3. April 2013

Unter dem Namen Große Rieslingweinprobe wird in der Winninger August-Horch-Halle (der AUDI-Gründer ist in Winningen geboren) jedes Jahr im März die traditionelle Frühjahrsweinprobe der Jungwinzer und Schröterzunft Winningen abgehalten. Präsentiert werden ausschließlich Rieslingweine des aktuellen Weinjahrgangs, diesmal also 2012, sowie ein Jahrgangs-Riesling-Winzersekt. Im Mittelpunkt der Verkostung steht jeweils das gesamte Spektrum der Winninger Rieslinge vom trockenen Qualitätswein bis zu edelsüßen Eisweinen.

Eine Auswahlprobe, welche Weine es unter die 26 präsentierten Rieslinge der Veranstaltung schaffen sollten, fand in diesem Jahr im Weingut Richter, einem der besten der teilnehmenden Weingüter, statt. Zu Beginn der Großen Riesling Weinprobe erhielt jeder Besucher eine Verkostungsliste aller angestellten Weine mit Angabe der Prädikatsstufe und ggf. der Weinbergslage, allerdings ohne jede Information, von welchem Weingut die Weine jeweils stammten. Da zudem aus neutralen Flaschen eingeschenkt wurde, blieb vollkommen unklar wer hier was (positiv wie negativ) zu verantworten hatte. Später erklärte der Moderator allerdings, das Kaufinteressierte nach der Veranstaltung bei ihm den Produzenten ihres favorisierten Weines erfragen könnten. Erwartungsgemäß vertreten war das gesamte Winninger Lagenspektrum von den weltbekannten Terrassenlagen Uhlen und Röttgen, über Hamm und Brückstück bis hin zum über die gesamten Gemarkung verteilten Winninger Domgarten, der aus meiner Sicht auch gerne komplett in ein hübsches Baugebiet umgewandelt werden könnte…

Kommentiert wurde die Probe von Achim Rosch, Diplom-Oenologe am DLR Mosel (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum), der die schwierige Aufgabe mit Bravur meisterte, alle 26 zwar meist gut trinkbare aber selten außergewöhnliche Rieslinge einzeln vorzustellen und zu lobpreisen. Um es mit Loriot zu sagen: Einer wie der andere, das ist Qualität.
Abseits der Weinbeschreibungen machte es allerdings durchaus Sinn, Achim Rosch zuzuhören. Er erklärte eine ganze Reihe Begriffe aus der Welt des Weines und gab auch diverse sinnvolle Tipps für unerfahrene Weinfreunde. Leider haben davon bei steigendem Alkoholpegel und zunehmender Lautstärke im Saal die Wenigsten noch etwas mitbekommen.

Wer also eine akademische Weinprobe erwartete, war hier auf der falschen Veranstaltung. Wer aber Spaß und gute Stimmung suchte, war absolut richtig. Da dieser Event regelmäßig ausverkauft ist (ca. 350 Besucher) und es keinen Vorverkauf gibt, waren die meisten Plätze schon lange vor dem offiziellen Beginn der moderierten Verkostung eingenommen und es wurde zünftig mit Rieslingsekt vorgeglüht. Dann folgten, zumindest an meinem Tisch, pro Teilnehmer 26 Portionen Riesling zwischen 4 und 5 cl, was sich auf 1 bis 1,3 Liter zusammenaddiert. Tonkrüge als Spucknäpfe waren zwar vorhanden aber blieben weitgehend verschont. Die Stimmung stieg von Runde zu Runde. Zum Abschluss des Abends wurden dann auch gemeinsam einige Mosel-Gesänge angestimmt. Fazit: eher ein geselliges Weintrinken in feucht-fröhlicher Runde als eine klassische Weinprobe aber die Stimmung ist einzigartig und die allermeisten Besucher werden auch im nächsten Jahr wieder mit von der Partie sein.

Die teilnehmenden Weingüter:
Weingut Fries
Weingut Werner Fries
Weingut Freiherr von Heddesdorff
Weingut Hess-Hautt
Weingut Fred Knebel
Weingut Gerd Knebel
Weingut Knebel-Lehnigk
Weingut Friedrich Kröber
Weingut Am Hohen Rain
Weingut Kurt Kröber
Weingut Rüdiger Kröber
Weingut Ute und Stefan Mölich
Weingut Horst Löwenstein
Weingut Richard Richter
Weingut Horst Sünner
Weingut Richard Weyh
Die beiden Winninger Spitzenbetriebe Heymann-Löwenstein und Reinhard & Beate Knebel nahmen nicht teil.

