3. April 2012

Gambero Rosso vini d’italia 2012 Präsentation in Düsseldorf

Kategorie: Literatur, Veranstaltungen — Weinkaiser @ 14:15

Am Vorabend der ProWein 2012 wurde die deutschsprachige Ausgabe des neuen Gambero Rosso erstmals nicht in München sondern auf dem Düsseldorfer Messegelände präsentiert. Die 25. Ausgabe des wichtigsten Weinführers für italienische Weine erscheint auch in diesem Jahr wieder in einer deutschen Übersetzung. Der Gambero Rosso vini d’italia 2012 kostet 30 Euro und enthält auf 924 redaktionellen Seiten (plus ca. 100 Werbeseiten die in der Nummerierung außen vor bleiben) Informationen zu 20.000 Weinen von 2350 Produzenten. Um so viele Weingüter aufnehmen zu können, wurde der Begleittext bei jedem Weingut massiv zusammengekürzt. Vor einigen Jahren waren die Texte pro Weingut noch ca. drei bis viermal so lang und damit deutlich aussagekräftiger. Kritik an dieser Entwicklung war auch auf der Veranstaltung regelmäßig zu hören.

Dieser Weinführer bewertet die Weine traditionell nicht auf einer Punkteskala sondern vergibt ein bis drei Gläser für die Qualität der verkosteten Weine. Tre Bicchieri - die Höchstnote von drei Glaser wurde in dieser Ausgabe an 375 Weine verliehen (im Vorjahr waren es noch 402). Ein Teil dieser Drei-Gläser-Weine ist sehr teuer aber lange nicht alle. In einer Sonderliste werden 52 drei-Gläser-Weine aufgeführt, die für unter 15 Euro zu bekommen sein sollen.


Eine weitere (im letzten Jahr erstmals eingeführte) Liste führt 95 Drei-Gläser-Weine aus biologischem oder naturnahem Anbau auf. Dabei verlässt sich die Redaktion allerdings komplett auf Herstellerangaben, eine Überprüfung der Angaben findet bisher nicht statt, soll aber in den nächsten Jahren eingeführt werden.

Gambero Rosso Vini d’Italia 2012 (deutsche Ausgabe) bei Amazon.de

In der Stadthalle des Messe-Kongress-Zentrums, dem Ballsaal mit dem besten Parkett der der Düsseldorfer Messe wurden gemeinsam mit der aktuellen Ausgabe rund 180 der neuen Drei-Gläser-Weine präsentiert. Die Veranstaltung gehöhrt zur Tre Bicchieri World Tour, die in diesem Jahr schon in Hong Kong, Shanghai, San Franzisco, New York und Chicago Station gemacht hat und bis zu ihrem Finale am 6. Juni in Montreal auch noch zwei Tastings in Brasilien abhalten wird. Brasilien gehört neben China, Russland, Deutschland und den USA zu den Märkten, in denen die Umsätze mit italienischen Weinen im letzten Jahren deutlich gestiegen sind.

Die Veranstaltung war nach einer rund einstündigen Pressekonferenz mit Buchpräsentation auch für private Weinfreunde geöffnet (zum Eintrittspreis von 30 Euro). Ein fairer Preis, da es dafür eine ganze Reihe der besten und berühmtesten Weine Italiens zu probieren gab. Nach Einschätzung einiger Besucher, die auch in den Vorjahren die Veranstaltung  im Münchner BMW-Museum besucht hatten, war der Besucherandrang bei der Düsseldorfer Premiere allerdings nicht ganz so groß, wie sie es aus München gewohnt waren.

Hungern musste auch niemand (bei dem riesigen Käseangebot handelte es sich allerdings nicht um italienischen Käse sondern um holländischen Gauda).

Alle Besucher bekamen neben den Verkostungsheft eine Umhängetasche von Gambero Rosso, die sowohl als Heft- wie auch als Glashalter einsetzbar war und rege in Anspruch genommen wurde.

Gemeinsam mit dem österreichischen Weinjournalisten Helmut O. Knall hatte ich die Gelegenheit den seit 2005 durchgehend mit drei Gläsern ausgezeichneten Wein der 29-jährigen Önologin Elena Fucci aus der Region Basilicata zu verkosten. Knalli und ich waren von der Qualität des 2009er Titolo wie vom Temperament der Winzerin gleichermaßen begeistert.

Bisher ist Titolo (Aglianico del Vulture Titolo) der einzige Wein von Elena Fucci. Ihr stehen hierfür 3,5 ha mit der sehr alten und tanninreichen Rebsorte Aglianico zu Verfügung. Der Titolo wird ca. ein Jahr in kleinen neuem Holzfässern ausgebaut. Für einen zweiten Wein wurden kürzlich 3 ha neue Rebfläche angelegt.

