23. Februar 2013

Falstaff Wein Trophy 2013

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 10:34

Zum drittem Mal vergab die Deutsche Ausgabe der Zeitschrift Falstaff am Wochenende ihre Wein Trophy. Im Essener Schlosshotel Hugenpoet traf sich aus diesem Anlass das Who-is-Who der deutschen Weinszene. Gleichzeitig war der Abend auch Teil des zweiwöchigen Gourmetfestivals Wein und Lebensart Ruhr 2013 und damit offen für alle zahlungskräftigen Weinfreunde der Region. Rund 160 Gäste feierten mit den Nominierten und Ausgezeichneten in den wunderbar restaurierten Sälen von Hugenpoet.


In seiner heutigen Form wurde das Schloss, nach kompletter Zerstörung während des 30-jährigen Krieges, im Jahre 1647 wiedererrichtet. Seit 1995 führt der aktuelle Inhaber und Schlossherr, Michael Lübbert, die Geschäfte des Luxushotels, dessen Spitzenrestaurant seit einem Jahr auch mit einem Michelinstern ausgezeichnet ist.

Zu Beginn der Veranstaltung präsentierten alle nominierten Weingüter eine Auswahl ihrer Weine und Sekte. Durch die anschließende Preisverleihung führte Falstaff-Herausgeber Hans Mahr.

War für die Nominierungen noch ausschließlich die Falstaff-Redaktion um Peter Moser verantwortlich, wurde die anschließende Auswahl der Gewinner auf eine deutlich breitere Basis gestellt. Eine fachkundige 50-köpfige Jury, bunt besetzt von Winzerblogger Dirk Würtz bis zu den Spitzen-Sommeliers Gerhard Retter und Hendrik Thoma traf die Entscheidung in geheimer Abstimmung.

Die Laudatio auf den Winzer des Jahres lies sich Falstaff-Chefredakteur Peter Moser natürlich nicht nehmen. Der seinen Betrieb in dritter Generation führende Hansjörg Rebholz arbeite vor allem im Weinberg “mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers” und bringe so konsequent biodynamische Weine auf die Flasche, die nach einigen Jahren Reife und Entwicklung in voller Schönheit aufblühten.

Neben Hansjörg Rebholz vom Pfälzer Weingut Ökonomierat Rebholz die beiden ebenfalls als “Winzer des Jahres” nominierten Werner Schönleber (Weingut Emrich-Schönleber, Nahe) und Gunter Künstler (Weingut Künstler, Rheingau).

Der Preis für die Newcomerin des Jahres ging an Eva Fricke vom Weingut Eva Fricke in Kiedrich/Rheingau. Laudator Roman Niewodniczanski, bei dem sich Eva Fricke zu Beginn ihrer Karriere einmal auf ein Praktikum beworben hatte und der seither ihren Weg verfolge, zog seinen imaginären Hut und bekannte, ob der Qualität ihrer Weine sei er “schlicht von den Socken”.

Die Newcomerin des Jahres mit den für ihr Crossmosel-Projekt gemeinsam nominierten Lea Linster und Maximilian von Kunow (Weingut von Hövel, Saar) sowie Michel Städter (Chat Sauvage, Rheingau).

Der Titel Sommelier des Jahres ging an Jens Pietzonka vom Restaurant bean & beluga in Dresden.

Die Laudatio auf Pietzonka, der nach Stationen im Baden-Badener Schlosshotel Bühlerhöhe, der Villa Merton bei Frankfurt und im Söl’ring Hof auf Sylt zurück in seiner Heimatstadt Dresden ist, wo er alljährlich auch den Service des Semperopernball leitet, hielt Marcus Macioszek, Marketingleiter von Gerolsteiner.

Sommelier des Jahres Jens Pietzonka mit beiden ebenfalls nominierten Sven Oetzel (Restaurant La Vie in Osnabrück) und Stefanie Hehn (Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern am Tegernsee).

Fritz Keller ist nicht nur Inhaber des Weinguts Franz Keller - Schwarzer Adler in Oberbergen am Kaiserstuhl, des Sterne-Restaurants Schwarzer Adler mit angeschlossenem Hotel der Extraklasse sowie eines auf große Bordeaux- und Burgunder-Weine spezialisierten Weinimports. In einer seiner diversen Nebentätigkeiten ist er zugleich 1. Vorsitzender des Fußballbundesligisten SC Freiburg. So erklärt sich die Verbindung zu seinem langjährigen Freund, Fußballkommentator Marcel Reif, der die Laudatio auf den mit der Falstaff Wein Trophy 2013 für sein Lebenswerk als Winzer ausgezeichneten Fritz Keller hielt.