11. März 2013

2003 edelsüß von der Mosel. Kann das was? In die Top 10 der edelsüßen Weine des Jahres im GaultMillau Weinguide hatte es aus dem Jahrgang 2003 kein einziger Süßwein von der Mosel geschafft. Die Spitze machten damals Weil (zweimal 100P und einmal 98P) und Keller (einmal 100P und zweimal 98P) mit je drei Weinen in der Top 10 fast unter sich aus. Wir hatten gestern 32 Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine des Jahrgangs 2003 von der Mosel auf dem Tisch. Die schlechte Nachricht vorweg: leider gab es fast ein Viertel Ausfälle (drei Korker und mehrere Oxidierte). Es waren alles halbe Flaschen und teilweise saßen die Korken so locker, dass offensichtlich war, dass sie nicht perfekt passten oder zu stark beschichtet waren und so im Laufe der zehn Jahre zu viel Luft in die Flasche gelassen wurde. Das Problem mit Ausläufern und oxidierten Weinen kommt bei halben Rieslingflaschen leider deutlich überdurchschnittlich vor, so dass ich davon ausgehen muss, dass einige Flaschenproduzenten immer wieder Flaschen auf den Markt bringen, deren Hals sich schon zu dicht hinter der Öffnung weitet und die so die Korken nicht fest genug fixieren können.
Abgesehen von Flaschenvarianzen war der Jahrgang 2003 in Deutschland auch grundsätzlich sehr extrem. Ein extrem heißer und trockener Sommer führte in vielen Weinbergen zu Trockenstress und sogar Sonnenbrand der Weintrauben. Die Säurewerte sanken oft ins Bodenlose. Als Reaktion wurde von den Behörden Bewässerung und Zugabe von Weinsäure erlaubt. Andererseits waren die Zuckerwerte oft auch schon ohne Botrytis schon gigantisch. All das sorgte für extreme Weine. Trockene Rieslinge waren in der Folge allermeist deutlich zu alkoholisch. Die Chancen für Edelsüße waren besser. Ältere Weinjournalisten und Händler verglichen den Süßweinjahrgang 2003 gar mit dem historischen 1959er. Das Ergebnis unserer Verkostung könnte heterogener kaum sein. Neben den Totalausfällen gab es mehrere TBAs, wie exemplarisch die Trittenheimer Apotheke von Rosch, bei denen zwar fast alle Merkmale vorhanden waren, die eine erstklassige TBA ausmachen aber die Harmonie fehlte völlig. Die nicht nur für 2003 enorm intensive Säure dieses Weins war leider überhaupt nicht eingebunden. Dass wir uns bei einem Wein mehr Säure gewünscht hätten, kam seltener vor als erwartet. Die Kritik ging mehrfach in die Richtung, dass zwar genug Säure spürbar war aber das Zusammenspiel mit der Süße komplett fehlte.
Eines der Highlights war die Doctor-Visite: Das Weingut Wwe. Thanisch Erben Thanisch hat 2003 gleich zwei TBAs aus dem Doctor gefüllt, eine mit 6,5 % (AP 19/04) und eine mit 8 % (AP 18/04). Während sich die orangegoldene Nr. 19 sehr harmonisch und immer noch recht frisch zeigte (94P), wirkte die goldgelbe 18 neben vanilligen und mineralischen Noten etwas zu matt und seifig, so dass wir einen leichten Flaschenfehler vermuten. Es war kein typischer Korkschmecker mit Muff- oder Chloraromen, es schien trotzdem etwas nicht ganz zu stimmen (91+P). Die Doctor-TBA vom Weingut Wwe. Thanisch Erben Müller Burggraef präsentierte sich noch erstaunlich frisch, vor allem feine Tee-Aromen dominierten (überhaupt war Tee der am häufigsten notierte Begriff des Abends). 93P.

Die Stilistiken der vier Doctor-TBAs war sehr unterschiedlich. Diese von Wegeler hatte die kühlste Aromatik, fast ätherisch kräuterwürzig. Weitere Aromen waren Senf, Mullbinden, tropische Früche, Mandarinenlikör. Nicht einstimmig aber für die Meisten am Tisch lag sie bei den Doctor-TBAs knapp vorne. Von mir 95P.

Heute gehört das Weingut Dr. Hermann für mich zur absoluten Spitze der Mosel. 2003 war die Kollektion noch nicht ganz so homogen. Drei der vier Dr. Hermann Süßweine waren mit Alkoholwerten von 10% und mehr ausgebaut, was zumindest zwei dieser Weine nicht besonders gut bekommen ist, sie wirkten nun im gereiften Stadium zu alkoholisch. Bei der Würzgarten-TBA ist es besser gelungen, sie lässt sich mit einem zumindest von mir so noch nie gelesenen Begriff sensorisch fast perfekt beschreiben: “TBA-feinherb“.

Ganz anders die monumentale Treppchen-TBA mit nur 6,5 %: Extrem konzentriert und ölig. Im Glas deutlich sichtbare Zuckerschlieren durch den extrem hohen Restzuckergehalt. Bringt zwar auch eine enorme Säure mit, wirkt aber trotzdem nicht spielerisch sondern bleibt aufgrund der enormen Konzentration mehr ein Wein zum tropfenweisen Genuss als zum glasweise Trinkvergnügen. Daher einigen am Tisch auch zu mächtig. Ein echtes Monument mit 298° Öchsle, um die 500 Gramm Restzucker und 7,8 Gramm Säure, am ehesten vergleichbar mit einer Tokaji Essenzia. Wird nahezu ewig altern können. 96+P.

Das Farbenspiel des Abends war extrem vielfältig, vom hellen Goldgelb eines Eisweins über alle konzentrierten Gelb und Orangetöne, dunkle Rosé- und Rotschattierungen bis zu dunkelbraunen Mokkatönen. Die Farben in denen sich die edelsüßen Rieslinge aus 2003 zeigten, gingen schon sehr weit auseinander.

