5. Juli 2014

Reife Rieslinge und das Internet – Eine Vinocamp Session

Steinberger Riesling Cabinet 1953

Ein Beitrag zum Vinocamp Deutschland 2014

Von Marc Herold. Umfangreiche Ergänzungen und Fotos von Ralf Kaiser

Alte Rieslinge, also ganz grob solche, die in den 1970er Jahren und früher entstanden, wurden lange Zeit von Weinsammlern nahezu nicht beachtet. Sie wurden so komplett ignoriert, dass man bis vor ein paar Jahren regelmäßig alte Riesling-Auslesen günstiger kaufen konnte, als die Weine aus den aktuellen Jahrgängen. Diese skurrile Schieflage ändert sich grade drastisch. Die Preise für die gereiften Auslesen der Spitzengüter wie etwas Schloss Johannisberg, Schloss Eltz oder Egon Müller steigen fast im Wochenrhythmus. Höchste Zeit also etwas Licht in das Dunkel der deutschen Altweine zu bringen.

Schloss Eltz Riesling Beerenauslese 1917

Das vierte Vinocamp bot dazu eine gute Gelegenheit. Um das Thema an vorderster Front des Interesses der Social Media Meute zu lancieren, griff ich zu einem recht durchschaubaren Trick und hängte dem Thema „Reife Rieslinge“ ein „…und das Internet“ an.

Schloss Eltz Vertikale bis 1917

Um auch noch den letzten Zweifelnden zu bekehren, hatte ich außerdem eine 1966er Rauenthaler Baiken feine Spätlese des Weinguts „Schloss Eltz“ auf dem Weg zum Camp eingekauft. Ein Wein, der glasklar zeigte, wie irrsinnig betörend, entspannend und langlebig Riesling sein kann. Die Spätlese hatte noch Leben und eine sehr schöne fast kräutrige Aromatik. Das geht soweit, dass Weinlagen.info Gründer Charlie Gierling sogar mit einem Augenzwinkern von „Kamillentee“ sprach. Mit dem Wein im Glas fiel es mir auch leichter, zu vermitteln dass alte Weine eine der ganz wenigen Möglichkeiten sind sich sinnlich einer vergangenen Welt anzunähern. Der Wein entwickelt sich in der Flasche weiter, jedoch hat er noch immer den Keim seines Ursprungsjahrgangs in sich.

Schloss Johannisberg Weißlack Riesling Spätlese 1943

Vinocamp-Teilnehmerin Petra Pahlings vom Weingut Joh. Jos. Prüm hatten wir es auf zu verdanken, dass es auch noch zwei sehr schöne Moselauslesen vom Ende der 90er gab. Hier stand die Entwicklung zur Reife noch ganz am Anfang. Ich denke sowieso, dass die Riesling Spät- und Auslesen der 90er in den nächsten Jahren noch viel mehr im Zentrum des Sammlerinteresses stehen werden, als sie es jetzt tun. Noch sind hier die Preise moderat und die Mengen nicht so dezimiert wie bei den restsüßen Kreszenzen der 50er bis 70er.

Halsschleife der Schloss Johannisberg Weißlack Spätlese 1943

Solche gereiften und alten Weine zu finden, funktioniert im Wesentlichen über vier Wege:

  1. Kauf direkt beim Winzer
    Es gibt eine erstaunliche Zahl deutscher Winzer, die teils noch Weine aus den 70ern, teils aber zumindest aus den 90ern verkaufen. Die Weingüter Schmitt-Wagner (fast erschreckend günstige Weine v.a. aus den 90ern), Kajo Christoffel oder Max. Ferd. Richter an der Mosel und J.B. Becker im Rheingau seien hier exemplarisch genannt. Schloss Johannisberg bietet auf Nachfrage teilweise Weine bis aus den 40er Jahren an. Die Weinkomissionäre im Rheingau und an der Mosel haben teilweise auch noch große Altweinbestände und verkaufen auf Nachfrage Weine aus oft guter Lagerqualität. Die Preise sind hier bei der ersten Variante sind je nach Reputation des Gutes mittel bis hoch.
  2. Auktionen
    Hier kommt das Internet ins Spiel. Die meisten spezialisierten Weinversteigerer (Koppe & Partner, Munich Wine Company etc.) haben mittlerweile Onlineplattformen. Oft sind hier die aufgerufenen Preise schon recht grenzwertig, wer einen Spitzenwein aber unbedingt haben möchte und etwas geschickt bietet ist hier gut aufgehoben. Ebay spielt bei den Weinversteigerungen schon seit Jahren eine große Rolle. Bei keiner Möglichkeit Altweine zu erwerben gehen die Qualitäten so auseinander wie hier. Von untrinkbarem Schund bis hin zu sehr gut gelagerten Spitzenrieslingen ist alles dabei. Bei Ebay sollte der Käufer auf den Füllstand der Flasche achten. Je weniger „Luft“ zwischen Wein und Kork oder Kapsel, desto besser. Abgesehen von sehr stark durch Edelfäule geprägten Weinen sollte die Farbe des Weins noch hell und klar sein. Auch wenn bei deutschen Weinen die Zahl der Fälschungen (noch) recht niedrig ist, sollte der Wein die Orginalkapsel tragen. Weine ohne Kapsel sind immer ein Risiko. Oft ist auch ein Blick auf die anderen Auktionen des Anbieters hilfreich: Bietet der Händler noch mehr Wein an oder hat er sonst nur weinfremde Artikel? Ich bin immer vorsichtig, wenn Händler nur eine Flasche anbieten.
  3. Weinlokale
    Einige wenige Weinlokale in Deutschland führen gut gepflegte Altweinkarten. Wir sprechen hier nicht von Sternelokalen mit nur für wenige Weinfreunde bezahlbaren Preisen sondern von meist kleinen Lokalen mit einfacher Gasthausküche aber sensationeller Weinkarte. Als Beispiel seien hier das Hotel Krug in Hattenheim, die Weinschänke Schloss Groenesteyn in Kiedrich, Breuers Rüdesheimer Schloss, das Weinhaus Kinkel-Stuben in Bonn-Oberkassel, das Weinhaus Gut Sülz in Königswinter und die beiden Trierer Hotels Eurener Hof und Schloss Monaise genannt.
  4. Händler und Privatanbieter
    Dies ist vielleicht das spannendste und aber auch gleichzeitig das am wenigsten planbare Feld der Altweinjagd. Es gibt einige Händler, die regelmäßig im Kundenauftrag alte Rieslinge verkaufen. Vinovero in Bad Cannstatt und Agora Wein in Freiburg sind zwei unter vielen. Gerade in Weinregionen gibt es oft bei Haushaltsauflösungen spannende Weinschätze zu heben, neben einigen guten Sachen muss man hier aber oft auch den ganzen „Ramsch“ mitkaufen. In einigen Großstädten gibt es auf Haushaltsauflösungen spezialisierte Unternehmen, die auf ihrer Verkaufsfläche idR nur antiquarische Bücher, Möbel, Porzelan und Kunst anbieten. Ein regelmäßiger Besuch lohnt trotzdem, da hier immer mal wieder für kurze Zeit auch alte Spitzenweine zum Schnäppchenpreis auftauchen.