Neben seinem eigenen Weingut leitet Keller seit 2006 das VITIS-Projekt, bei dem inzwischen mehrere hundert kleine Badische Weinbauern unter genauen Vorgaben und Kontrollen Trauben zuliefern, die dann mit modernster Kellertechnik verarbeitet werden und mittlerweile ganzjährig als Weine der “Edition Fritz Keller” in ALDI-Märkten zu finden sind. Für diese in Millionenauflage erzeugten Editionsweine werden Flaschenpreise von bis zu 10 Euro aufgerufen, was für den Discounter den Super-Premium-Bereich darstellt, höhere Traubenpreise als zuvor ermöglicht und so vielen kleinen Weinbauern die Existenz sichert.

Keller, der nach einem Sieg “seines” FC Freiburg beim Auswärtsspiel in Bremen am Nachmittag, schon bestens gelaunt die Veranstaltung betrat, war von der überraschenden Auszeichnung sichtlich gerührt. Im Gegensatz zu vielen anderen Preisverleihungen, wo die Sieger lange vorher bekannt sind, wurden beim Falstaff nur wenige Mitarbeiter der Redaktion und die Laudatoren vorher eingeweiht. Publikum und Nominierte mussten sich überraschen lassen, was sicher zur guten Stimmung im Saal beigetragen hat.

Nach der Preisverleihung folgte alternativ eine Küchenparty mit mehreren Gastköchen und ein gesetztes Galadinner mit Köstlichkeiten aus der mit einem Michelinstern ausgezeichneten Schlossküche unter der Leitung von Erika Bergheim.

Anschließend ging es aufs Parkett zur Schlossparty, für die eigens ein regional bekannter DJ verpflichtet wurde. Ein nächtliches Highlight dann noch war die Currywurst, die allen verbliebenen Gästen irgendwann weit nach Mitternacht serviert wurde.

Die komplette Fotoserie mit 50 Bildern vom Abend gibts auf unserer Weinkaiser-Facebookseite (auch ohne bei Facebook angemeldet zu sein).

4. Oktober 2012

Deutschlands größtes Champagner-Tasting

Kategorie: Schaumwein, Veranstaltungen — Weinkaiser @ 21:55

Es war eine historische Verkostung im Meininger Verlag. Nicht weil die verkosteten Champagner alle besonders alt und reif waren, sondern weil noch nie zuvor ein Champagner-Tasting solchen Ausmaßes in Deutschland stattfand. Insgesamt standen 215 unterschiedliche Champagner, die alle noch auf dem deutschen Markt erhältlich sind, zur Bewertung an. Für mich war es die zweite hochkarätige Champagner-Verkostung innerhalb eines Monats. Bei Mundus Vini wurde ich als Juror dem Tisch zugeteilt, an dem über drei Tage so ziemlich alle großen Champagner bis zurück zum Jahrgang 1995 eingeschenkt wurden. Highlight war dabei ein Champagne Charles Heidsieck Blanc des Millenaires 1995, der von den sieben Juroren (aus D, CH, MEX, JAP und AUS) am Tisch dreimal 100, dreimal 98 und einmal 97 Punkte bekam (und das ohne jegliche Kommunikation am Tisch, bis alle Sieben ihren Bewertungsbogen abgegeben hatten).

Seit 1998 schreibt Sascha Speicher für den Meininger-Verlag über Champagner. In den nun 14 Jahren hat er sich zu einem der beiden einflussreichsten Champagner-Kritiker Deutschlands entwickelt (der andere ist Gerhard Eichelmann). So ist zu erklären, dass nahezu jeder in Deutschland verfügbare Champagner, von dem seine Produzenten oder Importeure glauben, er halte qualitativ bei einer Blindverkostung mit, eingereicht wird, wenn Speicher und Kollegen im Meininger-Verlag für Champagner-Magazin, Weinwirtschaft und Weinwelt Champagner verkosten.

