15. Oktober 2009

Südafrika Weinshow 2009 in Mainz - Teil 2

Kategorie: Verantaltungen, Wein — Weinkaiser @ 23:23

Am Tag nach der deutschen Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika fand im Mainzer Hotel Hyatt die Südafrika Weinshow 2009 statt, nach dem “South Africa Mega-Tasting” in London die umfangreichste Präsentation südafrikanischer Weine in Europa. Dazu sollte man wissen, das Südafrika die Übersee-Nation ist, aus der die meisten Weine nach Deutschland importiert werden. Aus Südafrika kommt beispielsweise mehr als doppelt so viel Wein wie aus Australien nach Deutschland. Insgesamt liegt SA in Deutschland auf Platz vier der Weinimportnationen hinter Italien, Spanien und Frankreich.

An Rund 60 Ständen wurden, teilweise von den südafrikanischen Winzern selbst, teilweise von deren deutschen Importeuren ca. 650 Weine vorgestellt. Darunter fast alle bekannten Top-Weine aber auch viele Neuentdeckungen. Die interessanteste Neuentdeckung war für mich das 2005 nahe Hermanus (eine der beliebten Küstenstädte Südafrikas, ca. 120 Kilometer westlich von Kapstadt) in der Walker Bay gegründete Weingut Hermanuspietersfontein. Was Winzer Bartho Eksteen (auf dem folgenden Bild links neben dem rheinhessischen Winzer Dirk Würtz, Weinjournalist Mario Scheuermann und im Hintergrund Weinfreund Michael Gmall) in Mainz präsentierte war wirklich erstklassig. Klasse Rotweine mit “Die Arnoldus” 2006 - einem Bordeaux-Blend an der Spitze, “Die Martha” 2006 -  einer Cuveé nach Rhone-Vorbild mit hohem Shiraz-Anteil und dem aus 100% Cabernet Franc erzeugten “Swartskaap” 2007, der mich vor allem aus Preis-Leistungssicht überzeugen konnte. Swartskaap kostet um die 14 Euro und ist ein Cabernet Franc einer Qualitätsstufe, die aus Frankreich (reine Cabernet Francs gibt es vor allem an der Loire) sicher selten unter dem doppelten Preis zu bekommen ist. Die Weißweine waren aber mindestens ebenso spannend: Nachdem ich mich in den ersten Stunden auf Weißwein konzentriert und durch einige Dutzend Chenin Blanc und vor allem Sauvignon Blanc probiert hatte, darunter viele bekannte Namen, wobei es sowohl wunderbare Lichtblicke als auch bittere (und saure) Enttäuschungen und einen Spalterwein gab (Springfield Estate “Life from Stone” 2009 - ein Sauvignon Blanc mit extrem intensiven Noten grüner Paprika, grüner Bohnen und kräftiger, unreif wirkender Säure hatte offensichtlich eine Menge Fans und eine ähnlich große Anzahl Besucher, die damit überhaupt nichts anfangen konnten) setzten die Sauvignon Blanc Cuvees von Hermanuspietersfontein den krönenden Abschluss. Auch wenn auf dem Etikett meist nur Sauvignon Blanc steht, sind viele südafrikanischen Sauvignon Blancs in Wahrheit Cuvees mit anderen weißen Rebsorten. Bei den vier Weinen von Hermanuspietersfontein lag der Sauvignon-Blanc-Anteil beispielsweise bei 87% beim Basiswein “1855″, bei  91% beim “Sauvignon Blanc Nr. 3″, 88% beim “Nr. 7″ und nur 74% beim Top-Wein “Die Bartho”. Besonders der Sauvignon Blanc Nr. 3 (ca. 13 Euro) und noch mehr der geniale “Die Bartho” (rund 16 Euro) haben meinen Geschmack getroffen: Intensive Mineralität von Fluss- und Feuersteinen, dazu Stachelbeere, Pfeffer, etwas rauchig, cremig, mit feiner frischer Säure und endlos lang. Deutschlandimport derzeit über Vinexus, in Kürze sicher auch bei anderen Händlern.

Südafrikanische Weine haben den Ruf, nicht besonders alterungsfähig zu sein. Verglichen mit Europa, vor allem Frankreich, wo Top-Weine gerne mal einige Jahrzehnte bis zu ihrem Höhepunkt brauchen aber auch viele Mittelklasseweine von 5-10 Jahren Reife profitieren (was sich erst in den letzten Jahren durch den Einfluss von Weinjournalisten wie Robert Parker zu ändern beginnt, da Parker und Konsorten früh reifende Fruchtbomben regelmäßig höher bepunkten und das ist für die jeweiligen Produzenten bares Geld wert …) hat dieser Ruf sicher auch seine Berechtigung. In Südafrika sind die allermeisten Weine, auch im gehobenen Preissegment zum sofortigen oder zumindest recht frühzeitigen Trinkgenuss ausgelegt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: De Toren in der Region Stellenbosch produziert seit 1999 die Cuvee Fusion V und präsentierte in Mainz die Jahrgänge 1999, 2001 und 2006. Schon der 1999er präsentierte sich noch mit einer kräftigen Struktur, wenn er auch seinen Höhepunkt mittlerweile leicht überschritten hat. Der 2001er scheint noch einmal um einiges hochklassiger, sehr kraftvoll, mit konzentrierter Frucht & feinem Tannin, derzeit in wunderbarem Zustand aber mit einigem weiteren Entwicklungspotential. Der Ebenfalls hochklassige 2006er steht erst am Anfang einer langen Entwicklung, bietet aber auch schon jetzt einigen Trinkgenuss. (weiterlesen…)

