9. Januar 2013

Ein 1A Markenwein von der Ahr

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 12:15

Wenn man bei einem Wein Jahr für Jahr die gleiche Qualität im Glas haben möchte, sind Lagenweine (Weine bei denen alle verwendeten Trauben aus einer einzigen Weinbergslage stammen) ungeeignet. Die Beschränkung auf den immer gleichen Weinberg macht das Ausgleichen von klimatischen Jahrgangsunterschieden schwierig bis unmöglich. Die Alternative sind Markenweine, die sich nicht auf eine zu genaue Herkunft festlegen. In Discountern und Supermarktregalen sind solche Weine in Deutschland Marktführer. Auch im mittleren Preissegment um 10 Euro gibt es in letzter Zeit einige sehr erfolgreiche wie die Rieslinge Eins Zwei Dry von Leitz, C.A.I. von Immich-Batterieberg und Spontan vom Lubentiushof.

In der Preisklasse von 20 Euro und darüber werden hierzulande erfolgreiche Markenweine, bei denen die Tür für zugekaufte Trauben offengehalten wurde, deutlich seltener. Dabei gibt es eine beachtliche Zielgruppe für solche Weine. Seit mehr als zehn Jahren empfehle ich all jenen in meinem Umfeld, die einfach nicht die Zeit haben, sich in jedem Jahr erneut mit den aktuell verfügbaren Weinen zu beschäftigen, allerdings trotzdem nicht auf gehobene Qualität verzichten wollen, zum Grillsteak den Penfolds-Markenwein Kalimna Shiraz, auch bekannt als BIN 28. Der wird seit 1959 produziert und stammt schon seit Jahrzehnten nicht mehr allein aus dem legendären Kalimna-Weinberg, nach dem er einmal benannt wurde. Heute werden dazu Trauben aus diversen Weinbergen in verschiedenen australischen Regionen verwendet. So können die jährlichen Klimaschwankungen problemlos ausgeglichen werden und der Wein hat in jedem Jahr den gleichen Stil und die selbe hohe Qualität.


Die Idee hinter dem neuen Markenwein 1AHR ist ähnlich wenn auch nicht identisch. Die Rebsorte Spätburgunder würde ja vieles möglich machen, von der gekochten Himbeer- oder Erdbeermarmelade in Deutschland bis zur Essenz von frisch asphaltiertem Straßenbelag im Burgund. Das Weingut Nelles hat sich für das klassische Geschmacksprofil des edlen Ahr-Pinots mit dezentem Holzeinsatz entschieden. Herausgekommen ist ein sehr eleganter Wein mit feiner Kirschfrucht, leicht ätherischen Kräuteraromen, Pfeffer und Bitterschokoladennoten, erfrischender Säure und einem (durch den Alkohol unterstützten) Eindruck schmeichelnder Extraktsüße. 90P

Auch die Aufmachung in einer Ahr-typischen Schlegelflasche mit goldenem Etikett und VDP-Goldkapsel wirkt wertig und macht den Wein zu einer idealen Geschenkempfehlung. Bei dieser ersten Ausgabe (Jahrgang 2010) stammen die Trauben aus den Heimersheimer Spitzenlagen Landskrone und Burggarten. Um das Geschmacksprofil in den kommenden Jahren beizubehalten, steht zwar nicht wie bei Penfolds ein halber Kontinent, aber immerhin eine ganze Weinbauregion zu Verfügung.

Weingut Nelles - 1Ahr Spätburgunder trocken Barrique 2010
21 Euro ab Hof.

Weingut Nelles 1479
Göppinger Str. 13a
53474 Heimersheim/Bad Neuenahr
www.weingut-nelles.de

20. Juli 2012

Weinrallye 53: Der Schweizer Wein. Ein ungreifbares Phantom?

Kategorie: Weinrallye — Weinkaiser @ 07:37

Gastbeitrag zur Weinrallye 53 mit dem Thema Schweizerwein

von Marc Herold

Die Schweizer Weine waren für mich lange auch nur ein paar exotische Seiten im „Kleinen Johnson”. Nach einigen Reisen ins Wallis und beruflichen Aufenthalten in der Ostschweiz tauchen aus dem Meer der Orientierungslosigkeit einige etwas Orientierung verschaffende Archipele auf. Ein Wein, der mich gleich beim ersten Schluck fasziniert hat war der Heida von den bergigen Hängen des Visper-Tals. Um den soll es heute aber ausnahmsweise nicht gehen. Für mich als ausgesprochenem Weißweinfreund war es spannend, mich etwas tiefer in die Gefilde des Schweizer Rotweins zu begeben. Auf Entdeckungsreise in einem St. Galler Weingeschäft wurde mir der „Truttiker” Pinot noir in die Hand gedrückt, als ich nach einem guten Einstieg in die Welt der eidgenössischen Rotweine fragte.