Vom Genossenschafts-Champagner für 20 Euro bis zu Prestige-Cuvées wie Dom Perignion, Cristal, Le Grande Dame, Louise oder Krug Vintage war alles am Start. Egal welcher berühmte Name aufgeboten wurde, im Ergebnis stand oft das Nachtrauern um den Jahrgang 2002. Ein Roederer Cristal 2005 zum Beispiel ist fraglos ein hervorragender Champagner, der deutlich über 90 Punkte kommt, vom monumentalen 2002er trennen ihn dennoch Welten. Ein paar letzte 2002er waren zum Glück noch im Aufgebot, darunter ein ein großartiger Piper-Heidsieck Brut Cuvée Rare (Foto ganz oben). Der nächste wirklich gute Jahrgang wird erst der 2009er sein. Man wird sich also noch eine ganze Weile gedulden dürfen, bis die üblicherweise mit einigen Jahren Hefelager gereiften Edelcuvées aus diesem Jahrgang auf den Markt kommen.

An meinem Tisch waren vor allem die bekannten jahrgangslosen Markenchampagner vertreten. Dabei besonders gefallen haben mit die Champagner von Gosset, Alfred Gratien (Cuvée Paradis NV) und Piper-Heidsieck (der für mich mit 90-91P für 28 Euro auch der Preis-Leistungssieger an unserem Tisch war). Nachdem man seinen eigenen Tisch fertig verkostet und bewertet hatte, gab es natürlich auch die Gelegenheit, die Highlights der Nachbartische nachzuverkosten und zu diskutieren. Bei den Rosé-Champagnern war für mich Bollinger am überzeugendsten. Eine schöne Bestätigung, mag ich doch seit vielen Jahren den Stil dieses Hauses besonders gerne (mein absoluter Favorit ist dabei übrigens nicht die 200-Euro-Cuvée “R.D.”, sondern der “nur” etwa halb so teure “Le Grande Année”).

Dass Preis und Qualität des Inhalts bei Champagner nicht immer in direktem Zusammenhang stehen, bewiesen die Diadema Cuvées wieder einmal eindrucksvoll. Die mit Swarovski-Kristallen besetzten Brut Rosé und Zero Dosage Flaschen liegen je nach Händler zwischen 85 und 150 Euro, mussten sich aber mit 89 und 81 Punkten begnügen.

Die Teilnehmer der Verkostung:
Susanne Bauer, MEININGERS Weintest
Thomas Boxberger von Schaabner, Extraprima
Götz Drewitz, Vinaturel
Richard Grosche, Chefverkoster MEININGER VERLAG
Michael Hornickel, Vorstand MUNDUS VINI
Ralf Kaiser, Weinkaiser.de
Christoph Nicklas, MEININGER VERLAG
Florence Paxmann, Champagner & Genuss
Volker Raumland, Sekthaus Raumland
Christina Speicher, Weinkellerei Kirchmayr (Österreich)
Sascha Speicher, MEININGER VERLAG

Die genauen Ergebnisse in der nächsten Ausgabe der Weinwelt und im Champagner-Magazin.

9. Juli 2012

Preisverleihung Ahrwein des Jahres 2012

Kategorie: Wein — Weinkaiser @ 22:41

Wenn alle an einem Strang ziehen, kann alles sehr schnell gehen. Am 27. März 2012 wurde der neu ins Leben gerufene Weinwettbewerb „Die besten Spätburgunder des Ahrtals“, kurz “Ahrwein des Jahres” erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 25. Juni, also weniger als drei Monate später, wurden nun die ersten Sieger bekanntgegeben.

Spätburgunder ist die wichtigste Rebsorte im Ahrtal und zugleich die wohl weltweit, zumindest in Fachkreisen, am höchsten angesehene rote Rebsorte. Das von Alexander Kohnen in Ahrweiler gegründete International Wine Institute (IWI) und die Kreissparkasse Ahrweiler (KSK) haben Anfang des Jahres die Initiative für diesen neuen Weinpreis übernommen und auch das Land Rheinland-Pfalz mit ins Boot geholt. Das ist insofern wichtig, dass in Deutschland nur mit Erfolgen bei amtlich anerkannten Weinwettbewerben auf den Flaschen (z.B. mit Aufklebern, Medaillen oder Plaketten) geworben werden darf.


Mit der Aufspaltung in die Kategorien „Klassiker“, „Premium“ und „Kultwein“ schaffte man die nötigen Rahmenbedingungen, dass auch die renommierten VDP-Betriebe an diesem Wettbewerb teilnehmen. Wenn es nur eine Kategorie gibt, ist vielen erfolgreichen Betrieben das Risiko regelmäßig zu hoch, dass ihr berühmtes Großes Gewächs für 60 Euro und mehr plötzlich vom 9-Euro-Wein eines unbekannten Nachbarn geschlagen wird.

