9. Januar 2013

Ein 1A Markenwein von der Ahr

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 12:15

Wenn man bei einem Wein Jahr für Jahr die gleiche Qualität im Glas haben möchte, sind Lagenweine (Weine bei denen alle verwendeten Trauben aus einer einzigen Weinbergslage stammen) ungeeignet. Die Beschränkung auf den immer gleichen Weinberg macht das Ausgleichen von klimatischen Jahrgangsunterschieden schwierig bis unmöglich. Die Alternative sind Markenweine, die sich nicht auf eine zu genaue Herkunft festlegen. In Discountern und Supermarktregalen sind solche Weine in Deutschland Marktführer. Auch im mittleren Preissegment um 10 Euro gibt es in letzter Zeit einige sehr erfolgreiche wie die Rieslinge Eins Zwei Dry von Leitz, C.A.I. von Immich-Batterieberg und Spontan vom Lubentiushof.

In der Preisklasse von 20 Euro und darüber werden hierzulande erfolgreiche Markenweine, bei denen die Tür für zugekaufte Trauben offengehalten wurde, deutlich seltener. Dabei gibt es eine beachtliche Zielgruppe für solche Weine. Seit mehr als zehn Jahren empfehle ich all jenen in meinem Umfeld, die einfach nicht die Zeit haben, sich in jedem Jahr erneut mit den aktuell verfügbaren Weinen zu beschäftigen, allerdings trotzdem nicht auf gehobene Qualität verzichten wollen, zum Grillsteak den Penfolds-Markenwein Kalimna Shiraz, auch bekannt als BIN 28. Der wird seit 1959 produziert und stammt schon seit Jahrzehnten nicht mehr allein aus dem legendären Kalimna-Weinberg, nach dem er einmal benannt wurde. Heute werden dazu Trauben aus diversen Weinbergen in verschiedenen australischen Regionen verwendet. So können die jährlichen Klimaschwankungen problemlos ausgeglichen werden und der Wein hat in jedem Jahr den gleichen Stil und die selbe hohe Qualität.


Die Idee hinter dem neuen Markenwein 1AHR ist ähnlich wenn auch nicht identisch. Die Rebsorte Spätburgunder würde ja vieles möglich machen, von der gekochten Himbeer- oder Erdbeermarmelade in Deutschland bis zur Essenz von frisch asphaltiertem Straßenbelag im Burgund. Das Weingut Nelles hat sich für das klassische Geschmacksprofil des edlen Ahr-Pinots mit dezentem Holzeinsatz entschieden. Herausgekommen ist ein sehr eleganter Wein mit feiner Kirschfrucht, leicht ätherischen Kräuteraromen, Pfeffer und Bitterschokoladennoten, erfrischender Säure und einem (durch den Alkohol unterstützten) Eindruck schmeichelnder Extraktsüße. 90P

Auch die Aufmachung in einer Ahr-typischen Schlegelflasche mit goldenem Etikett und VDP-Goldkapsel wirkt wertig und macht den Wein zu einer idealen Geschenkempfehlung. Bei dieser ersten Ausgabe (Jahrgang 2010) stammen die Trauben aus den Heimersheimer Spitzenlagen Landskrone und Burggarten. Um das Geschmacksprofil in den kommenden Jahren beizubehalten, steht zwar nicht wie bei Penfolds ein halber Kontinent, aber immerhin eine ganze Weinbauregion zu Verfügung.

Weingut Nelles - 1Ahr Spätburgunder trocken Barrique 2010
21 Euro ab Hof.

Weingut Nelles 1479
Göppinger Str. 13a
53474 Heimersheim/Bad Neuenahr
www.weingut-nelles.de

20. Juli 2012

Weinrallye 53: Der Schweizer Wein. Ein ungreifbares Phantom?