Nachdem die Flasche des Zapfens entledigt wurde, war ich erstaunt, fasziniert und zählte im Geiste meine paar Franken. Der Pinot Noir stammt aus der Gegend zwischen Zürich und Schaffhausen und die Familie Zahner erzeugt dort aus der Lage „Stiefelhalde” einen Wein, den ich spontan ins Burgund und dort nach Ladoix gesteckt hätte. Der Pinot vereint charmant eine üppige aber kühle Amarena-Kirschfrucht und eine wirklich begeisternde rustikale Art. Der Wein ist, gleichzeitig kräftig zupackend und etwas zurückhaltend und elegant. Die Säurestruktur ist abgründig wie die Reichenbachfälle und das Bouquet wirkt, wie der nasale Idealtyp eines Berghangs mit Waldhimbeeren. Gleichzeitig wirken hier Tannine, so solide und unaufdringlich wie ein Schweizer Safe. Hier wird das schweizerische schmeckbar und ein Besuch in Truttikon bei den Zahners ist schon geplant.

Was ist eine Weinrallye?
An einem vorher festgelegten Tag im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einem bestimmten Thema zu widmen. Jeden Monat gibts ein neues Thema und jedes mal gibt ein anderer Blogger das Thema vor. Das Thema Schweizer Wein der heutigen Weinrallye #53 hat der in Zürich lebende Weinjournalist Peter Züllig ausgesucht.

9. Juli 2012

Preisverleihung Ahrwein des Jahres 2012

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:41

Wenn alle an einem Strang ziehen, kann alles sehr schnell gehen. Am 27. März 2012 wurde der neu ins Leben gerufene Weinwettbewerb „Die besten Spätburgunder des Ahrtals“, kurz “Ahrwein des Jahres” erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 25. Juni, also weniger als drei Monate später, wurden nun die ersten Sieger bekanntgegeben.

Spätburgunder ist die wichtigste Rebsorte im Ahrtal und zugleich die wohl weltweit, zumindest in Fachkreisen, am höchsten angesehene rote Rebsorte. Das von Alexander Kohnen in Ahrweiler gegründete International Wine Institute (IWI) und die Kreissparkasse Ahrweiler (KSK) haben Anfang des Jahres die Initiative für diesen neuen Weinpreis übernommen und auch das Land Rheinland-Pfalz mit ins Boot geholt. Das ist insofern wichtig, dass in Deutschland nur mit Erfolgen bei amtlich anerkannten Weinwettbewerben auf den Flaschen (z.B. mit Aufklebern, Medaillen oder Plaketten) geworben werden darf.


Mit der Aufspaltung in die Kategorien „Klassiker“, „Premium“ und „Kultwein“ schaffte man die nötigen Rahmenbedingungen, dass auch die renommierten VDP-Betriebe an diesem Wettbewerb teilnehmen. Wenn es nur eine Kategorie gibt, ist vielen erfolgreichen Betrieben das Risiko regelmäßig zu hoch, dass ihr berühmtes Großes Gewächs für 60 Euro und mehr plötzlich vom 9-Euro-Wein eines unbekannten Nachbarn geschlagen wird.

„Mit den begehrten Auszeichnungen möchte das IWI auf die erstklassigen Spätburgunder national und international hinweisen. „Das Preis-/Genussverhältnis ist weltweit betrachtet sehr gut. Den Weinabsatz in der Region zu fördern und auf die Kulturregion mit ihren vielen Facetten und Freizeitangeboten hinzuweisen, ist das Ziel dieses Wein-Wettbewerbes“, so Alexander Kohnen, Inhaber der internationalen Schulungsinstitution für Sommeliers und Weinhändler.

In Vertretung von Weinbauministerin Ulrike Höfken nahm der stellvertretende Amtsleiter des Weinbauministeriums, Helmut Caspary an der Preisverleihung teil. Caspary wies noch einmal darauf hin, dass der Wettbewerb nicht nur vom Land Rheinland-Pfalz amtlich anerkannt ist, sondern dass das Prüf- und Bewertungsverfahren durch eine unabhängige Kommission neutral und verdeckt durchgeführt wurde. Caspary lobte die Initiative des IWI und der KSK und fügte an, er wünsche sich ähnliche Weinpreise in den benachbarten Regionen.

