17. Mai 2010

Der Weinberg Bopparder Hamm erstreckt sich über ca. sechs Kilometer von Boppard bis Spay. Die bekannten Steillagen bilden den nach Süden ausgerichteten Teil der S-förmigen Rheinschleife. Der Name „Hamm“ leitet sich vom lateinischen Begriff „hamus“ ab, was je nach Kontext Haken oder Angelhaken bedeutet. Mit rund 80 ha ist der Bopparder Hamm die größte zusammenhängende Fläche hochklassiger Lagen am Mittelrhein.

Der Weinberg ist in sieben Sublagen aufgeteilt. Das Kernstück bilden die vier ideal nach Süden exponierten Lagen Engelstein, Feuerlay, Mandelstein und Ohlenberg. Die drei einfacheren Lagen heißen Elfenlay, Fässerlay und Weingrube. Die Lage Feuerlay wird als der beste Teil des Bopparder Hamms angesehen und ist wie der qualitativ an nächsten liegende Mandestein vom VDP als “Erste Lage” anerkannt. In der Lage Feuerlay wird wie im Mittelstück des Winninger Uhlen der Schieferverwitterungsboden von der stark kalkhaltigen Laubach-Gesteinsschicht durchzogen. Das Winninger Weingut Heymann-Löwenstein erzteugt mit seinem Uhlen Laubach Riesling einen Wein ausschließlich von diesen Böden, was in vielen Jahren einen erstaunlich stark an große Burgunder erinnernden Wein ergibt. Leider wurde der Wert dieser Gesteinsformationen im Bopparder Hamm erst nach den großen Flurbereinigungsmaßnahmen 1966 und 1985 erkannt, so dass die Laubach-Schicht heute nicht mehr so klar definiert ist, wie sie einmal war. Mehr zur Lage Bopparder Hamm im Mittelrhein-Weinführer.

Bopparder-Hamm-Rieslinge des Jahrgangs 2008 aus dem Bopparder Hamm gemeinsam verkostet mit Freunden und einigen Teilnehmern eines Bonner VHS-Weinkurses (weiterlesen…)
15. Mai 2010

Am letzten April-Wochenende findet seit einigen Jahren regelmäßig der Mittelrheinische Weinfrühling in den Weinbergslagen des Bopparder Hamm statt.

Bei wunderbarem Wetter wurde der Seitenstreifen der B9 auf der kompletten Strecke von Spay bis Boppard zum wilden Veranstaltungsparkplatz. Mit den Autos von einigen tausend Besuchern, die trotz guten park-and-ride-Angebots größtenteils mit dem PKW anreisten, waren die Parkplätze in Spay und Boppard einfach überfordert.

Nach unserer Ankunft in Spay mussten erst einmal gut hundert Höhenmeter zum Veranstaltungsort auf halber Höhe des Weinbergs überwunden werden.

Bei Mitte zwanzig Grad und strahlendem Sonnenschein lies der Anstieg schnell ein Gefühl dafür aufkommen, wie anstrengend die tägliche Arbiet im Weinberg sein muss.

An der aus unserer Richtung ersten Station, dem Stand vom Weingut Matthias Müller, einem der beiden besten Winzer im Bopparder Hamm angekommen, konnte problemlos der Eindruck aufkommen, hier sei gerade eine Völkerwanderung im Gange.

Auf einer Strecke von rund drei Kilometern verteilten sich in diesem Jahr Weinstände von 15 in diesem Weinberg vertretenen Winzern und vier Verpflegungsstationen örtlicher Gastronomen. (weiterlesen…)
8. Mai 2010

In Mitten der Großbaustelle mit den Vorbereitungen für die Bundesgartenschau im nächsten Jahr präsentierten im Kurfürstlichen Schloss zu Koblenz auch in diesem Jahr wieder über hundert Rheinland-Pfälzische Weinguter sowie neun Weingüter aus der Gastregion Burgenland ihre aktuellen Weine. Darunter auch das Ruster Weingut Feiler-Artinger, in dessen Gutsgebäude die ARD-Serie Winzerkönig gedreht wurde und das sich in den letzten Jahren an die absolute Spitze am Neusiedler Sees vorgearbeitet hat. Leider hatte Seniorchef Hans Feiler nicht alles dabei, was sein Sohn Kurt in der letzten Zeit an großartigen Süßweinen (v.a. Ruster Ausbruch Essenz) erzeugt hat.
Anders am Stand von Willi Opitz, der mir hier seine Visitenkarte entgegenstreckt. Neben den im offiziellen Programm verzeichneten Weinen hatte er eine ganze Reihe seiner mit Preisen überhäuften Trockenbeerenauslesen dabei, die er an Interessierte gleich mit passenden Käsen, Früchten, Schokoladen oder anderen Süßspeisen verteilte. Der sympathische Weinverrückte hat seinen Weinstand kurzerhand in eine Showküche für kleine Köstlichkeiten verwandelt und auch seine Weine präsentierten sich wunderbar.

