11. März 2013

2003er Mosel Beerenauslesen, TBAs und Eisweine auf dem Prüfstand

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:16

2003 edelsüß von der Mosel. Kann das was? In die Top 10 der edelsüßen Weine des Jahres im GaultMillau Weinguide hatte es aus dem Jahrgang 2003 kein einziger Süßwein von der Mosel geschafft. Die Spitze machten damals Weil (zweimal 100P und einmal 98P) und Keller (einmal 100P und zweimal 98P) mit je drei Weinen in der Top 10 fast unter sich aus. Wir hatten gestern 32 Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine des Jahrgangs 2003 von der Mosel auf dem Tisch. Die schlechte Nachricht vorweg: leider gab es fast ein Viertel Ausfälle (drei Korker und mehrere Oxidierte). Es waren alles halbe Flaschen und teilweise saßen die Korken so locker, dass offensichtlich war, dass sie nicht perfekt passten oder zu stark beschichtet waren und so im Laufe der zehn Jahre zu viel Luft in die Flasche gelassen wurde. Das Problem mit Ausläufern und oxidierten Weinen kommt bei halben Rieslingflaschen leider deutlich überdurchschnittlich vor, so dass ich davon ausgehen muss, dass einige Flaschenproduzenten immer wieder Flaschen auf den Markt bringen, deren Hals sich schon zu dicht hinter der Öffnung weitet und die so die Korken nicht fest genug fixieren können.

Abgesehen von Flaschenvarianzen war der Jahrgang 2003 in Deutschland auch grundsätzlich sehr extrem. Ein extrem heißer und trockener Sommer führte in vielen Weinbergen zu Trockenstress und sogar Sonnenbrand der Weintrauben. Die Säurewerte sanken oft ins Bodenlose. Als Reaktion wurde von den Behörden Bewässerung und Zugabe von Weinsäure erlaubt. Andererseits waren die Zuckerwerte oft auch schon ohne Botrytis schon gigantisch. All das sorgte für extreme Weine. Trockene Rieslinge waren in der Folge allermeist deutlich zu alkoholisch. Die Chancen für Edelsüße waren besser. Ältere Weinjournalisten und Händler verglichen den Süßweinjahrgang 2003 gar mit dem historischen 1959er. Das Ergebnis unserer Verkostung könnte heterogener kaum sein. Neben den Totalausfällen gab es mehrere TBAs, wie exemplarisch die Trittenheimer Apotheke von Rosch, bei denen zwar fast alle Merkmale vorhanden waren, die eine erstklassige TBA ausmachen aber die Harmonie fehlte völlig. Die nicht nur für 2003 enorm intensive Säure dieses Weins war leider überhaupt nicht eingebunden. Dass wir uns bei einem Wein mehr Säure gewünscht hätten, kam seltener vor als erwartet. Die Kritik ging mehrfach in die Richtung, dass zwar genug Säure spürbar war aber das Zusammenspiel mit der Süße komplett fehlte.


Eines der Highlights war die Doctor-Visite: Das Weingut Wwe. Thanisch Erben Thanisch hat 2003 gleich zwei TBAs aus dem Doctor gefüllt, eine mit 6,5 % (AP 19/04) und eine mit 8 % (AP 18/04). Während sich die orangegoldene Nr. 19 sehr harmonisch und immer noch recht frisch zeigte (94P), wirkte die goldgelbe 18 neben vanilligen und mineralischen Noten etwas zu matt und seifig, so dass wir einen leichten Flaschenfehler vermuten. Es war kein typischer Korkschmecker mit Muff- oder Chloraromen, es schien trotzdem etwas nicht ganz zu stimmen (91+P). Die Doctor-TBA vom Weingut Wwe. Thanisch Erben Müller Burggraef präsentierte sich noch erstaunlich frisch, vor allem feine Tee-Aromen dominierten (überhaupt war Tee der am häufigsten notierte Begriff des Abends). 93P.