Kategorie: Weinrallye — Weinkaiser @ 07:37

Gastbeitrag zur Weinrallye 53 mit dem Thema Schweizerwein

von Marc Herold

Die Schweizer Weine waren für mich lange auch nur ein paar exotische Seiten im „Kleinen Johnson”. Nach einigen Reisen ins Wallis und beruflichen Aufenthalten in der Ostschweiz tauchen aus dem Meer der Orientierungslosigkeit einige etwas Orientierung verschaffende Archipele auf. Ein Wein, der mich gleich beim ersten Schluck fasziniert hat war der Heida von den bergigen Hängen des Visper-Tals. Um den soll es heute aber ausnahmsweise nicht gehen. Für mich als ausgesprochenem Weißweinfreund war es spannend, mich etwas tiefer in die Gefilde des Schweizer Rotweins zu begeben. Auf Entdeckungsreise in einem St. Galler Weingeschäft wurde mir der „Truttiker” Pinot noir in die Hand gedrückt, als ich nach einem guten Einstieg in die Welt der eidgenössischen Rotweine fragte.


Nachdem die Flasche des Zapfens entledigt wurde, war ich erstaunt, fasziniert und zählte im Geiste meine paar Franken. Der Pinot Noir stammt aus der Gegend zwischen Zürich und Schaffhausen und die Familie Zahner erzeugt dort aus der Lage „Stiefelhalde” einen Wein, den ich spontan ins Burgund und dort nach Ladoix gesteckt hätte. Der Pinot vereint charmant eine üppige aber kühle Amarena-Kirschfrucht und eine wirklich begeisternde rustikale Art. Der Wein ist, gleichzeitig kräftig zupackend und etwas zurückhaltend und elegant. Die Säurestruktur ist abgründig wie die Reichenbachfälle und das Bouquet wirkt, wie der nasale Idealtyp eines Berghangs mit Waldhimbeeren. Gleichzeitig wirken hier Tannine, so solide und unaufdringlich wie ein Schweizer Safe. Hier wird das schweizerische schmeckbar und ein Besuch in Truttikon bei den Zahners ist schon geplant.

Was ist eine Weinrallye?
An einem vorher festgelegten Tag im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einem bestimmten Thema zu widmen. Jeden Monat gibts ein neues Thema und jedes mal gibt ein anderer Blogger das Thema vor. Das Thema Schweizer Wein der heutigen Weinrallye #53 hat der in Zürich lebende Weinjournalist Peter Züllig ausgesucht.

9. Juli 2012

Preisverleihung Ahrwein des Jahres 2012

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:41

Wenn alle an einem Strang ziehen, kann alles sehr schnell gehen. Am 27. März 2012 wurde der neu ins Leben gerufene Weinwettbewerb „Die besten Spätburgunder des Ahrtals“, kurz “Ahrwein des Jahres” erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 25. Juni, also weniger als drei Monate später, wurden nun die ersten Sieger bekanntgegeben.

Spätburgunder ist die wichtigste Rebsorte im Ahrtal und zugleich die wohl weltweit, zumindest in Fachkreisen, am höchsten angesehene rote Rebsorte. Das von Alexander Kohnen in Ahrweiler gegründete International Wine Institute (IWI) und die Kreissparkasse Ahrweiler (KSK) haben Anfang des Jahres die Initiative für diesen neuen Weinpreis übernommen und auch das Land Rheinland-Pfalz mit ins Boot geholt. Das ist insofern wichtig, dass in Deutschland nur mit Erfolgen bei amtlich anerkannten Weinwettbewerben auf den Flaschen (z.B. mit Aufklebern, Medaillen oder Plaketten) geworben werden darf.


Mit der Aufspaltung in die Kategorien „Klassiker“, „Premium“ und „Kultwein“ schaffte man die nötigen Rahmenbedingungen, dass auch die renommierten VDP-Betriebe an diesem Wettbewerb teilnehmen. Wenn es nur eine Kategorie gibt, ist vielen erfolgreichen Betrieben das Risiko regelmäßig zu hoch, dass ihr berühmtes Großes Gewächs für 60 Euro und mehr plötzlich vom 9-Euro-Wein eines unbekannten Nachbarn geschlagen wird.

„Mit den begehrten Auszeichnungen möchte das IWI auf die erstklassigen Spätburgunder national und international hinweisen. „Das Preis-/Genussverhältnis ist weltweit betrachtet sehr gut. Den Weinabsatz in der Region zu fördern und auf die Kulturregion mit ihren vielen Facetten und Freizeitangeboten hinzuweisen, ist das Ziel dieses Wein-Wettbewerbes“, so Alexander Kohnen, Inhaber der internationalen Schulungsinstitution für Sommeliers und Weinhändler.

