25. Januar 2013

Gastbeitrag: Sturm, Hagel und Riesling – Weine vom Erie See

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 14:01

Gastbeitrag zur Weinrallye 59 - Exotische Weine

von Marc Herold

Unwetter und Hagelkörner von der Größe kleiner Schneebälle begleiteten mich auf der Fahrt zu meinem exotischsten Weinerlebnis. Dabei war ich gar nicht an den Lake Erie gereist um Wein zu kaufen, sondern wegen einer Tagung. Das Wetter spielte um diese Zeit verrückt, bis an die großen Seen gab es Tornados und der erste Blick am Morgen galt den auf allen Kanälen laufenden Wettervorhersagen, Hagelbilder auf Programmplätzen, auf denen sonst nur finanzielle Gewitter zu sehen sind.

Fast schon bei der Abreise, entdeckte ich in einem direkt am Erie See gelegenen Kiosk, dessen Hauptgeschäft sonst durch den Verkauf von Köderwürmern für Angler bestritten wird, eine Hand voll Weine aus der näheren Umgebung. Besonders war ich über zwei Rieslinge verblüfft. Riesling, hier in der Nähe von Cleveland? Nächstgelegen zu meiner Unterbringung war die „Klingshirn Winery“.

Ich hatte, noch etwas Zeit bis zum Rückflug und nach ein paar Minuten Fahrt wurde meine Verwunderung nur größer. Hier in diesem uramerikanischen Stadtrandgebiet von Avon Lake wächst Wein? Nach ein paar hundert Metern weißer, blendender Gartenzäune, an denen David Lynch seine Freude gehabt hätte landete ich in mitten im Anbaugebiet. Reben, schwerer Boden, alles war entweder grün oder dunkelbraun. Der See war nur noch eine Ahnung auf dem Bildschirm des Navigationsgeräts.

Der Verkaufsraum von Klingshirn wirkt eher wie ein Hofladen eines Bauernhofs, die Weine tragen nur selten Jahrgangsbezeichnungen, direkt nach der Ernte bekommt man hier auch Traubensaft und jungen Wein. Lee Klingshirn, der Sohn des Weingutsgründers schenkt mit großer Zufriedenheit Proben der Weine aus. Der „White Riesling“ wird hier halbtrocken ausgebaut, er wirkt etwas rustikal, ist aber typisch für die Sorte, erfrischend, an Pfirsich und Aprikosen erinnernd und hat eine belebende Säure. Amerikanischer wirkt der „Vidal Blanc“, halbtrocken auch er, gibt es hier mehr zu riechen, die Nase erinnert an die Blumen, die hier in den Vorgärten im Frühling sicher reichlich wachsen. Die Weine passen sicher perfekt zu einem sommerlichen Picknick am See.


Neben Klingshirn gibt es noch ein knappes Dutzend Weingüter am Lake Erie, die viele Möglichkeiten bieten die Gegend um den See über die Weine zu entdecken und der Spur des Unerwarteten zu folgen.

Brasilianischer Wein: Basso Monte Paschoal Chardonnay Dedicato 2012

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 08:48

Einmal im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einen Tag lang einem vorher festgelegten Thema zu widmen. Heute ist ein solcher Tag und das Thema der Weinrallye, wie sich dieser Onlineevent nennt, der heute zum 59. mal stattfindet, lautet exotische Weine. Der Aufruf zur Weinrallye #59 kam vom österreichischen Sommelier Peter Ladinig. Bleibt die Frage, welche Weine oder Weinregionen heute überhaupt noch exotisch sind. Übersee-Weine aus Südafrika, Australien, Neuseeland und Chile gehören heute zum Alltag und sind aus keinem Supermarkt mehr wegzudenken. Auf dem deutschen Markt zwar noch exotisch aber mit 560.000 ha Rebfläche nach Spanien (1.032.000 ha), Frankreich (806.000 ha) und Italien (776.000 ha) mittlerweile viertgrößte Weinbaunation der Welt ist China.

Noch seltener als chinesische Weine, die hierzulande zumindest in China-Restaurants immer häufiger werden, findet man brasilianische Weine auf dem deutschen Markt. Daher habe ich mich für einen Wein von dort entschieden. In kaum einem anderen Land hat sich in den letzten 15 Jahren in Sachen Weinbau so viel getan wie hier. Heute wird in Brasilien auf 92.000 ha Weinbau betrieben. Damit liegt das südamerikanische Land nur knapp hinter Deutschland, wo 102.000 ha Rebfläche im Ertrag stehen. Brasilien hat aber nicht nur quantitativ aufgeschlossen, die Qualität der Weine hat inzwischen internationales Niveau erreicht.


