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Jul 22

Alvaro Palacios – Camins del Priorat 2007

Die Bodegas Álvaro Palacios in Gratallops in der jungen spanischen Weinbauregion Priorat (in Katalonien nordwestlich von Barcelona) wurde 1989 gegründet. Palacios, der aus dem Rioja stammt arbeitete nach seinem Weinbaustudium in Bordeaux bei den berühmten Weingütern Château Pétrus und Stag´s Leap (Napa Valley). Angetrieben von der Idee einen Weltklassewein zu produzieren (Vinum nannte ihn einen vor wenigen Jahren einen ungestümen, jugendliche Draufgänger) investierte er in eigene Weinberge im Priorat, die mittlerweile 35 Hektar Rebfläche umfassen. Sein Ziel erreichte Palacios dann mit dem nach einer fünf Hektar großen Einzellage benannten Wein „L´Ermita“, der aus im Schnitt 90-jährigen Rebstöcken mit einem Mini-Ertrag von nur 10 hl/ha entsteht und der heute einer der teuersten (je nach Jahrgang von ca. 300 bis weit über 500 Euro) und berühmtesten Weine Spaniens ist. Der ebenfalls sehr bekannte Zweitwein heißt nach einer anderen Einzellage Finca Dofí. Álvaro Palacios ist sicher ein Glücksfall für die Region Priorat: Nachdem er gezeigt hat, was in der 350-600 m hoch gelegenen Bergregion mit ihren kargen Schieferböden möglich ist, erreichen in den letzten Jahren immer mehr talentierte Winzer internationale Aufmerksamkeit.

Winzer Álvaro Palacios über den Camins del Priorat:

Wir haben bis 2006 die Trauben aus den jüngeren Weinbergen an die Genossenschaft verkauft. Als die für den Wein daraus bei Herrn Parker und Penin 90 Punkte und mehr bekamen, haben wir gewusst, dass die Rebstöcke jetzt alt genug sind und wir es besser selber machen. Dazu haben wir dann noch Trauben aus deutlich älteren Anlagen genommen (bis zu 50 Jahre alt) und bei der Vinfikation darauf geachtet, dass der Wein nicht zu hart oder schwer wird, so dass man ihn schon recht früh trinken kann. Unsere anderen Weine brauchen immer einige Jahre bis sie sich in voller Schönheit zeigen.

Álvaro Palacios – Camins del Priorat 2007
Der erste Jahrgang dieses Weins besteht aus einer Cuvée aus 50% Samsó (einer lokalen Carignan-Variante), 40% Garnache sowie insgesamt 10 % Cabernet und Syrah.  Der Ertrag beträgt nur 22-28 hl pro Hektar, was für einen Wein dieser Preislage ein spektakulär niedriger Wert ist. Im ersten Jahr wurden 200.000 Flaschen unfiltriert abgefüllt. Der Wein wird vom Kölner Weinkeller importiert und kostet dort derzeit zur Einführung 11,90 € (später soll er 13,90 €  kosten).

Dunkles und dichtes purpurrot mit violetten Reflexen, intensiver Duft nach reifen Kirschen, dazu etwas Brombeeren, weiteren roten Beerenfrüchten, Cassis, exotischen Gewürzen und feinen Holznoten. Im Mund der gleiche intensive Fruchtcocktail, wobei wieder die Kirscharomen dominieren. Ein Gegengewicht zur Fruchtbombe bildet das ebenfalls üppig vorhandene aber dennoch eher feine Tannin sowie die gut spürbare Säure, die gemeinsam mit den gut eingebundenen 14 % Vol. für eine gute trockene Struktur sorgt. Lange muss man diesen Wein sicher nicht bis zur idealen Genussreife weglegen aber ein bis zwei Jahre könnten ihm schon noch zu etwas mehr Harmonie verhelfen (idealerweise dann etwas weniger Fruchtintensität und etwas weniger Gerbstoffe). 86+P


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

2 Kommentare

  1. thvinsNo Gravatar

    Hallo Ralf,

    ein erfreuliches Umdenken ist hier im Priorat im Gange. Alvaro Palacios ist einer von inzwischen etlichen, die auf Weine aus jüngeren Reben setzen und diese zum Teil auch im Joven – Stil ausbauen, um schnell gut zu trinkende und fruchtbetonte Weine zu deutlich kleineren Preisen anbieten zu können.

    Aber man darf auch die Wirtschaftskrise nicht außer Acht lassen, die Spanien ebenso sehr hart trifft. Palacios ist ja quasi ein Großbetrieb im Priorat, er hat sehr viele Traubenlieferanten, die versorgt sein wollen, unter Vertrag. Und je teurer ein Wein ist, desto schwerer läßt er sich dieser Tage weltweit verkaufen.

    Ermita wurde in den letzten „fetten“ Jahren ein Spekulationswein. Was, wenn die Nachfrage der superreichen Banker und Manager wegbricht, weil diese sich schon anderswo verkalkuliert haben?

    Was, wenn der neugierige Weinfreak all die anderen neuen Konkurrenzweine zum Ermita entdecken, die größtenteils vergleichbare Qualität zu deutlich günstigerem Preis bieten?

    Klar sind die Weine von Alvaro quasi die Klassiker, auch in vielen Jahren sind es richtig tolle Weine, aber inzwischen gibt es ca. 120 Produzenten, die ihren eigenen Wein im Priorat machen. Die Konkurrenz in allen Preisklassen ist also deutlich größer als vor 10 oder gar 15 Jahren.

    Etliche ehemalige Traubenlieferanten machen eigene Weine mit großer Sorgfalt und jeder der Palacios-Weine muss sich heute dem Vergleich stellen. Und in der Preisklasse eines Camino del Priorat kann Alvaro Palacios nicht den frühen Vogel spielen, der den Wurm fängt. Da sind schon etliche andere am Picken…

    Ich bin auf den Camino gespannt, mal sehen, wann ich ihn ins Glas bekomme, um ihn neben die in der Preisklasse bereits Etablierten und gegen die anderen Newcomer zu prüfen.

    Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag zu diesem Wein.

    Beste Grüße

    Torsten Hammer
    (thvins)

    PS: Würde mich über eine wechselseitige Verlinkung unserer Blogs freuen.

  2. Uli aka WeinSpionNo Gravatar

    Hoppla, da hatte der WeinKaiser wohl den gleichen Wein im Glas wie der WeinSpion. Und das mit sehr ähnlichem Ergebnis 😉

    Grüße von der Lahn
    Uli

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