Die Stilistiken der vier Doctor-TBAs war sehr unterschiedlich. Diese von Wegeler hatte die kühlste Aromatik, fast ätherisch kräuterwürzig. Weitere Aromen waren Senf, Mullbinden, tropische Früche, Mandarinenlikör. Nicht einstimmig aber für die Meisten am Tisch lag sie bei den Doctor-TBAs knapp vorne. Von mir 95P.

Heute gehört das Weingut Dr. Hermann für mich zur absoluten Spitze der Mosel. 2003 war die Kollektion noch nicht ganz so homogen. Drei der vier Dr. Hermann Süßweine waren mit Alkoholwerten von 10% und mehr ausgebaut, was zumindest zwei dieser Weine nicht besonders gut bekommen ist, sie wirkten nun im gereiften Stadium zu alkoholisch. Bei der Würzgarten-TBA ist es besser gelungen, sie lässt sich mit einem zumindest von mir so noch nie gelesenen Begriff sensorisch fast perfekt beschreiben: “TBA-feinherb“.

Ganz anders die monumentale Treppchen-TBA mit nur 6,5 %: Extrem konzentriert und ölig. Im Glas deutlich sichtbare Zuckerschlieren durch den extrem hohen Restzuckergehalt. Bringt zwar auch eine enorme Säure mit, wirkt aber trotzdem nicht spielerisch sondern bleibt aufgrund der enormen Konzentration mehr ein Wein zum tropfenweisen Genuss als zum glasweise Trinkvergnügen. Daher einigen am Tisch auch zu mächtig. Ein echtes Monument mit 298° Öchsle, um die 500 Gramm Restzucker und 7,8 Gramm Säure, am ehesten vergleichbar mit einer Tokaji Essenzia. Wird nahezu ewig altern können. 96+P.

Das Farbenspiel des Abends war extrem vielfältig, vom hellen Goldgelb eines Eisweins über alle konzentrierten Gelb und Orangetöne, dunkle Rosé- und Rotschattierungen bis zu dunkelbraunen Mokkatönen. Die Farben in denen sich die edelsüßen Rieslinge aus 2003 zeigten, gingen schon sehr weit auseinander.

Der erfrischendste und spritzigste Wein des Abends. In einer Blindverkostung wäre niemand am Tisch auf den Jahrgang 2003 gekommen, wahrscheinlich nicht mal auf Eiswein. Helles goldgelb, zu Beginn unglaublich frisch, sehr rassige und zugleich gut eingebundene Säure, später auch ein dezenter Petrolton. Ich hätte auf eine leicht gereifte Auslese aus einem kühleren Jahr getippt.

8. März 2011

XXVI. Hamburger Wein Salon 2011

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 17:18

Während das Rheinland am vergangenen Wochenende auf den Höhepunkt der Karnevalssession zusteuerte, fand in Hamburg bereits die erste größere Weinmesse des Jahres statt. Zum vom Weinjournalisten Mario Scheuermann veranstalteten 26. Hamburger Wein Salon in den historischen Börsensälen der Hamburger Handelskammer kamen trotz herrlichem Vorfrühlingswetter (man hörte, es sei das erste durchgehend schöne Wochenende in Hamburg seit Monaten) etwas über 800 Besucher. Die reisten zum Teil sogar eigens aus dem Ausland an, wie eine Gruppe von 21 Mitglieder des Weinklubs aus dem dänischen Tønder, die sich begeistert zeigte.

Auch die Aussteller waren zufrieden, vor allem wegen der hohen Qualität des Publikums. Das gebe es so bei keiner anderen Veranstaltung in Hamburg.