Deutlich bekannter und fast immer eine sichere Bank ist der Barbera d’Asti Bricco dell’ Uccellone von Braida. Der 2009er ist schon jung erstaunlich zugänglich (vor allem verglichen mit den anderen Top-Piemontesern die ich davor und danach probierte), hat trotzdem ein sehr langes Reifepotential.

Die beiden einzigen Pinot Nero, die in diesem Jahr mit drei Gläsern prämiert wurden stammen beide aus der Lombardei: Links der elegantere und fruchtigere OP Pinot Nero Noir von der Tenuta Mazzolino und rechts der tanninreichere und auf längere Lagerung ausgelegte OP Pinot Nero Giorgio Odero 2008 von Frecciarossa.

Ein Supertoskaner muss nicht aus Cabernet, Merlot oder sonst etwas mit Sangiovese vermischten bestehen, beweist dieser großartige Cortona Syrah Migliara 2008 von Tenimenti Luigi d’Alessandro. Blind würde den fast jeder an der nördlichen Rhone verorten und die Rebstöcke sind erst 25 Jahre alt…

Dieser Vin Santo di Carmignano Riserva 2005 von der Tenuta di Capezzana war der überragende Süßwein der Veranstaltung. Nicht der Wein zum Dessert, der Wein ist das Dessert!

Zum 25. Jubiläum des Gambero Rosso ist mit Sua Eccellenza Italia auch ein Bildband erschienen, in dem die regelmäßig ausgezeichneten Weingüter mit längeren Texten und schönen Fotos präsentiert werden. Dieses Buch ist bisher leider nur in  italienischer Sprache erhältlich.

15. Juni 2011

Alles Terroir oder was? Winemaking bei Penfolds mit Peter Gago

Kategorie: Wein, Weinwissen — Weinkaiser @ 19:46

In der deutschsprachigen Weinwelt läuft nach einem Beitrag von Spitzenwinzer H.O. Spanier in der Welt am Sonntag mal wieder die Terro(i)r-Diskussion, was wohl wichtiger sei, die Weinbergslage und ihr Kleinklima oder schlicht der Winzer. Dazu herrscht in Deutschland immer noch das Vorurteil, alle guten Weine müssten aus einer Lage und einer Rebsorte gekeltert sein, alles andere sein minderwertiges Gepansche. Erst am letzten Wochenende hat mir bei der Jahrgangspräsentation eines Spitzenweinguts an der Mosel mein zufälliger Tischnachbar erklärt, er kaufe seit neustem nichts mehr bei einem bestimmten Top-Weingut an der Ahr, da er erfahren habe, dass sie dort nun auch Weine aus verschiedenen Rebsorten zusammen kippen würden. Großen Bordeaux liebt er natürlich…

Während es hierzulande also offenbar immer noch geschäftsschädigend sein kann, seine Kunden allzu sehr in die eigene (seriöse) Kellerpraxis einzuweihen, wird dieses Thema am anderen Ende der Welt absolut offen behandelt und niemand scheint damit ein Problem zu haben.

Bei einem Seminar vor einigen Monaten im Adlon präsentierte Peter Gago, der Chef-Weinmacher von Penfolds den staunenden Teilnehmern nicht nur aktuelle und gereifte Grange-Jahrgänge sondern auch eine spannende Powerpoint-Präsentation, wie bei Penfolds Weine kreiert werden.

Die für einen Wein zu Verfügung stehenden Weinberge wurden anhand der Frucht- und Gewürzaromen aufgeschlüsselt, die je nach Lesezeitpunkt aus diesem Bereich zu erwarten sind. Hier beginnt die Vorbereitung der Assemblage nicht erst mit vorhandenen Fassproben, sondern bereits vor der Lese. Penfolds nutzt diese Tabellen auch um auf Wetterturbulenzen zu reagieren (weiterlesen…)

30. Januar 2011

Peter Fischer und sein Château Revelette

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:38

Einer der spannendsten Süßweine in Frankreichs Süden stammt von einem deutschen Winzer, der sein Handwerk allerdings komplett im Ausland erlernt hat. Peter Fischer, 1959 in Bühl bei Baden geborener Urahn des UHU-Alleskleber-Erfinders August Fischer, ging nach dem Abitur in der Schweiz zu einem Farmpraktikum in die USA, worauf ein Weinbaustudium an der renommierten University of California in Davis folgte. Nach dem Studienabschluss folgten Praxiszeiten im bekannten Weingut Buena-Vista in Sonoma und einem italienischen Weingut. Als Peter Fischer 1984 dann mit Emmanuel Gaujal in einem önologischen Institut in der Provence arbeitete und auf der Suche nach einem für ihn geeigneten Betrieb war, entdeckt er das aus dem 17. Jahrhundert stammende Château Revelette in Jouques (30 km nördlich von Aix-en-Provence), auf dessen 90 Hektar Fläche zwar nur noch ca. 10 ha für Fasswein-Anbau genutzt wurden, das sich aber mit seinem Syrahbestand und mit idealen klimatischen Bedingungen von den vielen anderen in dieser Zeit angebotenen Betrieben abhob.

