1. April 2013

Mosel setzt auf Pfirsicheiche

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 00:01

In den 90er Jahren kam die Idee auf, brach gefallene Moselsteillagen mit Weinbergspfirsichen zu bepflanzen, um Erosion vorzubeugen und auch die optische Wirkung der Brachflächen etwas abzumildern. Lange Jahre wurde das auch mit üppigen Landesmitteln gefördert. Mittlerweile gibt es eine Überproduktion von Weinbergspfirsichen und immer mehr Pfirsichbäume bleiben ungeerntet. Zahlreiche dieser pflegeintensiven Bäume verwildern inzwischen, da sie nach Krankheits- oder Schädlingsbefall von in Sachen Baumpflege überforderten Winzern einfach aufgegeben wurden.

Lösung in Sicht

Zu einer wirtschaftlichen Weiterverarbeitung in der Holzindustrie eignen sich die zierlichen Weinbergspfirsich-Bäume leider auch nicht. Genau hier ist der Ansatzpunkt einiger innovativer Betriebe, der nun immer mehr Nachahmer findet. Seit durch einen vielbeachteten Beitrag der Gebrüder Lange in der Wochenzeitung Die Zeit öffentlich bekannt wurde, dass der im Weißwein beliebte Pfirsichgeschmack vor allem auf den Ausbau im Eichenholzfass zurückzuführen ist, ist die Nachfrage nach Fässern aus der noch geschmacksintensiveren Pfirsicheiche sprunghaft angestiegen.


Gerade die Spitzen-Rieslinge der Mosel profitieren davon. Während die mit wenig Eigengeschmack ausgestatteten Weine aus mit Höchsterträgen bewirtschafteten Flachlagen schon durch den Ausbau in herkömmlichen Eichen-Barriques eine ausreichende Intensität des so moseltypischen Pfirsicharomas annehmen, ist für die mit stärkerem Eigengeschmack ausgestatteten Spitzenweine aus Steillagen schon schwereres Geschütz erforderlich. Genau hier eignen sich Fässer aus Pfirsicheiche perfekt, um auch diesen Weinen zu dem begehrten Pfirsich-Touch zu verhelfen.

Da die wuchskräftige Pfirsicheiche in den ersten Jahren noch keine Frucht trägt und das Holz bereits nach sieben bis acht Jahren “geerntet” werden kann, scheint dies der perfekte Baum für die Region zu sein. Langfristig kann man davon ausgehen, dass die Pfirsicheiche die Weinbergspfirsiche verdrängen wird. Da sich neben dem Pfirsicharoma noch eine Reihe anderer Fruchtaromen zunehmender Beliebtheit im Wein erfreuen, wird an der Hochschule Geisenheim University bereits an anderen Baumkreuzungen geforscht. Schon in wenigen Jahren wird hier die Marktreife der Apfeleiche erwartet.

PS: Weinkaiser.de wünscht einen schönen ersten April! Das wirklich Schräge: der oben verlinkte Zeit-Artikel von Mitte März, der uns erst sprachlos hinterließ und dann Auslöser zu diesem Beitrag war, enthält leider noch mehr Fehler als unser heutiger Aprilscherz.

11. März 2013

2003er Mosel Beerenauslesen, TBAs und Eisweine auf dem Prüfstand

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:16

2003 edelsüß von der Mosel. Kann das was? In die Top 10 der edelsüßen Weine des Jahres im GaultMillau Weinguide hatte es aus dem Jahrgang 2003 kein einziger Süßwein von der Mosel geschafft. Die Spitze machten damals Weil (zweimal 100P und einmal 98P) und Keller (einmal 100P und zweimal 98P) mit je drei Weinen in der Top 10 fast unter sich aus. Wir hatten gestern 32 Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine des Jahrgangs 2003 von der Mosel auf dem Tisch. Die schlechte Nachricht vorweg: leider gab es fast ein Viertel Ausfälle (drei Korker und mehrere Oxidierte). Es waren alles halbe Flaschen und teilweise saßen die Korken so locker, dass offensichtlich war, dass sie nicht perfekt passten oder zu stark beschichtet waren und so im Laufe der zehn Jahre zu viel Luft in die Flasche gelassen wurde. Das Problem mit Ausläufern und oxidierten Weinen kommt bei halben Rieslingflaschen leider deutlich überdurchschnittlich vor, so dass ich davon ausgehen muss, dass einige Flaschenproduzenten immer wieder Flaschen auf den Markt bringen, deren Hals sich schon zu dicht hinter der Öffnung weitet und die so die Korken nicht fest genug fixieren können.

