11. Januar 2013

Grüner Veltliner Looos Kamptal DAC-Reserve Lengenfelder Pfeiffenberg 2011

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:59

Grüner Veltliner ist DIE weiße Rebsorte Österreichs. Die im 16. Jahrhundert in Niederösterreich durch natürliche Kreuzung (ohne menschliches Zutun) entstandene Rebsorte wird heute auf 13.000 ha in Österreich angebaut, was gut 30% der gesamten Rebfläche der Alpenrepublik ausmacht. Im Ausland sind zwar die Weine aus dieser Rebsorte sehr beliebt, angebaut wird sie dort kaum. In der Schweiz steht gerade mal ein halber Hektar, in Deutschland etwa sechs (empfehlen kann ich die Grünen Veltliner der beiden Pfälzer Weingüter Weegmüller und Lukas Kraus). In Übersee ist man in den letzten Jahren erst auf GV aufmerksam geworden, hat es aber z.B. in Neuseeland schon auf 40 ha gebracht. Aus Australien und den USA gibt es sogar schon erste Meldungen über Erfolge bei Verkostungen.

Die berühmtesten Grünen Veltliner sind sicher die trockenen Smaragd-Weine aus der Wachau (Smaragd ist ein Prädikat für Spitzenweine, vergleichbar mit “Spätlese trocken” in Deutschland). Die edelsten dieser Wachauer Spitzenweine erreichen Preise von 30 bis weit über 100 Euro. Trotzdem sind nicht alle Weinfreunde vom Stil der Wachauer Veltliner-Smaragde begeistert. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen den regelmäßig recht hohen Alkoholgehalt, da die auch sonst intensiven Weine dies meist noch recht gut wegstecken, sie richtet sich vielmehr gegen die oft deutlichen Botrytisnoten und den zu hohen Restzuckergehalt der als trocken ausgezeichneten Weine. Manche Veltliner-Fans mögen die Weine genau so wie sie sind, viele andere wünschen sich die Weine deutlich trockener und ohne den gut schmeckbaren Einfluss edelfauler Botrytistrauben, da die Weine dann ihren Lagencharakter viel deutlicher zeigen können und mit zunehmender Reife nicht so schwerfällig und breit werden.


Genau diese Zielgruppe will die neu gegründete Loos-Weine-GmbH mit ihrem ersten Weinprojekt Looos ansprechen. Der Erstlingswein LOOOS 2011 hat gerade einmal 1,5 Gramm Restzucker und wurde ausschließlich aus gesundem Traubenmaterial gekeltert.

Hinter der Loos-Weine-GmbH stehen neben dem als CaptainCork bekannten Manfred Klimek die Investoren Sabine Decleva und Peter Mosser, die - wie Klimek selbst - aus der Medienbranche kommen. Klimek hat dabei die Verantwortung für den Weinausbau übernommen. Loos ist bereits das zweite Weinprojekt des in Berlin lebenden Fotografen. Seit bald 10 Jahren betreibt er mit zwei anderen Teilhabern die Fattoria Kappa in der für ihre Supertuscan berühmten Toskana-Gemeinde Bolgheri. Kappa hat sich zum echten Erfolgsprojekt entwickelt, die jährlich erzeugten 15.000 bis 20.000 Flaschen sind regelmäßig in Windeseile ausverkauft (Marktpreis etwa 25 Euro) und auch die Bewertungen können sich sehen lassen: je 93 Punkte im Falstaff und dem italienischen Weinguide Veronelli).

Genau wie Kappa soll Loos kein Spaß- oder Selbstverwirklichungsprojekt werden, wie man es von einer Reihe von Prominenten kennt, sondern für die drei Teilhaber Gewinn erwirtschaften. Die Veltlinerreben auf der gepachteten Fläche wurden größtenteils vor rund 30 Jahren angelegt, ein kleiner Teil ist bereits 60 jahre alt. Es soll auch nicht nur bei einem Wein bleiben, weitere Projektweine aus den Rebsorten Neuburger und Traminer sind für die Zukunft geplant.

Aus dem Pressetext der Erzeuger:

Die Loos-Weine-GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, kleine, edle, feine und charakterstarke Weine zu keltern, die mehrheitlich in der Lage und im Terroir verankert sind. Die Traubensorte tritt dabei in den Hintergrund, ohne ihre Eigenart aufgeben zu müssen. Die Weine sind schnörkellos, geradlinig, ungeschönt und meist in natürlichen und naturnahen Verfahren (z.B. Spontanvergärung) hergestellt.

