24. Oktober 2012

Weinblogger goes Wurstmarkt 2012

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 22:45

Der Dürkheimer Wurstmarkt ist mit 685.000 Besuchern (2012) das größte Weinfest der Welt. Noch unter dem Namen Michaelismarkt fand er erstmals im Jahr 1417 statt, damals noch auf dem Michaelsberg rund um die Michaelskapelle (von der aus dieses Foto entstand), zu der damals Wallfahrten stattfanden. Aus Platzmangel auf diesem kleinen Weinbergshügel wurde der Markt 1577 auf die Brühlwiesen verlegt, die direkt unterhalb dieses Berges liegen. Die erste behördliche Erwähnung des Namens „Wurstmarkt“  fand man im Jahre 1832 und der neue Name wurde mit dem enormen Wurstkonsum während des Festes erklärt.

Da ein Großteil der deutschen Weinblogger weitab der Pfalz wohnt und nur wenige von ihnen schon einmal den Wurstmarkt besucht hatten, hat die in Bad Dürkheim ansässige und auf Wein spezialisierte Marketingagentur MEDIENAGENTEN ein Bloggertreffen am Rande des Wurstmarktes organisiert.


Zum Treffen mit den Bloggern wurden auch die jungen Dürkheimer Winzer eingeladen (also nicht nur die Kunden der Agentur). Persönlich vor Ort waren Jan Eymael vom Weingut Pfeffingen, Jan Gross vom Weingut Karl Schäfer, Stephan Schwerdt vom Weingut Hanewald-Schwerdt und Alex Pflüger vom Weingut Pflüger. Dazu hatten die Weingüter Schmitt und Darting Weine zur Verkostung vorbei gebracht.

Die verkosteten Weine: Riesling Spielberg Z 2011 vom Weingut Schmitt, Dürkheimer Riesling vom Weingut Pflüger, Riesling Weilberg Großes Gewächs 2008 vom Weingut Pfeffingen, Riesling Fuchsmantel 2011 vom Weingut Karl Schäfer, vom Weingut Hanewald-Schwerdt der Sauvignon Blanc 2011 und die Cuvée Zweihänder 2009 aus Cabernet-Sauvignon und Merlot sowie die sechs Jahre lang im Barrique ausgebaute Cuvée ZeitReise 2005 aus Spätburgunder & Cabernet Cubin vom Weingut Darting.

Wie alle anwesenden Winzer stellte auch Alex Pflüger seinen Betrieb und seine Weinbau-Philosophie vor. Das Bild auf dem Etikett seines mitgebrachten Weines gibt auch schon einen Hinweis auf eine Arbeitsmethode, die in Bad Dürkheim gerade eine Renaissance feiert. Seit die Firma Eder in Bad Dürkheim die Vermietung von Pferden samt Führerin anbietet, wird sowohl im Weingut Pflüger als auch im Weingut Schmitt mit einem Kaltblut ein Teil der Weinberge bearbeitet (auch der SWR berichtete gerade).

Weingut Pflüger: Riesling mit Pferd. Was das soll? Im Grunde ganz einfach: bei der Weinbergsarbeit mit dem Traktor verdichtet das Gewicht des Fahrzeugs den Boden zwischen den Rebzeilen massiv und in solchen betonharten Böden gedeihen weder Pflanzen noch Insekten. Das Pferd wiegt zum einen deutlich weniger, zum anderen wird nur noch punktuell unter den Hufen ein wenig der Boden verdichtet und keine breite Schneise durch den Weinberg gezogen.

Agentin Silvie Hundinger zeigt Blogger Nico Medenbach (DrunkenMonday Wein Blog), dass ihr Designer-Kollege Alexander Bechtloff ein ähnliches Motiv wie das auf Nicos T-Shirt auch schon auf einem Weinetikett verewigt hat.

