14. Oktober 2010

Die Spitze Südtirols zu Gast in Hamburg

Category: Literatur,Veranstaltungen,Wein @ 22:40

Rund dreißig der besten Weingüter Südtirols hatten zur Präsentation ihrer aktuellen Kollektionen ins Hamburger 5-Sterne-Hotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee geladen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es die Gelegenheit, sich von Hendrik Thoma in einem restlos ausgebuchten Seminar “Von klassisch bis Riserva – Südtirols Weißburgunder-Spektrum” durch unterschiedlichste Vertreter der selben Rebsorte zu probieren und sich nebenher mit einem interessanten Referat über aktuelle Entwicklungen in Südtirol informieren zu lassen. Die Weißburgunder reichten vom frischen und mineralischen “Strahler” (Südtiroler Begriff für als gemischter Satz gekelterte Weine – hier mit je 4% Grauburgunder und Chardonnay) mit Apfel-Birne-Aromen und animierender Säure, über cremigere Varianten mit etwas Holzeinsatz und BSA (biologischer Säureabbau, der auch malolaktische Gärung genannten Umwandlung von aggressiverer Apfelsäure in mildere Milchsäure) bis zu einem fetten Vertreter, der durch starkem Holzeinsatz und intensive Battonnage an für meinen Geschmack etwas zu bitter geratene Bittermandeln im Holzmantel erinnert.

Hendrik Thoma ist neben Frank Kämmer und Christian Bock einer von nur drei Master Sommeliers im deutschsprachigen Raum. Die Prüfung zum Master Sommelier gilt als mindestens ebenso große Herausforderung wie der Master of Wine, da hier neben perfekten Weinkenntnissen in Theorie und Praxis (Blindverkostungen) auch Expertenwissen zu Themen wie Spirituosen, Zigarren oder Service verlangt wird.

Später hat Hendrik mit seiner Flip-Minicam noch ein spontanes Interview über meine Verkostungseindrücke des Tages mit mir geführt. Als ich noch dachte, Hendrik wollte nur ein Foto machen, war ich bereits mitten im Interview…

Neben den separaten Verkostungstischen der einzelnen Produzenten gab es in der Mitte des Verkostungssaals des Grand Elysée eine freie Verkostung mit mehr als vierzig Weinen der autochthonen (einheimischen) Südtiroler Rebsorte Lagrein (entfernt mit Syrah verwandt), die mit 416 ha genau 8 % der Weinbergsfläche Südtirols (also insg. 5200 ha) einnimmt. Eine Rebsorte, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat, denn was ich hier verkosteten konnte machte durchweg Spaß und das zu (gerade für Italien) erstaunlich guten Preisen. Insgesamt werden in Südtirol jährlich ca. 330.000 Flaschen Wein produziert, davon 56% Weißwein und 44% Rotwein. Wohl nirgendwo sonst haben Genossenschaften einen so großen Anteil und auch eine in der Breite so hohe Qualität wie hier: Die 14 lokalen Genossenschaften erzielen 70% der jährlichen Traubenproduktion, weitere 39 Weingüter stellen 25% der Produktion und die über hundert kleinen Eigenbauwinzer nur 5% der Produktion. Noch vor dem Lagrein ist die in Deutschland als Trollinger bekannte Rebsorte Vernatsch wichtigste autochthone Rebsorte Südtirols uns stellt auch mit mehr als 22% den größten Anteil aller Rebsorten in Südtirol. Auch der Gewürztraminer hat seine Heimat hier und macht etwa 9% der Fläche aus.

