24. Juli 2010

“Lebe vegan !” vs. “Iss mehr Fleisch !”

Kategorie: Allgemein, Kochen — Weinkaiser @ 07:51

Das in vielen Weinbergen die Namen der Steillagen in riesigen weißen Buchstaben auf den Weinbergsmauern zu lesen sind, ist seit langer Zeit normal und für gerade für Weininteressierte Touristen sind es gern gesehene Wegmarken und beliebte Fotomotive. In Zeiten von besonders engen Kommunalwahlkämpfen findet sich auf den Terrassenmauern (zumindest an der Mosel) auch schon mal für wenige Wochen der Name eines lokalen Bürgermeister- oder Landratskandidaten. Darüber hinaus gehende politische Botschaften waren mir bisher in Weinbergen verborgen geblieben.

Im Rheingau ist das seit nun fast einem Jahr anders. In einem Weinberg zwischen Assmannshausen und Lorch findet sich mindestens seit letztem Herbst der Aufruf  “LEBE VEGAN !“, der zwar auf der hessischen Rheinseite, also im Rheingau, von der Bundesstraße oder Bahnlinie kaum bis gar nicht zu sehen ist, dafür aber umso besser von der gegenüber liegenden rheinland-pfälzischen Seite des Mittelrheintals, wo er über mehrere Kilometer gut zu lesen ist.

Für mich als Rheinland-Pfälzer und bekennenden Fleisch-Fan Grund genug, zu aktivem Widerstand aufzurufen. Wer bei “Iss mehr Fleisch !” mitmachen möchte legt beim nächsten Grillen einfach noch ein Extra-Stück Fleisch auf und/oder mailt mir ein paar schöne (selbstgemachte) Fotos und/oder Rezepte zum Thema, die dann hier gesammelt veröffentlicht werden.

Im Rahmen der Kampagne “Iss mehr Fleisch !” habe ich vor wenigen Wochen erstmals vor Ort aktiv Widerstand geleistet und meinen vollgepackten Schwenkgrill im Rheingau aufgebaut. Das Geisenheimer Boutique-Weingut Werk2 hatte zwei Wochen lang zur Straußwirtschaft geladen und am Eröffnungswochenende gab es dazu feines von meinem Grill. Bei dieser Gelegenheit hat uns Wein-Video-Blogger Dirk Würtz gemeinsam mit seinem Producer DennyRamone mit der Videokamera überfallen und ein kleines Interview gedreht.

Auf meinen Grills landen hauptsächlich (dick geschnittene, also im Idealfall 2 Rippen breite) Lammkottelets und (weiterlesen…)

20. Juli 2010

Riesling trifft Kohle im Rahmen von: A40 - Still-Leben Ruhrschnellweg

Kategorie: Verantaltungen — Weinkaiser @ 09:34

Im Rahmen der Ruhr 2010, also des Programms der Metropole Ruhr in ihrer Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2010, fand am Wochenende mit offiziell rund drei Millionen Besuchern eine der größten Tagesveranstaltungen aller Zeiten statt: A40 - Still-Leben Ruhrschnellweg.

Auf der auch Ruhrschnellweg genannten Autobahn A40 zwischen Duisburg und Dortmund (der meistbefahrenen Autobahn Europas) wurde in der Nacht zum Sonntag ein 60 Kilometer langer Tisch aus tausenden Biertischgarnituren aufgebaut, die für diesen Tag an Firmen, Organisationen und Privatleute vergeben/vermietet wurden.

Für das Weinforum Ruhrgebiet hat Uwe Bende drei solcher Tische erstanden und dort unter dem Titel Riesling trifft Kohle eine tolle Verkostung mit 30 zum Teil großartigen Rieslingen aus den letzten 50 Jahren organisiert.

Rund zwanzig Rieslingfreunde, darunter Weinblogger Thomas Günther von Weinverkostungen.de, Wein-Historiker Peter Jakob (marcodatini.posterous.com) und Winzer Gernot Kollmann vom Enkircher (Mosel) Weingut Immich Batterieberg.