Im Süden wird das in einer Höhe von 330 bis 400 Meter liegende Anwesen durch die berühmte Montagne St. Victoire von den klimatischen Einflüssen des Mittelmeers abgeschirmt. So entsteht ein spezielles Mikroklima mit ungewöhnlich kühlen Wintern und sehr heißen Sommern und einem milden Herbst. Laut Fischer herrscht hier das kühlste Klima der Provence mit regelmäßigen Temperaturunterschieden von 20 Grad zwischen Tag und Nacht.

1985 konnte Familie Fischer das Weingut übernehmen und der gerade mal 26-jährige Peter Fischer übernahm die Verantwortung vor Ort. Er stellte konsequent auf biologischen und qualitätsorientierten Anbau um und vergrößerte den Betrieb wieder auf zwölf Parzellen mit insgesamt 24-25 ha (vor einigen Jahrzehnten, noch unter den Vorbesitzern, hatte Château Revelette einmal 40 ha). Größer soll es nicht mehr werden, da sonst die Bearbeitung nicht mehr wie bisher im kleinen Team mit nur drei ganzjährig beschäftigten Mitarbeitern möglich wäre. Peter Fischer scheint hier endgültig angekommen zu sein, ist nun mehr als 25 Jahre in dem kleinen Provence-Ort zuhause und verheiratet mit Sandra, der Tochter des Vorbesitzers von Château Revelette, mit der er auch zwei gemeinsame Kinder hat.

Von Château Revelette werden neun Rebsorten angebaut:
Rot: Syrah, Grenache, Cabernet Sauvignon, Carignan, Cinsault
Weiß: Ugni Blanc, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Rolle (Vermentino)

Château Revelette ist von Ecocert als biologisch arbeitendes Weingut zertifiziert und arbeitet de facto sogar biodynamisch, will aber nicht auf die teilweise ideologisch fragwürdige aktuellen BioDyn-Welle aufspringen. Es wird also nicht nur auf chemische Spritzmittel, Enzyme oder Zuchthefen verzichtet (also spontan vergoren), gedüngt wird mit Schafsmist, gespritzt mit Algenextrakt und ausgebaut wird nicht wie heute meist üblich in Stahltanks, sondern in temperaturstabileren Betontanks und in an historische Weinamphoren erinnernde Zementeiern, die von Biowein-Pionier Daniel Schlaepfer konstruiert wurden. Stahl sei nicht ideal, da er statisch aufgeladen sei, wodurch der Wein nicht zur Ruhe komme und außerdem nicht atmen könne. Auf Sulfite kann natürlich nicht komplett verzichtet werden, es würden aber nur geringstmögliche Mengen verwendet.

Das ein Pfau als Symbol auf einem Teil der Etiketten und der Kapsel verewigt wurde ist kein Zufall, denn auf dem Weingut haben neben der Winzerfamilie zahlreiche Pfauen, Enten, Gänsen, Wachteln, Hasen und Hunde ihr Zuhause.

Der trockene weiße Top-Wein “Le Grand Blanc”, ein reinsortiger Chardonnay, reift zu einen Drittel für sieben Monate im Barrique (mit Bâtonnage, langem Hefelager und BSA), der Rest wird im Tank ausgebaut und später verschnitten. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich guter Chardonnay, der sowohl in seiner Jugend mit für einen dichten Chardonnay erstaunlicher Frische, schöner Säure, Mineralität und perfektem Holzeinsatz überzeugt aber auch wunderbar reifen kann. Dem FAZ-Weinkolumnisten Horst Dohm hat Peter Fischer übrigens eröffnet, dass er heute bei einem Neuanfang nicht mehr so sehr auf Chardonnay setzen würde, sondern mehr auf die regionalen Rebsorten Ugni Blanc und Clairette.