„Mit den begehrten Auszeichnungen möchte das IWI auf die erstklassigen Spätburgunder national und international hinweisen. „Das Preis-/Genussverhältnis ist weltweit betrachtet sehr gut. Den Weinabsatz in der Region zu fördern und auf die Kulturregion mit ihren vielen Facetten und Freizeitangeboten hinzuweisen, ist das Ziel dieses Wein-Wettbewerbes“, so Alexander Kohnen, Inhaber der internationalen Schulungsinstitution für Sommeliers und Weinhändler.

In Vertretung von Weinbauministerin Ulrike Höfken nahm der stellvertretende Amtsleiter des Weinbauministeriums, Helmut Caspary an der Preisverleihung teil. Caspary wies noch einmal darauf hin, dass der Wettbewerb nicht nur vom Land Rheinland-Pfalz amtlich anerkannt ist, sondern dass das Prüf- und Bewertungsverfahren durch eine unabhängige Kommission neutral und verdeckt durchgeführt wurde. Caspary lobte die Initiative des IWI und der KSK und fügte an, er wünsche sich ähnliche Weinpreise in den benachbarten Regionen.

Verkostet und bewertet hat die Jury die ausschließlich trockenen Spätburgunder am 11. Juni 2012 in den Kategorien:

Klassiker“ für traditionelle Weine mit sehr gutem Preis-/Genussverhältnis,
Premium“ für Weine mit höchster Qualität und
Kultweine“ für Spätburgunder von großem internationalem Format.

Das Niveau der angestellten Weine war durchweg sehr hoch, daher auch die hohe Quote der prämierten Weine: Es gab 61 Anstellungen, davon wurden 51 Weine mit „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ prämiert und dürfen die begehrte „Ahrtal-Vignette“ auf der Flasche als Gütezeichen tragen.

Die Ahrweine des Jahres 2012:

Kategorie „Klassiker“:
2011er Coels’sche Spätburgunder Qualitätswein trocken
Weingut Franz Coels (Ahrweiler)

Kategorie „Premium“:
2010er Spätburgunder Caspar „C“
Weingut Deutzerhof (Mayschoss)

Kategorie „Kultwein“:
2009er Ahrweiler Rosenthal Großes Gewächs
Weingut Jean Stodden (Rech)

Die Jury bestand aus einigen der zurzeit besten deutschen Spätburgunder-Verkostern:
Carsten Henn, Buchautor und Stv. Chefredakteur des Gault Millau Weinguide,
Caro Maurer, die erste Deutsche Master of Wine (MW),
Christina Fischer, bekannte Sommelière und Weinbuchautorin,
Stephan Reinhardt, Autor und Chefredakteur des Weinwisser,
Christoph Dirksen, bekannter Weinhändler aus Bonn,
Steffen Schindler, Marketingdirektor des Deutschen Weininstitutes,
Michael Schmidt, Deutschland-Experte der Purple Pages von Jancis Robinson.

Der erfolgreiche Gastronom und Koch Jean-Marie Dumaine vom Restaurant Vieux-Sinzig, Ahrwein des Jahres-Initiator Alexander Kohnen und der Juryvorsitzende Carsten Sebastian Henn im Gespräch.

5. Juli 2012

Finalverkostung und Ergebnisse best of riesling 2012

Kategorie: Veranstaltungen, Wein — Weinkaiser @ 22:28

Vor wenigen Wochen fand die Verkostung zur siebten Ausgabe von best of riesling statt, nun wurden die Ergebnisse bekannt gegeben. Dieser im zweijährigen Abstand durchgeführte Wettbewerb wird als der wichtigste Riesling-Preis weltweit angesehen. Sowohl das Feld der angestellten Weine wie auch die Jury sind international besetzt. Veranstalter von best of riesling ist das Bundesland Rheinland-Pfalz, das mit Mosel, Nahe, Pfalz, Rheinhessen und Mittelrhein gleich fünf der wichtigsten Riesling-Anbauregionen der Welt stellt.

Mit der Durchführung der traditionell in Neustadt an der Weinstraße ausgetragenen Veranstaltung war in diesem Jahr erstmals der ebenfalls in Neustadt ansässige Meininger Verlag betraut. Die Vorrunden-Verkostung fand wie in den vergangenen Jahren im DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) Neustadt statt, die Finalverkostung im Hambacher Schloss.


In der ersten Runde galt es 2372 Rieslinge aus elf Ländern von vier Kontinenten zu Verkosten und Bewerten.