Reife Moselauslesen im Ürziger Weingut Jos. Christoffel jr.

Appropos „Ramsch“: Woran erkennt man die interessanten Weine? Was für alte Rieslinge sind auch für den Neuling der Altweinjagd lohnend?

Schloss Eltz Beerenauslese 1917

Stuart Pigott schreibt Anfang der 90er in seinem Buch „Die großen deutschen Rieslingweine und ihre Winzer“, dass eine Riesling Auslese von 1971 der praktisch ideale Start für den angehenden Altweinfan sei. Die Weine seien in großer Zahl vorhanden, es war einer der besten Jahrgänge der letzten 50 Jahre und die Rieslinge haben sich prächtig gehalten. Die 71er Auslesen sind auch jetzt bei guter Lagerung immer noch sehr schön balanciert und zeigen, was in einem großen Jahr möglich ist. Andere momentan empfehlenswerte Jahre sind 1990, 1983, 1976 (Rheingau), 1964 und 1953. Wobei ich beim 1953er wirklich nur noch sehr gut erhaltene Flaschen kaufen würde. Mehr zu den Jahrgängen findet ihr in dem sehr guten oben erwähnten Buch von Pigott.

Schloss Johannisberg Grünlack Riesling Spätlese 1964

Bei den Erzeugern wird die Orientierung noch unübersichtlicher. Hier gibt es zum einen die Klassse der Güter, die schon sehr lange Weine in sehr guter Qualität erzeugen. Güter wie Joh. Jos. Prüm, Egon Müller, Maximin Grünhaus, Schloss Johannisberg sind immer erste Wahl, wenn man auf Nummer sicher gehen will. Bis in die 70er gehörten auch die Weingüter Tyrell/Karthäuserhof, Prinz von Hessen (hier sogar bis weit in die 80er, da diverse Spitzenlagen von Schloss Eltz übernommen wurden), Kanzemer Berg (von Othegraven) und Langwerth von Simmern dazu. Die beiden letztgenannten sind mittlerweile wieder deutlich im Aufwind.

Weingut August Anheuser Kreuznacher Krötenpfuhl Riesling feinste Auslese 1959

Dann gibt es eine große Zahl an Gütern, die mal sehr gut waren und die es nicht mehr gibt (Schloss Eltz, Staatliche Weinbaudomänen Niederhausen-Schloßböckelheim) oder der Güter, die nur eine gewisse Zeit zur Spitzengruppe gehörten (z.b. Appolinar Koch, Hessische Staatsweingüter und die beiden Anheuser-Weingüter an der Nahe). Hier hilft oft nur der Blick in die zeitgenössische Literatur (s.u.) um rauszufinden, was gerade gut war. Aber auch das Internet hält einige Hilfestellungen für den informationsdurstigen Riesling-Trinker parat. Die Verkostungsnotiz-Datenbanken www.cellartracker.com (englischsprachig) und vor allem www.verkostungsnotizen.net (deutschsprachig) bieten mittlerweile einige tausend Notizen zu reifen Rieslingen. Hilfreich ist auch die Forensuche der www.wineberserkers.com, in diesem englischsprachigen Forum gibt es auch viele Berichte zu Proben mit gereiften deutschen Weinen.

Staatliche Weinbaudomäne Niederhausen-Schloßböckelheim Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Auslese 1949

Ich hoffe mit dieser Zusammenfassung meiner Session etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben und wünsche euch viel Freude bei der Jagd und beim Genießen der Beute!