Nach dem Tasting wurde der Grill angeworfen und der Kampf ums Fleisch war wie immer hart…

Vorspeisenteller nach Weinkaiser-Geschmack: Pfälzer Saumagen und eines der Roastbeefs…

Die Medienagenten hatten sich kurz zuvor eine Button-Maschine zugelegt und gleich mal ein paar freche Buttons produziert. Dieser an der Brust von Kellermeister Jan Gross verstößt allerdings gegen das 11. Gebot: Du sollst keine anderen Kaiser neben dem Weinkaiser haben…

Nicht so erfrischend wie die jüngeren Rieslinge der Verkostungsrunde aber dafür der kraftvolle Liebling aller Drucktrinker an diesem Abend. Richtig guter Stoff, für mich auch der Gewinner der Verkostung aber wenn ein Abend so lang wird wie dieser, ist mir ein leichter Riesling Kabinett auf Dauer schon lieber…

Kurzer Zwischenstopp bei unserer “Wallfahrt” zur Michaelskapelle: ein Großes Gewächs im Original Pfälzer 0,5 Liter Dubbeglas bekommt man nicht jeden Tag vor die Linse. Chronologisch folge dann das Titelfoto am Anfang dieses Beitrags. Eine kleine Sammlung lustiger Bilder vom Treiben auf dem WuMa selbst gibts in diesem Album auf der Weinkaiser-Facebookseite (ohne Facebook-Mitgliedschaft oder Anmeldung zugänglich).

Nach dem Wurstmarkt erstmal ein Wurstbrot…

Bei einem Wurstbrot blieb es am nächsten Morgen natürlich nicht. Ich hatte einige gute Cremant de Loire der Oberklasse mitgebracht, die ich kurz zuvor zu Verfügung gestellt bekam und so genossen wir ein leckeres Cremant-Frühstück. Die Dosenwurst auf unserem Tisch stammt übrigens nicht vom Baumarkt sondern vom Wachenheimer Edel-Metzger Hambel, von dem schon Helmut Kohl regelmäßig seinen Saumagen bezogen hat. Der Weil-Riesling, der auch auf dem folgenden Bild im Glas von Stefan Schwytz (Baccantus) zu sehen ist, war eine großartig gereifte 1995er Spätlese aus dem Kiedricher Gräfenberg.

Das schreiben die anderen:
weinverkostungen.de/besuch-des-596sten-durkheimer-wurstmarkt/
drunkenmonday.wordpress.com/2012/10/05/medienagenten-wuma2012/
blindtastingclub.net/wine-events-fairs/agenten-weinprobe-durkheimer-wurstmarkt/

27. Februar 2012

Barrique Forum Pfalz und seine „Großen Weine 2012“

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 22:25

In jedem Winter präsentiert das Barrique Forum Pfalz im Ketschauer Hof in Deidesheim seine “Großen Weine” vor Presse und Fachpublikum. Diesmal sind es 27 Weine von 20 Winzern, die von einer unabhängigen Jury ausgewählt und nun vorgestellt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen. Einer dieser Weine hatte auch schon vorher einen Titel: “Das Kreuz” von Rings ist zugleich der Gewinner des Deutschen Rotweinpreises 2011 in der Kategorie Cuvées.

Die rund vierzig Mitgliedsweingüter des 1993 gegründeten Barrique Forum Pfalz stellen üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb an, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die künftigen “Großen Weine” ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein.


Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.

Wenige Tage später im Mannheimer Capitol zeigte das Barrique Forum Pfalz erstmals öffentlich die frisch ausgezeichneten ‚Großen Weine‘, darunter einige echte Knaller, z. B. die rote Kollektion von Rings oder der Spätburgunder Musikantenbuckel von Jürgen Krebs.

Für die musikalische Untermalung der Verkostung und den Übergang zur Weinparty sorgte DJ Mahmut.  Zu diesem Zeitpunkt waren aber viele der rund 300 Besucher noch im Weinprobe-Modus…

Auf der anschließenden Barrique Forum Rotweinparty im Capitol haben The Great Bertholinis zu reiferen Weinen dann richtig das Haus gerockt. Sie nennen es Gypsy-Pop. Egal wie es heißt, es ist handgemacht und richtig gut!

