26. April 2011

Winzer zeigen Gesicht für eine Zukunft ohne Hochmoselübergang

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 18:51

Für eine bessere Zukunft ohne Hochmoselübergang

Am Ostermontag kurz nach dem Frühstück bekam ich die Anfrage, ob ich Zeit und Lust habe zu einem Fototermin am Nachmittag nach Wehlen an die Mosel zu kommen.

Einem solchen Aufruf sind dann spontan über 80 Teilnehmer von 40 Weingütern gefolgt. Sie kamen nicht nur aus gut einem Dutzend der umliegenden Weinorte, sondern auch von der Saar, Rheinhessen und der Pfalz. Vom kleinen Familienweingut, über Spitzenbetriebe der globalen Weinwelt bis hin zur Großkellerei waren alle Bereiche vertreten. Viele Winzer hatten ihre Familie und Kinder mitgebracht, um zu zeigen, dass es ihnen um ihre Zukunft geht.

Sie alle wenden sich an die neue Landesregierung in Mainz mit dem Gesuch, den mittlerweile auch im Ausland bekannten und berüchtigten Hochmoselübergang nicht zu bauen. Sie begründen dies mit dem zu geringen Nutzen und den zu erwarteten Schäden des Bauprojekts.

Egon Müller, Spitzenwinzer und Präsident des VDP Mosel-Saar-Ruwer, reiste eigens mit seiner Familie von der Saar an, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

“Wie soll ich meinen Kunden klarmachen, dass der Wein etwas wert ist, wenn sie sehen, wie unbarmherzig mit der Landschaft, aus der er stammt, umgegangen wird”, meinte Johannes Schmitz, Winzer aus Ürzig.

Viele weitere, die verhindert waren, schickten unterstützende Nachrichten. Peter Jacob Kühn kommentierte das Treffen aus dem Rheingau mit den Worten: “Um eine Verbindung zwischen Menschen zu schaffen, braucht es keine monumentalen Brückenbauwerke. Die Brücke wäre eine Kreuzigung der Weinkultur.”

Großes Verständnis haben die Winzer auch für die Kollegen, deren Lagen unmittelbar von der geplanten Trasse tangiert würden. “Wir wissen alle, dass solche massiven Erdbewegungen, gerade oberhalb der Weinberge, die Wasserversorgung gefährden können. Und die ist bisher perfekt, wie ihre Weine beweisen” erklärt Winzer Clemens Busch aus Pünderich.

Michael Willkomm, Chef der Peter Mertes KG, Deutschlands größter Weinkellerei, kann den Nutzen der vor 50 Jahren geplanten Straße nicht nachvollziehen: “Mit Baukosten bei dieser Linienführung von über einer Milliarde Euro, die mittlerweile in der Presse genannt werden, macht das Projekt schon allein aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn.”

“Wir haben noch so viel Potential hier an der Mosel, was Weinbau und Tourismus angeht”, ist sich die Wehlener Winzerin Dr. Katharina Prüm vom Weingut Joh. Jos. Prüm sicher, “aber um das zu nutzen, brauchen wir eine intakte Landschaft und Natur.” Dies bestätigt auch der wohl renommierteste Fotograf der Weinszene, Andreas Durst: “Das Motiv der Ürziger Felsen ist weltbekannt. Wenn da jetzt eine riesige Betonbrücke im Weg stünde, wäre das das schlechteste Marketing überhaupt.”

So richten sich alle Blicke auf den Neuanfang in Mainz in der Erwartung, dass auch dort der Wert dieser einmaligen Kulturlandschaft erkannt und gewürdigt wird.

Die Teilnehmerliste dieses Fotoshootings liest sich wie das who-is-who der Weinszene: Egon Müller (Scharzhof), Dr. Manfred & Dr. Katharina Prüm (Joh. Jos. Prüm), Willi & Christoph Schaefer, Markus Molitor, Clemens Busch mit Frau Rita und Sohn Florian,  Martin Kerpen, Michael Willkomm (Großkellerei Peter Mertes), Daniel Vollenweider, Ingmar Püschel, Johannes Selbach, Familie Kees-Kieren um nur einige zu nennen. Der durch Familienurlaub verhinderte VDP-Präsident Steffen Christmann übermittelte ebenso eine Solidaritätsadresse, wie Armin Diel und Cornelius Dönnhoff von der Nahe und Philipp Wittmann aus Rheinhessen.

Weitere Informationen:
Bürgerinitiative Pro-Mosel

Hintergrundinformation:
Der Hochmoselübergang ist eine 25 Kilometer lange Neubaustrecke der Bundesstraße 50 zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich und Longkamp. Zu ihr gehört die 1,7 km lange und 160 m hohe Hochmoselbrücke zwischen Zeltingen-Rachtig und Ürzig. Seit Beginn der Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz zwischen SPD und Grünen besteht ein Bau- und Vergabestopp an dem umstrittenen Projekt.