Der erfrischendste und spritzigste Wein des Abends. In einer Blindverkostung wäre niemand am Tisch auf den Jahrgang 2003 gekommen, wahrscheinlich nicht mal auf Eiswein. Helles goldgelb, zu Beginn unglaublich frisch, sehr rassige und zugleich gut eingebundene Säure, später auch ein dezenter Petrolton. Ich hätte auf eine leicht gereifte Auslese aus einem kühleren Jahr getippt.
25. Januar 2013

Gastbeitrag zur Weinrallye 59 - Exotische Weine
von Marc Herold
Unwetter und Hagelkörner von der Größe kleiner Schneebälle begleiteten mich auf der Fahrt zu meinem exotischsten Weinerlebnis. Dabei war ich gar nicht an den Lake Erie gereist um Wein zu kaufen, sondern wegen einer Tagung. Das Wetter spielte um diese Zeit verrückt, bis an die großen Seen gab es Tornados und der erste Blick am Morgen galt den auf allen Kanälen laufenden Wettervorhersagen, Hagelbilder auf Programmplätzen, auf denen sonst nur finanzielle Gewitter zu sehen sind.
Fast schon bei der Abreise, entdeckte ich in einem direkt am Erie See gelegenen Kiosk, dessen Hauptgeschäft sonst durch den Verkauf von Köderwürmern für Angler bestritten wird, eine Hand voll Weine aus der näheren Umgebung. Besonders war ich über zwei Rieslinge verblüfft. Riesling, hier in der Nähe von Cleveland? Nächstgelegen zu meiner Unterbringung war die „Klingshirn Winery“.

Ich hatte, noch etwas Zeit bis zum Rückflug und nach ein paar Minuten Fahrt wurde meine Verwunderung nur größer. Hier in diesem uramerikanischen Stadtrandgebiet von Avon Lake wächst Wein? Nach ein paar hundert Metern weißer, blendender Gartenzäune, an denen David Lynch seine Freude gehabt hätte landete ich in mitten im Anbaugebiet. Reben, schwerer Boden, alles war entweder grün oder dunkelbraun. Der See war nur noch eine Ahnung auf dem Bildschirm des Navigationsgeräts.

Der Verkaufsraum von Klingshirn wirkt eher wie ein Hofladen eines Bauernhofs, die Weine tragen nur selten Jahrgangsbezeichnungen, direkt nach der Ernte bekommt man hier auch Traubensaft und jungen Wein. Lee Klingshirn, der Sohn des Weingutsgründers schenkt mit großer Zufriedenheit Proben der Weine aus. Der „White Riesling“ wird hier halbtrocken ausgebaut, er wirkt etwas rustikal, ist aber typisch für die Sorte, erfrischend, an Pfirsich und Aprikosen erinnernd und hat eine belebende Säure. Amerikanischer wirkt der „Vidal Blanc“, halbtrocken auch er, gibt es hier mehr zu riechen, die Nase erinnert an die Blumen, die hier in den Vorgärten im Frühling sicher reichlich wachsen. Die Weine passen sicher perfekt zu einem sommerlichen Picknick am See.
Neben Klingshirn gibt es noch ein knappes Dutzend Weingüter am Lake Erie, die viele Möglichkeiten bieten die Gegend um den See über die Weine zu entdecken und der Spur des Unerwarteten zu folgen.

24. Oktober 2012

Der Dürkheimer Wurstmarkt ist mit 685.000 Besuchern (2012) das größte Weinfest der Welt. Noch unter dem Namen Michaelismarkt fand er erstmals im Jahr 1417 statt, damals noch auf dem Michaelsberg rund um die Michaelskapelle (von der aus dieses Foto entstand), zu der damals Wallfahrten stattfanden. Aus Platzmangel auf diesem kleinen Weinbergshügel wurde der Markt 1577 auf die Brühlwiesen verlegt, die direkt unterhalb dieses Berges liegen. Die erste behördliche Erwähnung des Namens „Wurstmarkt“ fand man im Jahre 1832 und der neue Name wurde mit dem enormen Wurstkonsum während des Festes erklärt.

Da ein Großteil der deutschen Weinblogger weitab der Pfalz wohnt und nur wenige von ihnen schon einmal den Wurstmarkt besucht hatten, hat die in Bad Dürkheim ansässige und auf Wein spezialisierte Marketingagentur MEDIENAGENTEN ein Bloggertreffen am Rande des Wurstmarktes organisiert.
Zum Treffen mit den Bloggern wurden auch die jungen Dürkheimer Winzer eingeladen (also nicht nur die Kunden der Agentur). Persönlich vor Ort waren Jan Eymael vom Weingut Pfeffingen, Jan Gross vom Weingut Karl Schäfer, Stephan Schwerdt vom Weingut Hanewald-Schwerdt und Alex Pflüger vom Weingut Pflüger. Dazu hatten die Weingüter Schmitt und Darting Weine zur Verkostung vorbei gebracht.