Der erste Wein der neu gegründeten Loos-Weine GmbH ist der Grüne Veltliner LOOOS Kamptal DAC-Reserve “Lengenfelder Pfeiffenberg” 2011, den Loos-Weine gemeinsam mit Walter Buchegger, einem der führenden Qualitätswinzer des Weinbaugebietes Kremstal, gekeltert haben. Weinmacher Manfred Klimek und Winzer Walter Buchegger sehen den Veltliner LOOOS als Ergänzung und Erweiterung der bisher im Handel erhältlichen Weine dieser lebendigen, feinnervigen und von pfeffriger Würzaromatik geprägten Sorte. Der LOOOS 2011 wurde aus hundertprozentig gesundem Traubenmaterial gekeltert (keine Botrytis), die Reben sind im mittleren Alter und wurzeln tief in den Glimmerschieferböden von Lengenfeld. Das Wichtigste jedoch ist die hohe Lage der Weingärten: die Trauben für LOOOS wachsen auf über 400 Meter Seehöhe, hinter den Stöcken beginnt bereits der Mischwald der böhmischen Platte und danach die Zone, in der Weinbau zur Zeit nicht möglich erscheint. Der Veltliner LOOOS ist also ein echter und nicht nur propagierter Grenzgänger, knochentrocken, mineralisch, schlank, delikat und mit einigem Lagerpotential ausgestattet.

Die Klimaerwärmung der letzten Jahre hat die lange Zeit uninteressanten und risikoreichen Weingärten des LOOOS nun gut verwertbar gemacht; das Potential wird in den nächsten Jahren noch wachsen und das österreichische Veltliner-Sortiment mit ein paar ausdrucksstarken Weinen bereichern. Vom ersten Jahrgang des LOOOS wurden lediglich 4200 Flaschen gefüllt.

Grüner Veltliner Looos Kamptal DAC-Reserve Lengenfelder Pfeiffenberg 2011
Der Wein zeigt sich in hellem gelb, wirkt direkt nach dem Aufschrauben in der Nase reduktiv mit leichtem Lösungsmittelton und gemüsigen Geruchsnoten. Der Lösungsmittelton ist aber schon nach 2 Minuten komplett verschwunden, die gemüsigen Noten gehen nach und nach auch zurück, nur ein leichter vegitabiler Eindruck bleibt noch eine Weile. Fruchtaromen sind in der Nase kaum wahrnehmbar. Auch im Mund wenig Frucht, maximal ein Hauch Grapefruit. Der Wein ist absolut trocken, hat für einen 2011er eine wunderbar erfrischende Säure. Auch die 13% Alc. sind gut eingebunden, verursachen nur eine leichte, nicht störende Schärfe und ein erstaunlich cremiges Mundgefühl. Je länger der Wein geöffnet ist, um so mineralischer wirkt er und umso mehr trifft er meinen Geschmack. Nach einigen Stunden ist auch der vegitabile Eindruck verschwunden, dafür kann ich einen Hauch Süßholz, Lakritz und Kräuternoten wahrnehmen. Der Wein hat auf jeden Fall gutes Reifepotential. Spannend wird zu sehen sein, wie sich das angesichts der anfänglich reduktiven Noten unter dem Schrauber entwickelt. Wer ihn jung trinken will, sollte ihm vorher mindestens eine Stunde im Dekanter gönnen.

Technische Daten:
13% Alkohol
6,0 Gramm Säure
1,5 Gramm Restzucker

In Deutschland ist Looos für 17 Euro bei WeinART zu beziehen.
In Österreich kann man den Wein direkt beim Hersteller bestellen:

LOOS Weine GmbH
Arsenal 12/87, 1030 Wien
office@looos.eu

3. Juli 2012

Österreichs Weinszene diskutiert neue Falstaff Top 100 Liste

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 14:03

Vor vier Tagen wurde die alljährliche Falstaff Top 100 Liste der besten österreichischen Weine sowie die Top 10 (im Web) und Top 25 (im Heft) der besten Weingüter des Landes veröffentlicht. Wie in jedem Jahr finden sich hier die gleichen Namen der etablierten Betriebe und auch bei den Punkten verändert sich trotz teils massiver Jahrgangschwankungen wenig. Lange wurde das ohne viel Murren hingenommen, nun regt sich Widerstand. Der bekannte Salzburger Weinhändler Erich Wagner trat mit diesem Statement auf der Facebookseite seines Shops die Diskussion los:

“Es ist Zeit für ein paar klare Worte zu einem ganz aktuellen Weinthema: Keine Ahnung ob man es noch mit Spannung erwarten musste, aber es ist da: Das neue Falstaffranking mit den – für die Redaktion des Magazins – besten Weinen Österreichs. Eingangs möchten wir all den prämierten Spitzenwinzern gratulieren.

