20. August 2010

Unter dem Thema “Wein und Musik” hat der Wein-Reich-Blog die Weinrallye #36 ausgerufen. Man könnte nun darüber schreiben, welche Musik man zu welchem Wein hören soll, so wie es diverse Bücher gibt, welche Speisen zu welchem Wein passen oder welche Frau zu welchem Wein passen soll. In diesem Betrag wird aber darum gehen, welche Musik der Wein bei seiner Entstehung zu hören bekommt.

Winzer Reinhard Löwenstein vom Weingut Heymann-Löwenstein ist immer für neue Ideen zu haben und er wird sich gedacht haben, wenn schon bei Kühen erwiesen ist, das sie bei der richtigen Musik mehr und bessere Milch geben, warum soll sein sehr vom Terroir-Gedanken geprägter Wein nicht auch noch besser werden, wenn ihm natürliche heimische Musik vorgespielt wird. So wurden 2007 sechs Orgelpfeifen aufgehängt, die angetrieben vom Wind und seinen Geräuschen vor dem Weingut Klänge durch die Decke des über hundert Jahre alten Gewölbekellers leise Klänge in den Keller transportieren, die entfernt an Walgesänge erinnern. Ein Großteil der erzeugten Geräusche liegt dabei allerdings außerhalb des menschlichen Hörspektrums.

Neben den Orgelpfeifen kamen in der Folgezeit auch noch die Elemente den Keller. Dem Element Wasser wurde eine Installation gewidmet, bei der Moselgrundwasser aus einem Stein heraus austritt und über eine Stahlrinne durch eines der drei langen Kellergewölbe fließt.

Auch das Element Erde wurde ins rechte Licht gesetzt.

Auf echtes Feuer wurde dann doch verzichtet aber Beleuchtungselemente im gesamten Keller sollen das Element Feuer vertreten. Hier zu sehen an der Treppe in den Keller (weiterlesen…)
3. August 2010

Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Weininstituts (DWI) fanden am Wochenende im Hotel zum Rebstock in Klüsserath an der Mosel die zweiten Twitter Wine Awards statt. Thema der TWA2 war “Riesling World Wide”. Der Wettbewerb, bei dem diesmal Weine bis zum Maximalpreis von 15 Euro zugelassen waren erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Anzahl der teilnehmenden Weine hast sich seit der ersten Ausgabe glatt verdoppelt. Bei der TWA1 im fränkischen Sauernheim waren schon respektable 70 Weine am Start, bei dieser Ausgabe nun fast 140.

Die Kategorie der trockenen Rieslingen war mit 102 Weinen erwartungsgemäß am stärksten besetzt, die Gruppen der feinherben, fruchtigen und edelsüßen demzufolge deutlich kleiner. Das wird auch daran gelegen haben, dass das DWI als Preis ausgelobt hatte, für das Siegerweingut in der Kategorie Riesling trocken die Produktionskosten eines Imagevideos zu übernehmen. Die weit überwiegende Anzahl der Rieslinge stammte erwartungsgemäß aus Deutschland, es waren aber auch Exemplare aus dem Elsass, Österreich, Slowenien, Spanien und Neuseeland am im Aufgebot.

Die knapp mehr als 30 zur Verkostung angetretenen Teilnehmer waren aus der gesamten Republik (z.B. aus allen Ecken Bayerns, vom Bodensee, aus dem Ruhrgebiet, von Berlin, aus Hamburg und Schleswig-Holstein) angereist und reichten vom interessierten Laien über eine erfahrene Sommelière bis hin zu sieben Winzerinnen und Winzern (von Mosel, Pfalz, Rheingau und Rheinhessen). (weiterlesen…)
20. Juli 2010

Im Rahmen der Ruhr 2010, also des Programms der Metropole Ruhr in ihrer Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2010, fand am Wochenende mit offiziell rund drei Millionen Besuchern eine der größten Tagesveranstaltungen aller Zeiten statt: A40 - Still-Leben Ruhrschnellweg.
Auf der auch Ruhrschnellweg genannten Autobahn A40 zwischen Duisburg und Dortmund (der meistbefahrenen Autobahn Europas) wurde in der Nacht zum Sonntag ein 60 Kilometer langer Tisch aus tausenden Biertischgarnituren aufgebaut, die für diesen Tag an Firmen, Organisationen und Privatleute vergeben/vermietet wurden.