Abgesehen von Flaschenvarianzen war der Jahrgang 2003 in Deutschland auch grundsätzlich sehr extrem. Ein extrem heißer und trockener Sommer führte in vielen Weinbergen zu Trockenstress und sogar Sonnenbrand der Weintrauben. Die Säurewerte sanken oft ins Bodenlose. Als Reaktion wurde von den Behörden Bewässerung und Zugabe von Weinsäure erlaubt. Andererseits waren die Zuckerwerte oft auch schon ohne Botrytis schon gigantisch. All das sorgte für extreme Weine. Trockene Rieslinge waren in der Folge allermeist deutlich zu alkoholisch. Die Chancen für Edelsüße waren besser. Ältere Weinjournalisten und Händler verglichen den Süßweinjahrgang 2003 gar mit dem historischen 1959er. Das Ergebnis unserer Verkostung könnte heterogener kaum sein. Neben den Totalausfällen gab es mehrere TBAs, wie exemplarisch die Trittenheimer Apotheke von Rosch, bei denen zwar fast alle Merkmale vorhanden waren, die eine erstklassige TBA ausmachen aber die Harmonie fehlte völlig. Die nicht nur für 2003 enorm intensive Säure dieses Weins war leider überhaupt nicht eingebunden. Dass wir uns bei einem Wein mehr Säure gewünscht hätten, kam seltener vor als erwartet. Die Kritik ging mehrfach in die Richtung, dass zwar genug Säure spürbar war aber das Zusammenspiel mit der Süße komplett fehlte.


Eines der Highlights war die Doctor-Visite: Das Weingut Wwe. Thanisch Erben Thanisch hat 2003 gleich zwei TBAs aus dem Doctor gefüllt, eine mit 6,5 % (AP 19/04) und eine mit 8 % (AP 18/04). Während sich die orangegoldene Nr. 19 sehr harmonisch und immer noch recht frisch zeigte (94P), wirkte die goldgelbe 18 neben vanilligen und mineralischen Noten etwas zu matt und seifig, so dass wir einen leichten Flaschenfehler vermuten. Es war kein typischer Korkschmecker mit Muff- oder Chloraromen, es schien trotzdem etwas nicht ganz zu stimmen (91+P). Die Doctor-TBA vom Weingut Wwe. Thanisch Erben Müller Burggraef präsentierte sich noch erstaunlich frisch, vor allem feine Tee-Aromen dominierten (überhaupt war Tee der am häufigsten notierte Begriff des Abends). 93P.

Die Stilistiken der vier Doctor-TBAs war sehr unterschiedlich. Diese von Wegeler hatte die kühlste Aromatik, fast ätherisch kräuterwürzig. Weitere Aromen waren Senf, Mullbinden, tropische Früche, Mandarinenlikör. Nicht einstimmig aber für die Meisten am Tisch lag sie bei den Doctor-TBAs knapp vorne. Von mir 95P.

Heute gehört das Weingut Dr. Hermann für mich zur absoluten Spitze der Mosel. 2003 war die Kollektion noch nicht ganz so homogen. Drei der vier Dr. Hermann Süßweine waren mit Alkoholwerten von 10% und mehr ausgebaut, was zumindest zwei dieser Weine nicht besonders gut bekommen ist, sie wirkten nun im gereiften Stadium zu alkoholisch. Bei der Würzgarten-TBA ist es besser gelungen, sie lässt sich mit einem zumindest von mir so noch nie gelesenen Begriff sensorisch fast perfekt beschreiben: “TBA-feinherb“.

