23. November 2009

Nach Eichelmann (Deutschlands Weine 2010) und GaultMillau WeinGuide 2010 ist nun auch der dritte Deutsche Weinführer auf dem Markt: Der Feinschmecker Guide: Die 800 besten Weingüter in Deutschland 2010.
Das Booklet (Der Feinschmecker schreibt vom “Weingüter-Buch”) ist genau wie in den Vorjahren nur 260 Seiten stark. Die Seiten fallen diesmal allerdings ca. 1 cm breiter aus und wurden auf deutlich dickerem und hochwertigerem Papier gedruckt.
Im Vorwort wird explizit darauf eingegangen, dass im vergangenen Sommer “heftig zwischen deutschen Spitzenwinzern und deutschen Weinjournalisten über Weinkritiker und ihre Arbeitsweise gestritten wurde”. Es folgt der der ausdrücklich Hinweis, die Weine würden blind verkostet, die Teilnahme sei für alle Weingüter kostenlos und es stehe jedem deutschen Weingut frei, sich um eine Aufnahme in diesen Führer zu bewerben.
Wie beim Feinschmecker üblich, wird das Renommee der Weingüter mit 0,5 F (F) bis 5 F (FFFFF) klassifiziert. Die Weingüter ab FF (rund ein Drittel der 800 Weingüter) werden mit ein paar Zahlen und Namen der Akteure , einem kurzen Text und 5-6 Weinempfehlungen (ohne Bewertung) vorgestellt. Die Weingüter bis FF werden nur mit Adresse und Klassifizierung genannt.
Obwohl in der Einleitung darauf hingewiesenen wird, in die Gesamtwertung der Weingüter würden nur die letzten 4-5 Jahre berücksichtigt, werden einige der TOP-Weingüter der 90er Jahre, die mittlerweile deutlich abgefallen sind, noch immer bei vollen FFFFF eingeordnet.
An einigen Stellen wird es skurril: (weiterlesen…)
22. November 2009

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen Riesling Auslese Goldkapsel 1998
Kräftiges goldgelb, intensiver Duft von Grapefruit und reifen Pfirsichen, im Mund auch herbe Grapefruit, Pfirsich, Mirabellen, Mandarine, etwas Botrytis, cremig, ein Hauch Karamell, saftig, eine feine dezente Süße, stabile Säure, gute Länge. 94P
So meine Verkostungsnotiz vor einigen Wochen, als ich eine der Flaschen mit Freunden zur Creme Brûlée getrunken habe. Die heutige Flasche wollte ich eigentlich zum Abschluss der gestrigen Verkostung von 21 “trockenen” Uhlen aus dem Hause Heymann-Löwenstein von 1996-2007 beisteuern, habe sie aber im Eisschrank vergessen. Da ich erst 12 Stunden später zurück war, rechnete ich mit einer geplatzten Flasche. (weiterlesen…)
17. November 2009

Nach spannenden Diskussionen um die Zukunft dieses WeinGuides im vergangenen Sommer und dem anschließenden Ausscheiden von Armin Diel, der bis dahin gemeinsam mit Joel Payne Chefredakteur und Herausgeber des WeinGuide war, liegt nun die erste allein von Joel Payne verantwortete Ausgabe vor.
Die Zäsur in der Chefredaktion wurde offensichtlich genutzt um neuen Wind in Deutschlands wichtigsten Weinführer zu bringen. Erstmals erscheint der WeinGuide durchgehend vollfarbig mit zugleich deutlich höherer Bildqualität und zeitgemäßerem Schriftbild.
Joel Payne zeigt sich mit den bewerteten Weinjahrgängen 2008 bei Weißweinen und 2007 bei Rotweinen sehr zufrieden. Sein Fazit zur Bundesfinalprobe der besten trocken Rieslinge: „Wir hatten selten eine solche Qualitätsdichte auf dem Tisch.“ Als Sieger und mit 96 Punkten bester trockener Riesling Deutschlands setzte sich am Ende der
2008er Forster Kirchenstück “GC” vom Weingut Dr. Bürklin-Wolf
in Wachenheim (Pfalz) durch. Platz zwei mit je 95 Punkten teilen sich Emrich-Schönleber (Halenberg GG), Klaus-Peter Keller (Abtserde GG) und noch einmal Bürklin-Wolf (Pechstein GC). Lediglich bei den Auslesen und edelsüßen Rieslingen müsse man im Jahrgang 2008 Abstriche machen. Hier sei das hohe Niveau der Vorjahre nicht immer erreicht worden.
Noch gelungener seien die Spätburgunder. 2007 habe grandiose Rotweine hervorgebracht. „Dieser Jahrgang kann Geschichte schreiben“, ist sich Payne sicher. Man habe deshalb bei den Bewertungen ganz hohe Noten zücken müssen. Nie zuvor in der 17-jährigen Geschichte des WeinGuides erhielt ein Rotwein 97 Punkte, wie diesmal der Pinot Noir von Friedrich Becker aus der Pfalz (und damit gleich zwei Punkte mehr als jemals zuvor für einen Deutschen Spätburgunder vergeben wurden). (weiterlesen…)
15. November 2009

