17. Februar 2012

Zwei Wochen vor der ProWein, bei der die allermeisten Weingüter ihren neusten Jahrgang vorstellen und auch die ersten Wettbewerbe mit 2011er Weinen beginnen, wurde in Bockenheim an der Weinstraße (Nordpfalz) noch einmal der 2010er Jahrgang auf den Prüfstand gestellt.
Vierzehn Betriebe waren der Einladung zur zweiten Ausgabe des Vogelsang-Cups im Bankettsaal des Landgasthauses Neuhäusel in Bockenheim gefolgt. Der Name des Wettbewerbs leitet sich ab von den Vogelsang-Weinbergslagen der Mittelhaardt in Weisenheim am Berg, Bockenheim an der Weinstraße und Kindenheim.

Die Auswahl der Flaschen auf der großen Verkostungstafel beeindruckte. Siebzig Weine in den Kategorien Weißwein, Rosé und Rotwein galt es zu probieren. Keine leichte Aufgabe für die Jury, bestehend aus Johannes Häge (Betriebsleiter Weingut am Nil/ Kallstadt), dem Weinjournalist Matthias Mangold (Verkoster Pfalz für den Gault Millau) und dem Bockenheimer Weinenthusiasten Hermann Frank.
Die Verkostung zeigte, wie positiv sich die Weinqualitäten auch im nördlichsten Teil der Pfalz entwickeln. Sogar in einem Jahr wie 2010, das durch seine Wetterkapriolen den Winzern alles abverlangte.
Neben der Ermittlung der Sieger stand auch in diesem Jahr wieder der Austausch der Winzer untereinander im Vordergrund des Abends. Und das funktioniert natürlich am Besten über das gemeinsame Thema Wein. neue Kollegen kennenlernen, Kontakte pflegen und miteinander verkosten um sich weiterzuentwickeln.

Das Ergebnis der Jury fiel bei den Weiß- und Roséweinen extrem knapp aus. Gleich zwei Preise wurden für die Rieslinge von Neiss und Lauermann-Weyer vergeben. Gerechterweise hätte es in dieser Kategorie auch noch einen dritter Vogel für den Lagenriesling „vom Taubrunnen“ aus dem Haus Janson-Bernhard geben können.
Ähnlich war es bei den Roséweinen. Der Wandervogel (ein Wanderpokal in Form eines Vogels) ging mit knappem Vorsprung an das Weinhaus Durst für den Rosé Kutschler 2010.
Bei den Rotweinen war die Entscheidung hingegen eindeutig, Axel Neiss konnte die Trophäe für den Spätburgunder „GS“ 2009 mit nach Hause nehmen. Die Juroren sahen sein neu kreiertes Rotweincuvée „That´s Neiss“ auf Platz Zwei der Rotweine.

Bei der Siegerehrung staunte Grünstadt-Land Verbandsgemeindebürgermeister Reinhold Niederhöfer, eigentlich bekennender Biertrinker, nicht schlecht über die vielen jungen Gesichter im Saal. „Ich hatte eine Runde älterer Herrschaften erwartet“. In seiner Laudatio nach der Preisverleihung spornte er die Winzer an, weiter an der Qualität zu feilen und dies auch offensiv nach außen zu tragen.
Das Fazit des Abends: Offenheit und Austausch untereinander sind die Voraussetzung dafür, gemeinsam das Profil der nördlichen Weinlagen der Pfalz zu schärfen und im Bewusstsein der Weinliebhaber zu etablieren. Wir freuen uns auf das nächste Jahr.
Sie nahmen die Wandervögel mit nach Hause:
Preisträger Weißwein: Axel Neiss (Kindenheim) Riesling Alte Reben 2010
Preisträger Weißwein: Lauermann-Weyer (Bockenheim) Riesling Mulde 2009
Preisträger Rosé: Weinhaus Durst (Bockenheim) Rosé Kutschler 2010
Preisträger Rotwein: Axel Neiss (Kindenheim) Spätburgunder GS 2009
Der Vogelsang-Cup der Nordpfalz wurde als Einladungsprobe erstmalig 2011 ausgetragen. Verkostet und prämiert wird der vorhergehenden Jahrgang, wahlweise gereifte Weine. Ziel ist der Austausch der Winzer in der Region untereinander und die Schärfung des Profils der nördlichen Pfalz als Anbaugebiet.