Die Weine wurden von Uwe Bende zusammengetragen, unterstützt von Gernot Kollmann, der zwei Flaschen 1964er Riesling naturrein aus der Schatzkammer des von ihm vor kurzem übernommenen Weinguts Immich Batterieberg,

sowie einen 2000er Van Volxem Scharzhofberger Riesling Kabinett, den er in seiner damaligen Rolle als Kellermeister von Van Volxem geschaffen hat und einen meiner Lieblingsweine: eine 2007er Winninger Röttgen Riesling Spätlese Alte Reben vom Weingut Reinhard und Beate Knebel, bei dem Gernot Kollmann in den letzten Jahren als Berater tätig war.

Unsere kleine Verkostungsliste
Teil 1 -  trocken:

Peter Jakob Kühn Oestricher Riesling (eine Traube) 2004

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen R 2001

Peter Jakob Kühn Quarzit Riesling trocken 2007

Koehler Ruprecht Kallstadter Saumagen R Riesling Auslese trocken 2001

Wittmann Westhofen Morstein weißer Riesling Spätlese trocken 1990

Kaßner-Simon Freinsheimer Oschelskopf Riesling Auslese trocken 1990

Toni Jost Martinsthaler Rödchen Riesling Kabinett trocken 1990

Cave Kientzheim Kayserberg Fürstentum Riesling Grand Cru 1995

Laible Durbacher Plauelrain SL Riesling Spätlese trocken 2001

Wittmann Westhofen Aulerde Riesling GG 2001

George Rüdesheim Berg Rottland Riesling trocken 2003

Klaus Peter Keller Riesling trocken von der Fels 2005

Die Weine waren allesamt in erstaunlich gutem Zustand, einzig die 1990er Morstein Spätlese trocken von Wittmann war durch einen undichten Korken etwas zu stark oxidiert, was aber wohl eindeutig ein Flaschenfehler war, denn mehrere Teilnehmer hatten diesen Wein noch vor kurzem in einwandfreiem Zustand verkostet. (weiterlesen…)

8. Juli 2010

Jahrgangspräsentation und Kellertour im Schloss Johannisberg

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 00:24

Domänenverwalter Christian Witte hatte zur Präsentation des Jahrgangs 2009 der Domäne Schloss Johannisberg und des Weingutes G.H. von Mumm in den Spätlesereitersaal des Schlosses geladen. Zudem sei eine Kellerbesichtigung vorgesehen und es gebe auch “etwas älteres” zu verkosten.

Auch wenn man als Weinschreibender viele Einladungen zu interessanten Veranstaltungen erhält, bleibt Schloss Johannisberg immer etwas besonderes.

Schloss Johannisberg ist, seit 1720 der komplette Johannisberg mit Riesling bepflanzt wurde, das erste reine “Riesling-Weingut” der Welt und der Ort an dem 1775 der in meinen Augen schönste Weißweinstil - die fruchtige Riesling Spätlese - zumindest offiziell erstmals entstanden ist.

Den Rheingauer Weingütern war im 18. Jahrhundert in jedem Herbst eine Leseerlaubnis von ihren Gemeinden vorgeschrieben. Anders beim Schlossgut Johannisberg, das dem Bistum Fulda gehörte. Die Johannisberger Mönche mussten seit 1718 alljährlich auf die Leseerlaubnis beim Fürstbischof in Fulda einholen. Sie schickten deshalb einen Reiterboten mit einer Probe Johannisberger Trauben nach Fulda, doch in jenem Jahr verspätete sich die Rückkehr des auch Herbstkurier genannten Boten aus bis heute umstrittenen Gründen um 8 - 14 Tage. Die Trauben im Weinberg waren inzwischen kräftig von der Edelfäule Botrytis befallen, geschrumpft und daher hochkonzentriert. Das Ergebnis im nächsten Frühjahr war die erste edelsüße Riesling Spätlese. Die damaligen ersten Spätlesen waren allerdings so konzentriert, dass sie heute wohl eher als Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese (TBA) bezeichnet würden.

