20. August 2010

Unter dem Thema “Wein und Musik” hat der Wein-Reich-Blog die Weinrallye #36 ausgerufen. Man könnte nun darüber schreiben, welche Musik man zu welchem Wein hören soll, so wie es diverse Bücher gibt, welche Speisen zu welchem Wein passen oder welche Frau zu welchem Wein passen soll. In diesem Betrag wird aber darum gehen, welche Musik der Wein bei seiner Entstehung zu hören bekommt.

Winzer Reinhard Löwenstein vom Weingut Heymann-Löwenstein ist immer für neue Ideen zu haben und er wird sich gedacht haben, wenn schon bei Kühen erwiesen ist, das sie bei der richtigen Musik mehr und bessere Milch geben, warum soll sein sehr vom Terroir-Gedanken geprägter Wein nicht auch noch besser werden, wenn ihm natürliche heimische Musik vorgespielt wird. So wurden 2007 sechs Orgelpfeifen aufgehängt, die angetrieben vom Wind und seinen Geräuschen vor dem Weingut Klänge durch die Decke des über hundert Jahre alten Gewölbekellers leise Klänge in den Keller transportieren, die entfernt an Walgesänge erinnern. Ein Großteil der erzeugten Geräusche liegt dabei allerdings außerhalb des menschlichen Hörspektrums.

Neben den Orgelpfeifen kamen in der Folgezeit auch noch die Elemente den Keller. Dem Element Wasser wurde eine Installation gewidmet, bei der Moselgrundwasser aus einem Stein heraus austritt und über eine Stahlrinne durch eines der drei langen Kellergewölbe fließt.

Auch das Element Erde wurde ins rechte Licht gesetzt.

Auf echtes Feuer wurde dann doch verzichtet aber Beleuchtungselemente im gesamten Keller sollen das Element Feuer vertreten. Hier zu sehen an der Treppe in den Keller (weiterlesen…)
3. August 2010

Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Weininstituts (DWI) fanden am Wochenende im Hotel zum Rebstock in Klüsserath an der Mosel die zweiten Twitter Wine Awards statt. Thema der TWA2 war “Riesling World Wide”. Der Wettbewerb, bei dem diesmal Weine bis zum Maximalpreis von 15 Euro zugelassen waren erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Anzahl der teilnehmenden Weine hast sich seit der ersten Ausgabe glatt verdoppelt. Bei der TWA1 im fränkischen Sauernheim waren schon respektable 70 Weine am Start, bei dieser Ausgabe nun fast 140.

Die Kategorie der trockenen Rieslingen war mit 102 Weinen erwartungsgemäß am stärksten besetzt, die Gruppen der feinherben, fruchtigen und edelsüßen demzufolge deutlich kleiner. Das wird auch daran gelegen haben, dass das DWI als Preis ausgelobt hatte, für das Siegerweingut in der Kategorie Riesling trocken die Produktionskosten eines Imagevideos zu übernehmen. Die weit überwiegende Anzahl der Rieslinge stammte erwartungsgemäß aus Deutschland, es waren aber auch Exemplare aus dem Elsass, Österreich, Slowenien, Spanien und Neuseeland am im Aufgebot.

Die knapp mehr als 30 zur Verkostung angetretenen Teilnehmer waren aus der gesamten Republik (z.B. aus allen Ecken Bayerns, vom Bodensee, aus dem Ruhrgebiet, von Berlin, aus Hamburg und Schleswig-Holstein) angereist und reichten vom interessierten Laien über eine erfahrene Sommelière bis hin zu sieben Winzerinnen und Winzern (von Mosel, Pfalz, Rheingau und Rheinhessen). (weiterlesen…)
30. Juli 2010

Alle zwei Jahre vergibt das Land Rheinland-Pfalz, vertreten durch das Wirtschaftsministerium unter Hendrik Hering, Preise für die besten Rieslinge in sieben verschiedenen Kategorien (trocken, halbtrocken, fruchtig, edelsüß, bester Europäischer außerhalb Deutschlands, bester aus Übersee und beste Kollektion).
Die Fachjury setzte sich aus fast 150 Sommeliers, Önologen, Winzern, Weinhändlern und Fachjournalisten zusammen, darunter renommierte Experten aus Australien, Nordamerika und Europa.

Nach der Einführung in die Verkostung durch den Leiter der Abteilung Weinbau und Önologie des DLR Neustadt Prof. Dr. Ulrich Fischer. In den Räumlichkeiten des DLR fanden die beiden ersten Verkostungstage statt.
DLR steht für Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, wovon es in Rheinland-Pfalz sechs unterschiedliche Varianten gibt. Die Pfälzer Ausgabe ist die frühere Forschungsanstalt für Weinbau und Gartenbau Rheinland-Pfalz.

Mein Jurytisch am ersten Verkostungstag: u.a. mit der Pfälzer Weinbaulegende Hans Günther Schwarz, dem ehemaligen Verwalter und Kellermeister von Müller-Catoir. Den Tischvorsitz führte Wolfgang Behrens.

Bei insgesamt fast 1900 Rieslingen musste jede Teil-Jury ca 140 Weine bewerten. Wir hatten 78 Trockene am ersten Tag und 58 Feinherbe bis Edelsüße am Tag zwei zu bewerten.