In Vertretung von Weinbauministerin Ulrike Höfken nahm der stellvertretende Amtsleiter des Weinbauministeriums, Helmut Caspary an der Preisverleihung teil. Caspary wies noch einmal darauf hin, dass der Wettbewerb nicht nur vom Land Rheinland-Pfalz amtlich anerkannt ist, sondern dass das Prüf- und Bewertungsverfahren durch eine unabhängige Kommission neutral und verdeckt durchgeführt wurde. Caspary lobte die Initiative des IWI und der KSK und fügte an, er wünsche sich ähnliche Weinpreise in den benachbarten Regionen.

Verkostet und bewertet hat die Jury die ausschließlich trockenen Spätburgunder am 11. Juni 2012 in den Kategorien:

Klassiker“ für traditionelle Weine mit sehr gutem Preis-/Genussverhältnis,
Premium“ für Weine mit höchster Qualität und
Kultweine“ für Spätburgunder von großem internationalem Format.

Das Niveau der angestellten Weine war durchweg sehr hoch, daher auch die hohe Quote der prämierten Weine: Es gab 61 Anstellungen, davon wurden 51 Weine mit „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ prämiert und dürfen die begehrte „Ahrtal-Vignette“ auf der Flasche als Gütezeichen tragen.

Die Ahrweine des Jahres 2012:

Kategorie „Klassiker“:
2011er Coels’sche Spätburgunder Qualitätswein trocken
Weingut Franz Coels (Ahrweiler)

Kategorie „Premium“:
2010er Spätburgunder Caspar „C“
Weingut Deutzerhof (Mayschoss)

Kategorie „Kultwein“:
2009er Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs
Weingut Jean Stodden (Rech)

Die Jury bestand aus einigen der zurzeit besten deutschen Spätburgunder-Verkostern:
Carsten Henn, Buchautor und Stv. Chefredakteur des Gault Millau Weinguide,
Caro Maurer, die erste Deutsche Master of Wine (MW),
Christina Fischer, bekannte Sommelière und Weinbuchautorin,
Stephan Reinhardt, Autor und Chefredakteur des Weinwisser,
Christoph Dirksen, bekannter Weinhändler aus Bonn,
Steffen Schindler, Marketingdirektor des Deutschen Weininstitutes,
Michael Schmidt, Deutschland-Experte der Purple Pages von Jancis Robinson.

Der erfolgreiche Gastronom und Koch Jean-Marie Dumaine vom Restaurant Vieux-Sinzig, Ahrwein des Jahres-Initiator Alexander Kohnen und der Juryvorsitzende Carsten Sebastian Henn im Gespräch.

3. April 2012

Gambero Rosso vini d’italia 2012 Präsentation in Düsseldorf

Kategorie: Literatur, Veranstaltungen — Weinkaiser @ 14:15

Am Vorabend der ProWein 2012 wurde die deutschsprachige Ausgabe des neuen Gambero Rosso erstmals nicht in München sondern auf dem Düsseldorfer Messegelände präsentiert. Die 25. Ausgabe des wichtigsten Weinführers für italienische Weine erscheint auch in diesem Jahr wieder in einer deutschen Übersetzung. Der Gambero Rosso vini d’italia 2012 kostet 30 Euro und enthält auf 924 redaktionellen Seiten (plus ca. 100 Werbeseiten die in der Nummerierung außen vor bleiben) Informationen zu 20.000 Weinen von 2350 Produzenten. Um so viele Weingüter aufnehmen zu können, wurde der Begleittext bei jedem Weingut massiv zusammengekürzt. Vor einigen Jahren waren die Texte pro Weingut noch ca. drei bis viermal so lang und damit deutlich aussagekräftiger. Kritik an dieser Entwicklung war auch auf der Veranstaltung regelmäßig zu hören.