Sowohl in der ersten Runde wie auch im Finale wurden alle Weine blind serviert und es galt für jedes Jurymitglied, zu jedem Wein einen recht umfangreichen Auswertungsbogen auszufüllen. In meinem Beitrag zu best of riesling 2010 habe ich das von Professor Ulrich Fischer entwickelte Sensorik- und Bewertungsformular, das auch bei MundusVini verwendet wird, abgebildet und näher erläutert.

Bei der über drei Tage ausgetragenen ersten Runde haben 164 Jurymitglieder 47 Jurys gebildet (da waren nie nur drei Personen in einer Jury, sondern die Zusammensetzung der einzelnen Verkostungstische/Jurys wurde täglich neu durchgemischt, daher die hohe Anzahl der Jurys). Insgesamt wurden in diesem drei Tagen 417 Weine fürs Finale ausgewählt. Dafür mussten sie in etwa einen Mindestdurchschnitt von 88-89 Punkten erreichen.

Der Finaltag im Hambacher Schloss begann mit einem Grußwort aus dem rheinland-pfälzischen Weinbauministerium und einer Einführung in den Verkostungsablauf durch Professor Fischer.

Anschließend ging es an zehn Jurytischen mit je etwa sieben Juroren an die Finalverkostung. Mein Tisch hatte dabei in zwei Runden insgesamt etwa 50 Weine der Kategorien I-IV (Details zur Einteilung weiter unten) zu bewerten. Mein persönlicher Eindruck ist, dass das Niveau der zum Finale zugelassenen Weine in den Kategorien II (trockene Rieslinge ab 13% Vol.) und IV (fruchtige Spätlesen) sehr hoch war, die Weine der Kategorie III (halbtrocken) fielen dagegen deutlich ab.

An jedem Tisch gab es eine verantwortliche Person, die besonders auf die Einhaltung der Regularien achtete und u.a. auch bei besonders weit auseinander liegenden Bewertungen darauf hinweisen sollte. An unserem Verkostungstisch war Weinwelt Chefredakteurin Ilka Lindemann die Vorsitzende und sie agierte absolut souverän. Wir hatten beispielsweise mehrere Weine, bei denen sechs Verkoster zwischen 88 und 92 Punkten werteten und ein Verkoster immer wieder nur um die 77 Punkte. Nachdem sich das wiederholte, wurde dieser Juror dann - wie ich finde vollkommen zurecht - einmal gefragt, was konkret er regelmäßig an den Weinen kritisiere, die der Rest des Tisches für hervorragend hielt.

Zwei weitere Mitglieder meines Verkostungstisches: Alexander Kohnen, der Gründer und Leiter des International Wine Institute in Ahrweiler und die Journalistin Remke de Lange aus den Niederlanden.

Einer von 70 standartisierten Arbeitsplätzen mit Landesflagge, Namensschild, drei Verkostungsgläsern der Sensa-Serie von Schott-Zwiesel, Wasser, Ausgießgefäß, einem computerlesbaren Stift, einem einzelnen aber stets wiederkehrenden Brötchen und einem Stapel Auswertungsbögen.

In den Pausen und auch am Morgen vor der Veranstaltung ging es für die Meisten in einen Innenhof des Schlosses.

Ein Blick von außen auf die Austragungsstätte, das wunderbar renovierte Hambacher Schloss, direkt oberhalb der Pfälzer Weinstraße bei Neustadt gelegen.

Vor der Ergebnisliste noch ein paar Details zu den fünf Kategorien, in denen Preise vergeben wurden:

Die Preisträger:

Kategorie I – trocken bis einschließlich 12,5% Alkohol

1. Platz 2011 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Tyrell‘s Edition Spätlese trocken, Weingut Karthäuserhof, Trier-Eitelsbach, Mosel (weiterlesen…)

17. Februar 2012

Vogelsang-Cup der Nordpfalz 2012

Kategorie: Veranstaltungen, Wein — Weinkaiser @ 19:56

Zwei Wochen vor der ProWein, bei der die allermeisten Weingüter ihren neusten Jahrgang vorstellen und auch die ersten Wettbewerbe mit 2011er Weinen beginnen, wurde in Bockenheim an der Weinstraße (Nordpfalz) noch einmal der 2010er Jahrgang auf den Prüfstand gestellt.


Vierzehn Betriebe waren der Einladung zur zweiten Ausgabe des Vogelsang-Cups im Bankettsaal des Landgasthauses Neuhäusel in Bockenheim gefolgt. Der Name des Wettbewerbs leitet sich ab von den Vogelsang-Weinbergslagen der Mittelhaardt in Weisenheim am Berg, Bockenheim an der Weinstraße und Kindenheim.