GRAND PRIX D`EXCELLENCE  - KOLLEKTION DES JAHRES
Weingut Winfried Frey & Söhne, Essingen, Pfalz

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - international -
Weingut Ernst, Deutschkreutz, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ENTDECKUNG DES JAHRES - national -
Weingut Heinz Pfaffmann, Pfalz
Weingut Ökonomierat A. Schmitt, Saar

GRAND PRIX D`EXELLENCE - WEISSWEIN DES JAHRES
2009 Erbach Marcobrunn EG, Domänenweingut Graf Schönborn, Rheingau

GRAND PRIX D`EXELLENCE - ROTWEIN DES JAHRES
2007 Admiral, Weingut Pöckl, Burgenland

GRAND PRIX D`EXELLENCE - SÜSSWEIN DES JAHRES
2009 Merlot Eiswein Blanc de noir, Weingut Winfried Frey, Pfalz

Als kleiner Nachtrag noch meine persönlichen Highlights des letztjährigen Wein Salons (2010), die ich im letzten Jahr zwar aufgeschrieben aber nicht veröffentlicht hatte: (weiterlesen…)

31. Oktober 2010

Weinrallye 38 – Underdog Scheurebe - vor allem restsüß großartig!

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:23

Eines vorweg: auf die geplante Verkostung einer aktuellen Scheurebe Spätlese von Müller-Catoir muss ich heute leider verzichten, da ich versehentlich einen Rieslaner vom selben Weingut eingepackt habe und schon wieder in Bonn, also 60 km von meinem Keller entfernt bin.

Auf einen kurzen Beitrag zum Thema der Weinrallye 38 – Underdog Scheurebe, die unser Kölner Weinfreund Torsten Goffin ausgerufen hat, möchte ich trotzdem nicht verzichten, da ich diese Rebsorte in den letzten Jahren sehr zu schätzen gelernt habe. Daher heute ausnahmsweise keine Verkostungsnotiz sondern nur ein wenig Grundsätzliches zur Scheurebe.

Die Scheurebe ist nach dem rheinhessischen Rebenzüchter Georg (Schorsch) Scheu (1879-1949) benannt, der sie 1916 in der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey durch eine Kreuzung von Riesling mit einer unbekannten Wildrebe kreierte. Scheu selbst nannte seine Neuzüchtung Sämling 88 (kurz S88), wie sie auch heute noch in weiten Teilen Österreichs genannt wird. Lange Zeit wurde eine Kreuzung von Riesling mit Silvaner angenommen, erst Ende der 1990er Jahre wurde durch DNA-Analysen festgestellt, dass neben Riesling nicht Silvaner, sondern eine unbekannte Wildrebe an der Kreuzung beteiligt war.

Scheurebe gilt neben Gewürztraminer, Sauvignon Blanc und Muskateller als eine der bekanntesten Aromarebsorten (Bukettrebsorten). Trocken hat die Scheurebe oft eine gewisse Ähnlichkeit mit Sauvignon Blanc, die wahre Stärke scheint aber im restsüßen Bereich zu liegen.

Die meisten guten Scheureben kommen traditionell aus der Pfalz aber auch in anderen Regionen gibt es einzelne erstklassige Vertreter. Von den folgenden Weingütern habe ich in den letzten Jahren großartige restsüße Scheureben getrunken, die von den Weingütern übrigens oftmals zu deutlich günstigeren Preisen abgegeben werden als die Rieslinge der gleichen Prädikatsstufe:

Schlossgut Diel (Nahe) - geniale Spät- und Auslesen
Keller (Rheinhessen) - von großartigen Auslesen bis zur 100 Punkte TBA
Koehler-Ruprecht (Pfalz) - Spätlese bis Beerenauslese
Müller-Catoir (Pfalz) - Spätlese bis Eiswein
Pfeffingen (Pfalz) - Spätlese bis TBA
Weegmüller (Pfalz) - Spätlese bis Beerenauslese
Helmut Lang (Neusiedlersee) - Ausbruch und TBA (als Sämling 88)

