«

»

Mrz 25

3 Jahrzehnte Hermitage La Chapelle

Der Großhändler und Importeur CWD lud auf der diesjährigen ProWein zu einem Tasting unter dem verheißungsvollen Titel „Hermitage La Chapelle über 3 Jahrzehnte“ und (sehr) viele kamen. Die Spannung war groß: Welche Jahrgänge würden es wohl sein?

Letztes Jahr kamen bei Christie’s in Los Angeles zwölf Flaschen Hermitage La Chapelle 1961 für mehr als 165 000 Euro unter den Hammer – pro Flasche rund 14 000 Euro.  Bei der Preislage würde der also schon mal nicht dabei sein.  Den 1984er aber bitte auch nicht. Damit hatte ich vor Jahren mein erstes La Chapelle-Erlebnis. 1984 war ein unterirdisches Jahr an der Rhone – der Wein war entsprechend…

Die Wartezeit, bevor Sommelière Christina Hilker die Verkostung eröffnete, konnten wir uns mit einem sehr gelungenen 2005er Châteauneuf-du-Pape Cuvée du Vatican Réserve Sixtine versüßen, der unter uns Wartenden am CWD-Stand die Runde machte. Parker gibt 92 Punkte, die hat der Wein auch verdient. Dann traf Nicolas Jaboulet ein und los ging’s: Starter war der 2007er Côtes du Rhone Parallèle 45 Blanc, gefolgt vom 2005er Ceévalier de Stérimberg Hermitage Blanc, den meine Begleiter und ich aus zwei unterschiedlichen Flaschen probieren konnten (zuerst gab nur einen Mini-Probenschluck, da man sich wohl nicht sicher war, ob die vorhandene Menge für alle ausreicht, einige Minuten später dann noch einmal eine normale Probenportion nach dem sich wohl rausgestellt hat, dass die vorhanden Menge doch ausreicht). Der weiße Hermitage präsentierte sich in beiden Fällen ordentlich, aber nach unserer einhelligen Meinung erstaunlich unterschiedlich.


Der erste La Chapelle war dann der 1985er. Diesen einen gab’s dann wirklich nur in homöopathischen Dosen, die sich aber zu probieren lohnte. Der 23 Jahre alte Hermitage präsentierte sich in einem schönen reifen Zustand mit feinen Tabak- und Ledernoten.

Der darauf folgende 1995er wirkte dagegen etwas zu tanninlastig. Die Harmonie des 1985er wird er wohl nie erreichen. Der nächste Wein war mein klarer Gewinner: Jahrgang 2001 – Tolle Konzentration, leckere Frucht auch mit einem Hauch Fruchtsüße, ausreichend Säure und ein kräftiges Gerüst sehr feiner Tannine – alles fügt sich sehr harmonisch zusammen. Schon jetzt sehr lecker und mit sicher mit großer Zukunft. Wine Spectator vergibt hier 97 Punkte, Parker 90-92 – Ich bin hier auf der Seite des WS und vergebe 95-97 Weinkaiser-Punkte.

Der 2004er dürfte der letzte klassische La Chapelle sein. Der letzte traditionell ausgebaute Jahrgang macht einen guten Eindruck, braucht aber ordentlich Zeit. Erinnert mich an den 1997er, den ich kürzlich bei einem Freund trinken durfte, dem man aber besser auch noch mehr Zeit gibt.

Die Jahrgänge 2005 und 2006 sind anders. Das Weingut Paul Jaboulet-Aîné wurde an eine Investorengruppe verkauft, der Stil des Weines wurde geändert, neue Barriques, internationaler Stil, frühere trinkreife. Keine schlechten Weine – aber nicht mehr der alte Hermitage La Chapelle. Das soll man auch sehen: Ab dem Jahrgang 2005 wurde ein neues, langweiliges Etikett eingeführt. Für eine Übergangszeit wird es aber parallel auch noch das alte geben. CWD gab bekannt, 2005 und 2006 ausschließlich die Version mit dem altem Etikett bestellt zu haben.

Die Probenliste:
2007 Côtes du Rhone Parallèle 45 Blanc
2005 Ceévalier de Stérimberg Hermitage Blanc
1985 Hermitage La Chapelle
1995 Hermitage La Chapelle
2001 Hermitage La Chapelle
2004 Hermitage La Chapelle
2005 Hermitage La Chapelle
2006 Hermitage La Chapelle


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

3 Kommentare

2 Pings

  1. klaus weberNo Gravatar

    Sg. Damen und Herrn.
    Habe 2 Flaschen, Hermitage la Chapelle 1984.Was heißt, er ist ein unterirdisches Jahr an der Rohn gewesen, ist der Wein nicht gut? Soll man ihn trinken, weil er nichts besonderes ist?
    Wäre nett wenn Sie mir eine beantwortung zukommen lassen.
    Mit lieben Grüßen
    Klaus Weber

  2. WeinkaiserNo Gravatar

    Sehr geehrter Herr Weber,

    das Weinjahr 1984 war fast europaweit so schlecht, dass es meist als einziges Jahr in den 80ern in bekannten Jahrgangsübersichten komplett weggelassen wird. Robert Parker sieht den 84er La Chapelle bei 79 Punkten, der Wine Spectator bei 80. Im Internet findet sich allerdings auch jemand, der anscheinend bei einer Verkostung im letzten Jahr 12 Jahrgänge La Chapelle probiert hat und diesem Wein mit 92 Punkte im Mittelfeld der 12 Jahrgänge sieht. Cellar Tracker User Art_Vandelay

    Das ich diesen Wein probiert habe, ist sicher schon 5-6 Jahre her. Nach meiner Erinnerung habe ich ihn etwa bei Mitte 80 Punken (also ca. 85-86) gesehen, also durchaus gut trinkbar aber eben nichts besonderes, wie man es sonst mit diesem großen Namen und dem hohen Preis verbindet.

    Sie sollten die Weine aber bald trinken und nicht noch länger lagern. Der 1984er wird mit weiterer Lagerung auf keinen Fall besser.

  3. schlinger markusNo Gravatar

    Hallloooo

    bin auf der suche nch einem 84er weißswein!! kann mir wer helfen????

    bruache es als geschenk für einen guten freund der 84er bj ist

    lg maxi

  1. WEINKAISER » Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984

    […] Thema: Verkostung: Drei Jahrzehnte Hermitage La Chapelle Tags: Hermitage, Rhone, Syrah « Südafrika Weinshow 2009 in Mainz – Teil […]

  2. Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984 | Weinkaiser.de

    […] Zum Thema: Verkostung: Drei Jahrzehnte Hermitage La Chapelle […]

Schreibe einen Kommentar zu Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984 | Weinkaiser.de Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.