Der rote Spitzenwein “Le Grand Rouge” bleibt bis zu 30 Tage auf der Maische, lagert 12-14 Monate in gebrauchten Holzfässern (ein Fünftel in neuen Barriques), wird wenn nötig mit Eiweiß geklärt und nicht gefiltert. Früher waren Syrah und Cabernet Sauvignon sind zu etwa gleichen Anteilen vertreten. Neuerdings ist wohl auch Grenache dabei. Der Wein geht vor allem an die Spitzengastronomie. Ich hatte kürzlich noch einmal den wunderbar gereiften 1998er in einem Rheingauer Restaurant. Der hatte mir mit seiner wunderbaren Frucht und den sanften Tanninen schon jung sehr gut gefallen, leider ist meine eigene Kiste davon aber inzwischen leer…

Die beiden “Le Grand”-Weine sind als Vin de Pays des Bouches du Rhône klassifiziert. Mehr ist trotz bester Qualität gesetzlich nicht möglich, da nicht nur die regional vorgesehenen Rebsorten eingesetzt werden.

Die Or Série ist ein hochkonzentrierter Süßwein mit über 200 Gramm Restzucker bei 13 % vol, wie hoch der Glycerin-Anteil ist, kann man an den intensiven Schieren im Foto ganz oben erkennen. Deutliche Botrytisnoten, kandierte Zitrusfrüchte, Crème Brûlée und auch die nötige Säure (die bei vielen anderen französischen Süßwein ohne Rieslinganteil leider fehlt) für ein langes Leben. Das ist ein idealer Dessertwein - also nicht als Wein zum Dessert, sondern als eigenständiges Dessert. Passt nach meiner eigenen Erfahrung natürlich auch genial zu Foie Gras und würde wohl auch gut zu Blauschimmelkäse passen, der bei mir allerdings nie auf den Teller kommen wird.

Neben den drei langlebigen Spitzenweinen gibt es als AOC Coteaux d’Aix en Provence eine kurzlebigere Basisline in Rot (50% Grenache, 30% Syrah, 20% Cabernet Sauvignon), Weiß (40% Ugni blanc, 35% Rolle and 25% Sauvignon blanc) und Rose (70% Grenache, 15% Cinsault, 10% Syrah, 5% Carignan), sowie eine BIB (Bag in Box) mit Tafelwein für die Ortskneipen.

Seit 2002 betreibt Peter Fischer gemeinsam mit seinen beiden befreundeten Winzern Jean Michel Gérin (Côte Rotie) and Laurent Combier (Crozes Ermitage) unter dem Namen Trio Infernal ein weiteres Weinbauprojekt im spanischen Priorat (30 km südwestlich von Tarragona in Katalonien). Das Projekt scheint ein voller Erfolg zu sein, so gab es nicht nur sofort höchste Parker-Bewertungen sondern auch El Mundo, Spaniens wichtigste Tageszeitung, ernannte die 2004er Trio Infernal Cuvee No. 2/3 zu Spaniens Wein des Jahres. Der 18 Monate in neuem französischen Holz ausgebaute Wein besteht zu 100% aus Trauben von 90 Jahre alten Carignan-Rebstöcken.

Château Revelette

Peter and Sandra FISCHER
13490 Jouques, Frankreich
Tel: 33 (0)4 42 63 75 43
Fax: 33 (0)4 42 67 62 04

22. Januar 2010

Penfolds Luxury & Icon Tasting - Grange Präsentation mit Peter Gago

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 09:38

Unter dem Titel Luxury & Icon Tasting präsentierte Penfolds Chief Winemaker Peter Gago in Hamburg den aktuellen Grange Jahrgang 2004, den 1990er Grange und eine Reihe weiterer spannender Weine.

Peter Gago arbeitet seit 1989 bei Penfolds und ist seit Juli 2002 der Chief Winemaker (Chefönologe) des gesamten Unternehmens. Er ist damit seit 1948 erst der vierte Winemaker, der für Grange und die anderen renommierten BIN-Weine verantwortlich zeichnet (nach dem Grange-Schöpfer Max Schubert, Don Ditter und John Duval). Vom amerikanischen Weinmagazin Wine Enthusiast wurde Peter Gago als “Winemaker of the year 2005″ ausgezeichnet. Diesem Mann, der neben seiner Arbeit in den Penfolds-Kellern viele Wochen im Jahr zu Präsentationen, Cork-Clinics und anderen Veranstaltungen um die Welt reist, merkt man einfach an, dass er seinen Job liebt. Peter Gago ist ein sympathischer Weinverrückter im positivsten Sinne.


Einige Worte noch vorweg zur in diesem Artikel dominierenden Rebsorte Shiraz: Es handelt sich um die australische Bezeichnung der in Europa unter Syrah bekannten Rebsorte. Syrah wird in Europa hauptsächlich an der Nördlichen Rhone angebaut und bringt dort vor allem in den Appellationen Côte Rôtie und Hermitage einige der besten Weine Frankreichs hervor. Hermitage war auch das Vorbild für Penfolds Grange, der bis die Europäische Union 1989 den Namen des Rhone-Ortes Hermitage weltweit schützen lies, als Grange Hermitage vermarktet wurde.