Die “Großen Weine” werden am Messestand des Barrique Forum Pfalz bei der ProWein (Halle 5 Stand H139) gezeigt und am 10./11. März 2012 wird die Kollektion der “Großen Weine” 2012 (und mehr als hundert weitere Weine der Mitgliedsbetriebe) im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Die 27 Großen Weine der Kollektion 2012:

Wein- und Sekthaus Aloisiushof, St. Martin
2009 Spätburgunder trocken

Weingut Emil Bauer & Söhne, Landau-Nußdorf
2009 Cabernet Sauvignon

Weingut Castel Peter, Bad Dürkheim
2008 „Dizzy“ (Cabernet Sauvignon / Merlot)
2009 „Bird“ (Spätburgunder) (weiterlesen…)

17. Februar 2012

Vogelsang-Cup der Nordpfalz 2012

Kategorie: Veranstaltungen, Wein — Weinkaiser @ 19:56

Zwei Wochen vor der ProWein, bei der die allermeisten Weingüter ihren neusten Jahrgang vorstellen und auch die ersten Wettbewerbe mit 2011er Weinen beginnen, wurde in Bockenheim an der Weinstraße (Nordpfalz) noch einmal der 2010er Jahrgang auf den Prüfstand gestellt.


Vierzehn Betriebe waren der Einladung zur zweiten Ausgabe des Vogelsang-Cups im Bankettsaal des Landgasthauses Neuhäusel in Bockenheim gefolgt. Der Name des Wettbewerbs leitet sich ab von den Vogelsang-Weinbergslagen der Mittelhaardt in Weisenheim am Berg, Bockenheim an der Weinstraße und Kindenheim.

Die Auswahl der Flaschen auf der großen Verkostungstafel beeindruckte. Siebzig Weine in den Kategorien Weißwein, Rosé und Rotwein galt es zu probieren. Keine leichte Aufgabe für die Jury, bestehend aus Johannes Häge (Betriebsleiter Weingut am Nil/ Kallstadt), dem Weinjournalist Matthias Mangold (Verkoster Pfalz für den Gault Millau) und dem Bockenheimer Weinenthusiasten Hermann Frank.

Die Verkostung zeigte, wie positiv sich die Weinqualitäten auch im nördlichsten Teil der Pfalz entwickeln. Sogar in einem Jahr wie 2010, das durch seine Wetterkapriolen den Winzern alles abverlangte.

Neben der Ermittlung der Sieger stand auch in diesem Jahr wieder der Austausch der Winzer untereinander im Vordergrund des Abends. Und das funktioniert natürlich am Besten über das gemeinsame Thema Wein. neue Kollegen kennenlernen, Kontakte pflegen und miteinander verkosten um sich weiterzuentwickeln.

Das Ergebnis der Jury fiel bei den Weiß- und Roséweinen extrem knapp aus. Gleich zwei Preise wurden für die Rieslinge von Neiss und Lauermann-Weyer vergeben. Gerechterweise hätte es in dieser Kategorie auch noch einen dritter Vogel für den Lagenriesling „vom Taubrunnen“ aus dem Haus Janson-Bernhard geben können.

Ähnlich war es bei den Roséweinen. Der Wandervogel (ein Wanderpokal in Form eines Vogels) ging mit knappem Vorsprung an das Weinhaus Durst für den Rosé Kutschler 2010.

Bei den Rotweinen war die Entscheidung hingegen eindeutig, Axel Neiss konnte die Trophäe für den Spätburgunder „GS“ 2009 mit nach Hause nehmen. Die Juroren sahen sein neu kreiertes Rotweincuvée „That´s Neiss“ auf Platz Zwei der Rotweine.