Das Weingut Hans Andreas Strub in Nierstein blickt auf eine Weinbau-Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die aktuellen Weine sind das Werk von Jungwinzer Sebastian Strub, der im Hauptberuf als Kellermeister für die Weine des renomierten Niesteiner Weinguts Sankt Antony (incl. der zweiten Linie: Heyl zu Herrnsheim) verantwortlich zeichnet. Die Strub-Weine sind alle mit hochwertigen G-Cap® long Schraubverschlüssen von Alcoa verschlossen. Damit hat sich das potentielle Thema Korkschmecker hier von vornherein erledigt.
Weingut Hans Andreas Strub Riesling Triumvinat Spätlese trocken 2008
Eine Riesling-Cuvée aus drei Lagen des berühmten Roten Hangs an der Rheinfront in Nierstein: Auflagen, Hipping und Pettenthal. Helles Gelb, in der Nase Noten von Orangenschalen, weiteren Zitrusfrüchten, Pfirsich, einigen Gewürzen, im Mund Apfel, Stachelbeeren, wieder Zitrus, etwas Mineralik, wirkt sehr frisch, mit für einen rheinhessischen Riesling wirklich knackiger Säure. Der Wein wirkt im Moment noch ein wenig verschlossen. Der Körper kann mit der Säure noch nicht ganz mithalten, das wird sich mit ein bis zwei Jahren Reife sicher ändern und der Wein wird damit dann noch einmal zulegen. 85+P
Weingut Hans Andreas Strub Sauvignon Blanc Spätlese trocken 2008
Helles Gelb, Grapefruit, Stachelbeeren, mit nur 11,5 % Vol. angenehm leicht und mit einer feinen erfrischenden Säure (7,6 g/l). Wunderbares Gegenbeispiel zu vielen schweren Übersee-Sauvignons und ihren oft bittern, unreif wirkenden Noten von Grünem Paprika und grünen Bohnen, die ich in letzter Zeit probieren musste. Macht jetzt richtig Spaß und ist mit 5,30 Euro auch absolut fair bepreist. 86P
13. November 2009

Am Samstag, den 14. November 2009, haben Weinliebhaber und -genießer von 11 bis 21 Uhr die einmalige Gelegenheit, die 1.750 prämierten Weine aus dem Wettbewerb MUNDUSvini 2009 im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße kennenzulernen und zu probieren. Auf den Verkostungstischen stehen neben Top-Weinen aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich auch preisgekrönte Tropfen aus Australien, Südafrika und Neuseeland. Daneben dürfen die Besucher auf eine Reihe ausgezeichneter Neuentdeckungen gespannt sein.
Weinkenner kommen bei dieser einzigartigen Präsentation ebenso auf ihre Kosten wie Liebhaber von Weinen aus exotischen Ländern wie Brasilien, Kanada, Georgien oder Thailand.
Die mit Großes Gold, Gold und Silber ausgezeichneten Weine werden nummeriert und nach Weintypen geordnet präsentiert, so dass die Besucher die internationalen Gewächse unkompliziert und zwanglos probieren können.
Der Große Internationale Weinpreis MUNDUSvini fand im September dieses Jahres zum neunten Mal statt. Eine internationale Expertenjury (insgesamt 275 Verkoster) hat die Rekordanstellung von 5.726 Weinen aus 44 Ländern unter die Lupe genommen.
Der Eintritt für die Präsentation im Saalbau, Neustadt/Weinstraße kostet 15 Euro pro Person und beinhaltet das offizielle Sensus-Probierglas. Die Karten können am Veranstaltungstag direkt am Eingang oder vorab im MUNDUSvini – Das Weinhaus, Marktplatz 4, Neustadt erworben werden.
Der Erlös wird für gemeinnützige Zwecke zugunsten bedürftiger Kinder und Jugendlicher gespendet.
http://www.mundusvini.de
11. November 2009

Die interessante Broschüre „Terroir an Mosel, Saar und Ruwer – Klima, Winzer, Boden“ ist zwar nicht mehr ganz neu, allerdings immer noch recht unbekannt. Dabei lohnt sich ein Blick hinein: Es erwarten einen spannende Zahlen, Daten und Fakten, eine Vielzahl großartiger Fotos, aufschlussreiche Boden- und Klimakarten sowie interessante Weinanalyen - auch grafisch dargestellt mit Hilfe von Aromarädern. Nach der Lektüre sollte es niemanden mehr wundern, dass es nicht “den” Moselwein gibt und die Weine von verschiedenen (teilweise nah beieinander gelegenen) Stellen der Mosel so unterschiedlich schmecken.
Das von Verbänden, Land und EU geförderte Werk wurde von März bis Dezember 2006 von Geologen und Weinfachleuten erarbeitet und im Frühjahr 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es nimmt den Leser mit auf eine informative Zeitreise in die Erdgeschichte der Region – vom Zeitalter des Devon vor 400 Millionen Jahren, als die Ur-Kontinente Gondwana und Laurussia zusammenstießen und die Grundlagen der heutigen Bodenformationen geschaffen wurden, bis hin zum modernen Weinbau und den Einflüssen des Bodens auf die Sensorik der heute erzeugten Weine.
Professor Harald Ehses, Amtsleiter des Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) Rheinland-Pfalz, bezeichnete die Weinbergsbodenkarten des LGB als „Schatz“, den sein Amt allen Winzern zur Verfügung stelle. Die vorliegende Broschüre solle die Besonderheiten von Wein bestimmter Böden für Endverbraucher greifbar machen. Er hob die Bedeutung des Bodens „als stabile, nicht transportierbare Größe“ für die Weinregion hervor, damit unterscheide sich eine Region und ihre Weine von anderen Gebieten. (weiterlesen…)
9. November 2009

