Unter dem Titel Luxury & Icon Tasting präsentierte Penfolds Chief Winemaker Peter Gago in Hamburg den aktuellen Grange Jahrgang 2004, den 1990er Grange und eine Reihe weiterer spannender Weine.
Peter Gago arbeitet seit 1989 bei Penfolds und ist seit Juli 2002 der Chief Winemaker (Chefönologe) des gesamten Unternehmens. Er ist damit seit 1948 erst der vierte Winemaker, der für Grange und die anderen renommierten BIN-Weine verantwortlich zeichnet (nach dem Grange-Schöpfer Max Schubert, Don Ditter und John Duval). Vom amerikanischen Weinmagazin Wine Enthusiast wurde Peter Gago als “Winemaker of the year 2005″ ausgezeichnet. Diesem Mann, der neben seiner Arbeit in den Penfolds-Kellern viele Wochen im Jahr zu Präsentationen, Cork-Clinics und anderen Veranstaltungen um die Welt reist, merkt man einfach an, dass er seinen Job liebt. Peter Gago ist ein sympathischer Weinverrückter im positivsten Sinne.
Einige Worte noch vorweg zur in diesem Artikel dominierenden Rebsorte Shiraz: Es handelt sich um die australische Bezeichnung der in Europa unter Syrah bekannten Rebsorte. Syrah wird in Europa hauptsächlich an der Nördlichen Rhone angebaut und bringt dort vor allem in den Appellationen Côte Rôtie und Hermitage einige der besten Weine Frankreichs hervor. Hermitage war auch das Vorbild für Penfolds Grange, der bis die Europäische Union 1989 den Namen des Rhone-Ortes Hermitage weltweit schützen lies, als Grange Hermitage vermarktet wurde.
1. Koonunga Hill 76 Shiraz Cabernet 2006
Diese 2006er Sonderedition des Koonunga Hill mit Etikett im Retro-Look des ersten Jahrgangs dieses Weines wurde anlässlich der Feier des dreißigsten Jahrgangs dieses erfolgreichen Penfolds-Weines auf den Markt gebracht. Der Wein dürfte jetzt seinen Höhepunkt erreicht haben und ihn die nächsten zwei-drei Jahren halten. Der Orginal 1976er muss ein großartiger Jahrgang gewesen sein. Laut Peter Gago wurde der 1976er im Jahre 2006 (also mit genau 30 Jahren) im eine Stunde vor Genuss geöffneten Zustand von Robert Parker mit 94 Punkten bewertet. 87P
2. Koonunga Hill Shiraz Cabernet 1978
Dieser Wein, der dritte je erzeugte Jahrgang des Koonunga Hill, ist 1980 für 1,89 $ auf den Markt gekommen, mittlerweile also über 30 Jahre alt. Kann man so etwas noch trinken? Ja man kann! Zwar ist er nicht ganz so großartig, wie der 1976er sein soll. Das war er allerdings wohl nie. Der Jahrgang 1976 zählte beim Koonunga Hill von Anfang an zu den Top-Jahrgängen, 1978 nur zu den Normalen. In der Nase macht der Wein mit seinem wunderbaren Reifeton eine tolle Figur, im Mund erinnert er etwas an Portwein, schwächelt im Abgang aber schon merklich (ist langsam am austrocknen & leicht oxydativ). Auf Grund der tollen Nase sehe ich ihn aber immer noch locker über achtzig Punkten. Peter Gago berichtet dabei, dass er eine Reihe vermögender Weinfreunde kennt, die problemlos nur Grange trinken könnten, aber gerne zum Barbecue 20-jährige Versionen von Koonunga Hill oder Bin 28 genießen. 84P
3. BIN 28 Kalimna Shiraz 2006
Seit der BIN 28 vor einigen Jahren einem guten Freund in einem Amsterdamer Gourmetlokal als ideale Begleitung zu Steakgerichten empfohlen wurde entwickelte er sich zu einem meiner Lieblingsweine zu genau diesem Zweck. Der Kalimna Hill, aus dem dieser Wein bis in die 70er Jahre ausschließlich stammte, wurde zumindest teilweise schon 1888 bepflanzt. Damals war es hier vor allem Cabernet aber auch die in mehreren anderen Weinbergen damals vorherrschenden klassischen Rhone Rebsorten Grenache, Syrah und Mourvedre, die zu dieser Zeit vor allem als Grundweine für die damals sehr beliebten australische Portweine dienten. Seit den 70er Jahren ist der Bin 28 eine multiregionale Cuvée, die genau wie Grange jedes Jahr neu komponiert wird. Das Ergebnis ist aber Jahr für Jahr sehr ähnlich: ein sehr kräftiger tiefroter Wein mit enormer Frucht, Noten von dunkler Schokolade, Pfeffer, weiteren Gewürzen und einem so feinen Tannin, dass er schon sehr jung mit großem Genuss getrunken werden kann, sich aber gleichzeitig auch über bis zu 20 Jahre gut weiterentwickeln kann. 89+P
