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Jan 25

Sturm, Hagel und Riesling – Weine vom Erie See

Gastbeitrag zur Weinrallye 59 – Exotische Weine

von Marc Herold

Unwetter und Hagelkörner von der Größe kleiner Schneebälle begleiteten mich auf der Fahrt zu meinem exotischsten Weinerlebnis. Dabei war ich gar nicht an den Lake Erie gereist um Wein zu kaufen, sondern wegen einer Tagung. Das Wetter spielte um diese Zeit verrückt, bis an die großen Seen gab es Tornados und der erste Blick am Morgen galt den auf allen Kanälen laufenden Wettervorhersagen, Hagelbilder auf Programmplätzen, auf denen sonst nur finanzielle Gewitter zu sehen sind.

Fast schon bei der Abreise, entdeckte ich in einem direkt am Erie See gelegenen Kiosk, dessen Hauptgeschäft sonst durch den Verkauf von Köderwürmern für Angler bestritten wird, eine Hand voll Weine aus der näheren Umgebung. Besonders war ich über zwei Rieslinge verblüfft. Riesling, hier in der Nähe von Cleveland? Nächstgelegen zu meiner Unterbringung war die „Klingshirn Winery“.

Ich hatte, noch etwas Zeit bis zum Rückflug und nach ein paar Minuten Fahrt wurde meine Verwunderung nur größer. Hier in diesem uramerikanischen Stadtrandgebiet von Avon Lake wächst Wein? Nach ein paar hundert Metern weißer, blendender Gartenzäune, an denen David Lynch seine Freude gehabt hätte landete ich in mitten im Anbaugebiet. Reben, schwerer Boden, alles war entweder grün oder dunkelbraun. Der See war nur noch eine Ahnung auf dem Bildschirm des Navigationsgeräts.

Der Verkaufsraum von Klingshirn wirkt eher wie ein Hofladen eines Bauernhofs, die Weine tragen nur selten Jahrgangsbezeichnungen, direkt nach der Ernte bekommt man hier auch Traubensaft und jungen Wein. Lee Klingshirn, der Sohn des Weingutsgründers schenkt mit großer Zufriedenheit Proben der Weine aus. Der „White Riesling“ wird hier halbtrocken ausgebaut, er wirkt etwas rustikal, ist aber typisch für die Sorte, erfrischend, an Pfirsich und Aprikosen erinnernd und hat eine belebende Säure. Amerikanischer wirkt der „Vidal Blanc“, halbtrocken auch er, gibt es hier mehr zu riechen, die Nase erinnert an die Blumen, die hier in den Vorgärten im Frühling sicher reichlich wachsen. Die Weine passen sicher perfekt zu einem sommerlichen Picknick am See.


Neben Klingshirn gibt es noch ein knappes Dutzend Weingüter am Lake Erie, die viele Möglichkeiten bieten die Gegend um den See über die Weine zu entdecken und der Spur des Unerwarteten zu folgen.


Über den Autor

Marc Herold

Marc ist seit Jahren regelmäßig als Autor hier im Blog aktiv. Wenn der promovierte Chemiker seine Labortür in Hamburg abschließt, beschäftigt er sich am liebsten mit Burgundern und sehr sehr reifen Rieslingen.

2 Kommentare

1 Ping

  1. weinnaseNo Gravatar

    Tach aber auch !

    Tatsächlich sind sie gar nit sooo selten dort anzutreffen , die *R*ieslinge im Chad-Land USA ,
    sogar genießbare ! An den > Finger-Lakes # ex-otisch # sein sollte , haste mit dem Artikel in`s Schwarze getroffen ! Demnächst mal mit > ThaiWeinen , die vom Nachen in Kanälen neben den Rebzeilen gelesen werden . Und dies von süßen Thai-Girls und unter der s.ztg. Leitung einer > deutschen Winzerin ! Datt nenne ich Weinnase > exorbitant charmant – exotisch ! LG CpS

  2. SwetlanaNo Gravatar

    Das ist doch das spannendste überhaupt….man reist ahnungslos durch die Gegend und findet passionierte Menschen, die in Regionen, in denen man keinen Wein vermutet, ein passables Tröpfchen produzieren. Sehr schöner Artikel.

  1. Weinrallye #59 – die Zusammenfassung | The Institute of Drinks

    […] Marc Herold berichtet im Blog von Weinkaiser in seinem interessantem Beitrag von Sturm, Hagel und Riesling mit fast noch interessanteren Weinen vom Erie See […]

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