Verkostet und bewertet hat die Jury die ausschließlich trockenen Spätburgunder am 11. Juni 2012 in den Kategorien:

Klassiker“ für traditionelle Weine mit sehr gutem Preis-/Genussverhältnis,
Premium“ für Weine mit höchster Qualität und
Kultweine“ für Spätburgunder von großem internationalem Format.

Das Niveau der angestellten Weine war durchweg sehr hoch, daher auch die hohe Quote der prämierten Weine: Es gab 61 Anstellungen, davon wurden 51 Weine mit „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ prämiert und dürfen die begehrte „Ahrtal-Vignette“ auf der Flasche als Gütezeichen tragen.

Die Ahrweine des Jahres 2012:

Kategorie „Klassiker“:
2011er Coels’sche Spätburgunder Qualitätswein trocken
Weingut Franz Coels (Ahrweiler)

Kategorie „Premium“:
2010er Spätburgunder Caspar „C“
Weingut Deutzerhof (Mayschoss)

Kategorie „Kultwein“:
2009er Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs
Weingut Jean Stodden (Rech)

Die Jury bestand aus einigen der zurzeit besten deutschen Spätburgunder-Verkostern:
Carsten Henn, Buchautor und Stv. Chefredakteur des Gault Millau Weinguide,
Caro Maurer, die erste Deutsche Master of Wine (MW),
Christina Fischer, bekannte Sommelière und Weinbuchautorin,
Stephan Reinhardt, Autor und Chefredakteur des Weinwisser,
Christoph Dirksen, bekannter Weinhändler aus Bonn,
Steffen Schindler, Marketingdirektor des Deutschen Weininstitutes,
Michael Schmidt, Deutschland-Experte der Purple Pages von Jancis Robinson.

Der erfolgreiche Gastronom und Koch Jean-Marie Dumaine vom Restaurant Vieux-Sinzig, Ahrwein des Jahres-Initiator Alexander Kohnen und der Juryvorsitzende Carsten Sebastian Henn im Gespräch.

27. Februar 2012

Barrique Forum Pfalz und seine „Großen Weine 2012“

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 22:25

In jedem Winter präsentiert das Barrique Forum Pfalz im Ketschauer Hof in Deidesheim seine “Großen Weine” vor Presse und Fachpublikum. Diesmal sind es 27 Weine von 20 Winzern, die von einer unabhängigen Jury ausgewählt und nun vorgestellt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen. Einer dieser Weine hatte auch schon vorher einen Titel: “Das Kreuz” von Rings ist zugleich der Gewinner des Deutschen Rotweinpreises 2011 in der Kategorie Cuvées.

Die rund vierzig Mitgliedsweingüter des 1993 gegründeten Barrique Forum Pfalz stellen üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb an, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die künftigen “Großen Weine” ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein.


Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.

Wenige Tage später im Mannheimer Capitol zeigte das Barrique Forum Pfalz erstmals öffentlich die frisch ausgezeichneten ‚Großen Weine‘, darunter einige echte Knaller, z. B. die rote Kollektion von Rings oder der Spätburgunder Musikantenbuckel von Jürgen Krebs.

Für die musikalische Untermalung der Verkostung und den Übergang zur Weinparty sorgte DJ Mahmut.  Zu diesem Zeitpunkt waren aber viele der rund 300 Besucher noch im Weinprobe-Modus…

Auf der anschließenden Barrique Forum Rotweinparty im Capitol haben The Great Bertholinis zu reiferen Weinen dann richtig das Haus gerockt. Sie nennen es Gypsy-Pop. Egal wie es heißt, es ist handgemacht und richtig gut!

Die “Großen Weine” werden am Messestand des Barrique Forum Pfalz bei der ProWein (Halle 5 Stand H139) gezeigt und am 10./11. März 2012 wird die Kollektion der “Großen Weine” 2012 (und mehr als hundert weitere Weine der Mitgliedsbetriebe) im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Die 27 Großen Weine der Kollektion 2012:

Wein- und Sekthaus Aloisiushof, St. Martin
2009 Spätburgunder trocken

Weingut Emil Bauer & Söhne, Landau-Nußdorf
2009 Cabernet Sauvignon

Weingut Castel Peter, Bad Dürkheim
2008 „Dizzy“ (Cabernet Sauvignon / Merlot)
2009 „Bird“ (Spätburgunder) (weiterlesen…)

27. Januar 2012

VDP mit dem Vorbild Burgund? Gott bewahre!