Für das Weinforum Ruhrgebiet hat Uwe Bende drei solcher Tische erstanden und dort unter dem Titel Riesling trifft Kohle eine tolle Verkostung mit 30 zum Teil großartigen Rieslingen aus den letzten 50 Jahren organisiert.

Rund zwanzig Rieslingfreunde, darunter Weinblogger Thomas Günther von Weinverkostungen.de, Wein-Historiker Peter Jakob (marcodatini.posterous.com) und Winzer Gernot Kollmann vom Enkircher (Mosel) Weingut Immich Batterieberg.

Die Weine wurden von Uwe Bende zusammengetragen, unterstützt von Gernot Kollmann, der zwei Flaschen 1964er Riesling naturrein aus der Schatzkammer des von ihm vor kurzem übernommenen Weinguts Immich Batterieberg,

sowie einen 2000er Van Volxem Scharzhofberger Riesling Kabinett, den er in seiner damaligen Rolle als Kellermeister von Van Volxem geschaffen hat und einen meiner Lieblingsweine: eine 2007er Winninger Röttgen Riesling Spätlese Alte Reben vom Weingut Reinhard und Beate Knebel, bei dem Gernot Kollmann in den letzten Jahren als Berater tätig war.

Unsere kleine Verkostungsliste
Teil 1 - trocken:
Peter Jakob Kühn Oestricher Riesling (eine Traube) 2004
Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen R 2001
Peter Jakob Kühn Quarzit Riesling trocken 2007
Koehler Ruprecht Kallstadter Saumagen R Riesling Auslese trocken 2001
Wittmann Westhofen Morstein weißer Riesling Spätlese trocken 1990
Kaßner-Simon Freinsheimer Oschelskopf Riesling Auslese trocken 1990
Toni Jost Martinsthaler Rödchen Riesling Kabinett trocken 1990
Cave Kientzheim Kayserberg Fürstentum Riesling Grand Cru 1995
Laible Durbacher Plauelrain SL Riesling Spätlese trocken 2001
Wittmann Westhofen Aulerde Riesling GG 2001
George Rüdesheim Berg Rottland Riesling trocken 2003
Klaus Peter Keller Riesling trocken von der Fels 2005
Die Weine waren allesamt in erstaunlich gutem Zustand, einzig die 1990er Morstein Spätlese trocken von Wittmann war durch einen undichten Korken etwas zu stark oxidiert, was aber wohl eindeutig ein Flaschenfehler war, denn mehrere Teilnehmer hatten diesen Wein noch vor kurzem in einwandfreiem Zustand verkostet. (weiterlesen…)
18. Juni 2010

Winzer Ulli Stein (oder besser Dipl.-Biologe und Weinbauingenieur Dr. Ulrich Stein) vom Weingut Wein-Erbhof Stein aus Bullay hat in den letzten Jahren schon eine ganze Reihe namhafter Künstler überzeugen können, Etiketten für seine Weine zu gestalten.
Darunter mit Autor Robert Gernhardt, Zeichner und Autor F.K. Waechter sowie Autor und Karikaturist F.W. Bernstein drei Mitbegründer der neuen Frankfurter Schule. Dazu die Frankfurter Karikaturisten Greser & Lenz, Maler und Grafiker Johannes Nawrath und für den nur im Jahrgang 2006 erzeugten Domwein aus der Lage Senheimer Vogteiberg, die von 1140 bis zur Säkularisation um 1800 im Besitz der Kölner Domkirche war, BAP-Leadsänger Wolfgang Niedecken.
Als Ulli Stein vor einigen Monaten erfuhr, dass auch der mit einigen der oben genannten Künstlerkollegen befreundete Vicco von Bülow alias Loriot seine Stein-Weine schätzt, war schnell die Idee geboren, auch von ihm eine Zeichnung für ein eigenes Etikett zu erbitten. Zum Weingut Stein passt natürlich vor allem die berühmte Steinlaus, die mittlerweile in vielen Lexika zu finden ist. Für das Etikett der trockenen Riesling Spätlese aus den St. Aldegunder Palmberg Terrassen, dem steinigsten und mineralischsten aller Stein-Weine, zeichnete Loriot daher eine neue und farbigere Version seiner Steinlaus.

