26. September 2008

Hans Günter Schwarz und seine 20 letzte Jahre bei Müller-Catoir
Organisiert vom Weinforum “Weinfreaks” fand am vergangenen Wochenende in der Düsseldorfer Weinhandlung “La Vinesse” eine großartige Verkostung von Müller-Catoir-Weinen statt. 2001 ist der letzte Jahrgang dieses Pfälzer Spitzenweingutes, der unter der Federführung von Hans Günter Schwarz entstand. Danach ging der Kellermeister, der in über 40 Jahren die Weine von Müller-Catoir von Mittelmaß zu Weltruhm führte, in den verdienten (Un-)Ruhestand.
Zur Lebensleistung von H. G. Schwarz zählen nicht nur zahllose tolle Weine und das mittlerweile anerkannte Renommee seiner Lieblingsrebsorte Rieslaner, deren Potential Schwarz wie niemand anderes in der Weinwelt auszureizen verstand sondern auch die Ausbildung und Förderung einer ganzen Generation talentierter Pfälzer Nachwuchswinzer.
Aus den letzten 20 Jahren seiner Schaffenszeit, also den Jahren 1981-2001, wurden, auch mit der Unterstützung von Herrn Schwarz selbst, 23 Weine zusammengetragen. Man sagt immer wieder, wirklich große Weingüter erkenne man an der Qualität ihrer einfachsten Weine. Nun hatten wir keinen QbA in der Literflasche dabei, aber trockene Kabinett und Spätleseweine von 1990, 1993 und 1996. Alle waren toll gereift und mit 85P, 86P, 87P (2x) und 88P in einem von mir nicht erwartet guten Zustand.
Durch die 20-jährige Spanne zwischen den ältesten und den jüngsten Weinen wird auch der Stilwechsel bei den restsüßen Weinen nach dem Jahrgang 1989 deutlich. Die 1989er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Beerenauslese ist exemplarisch für den Versuch Pfälzer Sauternes zu erzeugen. Der Wein mit 12 % Vol. und deutlich weniger wahrnehmbarer Restsüße als bei später erzeugten MC-Süßweinen kommt in unserer Runde nicht besonders gut an. 82P
Als Gegenbeispiel für den Stil ab 1990 bietet sich traumhafte die 2001er Gimmeldinger Schlössel Rieslaner Beerenauslese an. Sehr erfrischend, fein, mit leichter Mineralik, intensiven Noten von Limonen- und Grapefruit in Mund und Nase, weißem Pfeffer im Mund und noch einer Menge Potential für die Zukunft. 98+P
Auch das Geschenk von Herrn Schwarz konnte sich sehen lassen. Die 1998er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese gehörte zu den leckersten Weinen des Abend. In Farbe und Stil viel jünger als das tatsächliche Alter von 10 Jahren wirkend, mit toller Frucht (vor allem Grapefruit), sehr elegant, einem tollen Süße/Säure-Spiel, unendlich lang und mit mehreren Jahrzehnten Zukunft. 96-97P
Bei der von Robert Parker (99PP) und diversen anderen hochgelobten 1994er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese dürfte es sich um einen abgestuften Eiswein oder eine zumindest noch teilweise gefroren gelesene Auslese handeln. Anders läst sich der enorme Säuregehalt nicht erklären. Der Wein hat zwar schöne Noten von Mandarine und Orange, ist mir aber einfach deutlich zu sauer. 90P
Bester Wein des Abends und erster 100-Punkte-Wein seit dem Start dieses Blogs war die 1999er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Trockenbeerenauslese. Ein wunderschöne goldgelbe Farbe, hoch konzentrierte aber ebenso feine Zitrus- und Orangennoten und ein grandioses Süße/Säure-Spiel. 100P (weiterlesen…)
22. September 2008