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 22:41

Der VDP hat diese Woche eine neue verbandsinterne Klassifikation einstimmig (200 von 200 Mitglieder) beschlossen.

Der Tenor lautet: Unser Vorbild ist Burgund.

Das Problem: Burgund ist nicht nur die teuerste sondern auch die unübersichtlichste Weinregion der Welt. Und vor allem: mit den meisten deutschen Weinregionen überhaupt nicht vergleichbar.

Deshalb wird es - überall wo ein Winzer es für sinnvoll hält - Ausnahmen geben. So ist es im Beschluss vorgesehen. Nur so war die einstimmig Annahme möglich. Von einigen Top-Betrieben angestrebte strengere und mehr auf Qualität bedachte Regeln waren nicht durchsetzbar. Die Folge ist noch mehr Vielfalt statt klarere und übersichtlichere Regelungen für die gelegentlichen Weinkäufer.

Andererseits wollte man unbedingt schon jetzt einen Beschluss. Keine Zeit für mehr Überzeugungsarbeit und einen Weg gemeinsam mit der Politik, die auch gerade dabei ist, das Bezeichnungsrecht zu überarbeiten und EU-Vorgaben umzusetzen. Daher nun die Eierlegende Wollmilchsau. Dabei scheint es egal zu sein, dass einiges was da beschlossen wurde, auf keinem Etikett abgedruckt werden darf. Erste Gewächse sind dem Bundesland Hessen vorbehalten und weder Große Lage noch Großes Gewächs dürfen auf Deutschen Weinetiketten erscheinen.

Die Lageneinteilung ist schon bisher sehr fragwürdig und sie wird nun noch grotesker werden. Sehr strenge Kriterien für Große Lagen und GGs nur noch aus den dann definierten Großen Lagen? Dann fallen also künftig 80-90 Prozent der Großen Gewächse wieder weg? Die sicher auch schon finanziell schmerzhafte Ausweichvariante des Abstufens zum Ersten Gewächs aus Erster Lage wird außerhalb Hessens jedenfalls nicht zulässig sein.

Wer glaubt, dass die betroffenen Winzer das mitmachen, glaubt auch, dass die 200 Mitgliedsbetriebe des VDP deckungsgleich mit den 200 besten Weingütern unseres Landes sind und das alle Top-Lagen im Besitz von VDP-Betrieben sind. Berg Schlossberg von Breuer, Abtsberg von Maximin Grünhaus, die gefühlt 40 Lagen von Molitor, Uhlen und Röttgen von Knebel und all die Top-Lagen von Newcomern wie Weingart, Weiser-Künstler, Rings und wie sie alle heißen, sollen also außen vor bleiben, obwohl ihre Weine deutlich besser sind als die von mindestens der Hälfte des altehrwürdigen VDP-Rheingau mit all seinen künftigen Grand Cru Lagen.

Falls es niemandem aufgefallen ist: Im Burgund, dem großen Vorbild, sind alle Lagen klassifiziert. Unabhängig von aktuellen Besitzer oder dessen Mitgliedschaft in irgendwelchen Verbänden. Das bekommt man allerdings nur gemeinsam mit der Politik hin und nicht mit solchen wachsweichen Beschlüssen.

Nur damit kein falscher Eindruck aufkommt. Der Autor dieser Zeilen hat nichts gegen den VDP. Im Gegenteil. Ich liebe die Weine diverser Mitgliedsbetriebe aus fast allen Regionen.

Übrigens im Gegensatz zur oben abgebildeten, mehr als hundert Euro teuren Asphaltleiche aus einer der berühmtesten Grand Cru Lagen des Burgunds, die ich diese Woche (offenbar zur Abschreckung) getrunken habe. Der Clos de Vougeot Grand Cru 2008 von der Domaine Chantal Lescure roch über Stunden sehr intensiv nach Teer und Asphalt, hatte gewöhnungsbedürftige hohe Säurewerte und zeigte sich so verschlossen, dass nicht mal ein Hauch von Frucht erkennbar war. Tief im Keller eingraben und genau wie beim VDP auf Besserung hoffen…

Lesenswert zum Thema neue verbandsinterne VDP-Klassifikation auch Felix Eschenauer in seinem heutigen Kommentar bei CaptainCork.