Heute bewirtschaftet die Domäne Schloss Johannisberg in ihrer Monopollage 35 ha Riesling und das Schwesterweingut G.H.von Mumm noch einmal weitere 65 ha Riesling und Burgundersorten (u.a. auch im Assmannshäuser Höllenberg). Die beiden Güter beschäftigen zusammen 40 hauptberufliche Mitarbeiter sowie weitere bis zu 120 Helfer zu Lesezeit. Alleineigentümer die beiden Weingüter ist die zur Oetker-Gruppe gehörende Sektkellerei Henkell &  Söhnlein.

Wenige Meter vor dem Schloss verläuft der 50. Breitengrad mitten durch den Johannisberg. Mehrere Stehlen im Weinberg zeigen den genauen Verlauf. Vor der Klimaerwärmung galt der 50. Breitengrad als nördliche Grenze für den Qualitätsweinbau überhaupt. Das Risiko mangelnder Reife hat sich aber vorerst erledigt. Heute reifen die Trauben im Johannisberg in jedem Jahr komplett aus und für trockene Weine ist mittlerweile eher eine zu hohe Traubenreife und das damit verbundene Risiko zu hoher Alkoholgrade ein Problem.

In zeitweiser Ermangelung von Etiketten wurden die Weine seit der Zeit von Fürst Metternich durch Lackfarben unterschieden (von Fürst Metternich stammt auch die bis heute umgesetzte Anweisung von 1830, keinen Flaschenwein ohne die Unterschrift des Kellermeisters auf dem Etikett herauszugeben. Heute tragen die Etiketten die Unterschrift von Gutsverwalter Christian Witte). Im Spätlesereitersaal erklärt eine Wandtafel das bunte Farbenspiel der Kapseln und Lacke:

Dazu kommt mit dem Silberlack noch das erstmals mit dem Jahrgang 2005 gefüllte Erste Gewächs (unten in der Bildmitte der aktuellen Kollektion).

Heute nicht mehr in Verwendung, aber aus früheren Jahrgängen noch reichlich im Schlosskeller vorhanden: „Orangelack“ für gehobene Kabinett-Qualität, „Weißlack“ für beste Spätlesen und „Goldblaulack“ für feinste Auslesen. Hier zu sehen neben einer Reihe weiterer historischer Flaschen.

Die Verkostung begann mit einem wunderbar weinigen Fürst von Metternich Rieslingsekt Brut 2008, der Qualitativ deutlich über der Supermarktware des Hauses liegt aber leider nur an gehobene Gastronomie abgebegen wird und nicht für Endkunden im Handel erhältlich ist.

Schon bei den Gutsrieslingen findet sich einwandfreiere Qualität, besonders der einfache lagenlose G.H. von Mumm Rheingau Riesling überraschte mich dabei positiv. Am besten gefiel mir aktuell der trockene Riesling QbA aus dem Johannisberger Hansenberg. Schon ein ganze Klasse darüber, sowohl qualitativ wie preislich ist der Schloss Johannisberger Rotlack Kabinett, sowohl in der trockenen als auch in der feinherben Variante.

Danach ging es an zwei 2008er Erste Gewächse (EG) und die 2009er EG Fassproben aus vier Einzellagen. Bester trockener Wein des Tages war zweifellos das schon jetzt großartige 2008er Schloss Johannisberger Silberlack Riesling Erstes Gewächs mit einem für den Rheingau selten feinen Säurespiel und wunderbaren Kräuternoten. Das 2008er Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs von Mumm ist zwar auch schön, kommt aber an den Johannisberger derzeit nicht heran. Dafür ist die Fassprobe des 2009er EG aus dem Berg Rottland mit seinen feinen Hefe- und Kräuteraromen zur Zeit schon am weitesten. Die EG-Fassproben aus Johannisberger Hölle und Johannisberger Mittelhölle sind ähnlich im Stil, aber derzeit noch etwas verschlossener. Ebenso die Fassprobe des 2009er Schloss Johannisberger Silberlack Riesling Erstes Gewächs. Sie entstand merkbar aus hochreifem Lesegut, scheint wieder etwas typischer den klassischen Rheingaustil abzubilden, kommt derzeit allerdings natürlich noch nicht an die bereits seit fast einem Jahr gefüllte Vorjahresversion heran. Die schönen Hefe- und Kräuteraromen ziehen sich durch alle großen Gewächse der beiden Güter, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass im Schlosskeller mit geführter Spontangärung gearbeitet wird, bei der ein gelungener, spontaner Gäransatz von Fass zu Fass weitergeimpft wird.