Die Auswahl der Flaschen auf der großen Verkostungstafel beeindruckte. Siebzig Weine in den Kategorien Weißwein, Rosé und Rotwein galt es zu probieren. Keine leichte Aufgabe für die Jury, bestehend aus Johannes Häge (Betriebsleiter Weingut am Nil/ Kallstadt), dem Weinjournalist Matthias Mangold (Verkoster Pfalz für den Gault Millau) und dem Bockenheimer Weinenthusiasten Hermann Frank.

Die Verkostung zeigte, wie positiv sich die Weinqualitäten auch im nördlichsten Teil der Pfalz entwickeln. Sogar in einem Jahr wie 2010, das durch seine Wetterkapriolen den Winzern alles abverlangte.

Neben der Ermittlung der Sieger stand auch in diesem Jahr wieder der Austausch der Winzer untereinander im Vordergrund des Abends. Und das funktioniert natürlich am Besten über das gemeinsame Thema Wein. neue Kollegen kennenlernen, Kontakte pflegen und miteinander verkosten um sich weiterzuentwickeln.

Das Ergebnis der Jury fiel bei den Weiß- und Roséweinen extrem knapp aus. Gleich zwei Preise wurden für die Rieslinge von Neiss und Lauermann-Weyer vergeben. Gerechterweise hätte es in dieser Kategorie auch noch einen dritter Vogel für den Lagenriesling „vom Taubrunnen“ aus dem Haus Janson-Bernhard geben können.

Ähnlich war es bei den Roséweinen. Der Wandervogel (ein Wanderpokal in Form eines Vogels) ging mit knappem Vorsprung an das Weinhaus Durst für den Rosé Kutschler 2010.

Bei den Rotweinen war die Entscheidung hingegen eindeutig, Axel Neiss konnte die Trophäe für den Spätburgunder „GS“ 2009 mit nach Hause nehmen. Die Juroren sahen sein neu kreiertes Rotweincuvée „That´s Neiss“ auf Platz Zwei der Rotweine.

Bei der Siegerehrung staunte Grünstadt-Land Verbandsgemeindebürgermeister Reinhold Niederhöfer, eigentlich bekennender Biertrinker, nicht schlecht über die vielen jungen Gesichter im Saal. „Ich hatte eine Runde älterer Herrschaften erwartet“. In seiner Laudatio nach der Preisverleihung spornte er die Winzer an, weiter an der Qualität zu feilen und dies auch offensiv nach außen zu tragen.

Das Fazit des Abends: Offenheit und Austausch untereinander sind die Voraussetzung dafür, gemeinsam das Profil der nördlichen Weinlagen der Pfalz zu schärfen und im Bewusstsein der Weinliebhaber zu etablieren. Wir freuen uns auf das nächste Jahr.

Sie nahmen die Wandervögel mit nach Hause:
Preisträger Weißwein: Axel Neiss (Kindenheim) Riesling Alte Reben 2010
Preisträger Weißwein: Lauermann-Weyer (Bockenheim) Riesling Mulde 2009
Preisträger Rosé: Weinhaus Durst (Bockenheim) Rosé Kutschler 2010
Preisträger Rotwein: Axel Neiss (Kindenheim) Spätburgunder GS 2009

Der Vogelsang-Cup der Nordpfalz wurde als Einladungsprobe erstmalig 2011 ausgetragen. Verkostet und prämiert wird der vorhergehenden Jahrgang, wahlweise gereifte Weine. Ziel ist der Austausch der Winzer in der Region untereinander und die Schärfung des Profils der nördlichen Pfalz als Anbaugebiet.

Für das nächste Jahr soll die österreichische Spitzenwinzerin Heidi Schrock aus Rust am Neusiedlersee als Gastwinzerin eingeladen werden, denn mit ihrer Lage Ried Vogelsang gehört sie schließlich auch zu den “Vogelsang-Weingütern”.

Teilnehmende Weingüter: Lauermann & Weyer (Bockenheim), Weingut Neiss (Kindenheim), Weingut Brand (Bockenheim), Janson-Bernhardt (Harzheim/Zellertal), Weingut Benz (Bockenheim), Matthias Gaul (Grünstadt-Asselheim), Schlossgut Janson (Bockenheim), Müller-Ruprecht (Kallstadt/Bockenheim), Weinhaus Durst (Bockenheim), Weingut Schroth (Grünstadt-Asselheim), Weingut Weller (Einselthum), Weingut Metzger (Grünstadt-Asselheim), Weingut Klosterhof (Zell) und Weingut Wöhrle (Bockenheim).