4. St Henri Shiraz 2005
Obwohl der Wein seinen Shiraz im Namen trägt, handelt es sich nicht um einen reinsortigen Shiraz, sondern um eine Cuvée aus Shiraz und Cabernet-Sauvignon mit aktuell 90% Shiraz und 10% Cabernet. Am St Henri wurde erstmals ab 1953 experimentiert, bevor dann ab dem Jahrgang 1957 die kommerzielle Serienproduktion aufgenommen wurde. Eine Flasche des 1957er St Henri wurde vor kurzem für rund 5200 Euro versteigert. In den ersten Jahren wurde St. Henri zum selben Preis wie Grange auf den Markt gebracht, erst später entwickelten sich die Preise weit auseinander. Heute kostet ein junger St Henri rund 70 Euro. Der aktuelle 2005er gilt dabei als einer der besten St Henri Jahrgänge überhaupt. Ein feiner, seidiger Wein, mit konzentrierter Frucht und dichter Tanninstruktur. Noch sehr verschlossen, braucht noch einige Jahre Zeit. 92+P
5. RWT - Barossa Valley Shiraz 2006
RWT steht für Red Winemaking Trial und das war der Titel eines 1995 gestarteten Projektes mit dem Ziel eines reinen Shiraz ausschließlich aus dem Barossa Valley, der gleichzeitig neue Maßstäbe für Barossa-Valley-Shiraz setzen sollte. Am Ende des Projekts, nach zweijährigen Experimenten, wurde mit dem Jahrgang 1997 der RWT erstmals öffentlich präsentiert. Als einziger der hier beschriebenen Weine wird er nicht in Fässern aus amerikanischer Eiche ausgebaut, sondern in französischer Eiche. Noch sehr verschlossen, daher vorerst ohne Bewertung.
6. Grange 2004
Grange entstammt nicht, wie die meisten anderen großen Rotweine der Welt, Jahr für Jahr aus der einen oder den wenigen immer selben Lagen, sondern wird jedes Jahr aufs neue kreiert aus hunderten einzeln gelesenen und ausgebauten Blocks in diversen Weinbergen verteilt über mehrere australische Weinregionen. Der 2004er besteht aus 96% Shiraz und 4% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr aus dem Barossa Valley (darunter ein großer Teil Kalimna Shiraz), dem McLaren Vale und den Magill-Weinbergen.
Der Wein wird von der Fachpresse mit Lorbeeren nur so überhäuft: Robert Parker vergibt 99 von 100 Punkten, der Wine Spectator 98, die britische Master of Wine Jancis Robinson gab 19,5 von 20 (ihre höchste je vergebene Bewertung) und Stephan Reinhardt im Deutsch-Schweizer WeinWisser 20 von 20 Punkten. Penfolds empfiehlt in Europa offiziell einen Verkaufspreis von 300 Euro, einige deutsche Händler bieten ihn schon ab 240 Euro an. Damit kostet er deutlich weniger als die Hälfte vergleichbar bewerteter Spitzengewächse aus Bordeaux.
Mir gefällt er natürlich auch. Die oben genannten Bewertungen sind allerdings Potentialnoten - bewerten also nicht den aktuellen Stand sondern das Potential des Weines. Derzeit zeigt er zwar schon, wohin die Reise einmal gehen wird, ist aber noch deutlich verschlossen. Ich rate daher dazu, nach dem Kauf die nächsten 15 Jahre die Finger davon zu lassen und den Wein lieber im Alter von 20-30 Jahren zu genießen. Dann wird der Genuss noch um ein Vielfaches höher sein als heute. 97-99P
7. Grange Magnum 1990
Der 1990er Grange besteht aus 95% Shiraz und 5% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr vom Kalimna Hill, aus weiteren Teilen des Barossa Valley, dem Clare Valley und aus Coonawarra. Dieser Wein ist einfach ein Erlebnis. Mittlerweile zwanzig Jahre alt und immer noch jugendliche Kraft. Zumindest aus der Magnum verkostet hat der 90er Grange das Potential für weitere 20-30 Jahre. Robert Parker gibt “nur” 94 Punkte. Der Wine Spectator trifft mit 98 Punkten und der Auszeichnung “Wine Spectator’s Wine of the Year 1995″ schon eher meinen Geschmack. Eine wunderbare Nase, edle Hölzer, dunkle Beeren, reife Kirschen, Dill, dunkle Schokolade, Espresso, mild gereifte Tannine und sehr elegant. Ein toller Wein. Ich könnte drin baden! 97P
Nach Ansicht von Peter Gago hat übrigens der um die 30 Euro gehandelte BIN 389 Cabernet Shiraz das beste Preis-Leistungsverhältnis aller Penfolds-Weine.