1. Koonunga Hill 76 Shiraz Cabernet 2006
Diese 2006er Sonderedition des Koonunga Hill mit Etikett im Retro-Look des ersten Jahrgangs dieses Weines wurde anlässlich der Feier des dreißigsten Jahrgangs dieses erfolgreichen Penfolds-Weines auf den Markt gebracht. Der Wein dürfte jetzt seinen Höhepunkt erreicht haben und ihn die nächsten zwei-drei Jahren halten. Der Orginal 1976er muss ein großartiger Jahrgang gewesen sein. Laut Peter Gago wurde der 1976er im Jahre 2006 (also mit genau 30 Jahren) im eine Stunde vor Genuss geöffneten Zustand von Robert Parker mit 94 Punkten bewertet. 87P

2. Koonunga Hill Shiraz Cabernet 1978
Dieser Wein, der dritte je erzeugte Jahrgang des Koonunga Hill, ist 1980 für 1,89 $ auf den Markt gekommen, mittlerweile also über 30 Jahre alt. Kann man so etwas noch trinken? Ja man kann! Zwar ist er nicht ganz so großartig, wie der 1976er sein soll. Das war er allerdings wohl nie. Der Jahrgang 1976 zählte beim Koonunga Hill von Anfang an zu den Top-Jahrgängen, 1978 nur zu den Normalen. In der Nase macht der Wein mit seinem wunderbaren Reifeton eine tolle Figur, im Mund erinnert er etwas an Portwein, schwächelt im Abgang aber schon merklich (ist langsam am austrocknen & leicht oxydativ). Auf Grund der tollen Nase sehe ich ihn aber immer noch locker über achtzig Punkten. Peter Gago berichtet dabei, dass er eine Reihe vermögender Weinfreunde kennt, die problemlos nur Grange trinken könnten, aber gerne zum Barbecue 20-jährige Versionen von Koonunga Hill oder Bin 28 genießen. 84P

3. BIN 28 Kalimna Shiraz 2006
Seit der BIN 28 vor einigen Jahren einem guten Freund in einem Amsterdamer Gourmetlokal als ideale Begleitung zu Steakgerichten empfohlen wurde entwickelte er sich zu einem meiner Lieblingsweine zu genau diesem Zweck. Der Kalimna Hill, aus dem dieser Wein bis in die 70er Jahre ausschließlich stammte, wurde zumindest teilweise schon 1888 bepflanzt. Damals war es hier vor allem Cabernet aber auch die in mehreren anderen Weinbergen damals vorherrschenden klassischen Rhone Rebsorten Grenache, Syrah und Mourvedre, die zu dieser Zeit vor allem als Grundweine für die damals sehr beliebten australische Portweine dienten. Seit den 70er Jahren ist der Bin 28 eine multiregionale Cuvée, die genau wie Grange jedes Jahr neu komponiert wird. Das Ergebnis ist aber Jahr für Jahr sehr ähnlich: ein sehr kräftiger tiefroter Wein mit enormer Frucht, Noten von dunkler Schokolade, Pfeffer, weiteren Gewürzen und einem so feinen Tannin, dass er schon sehr jung mit großem Genuss getrunken werden kann, sich aber gleichzeitig auch über bis zu 20 Jahre gut weiterentwickeln kann. 89+P

4. St Henri Shiraz 2005
Obwohl der Wein seinen Shiraz im Namen trägt, handelt es sich nicht um einen reinsortigen Shiraz, sondern um eine Cuvée aus Shiraz und Cabernet-Sauvignon mit aktuell 90% Shiraz und 10% Cabernet. Am St Henri wurde erstmals ab 1953 experimentiert, bevor dann ab dem Jahrgang 1957 die kommerzielle Serienproduktion aufgenommen wurde. Eine Flasche des 1957er St Henri wurde vor kurzem für rund 5200 Euro versteigert. In den ersten Jahren wurde St. Henri zum selben Preis wie Grange auf den Markt gebracht, erst später entwickelten sich die Preise weit auseinander. Heute kostet ein junger St Henri rund 70 Euro. Der aktuelle 2005er gilt dabei als einer der besten St Henri Jahrgänge überhaupt. Ein feiner, seidiger Wein, mit konzentrierter Frucht und dichter Tanninstruktur. Noch sehr verschlossen, braucht noch einige Jahre Zeit. 92+P