19. Mai 2010

Im Rahmen der Aktion “Chefreakteur für einen Tag” (#cr41day) der Rhein-Zeitung durfte Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo am gestrigen Dienstag für einen Tag in die Rolle des Chefredakteurs schlüpfen. Heute erscheint die von ihm verantwortete Ausgabe der Rhein-Zeitung (Verbreitungsgebiet: nördliches Rheinland-Pfalz von Mainz bis an die nordrhein-westfälische Landesgrenze kurz vor Bonn).
Auf einer landesweit erscheinenden Seite stellte Kurzzeitchef Lobo dabei den drei Weinbloggern Mario Scheuermann (DrinkTank), Dirk Würtz (Würtz-Wein) und dem Weinkaiser-Blog Platz für Weintipps und ein Weingutsportrait zu Verfügung. Auf die halbe Zeitungseite passten natürlich nur Kurzfassungen der Epfehlungen. Die ausführlichen Fassungen der drei Beträge finden Sie auf der Internetseite der Rhein-Zeitung unter “Wein-Wissen aus dem Netz: Drei Blogger geben Tipps“. Die kompletten ePaper- und die PDF-Ausgaben der Rhein-Zeitung sind heute und morgen übrigens kostenlos abrufbar.
Den Weinkaiser-Beitrag finden Sie auch hier:
Immer wieder lecker:
Die zartfruchtigen Riesling Kabinett- und Spätlese-Weine vom Weingut Reinhard & Beate Knebel aus der Steillage Winninger Röttgen gehören zu den allerbesten Weinen ihrer Art. Egal ob der etwas leichtere und frischere Röttgen Kabinett, die konzentriertere Röttgen Spätlese oder die hochkomplexe Röttgen Spätlese Alte Reben:

Diese Weine mit ihren intensiven Steinobst- und Zitrusfruchtaromen, der feinen Süße, der wunderbar herben und leicht kräutrigen Mineralität und der erfrischen Säure haben hohes Suchtpotential. Diese Mosel-Rieslinge schmecken übrigens nicht nur jung. Beim Kabinett über 5-6 Jahre und bei den Spätlesen über mindestens acht Jahre werden die Aromen immer komplexer und die Süße wird im Gegenzug immer geringer wahrnehmbar. Gute Rieslinge zeigen ihr volles Potential eben meist erst mit ein paar Jahren Reife.
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17. Mai 2010

Zum achten Mal fand am vergangenen Sonntag das Steillagenweinfest Winningen im Brückstückweg durch die Winninger Steillagen Brückstück und Röttgen statt. Auf etwas über zwei Kilometern konnte an neun Ständen Wein verkostet oder geschlemmt werden. (weiterlesen…)
8. Mai 2010

In Mitten der Großbaustelle mit den Vorbereitungen für die Bundesgartenschau im nächsten Jahr präsentierten im Kurfürstlichen Schloss zu Koblenz auch in diesem Jahr wieder über hundert Rheinland-Pfälzische Weinguter sowie neun Weingüter aus der Gastregion Burgenland ihre aktuellen Weine. Darunter auch das Ruster Weingut Feiler-Artinger, in dessen Gutsgebäude die ARD-Serie Winzerkönig gedreht wurde und das sich in den letzten Jahren an die absolute Spitze am Neusiedler Sees vorgearbeitet hat. Leider hatte Seniorchef Hans Feiler nicht alles dabei, was sein Sohn Kurt in der letzten Zeit an großartigen Süßweinen (v.a. Ruster Ausbruch Essenz) erzeugt hat.
Anders am Stand von Willi Opitz, der mir hier seine Visitenkarte entgegenstreckt. Neben den im offiziellen Programm verzeichneten Weinen hatte er eine ganze Reihe seiner mit Preisen überhäuften Trockenbeerenauslesen dabei, die er an Interessierte gleich mit passenden Käsen, Früchten, Schokoladen oder anderen Süßspeisen verteilte. Der sympathische Weinverrückte hat seinen Weinstand kurzerhand in eine Showküche für kleine Köstlichkeiten verwandelt und auch seine Weine präsentierten sich wunderbar.