Erste Gehversuche in Sachen Weinbau gab es in Brasilien zwar schon im 16. und 17. Jahrhundert, die Grundlagen der heutigen Erfolge wurden aber erst rund 200 Jahre später gelegt. Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich italienische Einwanderer in den kühleren Regionen im äußersten Süden Brasiliens nieder und pflanzen dort die ersten Weinberge. Die nötige Kompetenz und auch die ersten Rebsorten brachten sie aus Italien mit. Bis zum beginn des Qualitätsweinbaus vergingen aber noch einmal einige Jahrzehnte. In den 70er Jahren begannen die ersten Betriebe, sich um hochwertiges Lesegut zu bemühen. Nach einer Reihe weiterer Zwischenschritte begann erst Mitte der 90er Jahren die Zeit der Gutsabfüllungen von Flaschenweinen. Von diesem Zeitpunkt an ging es rasant aufwärts. Millionensummen wurden in moderne Kellertechnik investiert und internationale Spitzenönologen wie der aus dem Bordeaux bekannte Flying Winemaker Michel Rolland wurden als Berater engagiert. International wettbewerbsfähig, auch in Sachen Preis/Leistung sind vor allem die brasilianischen Schaumweine. Hier gibt es mittlerweile ein breites Angebot zu fairen Preisen. Die besten Rotweine des Landes sind leider im Heimatmarkt mittlerweile so gefragt, dass für sie recht hohe Summen aufgerufen werden, wenn es doch einmal ein paar von ihnen nach Europa schaffen.

Wie man auf der Karte gut sehen kann, ist fast ausschließlich der südliche Zipfel Brasiliens bis dicht an die Grenze zu Uruguay für den Weinanbau von Relevanz. Die Serra Gaúcha im Bundesland Rio Grande do Sul ist das größte und wichtigste Weinbaugebiet Brasiliens. Von hier kommt auch der heute vorgestellte Chardonnay von Basso. Die beiden bedeutendsten Regionen der Serra Gaúcha sind Vale dos Vinhedos (das “Tal der Weinberge”, seit 2001 Brasiliens erste zertifizierte Herkunftsregion) und Pinto Bandeira (v.a. für Schaumweine bekannt). Die Rebflächen liegen in Höhen von 450 bis 750 Metern. Die hier heimischen 630 Weingüter produzieren ca. 90% der hochwertigen Weine Brasiliens. Die wichtigsten weißen Rebsorten in Serra Gaúcha sind Chardonnay, Moscato Bianco, Riesling Italico, Malvasia, Semillion, Glera, Flora und Gewürztraminer. Bei den Roten sind es Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Tannat, Ancellotta, Pinot Noir, Carmenére, Pinotage und Gamay.

Richtig exotisch ist die kleine Weinbauregion Vale do São Francisco, die am 8. Breitengrad liegt (rund 6.000 km nördlich der anderen brasilianischen Weinregionen) und damit das äquatornächste Weinbaugebiet der Welt ist. Weinbau wird hier in Höhen von 100-400 Metern betrieben. Trotzdem herrscht ein heißes und feuchtes Klima und die Durchschnittstemperaturen liegen das ganze Jahr über bei 20°C (Winter) bis 31°C (Sommer). Dadurch sind hier zwei Weinlesen im Jahr möglich. Der Vegetationszyklus dauert nur 120-130 Tage.

Basso Monte Paschoal Chardonnay Dedicato 2012
Für diesen Wein gibt es noch keinen Importeur in Deutschland, vor Ort wird er für umgerechnet ca. 25 Euro verkauft. Er stammt von den mit 750 Metern höchstgelegenen Teilen der Serra Gaúcha, wo die Reben auf lehmigen Böden wachsen. Der Produzent gibt an, dass die Trauben handgelesen werden, der Most in Edelstahltanks vergoren und der Wein anschließend für sechs Monate in Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche ausgebaut wird. Die anschließend noch aufgelistete Flaschenreife kann in diesem Fall nicht allzu lange gedauert haben, denn seit der Lese des Jahrgangs 2012 auf der Südhalbkugel sind gerade einmal rund 10 Monate vergangen.

