Das Pfälzer Barrique Forum präsentierte vergangenen Freitag im Ketschauer Hof zu Deidesheim vor Presse und Fachpublikum 24 Weine von 17 Winzern, die zuvor in einer zweitägigen verdeckten Verkostung von einer unabhängigen Jury als die besten der 120 angestellten Weine ausgewählt wurden. Sie dürfen seitdem den vereinsinternen Titel „GROSSER WEIN“ tragen.
Im Gegensatz zu diversen anderen Preisen wird dieser Titel nicht mit der Gießkanne vergeben. Das 1993 gegründete Pfälzer Barrique Forum hat mittlerweile 48 Mitgliedsweingüter, die üblicherweise nur ihre besten Barriqueweine zum Wettbewerb anstellen, aus denen dann von einer 20-köpfigen Jury die besten ausgewählt werden. Zudem müssen alle prämierten Weine mit mindestens 4 von 5 Punkten (nach dem amtlichen Prüf&Bewertungsschema) bewertet sein. Teilnehmende Weißweine müssen für mindestens 6 Monate in getoasteten Barriques reifen und dürfen frühestens 12 Monate nach der Lese vermarktet werden, die Rotweine liegen mindestens ein Jahr lang im kleinen Holzfass und kommen frühestens 20 Monate nach der Lese in den Verkauf.
Den rund 100 Fachbesuchern im Ketschauer Hof wurden fünf Weiß- und 19 Rotweine präsentiert. Sie stammen aus den Jahrgängen 2009 (die 5 Weißweine), 2008 (10 Rotweine) und 2007 (8 Rotweine). Die prämierten Weißweine wurden aus den Burgundersorten Chardonnay und Weißburgunder erzeugt; die Roten aus Spätburgunder, Frühburgunder, St. Laurent, Dornfelder, Dunkelfelder, diversen Cabernet-Sorten und Merlot.
Am 12./13. Mai 2011 wird die Kollektion der Großen Weine 2011 im Kurhaus in Bad Dürkheim auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Rund dreißig der besten Weingüter Südtirols hatten zur Präsentation ihrer aktuellen Kollektionen ins Hamburger 5-Sterne-Hotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee geladen.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es die Gelegenheit, sich von Hendrik Thoma in einem restlos ausgebuchten Seminar “Von klassisch bis Riserva - Südtirols Weißburgunder-Spektrum” durch unterschiedlichste Vertreter der selben Rebsorte zu probieren und sich nebenher mit einem interessanten Referat über aktuelle Entwicklungen in Südtirol informieren zu lassen. Die Weißburgunder reichten vom frischen und mineralischen “Strahler” (Südtiroler Begriff für als gemischter Satz gekelterte Weine - hier mit je 4% Grauburgunder und Chardonnay) mit Apfel-Birne-Aromen und animierender Säure, über cremigere Varianten mit etwas Holzeinsatz und BSA (biologischer Säureabbau, der auch malolaktische Gärung genannten Umwandlung von aggressiverer Apfelsäure in mildere Milchsäure) bis zu einem fetten Vertreter, der durch starkem Holzeinsatz und intensive Battonnage an für meinen Geschmack etwas zu bitter geratene Bittermandeln im Holzmantel erinnert.
Hendrik Thoma ist neben Frank Kämmer und Christian Bock einer von nur drei Master Sommeliers im deutschsprachigen Raum. Die Prüfung zum Master Sommelier gilt als mindestens ebenso große Herausforderung wie der Master of Wine, da hier neben perfekten Weinkenntnissen in Theorie und Praxis (Blindverkostungen) auch Expertenwissen zu Themen wie Spirituosen, Zigarren oder Service verlangt wird.
