5. November 2009

Das Top-Weingüter aus großen Lagen auch in schlechten Jahrgängen bemerkenswerte Weine hervorbringen beweist diese Flasche 1984 Hermitage La Chapelle von Paul Jaboulet Aîné. Das Weingut zählt zweifellos seit Jahrzehnten zur Spitze an der Rhone und die Cuvee “La Chapelle”, benannt nach einer Kapelle mitten in den Hermitage Weinbergen, ist das Aushängeschild der kleinen Nobel-Appellation Hermitage an der Nördlichen Rhone und wahrscheinlich sogar der berühmteste Rhonewein überhaupt.
Andererseits ist der Jahrgang 1984 als einer der schlechtesten in der jüngeren Geschichte der Rhone bekannt. Vor rund zehn Jahren hatte ich den1984er La Chapelle schon einmal im Glas und war damals alles andere als begeistert. Angesichts dessen ist es schon erstaunlich, welche Qualität diese Flasche jetzt nach 25 Jahren noch hat. Während die allermeisten europäischen Rotweine aus 1984 kaum noch genießbar sind, kann man mit diesem Hermitage und dem passenden Wildgericht heute noch einen schönen Abend verbringen. Es zeigt sich mal wieder, dass es manchen Top-Weingütern trotz aller Widrigkeiten gelingt, in einem schlechten Jahrgang einen anständigen und lagerfähigen Wein auf die Flasche zu bringen.
Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984
Dunkles Rot mit leichten violetten Reflexen, intensive Kirschfrucht, Kräuternoten, Teer, schwarzer Pfeffer, mittlerer Körper, reife/milde Tannine, stabile Säure, schöne Reifearomen. Kein großer Wein aber doch deutlich besser als erwartet. Nicht weiter lagern, trinken! 86P
Zum Thema:
Verkostung: Drei Jahrzehnte Hermitage La Chapelle
15. Juni 2008

Die gemeinsam mit Heiko Reinartz organisierte Probe im Kölner Weinforum, zu der ich etwa ein Viertel der Weine besteuerte (der Rest stammte aus Heikos Keller oder wurde extra für diese Probe nachgekauft) wurde zu einem meiner Wein-Höhepunkte des Jahres. Ein gewisses Risiko Bestand: Ich hatte einen Großteil der 1998er Châteauneufs nur einmal, kurz nach der Arrivage Ende 2000/ Anfang 2001, probiert und seit dem unberührt gelassen. Das Warten hat sich gelohnt. Unter 20 Weinen nur ein einziger Ausfall und eine ganze Reihe Traumweine. Mein Gewinner des Abends war erstaunlicherweise der selbe Wein, der mir schon vor 8 Jahren am besten gefallen hat:
Château La Nerthe - Cuvée les Cadettes 1998 - ein Châteauneuf modernen Stils, enorm konzentriert (aber ohne die in Spitzencuvees leider häufig zu findende übertriebene Sirupartigkeit), perfekt eingebundene edle Hölzer, feine Tanine. Höhepunkt wahrscheinlich 2013-2018. 97P
Die Probenliste:
1998er Châteauneuf du Pape Mas de Boislauzon
1998er Châteauneuf du Pape Pierre Usseglio
1998er Châteauneuf du Pape Clos du Mont Olivet
1998er Châteauneuf du Pape Château Mont Redon
1998er Châteauneuf du Pape Domaine de Beaurenard
1998er Châteauneuf du Pape Domaine E. Guigal
1998er Châteauneuf du Pape Domaine de Marcoux
1998er Châteauneuf du Pape Château de Beaucastel
1998er Châteauneuf du Pape Vieux Donjon
1998er Châteauneuf du Pape Clos des Papes
1998er Châteauneuf du Pape Vieux Télégraphe - Cuvée La Crau
1998er Châteauneuf du Pape Domaine de Beaurenard - Cuvée Boisrenard
1998er Châteauneuf du Pape Château La Nerthe - Cuvée les Cadettes
1998er Châteauneuf du Pape Clos du Caillou - Cuvée Réserve
1998er Châteauneuf du Pape Domaine du Pegau - Cuvée Réservée
1998er Châteauneuf du Pape Domaine du Pegau - Cuvée Laurence
1998er Châteauneuf du Pape Clos du Mont Olivet - Cuvée Papet
1998er Châteauneuf du Pape Domaine de la Charbonnière - Vieilles Vignes La Crau
1998er Châteauneuf du Pape Domaine Bosquet des Papes - Cuvée Grenache
1998er Châteauneuf du Pape Domaine Bosquet des Papes - Cuvée Chantemerle
Ein äußerst lesenswertes komplettes Protokoll (Geschichtsstunde inklusive) vom Chronisten Wolfgang Martin auf den Seiten des Kölner Weinforums.
http://www.koelnerweinforum.mynetcologne.de/protokol/2008-04.htm
25. März 2008