Die Grünlack Spätlese ist bei der Geschichte dieses Weinguts natürlich auch ein besonderer Wein. Es dürfte wohl auch die meistverkaufte Spitzenspätlese in Deutschland sein. Mir fällt zumindest kein anderes deutsches Weingut ein, das es schafft jährlich mehrere 10.000 fruchtige Spätlesen im Inland abzusetzen. Bei den anderen Erzeugern von Top-Spätlesen dürfte auch der Exportanteil deutlich höher liegen als die rund 50 % bei Schloss Johannisberg. Die 2009er Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese ist derzeit noch recht verhalten. Trotzdem sind schon merklich Pfirsich- und Zitrusnoten, etwas Mineralik und auch wieder Kräuteraromen zu erkennen. Obwohl das Traubenmaterial sicher deutlich höhere Öchslegrade aufwies, als für Spätlesen mindestens vorgeschrieben, wirkt der Wein doch spritzig und erfrischend. Eben eine klassische Spätlese! Schloss Johannisberg ist glücklicherweise nicht in den Wettbewerb um die fetteste, der  zur Spätlese abgestuften Auslesen eingestiegen (wie es z.B. das nur wenige Kilometer entfernt gelegene und ebenfalls sehr renommierte Weingut Robert Weil regelmäßig macht, dessen aktuelle Top-Spätlese aus dem Kiedricher Gräfenberg nur haarscharf die gesetzlichen Anforderungen an eine Beerenauslese verpasst - ein großartiger Wein aber stilistisch definitiv keine Spätlese mehr!).

Im Jahrgang 2009 ist bei Schloss Johannisberg auch eine tolle Kollektion edelsüßer Weine gelungen. An der Spitze stehen ein wunderbarer Schloss Johannisberger Blaulack Eiswein mit tollem Süße-Säure-Spiel und mein persönlicher Favorit des Tages, die Fassprobe einer Schloss Johannisberger Goldlack Trockenbeerenauslese (TBA) der Extraklasse. Die Analysedaten sind noch nicht bekannt, das Ausgangsmaterial soll aber zwischen 180° und 200° Oechsle gelegen haben. Verwalter Christian Witte ist überzeugt, dass Riesling-TBAs aus diesem Oechsle-Bereich auf Dauer einen höheren Trinkgenuss bereiten als extrem konzentrierte TBAs mit inneren Rekordwerten (den Weltrekord hält derzeit Moselwinzer Markus Molitor mit 331 Grad Öchsle im Jahr 2003 in der Zeltinger Sonnenuhr), die zwar kurzfristig einen spektakulären Eindruck vermitteln aber nach wenigen Schlucken bereits ein Gefühl der Übersättigung hinterlassen. An der auch mit ausreichend Säure ausgestatteten 2009er Schloss Johannisberger Riesling TBA hingegen könnte ich mich trotz ihres noch viel zu jungen Alters schon jetzt stundenlang begeistern.

Außer den aktuellen Weinen des 2009er Jahrgangs und einiger Vorjahresweine wurden auch einige Raritäten aus den letzten Jahrzehnten geöffnet:

Schloss Johannisberger Rosalack Riesling Auslese 2002
Schloss Johannisberger Rotlack Riesling Kabinett 1985
Schloss Johannisberger Gelblack Riesling Qualitätswein 1970
Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese 1964

Ein 40 Jahre alter und immer noch trinkbarer Riesling QbA ist natürlich schon etwas besonderes, hier ist es allerdings erst der Anfang. Die 2002er Auslese mit ihren intensiven Pfirsich- und Botrytisaromen ist bereits recht weit entwickelt, macht aber auch schon richtig Spaß. Noch spannender ist der älteste Wein in der Runde, eine  wunderbar gereifte 1964er Riesling Spätlese. Der Grünlack ist also mittlerweile 46 Jahre alt und noch immer in perfektem Zustand. Die Weine wurden, wie bei Schloss Johannisberg alle 30 Jahre üblich, neu verkorkt. Daher auch die Kapseln mit aktuellem VDP-Logo.