Später hat Hendrik mit seiner Flip-Minicam noch ein spontanes Interview über meine Verkostungseindrücke des Tages mit mir geführt. Als ich noch dachte, Hendrik wollte nur ein Foto machen, war ich bereits mitten im Interview…
Neben den separaten Verkostungstischen der einzelnen Produzenten gab es in der Mitte des Verkostungssaals des Grand Elysée eine freie Verkostung mit mehr als vierzig Weinen der autochthonen (einheimischen) Südtiroler Rebsorte Lagrein (entfernt mit Syrah verwandt), die mit 416 ha genau 8 % der Weinbergsfläche Südtirols (also insg. 5200 ha) einnimmt. Eine Rebsorte, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat, denn was ich hier verkosteten konnte machte durchweg Spaß und das zu (gerade für Italien) erstaunlich guten Preisen. Insgesamt werden in Südtirol jährlich ca. 330.000 Flaschen Wein produziert, davon 56% Weißwein und 44% Rotwein. Wohl nirgendwo sonst haben Genossenschaften einen so großen Anteil und auch eine in der Breite so hohe Qualität wie hier: Die 14 lokalen Genossenschaften erzielen 70% der jährlichen Traubenproduktion, weitere 39 Weingüter stellen 25% der Produktion und die über hundert kleinen Eigenbauwinzer nur 5% der Produktion. Noch vor dem Lagrein ist die in Deutschland als Trollinger bekannte Rebsorte Vernatsch wichtigste autochthone Rebsorte Südtirols uns stellt auch mit mehr als 22% den größten Anteil aller Rebsorten in Südtirol. Auch der Gewürztraminer hat seine Heimat hier und macht etwa 9% der Fläche aus.
Am hinteren Ende des Saals ist auch die, in Anlehnung an die wunderbaren Ansitze Südtirols hier Ansitz 2.0 genannte, Zone für Online publizierende, in der an alles gedacht war, was des Onliners Herz begehrte: Stromversorgung am Tisch, WLAN, und die Möglichkeit sich vom ebenso freundlichen wie kundigen Service sämtliche Weißweine am Platz servieren zu lassen. Hier die Weinautoren Mario Scheuermann und Helmut O. Knall, der eigens aus Wien angereist war, an ihren Tischen im Ansitz 2.0
Die Weine der Cantina Terlan gehörten erwartungsgemäß zu den Highlights der Veranstaltung. Vor allem der Sauvignon blanc “Quartz” zählt seit Jahren zu meinen Lieblingsweinen, der zwar mit 22-28 Euro zu den eher teueren Vertretern dieser Rebsorte zählt, aber auch in diesem Jahrgang 2008 sein Geld wieder absolut wert ist. Deutlich schlanker aber mit seiner feinen Mineralik auch nicht unspannend war der 2007er Terlaner Weißburgunder Riserva aus der 700-900 Meter hoch gelegenen Steillage Vorberg (12-15 Euro).
Cantina Terlan wurde im Jahr 1893 von 24 Weinbauern als eine der ersten Kellerei-Genossenschaften Südtirols gegründet. Heute hat die Kellerei Terlan mit ca. 100 Mitgliedern eine Anbaufläche von 150 ha und eine Gesamtjahres-Produktion von 11.000 hl bzw. 1,2 Mio. Flaschen. In der Vinothek der Kellerei lagern aktuell ca. 12.000 Flaschen aller Jahrgänge von 1955 bis heute, einzelne auch von noch früher. Die ältesten Flaschen stammen aus dem Gründungsjahr. (weiterlesen…)
Wie bereits berichtet, stellte das Weingut St. Antony aus dem rheinhessischen Nierstein in diesem Jahr einigen Weinbloggern und der Twitter-Weinszene einige seiner Weine vor der offiziellen Markteinführung zum Test zur Verfügung. Unter dem Link findet sich auch ein Weingutsportrait. Waren es im Ende Februar der Riesling Bodenschatz 2009 und der 2009er Rose, so sind es diesmal der Riesling Rotschiefer 2009 und Weißburgunder 2009.