Bei der Siegerehrung staunte Grünstadt-Land Verbandsgemeindebürgermeister Reinhold Niederhöfer, eigentlich bekennender Biertrinker, nicht schlecht über die vielen jungen Gesichter im Saal. „Ich hatte eine Runde älterer Herrschaften erwartet“. In seiner Laudatio nach der Preisverleihung spornte er die Winzer an, weiter an der Qualität zu feilen und dies auch offensiv nach außen zu tragen.

Das Fazit des Abends: Offenheit und Austausch untereinander sind die Voraussetzung dafür, gemeinsam das Profil der nördlichen Weinlagen der Pfalz zu schärfen und im Bewusstsein der Weinliebhaber zu etablieren. Wir freuen uns auf das nächste Jahr.

Sie nahmen die Wandervögel mit nach Hause:
Preisträger Weißwein: Axel Neiss (Kindenheim) Riesling Alte Reben 2010
Preisträger Weißwein: Lauermann-Weyer (Bockenheim) Riesling Mulde 2009
Preisträger Rosé: Weinhaus Durst (Bockenheim) Rosé Kutschler 2010
Preisträger Rotwein: Axel Neiss (Kindenheim) Spätburgunder GS 2009

Der Vogelsang-Cup der Nordpfalz wurde als Einladungsprobe erstmalig 2011 ausgetragen. Verkostet und prämiert wird der vorhergehenden Jahrgang, wahlweise gereifte Weine. Ziel ist der Austausch der Winzer in der Region untereinander und die Schärfung des Profils der nördlichen Pfalz als Anbaugebiet.

Für das nächste Jahr soll die österreichische Spitzenwinzerin Heidi Schrock aus Rust am Neusiedlersee als Gastwinzerin eingeladen werden, denn mit ihrer Lage Ried Vogelsang gehört sie schließlich auch zu den “Vogelsang-Weingütern”.

Teilnehmende Weingüter: Lauermann & Weyer (Bockenheim), Weingut Neiss (Kindenheim), Weingut Brand (Bockenheim), Janson-Bernhardt (Harzheim/Zellertal), Weingut Benz (Bockenheim), Matthias Gaul (Grünstadt-Asselheim), Schlossgut Janson (Bockenheim), Müller-Ruprecht (Kallstadt/Bockenheim), Weinhaus Durst (Bockenheim), Weingut Schroth (Grünstadt-Asselheim), Weingut Weller (Einselthum), Weingut Metzger (Grünstadt-Asselheim), Weingut Klosterhof (Zell) und Weingut Wöhrle (Bockenheim).

1. März 2011

Pfälzer Barrique Forum präsentiert die „Großen Weine“ der Kollektion 2011

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 23:13

Das Pfälzer Barrique Forum präsentierte vergangenen Freitag im Ketschauer Hof zu Deidesheim vor Presse und Fachpublikum 24 Weine von 17 Winzern, die zuvor in einer zweitägigen verdeckten Verkostung von einer unabhängigen Jury als die besten der 120 angestellten Weine ausgewählt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen.

Im Gegensatz zu diversen anderen Preisen wird dieser Titel nicht mit der Gießkanne vergeben. Das 1993 gegründete Pfälzer Barrique Forum hat mittlerweile 48 Mitgliedsweingüter, die üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb anstellen, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die besten ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein. Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.

Den rund 100 Fachbesuchern im Ketschauer Hof wurden fünf Weiß- und 19 Rotweine präsentiert. Sie stammen aus den Jahrgängen 2009 (die 5 Weißweine), 2008 (10 Rotweine) und 2007 (8 Rotweine). Die prämierten Weißweine wurden aus den Burgundersorten Chardonnay und Weißburgunder erzeugt; die Roten aus Spätburgunder, Frühburgunder, St. Laurent, Dornfelder, Dunkelfelder, diversen Cabernet-Sorten und Merlot.

