20. März 2011

Gastbeitrag des Saarbrücker Weinfreundes Marc Herold, der seine Weinnotizen sonst im Forum der Weinfreaks Düsseldorf und in seinem Facebook-Profil veröffentlicht, zur Weinrallye #43 Riesling-Spätlese:
Das Weingut “von Hövel” gehört zu den klassischen Gütern, die ich sehr schätze, aber von denen ich immer zu wenige Flaschen im Keller habe. Die Weine wirken jung oft weniger spielerisch und ausgefeilt als die der anderen Saar-Granden. Der Kaufreflex lenkt das Geld dann erst mal nach Saarburg oder Kanzem. Jedes Mal, wenn ich aber einen gereiften Wein von Eberhard von Kunow öffne, nehme ich mir zuerst vor, mehr Weine von dort zu kaufen und noch mehr gereifte Weine mit dem unaufgeregt zeitlosen Etikett zu trinken. Die Weine reifen meist sehr gut und die Auslesen aus den 80er Jahren sowie die Spätlesen aus den 90ern trinken sich momentan mit Genuss. In der Interpretation des Gebiets zeigen sie meist eine üppigere und unmittelbarere Art als die ätherischen Weine Egon Müllers oder der sehnig mineralischen Zilliken Kreszenzen.
Ein weiterer Grund für die relative Nicht-Beachtung des Guts könnte dessen abgelegene Position im Anbaugebiet sein. Ist der Scharzhofberg schon ein gutes Stück von der Saar entfernt, liegt die Oberemmeler Hütte noch weiter im Hinterland. Auf der Lagen-Karte von 1868 wird die Gegend, auf der die heutige Hütte angesiedelt ist aber in die gleiche Klasse wie der Scharzhofberg eingestuft.

Die Spätlese-Rallye bietet da eine gute Gelegenheit mal wieder etwas Älteres aus der Oberemmeler Hütte zu öffnen. Meine Wahl fiel auf eine 1994er Riesling Goldkapsel Spätlese (AP 6 95, 8 % Alk.). Der Wein steht immer noch alterslos hellgelb im Glas und der erste Eindruck der Nase ist “Rauch”, direkt nach dem Öffnen wirkten die einzelnen Bestandteile des Weins noch etwas auseinander strebend. Nach einer Viertelstunde Luftzufuhr hat sich der Wein aber gefangen und die Show geht los. Die rauchigen Töne werden von etwas Williams-Birne abgerundet, die ganz leicht schweißigen Noten verlieren sich und der Wein zeigt seinen unglaublich trink animierenden, verschwenderischen Charakter. Die spielerische Säure hält alles zusammen und ich muss mich beherrschen, von der Flasche noch etwas für den nächsten Tag zurückzubehalten. Am zweiten Tag in der Flasche ist der Wein etwas schlanker und minzige, kräutrige Noten tauchen auf. Der Wein ist wirklich auf den Punkt gereift, lediglich am Rand der Wahrnehmung deuten minimale Petrolnoten auf das Alter dieser Spätlese hin. Dieser Riesling wird sicher auch in 5 Jahren noch Spaß machen. Dann kann ich aber auch langsam den 99er antesten…
Fehlt nur noch der Link zur Übersicht aller Beiträge der Weinrallye 43 zum Thema Riesling Spätlese.