Dieser Weinführer bewertet die Weine traditionell nicht auf einer Punkteskala sondern vergibt ein bis drei Gläser für die Qualität der verkosteten Weine. Tre Bicchieri - die Höchstnote von drei Glaser wurde in dieser Ausgabe an 375 Weine verliehen (im Vorjahr waren es noch 402). Ein Teil dieser Drei-Gläser-Weine ist sehr teuer aber lange nicht alle. In einer Sonderliste werden 52 drei-Gläser-Weine aufgeführt, die für unter 15 Euro zu bekommen sein sollen.


Eine weitere (im letzten Jahr erstmals eingeführte) Liste führt 95 Drei-Gläser-Weine aus biologischem oder naturnahem Anbau auf. Dabei verlässt sich die Redaktion allerdings komplett auf Herstellerangaben, eine Überprüfung der Angaben findet bisher nicht statt, soll aber in den nächsten Jahren eingeführt werden.

Gambero Rosso Vini d’Italia 2012 (deutsche Ausgabe) bei Amazon.de

In der Stadthalle des Messe-Kongress-Zentrums, dem Ballsaal mit dem besten Parkett der der Düsseldorfer Messe wurden gemeinsam mit der aktuellen Ausgabe rund 180 der neuen Drei-Gläser-Weine präsentiert. Die Veranstaltung gehöhrt zur Tre Bicchieri World Tour, die in diesem Jahr schon in Hong Kong, Shanghai, San Franzisco, New York und Chicago Station gemacht hat und bis zu ihrem Finale am 6. Juni in Montreal auch noch zwei Tastings in Brasilien abhalten wird. Brasilien gehört neben China, Russland, Deutschland und den USA zu den Märkten, in denen die Umsätze mit italienischen Weinen im letzten Jahren deutlich gestiegen sind.

Die Veranstaltung war nach einer rund einstündigen Pressekonferenz mit Buchpräsentation auch für private Weinfreunde geöffnet (zum Eintrittspreis von 30 Euro). Ein fairer Preis, da es dafür eine ganze Reihe der besten und berühmtesten Weine Italiens zu probieren gab. Nach Einschätzung einiger Besucher, die auch in den Vorjahren die Veranstaltung  im Münchner BMW-Museum besucht hatten, war der Besucherandrang bei der Düsseldorfer Premiere allerdings nicht ganz so groß, wie sie es aus München gewohnt waren.

Hungern musste auch niemand (bei dem riesigen Käseangebot handelte es sich allerdings nicht um italienischen Käse sondern um holländischen Gauda).

Alle Besucher bekamen neben den Verkostungsheft eine Umhängetasche von Gambero Rosso, die sowohl als Heft- wie auch als Glashalter einsetzbar war und rege in Anspruch genommen wurde.

Gemeinsam mit dem österreichischen Weinjournalisten Helmut O. Knall hatte ich die Gelegenheit den seit 2005 durchgehend mit drei Gläsern ausgezeichneten Wein der 29-jährigen Önologin Elena Fucci aus der Region Basilicata zu verkosten. Knalli und ich waren von der Qualität des 2009er Titolo wie vom Temperament der Winzerin gleichermaßen begeistert.

Bisher ist Titolo (Aglianico del Vulture Titolo) der einzige Wein von Elena Fucci. Ihr stehen hierfür 3,5 ha mit der sehr alten und tanninreichen Rebsorte Aglianico zu Verfügung. Der Titolo wird ca. ein Jahr in kleinen neuem Holzfässern ausgebaut. Für einen zweiten Wein wurden kürzlich 3 ha neue Rebfläche angelegt.

Deutlich bekannter und fast immer eine sichere Bank ist der Barbera d’Asti Bricco dell’ Uccellone von Braida. Der 2009er ist schon jung erstaunlich zugänglich (vor allem verglichen mit den anderen Top-Piemontesern die ich davor und danach probierte), hat trotzdem ein sehr langes Reifepotential.

Die beiden einzigen Pinot Nero, die in diesem Jahr mit drei Gläsern prämiert wurden stammen beide aus der Lombardei: Links der elegantere und fruchtigere OP Pinot Nero Noir von der Tenuta Mazzolino und rechts der tanninreichere und auf längere Lagerung ausgelegte OP Pinot Nero Giorgio Odero 2008 von Frecciarossa.