Die verkosteten Weine: Riesling Spielberg Z 2011 vom Weingut Schmitt, Dürkheimer Riesling vom Weingut Pflüger, Riesling Weilberg Großes Gewächs 2008 vom Weingut Pfeffingen, Riesling Fuchsmantel 2011 vom Weingut Karl Schäfer, vom Weingut Hanewald-Schwerdt der Sauvignon Blanc 2011 und die Cuvée Zweihänder 2009 aus Cabernet-Sauvignon und Merlot sowie die sechs Jahre lang im Barrique ausgebaute Cuvée ZeitReise 2005 aus Spätburgunder & Cabernet Cubin vom Weingut Darting.

Wie alle anwesenden Winzer stellte auch Alex Pflüger seinen Betrieb und seine Weinbau-Philosophie vor. Das Bild auf dem Etikett seines mitgebrachten Weines gibt auch schon einen Hinweis auf eine Arbeitsmethode, die in Bad Dürkheim gerade eine Renaissance feiert. Seit die Firma Eder in Bad Dürkheim die Vermietung von Pferden samt Führerin anbietet, wird sowohl im Weingut Pflüger als auch im Weingut Schmitt mit einem Kaltblut ein Teil der Weinberge bearbeitet (auch der SWR berichtete gerade).

Weingut Pflüger: Riesling mit Pferd. Was das soll? Im Grunde ganz einfach: bei der Weinbergsarbeit mit dem Traktor verdichtet das Gewicht des Fahrzeugs den Boden zwischen den Rebzeilen massiv und in solchen betonharten Böden gedeihen weder Pflanzen noch Insekten. Das Pferd wiegt zum einen deutlich weniger, zum anderen wird nur noch punktuell unter den Hufen ein wenig der Boden verdichtet und keine breite Schneise durch den Weinberg gezogen.

Agentin Silvie Hundinger zeigt Blogger Nico Medenbach (DrunkenMonday Wein Blog), dass ihr Designer-Kollege Alexander Bechtloff ein ähnliches Motiv wie das auf Nicos T-Shirt auch schon auf einem Weinetikett verewigt hat.

Nach dem Tasting wurde der Grill angeworfen und der Kampf ums Fleisch war wie immer hart…

Vorspeisenteller nach Weinkaiser-Geschmack: Pfälzer Saumagen und eines der Roastbeefs…

Die Medienagenten hatten sich kurz zuvor eine Button-Maschine zugelegt und gleich mal ein paar freche Buttons produziert. Dieser an der Brust von Kellermeister Jan Gross verstößt allerdings gegen das 11. Gebot: Du sollst keine anderen Kaiser neben dem Weinkaiser haben…

Nicht so erfrischend wie die jüngeren Rieslinge der Verkostungsrunde aber dafür der kraftvolle Liebling aller Drucktrinker an diesem Abend. Richtig guter Stoff, für mich auch der Gewinner der Verkostung aber wenn ein Abend so lang wird wie dieser, ist mir ein leichter Riesling Kabinett auf Dauer schon lieber…

Kurzer Zwischenstopp bei unserer “Wallfahrt” zur Michaelskapelle: ein Großes Gewächs im Original Pfälzer 0,5 Liter Dubbeglas bekommt man nicht jeden Tag vor die Linse. Chronologisch folge dann das Titelfoto am Anfang dieses Beitrags. Eine kleine Sammlung lustiger Bilder vom Treiben auf dem WuMa selbst gibts in diesem Album auf der Weinkaiser-Facebookseite (ohne Facebook-Mitgliedschaft oder Anmeldung zugänglich).

Nach dem Wurstmarkt erstmal ein Wurstbrot…

Bei einem Wurstbrot blieb es am nächsten Morgen natürlich nicht. Ich hatte einige gute Cremant de Loire der Oberklasse mitgebracht, die ich kurz zuvor zu Verfügung gestellt bekam und so genossen wir ein leckeres Cremant-Frühstück. Die Dosenwurst auf unserem Tisch stammt übrigens nicht vom Baumarkt sondern vom Wachenheimer Edel-Metzger Hambel, von dem schon Helmut Kohl regelmäßig seinen Saumagen bezogen hat. Der Weil-Riesling, der auch auf dem folgenden Bild im Glas von Stefan Schwytz (Baccantus) zu sehen ist, war eine großartig gereifte 1995er Spätlese aus dem Kiedricher Gräfenberg.

Das schreiben die anderen:
weinverkostungen.de/besuch-des-596sten-durkheimer-wurstmarkt/
drunkenmonday.wordpress.com/2012/10/05/medienagenten-wuma2012/
blindtastingclub.net/wine-events-fairs/agenten-weinprobe-durkheimer-wurstmarkt/
4. Oktober 2012