Helles goldgelb, in der Nase sowohl der elegante Holzeinsatz als auch die opulenten Fruchtaromen gut wahrnehmbar, leichte Vanillenoten, weiße Schokolade, frische Butter, überhaupt sehr cremig und trotz nur 1,4 Gramm Restzucker hat man immer das Gefühl einer angenehmen leichten Süße. Da er auch die nötige Säure mitbringt wird es trotzdem nicht zu sättigend oder langweilig. Der Alc. (12,7 % Vol.) ist wunderbar eingebunden und für die Qualität des Weins spricht außerdem, dass der Geschmack im Abgang sehr lange anhält. 89+P

Das gleiche Paket mit hochwertigen brasilianischen Weinen, das Weine aus Brasilien mir sowie einigen anderen Bloggern und Weinjournalisten letzte Woche zu Verfügung gestellt hat, wird übrigens gerade auch auf der neuen Facebookseite von Weine aus Brasilien verlost.

20. Juli 2012

Weinrallye 53: Der Schweizer Wein. Ein ungreifbares Phantom?

Kategorie: Weinrallye — Weinkaiser @ 07:37

Gastbeitrag zur Weinrallye 53 mit dem Thema Schweizerwein

von Marc Herold

Die Schweizer Weine waren für mich lange auch nur ein paar exotische Seiten im „Kleinen Johnson”. Nach einigen Reisen ins Wallis und beruflichen Aufenthalten in der Ostschweiz tauchen aus dem Meer der Orientierungslosigkeit einige etwas Orientierung verschaffende Archipele auf. Ein Wein, der mich gleich beim ersten Schluck fasziniert hat war der Heida von den bergigen Hängen des Visper-Tals. Um den soll es heute aber ausnahmsweise nicht gehen. Für mich als ausgesprochenem Weißweinfreund war es spannend, mich etwas tiefer in die Gefilde des Schweizer Rotweins zu begeben. Auf Entdeckungsreise in einem St. Galler Weingeschäft wurde mir der „Truttiker” Pinot noir in die Hand gedrückt, als ich nach einem guten Einstieg in die Welt der eidgenössischen Rotweine fragte.


Nachdem die Flasche des Zapfens entledigt wurde, war ich erstaunt, fasziniert und zählte im Geiste meine paar Franken. Der Pinot Noir stammt aus der Gegend zwischen Zürich und Schaffhausen und die Familie Zahner erzeugt dort aus der Lage „Stiefelhalde” einen Wein, den ich spontan ins Burgund und dort nach Ladoix gesteckt hätte. Der Pinot vereint charmant eine üppige aber kühle Amarena-Kirschfrucht und eine wirklich begeisternde rustikale Art. Der Wein ist, gleichzeitig kräftig zupackend und etwas zurückhaltend und elegant. Die Säurestruktur ist abgründig wie die Reichenbachfälle und das Bouquet wirkt, wie der nasale Idealtyp eines Berghangs mit Waldhimbeeren. Gleichzeitig wirken hier Tannine, so solide und unaufdringlich wie ein Schweizer Safe. Hier wird das schweizerische schmeckbar und ein Besuch in Truttikon bei den Zahners ist schon geplant.

Was ist eine Weinrallye?
An einem vorher festgelegten Tag im Monat sind alle Wein- und Foodblogs aufgerufen, sich einem bestimmten Thema zu widmen. Jeden Monat gibts ein neues Thema und jedes mal gibt ein anderer Blogger das Thema vor. Das Thema Schweizer Wein der heutigen Weinrallye #53 hat der in Zürich lebende Weinjournalist Peter Züllig ausgesucht.

9. März 2012

Weingut Clauß Nacker Müller-Thurgau 2010

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 23:58

Wohin man auch schaut, die im Alleinbesitz der Familie Clauß befindlichen Nacker Weinberge sind auf 360° von der Schweiz umgeben. Nur über eine schmale Straße ist das am Ende des Jestetter Zipfel gelegene Nack mit Deutschland verbunden. Das 2003 gegründete Weingut liegt direkt an seinen 9 ha Nacker Weinbergen, im 20 km entfernt gelegenen Erzingen verfügt man über weitere 7 ha. Innerhalb weniger Jahre haben Berthold & Susanne Clauß ihr Weingut auf beachtliche 120.000 Jahresproduktion gebracht.