Bei der Schlagzahl und der großen Ähnlichkeit vieler angestellter Weine, ist volle Konzentration gefordert, wodurch eine solche Verkostung zeitweise schon mal mehr Arbeit als Vergnügen bereiten kann. Dazu kam, dass wir an zwei der heißesten Tage diesen Jahres im Einsatz waren und dass nur einer der Verkostungsräume über eine Klimaanlage verfügte.

Ein Muster des Verkostungsbogens. Meine beiden Jurys hatten (neben ca. 10 Testbögen für Pegelweine) 136 solcher Bögen auszufüllen, im Durchschnitt im 4-Minuten-Takt. (weiterlesen…)
20. Juli 2010

Im Rahmen der Ruhr 2010, also des Programms der Metropole Ruhr in ihrer Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2010, fand am Wochenende mit offiziell rund drei Millionen Besuchern eine der größten Tagesveranstaltungen aller Zeiten statt: A40 - Still-Leben Ruhrschnellweg.
Auf der auch Ruhrschnellweg genannten Autobahn A40 zwischen Duisburg und Dortmund (der meistbefahrenen Autobahn Europas) wurde in der Nacht zum Sonntag ein 60 Kilometer langer Tisch aus tausenden Biertischgarnituren aufgebaut, die für diesen Tag an Firmen, Organisationen und Privatleute vergeben/vermietet wurden.

Für das Weinforum Ruhrgebiet hat Uwe Bende drei solcher Tische erstanden und dort unter dem Titel Riesling trifft Kohle eine tolle Verkostung mit 30 zum Teil großartigen Rieslingen aus den letzten 50 Jahren organisiert.

Rund zwanzig Rieslingfreunde, darunter Weinblogger Thomas Günther von Weinverkostungen.de, Wein-Historiker Peter Jakob (marcodatini.posterous.com) und Winzer Gernot Kollmann vom Enkircher (Mosel) Weingut Immich Batterieberg.

Die Weine wurden von Uwe Bende zusammengetragen, unterstützt von Gernot Kollmann, der zwei Flaschen 1964er Riesling naturrein aus der Schatzkammer des von ihm vor kurzem übernommenen Weinguts Immich Batterieberg,

sowie einen 2000er Van Volxem Scharzhofberger Riesling Kabinett, den er in seiner damaligen Rolle als Kellermeister von Van Volxem geschaffen hat und einen meiner Lieblingsweine: eine 2007er Winninger Röttgen Riesling Spätlese Alte Reben vom Weingut Reinhard und Beate Knebel, bei dem Gernot Kollmann in den letzten Jahren als Berater tätig war.

Unsere kleine Verkostungsliste
Teil 1 - trocken:
Peter Jakob Kühn Oestricher Riesling (eine Traube) 2004
Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen R 2001
Peter Jakob Kühn Quarzit Riesling trocken 2007
Koehler Ruprecht Kallstadter Saumagen R Riesling Auslese trocken 2001
Wittmann Westhofen Morstein weißer Riesling Spätlese trocken 1990
Kaßner-Simon Freinsheimer Oschelskopf Riesling Auslese trocken 1990
Toni Jost Martinsthaler Rödchen Riesling Kabinett trocken 1990
Cave Kientzheim Kayserberg Fürstentum Riesling Grand Cru 1995
Laible Durbacher Plauelrain SL Riesling Spätlese trocken 2001
Wittmann Westhofen Aulerde Riesling GG 2001
George Rüdesheim Berg Rottland Riesling trocken 2003
Klaus Peter Keller Riesling trocken von der Fels 2005
Die Weine waren allesamt in erstaunlich gutem Zustand, einzig die 1990er Morstein Spätlese trocken von Wittmann war durch einen undichten Korken etwas zu stark oxidiert, was aber wohl eindeutig ein Flaschenfehler war, denn mehrere Teilnehmer hatten diesen Wein noch vor kurzem in einwandfreiem Zustand verkostet. (weiterlesen…)
8. Juli 2010

Domänenverwalter Christian Witte hatte zur Präsentation des Jahrgangs 2009 der Domäne Schloss Johannisberg und des Weingutes G.H. von Mumm in den Spätlesereitersaal des Schlosses geladen. Zudem sei eine Kellerbesichtigung vorgesehen und es gebe auch “etwas älteres” zu verkosten.
Auch wenn man als Weinschreibender viele Einladungen zu interessanten Veranstaltungen erhält, bleibt Schloss Johannisberg immer etwas besonderes.

