14. Februar 2009

Juliusspital Würzburger Stein Rieslaner Auslese 2000

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:02

Das Weingut Juliusspital wurde 1576 vom Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn nach Vorbild des Hospices de Beaune gegründet und ist damit eines der ältesten Weingüter Deutschlands. Juliusspital ist mit rund 170 ha eines der größten VDP-Weingüter. Die Qualität ist in den letzten 10 Jahren, die ich bei diesem Weingut überblicke, immer wieder schwankend. Vieles in dem breit gefächerten Sortiment ist, trotz großen Weingutsnamens und großer Lagennamen, leider nur durchschnittlich. Zwischendurch tauchen aber immer wieder einzelne tolle Weine auf (in den letzten Jahren vor allem die trockenen großen Gewächse).

Juliusspital Würzburger Stein Rieslaner Auslese 2000
Kräftiges goldgelb, starke Weinstein-Ablagerung am Flaschenboden, in der Nase Birne, reifer Pfirsisch, Dörrobst, Pflaumen, Quitten, Beerenfrucht, Gerbstoff, ein Hauch Lösungsmittel, im Mund kaum noch wahrnehmbare Restsüße, kräftige Säure, auch die 12 % Vol. sind deutlich spürbar. Insgesamt nicht mehr ganz harmonisch. Der Wein machte vor ein paar Jahren mehr Spaß, als er noch mehr spürbare Restsüße hatte. 84P

26. September 2008

H.G.Schwarz 20 letzte Müller-Catoir-Jahre

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 02:04

Hans Günter Schwarz und seine 20 letzte Jahre bei Müller-Catoir
Organisiert vom Weinforum “Weinfreaks” fand am vergangenen Wochenende in der Düsseldorfer Weinhandlung “La Vinesse” eine großartige Verkostung von Müller-Catoir-Weinen statt. 2001 ist der letzte Jahrgang dieses Pfälzer Spitzenweingutes, der unter der Federführung von Hans Günter Schwarz entstand. Danach ging der Kellermeister, der in über 40 Jahren die Weine von Müller-Catoir von Mittelmaß zu Weltruhm führte, in den verdienten (Un-)Ruhestand.

Zur Lebensleistung von H. G. Schwarz zählen nicht nur zahllose tolle Weine und das mittlerweile anerkannte Renommee seiner Lieblingsrebsorte Rieslaner, deren Potential Schwarz wie niemand anderes in der Weinwelt auszureizen verstand sondern auch die Ausbildung und Förderung einer ganzen Generation talentierter Pfälzer Nachwuchswinzer.

Aus den letzten 20 Jahren seiner Schaffenszeit, also den Jahren 1981-2001, wurden, auch mit der Unterstützung von Herrn Schwarz selbst, 23 Weine zusammengetragen. Man sagt immer wieder, wirklich große Weingüter erkenne man an der Qualität ihrer einfachsten Weine. Nun hatten wir keinen QbA in der Literflasche dabei, aber trockene Kabinett und Spätleseweine von 1990, 1993 und 1996. Alle waren toll gereift und mit 85P, 86P, 87P (2x) und 88P in einem von mir nicht erwartet guten Zustand.

Durch die 20-jährige Spanne zwischen den ältesten und den jüngsten Weinen wird auch der Stilwechsel bei den restsüßen Weinen nach dem Jahrgang 1989 deutlich. Die 1989er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Beerenauslese ist exemplarisch für den Versuch Pfälzer Sauternes zu erzeugen. Der Wein mit 12 % Vol. und deutlich weniger wahrnehmbarer Restsüße als bei später erzeugten MC-Süßweinen kommt in unserer Runde nicht besonders gut an. 82P

Als Gegenbeispiel für den Stil ab 1990 bietet sich traumhafte die 2001er Gimmeldinger Schlössel Rieslaner Beerenauslese an. Sehr erfrischend, fein, mit leichter Mineralik, intensiven Noten von Limonen- und Grapefruit in Mund und Nase, weißem Pfeffer im Mund und noch einer Menge Potential für die Zukunft. 98+P

Auch das Geschenk von Herrn Schwarz konnte sich sehen lassen. Die 1998er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese gehörte zu den leckersten Weinen des Abend. In Farbe und Stil viel jünger als das tatsächliche Alter von 10 Jahren wirkend, mit toller Frucht (vor allem Grapefruit), sehr elegant, einem tollen Süße/Säure-Spiel, unendlich lang und mit mehreren Jahrzehnten Zukunft. 96-97P

Bei der von Robert Parker (99PP) und diversen anderen hochgelobten 1994er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese dürfte es sich um einen abgestuften Eiswein oder eine zumindest noch teilweise gefroren gelesene Auslese handeln. Anders läst sich der enorme Säuregehalt nicht erklären. Der Wein hat zwar schöne Noten von Mandarine und Orange, ist mir aber einfach deutlich zu sauer. 90P

Bester Wein des Abends und erster 100-Punkte-Wein seit dem Start dieses Blogs war die 1999er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Trockenbeerenauslese. Ein wunderschöne goldgelbe Farbe, hoch konzentrierte aber ebenso feine Zitrus- und Orangennoten und ein grandioses Süße/Säure-Spiel. 100P (weiterlesen…)

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