VON MARC HEROLD
Unter den Weinbergen die jeder Rieslingfreund kennt, deren Weine aber nur wenige je getrunken haben, nimmt der Bernkasteler Doctor eine Spitzenposition ein. Der Scharzhofberg ist vergleichsweise groß und es gibt eine Hand voll respektabler Erzeuger. Der sehr überschaubare Erdender Prälat ist auch gut verfügbar. Aber der Doctor? Zum einen ist die Lage mit nur etwas über drei Hektar winzig. Zum andern kommt noch, dass sich der Doctor praktisch von selbst verkauft. Die Anstrengungen bei den Weingütern, die dort Besitz haben, war nun eben nicht besonders groß. Abgesehen von der ein der ein oder andern Versteigerungsabfüllung des Weinguts Wegeler war mir bislang nichts spektakuläres aus diesem Winkel steil über Bernkastel begegnet.
Das änderte sich schlagartig, als ich vor gut zwei Jahren bei der Vorstellung des Ruwer-Projektweins “156″ in Trier Maximilian Ferger traf. Spät abends und einige gelehrte Flaschen Riesling später erfuhr ich, dass Max seit kurzem der neue Betriebsleiter des Weinguts “Witwe Dr. H. Thanisch Erben Müller-Burggraef” ist. Das ehemalige Weingut “Witwe Dr. H. Thanisch” wurde im Zuge einer Erbteilung 1988 in zwei Güter aufgeteilt, soviel wusste ich noch. Doch hatte ich schon etwas von denen getrunken und wenn ja, von welchem der Güter? Diese kleinkrämerischen Fragen verstummten, als Max schnell entschlossen zwei Gläser füllte. Alle die damals mittranken, erinnern sich noch immer an die Irritation und Faszination, die der Wein auslöste. Er wirkte zuerst fast karg und schlank gab in der Nase zuerst nicht viel preis. Mit der Zeit konnten wir aber geschmacklich wie es schien zu immer tieferliegenden Schieferschichten vordringen. Mit Luft blühte der Wein auf, Blüten und Steinobst stiegen aus dem Glas. Der Wein wirkte gleichzeitig karg und opulent, schiefrig, aber nicht streng. Wir waren damals sehr beeindruckt und schauten uns fragend an. Was könnte das sein? Mit einer kurzen Ansage “Doctor Spätlese 2009″ und, nach einer kleinen Pause “trocken” lüftete Max das Geheimnis. Der Doctor hatte mich am Haken.
Letzte Woche hatte ich nun Gelegenheit, bei Max die komplette 2011er Kollektion des Weinguts „Thanisch Erben Müller-Burggraef“ im direkt in den Bernkasteler Graben getrieben Doktorkeller zu probieren. Das Gut besitzt neben einem Hektar im Doctor auch Anteile des Bernkasteler Grabens, der Lay und anderen erstklassigen Mosellagen wie der Wehlener Sonnenuhr und der Brauneberger Juffer-Sonnenuhr. Ja selbst im Lieserer Niederberg Helden gibt es Besitzungen. Hier stehen auch die wenigen Spätburgunder-Reben, die den einzigen Rotwein des Guts ergeben. Besonders gespannt war ich nach meiner Doctor-Initiation auf die trockenen Riesling Spätlesen, die hier als Fassproben kurz vor der Abfüllung standen. Den Anfang machte die geheimnisvoll rauchige Graacher Himmelreich Spätlese trocken. Der Wein verbindet wie alle trockenen Spätlesen des Guts aromatische Opulenz mit absoluter Klarheit und Transparenz der einzelnen Bausteine. Würde dem Wein eine Farbe zugeordnet, wäre es ein leuchtendes Rotbraun. Der Wein hat seine endgültige Struktur zwar noch nicht ganz gefunden, es tut sich noch ein kleiner Hänger nach der ersten Geschmackswelle auf, aber sonst kündigt sich hier ein sehr guter, nachhaltiger Wein an.
Im starken Kontrast dazu zeigt sich die trockene Spätlese aus der Wehlener Sonnenuhr viel schiefriger; das blaue Gestein springt dem Trinkenden direkt aus dem Glas entgegen. Kühle und Opulenz sind hier spannungsreich verbunden. Den Höhepunkt der trockenen 11er hatten wir dann mit dem Doctor im Glas. Noch stärker als beim Vorvorgänger aus 2009 hatte ich hier den Eindruck die Ausnahmestellung dieser Lage begreifen zu können. Dieser Doctor ist kein trockener Akademiker sondern so prunkend und magisch wie man sich eine Vorstellung von Mesmer oder des Grafen von Saint Germain vorstellen würde. Goldgelb und dunkel glänzend steht das Elixier im Glas. Auch hier Kraft, viele Facetten vereint mit einer aristokratischen Klarheit und Unaufgeregtheit. Dieser Stil wird auf dem Gut unter anderem durch den biologischen Säureabbau abgerundet. Die Weine glänzen alle durch Ausgewogenheit, sie wirken, wie Gewächse von Fritz Haag oder Schloss Lieser aber eben ohne Süße und dennoch fruchtbetont.
Bei den restsüßen Spätlesen haben mich besonders die Graben Spätlese in ihrer enorm schiefrigen Konzentration und wieder die Spätlese aus dem Doctor beeindruckt. Mir ist in 2011 keine Spätlese mit einer derartig intensiven und vielschichtigen Aromatik begegnet. Die Legende des Doctors ist in der Gegenwart angekommen.
7. Juli 2012