Schloss Johannisberg ist, seit 1720 der komplette Johannisberg mit Riesling bepflanzt wurde, das erste reine “Riesling-Weingut” der Welt und der Ort an dem 1775 der in meinen Augen schönste Weißweinstil - die fruchtige Riesling Spätlese - zumindest offiziell erstmals entstanden ist.
Den Rheingauer Weingütern war im 18. Jahrhundert in jedem Herbst eine Leseerlaubnis von ihren Gemeinden vorgeschrieben. Anders beim Schlossgut Johannisberg, das dem Bistum Fulda gehörte. Die Johannisberger Mönche mussten seit 1718 alljährlich auf die Leseerlaubnis beim Fürstbischof in Fulda einholen. Sie schickten deshalb einen Reiterboten mit einer Probe Johannisberger Trauben nach Fulda, doch in jenem Jahr verspätete sich die Rückkehr des auch Herbstkurier genannten Boten aus bis heute umstrittenen Gründen um 8 - 14 Tage. Die Trauben im Weinberg waren inzwischen kräftig von der Edelfäule Botrytis befallen, geschrumpft und daher hochkonzentriert. Das Ergebnis im nächsten Frühjahr war die erste edelsüße Riesling Spätlese. Die damaligen ersten Spätlesen waren allerdings so konzentriert, dass sie heute wohl eher als Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese (TBA) bezeichnet würden.
Heute bewirtschaftet die Domäne Schloss Johannisberg in ihrer Monopollage 35 ha Riesling und das Schwesterweingut G.H.von Mumm noch einmal weitere 65 ha Riesling und Burgundersorten (u.a. auch im Assmannshäuser Höllenberg). Die beiden Güter beschäftigen zusammen 40 hauptberufliche Mitarbeiter sowie weitere bis zu 120 Helfer zu Lesezeit. Alleineigentümer die beiden Weingüter ist die zur Oetker-Gruppe gehörende Sektkellerei Henkell & Söhnlein.

Wenige Meter vor dem Schloss verläuft der 50. Breitengrad mitten durch den Johannisberg. Mehrere Stehlen im Weinberg zeigen den genauen Verlauf. Vor der Klimaerwärmung galt der 50. Breitengrad als nördliche Grenze für den Qualitätsweinbau überhaupt. Das Risiko mangelnder Reife hat sich aber vorerst erledigt. Heute reifen die Trauben im Johannisberg in jedem Jahr komplett aus und für trockene Weine ist mittlerweile eher eine zu hohe Traubenreife und das damit verbundene Risiko zu hoher Alkoholgrade ein Problem.

In zeitweiser Ermangelung von Etiketten wurden die Weine seit der Zeit von Fürst Metternich durch Lackfarben unterschieden (von Fürst Metternich stammt auch die bis heute umgesetzte Anweisung von 1830, keinen Flaschenwein ohne die Unterschrift des Kellermeisters auf dem Etikett herauszugeben. Heute tragen die Etiketten die Unterschrift von Gutsverwalter Christian Witte). Im Spätlesereitersaal erklärt eine Wandtafel das bunte Farbenspiel der Kapseln und Lacke:

Dazu kommt mit dem Silberlack noch das erstmals mit dem Jahrgang 2005 gefüllte Erste Gewächs (unten in der Bildmitte der aktuellen Kollektion).

Heute nicht mehr in Verwendung, aber aus früheren Jahrgängen noch reichlich im Schlosskeller vorhanden: „Orangelack“ für gehobene Kabinett-Qualität, „Weißlack“ für beste Spätlesen und „Goldblaulack“ für feinste Auslesen. Hier zu sehen neben einer Reihe weiterer historischer Flaschen.

Die Verkostung begann mit einem wunderbar weinigen Fürst von Metternich Rieslingsekt Brut 2008, der Qualitativ deutlich über der Supermarktware des Hauses liegt aber leider nur an gehobene Gastronomie abgebegen wird und nicht für Endkunden im Handel erhältlich ist.
Schon bei den Gutsrieslingen findet sich einwandfreiere Qualität, besonders der einfache lagenlose G.H. von Mumm Rheingau Riesling überraschte mich dabei positiv. Am besten gefiel mir aktuell der trockene Riesling QbA aus dem Johannisberger Hansenberg. Schon ein ganze Klasse darüber, sowohl qualitativ wie preislich ist der Schloss Johannisberger Rotlack Kabinett, sowohl in der trockenen als auch in der feinherben Variante.
Danach ging es an zwei 2008er Erste Gewächse (EG) und die 2009er EG Fassproben aus vier Einzellagen. Bester trockener Wein des Tages war zweifellos das schon jetzt großartige 2008er Schloss Johannisberger Silberlack Riesling Erstes Gewächs mit einem für den Rheingau selten feinen Säurespiel und wunderbaren Kräuternoten. Das 2008er Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs von Mumm ist zwar auch schön, kommt aber an den Johannisberger derzeit nicht heran. Dafür ist die Fassprobe des 2009er EG aus dem Berg Rottland mit seinen feinen Hefe- und Kräuteraromen zur Zeit schon am weitesten. Die EG-Fassproben aus Johannisberger Hölle und Johannisberger Mittelhölle sind ähnlich im Stil, aber derzeit noch etwas verschlossener. Ebenso die Fassprobe des 2009er Schloss Johannisberger Silberlack Riesling Erstes Gewächs. Sie entstand merkbar aus hochreifem Lesegut, scheint wieder etwas typischer den klassischen Rheingaustil abzubilden, kommt derzeit allerdings natürlich noch nicht an die bereits seit fast einem Jahr gefüllte Vorjahresversion heran. Die schönen Hefe- und Kräuteraromen ziehen sich durch alle großen Gewächse der beiden Güter, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass im Schlosskeller mit geführter Spontangärung gearbeitet wird, bei der ein gelungener, spontaner Gäransatz von Fass zu Fass weitergeimpft wird.
Die Grünlack Spätlese ist bei der Geschichte dieses Weinguts natürlich auch ein besonderer Wein. Es dürfte wohl auch die meistverkaufte Spitzenspätlese in Deutschland sein. Mir fällt zumindest kein anderes deutsches Weingut ein, das es schafft jährlich mehrere 10.000 fruchtige Spätlesen im Inland abzusetzen. Bei den anderen Erzeugern von Top-Spätlesen dürfte auch der Exportanteil deutlich höher liegen als die rund 50 % bei Schloss Johannisberg. Die 2009er Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese ist derzeit noch recht verhalten. Trotzdem sind schon merklich Pfirsich- und Zitrusnoten, etwas Mineralik und auch wieder Kräuteraromen zu erkennen. Obwohl das Traubenmaterial sicher deutlich höhere Öchslegrade aufwies, als für Spätlesen mindestens vorgeschrieben, wirkt der Wein doch spritzig und erfrischend. Eben eine klassische Spätlese! Schloss Johannisberg ist glücklicherweise nicht in den Wettbewerb um die fetteste, der zur Spätlese abgestuften Auslesen eingestiegen (wie es z.B. das nur wenige Kilometer entfernt gelegene und ebenfalls sehr renommierte Weingut Robert Weil regelmäßig macht, dessen aktuelle Top-Spätlese aus dem Kiedricher Gräfenberg nur haarscharf die gesetzlichen Anforderungen an eine Beerenauslese verpasst - ein großartiger Wein aber stilistisch definitiv keine Spätlese mehr!).

