8. Januar 2011

Unter dem Titel Weinwunder Deutschland zeigte der Bayerische Rundfunk in den letzten 14 Tagen die ersten sechs Teile einer insgesamt erst einmal auf zwölf Folgen angelegten Wein-Dokumentation mit dem Weinjournalisten Stuart Pigott. In der Ankündigung des BR wird der “Engländer im großkarierten”, wie Pigott sich in Anspielung auf seinen extravaganten Kleidungsstil gerne selbst nennt, vom BR gleich mal als “Deutschlands oberster Verkoster von Wein” vorgestellt. Diese Ankündigung lässt eine TV-Serie nach dem Oberlehrerprinzip erwarten, was allerdings glücklicherweise nicht eintrifft. Der aus London stammende Autor, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt (zuerst in Bernkastel an der Mosel, später in Berlin), fordert seine Zuschauer in den Beiträgen mehrfach auf, nicht irgendwelchen Weinexperten oder Gurus zu vertrauen, sondern nach ihrem eigenen Geschmack zu entscheiden.
Die kurzweiligen Beiträge sind jeweils 30 Minuten lang und zeigen Stuart, der im Beitrag mit allen Winzern bis hin zu Egon Müller per Du ist, als Dauer(Bahn)reisend in Sachen Wein. In jeder Folge besucht er im Durchschnitt drei Weingüter und informiert sich (oder besser die Zuschauer) zum Thema der jeweiligen Folge. Da die Zielgruppe der Sendungen nicht der kleine Kreis der Weinverrückten sondern der durchschnittliche Zuschauer ist, bleibt es bei einer Reihe von Themen nur an der Oberfläche aber das lässt sich in einem solchen Format wohl nicht vermeiden. Die erste Folge (Riesling-Renaissance) gehört zum Besten, was ich seit langem über Wein im Deutschen Fernsehen gesehen habe, die weiteren Folgen sind von unterschiedlicher Qualität.
Besonders die dritte (Guter Wein in rauen Mengen?) und die fünfte Folge (Junge Wilde im Wein) zeigten Schwächen. Beim Thema Massenwein blieben besonders viele Fragen offen, die anschließende Blindverkostung in einem der spannendsten Weinlokale Deutschlands (Weinstein) war leider alles nur nicht blind und die jungen Wilden, sind weder jung noch wild: Philipp Wittmann ist VDP-Vorsitzender in Rheinhessen und gehört mittlerweile zu 15 besten Winzern Deutschlands, ist also extrem erfolgreich aber sicher kein junger Wilder mehr. Auch bei Anthony Hammond von der anschließend besuchten Garage Winery liegt die junge wilde Zeit lange zurück. Das einzige, dass hier noch wild ist, scheinen die Hefen bei der Spontanvergärung zu sein. In dieser Folge lässt Stuart Pigott seine Gastgeber auch seinen ersten eigenen Wein verkosten, einen Müller-Thurgau, von dem es nur 264 Flaschen gibt und den Pigott auf 0,1 ha , die er vom Fränkischen Winzerhof Stahl zu Verfügung gestellt bekam mit einem Ertrag von 19,8 Hektoliter pro Hektar im Herbst 2009 gelesen hat. Der in Rieslingflaschen mit Schrauber gefüllte Wein hat eine für Müller erstaunlich hohe Qualität und wenn ich die Rebsorte nicht vorher gewusst hätte, als ich den Wein im Herbst bei der Tafelrunde des Klitzekleinen Ring vom “Neuwinzer” gereicht bekam, wäre ich sicher auch nicht darauf gekommen.
Alle bisherigen Folgen können noch kurze Zeit über die Mediathek des Bayerischen Rundfunk angesehen und heruntergeladen werden, aber durch die Vorschriften zur Löschung von Onlinemedien im Rundfunk-Staatsvertrag werden sie wohl in Kürze wieder aus dem Internet verschwinden. Im Frühjahr sollen die ersten sechs Folgen auch auf DVD erscheinen und im Januar 2012 sollen weitere sechs Folgen ausgestrahlt werden. Zur Serie ist auch ein Buch im Tre Torri Verlag erschienen.
Nachtrag: Die DVD ist jetzt erhältlich und wird in einem anderen Beitrag dieses Blogs vorgestellt und hier findet sich ein Beitrag zu zweiten Staffel.
Weinwunder Deutschland - Folge 1 - Die Riesling-Renaissance
(Weingüter: Heymann-Löwenstein, Tesch und Dr. Loosen)
Weinwunder Deutschland - Folge 2 - Die Rotwein-Revolution
(Weingüter: Meyer-Näkel, Thomas Hensel und Gerhard Aldinger)
Weinwunder Deutschland - Folge 3 - Guter Wein in rauhen Mengen?
(Weingüter: Markus Schneider, Fritz Keller, Juliusspital und Winzergemeinschaft Franken (GWF))
Weinwunder Deutschland - Folge 4 - Die Ökowein-Welle
(Weingüter: Ökonomierat Rebholz, Clemens Busch und Dr. Randolf Kauer)<
Weinwunder Deutschland - Folge 5 - Junge Wilde im Wein
(Forschungsanstalt Geisenheim, Weingüter Wittmann und Anthony Hammonds Garage Winery)
Weinwunder Deutschland - Folge 6 - Süßwein - ein Herbstmärchen?
(Weingüter: Egon Müller, Joh. Jos. Prüm, Alexander Gysler)
20. August 2010