Nach der Verkostung ging es ins Allerheiligste: Den berühmten Schlosskeller! (weiterlesen…)

22. Mai 2010

Weinwanderung durch die Hattenheim Weinberge mit Winzer Christian Ress

Kategorie: Verantaltungen, Wein — Weinkaiser @ 12:49

Am Tag der Jahrgangspräsentation der 2009er Kollektion des Weinguts Balthasar Ress hatte Jungwinzer Christian Ress zu einer morgendlichen “kleinen Wanderung durch die Hattenheimer Gemarkung” eingeladen.

Ich hatte solche Wanderungen schon bei mehreren anderen Weingütern erlebt und vielleicht 20 Wanderwillige erwartet. Dabei hatte ich wohl den Kundenstamm des Weinguts Balthasar Ress unterschätzt.

Mit geschätzt 150 Weinwanderern, die auf Außenstehende wohl wie ein hundert Meter langer Demonstrationszug wirken mussten, ging es durch die Hattenheimer Weinberge und einen Teil des bekannten Hattenheimer Brunnenwegs. (weiterlesen…)

15. März 2010

Ein Tag im Zeichen gereifter Rieslinge

Kategorie: Tourismus, Verantaltungen, Wein — Weinkaiser @ 23:51

Der vergangene Samstag stand bei mir komplett im Zeichen des Rieslings. Gemeinsam mit drei Weinfreunden (Verena Di Pauli, Michael Gmall und dem Direttore - Philipp Erik Breitenfeld) ging es zuerst zum Mittagessen in Josef Laufers Hotel Zum Krug nach Hattenheim. Das 1720 erbaute Hotel ist nicht nur ein optischer Leckerbissen von außen und innen, hier wird auch gut gekocht und vor allem gibt es im Krug eine großartige Weinkarte mit Rheingauer Weinen bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts hinein.

Wir begannen mit der Edition “1467″ Riesling Feinherb 2007 vom Eltviller Weingut Koegler, einem herrlich erfrischenden Riesling mit nur ganz dezenter Restsüße. Das Weingut Koegler, das seit Jahren eine gute Qualität abliefert, ist in den letzten Jahren vor allem mit einem Experiment in den Schlagzeilen gewesen: Als erstes Weingut im Rheingau baut Koegler seit wenigen Jahren die aus Österreich bekannte, im Vergleich zu Riesling etwas säureärmere und dadurch für viele Menschen bekömmlichere Rebsorte Grüner Veltliner an.

Es folgte ein 18 Jahre alter Riesling Kabinett, der im Krug auch glasweise ausgeschenkt wird. Der Riesling Kabinett 1992 aus der Toplage Rauenthaler Baiken von den Staatsweingütern Kloster Eberbach mit seiner leichten Firne, kräftigen Karamellnoten, ein wenig verbliebener Restüße und auch noch der nötigen Säure  wirkte überhaupt nicht zu alt. Einen solch wunderbar gereiften Wein offen auf die Karte zu setzen trauen sich leider viel zu wenige Restaurants. In zu vielen Restaurants gibt es ja heute nicht einmal mehr flaschenweise einen Weißwein, der älter als fünf Jahre ist.

Zum Hauptgang wurde noch etwas tiefer in die Schatzkammer gegriffen und eine 1993er Riesling Auslese Trocken aus dem Wallufer Walkenberg vom Rheingauer Spitzenweingut J.B. Becker hervorgezaubert. Der Wein machte in den rund 60-70 Minuten, in denen wir ihn immer wieder probierten eine riesengroße Entwicklung durch. In den ersten Minuten etwas unangenehm staubig mit kräftiger Firne wirkend, veränderte sich der Geschmack erst für einige Minuten in Richtung Karamell um sich dann sehr intensiv in etwas Petroleum-, Diesel- oder Altölartiges zu verwandeln. Erst einmal zur Seite gestellt war der unangenehme Treibstoff-Ton aber schon eine Viertelstunde später wieder komplett verschwunden. Nur ein Hauch Firne blieb. Ein spannender Wein, uns aber zu (knochen-)trocken und mit 14,5 Vol. auch etwas zu alkoholisch. Hochkonzentriert und ein gutes Beispiel dafür, dass es für einen Wein, der lange reifen können soll, besser gewesen wäre, auf etwas Alkohol zu verzichten und dafür etwas Restzucker übrig zu lassen (den man nach einigen Jahren sowieso nicht mehr als süß wahrnehmen würde). Der Wein wäre heute also trotzdem sensorisch trocken aber deutlich harmonischer.