30. September 2011

TV-Tipp: Wahl zur 63. Deutschen Weinkönigin

Kategorie: Veranstaltungen — Weinkaiser @ 11:45

Heute Abend wird die 63. Deutsche Weinkönigin gewählt. Das SWR-Fernsehen überträgt live von 20.15 bis 22.00 Uhr aus dem Saalbau in Neustadt an der Weinstraße. Im Grunde hätte man das Finale auch an der FH Geisenheim austragen können, sind doch fünf der sechs Finalistinnen Studentinnen oder frische Absolventinnen dort.

Die Kadidatinnen:

Alina Bäcker, 21, Mayschoß, Ahr (Kauffrau & angehende Weinbaustudentin)
Annika Strebel, 23, Wintersheim, Rheinhessen (Geisenheim Weinbau Studentin)
Elisabeth Born, 26, Höhnstedt, Saale-Unstrut (Geisenheim Weinbau Absolventin)
Juliane Kremtz, 23, Meißen, Sachsen (Geisenheim IWW Absolventin)
Madeleine Rossel, 24, Eltville, Rheingau (Geisenheim Weinbau Absolventin)
Ramona Sturm, 22, Moselkern, Mosel (Lehramtsstudentin Mathe & Wirtschaft)


Foto: Deutsches Weininstitut

12. September 2011

Juryverkostung zum 12. Riesling-Spätlesereiter-Pokal

Kategorie: Schaumwein, Veranstaltungen — Weinkaiser @ 16:21

Vom 18. bis 20 November 2011 wird im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses der zwölfte Riesling-Spätlesereiter-Pokal verliehen. Dieser wichtigste deutsche Spätlesepreis geht auf eine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert zurück, als es noch üblich war, dass kirchliche Weinbaubetriebe die bischöfliche Leseerlaubnis einholen mussten, bevor sie loslegen durften. Schloss Johannisberg war noch ein Kloster, also brauchten Klosterbrüder die Leseerlaubnis vom Fürstbischof in Fulda. Damit der sich ein eigenes Bild machen konnte, brachte ein Reiterkurier einige Riesling-Trauben (schon damals wurde hier nur diese eine Rebsorte angebaut) vom Johannisberg ins 150 Kilometer entfernte Fulda und die Leseerlaubnis zurück in den Rheingau. Im Jahr 1775 verspätete sich der Reiter allerdings um mehrere Wochen und die Trauben waren bei seiner Ankunft inzwischen von Edelfäule überzogen. Nach der Legende wurde so die Spätlese geboren. Das gelesene Traubenmaterial dürfte nach heutigen Maßstäben im Bereich von konzentrierten Auslesen und Beerenauslesen gelegen haben und man weiß heute auch, dass bereits deutlich früher Weine aus edelfaulen Trauben gekeltert wurden.

Die Juryverkostung für diesen in den drei Kategorien trocken, halbtrocken/feinherb und fruchtig vergebenen Preis wurde am letzten Augustwochenende im Kaisersaal des Stadtschlosses Fulda ausgetragen.


Die Jury des 12. Riesling-Spätlesereiter-Pokals
Rudolf Knoll, Weinautor und Leiter der Jury
Cormac Clancy, mehrfacher deutscher Meister im weindegustieren
Gisela Pöhler, Weinhändlerin
Katja Schweder, Weinhändlerin und Deutsche Weinkönigin 2006/07
Nicole Roth, Winzerin und Dipl.-Ing. Oenologin
Ralf Kaiser, Weinblogger
Rouven Fritzenschaft, Weinhändler
Stefan Doktor, Vertriebsleiter Schloss Johannisberg und Spitzensommelier
Ute Bader, Dipl. Oenologin beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband
Wolfgang Behrens, Weinhändler

Gemeinsam mit der Jury auf dem Foto ganz oben: Wolfgang Wehner, Initiator und Organisator des Wettbewerbs
Sowie das von Gerhard Raab geführte Serviceteam der Juryverkostung mit Angelika Raab, Birgit Mehler, Thorsten Mehler und Alexander Mehler.

