25. Januar 2013

Brasilianischer Wein: Basso Monte Paschoal Chardonnay Dedicato 2012

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 08:48

Einmal im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einen Tag lang einem vorher festgelegten Thema zu widmen. Heute ist ein solcher Tag und das Thema der Weinrallye, wie sich dieser Onlineevent nennt, der heute zum 59. mal stattfindet, lautet exotische Weine. Der Aufruf zur Weinrallye #59 kam vom österreichischen Sommelier Peter Ladinig. Bleibt die Frage, welche Weine oder Weinregionen heute überhaupt noch exotisch sind. Übersee-Weine aus Südafrika, Australien, Neuseeland und Chile gehören heute zum Alltag und sind aus keinem Supermarkt mehr wegzudenken. Auf dem deutschen Markt zwar noch exotisch aber mit 560.000 ha Rebfläche nach Spanien (1.032.000 ha), Frankreich (806.000 ha) und Italien (776.000 ha) mittlerweile viertgrößte Weinbaunation der Welt ist China.

Noch seltener als chinesische Weine, die hierzulande zumindest in China-Restaurants immer häufiger werden, findet man brasilianische Weine auf dem deutschen Markt. Daher habe ich mich für einen Wein von dort entschieden. In kaum einem anderen Land hat sich in den letzten 15 Jahren in Sachen Weinbau so viel getan wie hier. Heute wird in Brasilien auf 92.000 ha Weinbau betrieben. Damit liegt das südamerikanische Land nur knapp hinter Deutschland, wo 102.000 ha Rebfläche im Ertrag stehen. Brasilien hat aber nicht nur quantitativ aufgeschlossen, die Qualität der Weine hat inzwischen internationales Niveau erreicht.


Erste Gehversuche in Sachen Weinbau gab es in Brasilien zwar schon im 16. und 17. Jahrhundert, die Grundlagen der heutigen Erfolge wurden aber erst rund 200 Jahre später gelegt. Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich italienische Einwanderer in den kühleren Regionen im äußersten Süden Brasiliens nieder und pflanzen dort die ersten Weinberge. Die nötige Kompetenz und auch die ersten Rebsorten brachten sie aus Italien mit. Bis zum beginn des Qualitätsweinbaus vergingen aber noch einmal einige Jahrzehnte. In den 70er Jahren begannen die ersten Betriebe, sich um hochwertiges Lesegut zu bemühen. Nach einer Reihe weiterer Zwischenschritte begann erst Mitte der 90er Jahren die Zeit der Gutsabfüllungen von Flaschenweinen. Von diesem Zeitpunkt an ging es rasant aufwärts. Millionensummen wurden in moderne Kellertechnik investiert und internationale Spitzenönologen wie der aus dem Bordeaux bekannte Flying Winemaker Michel Rolland wurden als Berater engagiert. International wettbewerbsfähig, auch in Sachen Preis/Leistung sind vor allem die brasilianischen Schaumweine. Hier gibt es mittlerweile ein breites Angebot zu fairen Preisen. Die besten Rotweine des Landes sind leider im Heimatmarkt mittlerweile so gefragt, dass für sie recht hohe Summen aufgerufen werden, wenn es doch einmal ein paar von ihnen nach Europa schaffen.

Wie man auf der Karte gut sehen kann, ist fast ausschließlich der südliche Zipfel Brasiliens bis dicht an die Grenze zu Uruguay für den Weinanbau von Relevanz. Die Serra Gaúcha im Bundesland Rio Grande do Sul ist das größte und wichtigste Weinbaugebiet Brasiliens. Von hier kommt auch der heute vorgestellte Chardonnay von Basso. Die beiden bedeutendsten Regionen der Serra Gaúcha sind Vale dos Vinhedos (das “Tal der Weinberge”, seit 2001 Brasiliens erste zertifizierte Herkunftsregion) und Pinto Bandeira (v.a. für Schaumweine bekannt). Die Rebflächen liegen in Höhen von 450 bis 750 Metern. Die hier heimischen 630 Weingüter produzieren ca. 90% der hochwertigen Weine Brasiliens. Die wichtigsten weißen Rebsorten in Serra Gaúcha sind Chardonnay, Moscato Bianco, Riesling Italico, Malvasia, Semillion, Glera, Flora und Gewürztraminer. Bei den Roten sind es Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Tannat, Ancellotta, Pinot Noir, Carmenére, Pinotage und Gamay.