9. September 2010

Meisterwerke der Mosel - VDP präsentiert 50 reife Spitzenrieslinge

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 20:21

Im Rahmen des VDP-Jubiläumsjahres wird es am 23. September in Trier die sehr seltene Gelegenheit geben, eine große Auswahl gereifter Spitzenrieslinge zu verkosten. Die veranstaltende Agentur Organize hat gestern die Liste der rund 50 reifen Spitzenrieslinge veröffentlicht, die unter der Rubrik “Auserlesen” bei der Präsentation “Meisterwerke der Mosel” des Großen Ring des VDP Mosel-Saar-Ruwer (am Vortag der Trierer Prädikatsweinversteigerung) im Kurfürstlichen Palais Trier probiert werden können. Mir hatten in den letzten Tagen und Wochen mehrere Winzer erzählt, dass sie in Trier eine tollen Wein präsentieren wollen. Mit dieser riesigen Liste hatte ich dennoch nicht gerechnet. Einige dieser Weine wurden immer wieder mal bei privaten Verkostungsrunden langjähriger Sammler geöffnet. Eine öffentliche Veranstaltung mit einer so großen und hochkarätigen Kollektion reifer Rieslinge hat es allerdings seit vielen Jahren nicht gegeben.

Neben den reifen Rieslingen stellen die 31 Mitgliedsbetrieben des VDP Mosel-Saar-Ruwer bei dieser Veranstaltung auch ca. 250 Rieslinge des Jahrgangs 2009 vor sowie den Großteil der Versteigerungsweine, die am nächsten Tag zur 123. Prädikatsweinversteigerung des Großen Rings (wie immer in der Trierer Europahalle) angestellt werden. Der Katalog der Versteigerungsweine findet sich auf den Seiten des Großen Rings.

„Auserlesen“– Riesling-Raritäten vergangener Jahrzehnte
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8. Juli 2010

Jahrgangspräsentation und Kellertour im Schloss Johannisberg

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 00:24

Domänenverwalter Christian Witte hatte zur Präsentation des Jahrgangs 2009 der Domäne Schloss Johannisberg und des Weingutes G.H. von Mumm in den Spätlesereitersaal des Schlosses geladen. Zudem sei eine Kellerbesichtigung vorgesehen und es gebe auch “etwas älteres” zu verkosten.

Auch wenn man als Weinschreibender viele Einladungen zu interessanten Veranstaltungen erhält, bleibt Schloss Johannisberg immer etwas besonderes.

Schloss Johannisberg ist, seit 1720 der komplette Johannisberg mit Riesling bepflanzt wurde, das erste reine “Riesling-Weingut” der Welt und der Ort an dem 1775 der in meinen Augen schönste Weißweinstil - die fruchtige Riesling Spätlese - zumindest offiziell erstmals entstanden ist.

Den Rheingauer Weingütern war im 18. Jahrhundert in jedem Herbst eine Leseerlaubnis von ihren Gemeinden vorgeschrieben. Anders beim Schlossgut Johannisberg, das dem Bistum Fulda gehörte. Die Johannisberger Mönche mussten seit 1718 alljährlich auf die Leseerlaubnis beim Fürstbischof in Fulda einholen. Sie schickten deshalb einen Reiterboten mit einer Probe Johannisberger Trauben nach Fulda, doch in jenem Jahr verspätete sich die Rückkehr des auch Herbstkurier genannten Boten aus bis heute umstrittenen Gründen um 8 - 14 Tage. Die Trauben im Weinberg waren inzwischen kräftig von der Edelfäule Botrytis befallen, geschrumpft und daher hochkonzentriert. Das Ergebnis im nächsten Frühjahr war die erste edelsüße Riesling Spätlese. Die damaligen ersten Spätlesen waren allerdings so konzentriert, dass sie heute wohl eher als Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese (TBA) bezeichnet würden.

Heute bewirtschaftet die Domäne Schloss Johannisberg in ihrer Monopollage 35 ha Riesling und das Schwesterweingut G.H.von Mumm noch einmal weitere 65 ha Riesling und Burgundersorten (u.a. auch im Assmannshäuser Höllenberg). Die beiden Güter beschäftigen zusammen 40 hauptberufliche Mitarbeiter sowie weitere bis zu 120 Helfer zu Lesezeit. Alleineigentümer die beiden Weingüter ist die zur Oetker-Gruppe gehörende Sektkellerei Henkell &  Söhnlein.