Ganz anders die monumentale Treppchen-TBA mit nur 6,5 %: Extrem konzentriert und ölig. Im Glas deutlich sichtbare Zuckerschlieren durch den extrem hohen Restzuckergehalt. Bringt zwar auch eine enorme Säure mit, wirkt aber trotzdem nicht spielerisch sondern bleibt aufgrund der enormen Konzentration mehr ein Wein zum tropfenweisen Genuss als zum glasweise Trinkvergnügen. Daher einigen am Tisch auch zu mächtig. Ein echtes Monument mit 298° Öchsle, um die 500 Gramm Restzucker und 7,8 Gramm Säure, am ehesten vergleichbar mit einer Tokaji Essenzia. Wird nahezu ewig altern können. 96+P.

Das Farbenspiel des Abends war extrem vielfältig, vom hellen Goldgelb eines Eisweins über alle konzentrierten Gelb und Orangetöne, dunkle Rosé- und Rotschattierungen bis zu dunkelbraunen Mokkatönen. Die Farben in denen sich die edelsüßen Rieslinge aus 2003 zeigten, gingen schon sehr weit auseinander.

Der erfrischendste und spritzigste Wein des Abends. In einer Blindverkostung wäre niemand am Tisch auf den Jahrgang 2003 gekommen, wahrscheinlich nicht mal auf Eiswein. Helles goldgelb, zu Beginn unglaublich frisch, sehr rassige und zugleich gut eingebundene Säure, später auch ein dezenter Petrolton. Ich hätte auf eine leicht gereifte Auslese aus einem kühleren Jahr getippt.

4. Oktober 2012

Gastbeitrag: Sprechstunde beim Doctor

Kategorie: Tourismus, Wein — Weinkaiser @ 12:18

VON MARC HEROLD

Unter den Weinbergen die jeder Rieslingfreund kennt, deren Weine aber nur wenige je getrunken haben, nimmt der Bernkasteler Doctor eine Spitzenposition ein. Der Scharzhofberg ist vergleichsweise groß und es gibt eine Hand voll respektabler Erzeuger. Der sehr überschaubare Erdender Prälat ist auch gut verfügbar. Aber der Doctor? Zum einen ist die Lage mit nur etwas über drei Hektar winzig. Zum andern kommt noch, dass sich der Doctor praktisch von selbst verkauft. Die Anstrengungen bei den Weingütern, die dort Besitz haben, war nun eben nicht besonders groß. Abgesehen von der ein der ein oder andern Versteigerungsabfüllung des Weinguts Wegeler war mir bislang nichts spektakuläres aus diesem Winkel steil über Bernkastel begegnet.

Das änderte sich schlagartig, als ich vor gut zwei Jahren bei der Vorstellung des Ruwer-Projektweins “156″ in Trier Maximilian Ferger traf. Spät abends und einige gelehrte Flaschen Riesling später erfuhr ich, dass Max seit kurzem der neue Betriebsleiter des Weinguts “Witwe Dr. H. Thanisch Erben Müller-Burggraef” ist. Das ehemalige Weingut “Witwe Dr. H. Thanisch” wurde im Zuge einer Erbteilung 1988 in zwei Güter aufgeteilt, soviel wusste ich noch. Doch hatte ich schon etwas von denen getrunken und wenn ja, von welchem der Güter? Diese kleinkrämerischen Fragen verstummten, als Max schnell entschlossen zwei Gläser füllte. Alle die damals mittranken, erinnern sich noch immer an die Irritation und Faszination, die der Wein auslöste. Er wirkte zuerst fast karg und schlank gab in der Nase zuerst nicht viel preis. Mit der Zeit konnten wir aber geschmacklich wie es schien zu immer tieferliegenden Schieferschichten vordringen. Mit Luft blühte der Wein auf, Blüten und Steinobst stiegen aus dem Glas. Der Wein wirkte gleichzeitig karg und opulent, schiefrig, aber nicht streng. Wir waren damals sehr beeindruckt und schauten uns fragend an. Was könnte das sein? Mit einer kurzen Ansage “Doctor Spätlese 2009″ und, nach einer kleinen Pause “trocken” lüftete Max das Geheimnis. Der Doctor hatte mich am Haken.