Im Jahrgang 2009 ist bei Schloss Johannisberg auch eine tolle Kollektion edelsüßer Weine gelungen. An der Spitze stehen ein wunderbarer Schloss Johannisberger Blaulack Eiswein mit tollem Süße-Säure-Spiel und mein persönlicher Favorit des Tages, die Fassprobe einer Schloss Johannisberger Goldlack Trockenbeerenauslese (TBA) der Extraklasse. Die Analysedaten sind noch nicht bekannt, das Ausgangsmaterial soll aber zwischen 180° und 200° Oechsle gelegen haben. Verwalter Christian Witte ist überzeugt, dass Riesling-TBAs aus diesem Oechsle-Bereich auf Dauer einen höheren Trinkgenuss bereiten als extrem konzentrierte TBAs mit inneren Rekordwerten (den Weltrekord hält derzeit Moselwinzer Markus Molitor mit 331 Grad Öchsle im Jahr 2003 in der Zeltinger Sonnenuhr), die zwar kurzfristig einen spektakulären Eindruck vermitteln aber nach wenigen Schlucken bereits ein Gefühl der Übersättigung hinterlassen. An der auch mit ausreichend Säure ausgestatteten 2009er Schloss Johannisberger Riesling TBA hingegen könnte ich mich trotz ihres noch viel zu jungen Alters schon jetzt stundenlang begeistern.
Außer den aktuellen Weinen des 2009er Jahrgangs und einiger Vorjahresweine wurden auch einige Raritäten aus den letzten Jahrzehnten geöffnet:

Schloss Johannisberger Rosalack Riesling Auslese 2002
Schloss Johannisberger Rotlack Riesling Kabinett 1985
Schloss Johannisberger Gelblack Riesling Qualitätswein 1970
Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese 1964
Ein 40 Jahre alter und immer noch trinkbarer Riesling QbA ist natürlich schon etwas besonderes, hier ist es allerdings erst der Anfang. Die 2002er Auslese mit ihren intensiven Pfirsich- und Botrytisaromen ist bereits recht weit entwickelt, macht aber auch schon richtig Spaß. Noch spannender ist der älteste Wein in der Runde, eine wunderbar gereifte 1964er Riesling Spätlese. Der Grünlack ist also mittlerweile 46 Jahre alt und noch immer in perfektem Zustand. Die Weine wurden, wie bei Schloss Johannisberg alle 30 Jahre üblich, neu verkorkt. Daher auch die Kapseln mit aktuellem VDP-Logo.
Nach der Verkostung ging es ins Allerheiligste: Den berühmten Schlosskeller! (weiterlesen…)
18. Juni 2010

Winzer Ulli Stein (oder besser Dipl.-Biologe und Weinbauingenieur Dr. Ulrich Stein) vom Weingut Wein-Erbhof Stein aus Bullay hat in den letzten Jahren schon eine ganze Reihe namhafter Künstler überzeugen können, Etiketten für seine Weine zu gestalten.
Darunter mit Autor Robert Gernhardt, Zeichner und Autor F.K. Waechter sowie Autor und Karikaturist F.W. Bernstein drei Mitbegründer der neuen Frankfurter Schule. Dazu die Frankfurter Karikaturisten Greser & Lenz, Maler und Grafiker Johannes Nawrath und für den nur im Jahrgang 2006 erzeugten Domwein aus der Lage Senheimer Vogteiberg, die von 1140 bis zur Säkularisation um 1800 im Besitz der Kölner Domkirche war, BAP-Leadsänger Wolfgang Niedecken.
Als Ulli Stein vor einigen Monaten erfuhr, dass auch der mit einigen der oben genannten Künstlerkollegen befreundete Vicco von Bülow alias Loriot seine Stein-Weine schätzt, war schnell die Idee geboren, auch von ihm eine Zeichnung für ein eigenes Etikett zu erbitten. Zum Weingut Stein passt natürlich vor allem die berühmte Steinlaus, die mittlerweile in vielen Lexika zu finden ist. Für das Etikett der trockenen Riesling Spätlese aus den St. Aldegunder Palmberg Terrassen, dem steinigsten und mineralischsten aller Stein-Weine, zeichnete Loriot daher eine neue und farbigere Version seiner Steinlaus.

