6. August 2011

Auf Initiative eines Bonner Weinfreundes haben wir uns einmal der weißen Rebsorte Verdejo gewidmet. Verdejo soll seine Wurzeln in Afrika haben, ist aber seit dem 11. Jahrhundert nahezu ausschließlich in der kastilischen Hochebene Zentralspaniens, vor allem der Region Rueda beheimatet, wo sie wohl erstmals von den damals neu zugezogenen Mozarabern angepflanzt wurde. Die Weinberge liegen meist in einer Höhe von 700-800 Metern, was für kalte Nächte sorgt (im Sommer regelmäßig Temperaturunterschiede von bis zu 25° zwischen Tag und Nacht) und den Weinen damit eine ordentliche Säurestruktur ermöglicht. Bis in die 1970er Jahre wurden die Weine vor allem oxidativ (sherryartig) ausgebaut. Der Wandel des Stils hin zum frischen, jung zu trinkenden Alltagswein ist vor allem auf den im Rioja beheimateten Weingiganten Marqués de Riscal zurückzuführen, der auf seinem Expansionskurs nach einem Gebiet für weitere Weißweine suchte und mit Hilfe des berühmten bordelaiser Önologen Émile Peynaud auf Verdejo aufmerksam wurde. Noch ein paar Zahlen: Rueda Verdejo muss zu mindestens 85% aus Verdejo bestehen, einfacher Rueda zu mindestens 50%. Der Rest ist üblicherweise Sauvignon Blanc und/oder Macabeo. Der Stoff ist immer trocken mit einem vorgeschriebenen Mindestalkoholgehalt von 11,5%. Vom Jahrgang 2010 wurden allein in der D.O. Rueda auf 9.139 ha 61,3 Millionen Kilo Verdejo geerntet.
Die 2010er Verdejos in der Reihenfolge wie oben abgebildet.
Dos Puntos Blanco 2010
Analivia Verdejo 2010
Gran Cardiel Verdejo 2010
Mantel Blanco Verdejo 2010
Flor del Montego Blanco Verdejo 2010
Blume Verdejo 2010
Quietus Verdejo 2010
Marques de Riscal Blanco Rueda 2010
Menade Verdejo 2010
Jose Pariente Verdejo 2010
Ermita Vera Cruz Verdejo 2010
Quintaluna Verdejo 2010

Naturkork und Schrauber war die Ausnahme bei den zwölf verkosteten Verdejos. Nur je ein Schrauber und ein Naturkorken waren dabei. Acht mal wurde Kunststoff und zweimal Presskork verwendet. Auf dem folgenden Foto des Organisators der Verkostung sind allerdings zusätzlich die Verschlüsse der drei Moselrieslinge zu sehen, die es nach den Verdejos noch gab…

Die 2010er Verejos haben durch die Bank eine geringe Frucht-Aromatik, alle sind trocken, leicht säurebetont (daher frisch wirkend) und je nach Wein irgendwo zwischen herb und bitter. Bei den Weinen mit zugesetztem Sauvignon Blanc war das grüne Geschmacksbild des Sauvignon Blanc trotz Begrenzung auf 15% Anteil deutlicher wahrzunehmen als ein Verdejo Eigengeschmack. Die für Verdejo als typisch geltenden leichten Anis-Noten hatte nur ein einziger Wein. Meine beiden Favoriten waren (weiterlesen…)
4. August 2011

Seit Gottfried Lamprecht 2005 sein Familienweingut Herrenhof Lamprecht in Markt Hartmannsdorf (Steiermark) gründete, setzt der Absolvent der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (dem Geisenheim Österreichs) strickt auf Qualität, ökologischen Anbau und traditionelles Winzerhandwerk. Im Herrenhof gab es zwar schon einmal Weinbau aber das ist so lange her, dass Gottfried Lamprecht im Grunde bei null anfangen musste/konnte. Er hat die Chance genutzt. Alle seine Weine stammen vom Buchertberg, der direkt am Weingut gelegen ist und über Lagen bis in über 400 Metern Höhe verfügt. Die meisten Anlagen sind extrem jung, der Pinot Noir für den oben abgebildeten Rosé wurde beispielsweise im Jahr 2005 gepflanzt. Seit dem kamen mehrere Weingärten hinzu, zuletzt wurde in diesem Frühjahr ein Obstgarten samt Hagelnetzen rausgerissen um Platz für weitere Rebanlagen zu schaffen.
Dass Gottfried Lamprecht beim Weinausbau auf traditionelle Methoden setzt, bedeutet keineswegs, dass er kein Interesse an moderner Technik habe. Bei der Nutzung neuer Medien ist sein Herrenhof so perfekt aufgestellt wie kein anderes mir bekanntes Weingut dieser Größe: Gottfried Lamprecht bloggt über die Weingutsarbeit, er ist im Gegensatz zu vielen anderen Winzern bei Facebook, Xing, Google+ und Twitter alles andere als eine Karteileiche und als einer von wenigen nutzt er QR-Codes auf allen Weinflaschen, deren Links zu den für jeden Wein angelegten Webseiten mit Detailinformationen zum Wein führen.

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010
Gerade mal vier Wochen nach der Füllung, wirkt der Wein noch extrem jung. Gut gekühlt dominieren Himbeer- und Gäraromen (der Wein ist spontan vergoren), gefolgt von etwas Erdbeerfrucht, Sauerkirschen und Schokolade. Mit etwas mehr Temperatur typischere Aromatik von leichtem Pinot (wohl gemerkt: die Rebanlagen sind gerade mal fünf Jahre alt), dazu der deutliche Noten von frisch gemahlenem weißem Pfeffer und eine leichte Chilischärfe. Trotz der nur 5,4 Gramm Säure ist die Säure vor allem im Abgang sehr präsent. Die Farbe ist übrigens für eine Spätburgunder Rosé recht kräftig. Der mit 11,5 % Vol angenehm leichte Rosé ist mit nur einem Gramm Restzucker sehr trocken (ein wenig Extraktsüße mildert diesen Eindruck ein wenig) und ich könnte mir angesichts der sehr präsenten Säure vorstellen, dass er mit ein Wenig mehr Restzucker noch mehr Trinkfreude machen würde. 85P
Andere Blogs über diesen Wein:
Don Simon
Peer F. Holm
La Gazzetta del Vino
Datenbaltt zum Wein bei Herrenhof Lamprecht:
http://www.herrenhof.net/winedatasheets/herrenhof-2010-pinotnoir-rose_ger_eng.pdf