Weingart Schloss Fürstenberg Riesling Spätlese 2005 (Mittelrhein)
Nach dem Jahrgang 2006, der bei dieser Spätlese ebenso gut ausgefallen ist wie 2005, gab es immer wieder Gerüchte, der Weinberg würde abgegeben. Die fast 40 Kilometer Entfernung zwischen dem Weingut im Spay und der Spitzenlage Schloss Fürstenberg wenige Kilometer hinter Bacherach seien auf die Dauer doch zu viel. Das wäre Schade, denn die Schloss Fürstenberg Spätlesen 2005 und 2006 gehören zum Besten, was am Mittelrhein in den letzten Jahren erzeugt wurde. Hochkarätige Auslesen (2006 mit 110° Oechsle) wurden zur Spätlese abgestuft und zu einem Schnäppchen-Preis deutlich unter 10 Euro ab Weingut verkauft. Wein-Plus verteilt 87 (2005) und 86 (2006) Punkte und der Gault Millau Weinguide vergibt je 92 Punkte.
Der 2005er präsentiert sich schon sehr zugänglich in goldgelber Farbe, einer sehr leichten Firnenote, viel reifer Frucht, vor allem Pfirsisch und Grapefruit, dazu Honigaromen, ein wenig Mineralik, milder Säure und hoher Restsüße. Kein Wein für die Ewigkeit aber jetzt und in den nächsten 3-4 Jahren hoher Suchtfaktor. 90P
17. September 2008

Fattoria Machiavelli Chianti Classico Vigna di Fontalle Riserva 1997
Die Fattoria Machiavelli liegt in Sant’Andrea in Percussina (gehört zu San Casciano Val di Pesa inmitten der Toskana, 15 Kilometer südwestlich von Florenz). Der Name Machiavelli ist hier nicht blos ein Marketing-Gag, sondern hat einen historischen Hintergrund. Es handelt sich um das Landgut, auf das Niccolò Machiavelli mit seiner Familie 1512 für einige Jahre verbannt wurde und wo er in dieser Zeit seine bekanntesten Schriften verfasste. Heute gehört die Fattoria Machiavelli als eines von 15 Weingütern zum Wein-Imperium des Konzerns Gruppo Italiano Vini (GIV).
Obwohl genau wie der leckere 1995er mit 3 Gläsern im Gambero Rosso ausgezeichnet und aus dem toskanischen Jahrhundertjahrgang 1997 präsentiert sich unsere Flasche recht langweilig. Zwar kräftig in der Farbe (dunkles Ziegelrot) und mit 13 % auch nicht zu alkoholreich aber in der Nase kaum noch Frucht (minimale Himbeer- und Brombeernoten). Im Mund sehr trocken, tanninhaltig, ein Hauch von Hölzern und Sauerkirchen. Insgesamt wirkt der Wein etwas ausgetrocknet, ist aber immer noch als ordentlicher Begleiter zum Essen geeignet. 84P
11. September 2008

Schloss Lieser Brauneberger Juffer Riesling Kabinett 2007
Wie alle Weine von Schloss Lieser in den letzten Jahren ist auch dieser spontanvergorene Kabinett aus der Spitzenlage Brauneberger Juffer großartig. Winzer Thomas Haag hat vor vier Jahren einen Teil dieser Lage vom elterlichen Weingut Fritz Haag übernommen und sich sofort großartig zurecht gefunden.
Hellgelb, in der Nase deutliche Spontinoten, Limonen, weitere Früchte und diverse florale Noten. Tipp: ein halb volles Glas zuhalten, kurz kräftig durchschütteln und danach sofort unter die Nase halten. Sie erleben eine wahre Frucht-Explosion. Im Mund ebenso fruchtig wie mineralisch, eine spritzige Säure, hohe Restsüße und ein unglaubliche Länge.
Der Wein hat die enorme Frische und Filigranität eines klassischen Kabinett, zugleich aber auch eine Dichte, auf die viele andere Weingüter bei ihren Spätlesen stolz wären. Je länger der Wein sich an der Luft entwickeln kann, desto mehr ist diese Kraft zu spüren. Jetzt toll und sicher Potential für weitere 15-20 Jahre. Nur auf die tolle spritzige Frische wird man dann verzichten müssen. 91P
8. September 2008

Wegeler Geheimrat »J« Riesling Sekt Brut 2000 (Rheingau)
Nach Herstellerangaben wird dieser nur in guten „Sektjahrgängen“ produzierte Rieslingsekt aus Kabinettweinen und Spätlesen aus Lagen von Rüdesheim bis Eltville aufgelegt, nach der Methode der klassischen Flaschengärung 4 bis 5 jähriger Hefelagerung ausgesetzt und mit Dosage von hochkarätigen Auslesen veredelt.
Goldgelb, mit sehr feiner Perlage, einer schönen Cremigkeit und bei steigender Temperatur (unsere Flasche war anfangs etwas zu kalt für diesen Spitzensekt) immer tolleren Aromen von reifem Riesling. Der Sekt hat einen sehr weinigen Charakter und erinnert an eine alte perfekt gereifte trockene Riesling-Auslese. 90P
3. September 2008