Am hinteren Ende des Saals ist auch die, in Anlehnung an die wunderbaren Ansitze Südtirols hier Ansitz 2.0 genannte, Zone für Online publizierende, in der an alles gedacht war, was des Onliners Herz begehrte: Stromversorgung am Tisch, WLAN, und die Möglichkeit sich vom ebenso freundlichen wie kundigen Service sämtliche Weißweine am Platz servieren zu lassen. Hier die Weinautoren Mario Scheuermann und Helmut O. Knall, der eigens aus Wien angereist war, an ihren Tischen im Ansitz 2.0

Die Weine der Cantina Terlan gehörten erwartungsgemäß zu den Highlights der Veranstaltung. Vor allem der Sauvignon blanc “Quartz” zählt seit Jahren zu meinen Lieblingsweinen, der zwar mit 22-28 Euro zu den eher teueren Vertretern dieser Rebsorte zählt, aber auch in diesem Jahrgang 2008 sein Geld wieder absolut wert ist. Deutlich schlanker aber mit seiner feinen Mineralik auch nicht unspannend war der 2007er Terlaner Weißburgunder Riserva aus der 700-900 Meter hoch gelegenen Steillage Vorberg (12-15 Euro).
Cantina Terlan wurde im Jahr 1893 von 24 Weinbauern als eine der ersten Kellerei-Genossenschaften Südtirols gegründet. Heute hat die Kellerei Terlan mit ca. 100 Mitgliedern eine Anbaufläche von 150 ha und eine Gesamtjahres-Produktion von 11.000 hl bzw. 1,2 Mio. Flaschen. In der Vinothek der Kellerei lagern aktuell ca. 12.000 Flaschen aller Jahrgänge von 1955 bis heute, einzelne auch von noch früher. Die ältesten Flaschen stammen aus dem Gründungsjahr. (more…)

9. März 2010

14. Rheingau Gourmet & Wein Festival: Beringer Vineyards Tasting

Category: Veranstaltungen,Wein @ 23:55

Rheingau Gourmet Festival: Beringer Tasting

Im Rahmen des 14. Rheingau Gourmet & Wein Festival präsentierte das kalifornische Weingut Beringer Vineyards eine Auswahl seiner Weine im Gutshaus des VDP-Weinguts Georg Müller Stiftung in Hattenheim. Moderiert wurde die Veranstaltung abwechselnd in deutscher und englischer Sprache. Den englischen Part übernahm der eigens dafür aus Kalifornien angereiste Beringer-Vertriebsleiter. Auf Deutsch stand Kai Schattner Rede und Antwort. Er wurde 2003 als Sommelier des Jahres im GaultMillau WeinGuide für seine Arbeit im Sternerestaurant Ente im Hotel Nassauer Hof Wiesbaden  ausgezeichnet. Schattner, der das Weingut Beringer in den letzten Jahren mehrfach besucht hat, war damit ein kompetenter Ersatz für den kurzfristig verhinderten Weinjournalisten Ingo Swoboda, der im Vorfeld der Veranstaltung als Moderator angekündigt war.

Das 1876 von den Mainzer Brüdern Jacob und Frederick Beringer in St. Helena (Kalifornien) gegründete Weingut Beringer ist das älteste durchgängig betriebene Weingut im Napa Valley. Heute ist das Weingut allerdings nicht mehr in der Hand der Familie Beringer. Die Familie verkaufte das Weingut 1971 an Nestlé. Mittlerweile gehört Beringer Vineyards zur Forster’s Group, einem weltweit tätigen australischen Getränkekonzern. Beringer besitzt derzeit über 4.000 ha Rebfläche und erzeugt im Durchschnitt 90 Mio. Flaschen Wein pro Jahr.

Das Weingut mit dem 1850 erbauten Hudson House, dem 1884 nach dem Vorbild der Mainzer Familienvilla erbauten Rhine House, den Rund 400 Meter langen Tunneln (die schon in Zeiten ohne Klimaanlage ideale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für Ausbau und Lagerung der Weine ermöglichten) und dem Weinbaubetrieb selbst, der als einer der weltweit ersten über mehrere Ebenen so angelegt wurde, dass die Verarbeitung von der Traube bis zum Wein ohne Pumpen und nur mit natürlicher Schwerkraft möglich war, kann ganzjährig besichtigt werden. Im Jahr 2001 wurde Beringer Vineyards in das National Register of Historic Places (Nationales Verzeichnis der Historischen Stätten), die offizielle Kulturdenkmalliste der US-Regierung aufgenommen.