22. Mai 2010

Am Tag der Jahrgangspräsentation der 2009er Kollektion des Weinguts Balthasar Ress hatte Jungwinzer Christian Ress zu einer morgendlichen “kleinen Wanderung durch die Hattenheimer Gemarkung” eingeladen.

Ich hatte solche Wanderungen schon bei mehreren anderen Weingütern erlebt und vielleicht 20 Wanderwillige erwartet. Dabei hatte ich wohl den Kundenstamm des Weinguts Balthasar Ress unterschätzt.

Mit geschätzt 150 Weinwanderern, die auf Außenstehende wohl wie ein hundert Meter langer Demonstrationszug wirken mussten, ging es durch die Hattenheimer Weinberge und einen Teil des bekannten Hattenheimer Brunnenwegs. (weiterlesen…)
19. Mai 2010

Im Rahmen der Aktion “Chefreakteur für einen Tag” (#cr41day) der Rhein-Zeitung durfte Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo am gestrigen Dienstag für einen Tag in die Rolle des Chefredakteurs schlüpfen. Heute erscheint die von ihm verantwortete Ausgabe der Rhein-Zeitung (Verbreitungsgebiet: nördliches Rheinland-Pfalz von Mainz bis an die nordrhein-westfälische Landesgrenze kurz vor Bonn).
Auf einer landesweit erscheinenden Seite stellte Kurzzeitchef Lobo dabei den drei Weinbloggern Mario Scheuermann (DrinkTank), Dirk Würtz (Würtz-Wein) und dem Weinkaiser-Blog Platz für Weintipps und ein Weingutsportrait zu Verfügung. Auf die halbe Zeitungseite passten natürlich nur Kurzfassungen der Epfehlungen. Die ausführlichen Fassungen der drei Beträge finden Sie auf der Internetseite der Rhein-Zeitung unter “Wein-Wissen aus dem Netz: Drei Blogger geben Tipps“. Die kompletten ePaper- und die PDF-Ausgaben der Rhein-Zeitung sind heute und morgen übrigens kostenlos abrufbar.
Den Weinkaiser-Beitrag finden Sie auch hier:
Immer wieder lecker:
Die zartfruchtigen Riesling Kabinett- und Spätlese-Weine vom Weingut Reinhard & Beate Knebel aus der Steillage Winninger Röttgen gehören zu den allerbesten Weinen ihrer Art. Egal ob der etwas leichtere und frischere Röttgen Kabinett, die konzentriertere Röttgen Spätlese oder die hochkomplexe Röttgen Spätlese Alte Reben:

Diese Weine mit ihren intensiven Steinobst- und Zitrusfruchtaromen, der feinen Süße, der wunderbar herben und leicht kräutrigen Mineralität und der erfrischen Säure haben hohes Suchtpotential. Diese Mosel-Rieslinge schmecken übrigens nicht nur jung. Beim Kabinett über 5-6 Jahre und bei den Spätlesen über mindestens acht Jahre werden die Aromen immer komplexer und die Süße wird im Gegenzug immer geringer wahrnehmbar. Gute Rieslinge zeigen ihr volles Potential eben meist erst mit ein paar Jahren Reife.
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17. Mai 2010

Zum achten Mal fand am vergangenen Sonntag das Steillagenweinfest Winningen im Brückstückweg durch die Winninger Steillagen Brückstück und Röttgen statt. Auf etwas über zwei Kilometern konnte an neun Ständen Wein verkostet oder geschlemmt werden. (weiterlesen…)

Der Weinberg Bopparder Hamm erstreckt sich über ca. sechs Kilometer von Boppard bis Spay. Die bekannten Steillagen bilden den nach Süden ausgerichteten Teil der S-förmigen Rheinschleife. Der Name „Hamm“ leitet sich vom lateinischen Begriff „hamus“ ab, was je nach Kontext Haken oder Angelhaken bedeutet. Mit rund 80 ha ist der Bopparder Hamm die größte zusammenhängende Fläche hochklassiger Lagen am Mittelrhein.

Der Weinberg ist in sieben Sublagen aufgeteilt. Das Kernstück bilden die vier ideal nach Süden exponierten Lagen Engelstein, Feuerlay, Mandelstein und Ohlenberg. Die drei einfacheren Lagen heißen Elfenlay, Fässerlay und Weingrube. Die Lage Feuerlay wird als der beste Teil des Bopparder Hamms angesehen und ist wie der qualitativ an nächsten liegende Mandestein vom VDP als “Erste Lage” anerkannt. In der Lage Feuerlay wird wie im Mittelstück des Winninger Uhlen der Schieferverwitterungsboden von der stark kalkhaltigen Laubach-Gesteinsschicht durchzogen. Das Winninger Weingut Heymann-Löwenstein erzteugt mit seinem Uhlen Laubach Riesling einen Wein ausschließlich von diesen Böden, was in vielen Jahren einen erstaunlich stark an große Burgunder erinnernden Wein ergibt. Leider wurde der Wert dieser Gesteinsformationen im Bopparder Hamm erst nach den großen Flurbereinigungsmaßnahmen 1966 und 1985 erkannt, so dass die Laubach-Schicht heute nicht mehr so klar definiert ist, wie sie einmal war. Mehr zur Lage Bopparder Hamm im Mittelrhein-Weinführer.