Bei den deutschen Weingütern wussten vor allem die üblichen Verdächtigen zu begeistern: Das Winninger Weingut Reinhard und Beate Knebel hat in den letzten Jahren aus der Lage Winninger Röttgen mehrfach eine der besten Riesling Spätlesen Deutschlands sowie weitere großartige Süßweine erzeugt und schließt daran auch in diesem Jahr nahtlos an.
Auch im Bopparder Hamm sind wieder sehr schöne Weine entstanden. An der Spitze wie in den Vorjahren das Weingut Weingart mit einer von vorne bis hinten makellosen Kollektion, gefolgt vom Weingut Matthias Müller, dessen Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese “Edition MM” mir besonders gut gefallen hat (Matthias Müller adelt in jedem Jahr die ein-zwei Weine, die ihm am besten gefallen, mit seiner betriebsinternen Auszeichnung “Edition MM” und in den letzten Jahren, war auf darauf absolut Verlass) und dem auf der dem Bopparder Hamm gegenüber liegenden Rheinseite gelegenen Weingut Didinger. Die Mittelrhein-Weine haben schon traditionell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aber das Weingut Didinger ist in dieser Disziplin zumindest bei seinen besten Weinen kaum noch zu übertreffen.
Das Weingut Tesch hat in den letzten Monaten mit einigen spektakulären Veranstaltungen auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Riesling Unplugged ist mit erstaunlichem Erfolg ein Einstieg in die Zielgruppe der Rockfestival-Besucher erreicht worden. Der Unplugged ist für 8 Euro natürlich nicht so spektakulär, wie einige der Tesch-Events, aber doch gute Qualität fürs faires Geld. Richtig spannend wird es den Lagenrieslingen, für die nur 2-4 Euro mehr anfallen, was zumindest beim St. Remigiusberg für 12 Euro ein echtes Schnäppchen für Freunde guter und richtig trockener Rieslinge ist.
Eine Neuentdeckung für mich war das Weingut Stephan Fischer in Zell an der Mosel. Die in Koblenz gezeigten spontan vergorenen 2009er Rieslinge Spätlese (73 g RZ, 8,1 g Säure, 9 % Vo.l, 7 Euro) und Auslese (106 g RZ, 7,9 g Säure, 7,5 % Vol., 9 Euro) aus dem Zeller Nußberg zeigten tolle Hefe- und Fruchtaromen und sollten sich in den nächsten Jahren wunderbar entwickeln.
Wenn es für eine Party oder im Hochsommer einmal kein Riesling sein soll, ist diese erfrischend fruchtige Morio Muskat Spätlese 2009 aus dem Rhodter Klosterpfad vom Weingut Gries in der Südpfalz für kleine 4,20 Euro vielleicht mal eine gelungene Abwechslung
Neben der Möglichkeit, sich durch das Angebot der vielen Weingüter zu probieren, gab es auch in diesem Jahr wieder ein kleines Seminarangebot der Deutschen Wein- und Sommelierschule. In einem Seminar zeigte Peter Gebler (unter anderem einer der beiden einzigen deutschen Cape Wine Master aber auch anerkannter Experte Österreichischen Weins) die Unterschiede im Stil zwischen dem Österreichischen Blaufränkisch und dem Württembergischen Lemberger - der selben Rebsorte, die aber durch unterschiedliche Ausbauvarianten in den beiden Regionen und anderes Terroir zu ganz verschiedenen Weinstilen führt. Den besten Blaufränkisch der letzten Zeit hatte ich gerade am Vorabend in Dirk Würtz Köigsmühle probiert. Der Österreichische Weinjournalist Helmut Knall (Knalli) ist selbst unter die Winzer gegangen und hatte uns seinem KNALLROT mitgebracht, bei dem er ganze Arbeit geleistet hat. Mit rund 32 Euro ist dieser Wein sicher nicht gerade billig, aber für diesen Preis gibt es dann auch richtig gute Qualität im Glas. (weiterlesen…)
15. März 2010