5. RWT - Barossa Valley Shiraz 2006
RWT steht für Red Winemaking Trial und das war der Titel eines 1995 gestarteten Projektes mit dem Ziel eines reinen Shiraz ausschließlich aus dem Barossa Valley, der gleichzeitig neue Maßstäbe für Barossa-Valley-Shiraz setzen sollte. Am Ende des Projekts, nach zweijährigen Experimenten, wurde mit dem Jahrgang 1997 der RWT erstmals öffentlich präsentiert. Als einziger der hier beschriebenen Weine wird er nicht in Fässern aus amerikanischer Eiche ausgebaut, sondern in französischer Eiche. Noch sehr verschlossen, daher vorerst ohne Bewertung.

6. Grange 2004
Grange entstammt nicht, wie die meisten anderen großen Rotweine der Welt, Jahr für Jahr aus der einen oder den wenigen immer selben Lagen, sondern wird jedes Jahr aufs neue kreiert aus hunderten einzeln gelesenen und ausgebauten Blocks in diversen Weinbergen verteilt über mehrere australische Weinregionen. Der 2004er besteht aus 96% Shiraz und 4% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr aus dem Barossa Valley (darunter ein großer Teil Kalimna Shiraz), dem McLaren Vale und den Magill-Weinbergen.
Der Wein wird von der Fachpresse mit Lorbeeren nur so überhäuft: Robert Parker vergibt 99 von 100 Punkten, der Wine Spectator 98, die britische Master of Wine Jancis Robinson gab 19,5 von 20 (ihre höchste je vergebene Bewertung) und Stephan Reinhardt im Deutsch-Schweizer WeinWisser 20 von 20 Punkten. Penfolds empfiehlt in Europa offiziell einen Verkaufspreis von 300 Euro, einige deutsche Händler bieten ihn schon ab 240 Euro an. Damit kostet er deutlich weniger als die Hälfte vergleichbar bewerteter Spitzengewächse aus Bordeaux.
Mir gefällt er natürlich auch. Die oben genannten Bewertungen sind allerdings Potentialnoten - bewerten also nicht den aktuellen Stand sondern das Potential des Weines. Derzeit zeigt er zwar schon, wohin die Reise einmal gehen wird, ist aber noch deutlich verschlossen. Ich rate daher dazu, nach dem Kauf die nächsten 15 Jahre die Finger davon zu lassen und den Wein lieber im Alter von 20-30 Jahren zu genießen. Dann wird der Genuss noch um ein Vielfaches höher sein als heute. 97-99P

7. Grange Magnum 1990
Der 1990er Grange besteht aus 95% Shiraz und 5% Cabernet Sauvignon und die Grundweine stammen in diesem Jahr vom Kalimna Hill, aus weiteren Teilen des Barossa Valley, dem Clare Valley und aus Coonawarra. Dieser Wein ist einfach ein Erlebnis. Mittlerweile zwanzig Jahre alt und immer noch jugendliche Kraft. Zumindest aus der Magnum verkostet hat der 90er Grange das Potential für weitere 20-30 Jahre. Robert Parker gibt “nur” 94 Punkte. Der Wine Spectator trifft mit 98 Punkten und der Auszeichnung “Wine Spectator’s Wine of the Year 1995″ schon eher meinen Geschmack. Eine wunderbare Nase, edle Hölzer, dunkle Beeren, reife Kirschen, Dill, dunkle Schokolade, Espresso, mild gereifte Tannine und sehr elegant. Ein toller Wein. Ich könnte drin baden! 97P

Nach Ansicht von Peter Gago hat übrigens der um die 30 Euro gehandelte BIN 389 Cabernet Shiraz das beste Preis-Leistungsverhältnis aller Penfolds-Weine.

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Buch: Penfolds - The Rewards of Patience

Kategorie: Literatur — Weinkaiser @ 09:37

Für englischsprachige Penfolds-Fans gibt es ein neu überarbeitetes und auf den aktuellen Stand gebrachtes Buch mit 360 Seiten Informationen über die Geschichte des Weinguts, die über halb Australien verstreuten Weinbergslagen und vor allem die Weine.

Für viele wohl am Interessantesten: ausführliche Beschreibungen aller Grange (auch BIN 95 und bis 1989 Grange Hermitage genannt) Jahrgänge von 1951 bis heute mit aktuellem Entwicklungsstadium und Geschmack, Rebsorten-Zusammensetzung der Cuvée (schwankend von immer wieder mal 100% Shiraz bis zu mehrfach 87% und 1993 gar nur 86% Shirazanteil - der Rest ist immer Cabernet Sauvignon)  auch die selten genannte Herkunft des jeweils verwendeten Traubenmaterials.