In Nack gab es zwar schon früher einmal Weinbau, der war aber lange ausgestorben als Berthold Clauß Vater Friedrich Clauß 1980 auf der Suche nach geeigneten Flächen zum Ausbau des eigenen Betriebes (im 200 km entfernten Esslingen am Neckar) erstmals in das deutsche 180-Einwohner-Dorf zwischen Schaffhausen und Zürich kam. Er erkannte das Potenzial der nach Süden ausgerichteten Weinbergslagen am nördlichen Ufer des Hochrheins und machte sich daran, gemeinsam mit seiner Familie einen Zweigbetrieb zu gründen, um sich zu vergrößern. Seine ersten Reben in Nack pflanzte er 1982 auf einer Fläche von 4,5 Hektar. Bis 1987 wurden die Trauben an eine Weinkellerei abgeliefert. Später führte die große Nachfrage nach einheimischen Weinen im „Jestetter Zipfel“ dazu, die Trauben zum Lohnausbau zum Markgrafen von Baden nach Salem zu geben. Nach der Fertigstellung des ab 2003 gebauten neuen Weinguts in Nack war der Jahrgang 2005 der erste selbst vinifizierte.


Aus diesem Weingut kommt der Weinkaiser-Beitrag zur vom Food-Blog Cucina-Casalinga ausgerufenen Weinrallye 49 mit dem Thema Müller-Thurgau. Weinrallye bedeutet, das an einem Tag alle Wein- und Foodblogger aufgerufen sind, Beiträge zum gleichen Oberthema zu veröffentlichen, die dann alle mit einander verlinkt werden. Mehr Infos zum Thema Weinrallye hier bei Mixxt.

Zur Rebsorte: Müller-Thurgau ist die erste von Menschenhand und nicht von der Natur geschaffenen Traubensorte. Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau hat sie 1882 an der Forschungsanstalt Geisenheim gezüchtet und später in der Schweiz weiter kultiviert. Allerdings nicht aus den lange angenommenen Elternreben Riesling und Silvaner (darauf geht auch der Name Rivaner zurück, der gerne als moderner klingendes Synonym für Müller-Thurgau verwendet wird). Durch gentechnischer Untersuchungen seit 1998 weiß man, dass es sich um eine Kreuzung der Sorten Riesling (Mutter) und Madeleine Royale (Vater) handelt.

Der schlechte Ruf der Rebsorte ist neben dem nicht gerade hippen Namen vor allem auf die Wuchskraft des Müller-Thurgau zurückzuführen. Auch in schlechten Lagen mit wenig direkter Sonneneinstrahlung lassen sich hiermit hohe Erträge eines dünnen Weins erzielen. Seit Jahrzehnten ideal für die untersten Regalreihen im Discounter. Mit niedrigeren Erträgen und in besseren Lagen angebaut können sich die Ergebnisse hingegen sehen lassen. Gerade für Weinfreunde, die bei Riesling Magenprobleme durch die hohe Säure bekommen, eignen sich die Müller-Weine, da diese mit intensiver Frucht aber deutlich geringerer Säure daherkommen.

Weingut Clauß Nacker Müller-Thurgau 2010
Der Wein wächst auf sandigem Lehm mit Kiesgestein. Intensive Frucht in der Nase, noch sehr frisch, etwas Hefe- und Gäraromen, wie fast alle ambitionierten Müller-Thurgau auch hier ein Hauch Schwefel, im Mund eine feine Würze und recht erfrischend. Für 6.30 Euro eine gute Empfehlung für den Alltag.

Ebenfalls empfehlenswert ist der Weinevent Nackerwerke, der vom Weingut Clauß jedes Jahr im Mai gemeinsam mit der Klangscheune und dem Gasthof Zum Kranz veranstaltet wird (die zum hochmodernen Musikstudio ausgebaute und spektakulär aussehende Klangscheune ist auch für sich einmal einen Konzert-Besuch wert).

Weingut Berthold und Susanne Clauß
Obere Dorfstraße 39
79807 Lottstetten- Nack
www.weingutclauss.de

Nachtrag:
Eine Zusammenfassung aller Beiträge zu Weinrallye 49 mit Links zu den einzelnen Beiträgen findet sich hier bei Cucina-Casalinga.