Marc Herold (in blau) mit weiteren Altweinfreunden in Ürzig

Hier noch ein paar Literaturtipps zum Thema:

Peter Sauerwald, Edgar Wenzel „Könige des Rieslings an Mosel, Saar und Ruwer“ Busse-Seewald Verlag, 1982

Peter Sauerwald & Edgar Wenzel - Könige des Rieslings an Mosel, Saar und Ruwer

Stefan Andres „Die großen Weine Deutschlands“, Ullstein Verlag Frankfurt, 1960
Stefan Andres - Die großen Weine Deutschlands

Stuart Pigott, „Die großen deutschen Riesling Weine“, Econ Verlag, 1995
Stuart Pigott - Die großen deutschen Riesling Weine

Mario Scheuermann, „Deutsche Spitzenweingüter – Klassifikation von 1990/91“, Econ Verlag, 1989
Mario Scheuermann, Deutsche Spitzenweingüter - Klassifikation von 1990/91

Frank Schoonmaker, „The Wines of Germany“, div. Ausgaben

Hornickel, Ernst, „Die Spitzenweine Europas“, div Ausgaben.

23. Juni 2014

Weinkaiser jetzt auch bei Gerolsteiner WeinPlaces

Category: Allgemein,Literatur @ 10:59

Weinplaces-Logo

Seit vielen Jahren ist Gerolsteiner als Wassersponsor diverser Weinveranstaltungen und als einer der Hauptpartner des VDP aktiv. Vieles davon geschah im Hintergrund, nur das Wasser und das Logo waren an der ein oder anderen Stelle zu sehen.

Seit diesem Jahr nimmt der Mineralwasser-Konzern eine aktivere Rolle ein. Im neu geschaffenen Internetportal WeinPlaces werden diverse Wein- und Genussthemen aufgegriffen und mit der gleichnamigen Auszeichnung von zwölf WeinPlaces, also zwölf Orten des besonderen Weingenusses, die von einer Jury unter 200 Weinrestaurants, Vinotheken, Weinbars und Weinlounge ausgewählt wurden, wurde ein Preis geschaffen, der zumindest im ersten Jahr sehr gut in der Szene ankommt. Die Ausgezeichneten sind über alle Zweifel erhaben und auch die sechsköpfige Jury kann sich sehen lassen: die beiden Spitzen-Sommeliers Sebastian Bordthäuser und Christina Fischer, Autor Stuart Pigott, Winzer Reinhard Löwenstein, Weindozent Alexander Kohnen und Gerolsteiner CEO Axel Dahm.

Weinplaces-Trophäe

Die ausgezeichneten WeinPlaces 2014:
Dresden | WEIN|KULTUR|BAR – Silvio Nitzsche
Berlin | Weinstein – Roy Metzdorf
Hamburg | Kleines Jacob – Dominik Kirchhoff und Lars Mählmann
Lütjensee | Fischerklause – Gerhard Retter
Düsseldorf | D’Vine – Antonio Askitis und Christoph Suhre
Bochum | Livingroom – Seran Bahtijari und Lukas Rüger
Bochum | Heimat – Mirko Wuttig und Thomas Niggemann
Köln | Wein am Rhein – Melanie Panitzke
Frankfurt | Heimat – Oliver Donnecker
Wiesbaden | Balthasar Ress Weinbar – C. Ress, N. Baumgärtner, C. Diepenbrock
München | Geisel’s Vinothek – Familie Geisel und Robert Zeller
Würzburg | Reiser’s am Stein – Bernhard Reiser

Weinkaiser-Beitrag über das Schlossgut Diel

Für das neu geschaffene Webportal WeinPlaces werden künftig eine eine ganze Reihe namhafter Autoren und Blogger aus dem Wein und Food-Umfeld schreiben. Mein erster Beitrag für WeinPlaces befasst sich mit der Weinregion Nahe und dem Schlossgut Diel, das gerade nach einem Generationswechsel mit der größten Investition in der Gutsgeschichte durchstartet.

Weinkaiser-Beitrag über das Schlossgut Diel

WeinPlaces ist übrigens bereits das zweite Gerolsteiner Genuss-Projekt in diesem Jahr. Zuvor ist schon die Gerolsteiner Restaurant-Bestenliste 2014 erschienen, eine Zusammenfassung der Ergebnisse der sieben großen Restaurantguides Deutschlands.

Gerolsteiner Restaurant-Rangliste 2014

30. November 2013

Ingo Konrads: Ode an den Korken

Category: Literatur,Weinrallye @ 10:00

Weinrallye (Illustration: Florian Steffens)

Gastbeitrag zur Weinrallye 69 – Wein und Lyrik. Von Ingo Konrads.

Ode an den Korken

Oh, Korken, du Korken,
der du unter deinem Herzen trägst
was unser allerliebstes Nass.
Der du beschützt beständig,
was man dir anvertrauet hat:
den Wein! Den Wein!

Jene schaumgeborene Schöpfung
von Stock und Stein
von Winzer und Wetter,
der gelesen in endlosen Zeilen
Stund um Stund
Um endlich behutsam gekeltert
im stählernen Rund.
Sodann in dunklen Kellern
munter gärend Zucker bald
in Geist verwandelt
und in kohlensaure Gase.
Endlich still in Fässern ruhet,
und wenn die Reifezeit vorbei
wird eine Flasche ihn gut bergen.

Oh, Kork, dann kommet deine große Stund!

Oh, Korken, bist ein wahres Wunder,
lässt gerade so viel Luft an Wein heran,
dass dieser sich perfekt entwickeln
und also auch lebendig bleiben kann.