Wenige Meter vor dem Schloss verläuft der 50. Breitengrad mitten durch den Johannisberg. Mehrere Stehlen im Weinberg zeigen den genauen Verlauf. Vor der Klimaerwärmung galt der 50. Breitengrad als nördliche Grenze für den Qualitätsweinbau überhaupt. Das Risiko mangelnder Reife hat sich aber vorerst erledigt. Heute reifen die Trauben im Johannisberg in jedem Jahr komplett aus und für trockene Weine ist mittlerweile eher eine zu hohe Traubenreife und das damit verbundene Risiko zu hoher Alkoholgrade ein Problem.

In zeitweiser Ermangelung von Etiketten wurden die Weine seit der Zeit von Fürst Metternich durch Lackfarben unterschieden (von Fürst Metternich stammt auch die bis heute umgesetzte Anweisung von 1830, keinen Flaschenwein ohne die Unterschrift des Kellermeisters auf dem Etikett herauszugeben. Heute tragen die Etiketten die Unterschrift von Gutsverwalter Christian Witte). Im Spätlesereitersaal erklärt eine Wandtafel das bunte Farbenspiel der Kapseln und Lacke:

Dazu kommt mit dem Silberlack noch das erstmals mit dem Jahrgang 2005 gefüllte Erste Gewächs (unten in der Bildmitte der aktuellen Kollektion).

Heute nicht mehr in Verwendung, aber aus früheren Jahrgängen noch reichlich im Schlosskeller vorhanden: „Orangelack“ für gehobene Kabinett-Qualität, „Weißlack“ für beste Spätlesen und „Goldblaulack“ für feinste Auslesen. Hier zu sehen neben einer Reihe weiterer historischer Flaschen.

Die Verkostung begann mit einem wunderbar weinigen Fürst von Metternich Rieslingsekt Brut 2008, der Qualitativ deutlich über der Supermarktware des Hauses liegt aber leider nur an gehobene Gastronomie abgebegen wird und nicht für Endkunden im Handel erhältlich ist.

Schon bei den Gutsrieslingen findet sich einwandfreiere Qualität, besonders der einfache lagenlose G.H. von Mumm Rheingau Riesling überraschte mich dabei positiv. Am besten gefiel mir aktuell der trockene Riesling QbA aus dem Johannisberger Hansenberg. Schon ein ganze Klasse darüber, sowohl qualitativ wie preislich ist der Schloss Johannisberger Rotlack Kabinett, sowohl in der trockenen als auch in der feinherben Variante.

Danach ging es an zwei 2008er Erste Gewächse (EG) und die 2009er EG Fassproben aus vier Einzellagen. Bester trockener Wein des Tages war zweifellos das schon jetzt großartige 2008er Schloss Johannisberger Silberlack Riesling Erstes Gewächs mit einem für den Rheingau selten feinen Säurespiel und wunderbaren Kräuternoten. Das 2008er Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs von Mumm ist zwar auch schön, kommt aber an den Johannisberger derzeit nicht heran. Dafür ist die Fassprobe des 2009er EG aus dem Berg Rottland mit seinen feinen Hefe- und Kräuteraromen zur Zeit schon am weitesten. Die EG-Fassproben aus Johannisberger Hölle und Johannisberger Mittelhölle sind ähnlich im Stil, aber derzeit noch etwas verschlossener. Ebenso die Fassprobe des 2009er Schloss Johannisberger Silberlack Riesling Erstes Gewächs. Sie entstand merkbar aus hochreifem Lesegut, scheint wieder etwas typischer den klassischen Rheingaustil abzubilden, kommt derzeit allerdings natürlich noch nicht an die bereits seit fast einem Jahr gefüllte Vorjahresversion heran. Die schönen Hefe- und Kräuteraromen ziehen sich durch alle großen Gewächse der beiden Güter, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass im Schlosskeller mit geführter Spontangärung gearbeitet wird, bei der ein gelungener, spontaner Gäransatz von Fass zu Fass weitergeimpft wird.