Der vergangene Samstag stand bei mir komplett im Zeichen des Rieslings. Gemeinsam mit drei Weinfreunden (Verena Di Pauli, Michael Gmall und dem Direttore - Philipp Erik Breitenfeld) ging es zuerst zum Mittagessen in Josef Laufers Hotel Zum Krug nach Hattenheim. Das 1720 erbaute Hotel ist nicht nur ein optischer Leckerbissen von außen und innen, hier wird auch gut gekocht und vor allem gibt es im Krug eine großartige Weinkarte mit Rheingauer Weinen bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts hinein.

Wir begannen mit der Edition “1467″ Riesling Feinherb 2007 vom Eltviller Weingut Koegler, einem herrlich erfrischenden Riesling mit nur ganz dezenter Restsüße. Das Weingut Koegler, das seit Jahren eine gute Qualität abliefert, ist in den letzten Jahren vor allem mit einem Experiment in den Schlagzeilen gewesen: Als erstes Weingut im Rheingau baut Koegler seit wenigen Jahren die aus Österreich bekannte, im Vergleich zu Riesling etwas säureärmere und dadurch für viele Menschen bekömmlichere Rebsorte Grüner Veltliner an.

Es folgte ein 18 Jahre alter Riesling Kabinett, der im Krug auch glasweise ausgeschenkt wird. Der Riesling Kabinett 1992 aus der Toplage Rauenthaler Baiken von den Staatsweingütern Kloster Eberbach mit seiner leichten Firne, kräftigen Karamellnoten, ein wenig verbliebener Restüße und auch noch der nötigen Säure wirkte überhaupt nicht zu alt. Einen solch wunderbar gereiften Wein offen auf die Karte zu setzen trauen sich leider viel zu wenige Restaurants. In zu vielen Restaurants gibt es ja heute nicht einmal mehr flaschenweise einen Weißwein, der älter als fünf Jahre ist.

Zum Hauptgang wurde noch etwas tiefer in die Schatzkammer gegriffen und eine 1993er Riesling Auslese Trocken aus dem Wallufer Walkenberg vom Rheingauer Spitzenweingut J.B. Becker hervorgezaubert. Der Wein machte in den rund 60-70 Minuten, in denen wir ihn immer wieder probierten eine riesengroße Entwicklung durch. In den ersten Minuten etwas unangenehm staubig mit kräftiger Firne wirkend, veränderte sich der Geschmack erst für einige Minuten in Richtung Karamell um sich dann sehr intensiv in etwas Petroleum-, Diesel- oder Altölartiges zu verwandeln. Erst einmal zur Seite gestellt war der unangenehme Treibstoff-Ton aber schon eine Viertelstunde später wieder komplett verschwunden. Nur ein Hauch Firne blieb. Ein spannender Wein, uns aber zu (knochen-)trocken und mit 14,5 Vol. auch etwas zu alkoholisch. Hochkonzentriert und ein gutes Beispiel dafür, dass es für einen Wein, der lange reifen können soll, besser gewesen wäre, auf etwas Alkohol zu verzichten und dafür etwas Restzucker übrig zu lassen (den man nach einigen Jahren sowieso nicht mehr als süß wahrnehmen würde). Der Wein wäre heute also trotzdem sensorisch trocken aber deutlich harmonischer.