Ein Supertoskaner muss nicht aus Cabernet, Merlot oder sonst etwas mit Sangiovese vermischten bestehen, beweist dieser großartige Cortona Syrah Migliara 2008 von Tenimenti Luigi d’Alessandro. Blind würde den fast jeder an der nördlichen Rhone verorten und die Rebstöcke sind erst 25 Jahre alt…

Dieser Vin Santo di Carmignano Riserva 2005 von der Tenuta di Capezzana war der überragende Süßwein der Veranstaltung. Nicht der Wein zum Dessert, der Wein ist das Dessert!

Zum 25. Jubiläum des Gambero Rosso ist mit Sua Eccellenza Italia auch ein Bildband erschienen, in dem die regelmäßig ausgezeichneten Weingüter mit längeren Texten und schönen Fotos präsentiert werden. Dieses Buch ist bisher leider nur in  italienischer Sprache erhältlich.

4. August 2011

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 01:51

Seit Gottfried Lamprecht 2005 sein Familienweingut Herrenhof Lamprecht in Markt Hartmannsdorf (Steiermark) gründete, setzt der Absolvent der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (dem Geisenheim Österreichs) strickt auf Qualität, ökologischen Anbau und traditionelles Winzerhandwerk. Im Herrenhof gab es zwar schon einmal Weinbau aber das ist so lange her, dass Gottfried Lamprecht im Grunde bei null anfangen musste/konnte. Er hat die Chance genutzt. Alle seine Weine stammen vom Buchertberg, der direkt am Weingut gelegen ist und über Lagen bis in über 400 Metern Höhe verfügt. Die meisten Anlagen sind extrem jung, der Pinot Noir für den oben abgebildeten Rosé wurde beispielsweise im Jahr 2005 gepflanzt. Seit dem kamen mehrere Weingärten hinzu, zuletzt wurde in diesem Frühjahr ein Obstgarten samt Hagelnetzen rausgerissen um Platz für weitere Rebanlagen zu schaffen.

Dass Gottfried Lamprecht beim Weinausbau auf traditionelle Methoden setzt, bedeutet keineswegs, dass er kein Interesse an moderner Technik habe. Bei der Nutzung neuer Medien ist sein Herrenhof so perfekt aufgestellt wie kein anderes mir bekanntes Weingut dieser Größe: Gottfried Lamprecht bloggt über die Weingutsarbeit, er ist im Gegensatz zu vielen anderen Winzern bei Facebook, Xing, Google+ und Twitter alles andere als eine Karteileiche und als einer von wenigen nutzt er QR-Codes auf allen Weinflaschen, deren Links zu den für jeden Wein angelegten Webseiten mit Detailinformationen zum Wein führen.

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010
Gerade mal vier Wochen nach der Füllung, wirkt der Wein noch extrem jung. Gut gekühlt dominieren Himbeer- und Gäraromen (der Wein ist spontan vergoren), gefolgt von etwas Erdbeerfrucht, Sauerkirschen und Schokolade. Mit etwas mehr Temperatur typischere Aromatik von leichtem Pinot (wohl gemerkt: die Rebanlagen sind gerade mal fünf Jahre alt), dazu der deutliche Noten von frisch gemahlenem weißem Pfeffer und eine leichte Chilischärfe. Trotz der nur 5,4 Gramm Säure ist die Säure vor allem im Abgang sehr präsent. Die Farbe ist übrigens für eine Spätburgunder Rosé recht kräftig. Der mit 11,5 % Vol angenehm leichte Rosé ist mit nur einem Gramm Restzucker sehr trocken (ein wenig Extraktsüße mildert diesen Eindruck ein wenig) und ich könnte mir angesichts der sehr präsenten Säure vorstellen, dass er mit ein Wenig mehr Restzucker noch mehr Trinkfreude machen würde. 85P

Andere Blogs über diesen Wein:
Don Simon
Peer F. Holm
La Gazzetta del Vino

Datenbaltt zum Wein bei Herrenhof Lamprecht:
http://www.herrenhof.net/winedatasheets/herrenhof-2010-pinotnoir-rose_ger_eng.pdf

8. März 2011

XXVI. Hamburger Wein Salon 2011

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 17:18

Während das Rheinland am vergangenen Wochenende auf den Höhepunkt der Karnevalssession zusteuerte, fand in Hamburg bereits die erste größere Weinmesse des Jahres statt. Zum vom Weinjournalisten Mario Scheuermann veranstalteten 26. Hamburger Wein Salon in den historischen Börsensälen der Hamburger Handelskammer kamen trotz herrlichem Vorfrühlingswetter (man hörte, es sei das erste durchgehend schöne Wochenende in Hamburg seit Monaten) etwas über 800 Besucher. Die reisten zum Teil sogar eigens aus dem Ausland an, wie eine Gruppe von 21 Mitglieder des Weinklubs aus dem dänischen Tønder, die sich begeistert zeigte.