Letzte Woche hatte ich nun Gelegenheit, bei Max die komplette 2011er Kollektion des Weinguts „Thanisch Erben Müller-Burggraef“ im direkt in den Bernkasteler Graben getrieben Doktorkeller zu probieren. Das Gut besitzt neben einem Hektar im Doctor auch Anteile des Bernkasteler Grabens, der Lay und anderen erstklassigen Mosellagen wie der Wehlener Sonnenuhr und der Brauneberger Juffer-Sonnenuhr. Ja selbst im Lieserer Niederberg Helden gibt es Besitzungen. Hier stehen auch die wenigen Spätburgunder-Reben, die den einzigen Rotwein des Guts ergeben. Besonders gespannt war ich nach meiner Doctor-Initiation auf die trockenen Riesling Spätlesen, die hier als Fassproben kurz vor der Abfüllung standen. Den Anfang machte die geheimnisvoll rauchige Graacher Himmelreich Spätlese trocken. Der Wein verbindet wie alle trockenen Spätlesen des Guts aromatische Opulenz mit absoluter Klarheit und Transparenz der einzelnen Bausteine. Würde dem Wein eine Farbe zugeordnet, wäre es ein leuchtendes Rotbraun. Der Wein hat seine endgültige Struktur zwar noch nicht ganz gefunden, es tut sich noch ein kleiner Hänger nach der ersten Geschmackswelle auf, aber sonst kündigt sich hier ein sehr guter, nachhaltiger Wein an.

Im starken Kontrast dazu zeigt sich die trockene Spätlese aus der Wehlener Sonnenuhr viel schiefriger; das blaue Gestein springt dem Trinkenden direkt aus dem Glas entgegen. Kühle und Opulenz sind hier spannungsreich verbunden. Den Höhepunkt der trockenen 11er hatten wir dann mit dem Doctor im Glas. Noch stärker als beim Vorvorgänger aus 2009 hatte ich hier den Eindruck die Ausnahmestellung dieser Lage begreifen zu können. Dieser Doctor ist kein trockener Akademiker sondern so prunkend und magisch wie man sich eine Vorstellung von Mesmer oder des Grafen von Saint Germain vorstellen würde. Goldgelb und dunkel glänzend steht das Elixier im Glas. Auch hier Kraft, viele Facetten vereint mit einer aristokratischen Klarheit und Unaufgeregtheit. Dieser Stil wird auf dem Gut unter anderem durch den biologischen Säureabbau abgerundet. Die Weine glänzen alle durch Ausgewogenheit, sie wirken, wie Gewächse von Fritz Haag oder Schloss Lieser aber eben ohne Süße und dennoch fruchtbetont.

Bei den restsüßen Spätlesen haben mich besonders die Graben Spätlese in ihrer enorm schiefrigen Konzentration und wieder die Spätlese aus dem Doctor beeindruckt. Mir ist in 2011 keine Spätlese mit einer derartig intensiven und vielschichtigen Aromatik begegnet. Die Legende des Doctors ist in der Gegenwart angekommen.

19. Mai 2012

Winninger Steillagenweinfest 2012 im Brückstückweg

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 09:26

Am morgigen Sonntag (20. Mai) steht wieder das schöne Weinfest auf dem Brückstückweg durch die Steillagen Winninger Rötten und Brückstück an. Der Weg selbst ist (Achtung Fußkranke, Eure Ausreden gelten nicht!!!) FLACH und liegt nur wenige Meter unterhalb des Winninger Flughafens mit seinem üppigem Parkplatzangebot.


Auf etwas über zwei Kilometern kann an zahlreichen Ständen lokaler Winzer Wein verkostet und an mehreren Verpflegungsständen geschlemmt werden. Die besondere Weinkaiser-Empfehlung gilt dem Stand des Weinguts Richter, das sich seit Jahren stetig verbessert hat und den lokalen Größen Knebel und Heymann-Löwenstein (die beide nicht bei dem Fest vertreten sind) immer näher kommt.

17. November 2011

VDP-Event: Renaissance der Spätlese in der Kölner Oper

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 01:11

Zum zweiten Mal stellt der VDP bei einer großen Veranstaltung die klassisch zartfruchtigen Riesling Spätlese und Kabinettweine in den Mittelpunkt. Die im letzten Jahr erstmals durchgeführte Veranstaltung war ein voller Erfolg und wird daher dieses Jahr wiederholt.