Verkostet wurden: (more…)

15. November 2009

Weingut Strub: Riesling Triumvinat & Sauvignon Blanc 2008

Category: Wein @ 12:12

Das Weingut Hans Andreas Strub in Nierstein blickt auf eine Weinbau-Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die aktuellen Weine sind das Werk von Jungwinzer Sebastian Strub, der im Hauptberuf als Kellermeister für die Weine des renomierten Niesteiner Weinguts Sankt Antony (incl. der zweiten Linie: Heyl zu Herrnsheim) verantwortlich zeichnet. Die Strub-Weine sind alle mit hochwertigen G-Cap® long Schraubverschlüssen von Alcoa verschlossen. Damit hat sich das potentielle Thema Korkschmecker hier von vornherein erledigt.

Weingut Hans Andreas Strub Riesling Triumvinat Spätlese trocken 2008
Eine Riesling-Cuvée aus drei Lagen des berühmten Roten Hangs an der Rheinfront in Nierstein: Auflagen, Hipping und Pettenthal. Helles Gelb, in der Nase Noten von Orangenschalen, weiteren Zitrusfrüchten, Pfirsich, einigen Gewürzen, im Mund Apfel, Stachelbeeren, wieder Zitrus, etwas Mineralik, wirkt sehr frisch, mit für einen rheinhessischen Riesling wirklich knackiger Säure. Der Wein wirkt im Moment noch ein wenig verschlossen. Der Körper kann mit der Säure noch nicht ganz mithalten, das wird sich mit ein bis zwei Jahren Reife sicher ändern und der Wein wird damit dann noch einmal zulegen. 85+P

Weingut Hans Andreas Strub Sauvignon Blanc Spätlese trocken 2008
Helles Gelb, Grapefruit, Stachelbeeren, mit nur 11,5 % Vol. angenehm leicht und mit einer feinen erfrischenden Säure (7,6 g/l). Wunderbares Gegenbeispiel zu vielen schweren Übersee-Sauvignons und ihren oft bittern, unreif wirkenden Noten von Grünem Paprika und grünen Bohnen, die ich in letzter Zeit probieren musste. Macht jetzt richtig Spaß und ist mit 5,30 Euro auch absolut fair bepreist. 86P

3. September 2008

Domaine du Moulin – Cheverny Blanc 2007

Category: Wein @ 10:28

Hervé Villemade – Le Domaine du Moulin – Cheverny Blanc 2007 (Loire)
Der weiße Basis-Cheverny von Hervé Villemade besteht aus 70% Sauvignon Blanc und 30% Chardonnay. Seit dem Jahr 2000 arbeitet das Weingut komplett ökologisch. Die wenig bekannte Appellation (AOC) Cheverny liegt genau in der Mitte zwischen Orléans und Tours auf der Höhe von Blois. Der blass-gelbe Wein lässt beide verwendeten Rebsorten gut erkennen. Es dominieren in Mund und Nase die typischen Sauvignon-Blanc-Aromen etwas Zitrusfrucht und Unmengen von Stachelbeeren. Das Ganze wirkt im Mund etwas stahlig. Aber auch ein leichter Chardonnay-Touch bleibt erkennbar. Nach einiger Zeit im Glas zieht sich das Fruchtbouquet in der Nase etwas zurück und ungewöhnliche Holz- und Torf-Noten wie ich sie nur von guten Malt-Whiskys kenne, kommen zum Vorschein. Dieses Phänomen ist bei einem der Spitzen-Chevernys von Hervé Villemade, den ich kürzlich in einer Weinhandlung probieren durfte, noch viel ausgeprägter. 84P