Unter dem Thema “Wein und Musik” hat der Wein-Reich-Blog die Weinrallye #36 ausgerufen. Man könnte nun darüber schreiben, welche Musik man zu welchem Wein hören soll, so wie es diverse Bücher gibt, welche Speisen zu welchem Wein passen oder welche Frau zu welchem Wein passen soll. In diesem Betrag wird aber darum gehen, welche Musik der Wein bei seiner Entstehung zu hören bekommt.

Winzer Reinhard Löwenstein vom Weingut Heymann-Löwenstein ist immer für neue Ideen zu haben und er wird sich gedacht haben, wenn schon bei Kühen erwiesen ist, das sie bei der richtigen Musik mehr und bessere Milch geben, warum soll sein sehr vom Terroir-Gedanken geprägter Wein nicht auch noch besser werden, wenn ihm natürliche heimische Musik vorgespielt wird. So wurden 2007 sechs Orgelpfeifen aufgehängt, die angetrieben vom Wind und seinen Geräuschen vor dem Weingut Klänge durch die Decke des über hundert Jahre alten Gewölbekellers leise Klänge in den Keller transportieren, die entfernt an Walgesänge erinnern. Ein Großteil der erzeugten Geräusche liegt dabei allerdings außerhalb des menschlichen Hörspektrums.

Neben der Luft in den Orgelpfeifen kam in der Folgezeit auch das Element Wasser den Keller. Ihm wurde eine Installation gewidmet, bei der Moselgrundwasser aus einem Stein heraus austritt und über eine Stahlrinne durch eines der drei langen Kellergewölbe fließt.

Auch Kunst im Keller darf nicht fehlen.

Auch die Beleuchtungselemente im gesamten Keller wurden verziert. Hier zu sehen an der Treppe in den Keller (weiterlesen…)
19. Mai 2010

Im Rahmen der Aktion “Chefreakteur für einen Tag” (#cr41day) der Rhein-Zeitung durfte Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo am gestrigen Dienstag für einen Tag in die Rolle des Chefredakteurs schlüpfen. Heute erscheint die von ihm verantwortete Ausgabe der Rhein-Zeitung (Verbreitungsgebiet: nördliches Rheinland-Pfalz von Mainz bis an die nordrhein-westfälische Landesgrenze kurz vor Bonn).
Auf einer landesweit erscheinenden Seite stellte Kurzzeitchef Lobo dabei den drei Weinbloggern Mario Scheuermann (DrinkTank), Dirk Würtz (Würtz-Wein) und dem Weinkaiser-Blog Platz für Weintipps und ein Weingutsportrait zu Verfügung. Auf die halbe Zeitungseite passten natürlich nur Kurzfassungen der Epfehlungen. Die ausführlichen Fassungen der drei Beträge finden Sie auf der Internetseite der Rhein-Zeitung unter “Wein-Wissen aus dem Netz: Drei Blogger geben Tipps“. Die kompletten ePaper- und die PDF-Ausgaben der Rhein-Zeitung sind heute und morgen übrigens kostenlos abrufbar.
Den Weinkaiser-Beitrag finden Sie auch hier:
Immer wieder lecker:
Die zartfruchtigen Riesling Kabinett- und Spätlese-Weine vom Weingut Reinhard & Beate Knebel aus der Steillage Winninger Röttgen gehören zu den allerbesten Weinen ihrer Art. Egal ob der etwas leichtere und frischere Röttgen Kabinett, die konzentriertere Röttgen Spätlese oder die hochkomplexe Röttgen Spätlese Alte Reben:

Diese Weine mit ihren intensiven Steinobst- und Zitrusfruchtaromen, der feinen Süße, der wunderbar herben und leicht kräutrigen Mineralität und der erfrischen Säure haben hohes Suchtpotential. Diese Mosel-Rieslinge schmecken übrigens nicht nur jung. Beim Kabinett über 5-6 Jahre und bei den Spätlesen über mindestens acht Jahre werden die Aromen immer komplexer und die Süße wird im Gegenzug immer geringer wahrnehmbar. Gute Rieslinge zeigen ihr volles Potential eben meist erst mit ein paar Jahren Reife.
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9. Dezember 2009

Vertikalen großer Bordeaux sind keine Seltenheit, ist es doch (zwar mit gewissem finanziellen Aufwand) fast immer möglich, fehlende Flaschen über die vielen regelmäßig stattfindenden Auktionen zusammen zu tragen. Eine solche, fast lückenlose, Vertikale eines deutschen Top-Rieslings sucht allerdings ihres gleichen, da kaum jemand alle dazu nötigen Weine selbst eingelagert hat und reife Rieslinge auf Auktionen und im Handel so gut wie nie zu bekommen sind.