10. Juni 2011

Lubentiushof - Burg von der Leyen 2008

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 23:30

Der Wein-Reich Blog der Tourismus Rheinland-Pfalz GmbH hat zur Weinrallye 46 zum Thema Brot und Butterweine aufgerufen. Da ich nicht jeden Tag Wein trinke und bei mir nahezu ständig einige Musterflaschen aus dem In- und Ausland auf’s verkosten warten (sowohl angeforderte und bezahlte wie auch immer häufiger unaufgefordert zugesandte), gibt’s für mich keinen typischen Alltagswein mehr. Wenn ich mir trotzdem mal wieder frei aussuche, was aufgezogen wird, landet am Ende meist ein leichter spontan vergorener Riesling aus der Moselregion auf meinem Tisch. Häufig sind es feinfruchtige Riesling-Kabinettweine mit leichter Sponti-Note von Schloss Lieser, Fritz Haag, Knebel, Joh. Jos. Prüm, Haart, St. Urbanshof, Zilliken und in den letzten Jahren auch der Ockfener Bockstein Kabinett vom Weingut von Othegraven.

Kellermeister und Gutsverwalter des im letzten Jahr von Günter Jauch übernommenen Saar-Weinguts von Othegraven ist Andreas Barth aus Niederfell an der Terrassenmosel. Dort hat er 1994 den Lubentiushof übernommen und in die Spitzengruppe der Terrassenmosel geführt. Erst so ist Jauchs Vorgängerin Dr. Heidi Kegel bei von Othegraven vor einigen Jahren auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn 2004 engagiert. Zuerst nur als Berater für den Keller, da Frau Kegel die Geschäfte noch selbst leitete. Seit der Übernahme durch Günter Jauch (dessen Großmutter noch von Othegraven hieß), der die Zeit dafür natürlich nicht hat, ist Andreas Barth auch Kellermeister und Geschäftsführer bei von Othegraven. Das eigene Weingut im 130 km entfernten Niederfell betreiben er und seine Frau Susanne selbstverständlich auch weiter.

Der Lubentiushof verfügt über einige Parzellen in allerbesten aber kaum bekannten Lagen an der Untermosel. In der lange Zeit in Vergessenheit geratenen Steilstlage Gondorfer Gäns beispielsweise verfügt Andreas Barth über uralte wurzelechte Rieslingstöcke. Dort entsteht auch sein feinster Lagenwein. Über die Weinbergslage Gondorfer Gäns hat Weinbau-Historiker Dr. Daniel Deckers übrigens einen spannenden Text geschrieben, bei dem er auch die Herkunft des Namens “von der Leyen” erklärt.

Was das mit dem Lubentiushof zu tun hat? Dem im Mittelalter an der Mosel vorherschenden Adelsgeschlecht derer von der Leyen gehörte früher das Kellereigebäude in dem Barth heute seine Weine ausbaut, in Gondorf stand ihre Stammburg und die Gondorfer Gäns war ihr Hausweinberg.

Der Riesling Burg von der Leyen ist der Brot- und Butter-Wein des Lubentiushofs. Er ist trockener als die oben beschriebenen Kabinett-Weine, liegt geschmacklich im Bereich zwischen trocken und feinherb, hat den typischen Duft von Hefe- und Gäraromen, der bei gut gelungener langsamer Spontanvergärung mit wilden Hefen entsteht und ist mit seiner feinen Säure und deutlichen Schieferwürze ein echter Knaller für 8,50 Euro.

20. März 2011

Weinrallye Gastbeitrag: von Hövel Oberemmeler Hütte Riesling Spätlese GK 1994

Kategorie: Veranstaltungen, Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 12:30

Gastbeitrag des Saarbrücker Weinfreundes Marc Herold, der seine Weinnotizen sonst  im Forum der Weinfreaks Düsseldorf und in seinem Facebook-Profil veröffentlicht, zur Weinrallye #43 Riesling-Spätlese:

Das Weingut “von Hövel” gehört zu den klassischen Gütern, die ich sehr schätze, aber von denen ich immer zu wenige Flaschen im Keller habe. Die Weine wirken jung oft weniger spielerisch und ausgefeilt als die der anderen Saar-Granden. Der Kaufreflex lenkt das Geld dann erst mal nach Saarburg oder Kanzem. Jedes Mal, wenn ich aber einen gereiften Wein von Eberhard von Kunow öffne, nehme ich mir zuerst vor, mehr Weine von dort zu kaufen und noch mehr gereifte Weine mit dem unaufgeregt zeitlosen Etikett zu trinken. Die Weine reifen meist sehr gut und die Auslesen aus den 80er Jahren sowie die Spätlesen aus den 90ern trinken sich momentan mit Genuss. In der Interpretation des Gebiets zeigen sie meist eine üppigere und unmittelbarere Art als die ätherischen Weine Egon Müllers oder der sehnig mineralischen Zilliken Kreszenzen.