Nach dem Essen ging es in die nur hundert Meter entfernt liegende Winebank im oder besser unter dem Weingut Balthasar Ress. Einige mitgebrachte Schätze sollten hier eingelagert werden. (weiterlesen…)
28. Februar 2010

Kein anderes Weingut in Deutschland hat in der letzten Zeit eine solche Aufmerksamkeit erfahren, wie das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar. Vergangene Woche wurde offiziell bestätigt, was seit Mitte Januar in der Region die Runde machte aber zumindest offiziell noch dementiert wurde. Günther Jauch übernimmt das Weingut und ist am Mittwoch auch gleich schon mal (einstimmig) in den VDP Mosel-Saar-Ruwer (Großer Ring) aufgenommen worden. Im VDP sind nicht Weingüter Mitglied, sondern nur Personen, also die Winzer. Spätestens seit Mittwoch ist Günther Jauch also Winzer. Die Übergabe des Weinguts soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Die Übernahme gerade dieses Weinguts kam nicht von ungefähr: noch Jauchs Großmutter hieß Elsa von Othegraven und auch mit der bisherigen Eigentümerin, der 71-jährigen früheren leitenden Fachärztin für Anästhesie einer Kölner Klinik, Dr. Heidi Kegel, ist Jauch lose verwandt. Frau Dr. Kegel hatte das Weingut nach dem Tod ihrer Tante Maria von Othegraven im Jahr 1995 übernommen. Das Weingut wurde um das 1500 herum gegründet und ist seit 1805 im Besitz der Familie Grach-Weißebach von Othegraven. Das große Gutshaus und sein romantischer Park mit altem Baumbestand stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Allein schon die sicher nicht günstigen Renovierungsarbeiten an diesem Gebäude werden mit Jauchs finanziellem Backround sicher leichter fallen.
Das Weingut von Othegraven war auch schon bisher alles andere als unbekannt. In den letzten Jahren zählte von Othegraven qualitativ regelmäßig zur Top 5 der Saarweingüter. Man verfügt über beste Saarlagen im Kanzemer Altenberg, dem Ockfener Bockstein und der Wiltinger Kupp. Schon Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre hinein muss es hier großartige Weine gegeben haben. Nach der Übernahme des Weinguts 1995 lies Heidi Kegel sich erst einmal vom 2004 verstorbenen Rheingauer Spitzenwinzer Bernhard Breuer beraten. Ein klares Zeichen, wohin die Reise gehen sollte. (weiterlesen…)
23. Februar 2010

Das Weingut Carl Loewen in Leiwen an der Mosel wurde 1803 vom letzten Verwalter des Detzemer Gutshofes der Benediktinerabtei St. Maximin zu Trier gegründet. Durch die Säkularisation konnte er die ihm wohl bestens bekannten Lagen der bis dahin im Weinbau führenden Benediktiner in der Detzemer Maximiner Klosterlay übernehmen und gründete damit sein eigenes Weingut. Seit dem ist das Weingut in Familienhand und wurde vor allem in den letzten dreißig Jahren stetig erweitert. Die Erweiterung begann 1982 mit der Übernahme von Parzellen der lokalen Top-Lage Laurentiuslay vom Trierer Weingut Reichsgraf von Kesselstadt und wurde erst im letzten Jahr wieder weiter voran getrieben durch die Übernahme des Weinguts Carl Schmitt-Wagner in Longuich, wodurch man u.a. teilweise schon 1896 bestockte und damit noch wurzelechte Parzellen im Longuicher Maximiner Herrenberg hinzu bekam.
Mittlerweile umfasst das Weingut 12 ha, darunter einige der Top-Steillagen der näheren Umgebung: Leiwener Laurentuslay und Klostergarten, Thörnicher Ritsch, Detzemer Maximiner Klosterlay und Longuicher Maximiner Herrenberg. Es ist aber auch im Besitz einiger eher flachen Lagen um den Ort herum, die eine maschinelle und damit weniger kostenintensive Bewirtschaftung für Basisqualitäten ermöglichen. Im Keller des Weinguts Carl Loewen wird nur mit Hilfe von Schwerkraft gearbeitet (also ohne mechanische Pumpen, die Traubenkerne beschädigen könnten und so Bitterstoffe freisetzen würden) und auf Spontanvergärung gesetzt. (weiterlesen…)
4. Januar 2010