Nach dem Essen ging es in die nur hundert Meter entfernt liegende Winebank im oder besser unter dem Weingut Balthasar Ress. Einige mitgebrachte Schätze sollten hier eingelagert werden. (weiterlesen…)

11. März 2010

Küchenparty bei Josef Laufer im Krug in Hattenheim

Kategorie: Kochen — Weinkaiser @ 23:09

Am Rande des 14. Rheingau Gourmet & Wein Festival 2010 veranstaltete Josef Laufer (Bildmitte) wieder einmal eine seiner legendären Küchenpartys im Hotel Zum Krug in Hattenheim. Josef Laufer, gerade mal Mitte dreißig, zählt zu den besten Köchen der Region. Nach der Ausbildung im Hotel Nassauer Hof Wiesbaden und seinem langjährigen Sternelokal Ente, Stationen in Johann Lafers Stromburg und weiteren deutschen Spitzenbetrieben, einem Auslandsaufenthalt in Australien sowie dem Abschluss der Kuchenmeisterschule hat er die Leitung des eigenen Familienbetriebs übernommen.

Er gehört zu den Gründern des kulinarischen Rheingau-Netzwerks “Die Diktatur des Geschmacks“, das seit rund zwei Jahren regelmäßig spannende Veranstaltungen rund um das Thema unverfälschtes gutes Essen (und Trinken) organisiert.

Einen Abend lang gab es hier die Gelegenheit, gemeinsam mit dem jungen Meisterkoch am Herd zu stehen, sich den in oder anderen Küchen-Kniff erklären zu lassen und ab und an auch selbst ein wenig helfend zur Hand zu gehen.

Das 1720 erbaute Hotel Zum Krug, am Hattenheimer Marktplatz direkt neben dem Rathaus gelegen, ist mit seinem wunderbar bemalten Fachwerk eines der sehenswertesten Gebäude der Region.

Weinjournalist Manfred Lühr kümmerte sich den gesamten Abend um die Weinauswahl. Vor allem Rheingauer Spitzengewächse - Rieslinge wie Spätburgunder - standen im Mittelpunkt. Neben einer kleinen Vertikale des Ersten Gewächs aus der Toplage Marcobrunn von Schloss Reinhartshausen, den Ersten Gewächsen von Schloss Johannisberg und Robert Weil präsentierte der ebenfalls anwesende Alexander Jung Spitzenrieslinge und wunderbare Spätburgunder seines Erbacher Weinguts Jakob Jung.

Höhepunkt des Abend war der Riesling der als erster trockener Wein 100 Punkte vom Online-Weinführer Wein-Plus erhielt und vor zwei Jahren bei einer Nachverkostung noch einmal mit 99 Punkten ausgezeichnet wurde: Die trockene Riesling Auslese Goldkapsel Hochheimer Hölle 2002 vom Weingut Künstler. Der GaultMillau Weinguide sah diesen Wein kurz nach der Füllung übrigens “nur” bei 91 Punkten. Mir war er in seinem aktuellen Stadium (schon schön gereift aber immer noch sehr kraftvoll mit intensiven Fruchtaromen, deutlichen mineralischen Geschmacks-Bestandteilen und perfekter Säure) an diesem Abend 96P wert. (weiterlesen…)

21. Januar 2010

Georg Breuer Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Auslese 1999

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:17

Die Lage Rüdesheimer Bischofsberg wurde schon im Jahre 1074 im Auftrag des damaligen Mainzer Erzbischof Siegfried I. von Mainz für Weinbau nutzbar gemacht. Daher auch der Name. Da in dieser Lage oft Nebel herrscht wird und es dadurch fast jedes Jahr zu Botrytisbefall kommt eignet sich der Bischofsberg besonders für Süßweine.