Richtig exotisch ist die kleine Weinbauregion Vale do São Francisco, die am 8. Breitengrad liegt (rund 6.000 km nördlich der anderen brasilianischen Weinregionen) und damit das äquatornächste Weinbaugebiet der Welt ist. Weinbau wird hier in Höhen von 100-400 Metern betrieben. Trotzdem herrscht ein heißes und feuchtes Klima und die Durchschnittstemperaturen liegen das ganze Jahr über bei 20°C (Winter) bis 31°C (Sommer). Dadurch sind hier zwei Weinlesen im Jahr möglich. Der Vegetationszyklus dauert nur 120-130 Tage.

Basso Monte Paschoal Chardonnay Dedicato 2012
Für diesen Wein gibt es noch keinen Importeur in Deutschland, vor Ort wird er für umgerechnet ca. 25 Euro verkauft. Er stammt von den mit 750 Metern höchstgelegenen Teilen der Serra Gaúcha, wo die Reben auf lehmigen Böden wachsen. Der Produzent gibt an, dass die Trauben handgelesen werden, der Most in Edelstahltanks vergoren und der Wein anschließend für sechs Monate in Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche ausgebaut wird. Die anschließend noch aufgelistete Flaschenreife kann in diesem Fall nicht allzu lange gedauert haben, denn seit der Lese des Jahrgangs 2012 auf der Südhalbkugel sind gerade einmal rund 10 Monate vergangen.

Helles goldgelb, in der Nase sowohl der elegante Holzeinsatz als auch die opulenten Fruchtaromen gut wahrnehmbar, leichte Vanillenoten, weiße Schokolade, frische Butter, überhaupt sehr cremig und trotz nur 1,4 Gramm Restzucker hat man immer das Gefühl einer angenehmen leichten Süße. Da er auch die nötige Säure mitbringt wird es trotzdem nicht zu sättigend oder langweilig. Der Alc. (12,7 % Vol.) ist wunderbar eingebunden und für die Qualität des Weins spricht außerdem, dass der Geschmack im Abgang sehr lange anhält. 89+P

Das gleiche Paket mit hochwertigen brasilianischen Weinen, das Weine aus Brasilien mir sowie einigen anderen Bloggern und Weinjournalisten letzte Woche zu Verfügung gestellt hat, wird übrigens gerade auch auf der neuen Facebookseite von Weine aus Brasilien verlost.

15. Juni 2011

Alles Terroir oder was? Winemaking bei Penfolds mit Peter Gago

Kategorie: Wein, Weinwissen — Weinkaiser @ 19:46

In der deutschsprachigen Weinwelt läuft nach einem Beitrag von Spitzenwinzer H.O. Spanier in der Welt am Sonntag mal wieder die Terro(i)r-Diskussion, was wohl wichtiger sei, die Weinbergslage und ihr Kleinklima oder schlicht der Winzer. Dazu herrscht in Deutschland immer noch das Vorurteil, alle guten Weine müssten aus einer Lage und einer Rebsorte gekeltert sein, alles andere sein minderwertiges Gepansche. Erst am letzten Wochenende hat mir bei der Jahrgangspräsentation eines Spitzenweinguts an der Mosel mein zufälliger Tischnachbar erklärt, er kaufe seit neustem nichts mehr bei einem bestimmten Top-Weingut an der Ahr, da er erfahren habe, dass sie dort nun auch Weine aus verschiedenen Rebsorten zusammen kippen würden. Großen Bordeaux liebt er natürlich…

Während es hierzulande also offenbar immer noch geschäftsschädigend sein kann, seine Kunden allzu sehr in die eigene (seriöse) Kellerpraxis einzuweihen, wird dieses Thema am anderen Ende der Welt absolut offen behandelt und niemand scheint damit ein Problem zu haben.

Bei einem Seminar vor einigen Monaten im Adlon präsentierte Peter Gago, der Chef-Weinmacher von Penfolds den staunenden Teilnehmern nicht nur aktuelle und gereifte Grange-Jahrgänge sondern auch eine spannende Powerpoint-Präsentation, wie bei Penfolds Weine kreiert werden.