Oh, Korken, will man dich entreißen,
aus deinem engen Fläschelein,
dann bohrt sich kaltes rundes Eisen,
spiralig in dein Herz hinein.

Mit einem Plopp kommst du ans Licht, (weiterlesen …)

24. November 2013

Aufruf zur Weinrallye 69 – Wein und Lyrik

Category: Literatur,Weinrallye @ 23:08

Weinrallye (Illustration: Florian Steffens)

Von Dr. Marc Herold

Was passt noch besser in die dunkle Jahreszeit als Bücher und Wein? Natürlich die November Weinrally zu “Wein und Lyrik”, diesmal veranstaltet von mir, als Gastschreiber des Weinkaisers. Seit Jahrtausenden gibt es eine innige Verbindung zwischen Dichtern und dem Wein. Ob Goethe und der “Elfer”, Hafis “Elixier des Lebens” oder Justinus Kerner und die nach ihm benannte Rebsorte, stets inspirierte Wein die Lyriker. Aber vielleicht wolltet ihr schon immer eine besonders poetische Weinbeschreibung notieren, oder die Lieblingsweine der Poeten nachkosten.

Die Weinrallye 69 startet am Freitag, 29.11. um 0.00 Uhr und endet am selben Tag um Mitternacht. Alle Artikel werden in diesem Beitrag im Weinkaiser-Blog verlinkt (wird den ganzen Tag über mehrfach aktualisiert) und nach Abschluss der Weinrallye erscheint hier im Blog auch eine Zusammenfassung aller Aktivitäten. Was immer eure Ideen sind, der Weinkaiser und ich freuen uns auf eure freue mich auf eure Beiträge.

Was ist eine Weinrallye?

Einmal im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einen Tag lang einem (alle dem selben) vorher festgelegten Thema zu widmen. Am 29.11.2013 ist ein solcher Tag und das Thema der Weinrallye, wie sich dieser Onlineevent nennt, der dann zum 69. mal stattfindet, lautet wie oben zu sehen Wein und Lyrik. Der Aufruf zur Weinrallye #69 kommt vom Marc Herold, der regelmäßig Gastbeiträge hier im Weinkaiser-Blog schreibt. Dieser Blog ist damit zum zweiten Mal in sechs Jahren Ausrichter einer Weinrallye.

Eine Übersicht aller bisherigen Weinrallye-Themen und Gastgeber gibt es übrigens hier: Weinkaiser.de/ehemalige-weinrallye-themen

(weiterlesen …)

14. März 2013

Buchprojekt: Deutschland Deine Blogger

Category: Literatur @ 22:17

Im Sommer 2011 bekam ich von der FH Mainz einen Fragebogen zugesandt. An der FH würden Bloggerportraits erstellt, die letztendlich in einem Buchprojekt münden sollen. Fragebögen auszufüllen war ich mittlerweile gewohnt, schließlich schreibt dauernd jemand eine Diplom- oder Masterarbeit über Blogs und bittet um Mithilfe. Die Aussicht in einem Fachbuch über die Szene vertreten zu sein, war hingegen neu. Also habe ich mir die Zeit genommen, die Fragen in Ruhe zu beantworten.


Danach kehrte Ruhe ein. Soviel Ruhe, dass ich das Projekt längst abgeschrieben und vergessen hatte, als ich gut eineinhalb Jahre später im Oktober 2012 aus dem Büro von Frau Prof. Beyer PDF-Dateien zur Durchsicht und mit der Bitte um Druckfreigabe gemailt bekam. Natürlich hatte sich seit meinen Fragebogen-Antworten bei mir und meinem Blog einiges verändert, die wesentlichen Aussagen stimmten aber nach wie vor, so dass ich nur Zahlen aktualisieren lies um nicht für weitere Verzögerung zu sorgen. Drei Monate später lag das fertige Werk nun kürzlich in meinem Briefkasten.

Das Buch beginnt mit einer etwa 15-seitigen Analyse der deutschen und internationalen Blogosphäre, ihrer typischen Probleme, der Verdienstmöglichkeiten, ihres Einflusses und der Zukunftsaussichten.

Tenor: die Zahl der Blogleser stagniert, verteilt sich aber auf weniger Blogs, deren Leserzahlen damit weiter steigen. Grund ist der Wegfall vieler sehr persönlicher Blogs, die nur für das eigene private Umfeld geschrieben wurden, nach und nach verschwinden, da ihre Autoren vermehrt auf Facebook ausweichen. Die verbleibenden Blogs werden zunehmend professioneller betrieben. Mehr als 90% der Blogger nutzen Facebook, je professioneller der Blog betrieben wird, desto höher die FB-Nutzung der Macher.

Anschließend werden 35 Blogger mit ihren Blogs porträtiert, vom Social-Media-Experten Leander Wattig über SPIEGELblog-Betreiber Torsten Engelbrecht bis hin zu den Autoren vielgelesener Spezialblogs zu Themen wie Mode, Börsenhandel, Computerspiele und Rechtsprechung. Oder eben Wein.

An Ende des Buches gibts dann noch eine kleine Anleitung für alle, die auf den Geschmack gekommen sind und einen eigenen Blog aufbauen wollen.

Deutschland Deine Blogger
Andrea Beyer/Lothar Rolke: Deutschland Deine Blogger. Ein persönlicher Report aus der Blogosphäre. Mainz 2013. Preis: 12 Euro zzgl. Versandkosten.