10. Oktober 2009

61. Deutsche Weinkönigin: Sonja Christ

Kategorie: Allgemein, Verantaltungen — Weinkaiser @ 07:01

Die 25 Jahre alte Diplom-Kauffrau und Weinjournalistin Sonja Christ aus dem kleinen Ort Oberfell an der Terrassenmosel (Verbandsgemeinde Untermosel wie auch das in der Weinwelt bekanntere Winningen und damit im Kreis Mayen-Koblenz, der Heimat dieses Blogs gelegen) ist neue Deutschen Weinkönigin. Im Bild festgehalten: die Übergabe der Königinnenkrone durch ihre Vorgängerin Marlies Dumbski aus Franken.

In ihrem derzeitigen Beruf als Leiterin der Verkostungsabteilung der in Mainz beheimateten Weinzeitschrift Selection hat die bezaubernd charmante, sehr schlagfertige und zudem fachlich exzellente Sonja Christ viel mit Winzern aus allen Herren Ländern zu tun. Dabei und auch für ihren neuen Job als Deutsche Weinkönigin sind ihre hervorragenden Sprachkenntnisse sicher hilfreich. Allein in ihrem kurzen Einspielfilmfilm während der Finalveranstaltung in Heilbronn konnte man sie fließend Englisch, Französisch und Italienisch sprechen hören. Auch Auslandserfahrung bringt sie bereits mit: Während ihres BWL-Studiums hat sie ein Semester an der  Hochschule ESC im französischen Grenoble absolviert. Bei rund 250 im kommenden Jahr anstehenden Terminen im In- und Ausland kommt ihr die dadurch erlernte Selbstorganisation natürlich zu Gute.

Die Wahl der Deutschen Weinkönigin findet seit 1949 statt. Mit Sonja Christ stellt die Mosel zum elften Mal die Deutsche Weinkönigin. Eine 80-köpfige Jury aus Weinexperten, Politikern und Journalisten wählte unter sechs würdigen Finalistinnen die Gewinnerin und die beiden Weinprinzessinnen, die als ihre Stellvertreterinnen fungieren. Dabei galt bei einigen Jurymitgliedern Jury vieleicht auch das Motto “Blondinen bevorzugt”, denn neben der absolut souveränen und verdienten Siegerin legten am Finalabend auch Marleen Herr aus Sachsen und Christine Dautermann von der Nahe einen zumindest aus meiner Sicht fachlich ausgezeichneten Auftritt hin. Wie Monika Reule, die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI) am Ende bekannt gab, hat sich die riesige Jury hingegen für die mit Heimvorteil gestartete Heilbronnerin Christl Schäfer (Württemberg, im Bild links) und die Badnerin Isabell Kindle (vielen bekannt als Gesicht der bundesweiten Imagekampagne des Badischen Weinbauverbands) als Weinprinzessinnen entschieden.

Für das Amt der Deutschen Weinkönigin bewerben sich in jedem Jahr die Gebietsweinköniginnen der dreizehn deutschen Weinanbaugebiete. In diesem Jahr waren zwölf junge Damen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren für die höchste Auszeichnung der deutschen Weinwirtschaft angetreten. Die Weinkönigin des Anbaugebietes Mittelrhein bleibt ein Jahr länger im Amt und wird sich darum erst im nächsten Jahr um die Bundeskrone bewerben. In einer Fachbefragung vergangenen Samstag hatten sich die sechs Finalistinnen qualifiziert.

Das Rahmenprogramm der Veranstaltung mit Tony Christie, der “Les Humphries Singers Reunion” um Jürgen Drews und der Gruppe “Rennquintett” scheint allerdings aus einer Zeit zu stammen, als die sechs Kandidatinnen und alle Akteure der im letzten Jahr vom DWI erfolgreich ins Leben gerufenen “Generation Riesling” noch nicht einmal geboren waren. Was das sollte, versteht nicht mal wer wirklich will: Da müht man sich seit Jahren um ein moderneres Image für Deutschen Wein, hat endlich erste Erfolge und auch Kandidatinnen die selbstbewusst im Leben stehen (im Gegensatz zu den bloßen Vorzeigepüppi-Weinköniginnen zu der Zeit, als die für heute gebuchte Musik einmal aktuell war) und dann sucht man Musiker dazu aus, die vor mehr als 30 Jahren aus gutem Grund in der Mottenkiste verschwunden sind und die heute höchstens noch ein Horst Schlämmer unter literweise Doornkaat ertragen kann. Selbst bei Möbelhauseröffnungen ist das Niveau mittlerweile höher.

Ein Wort des Dankes noch an Alexander Ultes, Christian Wolf und den Kreuznach-Blog, die per Twitter und Blog Live von der Finalveranstaltung berichteten. Ein lesenswerter Bericht von Pivu findet sich in seinem Blog “six-to-nine“.

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