28. Februar 2010

Kein anderes Weingut in Deutschland hat in der letzten Zeit eine solche Aufmerksamkeit erfahren, wie das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar. Vergangene Woche wurde offiziell bestätigt, was seit Mitte Januar in der Region die Runde machte aber zumindest offiziell noch dementiert wurde. Günther Jauch übernimmt das Weingut und ist am Mittwoch auch gleich schon mal (einstimmig) in den VDP Mosel-Saar-Ruwer (Großer Ring) aufgenommen worden. Im VDP sind nicht Weingüter Mitglied, sondern nur Personen, also die Winzer. Spätestens seit Mittwoch ist Günther Jauch also Winzer. Die Übergabe des Weinguts soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Die Übernahme gerade dieses Weinguts kam nicht von ungefähr: noch Jauchs Großmutter hieß Elsa von Othegraven und auch mit der bisherigen Eigentümerin, der 71-jährigen früheren leitenden Fachärztin für Anästhesie einer Kölner Klinik, Dr. Heidi Kegel, ist Jauch lose verwandt. Frau Dr. Kegel hatte das Weingut nach dem Tod ihrer Tante Maria von Othegraven im Jahr 1995 übernommen. Das Weingut wurde um das 1500 herum gegründet und ist seit 1805 im Besitz der Familie Grach-Weißebach von Othegraven. Das große Gutshaus und sein romantischer Park mit altem Baumbestand stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Allein schon die sicher nicht günstigen Renovierungsarbeiten an diesem Gebäude werden mit Jauchs finanziellem Backround sicher leichter fallen.
Das Weingut von Othegraven war auch schon bisher alles andere als unbekannt. In den letzten Jahren zählte von Othegraven qualitativ regelmäßig zur Top 5 der Saarweingüter. Man verfügt über beste Saarlagen im Kanzemer Altenberg, dem Ockfener Bockstein und der Wiltinger Kupp. Schon Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre hinein muss es hier großartige Weine gegeben haben. Nach der Übernahme des Weinguts 1995 lies Heidi Kegel sich erst einmal vom 2004 verstorbenen Rheingauer Spitzenwinzer Bernhard Breuer beraten. Ein klares Zeichen, wohin die Reise gehen sollte. (weiterlesen…)
20. Februar 2010
Die alten Rieslinge vom Weingut Herrenberg (heute Loch-Riesling), die ich in letzter Zeit getrunken habe, sind wie auch viele Saar-Rieslinge anderer Spitzenweingüter alle recht säurebetont. Die spritzige Säure ist im gesamten Mosel-Saar-Ruwer Gebiet ein wichtiger Bestandteil des Geschmacksbilds. An der Saar ist dies oft noch etwas intensiver ausgeprägt als an der Mosel selbst. Wer keine säurebetonten Rieslinge verträgt oder mag sollte daher besser die Finger von den allermeisten klassischen Saar-Rieslingen lassen. Und wenn stimmt, was man seit einigen Wochen so aus der Gegend hört, wollen wir hoffen, dass auch Günter Jauch säurebetonte Weine verträgt.
Ein weiteres Charakteristikum speziell der Loch Rieslinge ist die enorme Alterungsfähigkeit schon einfachster Qualitäten. Außerdem brauchen diese Weine brutal viel Luft. Ich hatte im letzten Jahr mehrere Kabinett und Contes-Saar Rieslinge dieses Weingutes und alle waren nach einem Tag im Dekanter oder aus der angebrochenen Flasche im Kühlschrank am zweiten Tag deutlich harmonischer und zugänglicher als am ersten Tag gleich nach dem Öffnen der Flasche. Mehrere 1996er und 1997er hatten Probleme mit porösem Korken, so dass einige der Weine durch ein Sieb gejagt werden mussten. Bei der heutigen Flasche war auch der Korken Tip-Top. (weiterlesen…)
4. Januar 2010

Das Weingut „Le Gallais” in Wiltingen an der Saar wurde schon 1954 durch Egon Müller III. (dem Vater des heutigen Winzers) vom Weingut Egon Müller-Scharzhof übernommen. Die ausschließlich mit Riesling bepflanzte Lage Wiltinger Braune Kupp umfasst vier Hektar tiefer Schieferverwitterungsböden und ist, seit in den 90er Jahre die letzten zwei fehlenden Hektar vom Weingut Vereinigte Hospitien Trier übernommen werden konnten, im Alleinbesitz (daher auch Monopollage genannt) des Weinguts Egon Müller-Scharzhof. Dieses im Wiltinger Scharzhofberg gelegene Weingut ist das mit Abstand renommierteste Weingut an der Saar. Die Weine aus der Lage Wiltinger Braune Kupp werden allerdings weiter ausschließlich mit dem „Le Gallais”-Etikett vermarktet.
Egon Müller Le Gallais Wiltinger Braune Kupp Riesling Spätlese 1995
Über zwei Tage getrunken, erst dunkles goldgelb, am zweiten Tag dann eher Bernsteinfarben. Wunderbar gereift, dezente Firne, intensiver Duft von reifem Pfirsich, dazu Zitrusnoten, im Mund vor allem Schieferwürze, deutlich mineralisch, nur noch wenig vorhandene Restsüße und eine kräftige Säure. Macht Spaß, kann sich auch noch einige weitere Jahre schön entwickeln, hatte seinen Höhepunkt für meinen Geschmack aber schon vor einer Weile, als der wirklich knackigen Säure ein wenig mehr Restsüße gegenüber stand. 90P
7. Dezember 2008

Weinhof Herrenberg Schodener Herrenberg Riesling Auslese 1997
Die Weine des Weinhofs Herrenberg in Schoden an der Saar werden seit 2002 unter einem neuen Namen vermarktet. Nun heißen sie LochRiesling, nach der Winzerfamilie Claudia und Manfred Loch, die das Weingut 1992 aus dem Nichts gegründet haben und bis heute führen. Grund für den Namenswechsel war vor allem die hohe Verwechslungsgefahr. Nur 7-8 Kilometer Saar-aufwärts in Serrig befand sich bis 2006 schon das nächste und wohl bekannteste Weingut Herrenberg - das VDP-Weingut von Bert Simon, das mittlerweile durch einen Eigentümerwechsel aber auch seinen Namen geändert hat und nun nach dem neuen Eigentümer Dr. Jochen Siemens, dem ehemaligen Chefredakteur von “Frankfurter Rundschau” und “Alles über Wein”, Weingut Dr. Siemens heißt. Daneben gibt es bundesweit noch eine Reihe weiterer, weniger bekannte Weingüter Herrenberg.
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