Die offizielle Pressemitteilung zum Buchprojekt

Interview mit Professor Lothar Rolke von der FH Mainz im PR-Journal

Ansprechpartner für Bestellungen
Nina Huber – E-Mail: nina.huber@fh-mainz.de – Tel: 06131.628-3418

Ansprechpartner für das Projekt
Prof. Dr. Lothar Rolke – E-Mail: lothar.rolke@fh-mainz.de
Prof. Dr. Andrea Beyer – E-Mail: andrea.beyer@fh-mainz.de

12. Februar 2013

Buch: Slow Wine 2013 – Deutsche Ausgabe

Category: Literatur @ 22:00

Vielen Weinfreunden wird immer wichtiger, dass ihr Wein nicht nur schmeckt, sondern dass er auch mit natürlichen und nachhaltigen Verfahren erzeugt wurde. In vielen Regionen der Weinwelt ist das leider nur schwerlich in Erfahrung zu bringen. Bei italienischen Weingütern ist es seit 2010 deutlich einfacher geworden. Damals erschien mit Slow Wine 2011 der erste Weinführer der Slow Food Bewegung. Gegründet wurde die internationale Vereinigung Slow Food 1989 von Carlo Petrini und sie hat zum Ziel, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu schärfen. Um den nachhaltigen und umweltfreundlichen Weinbau in Italien zu fördern, war es Petrini ein besonderes Anliegen, einen Weinführer über Italiens Weinwelt aus Slow-Food-Perspektive zu publizieren. Slow Wine 2013 ist also die dritte Ausgabe dieses Weinführers, den der weinerfahrene Hallwag-Verlag (bis 2010 wurde auch die deutsche Ausgabe des Gambero Rosso hier verlegt) nun erstmals in einer ins Deutsche übersetzten Fassung vorlegt.

Carlo Petrini: „Wein darf keinen Einheitsgeschmack haben, er soll vielmehr seine Geschichte erzählen, sein Terroir und die Arbeit seines Winzers zum Ausdruck bringen.“

Slow Wine 2013 ist nach Regionen unterteilt, an deren Beginn jeweils eine Karte und eine kleine Einführung steht. Im Gegensatz zu anderen Weinguides werden nachfolgend keine Weine mit Punkten oder Gläser bewertet. Im Mittelpunkt stehen die Weingüter selbst, das Klima, die Böden, die Art der Weinbergsarbeit und die Weinausbau-Methoden im Keller. Auf 960 Seiten werden 1.520 italienische Weingüter, die ganz im Sinne der Slow-Food-Philosophie wirtschaften, in halbseitigen Portraits vorgestellt. Da auf Fotos weitgehend verzichtet wird, ist bei jedem Weingut neben einigen in Stichwörtern abgearbeiteten Informationen Platz für mehr als 2000 Zeichen Weingutsportrait im Fließtext. Dabei wird jeweils eine kleine Anzahl besonders empfehlenswerter Weine herausgehoben.


Für die aktuelle Ausgabe wurden mehr als 2000 Weingüter besucht und bewertet. Betriebe, die dabei eine besonders hohe Durchschnittsqualität über alle verkosteten Weine hinweg gezeigt haben, werden mit einem Flaschensymbol hervorgehoben. Weitere Symbole zeichnen Kellereien aus, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen, die Slow-Food-Kriterien in besonderer Weiße erfüllen oder bei Vorlage des Buches einen Preisnachlass von 10% gewähren. Allen, die es gerne schnell und übersichtlich haben, wird zudem mit drei Listen zu Beginn des Buches geholfen. Hier werden die besonders empfehlenswerten Slow Weine, die nach Meinung der Redaktion Großen Weine und die besten Alltagsweine bis zum Ladenpreis von 10 Euro zusammengefasst.

Slow Wine 2013 Präsentation

Am 28. Februar lädt Slow Food zu einer großen Degustation mit rund 180 Weinen in Slow Food-Qualität von mehr als 90 italienischen Winzern ins Münchener MVG Museum (Ständlerstraße 20, 81549 München). Ausschließlich über diese hier verlinkte Webseite gibt es die Eintrittskarten. Preise: 40€ inklusive Weinführer, 20€ ohne Weinführer (für  Slow Food-Mitglieder je drei Euro günstiger).

Verlosung

Weinkaiser.de verlost zwei Ausgaben des neuen Slow Wine 2013. Der Weg zu einer eigenen Ausgabe: Beantworte einfach die folgende Frage. Wie viele Liter fasst der hier von innen abgebildete Stahltank.

Gebt Euren Tipp einfach hier als Kommentar ab oder auf der Weinkaiser-Facebookseite Facebook.com/weinkaiser.de. Teilnahmeschluss ist am 20. Februar um 22 Uhr. Es gewinnen die beiden Tipps, die am nächsten an die außen am Tank angebrachte Literzahl heranreichen. Sind mehrere Tipps gleich nah an der gesuchten Zahl, entscheidet das Los.

Hier noch ein Foto von oben in den Tank.