Für das nächste Jahr soll die österreichische Spitzenwinzerin Heidi Schrock aus Rust am Neusiedlersee als Gastwinzerin eingeladen werden, denn mit ihrer Lage Ried Vogelsang gehört sie schließlich auch zu den “Vogelsang-Weingütern”.
Teilnehmende Weingüter: Lauermann & Weyer (Bockenheim), Weingut Neiss (Kindenheim), Weingut Brand (Bockenheim), Janson-Bernhardt (Harzheim/Zellertal), Weingut Benz (Bockenheim), Matthias Gaul (Grünstadt-Asselheim), Schlossgut Janson (Bockenheim), Müller-Ruprecht (Kallstadt/Bockenheim), Weinhaus Durst (Bockenheim), Weingut Schroth (Grünstadt-Asselheim), Weingut Weller (Einselthum), Weingut Metzger (Grünstadt-Asselheim), Weingut Klosterhof (Zell) und Weingut Wöhrle (Bockenheim).
4. August 2011

Seit Gottfried Lamprecht 2005 sein Familienweingut Herrenhof Lamprecht in Markt Hartmannsdorf (Steiermark) gründete, setzt der Absolvent der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (dem Geisenheim Österreichs) strickt auf Qualität, ökologischen Anbau und traditionelles Winzerhandwerk. Im Herrenhof gab es zwar schon einmal Weinbau aber das ist so lange her, dass Gottfried Lamprecht im Grunde bei null anfangen musste/konnte. Er hat die Chance genutzt. Alle seine Weine stammen vom Buchertberg, der direkt am Weingut gelegen ist und über Lagen bis in über 400 Metern Höhe verfügt. Die meisten Anlagen sind extrem jung, der Pinot Noir für den oben abgebildeten Rosé wurde beispielsweise im Jahr 2005 gepflanzt. Seit dem kamen mehrere Weingärten hinzu, zuletzt wurde in diesem Frühjahr ein Obstgarten samt Hagelnetzen rausgerissen um Platz für weitere Rebanlagen zu schaffen.
Dass Gottfried Lamprecht beim Weinausbau auf traditionelle Methoden setzt, bedeutet keineswegs, dass er kein Interesse an moderner Technik habe. Bei der Nutzung neuer Medien ist sein Herrenhof so perfekt aufgestellt wie kein anderes mir bekanntes Weingut dieser Größe: Gottfried Lamprecht bloggt über die Weingutsarbeit, er ist im Gegensatz zu vielen anderen Winzern bei Facebook, Xing, Google+ und Twitter alles andere als eine Karteileiche und als einer von wenigen nutzt er QR-Codes auf allen Weinflaschen, deren Links zu den für jeden Wein angelegten Webseiten mit Detailinformationen zum Wein führen.

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010
Gerade mal vier Wochen nach der Füllung, wirkt der Wein noch extrem jung. Gut gekühlt dominieren Himbeer- und Gäraromen (der Wein ist spontan vergoren), gefolgt von etwas Erdbeerfrucht, Sauerkirschen und Schokolade. Mit etwas mehr Temperatur typischere Aromatik von leichtem Pinot (wohl gemerkt: die Rebanlagen sind gerade mal fünf Jahre alt), dazu der deutliche Noten von frisch gemahlenem weißem Pfeffer und eine leichte Chilischärfe. Trotz der nur 5,4 Gramm Säure ist die Säure vor allem im Abgang sehr präsent. Die Farbe ist übrigens für eine Spätburgunder Rosé recht kräftig. Der mit 11,5 % Vol angenehm leichte Rosé ist mit nur einem Gramm Restzucker sehr trocken (ein wenig Extraktsüße mildert diesen Eindruck ein wenig) und ich könnte mir angesichts der sehr präsenten Säure vorstellen, dass er mit ein Wenig mehr Restzucker noch mehr Trinkfreude machen würde. 85P
Andere Blogs über diesen Wein:
Don Simon
Peer F. Holm
La Gazzetta del Vino
Datenbaltt zum Wein bei Herrenhof Lamprecht:
http://www.herrenhof.net/winedatasheets/herrenhof-2010-pinotnoir-rose_ger_eng.pdf
12. März 2010