St. Antony Weißburgunder 2009
Der mit Schraubverschluss (Stelvin+) verschlossene Weißburgunder 2009 stammt aus Trauben aus der Umstellung zum ökologischen Landbau. Helles Gelb, für einen Stillwein noch richtig kräftige Kohlensäure, sehr milde Säure, schöne Nussaromen, Zitrus, Quitten, wirkt sensorisch nicht absolut trocken. Das feine leichte rheinhessische Gegenmodel zu den kräftigen Badischen Weißburgundern. Vielseitiger Speisenbegleiter auch für all jene, die bei Riesling ein Säureproblem haben. Wirkt abgesehen von der Kohlensäure schon deutlich harmonischer und trinkfertiger als der Rotschiefer Riesling. 83P
St. Antony Riesling Rotschiefer 2009
Der Rotschiefer kommt in sehr hochwertiger Ausstattung mit Glasverschluss daher und enthält laut Etikett einen Riesling aus alten Reben in Steillagen die in ökologischen Anbau bewirtschaftet werden. Der Wein ist einfach noch sehr jung, hat noch etwas Kohlensäure, eine schöne frische Säure, saftige Frucht mit Noten von Pfirsich, Limonen und Stachelbeeren, etwas cremiges mit einem Hauch Vanille, durch ein wenig Gerbstoffe ein angenehm herbe Note und eine leichte mineralische Würze. Mit 13% Vol. ein Hauch zu viel Alkohol. Mir scheint, für Rieslinge dieser Klasse ist 12,5 % Vol. der ideale Alkoholgehalt. Ich habe den Wein über 5 Tage getrunken, er verlor nur etwas seiner frische, blieb ansonsten sehr stabil. 87+P
Neben seinem Sortiment an klassischen Discounter-Weinen führt ALDI-Süd seit etwa drei Jahren regelmäßig zeitlich oder mengenmäßig begrenzte Aktionen mit hochwertigeren Deutschen Weinen durch:
Der Rheingauer VDP-Winzer Hans Lang lieferte 2008 beispielsweise 60.000 Flaschen Riesling Classic, die zu 7,99 Euro in den Regalen standen. Das ebenfalls zum Verband der Prädikatsweingüter (VDP) zählende Mosel-Weingut S.A. Prüm aus Bernkastel lieferte im letzten Jahr Weine vom einfachen Kabinett bis zu Goldkapsel-Auslesen aus den Top-Lagen Graacher Himmelreich (Jahrgänge 2003 und 2005) und Wehlener Sonnneuhr (2005) die für 19,99 in den 1300 ALDI-Süd Filialen standen und in Windeseile ausverkauft waren. Dieses Jahr kam aus den Reihen des VDP noch das Weingut Blankenhorn aus Schliengen in Baden dazu, dessen 2007er Spätburgunder aktuell für 6,99 Euro bei ALDI-Süd zu haben ist.
All diese kleineren Aktionen in Zusammenarbeit mit bekannten deutschen Winter werden allerdings (zumindest mengenmäßig) durch die Edition Fritz Keller in den Schatten gestellt: Als dieses Projekt unter der Regie des VDP-Urgesteins Fritz Keller aus Oberbergen am Kaiserstuhl im letzten Jahr erstmals durchgeführt wurde, beteiligten sich 432 aus ganz Baden und machten so die Menge von 350.000 Flaschen identischen 2007er Weißburgunders möglich. Am aktuell zu 5,99 Euro verkauften Jahrgang 2008 sollen sich mehr als 750 Winzer beteiligt haben, so dass die abgefüllte Menge bei über einer halben Million Flaschen liegen dürfte. Dazu kommen noch einmal ähnliche Mengen eines 2008er Rosé (5,99) und eines 2007er Spätburgunders, die ebenfalls aktuell als Edition Fritz Keller angeboten werden (6,99 Euro). Für die beteiligten Winzer war Ertragsreduzierung durch Traubenteilung und reduzierte Düngung, ausgesuchte Rebflächen mit einem Mindestalter von 10 Jahren und selektive Handlese Voraussetzung, um Trauben für diese Regional-Cuveé einliefern zu dürfen. (weiterlesen…)