Die Grünlack Spätlese ist bei der Geschichte dieses Weinguts natürlich auch ein besonderer Wein. Es dürfte wohl auch die meistverkaufte Spitzenspätlese in Deutschland sein. Mir fällt zumindest kein anderes deutsches Weingut ein, das es schafft jährlich mehrere 10.000 fruchtige Spätlesen im Inland abzusetzen. Bei den anderen Erzeugern von Top-Spätlesen dürfte auch der Exportanteil deutlich höher liegen als die rund 50 % bei Schloss Johannisberg. Die 2009er Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese ist derzeit noch recht verhalten. Trotzdem sind schon merklich Pfirsich- und Zitrusnoten, etwas Mineralik und auch wieder Kräuteraromen zu erkennen. Obwohl das Traubenmaterial sicher deutlich höhere Öchslegrade aufwies, als für Spätlesen mindestens vorgeschrieben, wirkt der Wein doch spritzig und erfrischend. Eben eine klassische Spätlese! Schloss Johannisberg ist glücklicherweise nicht in den Wettbewerb um die fetteste, der  zur Spätlese abgestuften Auslesen eingestiegen (wie es z.B. das nur wenige Kilometer entfernt gelegene und ebenfalls sehr renommierte Weingut Robert Weil regelmäßig macht, dessen aktuelle Top-Spätlese aus dem Kiedricher Gräfenberg nur haarscharf die gesetzlichen Anforderungen an eine Beerenauslese verpasst - ein großartiger Wein aber stilistisch definitiv keine Spätlese mehr!).

Im Jahrgang 2009 ist bei Schloss Johannisberg auch eine tolle Kollektion edelsüßer Weine gelungen. An der Spitze stehen ein wunderbarer Schloss Johannisberger Blaulack Eiswein mit tollem Süße-Säure-Spiel und mein persönlicher Favorit des Tages, die Fassprobe einer Schloss Johannisberger Goldlack Trockenbeerenauslese (TBA) der Extraklasse. Die Analysedaten sind noch nicht bekannt, das Ausgangsmaterial soll aber zwischen 180° und 200° Oechsle gelegen haben. Verwalter Christian Witte ist überzeugt, dass Riesling-TBAs aus diesem Oechsle-Bereich auf Dauer einen höheren Trinkgenuss bereiten als extrem konzentrierte TBAs mit inneren Rekordwerten (den Weltrekord hält derzeit Moselwinzer Markus Molitor mit 331 Grad Öchsle im Jahr 2003 in der Zeltinger Sonnenuhr), die zwar kurzfristig einen spektakulären Eindruck vermitteln aber nach wenigen Schlucken bereits ein Gefühl der Übersättigung hinterlassen. An der auch mit ausreichend Säure ausgestatteten 2009er Schloss Johannisberger Riesling TBA hingegen könnte ich mich trotz ihres noch viel zu jungen Alters schon jetzt stundenlang begeistern.

Außer den aktuellen Weinen des 2009er Jahrgangs und einiger Vorjahresweine wurden auch einige Raritäten aus den letzten Jahrzehnten geöffnet:

Schloss Johannisberger Rosalack Riesling Auslese 2002
Schloss Johannisberger Rotlack Riesling Kabinett 1985
Schloss Johannisberger Gelblack Riesling Qualitätswein 1970
Schloss Johannisberger Grünlack Riesling Spätlese 1964

Ein 40 Jahre alter und immer noch trinkbarer Riesling QbA ist natürlich schon etwas besonderes, hier ist es allerdings erst der Anfang. Die 2002er Auslese mit ihren intensiven Pfirsich- und Botrytisaromen ist bereits recht weit entwickelt, macht aber auch schon richtig Spaß. Noch spannender ist der älteste Wein in der Runde, eine  wunderbar gereifte 1964er Riesling Spätlese. Der Grünlack ist also mittlerweile 46 Jahre alt und noch immer in perfektem Zustand. Die Weine wurden, wie bei Schloss Johannisberg alle 30 Jahre üblich, neu verkorkt. Daher auch die Kapseln mit aktuellem VDP-Logo.