Autorin und Sommelière Christina Fischer brauchte neue Guts- und Ortsweine für ihre Veranstaltungen und Weinkolumnen und da es weder Sinn noch Spaß machte, mehr als 30 trockene Rieslinge allein zu verkosten, hat sie mal kurz einige Kölner Sommelièren in ihrer “GENUSS Werkstatt” zusammengetrommelt und auch den Weinkaiser dazugeladen.
Die für die Blindverkostung ausgewählten Weine stammten zum überwiegenden Teil von aufstrebenden Weingütern außerhalb des VDP (Knewitz, Winter, Braunewell, Weinreich…) aber auch ein paar etablierte VDP-Betriebe waren am Start, unter anderem Müller (Matthias) und Wagner-Stempel. Bei dieser Auswahl war das Niveau der Guts- und Ortsweine erwartungsgemäß recht hoch. Manche Weine spalteten die Verkostungsgruppe etwas, z.B. der Gutswein von Knewitz, der bei mir und zwei anderen Teilnehmern auf den vorderen Plätzen ladete, andere wiederum weniger begeisterte. Beim Gewinner unter den Gutsweinen herrschte hingegen erstaunliche Einigkeit. Der Gutsriesling vom Weingut Bischel im rheinhessischen Appenheim schmeckte allen.

5. Juli 2012

Vor wenigen Wochen fand die Verkostung zur siebten Ausgabe von best of riesling statt, nun wurden die Ergebnisse bekannt gegeben. Dieser im zweijährigen Abstand durchgeführte Wettbewerb wird als der wichtigste Riesling-Preis weltweit angesehen. Sowohl das Feld der angestellten Weine wie auch die Jury sind international besetzt. Veranstalter von best of riesling ist das Bundesland Rheinland-Pfalz, das mit Mosel, Nahe, Pfalz, Rheinhessen und Mittelrhein gleich fünf der wichtigsten Riesling-Anbauregionen der Welt stellt.

Mit der Durchführung der traditionell in Neustadt an der Weinstraße ausgetragenen Veranstaltung war in diesem Jahr erstmals der ebenfalls in Neustadt ansässige Meininger Verlag betraut. Die Vorrunden-Verkostung fand wie in den vergangenen Jahren im DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) Neustadt statt, die Finalverkostung im Hambacher Schloss.
In der ersten Runde galt es 2372 Rieslinge aus elf Ländern von vier Kontinenten zu Verkosten und Bewerten.

Sowohl in der ersten Runde wie auch im Finale wurden alle Weine blind serviert und es galt für jedes Jurymitglied, zu jedem Wein einen recht umfangreichen Auswertungsbogen auszufüllen. In meinem Beitrag zu best of riesling 2010 habe ich das von Professor Ulrich Fischer entwickelte Sensorik- und Bewertungsformular, das auch bei MundusVini verwendet wird, abgebildet und näher erläutert.

Bei der über drei Tage ausgetragenen ersten Runde haben 164 Jurymitglieder 47 Jurys gebildet (da waren nie nur drei Personen in einer Jury, sondern die Zusammensetzung der einzelnen Verkostungstische/Jurys wurde täglich neu durchgemischt, daher die hohe Anzahl der Jurys). Insgesamt wurden in diesem drei Tagen 417 Weine fürs Finale ausgewählt. Dafür mussten sie in etwa einen Mindestdurchschnitt von 88-89 Punkten erreichen.

Der Finaltag im Hambacher Schloss begann mit einem Grußwort aus dem rheinland-pfälzischen Weinbauministerium und einer Einführung in den Verkostungsablauf durch Professor Fischer.

Anschließend ging es an zehn Jurytischen mit je etwa sieben Juroren an die Finalverkostung. Mein Tisch hatte dabei in zwei Runden insgesamt etwa 50 Weine der Kategorien I-IV (Details zur Einteilung weiter unten) zu bewerten. Mein persönlicher Eindruck ist, dass das Niveau der zum Finale zugelassenen Weine in den Kategorien II (trockene Rieslinge ab 13% Vol.) und IV (fruchtige Spätlesen) sehr hoch war, die Weine der Kategorie III (halbtrocken) fielen dagegen deutlich ab.

An jedem Tisch gab es eine verantwortliche Person, die besonders auf die Einhaltung der Regularien achtete und u.a. auch bei besonders weit auseinander liegenden Bewertungen darauf hinweisen sollte. An unserem Verkostungstisch war Weinwelt Chefredakteurin Ilka Lindemann die Vorsitzende und sie agierte absolut souverän. Wir hatten beispielsweise mehrere Weine, bei denen sechs Verkoster zwischen 88 und 92 Punkten werteten und ein Verkoster immer wieder nur um die 77 Punkte. Nachdem sich das wiederholte, wurde dieser Juror dann - wie ich finde vollkommen zurecht - einmal gefragt, was konkret er regelmäßig an den Weinen kritisiere, die der Rest des Tisches für hervorragend hielt.

Zwei weitere Mitglieder meines Verkostungstisches: Alexander Kohnen, der Gründer und Leiter des International Wine Institute in Ahrweiler und die Journalistin Remke de Lange aus den Niederlanden.

Einer von 70 standartisierten Arbeitsplätzen mit Landesflagge, Namensschild, drei Verkostungsgläsern der Sensa-Serie von Schott-Zwiesel, Wasser, Ausgießgefäß, einem computerlesbaren Stift, einem einzelnen aber stets wiederkehrenden Brötchen und einem Stapel Auswertungsbögen.