Bei den deutschen Weingütern wussten vor allem die üblichen Verdächtigen zu begeistern: Das Winninger Weingut Reinhard und Beate Knebel hat in den letzten Jahren aus der Lage Winninger Röttgen mehrfach eine der besten Riesling Spätlesen Deutschlands sowie weitere großartige Süßweine erzeugt und schließt daran auch in diesem Jahr nahtlos an.
Auch im Bopparder Hamm sind wieder sehr schöne Weine entstanden. An der Spitze wie in den Vorjahren das Weingut Weingart mit einer von vorne bis hinten makellosen Kollektion, gefolgt vom Weingut Matthias Müller, dessen Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese “Edition MM” mir besonders gut gefallen hat (Matthias Müller adelt in jedem Jahr die ein-zwei Weine, die ihm am besten gefallen, mit seiner betriebsinternen Auszeichnung “Edition MM” und in den letzten Jahren, war auf darauf absolut Verlass) und dem auf der dem Bopparder Hamm gegenüber liegenden Rheinseite gelegenen Weingut Didinger. Die Mittelrhein-Weine haben schon traditionell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aber das Weingut Didinger ist in dieser Disziplin zumindest bei seinen besten Weinen kaum noch zu übertreffen.
Das Weingut Tesch hat in den letzten Monaten mit einigen spektakulären Veranstaltungen auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Riesling Unplugged ist mit erstaunlichem Erfolg ein Einstieg in die Zielgruppe der Rockfestival-Besucher erreicht worden. Der Unplugged ist für 8 Euro natürlich nicht so spektakulär, wie einige der Tesch-Events, aber doch gute Qualität fürs faires Geld. Richtig spannend wird es den Lagenrieslingen, für die nur 2-4 Euro mehr anfallen, was zumindest beim St. Remigiusberg für 12 Euro ein echtes Schnäppchen für Freunde guter und richtig trockener Rieslinge ist.
Eine Neuentdeckung für mich war das Weingut Stephan Fischer in Zell an der Mosel. Die in Koblenz gezeigten spontan vergorenen 2009er Rieslinge Spätlese (73 g RZ, 8,1 g Säure, 9 % Vo.l, 7 Euro) und Auslese (106 g RZ, 7,9 g Säure, 7,5 % Vol., 9 Euro) aus dem Zeller Nußberg zeigten tolle Hefe- und Fruchtaromen und sollten sich in den nächsten Jahren wunderbar entwickeln.
Wenn es für eine Party oder im Hochsommer einmal kein Riesling sein soll, ist diese erfrischend fruchtige Morio Muskat Spätlese 2009 aus dem Rhodter Klosterpfad vom Weingut Gries in der Südpfalz für kleine 4,20 Euro vielleicht mal eine gelungene Abwechslung
Neben der Möglichkeit, sich durch das Angebot der vielen Weingüter zu probieren, gab es auch in diesem Jahr wieder ein kleines Seminarangebot der Deutschen Wein- und Sommelierschule. In einem Seminar zeigte Peter Gebler (unter anderem einer der beiden einzigen deutschen Cape Wine Master aber auch anerkannter Experte Österreichischen Weins) die Unterschiede im Stil zwischen dem Österreichischen Blaufränkisch und dem Württembergischen Lemberger - der selben Rebsorte, die aber durch unterschiedliche Ausbauvarianten in den beiden Regionen und anderes Terroir zu ganz verschiedenen Weinstilen führt. Den besten Blaufränkisch der letzten Zeit hatte ich gerade am Vorabend in Dirk Würtz Köigsmühle probiert. Der Österreichische Weinjournalist Helmut Knall (Knalli) ist selbst unter die Winzer gegangen und hatte uns seinem KNALLROT mitgebracht, bei dem er ganze Arbeit geleistet hat. Mit rund 32 Euro ist dieser Wein sicher nicht gerade billig, aber für diesen Preis gibt es dann auch richtig gute Qualität im Glas. (weiterlesen…)
8. September 2009

Im 14. Jahr des Weinforums Mittelrhein war der Veranstaltungsort erstmals außerhalb der rheinland-pfälzischen Landesgrenzen. In jedem zweiten Jahr findet es auf Burg Rheinfels hoch über St. Goar statt, in den Jahren dazwischen unter anderem schon im Künstlerbahnhof Rolandseck und nun zum ersten mal im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Das 1893 erbaute Museumsgebäude wurde 2003 nach sechsjähriger!!! Sanierungs- und Umbauzeit vom Landschaftsverbandes Rheinland wiedereröffnet und zählt für mich zu den architektonisch bedeutendsten Museumsgebäuden Deutschlands.
Veranstalter des Weinforums Mittelrhein sind die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Weinwerbung Mittelrhein und die Ahr-Rhein-Eifel Touristik. Seit sechs Jahren ist aus der früher reinen Mittelrhein-Veranstaltung ein Gemeinschaftsprojekt Mittelrhein & Ahr geworden. Präsentiert wurden 90 in diesem Jahr von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz mit goldener oder silberner Kammermünze ausgezeichnete Weine sowie je fünf Sekte und Edelbrände. Der Wert dieser Kammer-Prämierungen hält sich sicher in Grenzen: Für mich bedeutet eine Gold- oder Silbermünze nicht, dass es sich damit automatisch um einen großartigen Wein handelt. Man kann sich bei den Goldprämierten allerdings ziemlich sicher sein, dass es sich um einen sensorisch fehlerfreien Wein handelt und das ist aus meiner Sicht ja auch schon einiges Wert. Sensorische Fehlerfreiheit sollte zwar auf jeden Deutschen Qualitätswein zutreffen, da vor der Vergabe der zwingend vorgeschriebenen AP-Nummern ein Sensoriktest stattfindet, aber darauf konnte man sich wohl noch nie verlassen.