Am Start waren diesmal 188 Riesling Spätlesen aus dem Jahrgang 2010 von 102 Weingütern, die in den drei Süße-Kategorien getrennt verkostet wurden. In einem ersten Durchgang wurden dabei in drei Dreiergruppen die Finalteilnehmer ermittelt (es wurde im 20-Punkte-System gewertet und alle Weine die im Durchschnitt 15 Punkte oder mehr erreichten zogen ins Finale ein). Im Finale verkostete dann die komplette zehnköpfige Jury gemeinsam. Die gesamte Veranstaltung wurde als Blindverkostung durchgeführt (weiterlesen…)

7. Juni 2011

Gewinner des Vernatsch-Cup 2011

Kategorie: Veranstaltungen, Wein — Weinkaiser @ 12:40

Bereits zum achten Mal wurde  in der vergangenen Woche der Südtiroler Vernatsch Cup ausgetragen. Der Preis wurde ins Leben gerufen, um qualitativ hochwertige Vernatsch zu fördern. Da der Unternehmer und Vernatsch-Liebhaber Ulrich Ladurner einer der Initiatoren des Vernatsch Cups war, wird die Veranstaltung traditionell in seinem auf 1500 Meter am Vigiljoch gelegenen Designhotel Vigilius Mountain Resort ausgetragen.

Auch wenn weiterhin die Mehrzahl der Vernatsch-Weine nur als einfache Essensbegleiter konzipiert sind, deren Durchschnittsqualität sich in den letzten Jahren allerdings auch deutlich gesteigert hat, gibt es an der Spitze mittlerweile einige Vernatsch, die den Vergleich mit renommierteren Rebsorten nicht zu scheuen brauchen.

Um die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen zu berücksichtigen und die Gebietsgebundenheit stärker zu betonen, wurden die Weine in vier regionale Gruppen unterteilt und nach Gebieten getrennt verkostet und bewertet. In einer fünften Kategorie mit dem Titel „der andere Vernatsch“ wurden Weine aus älteren Jahrgängen und solche, die nicht in das übliche Schema passen, verkostet.

Während einer zweitägigen Verkostung mit einem mehrstufigen Auswahlverfahren wählte eine internationale Jury, bestehend aus Önologen, Sommeliers und Fachjournalisten aus Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz unter 96 Vernatsch-Weinen die „Vernatsch des Jahres“ aus.

Als „Vernatsch des Jahres“ wurden prämiert:

in der Kategorie Kalterersee
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3. April 2011

Tommy Hergenhan ist der Nachwuchssommelier des Jahres

Kategorie: Allgemein — Weinkaiser @ 15:55

Tommy Hergenhan (F&B Manager im Landhaus Eggert in Münster) ist der Nachwuchssommelier des Jahres 2011. Der zum zehnten Mal vom SOMMELIER MAGAZIN (Verbandsorgan der Deutschen Sommelier-Union) in Kooperation mit der Hotelfachschule Heidelberg und der Deutschen Wein- und Sommelierschule ausgetragene Nachwuchswettbewerb hatte in diesem Jahr 25 Teilnehmer, die vor einer siebenköpfigen Jury bestehen mussten.

Bewertet wurde das Können der Kandidaten in drei Bereichen (Blindverkostung, Food and Wine Pairing und Service), die der 24-jährige Tommy Hergenhan überzeugend für sich entschied. Der Preis wurde vom Neuseeländischen Botschafter Peter Rider übergeben, der auch gleich ein Māoripaar aus seiner Heimat mitgebracht hatte.


Als Lohn für seinen Sieg ist Tommy Hergenhan nun für 10 Tage All-Inklusive nach Neuseeland eingeladen um dort Weingüter und Spitzenrestaurants zu besuchen und das Nachtleben zu erkunden. Antreten wird er die Reise wohl im Januar 2012.

Platz zwei beim Wettbewerb zum Deutschen Nachwuchssommelier ging an Christina Krenn von Geisel’s Vinothek in München, hier gemeinsam mit Repräsentanten der Österreichischen Weinwerbung, die die Zweitplatzierte auch zu einer Fortbildungsreise nach Österreich einluden.

Auf Platz drei kam Marcel Heid (hier mit VDP-Geschäftsführerin Eva Raps bei der Preisverleihung), der im Kronenschlösschen in Hattenheim im Rheingau seiner Arbeit nachgeht. Für ihn übernimmt der VDP eine einjährige Patenschaft.

Zum Abschluss der Preisverleihung gab es noch einmal eine traditionelle Neuseeländische Tanzeinlage der beiden Māori, die teilweise Furcht einflößend aussahen aber im persönlichen Gespräch dann doch sehr sympathisch waren.

Rund 90 weitere kommentierte Bilder von der ProWein gibt es im Weinkaiser-Fotostream von der ProWein 2011.