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Okt 17

Wein der Könige – König der Weine – Barolo 1997-2005

Mit einer kleinen Runde Bonner Weinfreunde hatte ich gestern die Gelegenheit einige jüngeren Barolos von guten Produzenten zu verkosten. Insgesamt gab es 13 Barolos und am Ende noch eine Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Spätlese 2009 von Weingart zur Wiederbelebung.

Vorab eine kurze Begriffsklärung: Barolo ist der Name einer sehr kleinen Weinregion rund um das Dorf Barolo im Piemont. Barolo selbst liegt ca. 13 km südwestlich von Alba auf 310 Meter Höhe. Die 13 Dörfer der Barolo-Zone liegen mit ihren Weinbergslagen auf Höhen von ca. 280-550 Meter. Allerdings verfügen nur fünf der Dörfer (Castiglione Falletto, La Morra, Monforte d’Alba, Serralunga und Barolo selbst) über Grand-Cru-Lagen. Die Rebfläche der Barolo-Region, die einen maximalen Durchmesser von ca. 12 km hat, wurde seit den 60er Jahren von 644 ha auf ca. 1250 ha im Jahr 2000 vergrößert. Neben der Herkunft gibt es noch ein weiteres wichtiges Merkmal der Barolos: Die Weine sind reinsortige Nebbiolos (müssen also 100% aus der Rebsorte Nebbiolo bestehen) was übrigens genauso für Barbaresco gilt, die andere ebenso berühmte piemonteser Mini-Weinregion, die nur wenige Kilometer entfernt gelegen und mit 600 ha gerade einmal halb so groß ist wie das Barolo-Gebiet. Nebbiolo erinnert farblich oft an Spätburgunder, kann aber deutlich tanninreicher (gerbstoffreicher) sein. Klassische Aromen der Barolos sind Kräuter, Leder, Tabak und bei uns heute auch Rindergulasch, da die Verkostung heute genau über der Küche stattfand, in der unser leckerer Fleischberg zubereitet wurde.

Der Domenico Clerico Barolo Pajana 2005 war eines der Highlights des Abend. Auf jeden Fall der beste 2005er Barolo, den ich bisher im Glas hatte. Dunkle Beeren, viel feines Tannin, Röstaromen von Kaffee und Hölzern, ein Barolo im eher klassischen Stil mit Power und gewaltigem Potential. Besser erst mal wieder für einige Jahre im Keller vergraben. Wine Spectator vergibt 95 Punkte, das ist sicher angemessen. Der Preis liegt bei 65 Euro.

Angelo Gaja hat 1995 das ehemalige Weingut Marengo-Marenga in La Morra übernommen und damit neun Hektar in der Grand-Cru-Lage Cerequio dazu bekommen, wo nun dieser Barolo Dagromis entsteht. Gaja verfügt damit neben Sperss aus Serralunga über eine zweite Top-Lage im Barolo-Gebiet. Der erste Jahrgang dieses Weines scheint 1999 gewesen zu sein. Für einen Gaja-Barolo und diese Qualität mit rund 50 Euro erstaunlich bezahlbar (Gajas Barolo Sperss kostet je nach Jahrgang das zwei bis vierfache und zeigte mir dafür in reiferen Jahren einfach zu häufig Schwächen).

Der Gaja Barolo Dagromis 2004 ist ein Barolo im moderneren Stil, weich, fruchtbetont und schon nach wenigen Jahren mit hohem Genuss trinkreif. Sehr mildes Tannin, gut abgestimmte (also keinesfalls störende aber immer noch ausreichende) Säure, Noten von Schokolade, edlen Hölzern, ohne störende Ecken und Kannten aber wiederum auch nicht so glatt, dass es langweilen würde. Der Höhepunkt dürfte in den nächsten 2-3 Jahren erreicht sein. Erinnert mich stark an den australischen Parker-Liebling Mitolo G.A.M Shiraz dessen 2004er (97 Punkte von Robert Parker) ich vor wenigen Tagen beim Geburtstag eines Freundes getrunken habe.