Alternativ könnt ihr das Buch natürlich auch sofort für 29.90 Euro bei Amazon bestellen:
Slow Wine 2013: Italiens beste Weine & Winzer ausgewählt von SLOW FOOD

3. April 2012

Gambero Rosso vini d’italia 2012 Präsentation in Düsseldorf

Category: Literatur,Veranstaltungen @ 14:15

Am Vorabend der ProWein 2012 wurde die deutschsprachige Ausgabe des neuen Gambero Rosso erstmals nicht in München sondern auf dem Düsseldorfer Messegelände präsentiert. Die 25. Ausgabe des wichtigsten Weinführers für italienische Weine erscheint auch in diesem Jahr wieder in einer deutschen Übersetzung. Der Gambero Rosso vini d’italia 2012 kostet 30 Euro und enthält auf 924 redaktionellen Seiten (plus ca. 100 Werbeseiten die in der Nummerierung außen vor bleiben) Informationen zu 20.000 Weinen von 2350 Produzenten. Um so viele Weingüter aufnehmen zu können, wurde der Begleittext bei jedem Weingut massiv zusammengekürzt. Vor einigen Jahren waren die Texte pro Weingut noch ca. drei bis viermal so lang und damit deutlich aussagekräftiger. Kritik an dieser Entwicklung war auch auf der Veranstaltung regelmäßig zu hören.

Dieser Weinführer bewertet die Weine traditionell nicht auf einer Punkteskala sondern vergibt ein bis drei Gläser für die Qualität der verkosteten Weine. Tre Bicchieri – die Höchstnote von drei Glaser wurde in dieser Ausgabe an 375 Weine verliehen (im Vorjahr waren es noch 402). Ein Teil dieser Drei-Gläser-Weine ist sehr teuer aber lange nicht alle. In einer Sonderliste werden 52 drei-Gläser-Weine aufgeführt, die für unter 15 Euro zu bekommen sein sollen.


Eine weitere (im letzten Jahr erstmals eingeführte) Liste führt 95 Drei-Gläser-Weine aus biologischem oder naturnahem Anbau auf. Dabei verlässt sich die Redaktion allerdings komplett auf Herstellerangaben, eine Überprüfung der Angaben findet bisher nicht statt, soll aber in den nächsten Jahren eingeführt werden.

Gambero Rosso Vini d’Italia 2012 (deutsche Ausgabe) bei Amazon.de

In der Stadthalle des Messe-Kongress-Zentrums, dem Ballsaal mit dem besten Parkett der der Düsseldorfer Messe wurden gemeinsam mit der aktuellen Ausgabe rund 180 der neuen Drei-Gläser-Weine präsentiert. Die Veranstaltung gehöhrt zur Tre Bicchieri World Tour, die in diesem Jahr schon in Hong Kong, Shanghai, San Franzisco, New York und Chicago Station gemacht hat und bis zu ihrem Finale am 6. Juni in Montreal auch noch zwei Tastings in Brasilien abhalten wird. Brasilien gehört neben China, Russland, Deutschland und den USA zu den Märkten, in denen die Umsätze mit italienischen Weinen im letzten Jahren deutlich gestiegen sind.

Die Veranstaltung war nach einer rund einstündigen Pressekonferenz mit Buchpräsentation auch für private Weinfreunde geöffnet (zum Eintrittspreis von 30 Euro). Ein fairer Preis, da es dafür eine ganze Reihe der besten und berühmtesten Weine Italiens zu probieren gab. Nach Einschätzung einiger Besucher, die auch in den Vorjahren die Veranstaltung  im Münchner BMW-Museum besucht hatten, war der Besucherandrang bei der Düsseldorfer Premiere allerdings nicht ganz so groß, wie sie es aus München gewohnt waren.

Hungern musste auch niemand (bei dem riesigen Käseangebot handelte es sich allerdings nicht um italienischen Käse sondern um holländischen Gauda).

Alle Besucher bekamen neben den Verkostungsheft eine Umhängetasche von Gambero Rosso, die sowohl als Heft- wie auch als Glashalter einsetzbar war und rege in Anspruch genommen wurde.

Gemeinsam mit dem österreichischen Weinjournalisten Helmut O. Knall hatte ich die Gelegenheit den seit 2005 durchgehend mit drei Gläsern ausgezeichneten Wein der 29-jährigen Önologin Elena Fucci aus der Region Basilicata zu verkosten. Knalli und ich waren von der Qualität des 2009er Titolo wie vom Temperament der Winzerin gleichermaßen begeistert.

Bisher ist Titolo (Aglianico del Vulture Titolo) der einzige Wein von Elena Fucci. Ihr stehen hierfür 3,5 ha mit der sehr alten und tanninreichen Rebsorte Aglianico zu Verfügung. Der Titolo wird ca. ein Jahr in kleinen neuem Holzfässern ausgebaut. Für einen zweiten Wein wurden kürzlich 3 ha neue Rebfläche angelegt.

Deutlich bekannter und fast immer eine sichere Bank ist der Barbera d’Asti Bricco dell’ Uccellone von Braida. Der 2009er ist schon jung erstaunlich zugänglich (vor allem verglichen mit den anderen Top-Piemontesern die ich davor und danach probierte), hat trotzdem ein sehr langes Reifepotential.

Die beiden einzigen Pinot Nero, die in diesem Jahr mit drei Gläsern prämiert wurden stammen beide aus der Lombardei: Links der elegantere und fruchtigere OP Pinot Nero Noir von der Tenuta Mazzolino und rechts der tanninreichere und auf längere Lagerung ausgelegte OP Pinot Nero Giorgio Odero 2008 von Frecciarossa.

Ein Supertoskaner muss nicht aus Cabernet, Merlot oder sonst etwas mit Sangiovese vermischten bestehen, beweist dieser großartige Cortona Syrah Migliara 2008 von Tenimenti Luigi d’Alessandro. Blind würde den fast jeder an der nördlichen Rhone verorten und die Rebstöcke sind erst 25 Jahre alt…

Dieser Vin Santo di Carmignano Riserva 2005 von der Tenuta di Capezzana war der überragende Süßwein der Veranstaltung. Nicht der Wein zum Dessert, der Wein ist das Dessert!