Auch die meisten anderen lagerfähigen Weine werden vom ersten Jahrgang an beschrieben (wenn auch etwas weniger detailiert). Darunter
St Henri Shiraz
ab 1953,
BIN 28 Kalimna Shiraz ab 1959,
BIN 389 Cabernet Shiraz ab 1960,
BIN 707 Cabernet Sauvignon ab 1964,
Koonunga Hill Shiraz Cabernet ab 1976,
BIN 138 Shiraz Grenache Mourvèdre
ab 1992,
Yattarna ab 1995,
RWT (steht für Red Winemaking Trial) ab 1997,
Aged Release Riesling
ab 1992 (der Wein heißt so, da er immer erst fünf Jahre nach Füllung in den Verkauf geht).

Außerdem wird eine Vielzahl von Penfolds-Weinen oder Sondereditionen vorgestellt, die im Normalfall nur in anderen Regionen der Welt erhältlich sind (dabei auch Bioweine, Portweine und weitere Rieslinge).

Der britische Autor Andrew Caillard ist seit 1993 Master of Wine (MW) und lebt seit vielen Jahren in Sydney. Er ist Autor diverser Weinpublikationen und Mitbegründer des bedeutendsten australischen Weinaktionshauses (und dort auch weiterhin als Auktionator tätig).

Zum Thema hier im Blog: Penfolds Grange 2004 Präsentation beim Luxury & Icon Tasting mit Winemaker Peter Gago

Bei Amazon.de bestellen:  Penfolds: The Rewards of Patience

5. November 2009

Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 21:43

Das Top-Weingüter aus großen Lagen auch in schlechten Jahrgängen bemerkenswerte Weine hervorbringen beweist diese Flasche 1984 Hermitage La Chapelle von Paul Jaboulet Aîné. Das Weingut zählt zweifellos seit Jahrzehnten zur Spitze an der Rhone und die Cuvee “La Chapelle”, benannt nach einer Kapelle mitten in den Hermitage Weinbergen, ist das Aushängeschild der kleinen Nobel-Appellation Hermitage an der Nördlichen Rhone und wahrscheinlich sogar der berühmteste Rhonewein überhaupt.

Andererseits ist der Jahrgang 1984 als einer der schlechtesten in der jüngeren Geschichte der Rhone bekannt. Vor rund zehn Jahren hatte ich den1984er La Chapelle schon einmal im Glas und war damals alles andere als begeistert. Angesichts dessen ist es schon erstaunlich, welche Qualität diese Flasche jetzt nach 25 Jahren noch hat. Während die allermeisten europäischen Rotweine aus 1984 kaum noch genießbar sind, kann man mit diesem Hermitage und dem passenden Wildgericht heute noch einen schönen Abend verbringen. Es zeigt sich mal wieder, dass es manchen Top-Weingütern trotz aller Widrigkeiten gelingt, in einem schlechten Jahrgang einen anständigen und lagerfähigen Wein auf die Flasche zu bringen.

Paul Jaboulet Aîné Hermitage La Chapelle 1984
Dunkles Rot mit leichten violetten Reflexen, intensive Kirschfrucht, Kräuternoten, Teer, schwarzer Pfeffer, mittlerer Körper, reife/milde Tannine, stabile Säure, schöne Reifearomen. Kein großer Wein aber doch deutlich besser als erwartet. Nicht weiter lagern, trinken! 86P

Zum Thema:
Verkostung: Drei Jahrzehnte Hermitage La Chapelle

18. Oktober 2008

Domaine de Baruel - 2 Cuvées aus 1995

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 15:57

Domaine de Baruel Syrah 1995 (ab dem Folgejahr “Cuvee Fontanilles”)
Domaine de Baruel 1995

Laut Etikett sind diese beiden “Vin de Pays de Cevennes” einfache Landweine aus dem Languedoc. Das liegt daran, dass die regionalen AOC Richtlinien die beiden Rebsorten dieses Weingutes, Syrah und Cabernet Sauvignon, nur als Zusatz einer Cuvée erlauben, nicht aber als Hauptrebsorte eines Weines. Dieses Schicksal teilen die Weine der Domaine Baruel mit den beiden Kult-Weingütern der Region: Daumas Gassac und Domaine Trevallon. Eloi Durrbachs Domaine Trevallon galt auch als größtes Vorbild Rainer Pfefferkorns für die Domaine Baruel. Rainer Pfefferkorn und Bettina Dix-Pfefferkorn (Otto Dix Enkelin), die Deutschen, die das Weingut 1989-1998 führten, zogen nach dem Verkauf weiter, auf der Suche nach einem kleineren Weinberg, dessen Bewirtschaftung sich besser bewältigen lässt und dessen Terroir noch besser für große Weine geeignet ist. Daneben ist er seit einigen Jahren als Leiter der Otto Dix Stiftung tätig.