Der Großhändler und Importeur CWD lud auf der diesjährigen ProWein zu einem Tasting unter dem verheißungsvollen Titel “Hermitage La Chapelle über 3 Jahrzehnte” und (sehr) viele kamen. Die Spannung war groß: Welche Jahrgänge würden es wohl sein?
Letztes Jahr kamen bei Christie’s in Los Angeles zwölf Flaschen Hermitage La Chapelle 1961 für mehr als 165 000 Euro unter den Hammer - pro Flasche rund 14 000 Euro. Bei der Preislage würde der also schon mal nicht dabei sein. Den 1984er aber bitte auch nicht. Damit hatte ich vor Jahren mein erstes La Chapelle-Erlebnis. 1984 war ein unterirdisches Jahr an der Rhone - der Wein war entsprechend…
Die Wartezeit, bevor Sommelière Christina Hilker die Verkostung eröffnete, konnten wir uns mit einem sehr gelungenen 2005er Châteauneuf-du-Pape Cuvée du Vatican Réserve Sixtine versüßen, der unter uns Wartenden am CWD-Stand die Runde machte. Parker gibt 92 Punkte, die hat der Wein auch verdient. Dann traf Nicolas Jaboulet ein und los ging’s: Starter war der 2007er Côtes du Rhone Parallèle 45 Blanc, gefolgt vom 2005er Ceévalier de Stérimberg Hermitage Blanc, den meine Begleiter und ich aus zwei unterschiedlichen Flaschen probieren konnten (zuerst gab nur einen Mini-Probenschluck, da man sich wohl nicht sicher war, ob die vorhandene Menge für alle ausreicht, einige Minuten später dann noch einmal eine normale Probenportion nach dem sich wohl rausgestellt hat, dass die vorhanden Menge doch ausreicht). Der weiße Hermitage präsentierte sich in beiden Fällen ordentlich, aber nach unserer einhelligen Meinung erstaunlich unterschiedlich.
Der erste La Chapelle war dann der 1985er. Diesen einen gab’s dann wirklich nur in homöopathischen Dosen, die sich aber zu probieren lohnte. Der 23 Jahre alte Hermitage präsentierte sich in einem schönen reifen Zustand mit feinen Tabak- und Ledernoten.
Der darauf folgende 1995er wirkte dagegen etwas zu tanninlastig. Die Harmonie des 1985er wird er wohl nie erreichen. Der nächste Wein war mein klarer Gewinner: Jahrgang 2001 - Tolle Konzentration, leckere Frucht auch mit einem Hauch Fruchtsüße, ausreichend Säure und ein kräftiges Gerüst sehr feiner Tannine - alles fügt sich sehr harmonisch zusammen. Schon jetzt sehr lecker und mit sicher mit großer Zukunft. Wine Spectator vergibt hier 97 Punkte, Parker 90-92 - Ich bin hier auf der Seite des WS und vergebe 95-97 Weinkaiser-Punkte.
Der 2004er dürfte der letzte klassische La Chapelle sein. Der letzte traditionell ausgebaute Jahrgang macht einen guten Eindruck, braucht aber ordentlich Zeit. Erinnert mich an den 1997er, den ich kürzlich bei einem Freund trinken durfte, dem man aber besser auch noch mehr Zeit gibt.
Die Jahrgänge 2005 und 2006 sind anders. Das Weingut Paul Jaboulet-Aîné wurde an eine Investorengruppe verkauft, der Stil des Weines wurde geändert, neue Barriques, internationaler Stil, frühere trinkreife. Keine schlechten Weine - aber nicht mehr der alte Hermitage La Chapelle. Das soll man auch sehen: Ab dem Jahrgang 2005 wurde ein neues, langweiliges Etikett eingeführt. Für eine Übergangszeit wird es aber parallel auch noch das alte geben. CWD gab bekannt, 2005 und 2006 ausschließlich die Version mit dem altem Etikett bestellt zu haben.
Die Probenliste:
2007 Côtes du Rhone Parallèle 45 Blanc
2005 Ceévalier de Stérimberg Hermitage Blanc
1985 Hermitage La Chapelle
1995 Hermitage La Chapelle
2001 Hermitage La Chapelle
2004 Hermitage La Chapelle
2005 Hermitage La Chapelle
2006 Hermitage La Chapelle