Bopparder-Hamm-Rieslinge des Jahrgangs 2008 aus dem Bopparder Hamm gemeinsam verkostet mit Freunden und einigen Teilnehmern eines Bonner VHS-Weinkurses (weiterlesen…)
15. Mai 2010

Am letzten April-Wochenende findet seit einigen Jahren regelmäßig der Mittelrheinische Weinfrühling in den Weinbergslagen des Bopparder Hamm statt.

Bei wunderbarem Wetter wurde der Seitenstreifen der B9 auf der kompletten Strecke von Spay bis Boppard zum wilden Veranstaltungsparkplatz. Mit den Autos von einigen tausend Besuchern, die trotz guten park-and-ride-Angebots größtenteils mit dem PKW anreisten, waren die Parkplätze in Spay und Boppard einfach überfordert.

Nach unserer Ankunft in Spay mussten erst einmal gut hundert Höhenmeter zum Veranstaltungsort auf halber Höhe des Weinbergs überwunden werden.

Bei Mitte zwanzig Grad und strahlendem Sonnenschein lies der Anstieg schnell ein Gefühl dafür aufkommen, wie anstrengend die tägliche Arbiet im Weinberg sein muss.

An der aus unserer Richtung ersten Station, dem Stand vom Weingut Matthias Müller, einem der beiden besten Winzer im Bopparder Hamm angekommen, konnte problemlos der Eindruck aufkommen, hier sei gerade eine Völkerwanderung im Gange.

Auf einer Strecke von rund drei Kilometern verteilten sich in diesem Jahr Weinstände von 15 in diesem Weinberg vertretenen Winzern und vier Verpflegungsstationen örtlicher Gastronomen. (weiterlesen…)
10. Mai 2010

Wie bereits berichtet, stellte das Weingut St. Antony aus dem rheinhessischen Nierstein in diesem Jahr einigen Weinbloggern und der Twitter-Weinszene einige seiner Weine vor der offiziellen Markteinführung zum Test zur Verfügung. Unter dem Link findet sich auch ein Weingutsportrait. Waren es im Ende Februar der Riesling Bodenschatz 2009 und der 2009er Rose, so sind es diesmal der Riesling Rotschiefer 2009 und Weißburgunder 2009.
St. Antony Weißburgunder 2009
Der mit Schraubverschluss (Stelvin+) verschlossene Weißburgunder 2009 stammt aus Trauben aus der Umstellung zum ökologischen Landbau. Helles Gelb, für einen Stillwein noch richtig kräftige Kohlensäure, sehr milde Säure, schöne Nussaromen, Zitrus, Quitten, wirkt sensorisch nicht absolut trocken. Das feine leichte rheinhessische Gegenmodel zu den kräftigen Badischen Weißburgundern. Vielseitiger Speisenbegleiter auch für all jene, die bei Riesling ein Säureproblem haben. Wirkt abgesehen von der Kohlensäure schon deutlich harmonischer und trinkfertiger als der Rotschiefer Riesling. 83P
St. Antony Riesling Rotschiefer 2009
Der Rotschiefer kommt in sehr hochwertiger Ausstattung mit Glasverschluss daher und enthält laut Etikett einen Riesling aus alten Reben in Steillagen die in ökologischen Anbau bewirtschaftet werden. Der Wein ist einfach noch sehr jung, hat noch etwas Kohlensäure, eine schöne frische Säure, saftige Frucht mit Noten von Pfirsich, Limonen und Stachelbeeren, etwas cremiges mit einem Hauch Vanille, durch ein wenig Gerbstoffe ein angenehm herbe Note und eine leichte mineralische Würze. Mit 13% Vol. ein Hauch zu viel Alkohol. Mir scheint, für Rieslinge dieser Klasse ist 12,5 % Vol. der ideale Alkoholgehalt. Ich habe den Wein über 5 Tage getrunken, er verlor nur etwas seiner frische, blieb ansonsten sehr stabil. 87+P
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8. Mai 2010

In Mitten der Großbaustelle mit den Vorbereitungen für die Bundesgartenschau im nächsten Jahr präsentierten im Kurfürstlichen Schloss zu Koblenz auch in diesem Jahr wieder über hundert Rheinland-Pfälzische Weinguter sowie neun Weingüter aus der Gastregion Burgenland ihre aktuellen Weine. Darunter auch das Ruster Weingut Feiler-Artinger, in dessen Gutsgebäude die ARD-Serie Winzerkönig gedreht wurde und das sich in den letzten Jahren an die absolute Spitze am Neusiedler Sees vorgearbeitet hat. Leider hatte Seniorchef Hans Feiler nicht alles dabei, was sein Sohn Kurt in der letzten Zeit an großartigen Süßweinen (v.a. Ruster Ausbruch Essenz) erzeugt hat.
Anders am Stand von Willi Opitz, der mir hier seine Visitenkarte entgegenstreckt. Neben den im offiziellen Programm verzeichneten Weinen hatte er eine ganze Reihe seiner mit Preisen überhäuften Trockenbeerenauslesen dabei, die er an Interessierte gleich mit passenden Käsen, Früchten, Schokoladen oder anderen Süßspeisen verteilte. Der sympathische Weinverrückte hat seinen Weinstand kurzerhand in eine Showküche für kleine Köstlichkeiten verwandelt und auch seine Weine präsentierten sich wunderbar.

