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Jun 18

Pinot Day 2009

Alles begann am 8. März 2009 mit einer Twitter-Nachricht von @Sportundwein. Der #Pinot_Day 2009 im Hessischen Biebertal-Fellingshausen war geboren. Nach dem Vorbild des Medoc-Marathons organisierte der ehemalige Spitzenskater Jochen Leeder mit seiner Familie einen anspruchsvollen Lauf auf und um den 500 Meter hohen Dünsberg nahe Gießen. Bei perfektem Wetter galt es rund 300 Höhenmeter für Läufer auf 10 km und für Walker auf ca. 6,5 km zu überwinden. Unterwegs warteten vier Verkostungsstationen mit geponserten Pinot(Spätburgunder)-Weinen. Aber auch das Rahmenprogramm hatte es in sich: Um die 100 Pinots aus aller Welt zwischen 5 und über 300 Euro, Berge von leckerem Fleisch und Salaten, der Pinot-Kultfilm Sideways auf der Großleinwand, Gartengolf, lustige Interviews mit Dirk Würtz und vielem mehr. Aber der Reihe nach:

An der ersten Station ein Pinot von einem Jungwinzer vom Moselweingut K.-J. Thul, der gerade sein Studium in Geisenheim abschließt und unter dem Namen @ritsch twittert. Sein Wein hat zwar für meinen Geschmack etwas zu viel Holz- und Vanillearomen, traf aber den Geschmack vieler anderer Teilnehmer genau und stellt mit für deutschen Spätburgunder unglaublich günstigen 5,60 Euro ein absolutes Schnäppchen dar (empfehlenswert sind von diesem Weingut vor allem auch die ebenso günstigen aber deutlich hochwertigeren Rieslinge aus den renommierten Mosel-Steillagen Thörnicher Ritsch und Klüsserather Bruderschaft).

An der zweiten Verkostungsstation, kurz vor dem steilsten Stück der Strecke, folgte ein schöner badischer Pinot vom Heidelberger Weingut Clauer, bei dem der vom Winzerblog bekannte Thomas Lippert (@winzerblog) für die Weine verantwortlich zeichnet. Dieser, sein einfacher Pinot, traf schon eher meinem Geschmack, was Thomas Lippert aber wirklich zu leisten im Stande ist, zeigte sich abends, als sein 2007er „Clauer Nr. 1“ verkostet wurde – ein Klasse-Wein!

An der dritten Verkostungsstation in der Nähe des Gipfels und mit großartigem Ausblick über den Westerwald war das Weingut Karl H. Johner an der Reihe. Patrick Johner (@Johner), Sohn des Weingut-Gründers und selbst erfolgreicher Jungwinzer parallel in Baden und in Neuseelandin, wäre gern selbst zum Pinot-Day gekommen, konnte das aber nicht einrichten. Dafür schickte er  „Johner Spätburgunder vom Kaiserstuhl“ – einen der besten Spätburgunder unter 10 Euro, den ich je im Glas hatte. Der Wein kostet 9 Euro und die ist er wirklich wert. Ich habe letzten Herbst mit Freunden in Bonn eine Blindverkostung mit 63 Spätburgundern (darunter eine Reihe renommierter Weingüter) bis 9,90 Euro durchgeführt und nicht viel Freude gehabt. Dieser Johner ist in der Preisklasse ein echter Lichtblick!

An der letzten Verkostungsstelle wieder am Fuße des Dünsberg erwartete uns Dirk Würtz. Der bloggende und twitternde (@Wuertz) Winzer aus Rheinhessen (mit unverkennbaren Pfälzer Wurzeln) präsentierte seinen aktuellen Pinot Noir. Mit einem Preis knapp unter 20 Euro zwar der teuerste der Verpflegungsweine und durch seine filligrane, mineralische und mit einer ungewöhnlichen Kräuternote versehene Art zwar sicher nicht der ideale Wein für Pinot-Einsteiger, andererseits für Fortgeschrittene auf jeden Fall sein Geld wert. Mittags hatte ich schon die Gelegenheit Dirk Würtz trockenen Riesling „Weinmann+Würtz  2“ zu probieren, mit dem sich ein sonniger Nachmittag auch ganz ohne Berglauf sicher sehr angenehm verbringen läßt. Abends dann noch ein Highlight aus dem Hause Würtz: Ein Pinot – gleiches Traubenmaterial ausgebaut in vier Barriques aus unterschiedlichen Hölzern: Je einmal deutsche, französiche, russische und amerikanische Eiche. Die Unterschiede wurden deutlich schmeckbar.

Dann wurde langsam aus dem strahlenden Sonnenschein, der uns den ganzen Tag begleitete,  eine sternenklare Nacht und die jungen Pinots mussten reifen Raritäten weichen. Ein Highlight, das man sicher nicht oft ins Glas bekommt war der Chambolle-Musigny 1986 von der Domaine Comte Georges de Vogüé im Burgund. Ein toller, aber auch sehr teurer Wein, der zeigt wie lange gute Burgunder reifen können, der allerdings mittlerweile seinen Höhepunkt auch überschritten hat.

Ganz anders der schönste Wein des Abends: Eine 1992er Spätburgunder Spätlese vom Pfälzer Weingut Knipser. Aus einer ganzen Reihe großer Deutscher Spätburgunder aus dem Top-Jahrgang 1992 stach er noch einmal heraus und befindet sich, nun 17 Jahre alt, gerade auf seinem Höhepunkt. Das Deutsche Spätburgunder so lang und so perfekt reifen können, hätte ihnen noch vor wenigen Jahren kaum jemand zugetraut – auch ich nicht.

Neben dem 1992er Knipser gefielen mir vor allem der ebenfalls toll gereifte 1992er Spätburgunder JS vom Ahr-Weingut Jean Stodden und die ganze Palette aus dem Assmannshäuser Höllenberg (zum größten Teil auch 1992er) vom Weingut August Kesseler, vom Weingut des Hotel Krone Assmannshausen (hier auch noch ein Wein aus dem Assmannshäuser Frankenthal) und von den hessischen Staatsweingütern.

Neben diesen ganz alten gab es noch eine ganze Reihe toller Weine aus mittelalten und jungen Jahrgängen: z.B. 1997er vom Weingut Dr. Heger, den „Blauen Spätburgunder“ von Johner, Pinots von Philippi, Rebholz, Bürklin-Wolf,  Spreitzer, Johanninger, dem nicht zu unterschätzenden Weingut der Stadt Mainz, mehrere Spätburgunder (u.a. Centgrafenberg) vom fränkischen Spitzenwinzer Rudolf Fürst, Edition Ponsart Goldkapsel von der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr (2004 und 2006) und den genialen aber noch viel zu jungen 2006er Spätburgunder Großes Gewächs „Im Großen Garten“ Großkarlbacher Burgweg von Knipser.

Einen HD-Film über den Lauf, mehrere Videos mit Interviews (täglich mehr) und einige Fotos finden sich unter:

www.pinot-day.de

Insgesammt ein genialer Tag im Zeichen des Pinot mit sehr sympathischen Weinfans in schönem Ambiente. Der nächste Pinot-Day findet am 05. Juni 2010 statt. Ich bin sicher wieder mit dabei.

Andere Blogs über den Pinot-Day:
Dirk Würtz über den Pinot-Day

Nico Medenbach über den Pinot-Day


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

1 Kommentar

2 Pings

  1. derUltesNo Gravatar

    Mensch, da hab ich ja richtig was verpasst: Der Weinkaiser in Leggings 😉
    Ihr habt wohl trotzdem euren Spaß gehabt…

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