Für Reisen entlang der Loire gibt es klassischerweise nur zwei Alternativen. Entweder - wie auf dem Foto oben in Saumur zu sehen - mit dem Hausboot oder per Fahrrad. Da die meisten spannenden Loire-Weingüter nicht gleich am Fluss, sondern auf den Hügeln der näheren Umgebung verteilt liegen, ging es auf dem Fahrrad eine Woche lang den Fluss hinunter. Das Radwegenetz entlang der Loire ist bereits nahezu perfekt ausgebaut, letzte Lücken werden gerade geschlossen.
Die ganze Woche mit mir unterwegs war Christophe Marzais, der sympathische Inhaber von Detours de Loire. Sein Unternehmen verleiht mehr als 400 Fahrräder über diverse Niederlassungen entlang der Loire, hier die in der Nähe des Bahnhof Tours.
Man hat hier aber auch diverse Transporter zu Verfügung um beispielsweise bei einer kürzeren Loirereise weniger spannende Streckenabschnitte zu überspringen oder wie bei uns, Abstecher zu teilweise weit abseits des Flusses gelegenen Weingütern zu machen. Auch unser Gepäck wurde so von Hotel zu Hotel befördert.
Da ich nicht zur Erholung hier war, standen meist vier Weingutsbesuche pro Tag auf dem Programm und ca. 40 bis 45 Kilometer waren auf dem Fahrrad zurückzulegen. So konnte ich zumindest einen Teil der vielen wunderbaren Menüs dieser Reise wieder abtrainieren.
Da es für Mitte Oktober noch erstaunlich warm war und wir auf dem Fahrrad keinen einzigen Tropfen Regen abbekommen haben, konnten wir mit angenehm leichter Kleidung unterwegs sein. Hier ging es gerade wieder zurück aufs Fahrrad nach der Besichtigung und Verkostung bei der Domaine Jean‐Michel Gautier in der AOC Vouvray. Von links: Christophe Marzais von Detours de Loire, Jean‐Marc Gilet von der AOC Vouvray Domaine de la Rouletière (dessen Weine wir hier auch probierten), Benoît Gautier der Inhaber der Domaine Jean‐Michel Gautier und der Autor dieser Zeilen.
Die Anzahl der Sehenswürdigkeiten entlang unserer Reiseroute ist schier endlos. Ein berühmtes Schloss nach dem anderen, diverse weitere gut erhaltene historische Bauwerke, die vielen Weingüter und alles in wunderschönen Landschaften. Ein Paradies auch für Fotofreunde. Ich habe von einer Woche an der Loire 1.300 Fotos mit nach Hause, die unscharfen oder doppelten waren da schon gelöscht.
Beim Anblick von Brücken wie dieser in Saumur wird schnell klar, dass es auf der Loire keine großen Fracht oder Passagierschiffe gibt. Meist sieht man nur Angel- oder Hausboote, einzig ein paar sehr flache Hotelschiffe schaffen es sonst noch unter solchen Brücken hindurch.
Auch etwas abseits des Flusses waren wir immer wieder durch traumhaft schöne Landschaften unterwegs. Häufig waren auch schöne Pferde zu sehen. Die Gegend ist neben dem Wein und den Schlössern auch für ihre hochklassige Pferdezucht bekannt.
Ein ganz anderes Kaliber von Pferd ist Taga, die am Wochenende schon mal allein einen großen Planwagen mit Picknick-Gesellschaften zieht und die Woche über als Arbeitspferd (z.B. mit Pflug) im ebenso kleinen wie feinen Bioweingut Domaine les Loges de la Folie im Einsatz ist. In diesem Weingut spürt man, dass Bio hier keine Marketingmasche sondern eine Haltung und Lebenseinstellung ist.
Bei Champalou kann man sehr schön sehen, wie es unter den meisten Loire-Weinbergen aussieht. Die Reben wachsen auf der an der Loire typischen, mehrere Metern dicken Tuffsteinschicht. Direkt darunter befinden sich die in den Tuffstein gegrabenen Kelleranlagen des Weinguts Champalou. Champalou gehört für mich zu den Entdeckungen der Reise. Die komplette Kollektion vom Cremant über den trockenen Vouvray bis zu den Edelsüßen Spitzen bietet hohe Qualität zu sehr fairen Preisen.
Da das Ganze ja eine Weinreise war, hieß es 16 mal: “Ab in den Keller zur Besichtigung!”
Natürlich wiederholte sich dabei vieles aber es gab tatsächlich bei jedem Weingut das ein oder andere ungewöhnliche und neue zu entdecken.
Einer der größten Kelleranlagen meiner Reise war die von Blanc-Foussy. Hier wurde in nicht für die Produktion benötigten Teilen des Kellers ein spannendes Museum eingerichtet, in dem am Originalort gezeigt wird, wie und mit welchen Techniken die Tuffsteinblöcke für den Schlösserbau vorsichtig aus dem Fels herausgelöst wurden, wie die Keller dann lange der Seidenraupenzucht dienten und wie dann wieder etwas später Champignons angebaut wurden.
Es folgt der Blick in eine der kilometerlangen Galerien (Gänge) im Keller von Monmousseau. Auf drei Etagen stehen hier insgesamt 15 Kilometer als Lagerraum zu Verfügung.
Etwa ein Drittel davon wird derzeit als Lagerfläche genutzt. Angelegt wurden viele diese Keller nicht als Weinlager sondern sie sind Überbleibsel der Zeit, als Tuffsteinblöcke aus den Felsen geschlagen wurden um damit Schlösser und andere Gebäude zu bauen.
Die Galerien von Monmousseau sind nicht nur unglaublich lang, die Flaschenlager sind auch ganz schön tief. Wer auf dem Bild zuvor glaubte, es sei nur eine schöne Front aufgebaut worden, sieht hier, wie weit das Lager vom Weg in den Berg hineinreicht. Allein in diesem Raum reifen rund 15.000 mit Kronenkorken verschlossene Cremant-Flaschen. An den Rändern sieht man, wie die Unebenheiten der Wände mit Holzlatten ausgeglichen werden um das Flaschenlager zu stabilisieren.
Mein Zuhause für die ersten beiden Nächte war das wunderschöne Hotel Les Hautes Roches in Rochecorbon, in der Mitte zwischen Tours und Vouvray und direkt an der Loire gelegen.
Im Hauptgebäude des Hotels Les Hautes Roches findet sich nur das zum Hotel gehörende Restaurant, Tagungsräume und die Administration. Die meisten Gästezimmer und Suiten liegen neben dem Gebäude mitten im Fels. Das ist weltweit einzigartig. (weiterlesen…)