4. August 2011

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 01:51

Seit Gottfried Lamprecht 2005 sein Familienweingut Herrenhof Lamprecht in Markt Hartmannsdorf (Steiermark) gründete, setzt der Absolvent der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (dem Geisenheim Österreichs) strickt auf Qualität, ökologischen Anbau und traditionelles Winzerhandwerk. Im Herrenhof gab es zwar schon einmal Weinbau aber das ist so lange her, dass Gottfried Lamprecht im Grunde bei null anfangen musste/konnte. Er hat die Chance genutzt. Alle seine Weine stammen vom Buchertberg, der direkt am Weingut gelegen ist und über Lagen bis in über 400 Metern Höhe verfügt. Die meisten Anlagen sind extrem jung, der Pinot Noir für den oben abgebildeten Rosé wurde beispielsweise im Jahr 2005 gepflanzt. Seit dem kamen mehrere Weingärten hinzu, zuletzt wurde in diesem Frühjahr ein Obstgarten samt Hagelnetzen rausgerissen um Platz für weitere Rebanlagen zu schaffen.

Dass Gottfried Lamprecht beim Weinausbau auf traditionelle Methoden setzt, bedeutet keineswegs, dass er kein Interesse an moderner Technik habe. Bei der Nutzung neuer Medien ist sein Herrenhof so perfekt aufgestellt wie kein anderes mir bekanntes Weingut dieser Größe: Gottfried Lamprecht bloggt über die Weingutsarbeit, er ist im Gegensatz zu vielen anderen Winzern bei Facebook, Xing, Google+ und Twitter alles andere als eine Karteileiche und als einer von wenigen nutzt er QR-Codes auf allen Weinflaschen, deren Links zu den für jeden Wein angelegten Webseiten mit Detailinformationen zum Wein führen.

Herrenhof Lamprecht Pinot Noir Rosé 2010
Gerade mal vier Wochen nach der Füllung, wirkt der Wein noch extrem jung. Gut gekühlt dominieren Himbeer- und Gäraromen (der Wein ist spontan vergoren), gefolgt von etwas Erdbeerfrucht, Sauerkirschen und Schokolade. Mit etwas mehr Temperatur typischere Aromatik von leichtem Pinot (wohl gemerkt: die Rebanlagen sind gerade mal fünf Jahre alt), dazu der deutliche Noten von frisch gemahlenem weißem Pfeffer und eine leichte Chilischärfe. Trotz der nur 5,4 Gramm Säure ist die Säure vor allem im Abgang sehr präsent. Die Farbe ist übrigens für eine Spätburgunder Rosé recht kräftig. Der mit 11,5 % Vol angenehm leichte Rosé ist mit nur einem Gramm Restzucker sehr trocken (ein wenig Extraktsüße mildert diesen Eindruck ein wenig) und ich könnte mir angesichts der sehr präsenten Säure vorstellen, dass er mit ein Wenig mehr Restzucker noch mehr Trinkfreude machen würde. 85P

Andere Blogs über diesen Wein:
Don Simon
Peer F. Holm
La Gazzetta del Vino

Datenbaltt zum Wein bei Herrenhof Lamprecht:
http://www.herrenhof.net/winedatasheets/herrenhof-2010-pinotnoir-rose_ger_eng.pdf

8. März 2011

XXVI. Hamburger Wein Salon 2011

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 17:18

Während das Rheinland am vergangenen Wochenende auf den Höhepunkt der Karnevalssession zusteuerte, fand in Hamburg bereits die erste größere Weinmesse des Jahres statt. Zum vom Weinjournalisten Mario Scheuermann veranstalteten 26. Hamburger Wein Salon in den historischen Börsensälen der Hamburger Handelskammer kamen trotz herrlichem Vorfrühlingswetter (man hörte, es sei das erste durchgehend schöne Wochenende in Hamburg seit Monaten) etwas über 800 Besucher. Die reisten zum Teil sogar eigens aus dem Ausland an, wie eine Gruppe von 21 Mitglieder des Weinklubs aus dem dänischen Tønder, die sich begeistert zeigte.

Auch die Aussteller waren zufrieden, vor allem wegen der hohen Qualität des Publikums. Das gebe es so bei keiner anderen Veranstaltung in Hamburg.