Die Besucherzahlen blieben diesmal leider deutlich hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück: Am Samstag rund 50 Besucher, davon ein Großteil Ehrengäste aus Politik und Verbänden. Am Sonntag war die Besucherzahl noch deutlich geringer. Schade für die Veranstalter, gut für die Besucher, die die Gelegenheit nutzten mit den anwesenden Winzern einmal etwas intensiver ins Gespräch zu kommen als es sonst bei solchen Präsentationen möglich ist. (weiterlesen…)
6. April 2009
Das Rahmenprogramm des VDP auf der ProWein 2009 bestand in diesem Jahr aus zehn Veranstaltungen unter dem Titel “WeinWortWechsel”. Ich besuchte die von den beiden Nachwuchssommeliers Nicole Klebahn und Sonja Schollenberger kommentierte Verkostung “WeinWortWechsel: Mittelrhein - klein aber fein!”

Nicole Klebahn (links) und Sonja Schollenberger, Nachwuchssommeliers der
Sommelier-Union Deutschland
Das ganze hatte einen gewissen Workshop-Charakter: Zehn Weine von fünf Weingütern wurden verkostet und besprochen (je immer ein 2007er und der gleiche Wein von vor 10-12 Jahren). Daneben wurden Zusammenfassungen der Interviews vorgetragen, die die beiden kompetenten Moderatorinnen mit den fünf Winzern geführt hatten und es gab einiges zu sehen: Lagenkarten, Fotos der Weinberge, mitgebrachte Gesteinsproben sowie Bücher mit interessanten Artikeln über die Region und die fünf zur Verkostung anstehenden Weingüter wurden herumgereicht. Durchaus interessant, andererseits ohne Tisch und mit zwei Gläsern in der Hand nicht ganz einfach zu handhaben. Da zusätzlich noch die Reihenfolge der gedruckten Verkostungsliste nicht mit der Reihenfolge der gereichten Weine übereinstimmte, was erst nach einigen Minuten auffiel, stellte diese Veranstaltung schon einen gewissen Anspruch an Aufmerksamkeitsvermögen und Multitasking-Fähigkeiten der Teilnehmer.
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22. September 2008

Weingart Schloss Fürstenberg Riesling Spätlese 2005 (Mittelrhein)
Nach dem Jahrgang 2006, der bei dieser Spätlese ebenso gut ausgefallen ist wie 2005, gab es immer wieder Gerüchte, der Weinberg würde abgegeben. Die fast 40 Kilometer Entfernung zwischen dem Weingut im Spay und der Spitzenlage Schloss Fürstenberg wenige Kilometer hinter Bacherach seien auf die Dauer doch zu viel. Das wäre Schade, denn die Schloss Fürstenberg Spätlesen 2005 und 2006 gehören zum Besten, was am Mittelrhein in den letzten Jahren erzeugt wurde. Hochkarätige Auslesen (2006 mit 110° Oechsle) wurden zur Spätlese abgestuft und zu einem Schnäppchen-Preis deutlich unter 10 Euro ab Weingut verkauft. Wein-Plus verteilt 87 (2005) und 86 (2006) Punkte und der Gault Millau Weinguide vergibt je 92 Punkte.
Der 2005er präsentiert sich schon sehr zugänglich in goldgelber Farbe, einer sehr leichten Firnenote, viel reifer Frucht, vor allem Pfirsisch und Grapefruit, dazu Honigaromen, ein wenig Mineralik, milder Säure und hoher Restsüße. Kein Wein für die Ewigkeit aber jetzt und in den nächsten 3-4 Jahren hoher Suchtfaktor. 90P
23. August 2008

August & Thomas Perll Bopparder Hamm Mandelstein Riesling Beerenauslese 2003
Goldgelbe Farbe, in der Nase Pfirsich, Zitrusfrüchte und ein Hauch von Lösungsmitteln. Im Mund eine hohe honigartige Restsüße, leichte Kräuternoten und eine angenehm milde Säure. Wirkt trotz des hohen Zuckergehalts leicht, läßt sich wunderbar trinken und das Geschmackerlebnis hält auch noch lage an. Einer der besten Weine, die ich je von Perll getrunken habe. Bleibt nur eine Frage: Warum muss so etwas mit einem Plastikstopfen verschlossen werden? 91P