Nach der Verkostung ging es ins Allerheiligste: Den berühmten Schlosskeller! (weiterlesen…)

13. August 2009

Sommerfest in Dirk Würtz Königsmühle

Kategorie: Allgemein, Kochen, Wein — Weinkaiser @ 00:03

Dirk “De Wärtz” Würtz rief zum Sommerfest 2009 in seine Königsmühle und viele kamen. Der geräumige Innenhof der im 17. Jahrhundert erbauten Mühle am Ortsrand von Gau-Odernheim war gut gefüllt. Auch eine ganze Reihe Blogger- und Twitterer gaben sich die Ehre:

Alexander Ultes - bekannt als Weinfachberater.der-Ultes (@ultes & @derUltes),
Linda Kranz alias Yuki Keylin (@Yuki_Keylin & @YukiPedia),
Jochen Leeder von Sportundwein (@Sportundwein) mit Frau Manuela (@Pinotkoenigin) und Sohn Phili,
Dirk Freier - Freier Sommelier (@Weinspunk),
Mac vom Kreuznachblog (@bkblog),
Jürgen Treber (@Obbarer) mit Gattin,
Thomas Lippert vom Winzerblog (@winzerblog & @25cl),
einigen anderen die ich sicher vergessen habe (aber gerne nachtrage)
und natürlich den Gastgebern von Würtz-Wein: Dirk (@Wuertz) und Gabi Würtz (@Gewuertz)

Für das leibliche Wohl war auch bestens gesorgt. In der Königsmühle finden regelmäßig Grillevents und hochkarätige Verkostungen von Weinraritäten statt, außerdem kann die Mühle für Firmenveranstaltungen und Familienfeiern gemietet werden. Dabei trifft es sich gut, das Gabi Würtz viele Jahre als Sommelière und Restaurantleiterin in Spitzenhotels (u.a. im Hotel Krone/Assmannshausen) tätig war.

Diesmal haben der  Souce Chef einen befreundeten Spitzenkochs und der Sohn des Hauses, der an Körpergröße mittlerweile zu seinem Vater aufgeschlossen hat, eine tolle Auswahl an Speisen bereitet:

Im Angebot waren Fisch-, Nudel- und Grillgerichte. Ich habe mich für das gegrillte Filet von namibischem Rind mit in Rotweinsauce geschmorten jungen Zwiebeln und Kartoffelspalten entschieden und war wie viele andere begeistert.

Es gab auch zu trinken: (weiterlesen…)

16. November 2008

Alois Kracher TBA Non Vintage

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 23:17

Weinlaubenhof Alois Kracher Trockenbeerenauslese Non Vintage
Diese in kleine 0.187l Fläschchen (mit Schraubverschluss) gefüllte TBA Non Vintage ist der neueste Vermarktungs-Coup aus dem Hause Kracher und wohl eine der letzten Kreationen, die noch unter der Leitung des kürzlich verstorbenen Alois Kracher selbst eingeführt wurden. In Krachers Weinlaubenhof im 2500-Einwohner Örtchen Illmitz am Neusiedlersee im österreichischen Burgenland entstanden in den letzten den letzten 15-20 Jahren nicht nur einige der besten Süßweine der Welt, sondern auch die Ideen für eine ganze Palette weiterer Produkte und Projekte, die mit spezialisierten Partnern rund um den Globus produziert und vermarktet wurden: Gelees aus Beerenauslese-Weinen, mit Beerenauslese affinierter Blauschimmelkäse, mit Beerenauslese gefüllte Schokolade, TBA-Tresterbrand, TBA-Essig, kalifornische Süßweine unter dem Namen “Mr. K” zusammen mit dem Anfang der 80er in die USA ausgewanderten Kultwinzer Manfred Krankl (Sine Qua Non), eine Weinimportfirma (die ausländische Spitzenweine für den österreichischen Markt importiert) und ein Beratungsangebot für andere Weingüter (z.B. Schwarz), denen in Punkto Qualität und Marketing unter die Arme gegriffen wird.