In den Pausen und auch am Morgen vor der Veranstaltung ging es für die Meisten in einen Innenhof des Schlosses.

Ein Blick von außen auf die Austragungsstätte, das wunderbar renovierte Hambacher Schloss, direkt oberhalb der Pfälzer Weinstraße bei Neustadt gelegen.

Vor der Ergebnisliste noch ein paar Details zu den fünf Kategorien, in denen Preise vergeben wurden:

Die Preisträger:
Kategorie I – trocken bis einschließlich 12,5% Alkohol
1. Platz 2011 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Tyrell‘s Edition Spätlese trocken, Weingut Karthäuserhof, Trier-Eitelsbach, Mosel (weiterlesen…)
23. März 2012

Nach dem Erfolg bei der Premiere im letzten Jahr präsentiert sich die Generation Riesling auch in diesem Jahr wieder in Berlin.
26 junge Winzerinnen und Winzer der Generation Riesling werden ihre aktuellen Weine am kommenden Dienstag im Hotel Ellington vorstellen. Neben der Tischpräsentation der Winzer auf dem Programm:
Freie Verkostung - „Bubbles and Pearls“
Erleben Sie prickelnd erfrischende Sekte und Seccos der Generation Riesling in der freien Verkostungszone.
Seminar mit Rutz-Sommelier Billy Wagner um 15.00 Uhr:
„Generation Riesling – So schmecken junge Ideen“
Billy Wagner, Sommelier des Jahres 2011 (Wein Trophy), spricht über das Projekt Generation Riesling, besonders spannende Entwicklungen einzelner Betriebe und die daraus resultierenden Weine.
Dienstag, 27.03.2012
von 14 - 17 Uhr ausschließlich für Fachbesucher
von 17 - 19.30 Uhr auch für private Weinliebhaber (Eintritt 10,- €)
Hotel Ellington, Nürnberger Str. 50-55*, 10789 Berlin
*separater Eingang, rechts vom Haupteingang
Hier gibts eine Einladung als PDF, die ihr auch für die Anmeldung nutzen könnt.
Und hier schon jetzt das Degustationsbuch, was Euch in Berlin erwartet.
Schon jetzt zum vormerken:
Die Generation Riesling macht in diesem Jahr noch zwei weitere Stationen:
Am 22. Mai in München und am 21. August in Hamburg.

13. März 2012

Zur Verkostung standen elf absolut trockene Rieslinge des konsequent biodynamisch arbeitenden Weinguts Peter Jakob Kühn aus Oestrich im Rheingau. Außer dem 75-Euro-Kultriesling “Schleedorn” waren alle trockenen Spitzen von Kühn am Start. Da die oft sehr speziellen und nicht gerade Rheingau-typischen Rieslinge immer wieder Probleme hatten, als Rheingauer Erste Gewächse anerkannt zu werden (dem einen Juror sind sie nicht rieslingtypisch genug, der nächsten spricht von nicht rheingautypisch, womit meist gemeint ist, dass einige unfähige Verkoster offiziell trockene Erste Gewächse trotzdem unbedingt mit einer leichten Restsüße wollen) verzichtet Kühn mittlerweile an der Teilnahme an dieser nur im Bundeslandes Hessen existenten Landesklassifikation. Mehrere andere Spitzenbetriebe haben es auch aufgegeben, ihre wirklich trocken Spitzenrieslinge zu dieser Klassifikation anzustellen. An Stelle der staatlichen Klassifikation hat Kühn eine gutseigene Qualitätspyramide von ein (Basis) bis vier Trauben (Spitzenweine des Hauses) eingeführt. Vier Trauben trägt nur der Schleedorn (falls Sie den übrigens herumliegen haben: mindesten einen Tag vorher dekantieren und aus ihrem größten Bordeauxglas trinken!). Außer dem 2003er Mittelheimer St. Nikolaus trugen alle Lagenrieslinge unserer Verkostung die drei Trauben.
Es war eine selten spannende Verkostung. Obwohl die Weine am Vortag doppelt dekantiert wurden, war ein Teil noch immer komplett vernagelt. Die Weine brauchen so extrem viel Luft, wie ich es sonst nur von Nicolas Jolys Clos de la Coulée de Serrant (trockener Chenin Blanc vom Biodyn-Papst aus Savennières an der Loire) kenne. Den meisten Weinen hätten 1-2 Tage im nicht abgedeckten Dekanter gut getan. Nur die 2004er fielen komplett aus der Reihe, beide 2004er (St. Nikolaus und Doosberg) waren trotz absolut festsitzendem Verschluss (Kronenkorken) schon extrem gealtert und oxidativ (auch sehr dunkel in der Farbe). Der eine war klinisch tot (St. Nikolaus 2004), der andere lag in den letzten Zuckungen (Doosberg 2004). Für alle anderen außer dem Amphoren-Wein gilt: Wer Primärfrucht und klassische Rieslingaromen sucht, ist hier falsch. Wer Kräuter, Tee und herbe dunkle Mineralik mag, wird großen Spaß haben. Das 45-Euro-Gerät aus der Amphore ist dagegen eine wahre Fruchtbombe.

Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Mittelheim St. Nikolaus 2007
In der Nase geringe Fruchtaromen von Apfel, Grapefruit und Pfirsich, leichte Firne/Petroltöne, intensive Kräuteraromen, im etwas weiße Johannisbeere, herbe Mineralik, ausreichend Säure, wirkt noch extrem verschlossen, am Ende leicht metallisch. In der Nase insgesamt deutlich ansprechender als im Mund. (85-89) Punkte von der Verkostungsrunde, 86P von mir.
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Oestrich Doosberg 2007
Starke mineralische Würze, leicht salzig, etwas an wilde Wiesen und Heu erinnerndes, die Säure wirkt am Ende etwas spitz. (83-87) 86P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Mittelheim St. Nikolaus 2006
Deutlich mehr Frucht als die 2007er, vor allem Grapefruit, Pfirsich und Zitrusaromen, anfangs auch klare Botritysnoten (Edelfäule), weniger Kräuteraromen als die 2007er, dafür intensive von Feuerstein dominierte Mineralik, weiße Jahannisbeere, auch hier eine hohe Säure aber viel besser eingebunden. Über die nächsten Tage immer wieder aus dem Kühlschrank nachverkostet legte er immer weiter zu. (87-89+), von mir anfangs 89+P, an Tag 4 bin ich bei 92P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Oestrich Doosberg 2006
Anfangs in der Nase Petrol-Töne, die mich aber nicht stören und mit der Zeit an Intensität verlieren, ein wenig Zitrus und Grapefruit, intensive Tee- und Kräuteraromen, vor allem Anis, weniger intensive Säure als die ersten drei Weine. (87-90) 88P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Mittelheim St. Nikolaus 2005
In der Nase Aprikose und Marillen, Anis und weitere Kräuter, erinnert an Weihnachtsgewürz-Mischungen, nicht sehr lang, etwas metallisch/oxidativ am Ende. (87-90) 89P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Oestrich Doosberg 2005
Hier dominieren wieder Kräuter, kaum Frucht, dafür Quarzit-geprägte Mineralik, leichte Botritys, sehr hohes Extrakt, wirkt dadurch, als habe er etwas mehr Süße, was ihn sehr stimmig macht. (87-91) 90P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Mittelheim St. Nikolaus 2004
Sehr dunkle Farbe, deutlich oxidiert, erinnert an den Geruch einer vor sich hin gärenden Streuobstwiese, überreif, malzig, hat deutlich abgebaut. Flaschenfehler? (80-84) 80P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Oestrich Doosberg 2004
Auch sehr dunkle Farbe, Alters-Karamelltöne, mit Honig gesüßter Kamillentee, dunkle Kräuter, Säure noch intakt, klar am abbauen, austrinken. (82-88) 86P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Mittelheim St. Nikolaus 2003
Mineralisch (ins salzige gehend), offenbar nicht ganz perfekte Botritys, daher anfangs leichter Aceton-/UHU-/Lösungsmittelton, etwas malzig, ansonsten sehr stimmig, sehr gut gereift. (90-94) 91P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Oestrich Doosberg 2003
Intensive Kräutermischung, etwas Karamell, cremig, intensive Mineralik, perfekte Säure, auch hier wieder sehr fein gereift. 93P
Weingut Peter Jakob Kühn Riesling Amphore 2005
2005 war Kühns erster Amphoren-Jahrgang. In zwei in den Boden eingelassenen (zu zwei Drittel im Boden) 300-Liter-Tonamphoren nach dem Anpressen vergoren und für zweieinhalb Jahre dort belassen. Der Riesling durchlief laut Kühn innerhalb von einigen Monaten zuerst die alkoholische und danach die malolaktische Gärung. Als Resultat hat der Wein keinen Restzucker und keine Apfelsäure mehr und ist damit auch ohne Filtration biologisch stabil. Nach den zweieinhalb Jahren in der Amphore folgte noch mal ein halbes Jahr im gebrauchten Holz. Nicht in die klassische Rieslingflasche gefüllt, sondern in eine an Burgunder erinnernde Flaschenform, die mit Henkeln wie eine Amphore aussehen würde. Als einziger Wein der Verkostung mit Korken verschlossen. Die anderen hatten alle Schrauber oder den speziellen STELCAP Kronenkorken. Der Wein hat keine AP-Nummer, ist daher als Deutscher Tafelwein deklariert.
Der Riesling Amphore 2005 hat eine recht dunkle rotgoldene bis orange Farbe, in der Nase extrem intensive Fruchtaromen: getrocknete Aprikose, kandierte Zitrusfrüchte, wilde Erdbeere, Himbeere, weiße Johannisbeere, etwas bonbonartig, auch wieder Tee- und Kräuteraromen, ein wenig nussig, leichte Gerbstoffe (etwas herbe Noten), sehr deutliche Säure, ist einerseits zwar absolut trocken, wirkt aber durch die enorme Frucht recht mild. Überhaupt nicht rieslingtypisch. Trotzdem sehr gut. Der Wein spaltet die Verkostungsrunde, Bewertungen von Mitte 80 bis Mitte 90 Punkten. Von mir 93P

Weingut Peter Jakob Kühn
Mühlstraße 70
65375 Oestrich-Winkel
www.WeingutPJKuehn.de