Bei den deutschen Weingütern wussten vor allem die üblichen Verdächtigen zu begeistern: Das Winninger Weingut Reinhard und Beate Knebel hat in den letzten Jahren aus der Lage Winninger Röttgen mehrfach eine der besten Riesling Spätlesen Deutschlands sowie weitere großartige Süßweine erzeugt und schließt daran auch in diesem Jahr nahtlos an.
Auch im Bopparder Hamm sind wieder sehr schöne Weine entstanden. An der Spitze wie in den Vorjahren das Weingut Weingart mit einer von vorne bis hinten makellosen Kollektion, gefolgt vom Weingut Matthias Müller, dessen Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese “Edition MM” mir besonders gut gefallen hat (Matthias Müller adelt in jedem Jahr die ein-zwei Weine, die ihm am besten gefallen, mit seiner betriebsinternen Auszeichnung “Edition MM” und in den letzten Jahren, war auf darauf absolut Verlass) und dem auf der dem Bopparder Hamm gegenüber liegenden Rheinseite gelegenen Weingut Didinger. Die Mittelrhein-Weine haben schon traditionell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aber das Weingut Didinger ist in dieser Disziplin zumindest bei seinen besten Weinen kaum noch zu übertreffen.
Das Weingut Tesch hat in den letzten Monaten mit einigen spektakulären Veranstaltungen auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Riesling Unplugged ist mit erstaunlichem Erfolg ein Einstieg in die Zielgruppe der Rockfestival-Besucher erreicht worden. Der Unplugged ist für 8 Euro natürlich nicht so spektakulär, wie einige der Tesch-Events, aber doch gute Qualität fürs faires Geld. Richtig spannend wird es den Lagenrieslingen, für die nur 2-4 Euro mehr anfallen, was zumindest beim St. Remigiusberg für 12 Euro ein echtes Schnäppchen für Freunde guter und richtig trockener Rieslinge ist.
Eine Neuentdeckung für mich war das Weingut Stephan Fischer in Zell an der Mosel. Die in Koblenz gezeigten spontan vergorenen 2009er Rieslinge Spätlese (73 g RZ, 8,1 g Säure, 9 % Vo.l, 7 Euro) und Auslese (106 g RZ, 7,9 g Säure, 7,5 % Vol., 9 Euro) aus dem Zeller Nußberg zeigten tolle Hefe- und Fruchtaromen und sollten sich in den nächsten Jahren wunderbar entwickeln.
Wenn es für eine Party oder im Hochsommer einmal kein Riesling sein soll, ist diese erfrischend fruchtige Morio Muskat Spätlese 2009 aus dem Rhodter Klosterpfad vom Weingut Gries in der Südpfalz für kleine 4,20 Euro vielleicht mal eine gelungene Abwechslung
Neben der Möglichkeit, sich durch das Angebot der vielen Weingüter zu probieren, gab es auch in diesem Jahr wieder ein kleines Seminarangebot der Deutschen Wein- und Sommelierschule. In einem Seminar zeigte Peter Gebler (unter anderem einer der beiden einzigen deutschen Cape Wine Master aber auch anerkannter Experte Österreichischen Weins) die Unterschiede im Stil zwischen dem Österreichischen Blaufränkisch und dem Württembergischen Lemberger - der selben Rebsorte, die aber durch unterschiedliche Ausbauvarianten in den beiden Regionen und anderes Terroir zu ganz verschiedenen Weinstilen führt. Den besten Blaufränkisch der letzten Zeit hatte ich gerade am Vorabend in Dirk Würtz Köigsmühle probiert. Der Österreichische Weinjournalist Helmut Knall (Knalli) ist selbst unter die Winzer gegangen und hatte uns seinem KNALLROT mitgebracht, bei dem er ganze Arbeit geleistet hat. Mit rund 32 Euro ist dieser Wein sicher nicht gerade billig, aber für diesen Preis gibt es dann auch richtig gute Qualität im Glas. (weiterlesen…)
15. März 2010

Der vergangene Samstag stand bei mir komplett im Zeichen des Rieslings. Gemeinsam mit drei Weinfreunden (Verena Di Pauli, Michael Gmall und dem Direttore - Philipp Erik Breitenfeld) ging es zuerst zum Mittagessen in Josef Laufers Hotel Zum Krug nach Hattenheim. Das 1720 erbaute Hotel ist nicht nur ein optischer Leckerbissen von außen und innen, hier wird auch gut gekocht und vor allem gibt es im Krug eine großartige Weinkarte mit Rheingauer Weinen bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts hinein.

Wir begannen mit der Edition “1467″ Riesling Feinherb 2007 vom Eltviller Weingut Koegler, einem herrlich erfrischenden Riesling mit nur ganz dezenter Restsüße. Das Weingut Koegler, das seit Jahren eine gute Qualität abliefert, ist in den letzten Jahren vor allem mit einem Experiment in den Schlagzeilen gewesen: Als erstes Weingut im Rheingau baut Koegler seit wenigen Jahren die aus Österreich bekannte, im Vergleich zu Riesling etwas säureärmere und dadurch für viele Menschen bekömmlichere Rebsorte Grüner Veltliner an.