Jedoch erlauben wir uns zu hinterfragen, wie Jahr für Jahr, immer die gleichen Weinbauern mit den selben Weinen eine mehr oder weniger idente Bewertung erreichen. Wieso spiegeln die Punkte nie die Jahrgangsunterschiede wieder und wie kann es sein, dass immer die gleiche Region in den Jahrgangsrankings um mehr als eine Nasenlänge voraus ist?

Auch im Bordelaise gibt es Jahre die mehr den Weinen aus Pomerol oder Saint Emilion schmeicheln, und Jahre die dem Medoc besser zu Gesicht stehen. Auch ein Hermitage von Jean Louis Chave hat nicht jedes Jahr das Zeug zum 100-Punkte-Wein und das ist gut so!

Wir finden das komisch und vermissen auf unserer Suche nach Objektivität vielleicht sogar mehr Winzer, die hohe Punkte verdienen würden, als wir darin finden und haben den Eindruck damit nicht alleine zu sein.

So zumindest unsere Meinung. Wenn Ihr das auch so seht seid ihr herzlich eingeladen dieses Statement zu teilen und natürlich mit uns darüber zu diskutieren.”


Irgendwie erinnert mich das Ganze an den Beginn der Diskussion rund um den GaultMillau WeinGuide Deutschland im Sommer 2010. Die personellen Fragen dabei einmal außen vor gelassen, gab es bei der langjährigen Bestenliste in der darauffolgenden Ausgabe 2011 eine wahre Revolution. Diverse Betriebe, die ihre Glanzzeit schon länger hinter sich hatten, aber auf Grund ihrer früheren Erfolge und des damit erworbenen Großen Namens immer noch weit oben in der Liste standen, waren in der überarbeiteten Bestenliste nicht mehr zu finden. Ich bin mir sicher, viele Falstaff-Leser wünschen sich einen ähnlichen Schnitt in der Falstaff-Liste. FX zum Beispiel, war sicher einmal verdient auf Platz 1, ist auch nach wie vor ein Topbetrieb, ganz an der Spitze sind sie aber in den letzten Jahren von anderen Betrieben überholt worden. So etwas muss sich in einer Bestenliste widerspiegeln, sonst ist sie wertlos.

Die Links zur Diskussion:

Falstaff Top 100 Österreichs im Sommer 2012 (als pdf)

Falstaff Top 10 Weine Österreichs im Sommer 2012 Falstaff

Fotoserie der Top 10 Weingüter Österreichs 2012

Österreichs Weingiganten (Begleitartikel zu den aktuellen Falstaff-Ranglisten)

Diskussion auf der Facebookseite von Wagners Weinshop

Diskussion auf der Facebookseite des Falstaff

4. August 2011

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 01:51

Seit Gottfried Lamprecht 2005 sein Familienweingut Herrenhof Lamprecht in Markt Hartmannsdorf (Steiermark) gründete, setzt der Absolvent der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (dem Geisenheim Österreichs) strickt auf Qualität, ökologischen Anbau und traditionelles Winzerhandwerk. Im Herrenhof gab es zwar schon einmal Weinbau aber das ist so lange her, dass Gottfried Lamprecht im Grunde bei null anfangen musste/konnte. Er hat die Chance genutzt. Alle seine Weine stammen vom Buchertberg, der direkt am Weingut gelegen ist und über Lagen bis in über 400 Metern Höhe verfügt. Die meisten Anlagen sind extrem jung, der Pinot Noir für den oben abgebildeten Rosé wurde beispielsweise im Jahr 2005 gepflanzt. Seit dem kamen mehrere Weingärten hinzu, zuletzt wurde in diesem Frühjahr ein Obstgarten samt Hagelnetzen rausgerissen um Platz für weitere Rebanlagen zu schaffen.

Dass Gottfried Lamprecht beim Weinausbau auf traditionelle Methoden setzt, bedeutet keineswegs, dass er kein Interesse an moderner Technik habe. Bei der Nutzung neuer Medien ist sein Herrenhof so perfekt aufgestellt wie kein anderes mir bekanntes Weingut dieser Größe: Gottfried Lamprecht bloggt über die Weingutsarbeit, er ist im Gegensatz zu vielen anderen Winzern bei Facebook, Xing, Google+ und Twitter alles andere als eine Karteileiche und als einer von wenigen nutzt er QR-Codes auf allen Weinflaschen, deren Links zu den für jeden Wein angelegten Webseiten mit Detailinformationen zum Wein führen.