Ein weiterer Grund für die relative Nicht-Beachtung des Guts könnte dessen abgelegene Position im Anbaugebiet sein. Ist der Scharzhofberg schon ein gutes Stück von der Saar entfernt, liegt die Oberemmeler Hütte noch weiter im Hinterland. Auf der Lagen-Karte von 1868 wird die Gegend, auf der die heutige Hütte angesiedelt ist aber in die gleiche Klasse wie der Scharzhofberg eingestuft.

Die Spätlese-Rallye bietet da eine gute Gelegenheit mal wieder etwas Älteres aus der Oberemmeler Hütte zu öffnen. Meine Wahl fiel auf eine 1994er Riesling Goldkapsel Spätlese (AP 6 95, 8 % Alk.). Der Wein steht immer noch alterslos hellgelb im Glas und der erste Eindruck der Nase ist “Rauch”, direkt nach dem Öffnen wirkten die einzelnen Bestandteile des Weins noch etwas auseinander strebend. Nach einer Viertelstunde Luftzufuhr hat sich der Wein aber gefangen und die Show geht los. Die rauchigen Töne werden von etwas Williams-Birne abgerundet, die ganz leicht schweißigen Noten verlieren sich und der Wein zeigt seinen unglaublich trink animierenden, verschwenderischen Charakter. Die spielerische Säure hält alles zusammen und ich muss mich beherrschen, von der Flasche noch etwas für den nächsten Tag zurückzubehalten. Am zweiten Tag in der Flasche ist der Wein etwas schlanker und minzige, kräutrige Noten tauchen auf. Der Wein ist wirklich auf den Punkt gereift, lediglich am Rand der Wahrnehmung deuten minimale Petrolnoten auf das Alter dieser Spätlese hin. Dieser Riesling wird sicher auch in 5 Jahren noch Spaß machen. Dann kann ich aber auch langsam den 99er antesten…

Fehlt nur noch der Link zur Übersicht aller Beiträge der Weinrallye 43 zum Thema Riesling Spätlese.

Weinrallye Gastbeitrag: Pölicher Held Alte Reben Riesling Spätlese 2007

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 11:02

Gastbeitrag des Bonner Food-Fotografen Frank Fremerey (Fotokontext.de) zur Weinrallye #43 Riesling-Spätlese:

Ralf hat mich eingeladen, etwas zur Weinrallye in seinen Blog hineinzuschreiben. Ich will dieser Bitte gerne nachkommen, zur Gewohnheit soll das aber nicht werden. Ich habe mich bewusst vorher nicht über diesen Wein informiert, damit mein Urteil nicht verwässert wird.

VKN: Feuerstein mit Stachelbeere

Der Kandidat im Glas heißt „Berweiler Riesling Spätlese 2007 Pölicher Held – Alte Reben“ vom Weingut Berweiler-Merges aus Leiwen*. Ich habe ihn zunächst gemeinsam mit Ralf Kaiser pur, zwei Tage später mit meiner Frau und einen Freund zum Abendbrot (mehlige Salzkartoffeln, Weißwurst, süßer Senf, Apfelmus) verkostet.

Frisch entkorkt entströmt dem Wein ein intensives Feuersteinaroma, das sich auch im Mund fortsetzt. Wenn er im Glas wärmer wird, ergibt sich so etwas wie eine „zweite Nase“, die unter dem weiter dominierenden Feuerstein zu liegen scheint und frisch, säuerlich und fruchtig wirkt, ohne, dass ich eine bestimmte Frucht benennen könnte. Eher gelbes Obst als rotes.

Im Mund erscheint der Wein mir weich mit wenig Nachhalt und kaum Alkohol, er ist süß aber nicht übermäßig störend oder klebrig. Seine cremige, ölige Art ist vom Feuerstein überlagert, etwas Mirabelle vielleicht. Ab der Mundmitte passiert nicht mehr viel, etwas dünn, etwas wässrig wirkt er dann für meinen Geschmack. 86 Punkte.

Nach zwei Tagen in der verschlossenen Flasche im Kühlschrank zeigt der Wein sich in besserer Form, sodass ich empfehlen will, ihn vor dem Trinken gründlich zu belüften.

In der Nase ist der Feuersteineindruck etwas abgemildert, weniger dominant. Dafür riecht er nun warm und sehr komplex, vielleicht ein wenig klebrig-süß mit deutlichen Anklängen von Stachelbeere und etwas Mirabelle.