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25. März 2008

3 Jahrzehnte Hermitage La Chapelle

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 01:58

Der Großhändler und Importeur CWD lud auf der diesjährigen ProWein zu einem Tasting unter dem verheißungsvollen Titel “Hermitage La Chapelle über 3 Jahrzehnte” und (sehr) viele kamen. Die Spannung war groß: Welche Jahrgänge würden es wohl sein?

Letztes Jahr kamen bei Christie’s in Los Angeles zwölf Flaschen Hermitage La Chapelle 1961 für mehr als 165 000 Euro unter den Hammer - pro Flasche rund 14 000 Euro.  Bei der Preislage würde der also schon mal nicht dabei sein.  Den 1984er aber bitte auch nicht. Damit hatte ich vor Jahren mein erstes La Chapelle-Erlebnis. 1984 war ein unterirdisches Jahr an der Rhone - der Wein war entsprechend…

Die Wartezeit, bevor Sommelière Christina Hilker die Verkostung eröffnete, konnten wir uns mit einem sehr gelungenen 2005er Châteauneuf-du-Pape Cuvée du Vatican Réserve Sixtine versüßen, der unter uns Wartenden am CWD-Stand die Runde machte. Parker gibt 92 Punkte, die hat der Wein auch verdient. Dann traf Nicolas Jaboulet ein und los ging’s: Starter war der 2007er Côtes du Rhone Parallèle 45 Blanc, gefolgt vom 2005er Ceévalier de Stérimberg Hermitage Blanc, den meine Begleiter und ich aus zwei unterschiedlichen Flaschen probieren konnten (zuerst gab nur einen Mini-Probenschluck, da man sich wohl nicht sicher war, ob die vorhandene Menge für alle ausreicht, einige Minuten später dann noch einmal eine normale Probenportion nach dem sich wohl rausgestellt hat, dass die vorhanden Menge doch ausreicht). Der weiße Hermitage präsentierte sich in beiden Fällen ordentlich, aber nach unserer einhelligen Meinung erstaunlich unterschiedlich.


Der erste La Chapelle war dann der 1985er. Diesen einen gab’s dann wirklich nur in homöopathischen Dosen, die sich aber zu probieren lohnte. Der 23 Jahre alte Hermitage präsentierte sich in einem schönen reifen Zustand mit feinen Tabak- und Ledernoten.

Der darauf folgende 1995er wirkte dagegen etwas zu tanninlastig. Die Harmonie des 1985er wird er wohl nie erreichen. Der nächste Wein war mein klarer Gewinner: Jahrgang 2001 - Tolle Konzentration, leckere Frucht auch mit einem Hauch Fruchtsüße, ausreichend Säure und ein kräftiges Gerüst sehr feiner Tannine - alles fügt sich sehr harmonisch zusammen. Schon jetzt sehr lecker und mit sicher mit großer Zukunft. Wine Spectator vergibt hier 97 Punkte, Parker 90-92 - Ich bin hier auf der Seite des WS und vergebe 95-97 Weinkaiser-Punkte.

Der 2004er dürfte der letzte klassische La Chapelle sein. Der letzte traditionell ausgebaute Jahrgang macht einen guten Eindruck, braucht aber ordentlich Zeit. Erinnert mich an den 1997er, den ich kürzlich bei einem Freund trinken durfte, dem man aber besser auch noch mehr Zeit gibt.

Die Jahrgänge 2005 und 2006 sind anders. Das Weingut Paul Jaboulet-Aîné wurde an eine Investorengruppe verkauft, der Stil des Weines wurde geändert, neue Barriques, internationaler Stil, frühere trinkreife. Keine schlechten Weine - aber nicht mehr der alte Hermitage La Chapelle. Das soll man auch sehen: Ab dem Jahrgang 2005 wurde ein neues, langweiliges Etikett eingeführt. Für eine Übergangszeit wird es aber parallel auch noch das alte geben. CWD gab bekannt, 2005 und 2006 ausschließlich die Version mit dem altem Etikett bestellt zu haben.

Die Probenliste:
2007 Côtes du Rhone Parallèle 45 Blanc
2005 Ceévalier de Stérimberg Hermitage Blanc
1985 Hermitage La Chapelle
1995 Hermitage La Chapelle
2001 Hermitage La Chapelle
2004 Hermitage La Chapelle
2005 Hermitage La Chapelle
2006 Hermitage La Chapelle