Am 12./13. Mai 2011 wird die Kollektion der Großen Weine 2011 im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Der komplette Pressetext des Pfälzer Barrique Forums mit weiteren Informationen

Die 24 Großen Weine der Kollektion 2011

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31. Oktober 2010

Weinrallye 38 – Underdog Scheurebe - vor allem restsüß großartig!

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:23

Eines vorweg: auf die geplante Verkostung einer aktuellen Scheurebe Spätlese von Müller-Catoir muss ich heute leider verzichten, da ich versehentlich einen Rieslaner vom selben Weingut eingepackt habe und schon wieder in Bonn, also 60 km von meinem Keller entfernt bin.

Auf einen kurzen Beitrag zum Thema der Weinrallye 38 – Underdog Scheurebe, die unser Kölner Weinfreund Torsten Goffin ausgerufen hat, möchte ich trotzdem nicht verzichten, da ich diese Rebsorte in den letzten Jahren sehr zu schätzen gelernt habe. Daher heute ausnahmsweise keine Verkostungsnotiz sondern nur ein wenig Grundsätzliches zur Scheurebe.

Die Scheurebe ist nach dem rheinhessischen Rebenzüchter Georg (Schorsch) Scheu (1879-1949) benannt, der sie 1916 in der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey durch eine Kreuzung von Riesling mit einer unbekannten Wildrebe kreierte. Scheu selbst nannte seine Neuzüchtung Sämling 88 (kurz S88), wie sie auch heute noch in weiten Teilen Österreichs genannt wird. Lange Zeit wurde eine Kreuzung von Riesling mit Silvaner angenommen, erst Ende der 1990er Jahre wurde durch DNA-Analysen festgestellt, dass neben Riesling nicht Silvaner, sondern eine unbekannte Wildrebe an der Kreuzung beteiligt war.

Scheurebe gilt neben Gewürztraminer, Sauvignon Blanc und Muskateller als eine der bekanntesten Aromarebsorten (Bukettrebsorten). Trocken hat die Scheurebe oft eine gewisse Ähnlichkeit mit Sauvignon Blanc, die wahre Stärke scheint aber im restsüßen Bereich zu liegen.

Die meisten guten Scheureben kommen traditionell aus der Pfalz aber auch in anderen Regionen gibt es einzelne erstklassige Vertreter. Von den folgenden Weingütern habe ich in den letzten Jahren großartige restsüße Scheureben getrunken, die von den Weingütern übrigens oftmals zu deutlich günstigeren Preisen abgegeben werden als die Rieslinge der gleichen Prädikatsstufe:

Schlossgut Diel (Nahe) - geniale Spät- und Auslesen
Keller (Rheinhessen) - von großartigen Auslesen bis zur 100 Punkte TBA
Koehler-Ruprecht (Pfalz) - Spätlese bis Beerenauslese
Müller-Catoir (Pfalz) - Spätlese bis Eiswein
Pfeffingen (Pfalz) - Spätlese bis TBA
Weegmüller (Pfalz) - Spätlese bis Beerenauslese
Helmut Lang (Neusiedlersee) - Ausbruch und TBA (als Sämling 88)

20. Juli 2010

Riesling trifft Kohle im Rahmen von: A40 - Still-Leben Ruhrschnellweg

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 09:34

Im Rahmen der Ruhr 2010, also des Programms der Metropole Ruhr in ihrer Rolle als Europäische Kulturhauptstadt 2010, fand am Wochenende mit offiziell rund drei Millionen Besuchern eine der größten Tagesveranstaltungen aller Zeiten statt: A40 - Still-Leben Ruhrschnellweg.

Auf der auch Ruhrschnellweg genannten Autobahn A40 zwischen Duisburg und Dortmund (der meistbefahrenen Autobahn Europas) wurde in der Nacht zum Sonntag ein 60 Kilometer langer Tisch aus tausenden Biertischgarnituren aufgebaut, die für diesen Tag an Firmen, Organisationen und Privatleute vergeben/vermietet wurden.