Im Mund kommt die Konzentration, der Extrakt nun wesentlich besser zur Geltung. Ein Freund will neben der Stachelbeere auch noch Erdbeere geschmeckt haben, was ich nicht nachvollziehen konnte. Der Wein ist nach wie vor recht kurz und reißt keine Bäume aus, weil die profunde Süße nicht durch ein solides Säuregerüst getragen wird. Die Säure bleibt wie auch der Alkohol verhalten im Hintergrund wirkt eher cremig. Ich schätze eher stahlig-strahlige Säure auch und besonders in Süßweinen.

Nach gründlicher Belüftung erhält der Wein gegenüber dem Ersteindruck einen Bewertungspunkt mehr. 87 Punkte. Was gut gefällt, ist die Viskosität: „Wie flüssiger Honig“ meint meine Frau und will direkt eine Kiste davon ordern: „Superlecker“ lautet das Urteil der Weißweinliebhaberin.

*Berweiler-Merges Klaus
Euchariusstraße 35
54340 Leiwen, Deutschland
06507 3285
weingutberweiler.de‎

Ein Beitrag über den gleichen Wein vor zwei Jahren mit einigen Infos über das Weingut findet sich übrigens hier. Fehlt nur noch der Link zur Übersicht aller Beiträge der Weinrallye 43 zum Thema Riesling Spätlese.

Weinrallye Gastbeitrag: Die Riesling Spätlese - aus Sicht eines Moselwinzers

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 00:01

Gastbeitrag des jungen Moselwinzers Karl-Josef Thul zur Weinrallye #43 Riesling-Spätlese:

Riesling und Spätlese sind mit Sicherheit, was den deutschen Weinbau anbelangt, die bekanntesten Begriffe. Gerade im englischsprachigen Ausland wird Spätlese und Riesling oftmals mit deutschem Wein gleichgesetzt.

Seit der Entdeckung der späten Lese mit Edelfäule-Anteil, der Sage nach auf Schloss Johannisberg, erlebte der Begriff vielerlei verschiedene Bedeutungen.

Erst durch neue Kellertechnische Verfahren wie die Sterilfiltration beispielsweise wurde es Anfang der 1900er Jahre möglich fruchtsüße biologisch halbwegs sicher abzufüllen. Vorher waren die Weine „durchgegoren“ und lagerten bis zum Erreichen einer gewissen Stabilität im Fass. So ging es mehr oder weniger glücklich durch weite Dekaden, bis in der Nachkriegszeit ein großer, und auch verständlicher Drang auf alles süße und fruchtige in Deutschland einsetzte. Wer könnte es den Deutschen nach langen Jahren der Entbehrung nun in der Zeit des Wirtschaftswunders auch verdenken. Das Weingesetz von 1971 ermöglichte auch großen Kellereien die industrielle Versorgung mit süßen Weinen. Der Begriff der Spätlese, vormals Garant und Synonym für hochwertige Rieslingweine verlor an Bedeutungskraft. Geradezu lächerlich geringe Auflagen an Erntemenge und Reife und das Aufkommen neuer Rebsorten wie Bacchus, Optima und Ortega ermöglichten es dem Winzer selbst unter schwierigen klimatischen Bedingungen stets dem Gesetz genüge zu tun.

Spätlese ist heute nur noch ein Prädikatsbereich. Es gibt sie durch alle Rebsorten und Geschmacksstufen und gerade das ist ein Problem. Die Riesling Spätlese hat nämlich das Zeug zum deutschen Profilwein!

Vor allem an der Mosel, dem Mittelrhein dem Rheingau und an der Nahe wachsen fruchtsüße Spätlesen, welche sonst nirgendwo in dieser Klasser erzeugt werden können.

Im Rahmen der neuen EU Weinmarktordnung wäre es möglich ein für den Verbraucher leicht zu durchschauendes System zu etablieren. Nach dem Grundsatz „Je enger die geographische Angabe, desto höher die Qualität“ könnte man Gebiets, Orts, und Lagenweine produzieren.

In den oben genannten Gebieten würde es sich anbieten den Begriff der Spätlese auf die Rebsorte Riesling zu beschränken und dem Begriff ein Profil zu geben. Warum nicht den Restzuckergehalt auf 50-100 g/l begrenzen und den Alkohol auf maximal 10 % vol.?

In der heutigen Weinbaupraxis geht der Trend leider oft genug hin zum Abstufen. So werden Auslesen als Spätlesen und Kabinette deklariert. Mit Sicherheit kein Nachteil für den Verbraucher aber wenn man ein wieder erkennbares Profil schärfen möchte der falsche Weg.