GRAND PRIX D`EXCELLENCE  - KOLLEKTION DES JAHRES
Weingut Winfried Frey & Söhne, Essingen, Pfalz

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - international -
Weingut Ernst, Deutschkreutz, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - national -
Weingut Heinz Pfaffmann, Pfalz
Weingut Ökonomierat A. Schmitt, Saar

GRAND PRIX D`EXELLENCE - WEISSWEIN DES JAHRES
2009 Erbach Marcobrunn EG, Domänenweingut Graf Schönborn, Rheingau

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ROTWEIN DES JAHRES
2007 Admiral, Weingut Pöckl, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - SÜSSWEIN DES JAHRES
2009 Merlot Eiswein Blanc de noir, Weingut Winfried Frey, Pfalz

Als kleiner Nachtrag noch meine persönlichen Highlights des letztjährigen Wein Salons (2010), die ich im letzten Jahr zwar aufgeschrieben aber nicht veröffentlicht hatte: (weiterlesen…)

1. März 2011

Pfälzer Barrique Forum präsentiert die „Großen Weine“ der Kollektion 2011

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 23:13

Das Pfälzer Barrique Forum präsentierte vergangenen Freitag im Ketschauer Hof zu Deidesheim vor Presse und Fachpublikum 24 Weine von 17 Winzern, die zuvor in einer zweitägigen verdeckten Verkostung von einer unabhängigen Jury als die besten der 120 angestellten Weine ausgewählt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen.

Im Gegensatz zu diversen anderen Preisen wird dieser Titel nicht mit der Gießkanne vergeben. Das 1993 gegründete Pfälzer Barrique Forum hat mittlerweile 48 Mitgliedsweingüter, die üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb anstellen, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die besten ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein. Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.

Den rund 100 Fachbesuchern im Ketschauer Hof wurden fünf Weiß- und 19 Rotweine präsentiert. Sie stammen aus den Jahrgängen 2009 (die 5 Weißweine), 2008 (10 Rotweine) und 2007 (8 Rotweine). Die prämierten Weißweine wurden aus den Burgundersorten Chardonnay und Weißburgunder erzeugt; die Roten aus Spätburgunder, Frühburgunder, St. Laurent, Dornfelder, Dunkelfelder, diversen Cabernet-Sorten und Merlot.

Am 12./13. Mai 2011 wird die Kollektion der Großen Weine 2011 im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Der komplette Pressetext des Pfälzer Barrique Forums mit weiteren Informationen

Die 24 Großen Weine der Kollektion 2011

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19. Mai 2010

Weinkaiser schreibt in der Rhein-Zeitung

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 07:18

Im Rahmen der Aktion “Chefreakteur für einen Tag” (#cr41day) der Rhein-Zeitung durfte Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo am gestrigen Dienstag für einen Tag in die Rolle des Chefredakteurs schlüpfen. Heute erscheint die von ihm verantwortete Ausgabe der Rhein-Zeitung (Verbreitungsgebiet: nördliches Rheinland-Pfalz von Mainz bis an die nordrhein-westfälische Landesgrenze kurz vor Bonn).

Auf einer landesweit erscheinenden Seite stellte Kurzzeitchef Lobo dabei den drei Weinbloggern Mario Scheuermann (DrinkTank), Dirk Würtz (Würtz-Wein) und dem Weinkaiser-Blog Platz für Weintipps und ein Weingutsportrait zu Verfügung. Auf die halbe Zeitungseite passten natürlich nur Kurzfassungen der Epfehlungen. Die ausführlichen Fassungen der drei Beträge finden Sie auf der Internetseite der Rhein-Zeitung unter “Wein-Wissen aus dem Netz: Drei Blogger geben Tipps“. Die kompletten ePaper- und die PDF-Ausgaben der Rhein-Zeitung sind heute und morgen übrigens kostenlos abrufbar.

Den Weinkaiser-Beitrag finden Sie auch hier:

Immer wieder lecker:
Die zartfruchtigen Riesling Kabinett- und Spätlese-Weine vom Weingut Reinhard & Beate Knebel aus der Steillage Winninger Röttgen gehören zu den allerbesten Weinen ihrer Art. Egal ob der etwas leichtere und frischere Röttgen Kabinett, die konzentriertere Röttgen Spätlese oder die hochkomplexe Röttgen Spätlese Alte Reben:

Diese Weine mit ihren intensiven Steinobst- und Zitrusfruchtaromen, der feinen Süße, der wunderbar herben und leicht kräutrigen Mineralität und der erfrischen Säure haben hohes Suchtpotential. Diese Mosel-Rieslinge schmecken übrigens nicht nur jung. Beim Kabinett über 5-6 Jahre und bei den Spätlesen über mindestens acht Jahre werden die Aromen immer komplexer und die Süße wird im Gegenzug immer geringer wahrnehmbar. Gute Rieslinge zeigen ihr volles Potential eben meist erst mit ein paar Jahren Reife.

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