Zum 25. Jubiläum des Gambero Rosso ist mit Sua Eccellenza Italia auch ein Bildband erschienen, in dem die regelmäßig ausgezeichneten Weingüter mit längeren Texten und schönen Fotos präsentiert werden. Dieses Buch ist bisher leider nur in  italienischer Sprache erhältlich.

8. Dezember 2011

Tasting mit Châteaux und Domaines Castel

Category: Allgemein,Literatur @ 08:32

Mit einer spannenden Blindverkostung im Frankfurter Luxushotel Villa Kennedy warb die französische Castel-Gruppe für ihr noch wenig bekanntes Deutschland-Geschäft. Das 1949 von neun Geschwistern in Bordeaux gegründete Familienunternehmen Castel ist heute größter Weinproduzent Frankreichs und mit 2400 Beschäftigten einer der größten Weinkonzerne der Welt. Der 85-jährige Pierre Jesus Sebastian Castel war vor 60 Jahren einer der Mitgründer und steht noch heute als Präsident an der Spitze des Konzerns. 2011 werden von Castel mit 640 Millionen produzierten Flaschen in 130 Ländern insgesamt 1,4 Milliarden Euro umgesetzt. Castel produziert mit Roche Mazet auch den mit 27 Millionen Flaschen pro Jahr meistverkauften Markenwein Frankreichs. Ein Castel-Tochterunternehmen betreibt über 500 Weinhandlungen in fünf Ländern. Neben Wein betreibt die Castel-Gruppe 41 Brauereien in 20 afrikanischen Ländern und ist auch einer der größten Coca-Cola-Abfüller Afrikas.

Flaggschiff der Castel-Weinsparte sind die Châteaux & Domaines Castel, die mit 120 Mitarbeitern in 21 französischen Weingütern rund sechs Millionen Flaschen im Jahr produzieren. Man trägt zwar nur 2 % zum Umsatz der Konzern-Weinsparte bei, hat aber einige klangvolle Namen in seinen Reihen. 1957 hat Pierre Castel mit Château de Goëlane sein erstes Weingut im Bordelais gekauft, mittlerweile sind 17 Bordeaux-Weingüter im Besitz der Châteaux & Domaines Castel. Das beste und bekannteste ist Château Beychevelle (4er Grand Cru Classe in Saint-Julien), bei dem Castel im letzten Jahr zu 50 % eingestiegen ist (den Rest hält noch die japanische Suntory-Gruppe aber Castel will das Weingut künftig komplett übernehmen). Die Châteaux & Domaines Castel bewirtschaften 1400 Hektar Weinberge in Frankreich (davon 800 im Bordeaux-Gebiet, womit man größter privater Besitzer der Region ist) und weitere 1600 Hektar verteilt auf 17 Weingüter in Marokko, Tunesien und Äthiopien.


Nach dem wichtigsten Absatzmarkt Frankreich steht China an zweiter Stelle. Deutschland liegt mit bisher durchschnittlich 100.000 abgesetzten Flaschen deutlich weiter hinten in der Statistik. In manchen Jahren kommen weitere 100.000 Flaschen hinzu, immer wenn Castel eine Ausschreibung der Lufthansa gewinnt.

Nach der Präsentation der Geschäftsfelder und der Organisation der Châteaux und Domaines Castel ging es an die Verkostung dieser schick verpackten Flaschen: 16 Bordeaux-Weine, etwa je zur Hälfte von den Châteaux & Domaines Castel und von anderen bekannten Weingütern standen zur Blindverkostung in der Villa Kennedy an.

Die roten Bordeaux der Blindverkostung nach der Auflösung. Die Weine der Châteaux & Domaines Castel brauchen sich in ihren Preisklassen zwischen 10 und 30 Euro qualitativ nicht zu verstecken. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren große Summen investiert, um die Qualität seiner Weine zu steigern und hat aktuell einige der besten Önologen der Bordeaux-Region als Berater engagiert. Drei Beispiele: Eric Boissenot (berät Lafite, Latour, Margaux, Mouton und rund 150 weitere), Oliver Dauga (war technischer Direktor bei Sociando-Mallet, La Tour Carnet und Rollan de By) und Hubert de Boüard (leitet seit 1977 Château l’Angélus). (weiterlesen …)

10. April 2011

Buch: Super Schoppen Shopper 2011

Category: Literatur @ 17:11

Nach dem großen Erfolg der Vorjahresausgabe war es kein Wunder, dass rechtzeitig zur ProWein die zweite Ausgabe des Super Schoppen Schopper präsentiert wurde. Für die Ausgabe 2011 dieses Weinführers im Taschenbuchformat wurden 1300 Weine der Supermarkt- und Discounterketten Aldi (Nord und Süd), Edeka, Kaiser’s, Lidl, Netto, Norma, Penny, Rewe, Rossmann, Schlecker und Tengelmann probiert, bewertet und beschrieben. Es wurden dabei nur die Weine getestet, die bei den Läden im überregionalen Sortiment vertreten sind und nicht Weine, die nur in einzelnen Märkten angeboten werden. Mein Lieblings-Edeka in Köln-Lindenthal hat z.B. die komplette Spitze des VDP, von der Rhone und aus dem Bordeaux im Laden stehen, weil der Inhaber selbst großer Weinfan ist. Solche Weine fallen natürlich alle aus der Wertung, sonst hätten nicht nur 1300 sondern einige tausend Weine getestet werden müssen.