10. April 2011

Buch: Super Schoppen Shopper 2011

Kategorie: Literatur — Weinkaiser @ 17:11

Nach dem großen Erfolg der Vorjahresausgabe war es kein Wunder, dass rechtzeitig zur ProWein die zweite Ausgabe des Super Schoppen Schopper präsentiert wurde. Für die Ausgabe 2011 dieses Weinführers im Taschenbuchformat wurden 1300 Weine der Supermarkt- und Discounterketten Aldi (Nord und Süd), Edeka, Kaiser’s, Lidl, Netto, Norma, Penny, Rewe, Rossmann, Schlecker und Tengelmann probiert, bewertet und beschrieben. Es wurden dabei nur die Weine getestet, die bei den Läden im überregionalen Sortiment vertreten sind und nicht Weine, die nur in einzelnen Märkten angeboten werden. Mein Lieblings-Edeka in Köln-Lindenthal hat z.B. die komplette Spitze des VDP, von der Rhone und aus dem Bordeaux im Laden stehen, weil der Inhaber selbst großer Weinfan ist. Solche Weine fallen natürlich alle aus der Wertung, sonst hätten nicht nur 1300 sondern einige tausend Weine getestet werden müssen.

Die in den Niederlanden lebende und unter dem Pseudonym Cordula Eich (40) schreibende Autorin nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Für die Leser dieses Buchs sind keine Vorkenntnisse spezieller Fachbegriffe erforderlich, wie sie in der Weinszene gerne verwendet werden. Ich habe selten klarere und besser verständliche Weinbeschreibungen gelesen. Wenn ein Wein z.B. mit abgestandenem Blumenwasser verglichen wird, versteht wohl jeder, dass er von diesem Wein besser die Finger lässt. Im Grunde sind es überwiegend höchst kreative Weinbeschimpfungen denn im getesteten Segment hält sich die Anzahl großartiger Weine eben in sehr engen Grenzen. Einige hat sie trotzdem gefunden. Cordula Eich betont dabei ihren subjektiven Eindruck und erhebt im Gegensatz zu einigen Weinpäpsten an keiner Stelle den Anspruch, dass jeder ihre Meinung teilen müsse.

Mein Fazit: Das Buch ist die höchst amüsante Bibel der Weinbeschimpfungen.

Bei Amazon.de bestellen: Super Schoppen Shopper 2011: Erste Hilfe für den Weinkauf beim Einkauf von Cordula Eich.

3. April 2011

Tommy Hergenhan ist der Nachwuchssommelier des Jahres

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 15:55

Tommy Hergenhan (F&B Manager im Landhaus Eggert in Münster) ist der Nachwuchssommelier des Jahres 2011. Der zum zehnten Mal vom SOMMELIER MAGAZIN (Verbandsorgan der Deutschen Sommelier-Union) in Kooperation mit der Hotelfachschule Heidelberg und der Deutschen Wein- und Sommelierschule ausgetragene Nachwuchswettbewerb hatte in diesem Jahr 25 Teilnehmer, die vor einer siebenköpfigen Jury bestehen mussten.

Bewertet wurde das Können der Kandidaten in drei Bereichen (Blindverkostung, Food and Wine Pairing und Service), die der 24-jährige Tommy Hergenhan überzeugend für sich entschied. Der Preis wurde vom Neuseeländischen Botschafter Peter Rider übergeben, der auch gleich ein Māoripaar aus seiner Heimat mitgebracht hatte.


Als Lohn für seinen Sieg ist Tommy Hergenhan nun für 10 Tage All-Inklusive nach Neuseeland eingeladen um dort Weingüter und Spitzenrestaurants zu besuchen und das Nachtleben zu erkunden. Antreten wird er die Reise wohl im Januar 2012.

Platz zwei beim Wettbewerb zum Deutschen Nachwuchssommelier ging an Christina Krenn von Geisel’s Vinothek in München, hier gemeinsam mit Repräsentanten der Österreichischen Weinwerbung, die die Zweitplatzierte auch zu einer Fortbildungsreise nach Österreich einluden.

Auf Platz drei kam Marcel Heid (hier mit VDP-Geschäftsführerin Eva Raps bei der Preisverleihung), der im Kronenschlösschen in Hattenheim im Rheingau seiner Arbeit nachgeht. Für ihn übernimmt der VDP eine einjährige Patenschaft.

Zum Abschluss der Preisverleihung gab es noch einmal eine traditionelle Neuseeländische Tanzeinlage der beiden Māori, die teilweise Furcht einflößend aussahen aber im persönlichen Gespräch dann doch sehr sympathisch waren.

Rund 90 weitere kommentierte Bilder von der ProWein gibt es im Weinkaiser-Fotostream von der ProWein 2011.