Für das Weinforum Ruhrgebiet hat Uwe Bende drei solcher Tische erstanden und dort unter dem Titel Riesling trifft Kohle eine tolle Verkostung mit 30 zum Teil großartigen Rieslingen aus den letzten 50 Jahren organisiert.

Rund zwanzig Rieslingfreunde, darunter Weinblogger Thomas Günther von Weinverkostungen.de, Wein-Historiker Peter Jakob (marcodatini.posterous.com) und Winzer Gernot Kollmann vom Enkircher (Mosel) Weingut Immich Batterieberg.

Die Weine wurden von Uwe Bende zusammengetragen, unterstützt von Gernot Kollmann, der zwei Flaschen 1964er Riesling naturrein aus der Schatzkammer des von ihm vor kurzem übernommenen Weinguts Immich Batterieberg,

sowie einen 2000er Van Volxem Scharzhofberger Riesling Kabinett, den er in seiner damaligen Rolle als Kellermeister von Van Volxem geschaffen hat und einen meiner Lieblingsweine: eine 2007er Winninger Röttgen Riesling Spätlese Alte Reben vom Weingut Reinhard und Beate Knebel, bei dem Gernot Kollmann in den letzten Jahren als Berater tätig war.

Unsere kleine Verkostungsliste
Teil 1 -  trocken:

Peter Jakob Kühn Oestricher Riesling (eine Traube) 2004

Heymann-Löwenstein Winninger Uhlen R 2001

Peter Jakob Kühn Quarzit Riesling trocken 2007

Koehler Ruprecht Kallstadter Saumagen R Riesling Auslese trocken 2001

Wittmann Westhofen Morstein weißer Riesling Spätlese trocken 1990

Kaßner-Simon Freinsheimer Oschelskopf Riesling Auslese trocken 1990

Toni Jost Martinsthaler Rödchen Riesling Kabinett trocken 1990

Cave Kientzheim Kayserberg Fürstentum Riesling Grand Cru 1995

Laible Durbacher Plauelrain SL Riesling Spätlese trocken 2001

Wittmann Westhofen Aulerde Riesling GG 2001

George Rüdesheim Berg Rottland Riesling trocken 2003

Klaus Peter Keller Riesling trocken von der Fels 2005

Die Weine waren allesamt in erstaunlich gutem Zustand, einzig die 1990er Morstein Spätlese trocken von Wittmann war durch einen undichten Korken etwas zu stark oxidiert, was aber wohl eindeutig ein Flaschenfehler war, denn mehrere Teilnehmer hatten diesen Wein noch vor kurzem in einwandfreiem Zustand verkostet. (weiterlesen…)

29. November 2008

A. Christmann Königsbacher Ölberg Spätburgunder 1998

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 00:33

A. Christmann Königsbacher Ölberg Spätburgunder 1998
Der Spätburgunder aus dem Königsbacher Ölberg (Pfalz, Bereich Mittelhaardt - Deutsche Weinstraße) ist die Nummer zwei der Rotweine aus dem Hause des aktuellen VDP-Präsidenten Steffen Christmann (an der Spitze steht das Große Gewächs aus der benachbarten Toplage Königsbacher IDIG). Ich habe diesen Wein noch von einem schönen Abend, wenige Monate vor dem Start dieses Blogs, in guter Erinnerung: Für einen deutschen Spätburgunder aus den 90ern eine ziemlich dunkle und dichte Farbe, hat sich über das Alter von zehn Jahren erstaunlich gut entwickelt und ist nicht wie viele andere längst weit über den Zenit gealtert, dazu rauchige Noten und eine Portion edle Hölzer. Soweit die Erinnerung. Die heutige Flasche hat leider Kork. Auch wenn der Übeltäter optisch in perfektem Zustand scheint, ja nahezu ein Muster eines schönen Korkens hoher Qualität ohne jegliche Einschlüsse und absolut dicht (trotz recht langer Lagerung nur der unterste Millimeter mit Wein benetzt) - das Resultat ist leider unbefriedigend.