Auch die Aussteller waren zufrieden, vor allem wegen der hohen Qualität des Publikums. Das gebe es so bei keiner anderen Veranstaltung in Hamburg.

GRAND PRIX D`EXCELLENCE  - KOLLEKTION DES JAHRES
Weingut Winfried Frey & Söhne, Essingen, Pfalz

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - international -
Weingut Ernst, Deutschkreutz, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - national -
Weingut Heinz Pfaffmann, Pfalz
Weingut Ökonomierat A. Schmitt, Saar

GRAND PRIX D`EXELLENCE - WEISSWEIN DES JAHRES
2009 Erbach Marcobrunn EG, Domänenweingut Graf Schönborn, Rheingau

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ROTWEIN DES JAHRES
2007 Admiral, Weingut Pöckl, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - SÜSSWEIN DES JAHRES
2009 Merlot Eiswein Blanc de noir, Weingut Winfried Frey, Pfalz

Als kleiner Nachtrag noch meine persönlichen Highlights des letztjährigen Wein Salons (2010), die ich im letzten Jahr zwar aufgeschrieben aber nicht veröffentlicht hatte: (weiterlesen…)

1. März 2011

Pfälzer Barrique Forum präsentiert die „Großen Weine“ der Kollektion 2011

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 23:13

Das Pfälzer Barrique Forum präsentierte vergangenen Freitag im Ketschauer Hof zu Deidesheim vor Presse und Fachpublikum 24 Weine von 17 Winzern, die zuvor in einer zweitägigen verdeckten Verkostung von einer unabhängigen Jury als die besten der 120 angestellten Weine ausgewählt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen.

Im Gegensatz zu diversen anderen Preisen wird dieser Titel nicht mit der Gießkanne vergeben. Das 1993 gegründete Pfälzer Barrique Forum hat mittlerweile 48 Mitgliedsweingüter, die üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb anstellen, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die besten ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein. Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.

Den rund 100 Fachbesuchern im Ketschauer Hof wurden fünf Weiß- und 19 Rotweine präsentiert. Sie stammen aus den Jahrgängen 2009 (die 5 Weißweine), 2008 (10 Rotweine) und 2007 (8 Rotweine). Die prämierten Weißweine wurden aus den Burgundersorten Chardonnay und Weißburgunder erzeugt; die Roten aus Spätburgunder, Frühburgunder, St. Laurent, Dornfelder, Dunkelfelder, diversen Cabernet-Sorten und Merlot.

Am 12./13. Mai 2011 wird die Kollektion der Großen Weine 2011 im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Der komplette Pressetext des Pfälzer Barrique Forums mit weiteren Informationen

Die 24 Großen Weine der Kollektion 2011

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18. April 2010

Weinrallye #32: WG Mayschoss-Altenahr Spätburgunder Auslese Altenahrer Klosterberg 2006

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:58

Iris Rutz-Rudel vom Weingut Lisson im südfranzösischen Languedoc hat zur Weinrallye #32 mit dem Thema Pinot Noir / Spätburgunder aufgerufen.

Da Pinot Noir oder zu deutsch Spätburgunder meine liebste Rebsorte für Rotweine ist, beteilige ich mich natürlich gerne. Der Wein für die Weinrallye sollte allerdings einerseits nicht ganz alltäglich sein, andererseits wollte ich auch der beim Pinot naheliegenden Versuchung widerstehen, in den Wettbewerb um den größten, besten oder teuersten Pinot bei der Weinrallye einzusteigen. Meine Wahl viel auf eine Spätburgunder Auslese 2006 aus dem Altenahrer Klosterberg von der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr. Es handelt sich dabei um den Lieblingsrotwein meiner Mutter und wer glaubt, ich habe auf den Zusatz “trocken” nur verzichtet, weil das ja eh klar sei, hat sich getäuscht: Dieser Wein ist eine fruchtsüße Spätburgunder Auslese.