Die für einen Wein zu Verfügung stehenden Weinberge wurden anhand der Frucht- und Gewürzaromen aufgeschlüsselt, die je nach Lesezeitpunkt aus diesem Bereich zu erwarten sind. Hier beginnt die Vorbereitung der Assemblage nicht erst mit vorhandenen Fassproben, sondern bereits vor der Lese. Penfolds nutzt diese Tabellen auch um auf Wetterturbulenzen zu reagieren (weiterlesen…)

8. März 2011

XXVI. Hamburger Wein Salon 2011

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 17:18

Während das Rheinland am vergangenen Wochenende auf den Höhepunkt der Karnevalssession zusteuerte, fand in Hamburg bereits die erste größere Weinmesse des Jahres statt. Zum vom Weinjournalisten Mario Scheuermann veranstalteten 26. Hamburger Wein Salon in den historischen Börsensälen der Hamburger Handelskammer kamen trotz herrlichem Vorfrühlingswetter (man hörte, es sei das erste durchgehend schöne Wochenende in Hamburg seit Monaten) etwas über 800 Besucher. Die reisten zum Teil sogar eigens aus dem Ausland an, wie eine Gruppe von 21 Mitglieder des Weinklubs aus dem dänischen Tønder, die sich begeistert zeigte.

Auch die Aussteller waren zufrieden, vor allem wegen der hohen Qualität des Publikums. Das gebe es so bei keiner anderen Veranstaltung in Hamburg.

GRAND PRIX D`EXCELLENCE  - KOLLEKTION DES JAHRES
Weingut Winfried Frey & Söhne, Essingen, Pfalz

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - international -
Weingut Ernst, Deutschkreutz, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - national -
Weingut Heinz Pfaffmann, Pfalz
Weingut Ökonomierat A. Schmitt, Saar

GRAND PRIX D`EXELLENCE - WEISSWEIN DES JAHRES
2009 Erbach Marcobrunn EG, Domänenweingut Graf Schönborn, Rheingau

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ROTWEIN DES JAHRES
2007 Admiral, Weingut Pöckl, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - SÜSSWEIN DES JAHRES
2009 Merlot Eiswein Blanc de noir, Weingut Winfried Frey, Pfalz

Als kleiner Nachtrag noch meine persönlichen Highlights des letztjährigen Wein Salons (2010), die ich im letzten Jahr zwar aufgeschrieben aber nicht veröffentlicht hatte: (weiterlesen…)

1. März 2011

Pfälzer Barrique Forum präsentiert die „Großen Weine“ der Kollektion 2011

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 23:13

Das Pfälzer Barrique Forum präsentierte vergangenen Freitag im Ketschauer Hof zu Deidesheim vor Presse und Fachpublikum 24 Weine von 17 Winzern, die zuvor in einer zweitägigen verdeckten Verkostung von einer unabhängigen Jury als die besten der 120 angestellten Weine ausgewählt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen.

Im Gegensatz zu diversen anderen Preisen wird dieser Titel nicht mit der Gießkanne vergeben. Das 1993 gegründete Pfälzer Barrique Forum hat mittlerweile 48 Mitgliedsweingüter, die üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb anstellen, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die besten ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein. Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.

Den rund 100 Fachbesuchern im Ketschauer Hof wurden fünf Weiß- und 19 Rotweine präsentiert. Sie stammen aus den Jahrgängen 2009 (die 5 Weißweine), 2008 (10 Rotweine) und 2007 (8 Rotweine). Die prämierten Weißweine wurden aus den Burgundersorten Chardonnay und Weißburgunder erzeugt; die Roten aus Spätburgunder, Frühburgunder, St. Laurent, Dornfelder, Dunkelfelder, diversen Cabernet-Sorten und Merlot.