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26. September 2008

H.G.Schwarz 20 letzte Müller-Catoir-Jahre

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 02:04

Hans Günter Schwarz und seine 20 letzte Jahre bei Müller-Catoir
Organisiert vom Weinforum “Weinfreaks” fand am vergangenen Wochenende in der Düsseldorfer Weinhandlung “La Vinesse” eine großartige Verkostung von Müller-Catoir-Weinen statt. 2001 ist der letzte Jahrgang dieses Pfälzer Spitzenweingutes, der unter der Federführung von Hans Günter Schwarz entstand. Danach ging der Kellermeister, der in über 40 Jahren die Weine von Müller-Catoir von Mittelmaß zu Weltruhm führte, in den verdienten (Un-)Ruhestand.

Zur Lebensleistung von H. G. Schwarz zählen nicht nur zahllose tolle Weine und das mittlerweile anerkannte Renommee seiner Lieblingsrebsorte Rieslaner, deren Potential Schwarz wie niemand anderes in der Weinwelt auszureizen verstand sondern auch die Ausbildung und Förderung einer ganzen Generation talentierter Pfälzer Nachwuchswinzer.

Aus den letzten 20 Jahren seiner Schaffenszeit, also den Jahren 1981-2001, wurden, auch mit der Unterstützung von Herrn Schwarz selbst, 23 Weine zusammengetragen. Man sagt immer wieder, wirklich große Weingüter erkenne man an der Qualität ihrer einfachsten Weine. Nun hatten wir keinen QbA in der Literflasche dabei, aber trockene Kabinett und Spätleseweine von 1990, 1993 und 1996. Alle waren toll gereift und mit 85P, 86P, 87P (2x) und 88P in einem von mir nicht erwartet guten Zustand.

Durch die 20-jährige Spanne zwischen den ältesten und den jüngsten Weinen wird auch der Stilwechsel bei den restsüßen Weinen nach dem Jahrgang 1989 deutlich. Die 1989er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Beerenauslese ist exemplarisch für den Versuch Pfälzer Sauternes zu erzeugen. Der Wein mit 12 % Vol. und deutlich weniger wahrnehmbarer Restsüße als bei später erzeugten MC-Süßweinen kommt in unserer Runde nicht besonders gut an. 82P

Als Gegenbeispiel für den Stil ab 1990 bietet sich traumhafte die 2001er Gimmeldinger Schlössel Rieslaner Beerenauslese an. Sehr erfrischend, fein, mit leichter Mineralik, intensiven Noten von Limonen- und Grapefruit in Mund und Nase, weißem Pfeffer im Mund und noch einer Menge Potential für die Zukunft. 98+P

Auch das Geschenk von Herrn Schwarz konnte sich sehen lassen. Die 1998er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese gehörte zu den leckersten Weinen des Abend. In Farbe und Stil viel jünger als das tatsächliche Alter von 10 Jahren wirkend, mit toller Frucht (vor allem Grapefruit), sehr elegant, einem tollen Süße/Säure-Spiel, unendlich lang und mit mehreren Jahrzehnten Zukunft. 96-97P

Bei der von Robert Parker (99PP) und diversen anderen hochgelobten 1994er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese dürfte es sich um einen abgestuften Eiswein oder eine zumindest noch teilweise gefroren gelesene Auslese handeln. Anders läst sich der enorme Säuregehalt nicht erklären. Der Wein hat zwar schöne Noten von Mandarine und Orange, ist mir aber einfach deutlich zu sauer. 90P

Bester Wein des Abends und erster 100-Punkte-Wein seit dem Start dieses Blogs war die 1999er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Trockenbeerenauslese. Ein wunderschöne goldgelbe Farbe, hoch konzentrierte aber ebenso feine Zitrus- und Orangennoten und ein grandioses Süße/Säure-Spiel. 100P (weiterlesen…)