Das Weingut „Le Gallais” in Wiltingen an der Saar wurde schon 1954 durch Egon Müller III. (dem Vater des heutigen Winzers) vom Weingut Egon Müller-Scharzhof übernommen. Die ausschließlich mit Riesling bepflanzte Lage Wiltinger Braune Kupp umfasst vier Hektar tiefer Schieferverwitterungsböden und ist, seit in den 90er Jahre die letzten zwei fehlenden Hektar vom Weingut Vereinigte Hospitien Trier übernommen werden konnten, im Alleinbesitz (daher auch Monopollage genannt) des Weinguts Egon Müller-Scharzhof. Dieses im Wiltinger Scharzhofberg gelegene Weingut ist das mit Abstand renommierteste Weingut an der Saar. Die Weine aus der Lage Wiltinger Braune Kupp werden allerdings weiter ausschließlich mit dem „Le Gallais”-Etikett vermarktet.
Egon Müller Le Gallais Wiltinger Braune Kupp Riesling Spätlese 1995
Über zwei Tage getrunken, erst dunkles goldgelb, am zweiten Tag dann eher Bernsteinfarben. Wunderbar gereift, dezente Firne, intensiver Duft von reifem Pfirsich, dazu Zitrusnoten, im Mund vor allem Schieferwürze, deutlich mineralisch, nur noch wenig vorhandene Restsüße und eine kräftige Säure. Macht Spaß, kann sich auch noch einige weitere Jahre schön entwickeln, hatte seinen Höhepunkt für meinen Geschmack aber schon vor einer Weile, als der wirklich knackigen Säure ein wenig mehr Restsüße gegenüber stand. 90P
9. Dezember 2009

Vertikalen großer Bordeaux sind keine Seltenheit, ist es doch (zwar mit gewissem finanziellen Aufwand) fast immer möglich, fehlende Flaschen über die vielen regelmäßig stattfindenden Auktionen zusammen zu tragen. Eine solche, fast lückenlose, Vertikale eines deutschen Top-Rieslings sucht allerdings ihres gleichen, da kaum jemand alle dazu nötigen Weine selbst eingelagert hat und reife Rieslinge auf Auktionen und im Handel so gut wie nie zu bekommen sind.

Zwei Bonner Weinfreunde, beide seit langem Heymann-Löwenstein-Fans, haben den Großteil dieser Uhlen-Kollektion aus ihren umfangreichen Privatsammlungen zusammen getragen und die noch fehlenden Jahrgänge konnten mit Hilfe von Winzer Reinhard Löwenstein und des Berliner Lokals Weinstein hinzugefügt werden.

Zur Verkostung standen 20 verschiedene Uhlen-Riesling aus dem Weingut Heymann-Löwenstein von 1996 bis 2007. Dazu gab es einen als Pirat angekündigten Wein, der ohne nähere Angaben zu seiner Herkunft aus dem Dekanter serviert wurde. Bis zum Jahrgang 2000 füllte Reinhard Löwenstein nur einen “trocken” Uhlen, seit 2001 werden die Schieferformationen Roth Lay (Uhlen R), Laubach (Uhlen L) und Blaufüßer Lay (Uhlen B) von Löwenstein getrennt ausgebaut. Seit dem gibt es also jählich drei sensorisch mehr oder weniger trockene Uhlen-Rieslinge. Nach einer kurzen Diskussion vor Beginn der Verkostung haben wir uns für die Probenreihenfolge beginnend mit den ältesten Jahrgängen und endend mit den jüngsten entschieden. (weiterlesen…)
22. November 2009

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen Riesling Auslese Goldkapsel 1998
Kräftiges goldgelb, intensiver Duft von Grapefruit und reifen Pfirsichen, im Mund auch herbe Grapefruit, Pfirsich, Mirabellen, Mandarine, etwas Botrytis, cremig, ein Hauch Karamell, saftig, eine feine dezente Süße, stabile Säure, gute Länge. 94P
So meine Verkostungsnotiz vor einigen Wochen, als ich eine der Flaschen mit Freunden zur Creme Brûlée getrunken habe. Die heutige Flasche wollte ich eigentlich zum Abschluss der gestrigen Verkostung von 21 “trockenen” Uhlen aus dem Hause Heymann-Löwenstein von 1996-2007 beisteuern, habe sie aber im Eisschrank vergessen. Da ich erst 12 Stunden später zurück war, rechnete ich mit einer geplatzten Flasche. (weiterlesen…)
11. November 2009