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010
Gerade mal vier Wochen nach der Füllung, wirkt der Wein noch extrem jung. Gut gekühlt dominieren Himbeer- und Gäraromen (der Wein ist spontan vergoren), gefolgt von etwas Erdbeerfrucht, Sauerkirschen und Schokolade. Mit etwas mehr Temperatur typischere Aromatik von leichtem Pinot (wohl gemerkt: die Rebanlagen sind gerade mal fünf Jahre alt), dazu der deutliche Noten von frisch gemahlenem weißem Pfeffer und eine leichte Chilischärfe. Trotz der nur 5,4 Gramm Säure ist die Säure vor allem im Abgang sehr präsent. Die Farbe ist übrigens für eine Spätburgunder Rosé recht kräftig. Der mit 11,5 % Vol angenehm leichte Rosé ist mit nur einem Gramm Restzucker sehr trocken (ein wenig Extraktsüße mildert diesen Eindruck ein wenig) und ich könnte mir angesichts der sehr präsenten Säure vorstellen, dass er mit ein Wenig mehr Restzucker noch mehr Trinkfreude machen würde. 85P

Andere Blogs über diesen Wein:
Don Simon
Peer F. Holm
La Gazzetta del Vino

Datenbaltt zum Wein bei Herrenhof Lamprecht:
http://www.herrenhof.net/winedatasheets/herrenhof-2010-pinotnoir-rose_ger_eng.pdf

3. April 2011

Tommy Hergenhan ist der Nachwuchssommelier des Jahres

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 15:55

Tommy Hergenhan (F&B Manager im Landhaus Eggert in Münster) ist der Nachwuchssommelier des Jahres 2011. Der zum zehnten Mal vom SOMMELIER MAGAZIN (Verbandsorgan der Deutschen Sommelier-Union) in Kooperation mit der Hotelfachschule Heidelberg und der Deutschen Wein- und Sommelierschule ausgetragene Nachwuchswettbewerb hatte in diesem Jahr 25 Teilnehmer, die vor einer siebenköpfigen Jury bestehen mussten.

Bewertet wurde das Können der Kandidaten in drei Bereichen (Blindverkostung, Food and Wine Pairing und Service), die der 24-jährige Tommy Hergenhan überzeugend für sich entschied. Der Preis wurde vom Neuseeländischen Botschafter Peter Rider übergeben, der auch gleich ein Māoripaar aus seiner Heimat mitgebracht hatte.


Als Lohn für seinen Sieg ist Tommy Hergenhan nun für 10 Tage All-Inklusive nach Neuseeland eingeladen um dort Weingüter und Spitzenrestaurants zu besuchen und das Nachtleben zu erkunden. Antreten wird er die Reise wohl im Januar 2012.

Platz zwei beim Wettbewerb zum Deutschen Nachwuchssommelier ging an Christina Krenn von Geisel’s Vinothek in München, hier gemeinsam mit Repräsentanten der Österreichischen Weinwerbung, die die Zweitplatzierte auch zu einer Fortbildungsreise nach Österreich einluden.

Auf Platz drei kam Marcel Heid (hier mit VDP-Geschäftsführerin Eva Raps bei der Preisverleihung), der im Kronenschlösschen in Hattenheim im Rheingau seiner Arbeit nachgeht. Für ihn übernimmt der VDP eine einjährige Patenschaft.

Zum Abschluss der Preisverleihung gab es noch einmal eine traditionelle Neuseeländische Tanzeinlage der beiden Māori, die teilweise Furcht einflößend aussahen aber im persönlichen Gespräch dann doch sehr sympathisch waren.

Rund 90 weitere kommentierte Bilder von der ProWein gibt es im Weinkaiser-Fotostream von der ProWein 2011.

8. Mai 2010

Wein im Schloss 2010

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 09:52

In Mitten der Großbaustelle mit den Vorbereitungen für die Bundesgartenschau im nächsten Jahr präsentierten im Kurfürstlichen Schloss zu Koblenz auch in diesem Jahr wieder über hundert Rheinland-Pfälzische Weinguter sowie neun Weingüter aus der Gastregion Burgenland ihre aktuellen Weine. Darunter auch das Ruster Weingut Feiler-Artinger, in dessen Gutsgebäude die ARD-Serie Winzerkönig gedreht wurde und das sich in den letzten Jahren an die absolute Spitze am Neusiedler Sees vorgearbeitet hat. Leider hatte Seniorchef Hans Feiler nicht alles dabei, was sein Sohn Kurt in der letzten Zeit an großartigen Süßweinen (v.a. Ruster Ausbruch Essenz) erzeugt hat.