Am Sonntag, dem 20.11.2011 stehen im Foyer der Oper Köln 136 Riesling Spätlese und Kabinettweine von 2010 bis 1976 zu Verkostung an. Präsentiert werden sie von 38 teilnehmenden VDP-Weingütern von Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheingau und Rheinhessen, darunter viele Stars dieses Weinstils wie Joh. Jos. Prüm, Egon Müller, Ziliken, Haart, Dönnhoff, Emerich-Schönleber, Weil sowie die Schlossgüter Diel, Johannisberg und Lieser.   Es wird die Gelegenheit geben, neben den aktuellen fruchtigen Kollektionen einige längst ausverkaufte Raritäten zu verkosten, beispielsweise die 1994er Scharzhofberger Spätlese von Egon Müller und die 1981er Bernkasteler Doctor Riesling Spätlese von Wegeler. (weiterlesen…)

12. September 2011

Juryverkostung zum 12. Riesling-Spätlesereiter-Pokal

Kategorie: Schaumwein, Veranstaltungen — Weinkaiser @ 16:21

Vom 18. bis 20 November 2011 wird im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses der zwölfte Riesling-Spätlesereiter-Pokal verliehen. Dieser wichtigste deutsche Spätlesepreis geht auf eine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert zurück, als es noch üblich war, dass kirchliche Weinbaubetriebe die bischöfliche Leseerlaubnis einholen mussten, bevor sie loslegen durften. Schloss Johannisberg war noch ein Kloster, also brauchten Klosterbrüder die Leseerlaubnis vom Fürstbischof in Fulda. Damit der sich ein eigenes Bild machen konnte, brachte ein Reiterkurier einige Riesling-Trauben (schon damals wurde hier nur diese eine Rebsorte angebaut) vom Johannisberg ins 150 Kilometer entfernte Fulda und die Leseerlaubnis zurück in den Rheingau. Im Jahr 1775 verspätete sich der Reiter allerdings um mehrere Wochen und die Trauben waren bei seiner Ankunft inzwischen von Edelfäule überzogen. Nach der Legende wurde so die Spätlese geboren. Das gelesene Traubenmaterial dürfte nach heutigen Maßstäben im Bereich von konzentrierten Auslesen und Beerenauslesen gelegen haben und man weiß heute auch, dass bereits deutlich früher Weine aus edelfaulen Trauben gekeltert wurden.

Die Juryverkostung für diesen in den drei Kategorien trocken, halbtrocken/feinherb und fruchtig vergebenen Preis wurde am letzten Augustwochenende im Kaisersaal des Stadtschlosses Fulda ausgetragen.


Die Jury des 12. Riesling-Spätlesereiter-Pokals
Rudolf Knoll, Weinautor und Leiter der Jury
Cormac Clancy, mehrfacher deutscher Meister im weindegustieren
Gisela Pöhler, Weinhändlerin
Katja Schweder, Weinhändlerin und Deutsche Weinkönigin 2006/07
Nicole Roth, Winzerin und Dipl.-Ing. Oenologin
Ralf Kaiser, Weinblogger
Rouven Fritzenschaft, Weinhändler
Stefan Doktor, Vertriebsleiter Schloss Johannisberg und Spitzensommelier
Ute Bader, Dipl. Oenologin beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband
Wolfgang Behrens, Weinhändler

Gemeinsam mit der Jury auf dem Foto ganz oben: Wolfgang Wehner, Initiator und Organisator des Wettbewerbs
Sowie das von Gerhard Raab geführte Serviceteam der Juryverkostung mit Angelika Raab, Birgit Mehler, Thorsten Mehler und Alexander Mehler.

Am Start waren diesmal 188 Riesling Spätlesen aus dem Jahrgang 2010 von 102 Weingütern, die in den drei Süße-Kategorien getrennt verkostet wurden. In einem ersten Durchgang wurden dabei in drei Dreiergruppen die Finalteilnehmer ermittelt (es wurde im 20-Punkte-System gewertet und alle Weine die im Durchschnitt 15 Punkte oder mehr erreichten zogen ins Finale ein). Im Finale verkostete dann die komplette zehnköpfige Jury gemeinsam. Die gesamte Veranstaltung wurde als Blindverkostung durchgeführt (weiterlesen…)