Die in den Niederlanden lebende und unter dem Pseudonym Cordula Eich (40) schreibende Autorin nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Für die Leser dieses Buchs sind keine Vorkenntnisse spezieller Fachbegriffe erforderlich, wie sie in der Weinszene gerne verwendet werden. Ich habe selten klarere und besser verständliche Weinbeschreibungen gelesen. Wenn ein Wein z.B. mit abgestandenem Blumenwasser verglichen wird, versteht wohl jeder, dass er von diesem Wein besser die Finger lässt. Im Grunde sind es überwiegend höchst kreative Weinbeschimpfungen denn im getesteten Segment hält sich die Anzahl großartiger Weine eben in sehr engen Grenzen. Einige hat sie trotzdem gefunden. Cordula Eich betont dabei ihren subjektiven Eindruck und erhebt im Gegensatz zu einigen Weinpäpsten an keiner Stelle den Anspruch, dass jeder ihre Meinung teilen müsse.

Mein Fazit: Das Buch ist die höchst amüsante Bibel der Weinbeschimpfungen.

Bei Amazon.de bestellen: Super Schoppen Shopper 2011: Erste Hilfe für den Weinkauf beim Einkauf von Cordula Eich.

17. März 2011

Stuart Pigotts Weinwunder Deutschland DVD veröffentlicht

Category: Allgemein,Literatur,Wein @ 23:00

Um die Weihnachtstage 2010 zeigte der Bayerische Rundfunk sechs Folgen der Reportageserie Weinreise Deutschland, bei der Stuart Pigott, renommierter Weinkritiker und FAS-Kolumnist, mit einer Prise Selbstironie durch die deutschen Weinregionen reist und einige der spannendsten Weingüter und Winzer des Landes besucht. Für Januar 2012 sind weitere sechs Folgen à 30 Minuten angekündigt. Die sechs Folgen der ersten Staffel sind ab heute auf einer DVD für 19,99 Euro erhältlich.


Die einzelnen Folgen der ersten Staffel wurden hier bereits in einem anderen Artikel ausführlicher vorgestellt:

http://www.weinkaiser.de/weinwunder-deutschland-tv-serie-mit-stuart-pigott-im-br/

Stuart Pigott: Das Weinwunder Deutschland ist seriös, modern, witzig, kurzweilig und anderes. Das richtige für Laien und Liebhaber, aber nichts für Labeltrinker!

Inhalt der sechs Folgen:

Die Riesling Renaissance
“Der Riesling ist eine der bedeutendsten kulturellen Botschaften Deutschlands an die Welt”

Die Rotwein Revolution
“Deutschland ist nicht mehr die Gruselkammer des rötlichen Weins”

Guter Wein in rauen Mengen
“Gibt es im Supermarkt wirklich gute Weine? Und zu welchem Preis? Wir verkosten blind.”

Die Ökowein-Welle
“Ökowein gibt es heute in jedem Supermarkt. – Und schmeckt der?”

Junge Wilde Winzer
“Für sie oder ihn gehört Wein zur Popkultur”

Süßwein- ein Herbstmärchen?
“Paradox. Der teuerste Wein ist süß. Der Billigste auch. Das interessiert mich.”

Aus dem Vorwort des Booklets:

Trotz jahrhundertealter Weinbautradition galt der deutsche Wein bis vor Kurzem als bieder und billig. Masse statt Klasse war das Motto.

Doch vor etwa zwei Jahrzehnten machten sich die ersten jungen, innovativen und kreativen Winzer auf, Wein-Deutschland zu verändern: Qualität, Charakter, Individualität (neudeutsch “terroir”), nachhaltiger Weinbau und Anpassung an den Klimawandel sind die neuen Werte, die nicht nur den Weingenuss an sich, sondern die gesamte deutsche Weinlandschaft verändern werden. In einer Zeit, in der Wein allgemein nicht mehr als elitär und steif, sondern zunehmend als cool und dynamisch empfunden wird, finden so die neuen deutschen Winzer mit Ihrem Innovationsdrang ihren Platz an der Spitze dieser neuen Genuss-Bewegung.

Wer aber steht hinter Namen wie “message in a bottle” oder “wild thing”? Wird es dieser Bewegung gelingen, so bessere Zukunftsperspektiven für die Winzer und ihre Familien zu schaffen?

Im Vivienne Westwood-Anzug machte ich mich auf die Reise zu diesen Weinmenschen und erforschte für Sie das “Weinwunder Deutschland”.

Ihr “Wein-Punk” Stuart Pigott

Daten der DVD: VÖ. 17.03.2011, Laufzeit: 180 Min; Bild: 16:9, Ton: Stereo, Genre: Dokumentation. Eine Produktion von Megaherz und Moviepool im Auftrag des Bayerischen Rundfunks. Label: Telepool im Vertrieb von KNM Media.

Stuart Pigotts Weinwunder Deutschland DVD bei Amazon bestellen

Zwei Exemplare der DVD werden hier bei Weinkaiser.de verlost. Eines unter den Teilnehmern der Weinrallye 43 am Sonntag 20.03. und eines unter allen, die sich hier bis zum 24.03. für die Verlosung melden (per Kommentar, Twitter, Facebook oder Email).