Weinwanderungen werden immer beliebter, der bekannte Rotweinwanderweg an der Ahr ist in der Saison mittlerweile oft so überlaufen, dass man sich über neue Alternativen freut. An der Mosel gibt es zwar schon eine Reihe schöner Wanderwege, zu größerer Bekanntheit hat es bisher allerdings nur der Klettersteig durch den Bremmer Calmont, den steilsten Weinberg Europas, gebracht. Am 1. Mai letzten Jahres wurde der “Kletterweg Erdener Treppchen / Prälat” durch zwei der besten und zu Recht bekanntesten Moselsteillagen eröffnet.

Es sind wohl auch zwei der schönsten Lagen an der Mosel (klicken Sie die Bilder an, in voller Bildschirmgröße wirkt das Farbenspiel erst so richtig).

Der Ideale Einstieg in den Kletterweg erfolgt am auf Original Grundmauern nachgebauten römischen Kelterhaus in Erden. Die ausgegrabene römische Kelteranlage gilt als ältestes Zeugnis des römischen Weinbaus an der Mosel und nördlich der Alpen überhaupt.

Das ganze Gebäude ist mit einer Vielzahl von Schaubilder und Infotafeln ausgestattet. Hier die wichtigste (anklicken zum vergrößern):

Das Römische Kelterhaus ist direkt an der B53, die am Moselufer entlang führt gelegen, und verfügt über einen ausreichend großen Parkplatz. Ideal ist dieser Einstiegspunkt vor allem, da man von hier aus die Vielzahl der zu überwindenden Leitern hochsteigen kann und nicht, was wohl vielen Wanderern schwerer fällt, herunter steigen muss. Die Gegenrichtung hat natürlich auch einen Vorteil: Man könnte über Versorgungswegemit sanften Anstieg durch das Erdener Treppchen nach oben in den Weinberg gelangen ohne den steilen und anstrengenden Weg über viele Leitern und rutschige Treppen nehmen zu müssen.

Dann geht es hinauf: Es geht über eine Vielzahl von Leitern. Dabei kann man schon die unterschiedlichen Farben der Boden, Fels und Schieferformationen vergleichen.

Eine Leiter folgt der nächsten… (weiterlesen…)
5. November 2009

Das Top-Weingüter aus großen Lagen auch in schlechten Jahrgängen bemerkenswerte Weine hervorbringen beweist diese Flasche 1984 Hermitage La Chapelle von Paul Jaboulet Aîné. Das Weingut zählt zweifellos seit Jahrzehnten zur Spitze an der Rhone und die Cuvee “La Chapelle”, benannt nach einer Kapelle mitten in den Hermitage Weinbergen, ist das Aushängeschild der kleinen Nobel-Appellation Hermitage an der Nördlichen Rhone und wahrscheinlich sogar der berühmteste Rhonewein überhaupt.
Andererseits ist der Jahrgang 1984 als einer der schlechtesten in der jüngeren Geschichte der Rhone bekannt. Vor rund zehn Jahren hatte ich den1984er La Chapelle schon einmal im Glas und war damals alles andere als begeistert. Angesichts dessen ist es schon erstaunlich, welche Qualität diese Flasche jetzt nach 25 Jahren noch hat. Während die allermeisten europäischen Rotweine aus 1984 kaum noch genießbar sind, kann man mit diesem Hermitage und dem passenden Wildgericht heute noch einen schönen Abend verbringen. Es zeigt sich mal wieder, dass es manchen Top-Weingütern trotz aller Widrigkeiten gelingt, in einem schlechten Jahrgang einen anständigen und lagerfähigen Wein auf die Flasche zu bringen.
Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984
Dunkles Rot mit leichten violetten Reflexen, intensive Kirschfrucht, Kräuternoten, Teer, schwarzer Pfeffer, mittlerer Körper, reife/milde Tannine, stabile Säure, schöne Reifearomen. Kein großer Wein aber doch deutlich besser als erwartet. Nicht weiter lagern, trinken! 86P
Zum Thema:
Verkostung: Drei Jahrzehnte Hermitage La Chapelle