegen die deutschen Spitzenspätlesen oft bei Preisen zwischen 70 bis weit über 100 Dollar und sind dort trotzdem deutlich schneller ausverkauft als hier bei uns.

Seit kurzem hat sogar der VDP vorgenommen, sich künftig wieder mehr um das Thema Spätlese zu bemühen. Bei einer hochkarätig besetzten Veranstaltung in Köln warben Wilhelm Weil (Weingut Robert Weil), Egon Müller und Armin Diel (nicht auf dem Foto, da er neben mir saß) für die Weinart Riesling Spätlese.

Diese Weinart hat auch ein riesiges Alterungspotential. Schon einfache aber gut gemachte Spätlesen aus kleinen Lagen können problemlos zehn Jahre reifen, die Spitzenklasse erreicht oft erst nach 20-30 Jahren ihren Höhepunkt. Ganz jung sind tatsächlich auch einige richtig gute Spätlesen manchem Weinfreund zu süß. Diese hohe Süße trifft aber erstens nur auf einen kleinen Teil der Spätlesen zu und zum anderen sind gerade diese Weine meist für eine längere Reifezeit vorgesehen, während der die Weine mindestens den Großteil, wenn nicht sogar die komplette Süße abbauen und dann auch Anhänger trockener Rieslinge begeistern.

Wer einen Artikel schreibt, gibt mir bitte eine kurze Info, dann verlinke ich alle Beiträge auf einer Übersichtsseite. Wer keinen eigenen Blog betreibt oder wo das Thema einfach beim eigenen Blog nicht reinpasst (z.B. bei den Fachblogs für Portwein, Rhone oder Pinot) ist herzlich eingeladen mit die Beiträge zu senden ( info@weinkaiser.de ). Ich veröffentliche sie dann als Euren Gastbeitrag im Weinkaiser-Blog. Ein Hinweis an alle die, die mir einen Artikel zur Veröffentlichung hier senden und Bilder beifügen möchten (wäre schön, denn dieser Blog ist traditionell stark bebildert): Bitte möglichst Bilder mit einer Mindestbreite von 495 Pixel einsenden (größer ist kein Problem, da ich alles verkleinern kann, vergrößern wäre deutlich schwieriger…).
Für alle interessierten hier noch die Pressemitteilung und ein Banner zur Weinrallye #43 Riesling Spätlese:

Bei Facebook gibt es übrigens auch eine Veranstaltungsseite zur Weinrallye #43 Riesling Spätlese am 20.03.2011

18. Februar 2011

Vor fast vier Jahren hat der Winzerblog die erste Weinrallye ins Leben gerufen. Seit dem organisiert jeden Monat ein anderer Blog eine Weinrallye zu einem neuen Thema. In diesem Monat hat der Blog des Weinhauses Fabio zur Weinrallye #42 das Thema PIWIS - schon probiert? ausgegeben.
PIWIS sind pilzwiderstandsfähige Rebsorten und werden seit dem 19. Jahrhundert vor allem als Antwort auf die kurz vorher durch amerikanische Rebstöcke nach Europa eingeschleppten schädlichen Pilzarten echter Mehltau (Oidium) und falscher Mehltau (Peronospora) gezüchtet. Diese Rebsorten müssen also, im Gegensatz zu den meisten andern Rebsorten, nicht gegen Pilzkrankheiten gespritzt werden. Dies ist natürlich besonders interessant für biologisch und biodynamisch arbeitende Betriebe. Viele alte PIWIS sind durch Kreuzung von europäischen und amerikanischen Reben gezüchtet, die von sich aus gegen die Schadpilze resistent waren. In Amerika hatten sich die Rebsorten über Jahrtausende an die Pilzkrankheiten gewöhnt und Resistenzen entwickelt, in Europa hingegen wurden die heimischen Rebsorten von den eingeschleppten Pilzen unvorbereitet erwischt, daher wurden hier mehrere hunderttausend Hektar Rebfläche dahingerafft. Die ersten PIWIS wurden in Frankreich gezüchtet und verbreiteten sich rasend, so dass in den 1930er Jahren dort fast dreihunderttausend Hektar damit bepflanzt waren. Da viele der ersten PIWIS Weine hervorbrachten, deren Aromen für Wein eher ungewöhnlich waren, sank die Fläche aber auch rasch wieder. Einige besonders extreme wurden in der Folgezeit auch sowohl in Deutschland als auch Frankreich verboten. Die heute bekannteste PIWI-Rebsorte in Deutschland ist die rote Rebsorte Regent mit 2182 ha Rebfläche in 2007.
In Deutschland fand die Erforschung und Züchtung der PIWIS vor allem am 1920 gegründeten Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg statt (nur in der Nazizeit unterbrochen, die als der Schwerpunkt auf die Züchtung arischer Rebsorten verlegt wurde und vieles nach Berlin umzog). Am WBI in Freiburg wurde dann 1975 durch Norbert Becker auch die neue weiße PIWI-Rebsorte Solaris aus den Sorten Merzling und Gm 6493 gekreuzt. Heute sind in Deutschland ca. 54 ha mit Solaris bepflanzt, davon gut zwei Drittel in Baden.

Der Solaris 2009 edelsüß vom Bio-Weingut (ECOVIN) Georg Forster ist ein einfacher fehlerfreier Weißwein mit leicher Restsüße, etwas Frucht von Zitrus und Litschi, im Abgang ein Hauch erdig, etwas wenig Säure was aber hier kein Problem ist, da der Süße neben 12% Vol. auch eine angenehm herbe Kräuternote gegenübersteht, die dafür sorgt, dass der Wein trotzdem nicht pappig süß wirkt. Gerade für säureempfindliche Freunde restsüßer Weine eine schöne Alternative für die Sommermonate und mit 6-7 Euro auch sicher sein Geld wert. 84P
Andere zum Thema der Weinrallye #42
http://25cl.de/2011/02/18/ein-piwi-aus-auggen/
http://winzerblog.de/piwis-2916/
http://www.meinbiowinzer.de/blog/weinrallye-42-piwis-schon-probiert/
http://www.fabiowein.de/weinrallye-42-interessante Links zu PIWI-Wein-Seiten
http://www.fabiowein.de/42-weinrallye-piwis Gastbeitrag von Peter Züllig
http://wirwinzer.de/blog/42-weinrallye-erreicht-den-wirwinzer-blog/
http://lamiacucina.wordpress.com/2011/02/18/weinrallye-42-piwi-weine/
http://blog.wein-reich.info/2011/02/18/ehrenbreitsteiner-sind-selten/