26. September 2008

H.G.Schwarz 20 letzte Müller-Catoir-Jahre

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 02:04

Hans Günter Schwarz und seine 20 letzte Jahre bei Müller-Catoir
Organisiert vom Weinforum “Weinfreaks” fand am vergangenen Wochenende in der Düsseldorfer Weinhandlung “La Vinesse” eine großartige Verkostung von Müller-Catoir-Weinen statt. 2001 ist der letzte Jahrgang dieses Pfälzer Spitzenweingutes, der unter der Federführung von Hans Günter Schwarz entstand. Danach ging der Kellermeister, der in über 40 Jahren die Weine von Müller-Catoir von Mittelmaß zu Weltruhm führte, in den verdienten (Un-)Ruhestand.

Zur Lebensleistung von H. G. Schwarz zählen nicht nur zahllose tolle Weine und das mittlerweile anerkannte Renommee seiner Lieblingsrebsorte Rieslaner, deren Potential Schwarz wie niemand anderes in der Weinwelt auszureizen verstand sondern auch die Ausbildung und Förderung einer ganzen Generation talentierter Pfälzer Nachwuchswinzer.

Aus den letzten 20 Jahren seiner Schaffenszeit, also den Jahren 1981-2001, wurden, auch mit der Unterstützung von Herrn Schwarz selbst, 23 Weine zusammengetragen. Man sagt immer wieder, wirklich große Weingüter erkenne man an der Qualität ihrer einfachsten Weine. Nun hatten wir keinen QbA in der Literflasche dabei, aber trockene Kabinett und Spätleseweine von 1990, 1993 und 1996. Alle waren toll gereift und mit 85P, 86P, 87P (2x) und 88P in einem von mir nicht erwartet guten Zustand.

Durch die 20-jährige Spanne zwischen den ältesten und den jüngsten Weinen wird auch der Stilwechsel bei den restsüßen Weinen nach dem Jahrgang 1989 deutlich. Die 1989er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Beerenauslese ist exemplarisch für den Versuch Pfälzer Sauternes zu erzeugen. Der Wein mit 12 % Vol. und deutlich weniger wahrnehmbarer Restsüße als bei später erzeugten MC-Süßweinen kommt in unserer Runde nicht besonders gut an. 82P

Als Gegenbeispiel für den Stil ab 1990 bietet sich traumhafte die 2001er Gimmeldinger Schlössel Rieslaner Beerenauslese an. Sehr erfrischend, fein, mit leichter Mineralik, intensiven Noten von Limonen- und Grapefruit in Mund und Nase, weißem Pfeffer im Mund und noch einer Menge Potential für die Zukunft. 98+P

Auch das Geschenk von Herrn Schwarz konnte sich sehen lassen. Die 1998er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese gehörte zu den leckersten Weinen des Abend. In Farbe und Stil viel jünger als das tatsächliche Alter von 10 Jahren wirkend, mit toller Frucht (vor allem Grapefruit), sehr elegant, einem tollen Süße/Säure-Spiel, unendlich lang und mit mehreren Jahrzehnten Zukunft. 96-97P

Bei der von Robert Parker (99PP) und diversen anderen hochgelobten 1994er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese dürfte es sich um einen abgestuften Eiswein oder eine zumindest noch teilweise gefroren gelesene Auslese handeln. Anders läst sich der enorme Säuregehalt nicht erklären. Der Wein hat zwar schöne Noten von Mandarine und Orange, ist mir aber einfach deutlich zu sauer. 90P

Bester Wein des Abends und erster 100-Punkte-Wein seit dem Start dieses Blogs war die 1999er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Trockenbeerenauslese. Ein wunderschöne goldgelbe Farbe, hoch konzentrierte aber ebenso feine Zitrus- und Orangennoten und ein grandioses Süße/Säure-Spiel. 100P (weiterlesen…)