Am 12./13. Mai 2011 wird die Kollektion der Großen Weine 2011 im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Der komplette Pressetext des Pfälzer Barrique Forums mit weiteren Informationen

Die 24 Großen Weine der Kollektion 2011

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30. Januar 2011

Peter Fischer und sein Château Revelette

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:38

Einer der spannendsten Süßweine in Frankreichs Süden stammt von einem deutschen Winzer, der sein Handwerk allerdings komplett im Ausland erlernt hat. Peter Fischer, 1959 in Bühl bei Baden geborener Urahn des UHU-Alleskleber-Erfinders August Fischer, ging nach dem Abitur in der Schweiz zu einem Farmpraktikum in die USA, worauf ein Weinbaustudium an der renommierten University of California in Davis folgte. Nach dem Studienabschluss folgten Praxiszeiten im bekannten Weingut Buena-Vista in Sonoma und einem italienischen Weingut. Als Peter Fischer 1984 dann mit Emmanuel Gaujal in einem önologischen Institut in der Provence arbeitete und auf der Suche nach einem für ihn geeigneten Betrieb war, entdeckt er das aus dem 17. Jahrhundert stammende Château Revelette in Jouques (30 km nördlich von Aix-en-Provence), auf dessen 90 Hektar Fläche zwar nur noch ca. 10 ha für Fasswein-Anbau genutzt wurden, das sich aber mit seinem Syrahbestand und mit idealen klimatischen Bedingungen von den vielen anderen in dieser Zeit angebotenen Betrieben abhob.

Im Süden wird das in einer Höhe von 330 bis 400 Meter liegende Anwesen durch die berühmte Montagne St. Victoire von den klimatischen Einflüssen des Mittelmeers abgeschirmt. So entsteht ein spezielles Mikroklima mit ungewöhnlich kühlen Wintern und sehr heißen Sommern und einem milden Herbst. Laut Fischer herrscht hier das kühlste Klima der Provence mit regelmäßigen Temperaturunterschieden von 20 Grad zwischen Tag und Nacht.

1985 konnte Familie Fischer das Weingut übernehmen und der gerade mal 26-jährige Peter Fischer übernahm die Verantwortung vor Ort. Er stellte konsequent auf biologischen und qualitätsorientierten Anbau um und vergrößerte den Betrieb wieder auf zwölf Parzellen mit insgesamt 24-25 ha (vor einigen Jahrzehnten, noch unter den Vorbesitzern, hatte Château Revelette einmal 40 ha). Größer soll es nicht mehr werden, da sonst die Bearbeitung nicht mehr wie bisher im kleinen Team mit nur drei ganzjährig beschäftigten Mitarbeitern möglich wäre. Peter Fischer scheint hier endgültig angekommen zu sein, ist nun mehr als 25 Jahre in dem kleinen Provence-Ort zuhause und verheiratet mit Sandra, der Tochter des Vorbesitzers von Château Revelette, mit der er auch zwei gemeinsame Kinder hat.

Von Château Revelette werden neun Rebsorten angebaut:
Rot: Syrah, Grenache, Cabernet Sauvignon, Carignan, Cinsault
Weiß: Ugni Blanc, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Rolle (Vermentino)

Château Revelette ist von Ecocert als biologisch arbeitendes Weingut zertifiziert und arbeitet de facto sogar biodynamisch, will aber nicht auf die teilweise ideologisch fragwürdige aktuellen BioDyn-Welle aufspringen. Es wird also nicht nur auf chemische Spritzmittel, Enzyme oder Zuchthefen verzichtet (also spontan vergoren), gedüngt wird mit Schafsmist, gespritzt mit Algenextrakt und ausgebaut wird nicht wie heute meist üblich in Stahltanks, sondern in temperaturstabileren Betontanks und in an historische Weinamphoren erinnernde Zementeiern, die von Biowein-Pionier Daniel Schlaepfer konstruiert wurden. Stahl sei nicht ideal, da er statisch aufgeladen sei, wodurch der Wein nicht zur Ruhe komme und außerdem nicht atmen könne. Auf Sulfite kann natürlich nicht komplett verzichtet werden, es würden aber nur geringstmögliche Mengen verwendet.

Das ein Pfau als Symbol auf einem Teil der Etiketten und der Kapsel verewigt wurde ist kein Zufall, denn auf dem Weingut haben neben der Winzerfamilie zahlreiche Pfauen, Enten, Gänsen, Wachteln, Hasen und Hunde ihr Zuhause.