Zwei Bonner Weinfreunde, beide seit langem Heymann-Löwenstein-Fans, haben den Großteil dieser Uhlen-Kollektion aus ihren umfangreichen Privatsammlungen zusammen getragen und die noch fehlenden Jahrgänge konnten mit Hilfe von Winzer Reinhard Löwenstein und des Berliner Lokals Weinstein hinzugefügt werden.

Zur Verkostung standen 20 verschiedene Uhlen-Riesling aus dem Weingut Heymann-Löwenstein von 1996 bis 2007. Dazu gab es einen als Pirat angekündigten Wein, der ohne nähere Angaben zu seiner Herkunft aus dem Dekanter serviert wurde. Bis zum Jahrgang 2000 füllte Reinhard Löwenstein nur einen “trocken” Uhlen, seit 2001 werden die Schieferformationen Roth Lay (Uhlen R), Laubach (Uhlen L) und Blaufüßer Lay (Uhlen B) von Löwenstein getrennt ausgebaut. Seit dem gibt es also jählich drei sensorisch mehr oder weniger trockene Uhlen-Rieslinge. Nach einer kurzen Diskussion vor Beginn der Verkostung haben wir uns für die Probenreihenfolge beginnend mit den ältesten Jahrgängen und endend mit den jüngsten entschieden. (weiterlesen…)
22. November 2009

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen Riesling Auslese Goldkapsel 1998
Kräftiges goldgelb, intensiver Duft von Grapefruit und reifen Pfirsichen, im Mund auch herbe Grapefruit, Pfirsich, Mirabellen, Mandarine, etwas Botrytis, cremig, ein Hauch Karamell, saftig, eine feine dezente Süße, stabile Säure, gute Länge. 94P
So meine Verkostungsnotiz vor einigen Wochen, als ich eine der Flaschen mit Freunden zur Creme Brûlée getrunken habe. Die heutige Flasche wollte ich eigentlich zum Abschluss der gestrigen Verkostung von 21 “trockenen” Uhlen aus dem Hause Heymann-Löwenstein von 1996-2007 beisteuern, habe sie aber im Eisschrank vergessen. Da ich erst 12 Stunden später zurück war, rechnete ich mit einer geplatzten Flasche. (weiterlesen…)
1. Februar 2009

Heymann-Löwenstein Riesling Schieferterrassen 2003
Der Riesling Schieferterrassen ist seit Mitte der Neunziger Jahre der Basiswein des Winninger Weingutes Heymann-Löwenstein. Einige Jahre hatte Reinhard Löwenstein den Namen Schieferterrassen markenrechtlich geschützt, mittlerweile ist er wieder freigegeben und hat bereits eine Reihe von Trittbrettfahrern gefunden. Dies hier und heute ist also sozusagen das Schieferterrassen-Original und da es von der 2003er Variante dieses Weines mehrere unterschiedlich ausgefallene Füllungen gibt sei hier auch das Ende der AP-Nr. genannt: 0404. (weiterlesen…)
1. Dezember 2008

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen Riesling Auslese Goldkapsel 1997
Auf diesen Wein hatte ich eine gewisse Vorfreude. Eine 1995er Uhlen Auslese (1/1 Flasche ohne Goldkapsel) von Reinhard Löwenstein, im Sommer 2007 getrunken, zählt zu den besten gereiften Rieslingen, die ich je im Glas hatte. Dazu kommen die guten Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mit einer Reihe von trockenen 97er dieses Weinguts gemacht habe. Um das Jahr 2001 herum konnte ich gemeinsam mit Freunden die kompletten Restbestände der Heymann-Löwenstein-Weine einer in Abwicklung befindlichen Kölner Weinhandlung erwerben. Einzelflaschen aus fast allen Jahrgängen der 90er sowie ein paar Kisten 1998er Goldkapselauslesen und Eisweine. Ein Teil dieser Weine stand übrigens bei der Heymann-Löwenstein-Verkostung des Kölner Weinforums im April 2006 auf dem Tisch. Die 1997er Goldkapselauslese kannte ich bisher nicht und habe sie (und ein Zweitfläschchen) erst kürzlich aus dem Privatkeller eines befreundeten Weinhändlers erworben.
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