Anders am Stand von Willi Opitz, der mir hier seine Visitenkarte entgegenstreckt. Neben den im offiziellen Programm verzeichneten Weinen hatte er eine ganze Reihe seiner mit Preisen überhäuften Trockenbeerenauslesen dabei, die er an Interessierte gleich mit passenden Käsen, Früchten, Schokoladen oder anderen Süßspeisen verteilte. Der sympathische Weinverrückte hat seinen Weinstand kurzerhand in eine Showküche für kleine Köstlichkeiten verwandelt und auch seine Weine präsentierten sich wunderbar.

Wein im Schloss - Willi Opitz

Bei den deutschen Weingütern wussten vor allem die üblichen Verdächtigen zu begeistern: Das Winninger Weingut Reinhard und Beate Knebel hat in den letzten Jahren aus der Lage Winninger Röttgen mehrfach eine der besten Riesling Spätlesen Deutschlands sowie weitere großartige Süßweine erzeugt und schließt daran auch in diesem Jahr nahtlos an.

Auch im Bopparder Hamm sind wieder sehr schöne Weine entstanden. An der Spitze wie in den Vorjahren das Weingut Weingart mit einer von vorne bis hinten makellosen Kollektion, gefolgt vom Weingut Matthias Müller, dessen Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese “Edition MM” mir besonders gut gefallen hat (Matthias Müller adelt in jedem Jahr die ein-zwei Weine, die ihm am besten gefallen, mit seiner betriebsinternen Auszeichnung “Edition MM” und in den letzten Jahren, war auf darauf absolut Verlass) und dem auf der dem Bopparder Hamm gegenüber liegenden Rheinseite gelegenen Weingut Didinger. Die Mittelrhein-Weine haben schon traditionell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis aber das Weingut Didinger ist in dieser Disziplin zumindest bei seinen besten Weinen kaum noch zu übertreffen.

Das Weingut Tesch hat in den letzten Monaten mit einigen spektakulären Veranstaltungen auf sich aufmerksam gemacht. Mit dem Riesling Unplugged ist mit erstaunlichem Erfolg ein Einstieg in die Zielgruppe der Rockfestival-Besucher erreicht worden. Der Unplugged ist für 8 Euro natürlich nicht so spektakulär, wie einige der Tesch-Events, aber doch gute Qualität fürs faires Geld. Richtig spannend wird es den Lagenrieslingen, für die nur 2-4 Euro mehr anfallen, was zumindest beim St. Remigiusberg für 12 Euro ein echtes Schnäppchen für Freunde guter und richtig trockener Rieslinge ist.

Eine Neuentdeckung für mich war das Weingut Stephan Fischer in Zell an der Mosel. Die in Koblenz gezeigten spontan vergorenen 2009er Rieslinge Spätlese (73 g RZ, 8,1 g Säure, 9 % Vo.l, 7 Euro) und Auslese (106 g RZ, 7,9 g Säure, 7,5 % Vol., 9 Euro) aus dem Zeller Nußberg zeigten tolle Hefe- und Fruchtaromen und sollten sich in den nächsten Jahren wunderbar entwickeln.

Wenn es für eine Party oder im Hochsommer einmal kein Riesling sein soll, ist diese erfrischend fruchtige Morio Muskat Spätlese 2009 aus dem Rhodter Klosterpfad vom Weingut Gries in der Südpfalz für kleine 4,20 Euro vielleicht mal eine gelungene Abwechslung

Neben der Möglichkeit, sich durch das Angebot der vielen Weingüter zu probieren, gab es auch in diesem Jahr wieder ein kleines  Seminarangebot der Deutschen Wein- und Sommelierschule. In einem Seminar zeigte Peter Gebler (unter anderem einer der beiden einzigen deutschen Cape Wine Master aber auch anerkannter Experte Österreichischen Weins) die Unterschiede im Stil zwischen dem Österreichischen Blaufränkisch und dem Württembergischen Lemberger - der selben Rebsorte, die aber durch unterschiedliche Ausbauvarianten in den beiden Regionen und anderes Terroir zu ganz verschiedenen Weinstilen führt. Den besten Blaufränkisch der letzten Zeit hatte ich gerade am Vorabend in Dirk Würtz Köigsmühle probiert. Der Österreichische Weinjournalist Helmut Knall (Knalli) ist selbst unter die Winzer gegangen und hatte uns seinem KNALLROT mitgebracht, bei dem er ganze Arbeit geleistet hat. Mit rund 32 Euro ist dieser Wein sicher nicht gerade billig, aber für diesen Preis gibt es dann auch richtig gute Qualität im Glas. (weiterlesen…)