10. Juni 2011

Lubentiushof - Burg von der Leyen 2008

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 23:30

Der Wein-Reich Blog der Tourismus Rheinland-Pfalz GmbH hat zur Weinrallye 46 zum Thema Brot und Butterweine aufgerufen. Da ich nicht jeden Tag Wein trinke und bei mir nahezu ständig einige Musterflaschen aus dem In- und Ausland auf’s verkosten warten (sowohl angeforderte und bezahlte wie auch immer häufiger unaufgefordert zugesandte), gibt’s für mich keinen typischen Alltagswein mehr. Wenn ich mir trotzdem mal wieder frei aussuche, was aufgezogen wird, landet am Ende meist ein leichter spontan vergorener Riesling aus der Moselregion auf meinem Tisch. Häufig sind es feinfruchtige Riesling-Kabinettweine mit leichter Sponti-Note von Schloss Lieser, Fritz Haag, Knebel, Joh. Jos. Prüm, Haart, St. Urbanshof, Zilliken und in den letzten Jahren auch der Ockfener Bockstein Kabinett vom Weingut von Othegraven.

Kellermeister und Gutsverwalter des im letzten Jahr von Günter Jauch übernommenen Saar-Weinguts von Othegraven ist Andreas Barth aus Niederfell an der Terrassenmosel. Dort hat er 1994 den Lubentiushof übernommen und in die Spitzengruppe der Terrassenmosel geführt. Erst so ist Jauchs Vorgängerin Dr. Heidi Kegel bei von Othegraven vor einigen Jahren auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn 2004 engagiert. Zuerst nur als Berater für den Keller, da Frau Kegel die Geschäfte noch selbst leitete. Seit der Übernahme durch Günter Jauch (dessen Großmutter noch von Othegraven hieß), der die Zeit dafür natürlich nicht hat, ist Andreas Barth auch Kellermeister und Geschäftsführer bei von Othegraven. Das eigene Weingut im 130 km entfernten Niederfell betreiben er und seine Frau Susanne selbstverständlich auch weiter.

Der Lubentiushof verfügt über einige Parzellen in allerbesten aber kaum bekannten Lagen an der Untermosel. In der lange Zeit in Vergessenheit geratenen Steilstlage Gondorfer Gäns beispielsweise verfügt Andreas Barth über uralte wurzelechte Rieslingstöcke. Dort entsteht auch sein feinster Lagenwein. Über die Weinbergslage Gondorfer Gäns hat Weinbau-Historiker Dr. Daniel Deckers übrigens einen spannenden Text geschrieben, bei dem er auch die Herkunft des Namens “von der Leyen” erklärt.

Was das mit dem Lubentiushof zu tun hat? Dem im Mittelalter an der Mosel vorherschenden Adelsgeschlecht derer von der Leyen gehörte früher das Kellereigebäude in dem Barth heute seine Weine ausbaut, in Gondorf stand ihre Stammburg und die Gondorfer Gäns war ihr Hausweinberg.

Der Riesling Burg von der Leyen ist der Brot- und Butter-Wein des Lubentiushofs. Er ist trockener als die oben beschriebenen Kabinett-Weine, liegt geschmacklich im Bereich zwischen trocken und feinherb, hat den typischen Duft von Hefe- und Gäraromen, der bei gut gelungener langsamer Spontanvergärung mit wilden Hefen entsteht und ist mit seiner feinen Säure und deutlichen Schieferwürze ein echter Knaller für 8,50 Euro.

8. Juni 2011

Auswahlprobe: Vinissima-Weine mit Holzeinfluss

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 09:38

Die Winzerinnnen-Vereinigung Vinissima hat für ihre Mitglieder ein Degustationsmenü zum Thema “Wein und Holzeinfluss” in Johann Lafers Stromburg organisiert. Zum Essen wurden zwölf Weine in Zweierflights gereicht. In der Vorbereitung standen dafür rund 75 von den Vinissima Mitgliedsbetrieben eingeschickte Weine mit Holzeinfluss aus ganz Deutschland zu einer Auswahlverkostung an. Ziel war nicht unbedingt, den besten aller eingeschickten Weine zu finden, sondern Weine, die im Zweierflight ideal zu den geplanten Speisen passen (sich also auch gegenseitig die Luft zu atmen lassen).