Die allermeisten Rotweine mit leichter Restsüße, die ich in meinem Leben probiert habe, waren grausam. Diese Spätburgunder Auslese der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr ist seit Jahren die eine Ausnahme von dieser Regel. Ich kenne diesen Wein seit ungefähr fünf Jahrgängen. Die Qualität blieb dabei stetig auf hohem Niveau. Vor allen bei den Damen nahezu jeglichen Alters in Nachbarschaft wie Verwandtschaft steht diese Auslese sehr hoch im Kurs.

Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr Spätburgunder Auslese Altenahrer Klosterberg 2006
Dunkles Kirschrot mit leichten violetten Reflexen, Tolle Pinot-Nase, vor allem dunkle Früchte aber auch etwas Erd- und Himbeere, Bitterschokolade, ein Hauch feines Tannin, leichte Fruchtsüße, tolle Säure und gut eingebundene 12% Vol. Mit 13,90 Euro sicher etwas teurer als für fruchtsüße Rotweine üblich, dafür aber auch ein gutes Stück besser. 86P

Meine persönlichen Lieblinge von der WG Mayschoss-Altenahr sind aktuell übrigens die beiden Weine rechts und links der Auslese: Spätburgunder Edition Ponsart Goldkapsel 2004 und 2006. Toller und sehr lagerfähiger Ahr-Spätburgunder, Jahr für Jahr im Bereich von 89-91 Punkten und für rund 17 Euro ab Hof.

8. September 2009

14. Weinforum Mittelrhein & Ahr in Bonn

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:38

Im 14. Jahr des Weinforums Mittelrhein war der Veranstaltungsort erstmals außerhalb der rheinland-pfälzischen Landesgrenzen. In jedem zweiten Jahr findet es auf Burg Rheinfels hoch über St. Goar statt, in den Jahren dazwischen unter anderem schon im Künstlerbahnhof Rolandseck und nun zum ersten mal im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Das 1893 erbaute Museumsgebäude wurde 2003 nach sechsjähriger!!! Sanierungs- und Umbauzeit vom Landschaftsverbandes Rheinland wiedereröffnet und zählt für mich zu den architektonisch bedeutendsten Museumsgebäuden Deutschlands.

Veranstalter des Weinforums Mittelrhein sind die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Weinwerbung Mittelrhein und die Ahr-Rhein-Eifel Touristik. Seit sechs Jahren ist aus der früher reinen Mittelrhein-Veranstaltung ein Gemeinschaftsprojekt Mittelrhein & Ahr geworden. Präsentiert wurden 90 in diesem Jahr von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz mit goldener oder silberner Kammermünze ausgezeichnete Weine sowie je fünf Sekte und Edelbrände. Der Wert dieser Kammer-Prämierungen hält sich sicher in Grenzen: Für mich bedeutet eine Gold- oder Silbermünze nicht, dass es sich damit automatisch um einen großartigen Wein handelt. Man kann sich bei den Goldprämierten allerdings  ziemlich sicher sein, dass es sich um einen sensorisch fehlerfreien Wein handelt und das ist aus meiner Sicht ja auch schon einiges Wert. Sensorische Fehlerfreiheit sollte zwar auf jeden Deutschen Qualitätswein zutreffen, da vor der Vergabe der zwingend vorgeschriebenen AP-Nummern ein Sensoriktest stattfindet, aber darauf konnte man sich wohl noch nie verlassen.

Die Besucherzahlen blieben diesmal leider deutlich hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück: Am Samstag rund  50 Besucher, davon ein Großteil Ehrengäste aus Politik und Verbänden. Am Sonntag war die Besucherzahl noch deutlich geringer. Schade für die Veranstalter, gut für die Besucher, die die Gelegenheit nutzten mit den anwesenden Winzern einmal etwas intensiver ins Gespräch zu kommen als es sonst bei solchen Präsentationen möglich ist. (weiterlesen…)