Der trockene weiße Top-Wein “Le Grand Blanc”, ein reinsortiger Chardonnay, reift zu einen Drittel für sieben Monate im Barrique (mit Bâtonnage, langem Hefelager und BSA), der Rest wird im Tank ausgebaut und später verschnitten. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich guter Chardonnay, der sowohl in seiner Jugend mit für einen dichten Chardonnay erstaunlicher Frische, schöner Säure, Mineralität und perfektem Holzeinsatz überzeugt aber auch wunderbar reifen kann. Dem FAZ-Weinkolumnisten Horst Dohm hat Peter Fischer übrigens eröffnet, dass er heute bei einem Neuanfang nicht mehr so sehr auf Chardonnay setzen würde, sondern mehr auf die regionalen Rebsorten Ugni Blanc und Clairette.

Der rote Spitzenwein “Le Grand Rouge” bleibt bis zu 30 Tage auf der Maische, lagert 12-14 Monate in gebrauchten Holzfässern (ein Fünftel in neuen Barriques), wird wenn nötig mit Eiweiß geklärt und nicht gefiltert. Früher waren Syrah und Cabernet Sauvignon sind zu etwa gleichen Anteilen vertreten. Neuerdings ist wohl auch Grenache dabei. Der Wein geht vor allem an die Spitzengastronomie. Ich hatte kürzlich noch einmal den wunderbar gereiften 1998er in einem Rheingauer Restaurant. Der hatte mir mit seiner wunderbaren Frucht und den sanften Tanninen schon jung sehr gut gefallen, leider ist meine eigene Kiste davon aber inzwischen leer…

Die beiden “Le Grand”-Weine sind als Vin de Pays des Bouches du Rhône klassifiziert. Mehr ist trotz bester Qualität gesetzlich nicht möglich, da nicht nur die regional vorgesehenen Rebsorten eingesetzt werden.

Die Or Série ist ein hochkonzentrierter Süßwein mit über 200 Gramm Restzucker bei 13 % vol, wie hoch der Glycerin-Anteil ist, kann man an den intensiven Schieren im Foto ganz oben erkennen. Deutliche Botrytisnoten, kandierte Zitrusfrüchte, Crème Brûlée und auch die nötige Säure (die bei vielen anderen französischen Süßwein ohne Rieslinganteil leider fehlt) für ein langes Leben. Das ist ein idealer Dessertwein - also nicht als Wein zum Dessert, sondern als eigenständiges Dessert. Passt nach meiner eigenen Erfahrung natürlich auch genial zu Foie Gras und würde wohl auch gut zu Blauschimmelkäse passen, der bei mir allerdings nie auf den Teller kommen wird.

Neben den drei langlebigen Spitzenweinen gibt es als AOC Coteaux d’Aix en Provence eine kurzlebigere Basisline in Rot (50% Grenache, 30% Syrah, 20% Cabernet Sauvignon), Weiß (40% Ugni blanc, 35% Rolle and 25% Sauvignon blanc) und Rose (70% Grenache, 15% Cinsault, 10% Syrah, 5% Carignan), sowie eine BIB (Bag in Box) mit Tafelwein für die Ortskneipen.

Seit 2002 betreibt Peter Fischer gemeinsam mit seinen beiden befreundeten Winzern Jean Michel Gérin (Côte Rotie) and Laurent Combier (Crozes Ermitage) unter dem Namen Trio Infernal ein weiteres Weinbauprojekt im spanischen Priorat (30 km südwestlich von Tarragona in Katalonien). Das Projekt scheint ein voller Erfolg zu sein, so gab es nicht nur sofort höchste Parker-Bewertungen sondern auch El Mundo, Spaniens wichtigste Tageszeitung, ernannte die 2004er Trio Infernal Cuvee No. 2/3 zu Spaniens Wein des Jahres. Der 18 Monate in neuem französischen Holz ausgebaute Wein besteht zu 100% aus Trauben von 90 Jahre alten Carignan-Rebstöcken.