Das Weingut Breuer, eines der renommiertesten Weingüter im Rheingau, hat mittlerweile entschieden, Weine aus dem Bischofsberg nicht mehr separat auszubauen, da sie nicht ganz an die Qualität der Lagen aus dem Rüdesheimer Berg (Berg Schlossberg, Berg Roseneck, Berg Rottland und Berg Kaisersteinfels) herankommen. Mit den Partien aus dem Bischofsberg wird nun vor allem die lagenbezeichnungslose Riesling Auslese Rheingau aufgewertet.

Georg Breuer Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Auslese 1999
Helles gelb, geringe Reifenoten, wirkt (trotz der 0,375 Flasche) deutlich jünger als seine mittlerweile zehn Jahre, intensiver Duft von Pfirsich und Zitrusfrucht, daneben vor allem Nelken (und ein Hauch weiterer Kräuter), Karamell, etwas Vanille, wunderbar cremig, immer noch eine mittlere Restsüße und eine gut dazu passende Säure. Die 9,5 % Vol. sind geschmacklich kaum wahrnehmbar. 91P

9. Dezember 2009

Eröffnung der Balthasar Ress Winebank in Hattenheim

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 00:27

Am Wochenende wurde eine neue Art von Bank eröffnet, die Winebank im (oder besser unter dem) Weingut Balthasar Ress in Hattenheim im Rheingau. Nutzer der Winebank haben eine Chipkarte zu Verfügung, mit der sie sich an dieser Pforte rund um die Uhr Zugang zu ihren gemieteten Kellerfächern verschafften können. Die 223 unterschiedlich großen Bank-Fächer liegen gut geschützt in einem in den letzten Jahren nicht mehr genutzten und stilvoll umgebauten Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert, der mit einem 1922 erbauten Kreuzgewölbe verbunden ist.

Die Temperaturen in der Winebank bewegten sich über alle Jahreszeiten konstant zwischen 13 und 15 Grad Celsius, sagt Initiator Christian Ress. Eingebaut sind LED-Lampen, die kaum Wärme abstrahlen und auch sonst den Wein mit ihrem Licht nicht schädigen sollten, da sie keine UV-Emissionen haben. Die Fächer für bis zu 35 Normalflaschen kosten monatlich 49 Euro, für Fächer mit Fassungsvermögen von bis zu 105 Flaschen werden 89 Euro aufgerufen, für ein 150er Fach sind es dann 149 Euro und für die 332er Fächer 199 Euro.

Neben den Fächern gibt es auch drei begehbare Privatkeller. Einer der beiden bereits vermieteten befindet sich am Ende dieses Ganges. Mieter des 3900 Flaschen fassenden Nussbrunnen-Kellers ist ein bekannter Sommelier aus der Region. (weiterlesen…)

8. September 2008

Wegeler Geheimrat J Riesling Sekt Brut 2000

Kategorie: Schaumwein — Weinkaiser @ 00:05

Wegeler Geheimrat »J« Riesling Sekt Brut 2000 (Rheingau)
Nach Herstellerangaben wird dieser nur in guten „Sektjahrgängen“ produzierte Rieslingsekt aus Kabinettweinen und Spätlesen aus Lagen von Rüdesheim bis Eltville aufgelegt, nach der Methode der klassischen Flaschengärung 4 bis 5 jähriger Hefelagerung ausgesetzt und mit Dosage von hochkarätigen Auslesen veredelt.

Goldgelb, mit sehr feiner Perlage, einer schönen Cremigkeit und bei steigender Temperatur (unsere Flasche war anfangs etwas zu kalt für diesen Spitzensekt) immer tolleren Aromen von reifem Riesling. Der Sekt hat einen sehr weinigen Charakter und erinnert an eine alte perfekt gereifte trockene Riesling-Auslese. 90P

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