Auf Einladung von Sommelière Christina Fischer und VDP-Bundesgeschäftsführerin Eva Raps durfte ich an dieser Auswahlprobe in der VDP-Bundesgeschäftsstelle teilnehmen. Für mich sehr spannend, denn zum einen ist Christina Fischer ausgemachte Expertin in Sachen Wine&Food-Pairing, hat auch schon mehrere Bücher dazu veröffentlicht und zum anderen gab es hier auch einige spannende Weine von weniger bekannten Weingütern zu probieren.

Christina Fischer: In einem Preisniveau von € 4,50 bis gut € 40,00 zeigten sich nicht nur Qualitätsunterschiede, sondern auch die unterschiedlichen Weinstilistiken der jeweiligen Winzer und Anbaugebiete in Punkto “Holz”.

Neben den beiden Einladerinnen und mir nahm noch Franziska Schätzle, Jungwinzerin des Jahres 2009 und VDP-Mitarbeiterin, an der Vorprobe teil.

Franziska Schätzle: Bei aller neuen Erkenntnisgewinnung hat es einfach viel Spaß gemacht und war ein absolutes Highlight in unserem Büro-Alltag. Vielen herzlichen Dank an alle Mädels, die Ihre Weine eingesandt haben und die tolle Vielfalt von Vinissima so richtig schmeckbar gemacht haben.

Die Rieslinge der Auswahlprobe und zwei Silvaner vom Juliusspital aus Franken, darunter das 2009er GG aus dem Würzburger Stein, der mit 92 Punkten bestbewertete trockene Silvaner aller Zeiten im Gault Millau Weinguide.


Ich war erst einmal überrascht, wer alles Vinissima-Mitglied ist. Zum Beispiel Weine von Reinhard Löwenstein hatte ich hier nicht erwartet. Zwei der drei Heymann-Löwenstein-Weine zeigten sich leider auch nicht in Bestform. Beim vom blauen Schiefer 2009 überdeckte die Süße fast alles andere. Der jung geniale Uhlen Laubach (L) 2007 hat derzeit eine deutliche Karamellnote angenommen und wirkte insgesamt einfach viel breiter als ich ihn aus seiner Jugend in Erinnerung habe. Das gilt ähnlich übrigens auch für den Röttgen 2007, der jetzt hier nicht dabei war, von dem ich aber noch fast zwei Kisten im Keller habe und der derzeit eine ähnliche Phase durchmacht. Wer wie ich Heymann-Löwenstein 2007 im Keller hat: Tief eingraben, die werden garantiert wieder besser, im Moment sind sie recht schwierig. Der 2009er Uhlen R, das Flaggschiff des Hauses, präsentierte sich deutlich besser aber auch dieser Wein wäre für meinen Geschmack mit weniger schmeckbarer Süße noch näher an der Perfektion.

Die Rieslinge in der engeren Auswahl für das Degustationsmenü. Sehlbach-Osters trockene Spätlese aus der Zeltinger Sonnenuhr gefiel mir in ihrer schieferwürzigen und mineralischen Art sehr, lies sich nur ebenso wie der 2009er Uhlen R von Heymann-Löwenstein nicht so gut wie andere Weine mit einem zweiten Wein zu einem Flight zusammenfügen.

Für mich eine der Entdeckungen des Tages: Enkircher Zeppwingert Riesling Spätlese feinherb Alte Reben vom Weingut Immich-Anker aus Enkirch an der Mosel. Ein wunderbar intensiver Geschmack von sehr reifen Äpfeln. Enkircher Zeppwingert ist eine erstklassige Steillage, das Weingut Weiser-Künstler erzeugt hier bereits seit Jahren eine großartige Riesling-Spätlese.

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26. April 2011

Winzer zeigen Gesicht für eine Zukunft ohne Hochmoselübergang

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 18:51

Für eine bessere Zukunft ohne Hochmoselübergang

Am Ostermontag kurz nach dem Frühstück bekam ich die Anfrage, ob ich Zeit und Lust habe zu einem Fototermin am Nachmittag nach Wehlen an die Mosel zu kommen.

Einem solchen Aufruf sind dann spontan über 80 Teilnehmer von 40 Weingütern gefolgt. Sie kamen nicht nur aus gut einem Dutzend der umliegenden Weinorte, sondern auch von der Saar, Rheinhessen und der Pfalz. Vom kleinen Familienweingut, über Spitzenbetriebe der globalen Weinwelt bis hin zur Großkellerei waren alle Bereiche vertreten. Viele Winzer hatten ihre Familie und Kinder mitgebracht, um zu zeigen, dass es ihnen um ihre Zukunft geht.