Der lagenlose Prunotto Barolo 1997 (Prunotto hat daneben noch einen Barolo aus der Cru-Lage Bussia). Die Reife hat dem Wein gut getan, wirkt mild und seidig aber immer noch kraftvoll. Hat 13,5 % Vol. und kostet derzeit ca. 39 Euro.

Es folgte der aktuelle Jahrgang 2005 des kleine Prunotto Barolos. Für ebenfalls 39 Euro gibt es hier ein halbes % Vol mehr (also 14) und einen Wein mit weiteren 6-8 Jahren Potential.

Von Michele Chiarlos Barolo Tortoniano hatten wir zusätzlich auch den 2005er Jahrgang. Die beiden Weine sind mit je 27 Euro sehr günstig für die gezeigte Qualität. Beide wussten zu gefallen, der 2004er hatte aber erwartungsgemäß die Nase vorn (2004 war im allgemeinen ein deutlich besserer Jahrgang in der Region). Der 2004er bringt tolle Kräuternoten und einen ungewöhnlichen leicht medizinalen Ton in die Nase. Dieser Stoff hat noch viele Jahre Potential. Ein seltener Fall, wo meine Bewertungen von gestern über den (gerade erst nachgeschlagenen) Wine Spectator Punkten liegen: 2004 89WS und 2005 88WS, von mir 92P (2004) und 90P (2005).

Zum Villae Lanata Barolo La Zoccolaios Ravera 2005 hatten wir zusätzlich auch den 2004er Jahrgang. Beide kosten derzeit ca. 41 Euro und zeigen dafür schon Spitzenqualität. Hier liegt der 2005er sogar noch etwas vor dem 2004er. Sehr fein mit sowohl wunderbarer Frucht als auch tiefe und Potential. Wine Spectator gibt 92P für 2004 und 95P für 2005. Für mich war der Unterschied kleiner, ich sah sie bei 93P und 94P.

Elvio Cogno Barolo Ravera 2005. Der Wein zeigt auch wieder das volle Programm an Schokolade, Kräuter, Leder, Tabak und liegt bei 37 Euro (Wine Spectator 93). Ich habe mir 91-92P notiert.

Die drei folgenden Weine stammen alle aus dem Ort La Morra:

Giacomo Ascheri Barolo Vigna dei Pola 2005 – Kostet 21,50 Euro, dafür kann man in der Barolo-Region natürlich nichts allzu großes erwarten. Es fällt vor allem die extrem helle Farbe des Weins auf, er wirkt farblich fast wie Fruchtsaft. Fällt auch sonst etwas aus der Reihe ist aber auch nicht wirklich schlecht. Wine Spectator vergibt trotzdem 90P. Von mir gibt’s 86-87P.

Renato Ratti Barolo Marcenasco 2005 – 14 % Vol., 23 Euro, wenig Frucht, sehr viel Tannin, braucht auf jeden Fall Zeit, ob er dann mehr Spaß macht wird sich zeigen. 86P.

Serradenari Barolo 2005 – 14,5 % Vol., 17,50 Euro, 91 P. vom Wine Spectator, kräftig Sauerkirsch, ganz leichter Bitterton, schon jung zugänglich, ein easy going Barolo für kleines Geld aber auch ohne großes Potential. Trotzdem für mich der schönste der drei günstigen Vertreter aus La Morra. Mit diesem Wein haben wir übrigens angefangen und uns dann entsprechend dieses Beitrags nach oben getrunken – also von den Kleinen zu den Großen. 88P.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

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2 Kommentare

  1. Conny KramerNo Gravatar

    Hallo ralf,
    klasse gemacht!Alle Achtung!
    Bis dann einen Weinfreudigen Gruß aus Düsseldorf
    von
    Conny

  2. TanjaNo Gravatar

    Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Die Bilder sind auch sehr gut gelungen. An mancher Stelle nur etwas unscharf aber dafür gibt es ja Brillen 😉

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