Der Spätlesestil leicht, fruchtig und weitestgehend ohne Einflüsse von Botrytis ist beim Verbraucher etabliert und macht eine einfache und erkennbare Abgrenzung zur Auslese möglich.

Zum Wein:

2009 Riesling Spätlese Detzemer Maximiner Klosterlay - Weingut K-J Thul

Am 1. November 2009 wurden die Trauben für diesen Wein geerntet. Vorhergegangen war ein Lesedurchgang bei dem alle mit Botrytis befallenen Trauben selektiert wurden zur Erzeugung einer edelsüßen Auslese. Somit konnten die verbliebenen gesunden Beeren noch die letzten Sonnenstrahlen einfangen.

Der Most wurde spontan bis zum natürlichen Gärstillstand vergoren, und hat einen Restzuckergehalt von 75 g/l.

Das harmonische Süße/Säurespiel, die floralen Noten von Flieder und hellen Blüten sowie die Citrus und Pfirsicharomen geben dem Wein seinen unverwechselbaren Charakter. Mit 7,5 vol. % Alkohol sehr leicht und animierend.

Der Wein passt perfekt zum warmen Rucolasalat mit Meeresfrüchten und Parmesan.

Weinrallye Gastbeitrag: “Riesling, Riesling, nur du allein…

Kategorie: Wein, Weinrallye — Weinkaiser @ 00:01

Gastbeitrag des schweizer Weinautors und Wein-Plus Kolumnisten Peter Züllig zur Weinrallye #43 Riesling-Spätlese: …sollst stets der Wein meiner Träume sein!”

Ja, die Weinrallye ist endlich angekommen, dort wo die deutschen Herzen schlagen, beim Riesling. Zugegeben, als „Ausländer“ bin ich nicht zuständig für eine objektive Betrachtung, eigentlich bin ich nur Randfigur, der das Wunder Riesling nicht versteht, nie verstehen wird. Meine deutschen Weinfreunde vermitteln mir diesen Eindruck, immer und immer wieder, vor allem wenn ich bei deutschen Winzern fast schüchtern – oder eingeschüchtert - nach Rotweinen - oder noch viel schlimmer - nach Chardonnay oder Weissburgunder frage. Nein, Riesling muss es sein und zwar – wenn man nicht gerade an der Mosel ist – trockener. Wenn ich mit meinen deutschen Weinfreunden gar in andern als deutschen Weingebieten unterwegs bin, zum Beispiel in Frankreich -  dann reisen in ihrem Gepäck auch immer Rieslinge mit: Reparaturweine!

Und wenn ich ab und zu – ob all der Rieslinge-Euphorie – den Absolutheitsgrad in Frage stelle, dann werde ich in die Schublade: „Der mag halt keine Rieslinge“ abgelegt. Es kommt mir vor, als würde man mir immer wieder die modifizierte Gretchenfrage stellen: „wie hast es du mit dem Riesling?“ Erwartet wird ohnehin nur ein Ja oder Nein, denn was meist folgt gleicht eher einer Inquisition, denn die Scharfrichter stehen überall bereit.

Nun ja – ich habe es überlebt, bis heute. Obwohl ich Peter heisse, habe ich die Petrus-Sünde nie begangen, den Herrn und Freund Riesling nie verleugnet. Auch nie in Frage gestellt, dass es in Deutschland die besten Rieslinge gibt und dass der Riesling ein ausgezeichneter Wein ist, sozusagen das Weinaushängeschild Deutschlands.

Wenn nun die Wein-Rallye endlich wieder einmal dem Riesling nachspürt, zeigt sich die Popularität der Fahrt schon bei den Anmeldungen: Es sind bereits 24 Zusagen und es werden noch mehr, davon bin ich überzeugt. Bei andern, vielleicht etwas sperrigeren Themen – zum Beispiel „Wein und Humor“ oder „Autochthone Rebsorten“ – waren es die Hälfte oder ein Drittel, die schliesslich in die Blogs eingestiegen sind. Dies soll keine Schelte sein, sondern ein Hinweis auf die Popularität des Themas.

Nun denn – so bin auch ich in den Keller gestiegen. Habe als Weinliebhaber mit schlechtem Riesling-Ruf nach einer Spätlese geforscht und bin – wer hätte es gedacht – fündig geworden. (weiterlesen…)