Château Revelette

Peter and Sandra FISCHER
13490 Jouques, Frankreich
Tel: 33 (0)4 42 63 75 43
Fax: 33 (0)4 42 67 62 04

9. März 2010

14. Rheingau Gourmet & Wein Festival: Beringer Vineyards Tasting

Kategorie: Veranstaltungen, Wein — Weinkaiser @ 23:55

Rheingau Gourmet Festival: Beringer Tasting

Im Rahmen des 14. Rheingau Gourmet & Wein Festival präsentierte das kalifornische Weingut Beringer Vineyards eine Auswahl seiner Weine im Gutshaus des VDP-Weinguts Georg Müller Stiftung in Hattenheim. Moderiert wurde die Veranstaltung abwechselnd in deutscher und englischer Sprache. Den englischen Part übernahm der eigens dafür aus Kalifornien angereiste Beringer-Vertriebsleiter. Auf Deutsch stand Kai Schattner Rede und Antwort. Er wurde 2003 als Sommelier des Jahres im GaultMillau WeinGuide für seine Arbeit im Sternerestaurant Ente im Hotel Nassauer Hof Wiesbaden  ausgezeichnet. Schattner, der das Weingut Beringer in den letzten Jahren mehrfach besucht hat, war damit ein kompetenter Ersatz für den kurzfristig verhinderten Weinjournalisten Ingo Swoboda, der im Vorfeld der Veranstaltung als Moderator angekündigt war.

Das 1876 von den Mainzer Brüdern Jacob und Frederick Beringer in St. Helena (Kalifornien) gegründete Weingut Beringer ist das älteste durchgängig betriebene Weingut im Napa Valley. Heute ist das Weingut allerdings nicht mehr in der Hand der Familie Beringer. Die Familie verkaufte das Weingut 1971 an Nestlé. Mittlerweile gehört Beringer Vineyards zur Forster’s Group, einem weltweit tätigen australischen Getränkekonzern. Beringer besitzt derzeit über 4.000 ha Rebfläche und erzeugt im Durchschnitt 90 Mio. Flaschen Wein pro Jahr.

Das Weingut mit dem 1850 erbauten Hudson House, dem 1884 nach dem Vorbild der Mainzer Familienvilla erbauten Rhine House, den Rund 400 Meter langen Tunneln (die schon in Zeiten ohne Klimaanlage ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für Ausbau und Lagerung der Weine ermöglichten) und dem Weinbaubetrieb selbst, der als einer der weltweit ersten über mehrere Ebenen so angelegt wurde, dass die Verarbeitung von der Traube bis zum Wein ohne Pumpen und nur mit natürlicher Schwerkraft möglich war, kann ganzjährig besichtigt werden. Im Jahr 2001 wurde Beringer Vineyards in das National Register of Historic Places (Nationales Verzeichnis der Historischen Stätten), die offizielle Kulturdenkmalliste der US-Regierung aufgenommen.

Verkostet wurden: (weiterlesen…)

15. Dezember 2009

Champagner Chapuy Grand Cru Blanc de Blancs Brut Réserve und Rosé Tradition

Kategorie: Schaumwein — Weinkaiser @ 09:32

Das kleine Champagnerhaus Chapuy in Oger ist in Deutschland noch recht unbekannt. Der Familienbetrieb besitzt in 8 Hektar eigene Rebflächen in Grand Cru Lagen in Oger, die komplett mit Chardonnay bepflanzt sind. Oger ist eine von nur 17 Champagne-Gemeinden (von insgesamt 319) deren Lagen als Grand Cru ausgewiesen wurden.

Champagner Chapuy Grand Cru Blanc de Blancs Brut Réserve
Ein kaum bekannter Grand Cru Champagner für gerade einmal 26 Euro, so sehen Dinge aus, die meine Neugierde erwecken. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch und stiegen auch nur minimal, als ich von 90 Punkten im Wine Spectator gelesen habe. Daher war die Überraschung um so größer. Dieser aus 100% Chardonnay aus Grand Cru Lagen in Oger produzierte Blanc de Blances ist richtig schön trocken, hat eine sehr feine Perllage und Cremigkeit, eine tolle frische Zitrusnote, einen feinen Hefeton, einen Hauch Haselnuss und auch sonst alles, was ein toller Champagner braucht. Einzig die nussigen Aromen könnten meinen persönlichen Champagner-Vorlieben entsprechend noch etwas ausgeprägter sein. Eine schöne Champagner-Entdeckung mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis. 91P

Mit dieser Meinung scheine ich auch nicht ganz allein zu sein. Offenbar hatte auch Mario Scheuermann diesen Champagner in den letzten Tagen im Glas und kam, wie man bei Twitter lesen konnte, zu einem ähnlichen Ergebnis… (weiterlesen…)

26. August 2008

Top Pouilly-Fuissé von Robert Denogent

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:40