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Feb 23

Champagne Jacquart mit Chef-Önologin Floriane Eznack

Champagne Jacquart hatte zu einer besonderen Verkostung in den Nassauer Hof nach Wiesbaden geladen. Heute standen einmal nicht die fertigen Champagner des Hauses im Mittelpunkt, sondern die Grundweine aus denen der neue Jahrgang von Champagner Jacquart entstehen wird. Präsentiert wurden sie von Champagne Jacquarts charmanter neuer Chef-Önologin, der erst 32-jährige Floriane Eznack.

Sie kam erst vor weniger als zwei Jahren von Veuve Clicquot zu Jacquart, hat aber schon eine Reihe von Veränderungen im Unternehmen umgesetzt und weitere eingeleitet. Der Tenor der neuen Kellermeisterin lautet: Weniger Quantität, dafür mehr Qualität. Auch stilistisch hat sie klare Vorstellungen: Es soll noch mehr auf Frucht und Frische gesetzt werden und ihre Champagner sollen auch noch etwas trockener werden, also die Dossage noch etwas reduziert werden.

Eine Auswahl der Grundweine für den neuen Jahrgang von Champagner Jacquart hatte Floriane Eznack mitgebracht. Die Grundweine wurden aus den drei hauptsächlich zur Champagner-Erzeugung verwendeten Rebsorten Pinot Noir (Spätburgunder), Pinot Meunier (Schwarzriesling) und Chardonnay getrennt ausgebaut. Alle sind weiß gekeltert und stammen aus diversen Cru-Lagen der Champagne.

Der Zusammenschluss dreier Regionalgenossenschaften hinter der Marke Jacquart verfügt über Rebflächen in allen vier Produktionsgebieten der Champagne, also der Montagne de Reims, der Côte des Blancs, dem Marne-Tal und der Côte des Bar. Man verfügt über Flächen in zehn Grand Crus und 22 Premier Crus.


Am Ende der Grundweinverkostung konnte jeder seine eigenen Cuvées zusammenstellen. Ich war mit meinem ersten selbst zusammengestellten Weinkaiser-Champagner sogar recht zufrieden. Die original Rebsorten-Zusammensetzung der beiden wichtigsten Jacquart-Cuvées sieht so aus: beim Brut Mosaique werden je nach Jahrgang 35-40% Chardonnay, 35-40% Pinot Noir und 25-30% Pinot Meunier verwendet und beim Brut Rosé 50% Pinot Noir, 40% Chardonnay und 10% Pinot Meunier.

Der Brut Rosé wird schon nach drei Jahren Reife degorgiert (um mehr Frische zu erhalten) und wenig später in den Verkauf gegeben, der Brut Mosaique nach vier Jahren und mein Favorit, der wunderbar harmonische Jahrgangs-Blanc-de-Blancs liegt fünf Jahre auf der Hefe, bevor es ihm an den Kronenkorken geht.

Floriane Eznack meinte, nach ihrer Erfahrung würden die meisten Menschen, die keine Erfahrung mit dem Verkosten von Schaumwein-Grundweinen haben, diese Weine als zu säurebetont empfinden. An diesem Tag war es anders, da die großteils aus dem Rheingau oder Rheinhessen stammenden Teilnehmer durch die Bank Riesling mit seinen noch deutlich höheren Säurewerten gewohnt sind. Mehreren Teilnehmer (auch mir) gefiel ein ungefilterter Chardonnay aus Oger sogar so gut, dass sie ihn sich problemlos als Piraten in einer Blindverkostung namhafter Chardonnay aus dem Burgund vorstellen konnten.

Kellermeisterin Floriane Eznack mit Franz J. Walkucz, dem Geschäftsführer der 1997 in Wiesbaden gegründeten Jacquart Deutschland GmbH. In Deutschland liegt Jacquart derzeit auf dem siebten Platz der Champagner-Marken. Im Jahr 2010 gingen 13,6 % der weltweit verkauften 3 Millionen Flaschen nach Deutschland, Tendenz stark steigend.

Zu den fertigen Jacquart-Champagnern gab es erst herzhaftes Fingerfood wie z.B. dieses Kalbscarpaccio mit frisch gehobeltem Trüffel und viele weitere Leckereien aus der Küche des Nassauer Hofs. Später zum Blanc de Blancs Champagner folgen dann auch feine kleine Dessertvariationen.

Zum Schluss noch mal einen Blick auf  die wichtigste Marke des Hauses:

Champagner Jacquart Cuvée Mosaique
In der Nase nimmt man Briosche, Toast, feine Hefenoten, mürben grünen Apfel, Birnen, gelbe Frucht und Melone wahr, mit etwas Luft auch leicht rauchige Noten. Im Mund neben den Fruchtaromen auch mineralische Noten, nicht zu trocken, wunderbar feines Mousse im Mund. Nur dass er am Ende etwas abflacht, unterscheidet ihn von den richtig Großen. Für 20-24 Euro im Handel ein Preis-Leistungs-Tipp und wie Top-Sommelier Sebastian Georgi anmerkte, trotz hoher Qualität in der Gastronomie immer noch glasweise und 10 Euro möglich.

Alle wichtigen allgemeinen Informationen zu Champagner (Geschichte, Flaschengrößen, Süßegrade, etc.) findet man im ausgezeichneten Champagner-Beitrag bei Wikipedia.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

3 Kommentare

  1. boris maskowNo Gravatar

    obacht: zur champagnerproduktion sind nicht nur die notorischen drei zugelassen, sondern

    ALLLE pinotrebsorten, arbane und petit, meslier,

    so der gesetzestext. arbane und petit meslier spielen heute freilich keine rolle mehr, pinot gris, pinot blanc auch nicht und chardonnay ist genetisch gar kein pinot, aber 1927 sah die champagnerwelt noch anders und uebrigens keineswegs rosig aus

  2. WeinkaiserNo Gravatar

    Danke für die Klarstellung Boris. Ich habe es nun umformuliert.

  3. MandyNo Gravatar

    Ich bin auf der Suche nach Champagner für eine Familienfeier. Wir brauchen 10 Flaschen. Da die hier vorgestellten noch nicht abgefüllt sind, könnten Sie mir einen Tipp geben. Ich kenne mich da nicht so aus…
    Auf einer anderen Webseite habe ich 5 preislich geeignete gefunden: http://www.premium-champagner.de/top-5-premium-champagner/
    Welches ist der beste?
    Danke, Mandy

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