Sie alle wenden sich an die neue Landesregierung in Mainz mit dem Gesuch, den mittlerweile auch im Ausland bekannten und berüchtigten Hochmoselübergang nicht zu bauen. Sie begründen dies mit dem zu geringen Nutzen und den zu erwarteten Schäden des Bauprojekts.

Egon Müller, Spitzenwinzer und Präsident des VDP Mosel-Saar-Ruwer, reiste eigens mit seiner Familie von der Saar an, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

“Wie soll ich meinen Kunden klarmachen, dass der Wein etwas wert ist, wenn sie sehen, wie unbarmherzig mit der Landschaft, aus der er stammt, umgegangen wird”, meinte Johannes Schmitz, Winzer aus Ürzig.

Viele weitere, die verhindert waren, schickten unterstützende Nachrichten. Peter Jacob Kühn kommentierte das Treffen aus dem Rheingau mit den Worten: “Um eine Verbindung zwischen Menschen zu schaffen, braucht es keine monumentalen Brückenbauwerke. Die Brücke wäre eine Kreuzigung der Weinkultur.”

Großes Verständnis haben die Winzer auch für die Kollegen, deren Lagen unmittelbar von der geplanten Trasse tangiert würden. “Wir wissen alle, dass solche massiven Erdbewegungen, gerade oberhalb der Weinberge, die Wasserversorgung gefährden können. Und die ist bisher perfekt, wie ihre Weine beweisen” erklärt Winzer Clemens Busch aus Pünderich.

Michael Willkomm, Chef der Peter Mertes KG, Deutschlands größter Weinkellerei, kann den Nutzen der vor 50 Jahren geplanten Straße nicht nachvollziehen: “Mit Baukosten bei dieser Linienführung von über einer Milliarde Euro, die mittlerweile in der Presse genannt werden, macht das Projekt schon allein aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn.”

“Wir haben noch so viel Potential hier an der Mosel, was Weinbau und Tourismus angeht”, ist sich die Wehlener Winzerin Dr. Katharina Prüm vom Weingut Joh. Jos. Prüm sicher, “aber um das zu nutzen, brauchen wir eine intakte Landschaft und Natur.” Dies bestätigt auch der wohl renommierteste Fotograf der Weinszene, Andreas Durst: “Das Motiv der Ürziger Felsen ist weltbekannt. Wenn da jetzt eine riesige Betonbrücke im Weg stünde, wäre das das schlechteste Marketing überhaupt.”

So richten sich alle Blicke auf den Neuanfang in Mainz in der Erwartung, dass auch dort der Wert dieser einmaligen Kulturlandschaft erkannt und gewürdigt wird.

Die Teilnehmerliste dieses Fotoshootings liest sich wie das who-is-who der Weinszene: Egon Müller (Scharzhof), Dr. Manfred & Dr. Katharina Prüm (Joh. Jos. Prüm), Willi & Christoph Schaefer, Markus Molitor, Clemens Busch mit Frau Rita und Sohn Florian,  Martin Kerpen, Michael Willkomm (Großkellerei Peter Mertes), Daniel Vollenweider, Ingmar Püschel, Johannes Selbach, Familie Kees-Kieren um nur einige zu nennen. Der durch Familienurlaub verhinderte VDP-Präsident Steffen Christmann übermittelte ebenso eine Solidaritätsadresse, wie Armin Diel und Cornelius Dönnhoff von der Nahe und Philipp Wittmann aus Rheinhessen.

Weitere Informationen:
Bürgerinitiative Pro-Mosel

Hintergrundinformation:
Der Hochmoselübergang ist eine 25 Kilometer lange Neubaustrecke der Bundesstraße 50 zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich und Longkamp. Zu ihr gehört die 1,7 km lange und 160 m hohe Hochmoselbrücke zwischen Zeltingen-Rachtig und Ürzig. Seit Beginn der Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz zwischen SPD und Grünen besteht ein Bau- und Vergabestopp an dem umstrittenen Projekt.