Es folgte ein 18 Jahre alter Riesling Kabinett, der im Krug auch glasweise ausgeschenkt wird. Der Riesling Kabinett 1992 aus der Toplage Rauenthaler Baiken von den Staatsweingütern Kloster Eberbach mit seiner leichten Firne, kräftigen Karamellnoten, ein wenig verbliebener Restüße und auch noch der nötigen Säure wirkte überhaupt nicht zu alt. Einen solch wunderbar gereiften Wein offen auf die Karte zu setzen trauen sich leider viel zu wenige Restaurants. In zu vielen Restaurants gibt es ja heute nicht einmal mehr flaschenweise einen Weißwein, der älter als fünf Jahre ist.

Zum Hauptgang wurde noch etwas tiefer in die Schatzkammer gegriffen und eine 1993er Riesling Auslese Trocken aus dem Wallufer Walkenberg vom Rheingauer Spitzenweingut J.B. Becker hervorgezaubert. Der Wein machte in den rund 60-70 Minuten, in denen wir ihn immer wieder probierten eine riesengroße Entwicklung durch. In den ersten Minuten etwas unangenehm staubig mit kräftiger Firne wirkend, veränderte sich der Geschmack erst für einige Minuten in Richtung Karamell um sich dann sehr intensiv in etwas Petroleum-, Diesel- oder Altölartiges zu verwandeln. Erst einmal zur Seite gestellt war der unangenehme Treibstoff-Ton aber schon eine Viertelstunde später wieder komplett verschwunden. Nur ein Hauch Firne blieb. Ein spannender Wein, uns aber zu (knochen-)trocken und mit 14,5 Vol. auch etwas zu alkoholisch. Hochkonzentriert und ein gutes Beispiel dafür, dass es für einen Wein, der lange reifen können soll, besser gewesen wäre, auf etwas Alkohol zu verzichten und dafür etwas Restzucker übrig zu lassen (den man nach einigen Jahren sowieso nicht mehr als süß wahrnehmen würde). Der Wein wäre heute also trotzdem sensorisch trocken aber deutlich harmonischer.

Nach dem Essen ging es in die nur hundert Meter entfernt liegende Winebank im oder besser unter dem Weingut Balthasar Ress. Einige mitgebrachte Schätze sollten hier eingelagert werden. (weiterlesen…)
12. März 2010

Das Weingut St. Antony aus dem rheinhessischen Nierstein ist stellte in diesem Jahr einigen Weinbloggern und der Twitter-Weinszene seinen Riesling Bodenschatz 2009 und den 2009er Rose vor der offiziellen Markteinführung zum Test zur Verfügung.
Beim Weingut St. Antony ist derzeit viel in Bewegung. Im Jahre 2005 hat Unternehmer Detlev Meyer St. Antony von der MAN AG übernommen. Bis dahin war das Weingut immer in Industriebesitz. Gegründet unter dem Namen Gutehoffnungshütte als Anhängsel einer Kalkgrube wurde hier ab 1920 Wein von den grubenumgebenden Flächen produziert, der in den ersten Jahren allerdings nur Konzernintern verwendet wurde. Im Laufe der Jahre wurde dann in weitere und hochwertigere Lagen investiert. Nach Konzernumstrukturierungen 1986 heißt die Eigentümerin in der Folge MAN AG und die brachte auch gleich einen neuen Weingutsnamen mit: St. Antony, benannt nach der ersten Eisenhütte des Ruhrgebiets, der 1760 errichteten St. Antony-Hütte in Oberhausen-Klosterhardt.
Neben St. Antony erwarb die aktuelle Eigentümerfamilie Meyer 2006 auch das Niersteiner Weingut Heyl zu Herrnsheim, das im Jahr 2008 aufgelöst wurde und nun nur noch als eine Marke von St. Antony weitergeführt wird. Grund ist das deutsche Weinrecht: Es ist hierzulande nicht zulässig, die Weine mehrerer Weingüter gemeinsam in der selben Kellerei zu keltern und auszubauen. Mit diesem Problem schlagen sich übrigens auch diverse weitere Weingüter nach Übernahmen, Erbschaften oder Hochzeiten herum.
Das neuste Großprojekt von St. Antony ist der geplante Neubau der Kellerei als hochmoderner Aussiedlerhof auf dem über Niestein gelegenen Paterberg. Das derzeitige Gutsgebäude (seit 2006) im renovierten ehemaligen Weingut Gustav Adolf Schmitt mitten in Nierstein hat seine Kapazitätsgrenzen mittlerweile erreicht, die Anzahl der jährlichen gefüllten Flaschen soll aber in den nächsten Jahren noch verdoppelt werden und zudem will sich St. Antony noch weiter für Publikumsverkehr öffnen. Dieses Vorhaben wäre mitten in Nierstein wohl nur durch den Abriss ganzer Straßenzüge zu realisieren. Der mehrere Millionen schwere und architektonisch spektakuläre (schräg im Hang liegende) Neubau (Bild1 & Bild2) soll laut Plan rechtzeitig zur Lese im Herbst 2012 fertig gestellt sein. Eigentümer Meyer und sein Geschäftsführer Felix Peters, ein Önologe mit Geisenheim-Abschluss, haben also noch einiges vor. (weiterlesen…)