Die interessante Broschüre „Terroir an Mosel, Saar und Ruwer – Klima, Winzer, Boden“ ist zwar nicht mehr ganz neu, allerdings immer noch recht unbekannt. Dabei lohnt sich ein Blick hinein: Es erwarten einen spannende Zahlen, Daten und Fakten, eine Vielzahl großartiger Fotos, aufschlussreiche Boden- und Klimakarten sowie interessante Weinanalyen - auch grafisch dargestellt mit Hilfe von Aromarädern. Nach der Lektüre sollte es niemanden mehr wundern, dass es nicht “den” Moselwein gibt und die Weine von verschiedenen (teilweise nah beieinander gelegenen) Stellen der Mosel so unterschiedlich schmecken.
Das von Verbänden, Land und EU geförderte Werk wurde von März bis Dezember 2006 von Geologen und Weinfachleuten erarbeitet und im Frühjahr 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es nimmt den Leser mit auf eine informative Zeitreise in die Erdgeschichte der Region – vom Zeitalter des Devon vor 400 Millionen Jahren, als die Ur-Kontinente Gondwana und Laurussia zusammenstießen und die Grundlagen der heutigen Bodenformationen geschaffen wurden, bis hin zum modernen Weinbau und den Einflüssen des Bodens auf die Sensorik der heute erzeugten Weine.
Professor Harald Ehses, Amtsleiter des Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) Rheinland-Pfalz, bezeichnete die Weinbergsbodenkarten des LGB als „Schatz“, den sein Amt allen Winzern zur Verfügung stelle. Die vorliegende Broschüre solle die Besonderheiten von Wein bestimmter Böden für Endverbraucher greifbar machen. Er hob die Bedeutung des Bodens „als stabile, nicht transportierbare Größe“ für die Weinregion hervor, damit unterscheide sich eine Region und ihre Weine von anderen Gebieten. (weiterlesen…)
9. November 2009

Weinwanderungen werden immer beliebter, der bekannte Rotweinwanderweg an der Ahr ist in der Saison mittlerweile oft so überlaufen, dass man sich über neue Alternativen freut. An der Mosel gibt es zwar schon eine Reihe schöner Wanderwege, zu größerer Bekanntheit hat es bisher allerdings nur der Klettersteig durch den Bremmer Calmont, den steilsten Weinberg Europas, gebracht. Am 1. Mai letzten Jahres wurde der “Kletterweg Erdener Treppchen / Prälat” durch zwei der besten und zu Recht bekanntesten Moselsteillagen eröffnet.

Es sind wohl auch zwei der schönsten Lagen an der Mosel (klicken Sie die Bilder an, in voller Bildschirmgröße wirkt das Farbenspiel erst so richtig).

Der Ideale Einstieg in den Kletterweg erfolgt am auf Original Grundmauern nachgebauten römischen Kelterhaus in Erden. Die ausgegrabene römische Kelteranlage gilt als ältestes Zeugnis des römischen Weinbaus an der Mosel und nördlich der Alpen überhaupt.

Das ganze Gebäude ist mit einer Vielzahl von Schaubilder und Infotafeln ausgestattet. Hier die wichtigste (anklicken zum vergrößern):

Das Römische Kelterhaus ist direkt an der B53, die am Moselufer entlang führt gelegen, und verfügt über einen ausreichend großen Parkplatz. Ideal ist dieser Einstiegspunkt vor allem, da man von hier aus die Vielzahl der zu überwindenden Leitern hochsteigen kann und nicht, was wohl vielen Wanderern schwerer fällt, herunter steigen muss. Die Gegenrichtung hat natürlich auch einen Vorteil: Man könnte über Versorgungswegemit sanften Anstieg durch das Erdener Treppchen nach oben in den Weinberg gelangen ohne den steilen und anstrengenden Weg über viele Leitern und rutschige Treppen nehmen zu müssen.

Dann geht es hinauf: Es geht über eine Vielzahl von Leitern. Dabei kann man schon die unterschiedlichen Farben der Boden, Fels und Schieferformationen vergleichen.

Eine Leiter folgt der nächsten… (weiterlesen…)