Das Weingut St. Antony aus dem rheinhessischen Nierstein ist stellte in diesem Jahr einigen Weinbloggern und der Twitter-Weinszene seinen Riesling Bodenschatz 2009 und den 2009er Rose vor der offiziellen Markteinführung zum Test zur Verfügung.
Beim Weingut St. Antony ist derzeit viel in Bewegung. Im Jahre 2005 hat Unternehmer Detlev Meyer St. Antony von der MAN AG übernommen. Bis dahin war das Weingut immer in Industriebesitz. Gegründet unter dem Namen Gutehoffnungshütte als Anhängsel einer Kalkgrube wurde hier ab 1920 Wein von den grubenumgebenden Flächen produziert, der in den ersten Jahren allerdings nur Konzernintern verwendet wurde. Im Laufe der Jahre wurde dann in weitere und hochwertigere Lagen investiert. Nach Konzernumstrukturierungen 1986 heißt die Eigentümerin in der Folge MAN AG und die brachte auch gleich einen neuen Weingutsnamen mit: St. Antony, benannt nach der ersten Eisenhütte des Ruhrgebiets, der 1760 errichteten St. Antony-Hütte in Oberhausen-Klosterhardt.
Neben St. Antony erwarb die aktuelle Eigentümerfamilie Meyer 2006 auch das Niersteiner Weingut Heyl zu Herrnsheim, das im Jahr 2008 aufgelöst wurde und nun nur noch als eine Marke von St. Antony weitergeführt wird. Grund ist das deutsche Weinrecht: Es ist hierzulande nicht zulässig, die Weine mehrerer Weingüter gemeinsam in der selben Kellerei zu keltern und auszubauen. Mit diesem Problem schlagen sich übrigens auch diverse weitere Weingüter nach Übernahmen, Erbschaften oder Hochzeiten herum.
Das neuste Großprojekt von St. Antony ist der geplante Neubau der Kellerei als hochmoderner Aussiedlerhof auf dem über Niestein gelegenen Paterberg. Das derzeitige Gutsgebäude (seit 2006) im renovierten ehemaligen Weingut Gustav Adolf Schmitt mitten in Nierstein hat seine Kapazitätsgrenzen mittlerweile erreicht, die Anzahl der jährlichen gefüllten Flaschen soll aber in den nächsten Jahren noch verdoppelt werden und zudem will sich St. Antony noch weiter für Publikumsverkehr öffnen. Dieses Vorhaben wäre mitten in Nierstein wohl nur durch den Abriss ganzer Straßenzüge zu realisieren. Der mehrere Millionen schwere und architektonisch spektakuläre (schräg im Hang liegende) Neubau (Bild1 & Bild2) soll laut Plan rechtzeitig zur Lese im Herbst 2012 fertig gestellt sein. Eigentümer Meyer und sein Geschäftsführer Felix Peters, ein Önologe mit Geisenheim-Abschluss, haben also noch einiges vor. (weiterlesen…)
15. Dezember 2009

Das kleine Champagnerhaus Chapuy in Oger ist in Deutschland noch recht unbekannt. Der Familienbetrieb besitzt in 8 Hektar eigene Rebflächen in Grand Cru Lagen in Oger, die komplett mit Chardonnay bepflanzt sind. Oger ist eine von nur 17 Champagne-Gemeinden (von insgesamt 319) deren Lagen als Grand Cru ausgewiesen wurden.
Champagner Chapuy Grand Cru Blanc de Blancs Brut Réserve
Ein kaum bekannter Grand Cru Champagner für gerade einmal 26 Euro, so sehen Dinge aus, die meine Neugierde erwecken. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch und stiegen auch nur minimal, als ich von 90 Punkten im Wine Spectator gelesen habe. Daher war die Überraschung um so größer. Dieser aus 100% Chardonnay aus Grand Cru Lagen in Oger produzierte Blanc de Blances ist richtig schön trocken, hat eine sehr feine Perllage und Cremigkeit, eine tolle frische Zitrusnote, einen feinen Hefeton, einen Hauch Haselnuss und auch sonst alles, was ein toller Champagner braucht. Einzig die nussigen Aromen könnten meinen persönlichen Champagner-Vorlieben entsprechend noch etwas ausgeprägter sein. Eine schöne Champagner-Entdeckung mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis. 91P
Mit dieser Meinung scheine ich auch nicht ganz allein zu sein. Offenbar hatte auch Mario Scheuermann diesen Champagner in den letzten Tagen im Glas und kam, wie man bei Twitter lesen konnte, zu einem ähnlichen Ergebnis… (weiterlesen…)