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Feb 20

Weinhof Herrenberg Wiltinger Schlangengraben Riesling Kabinett 1998

Die alten Rieslinge vom Weingut Herrenberg (heute Loch-Riesling), die ich in letzter Zeit getrunken habe, sind wie auch viele Saar-Rieslinge anderer Spitzenweingüter alle recht säurebetont. Die spritzige Säure ist im gesamten Mosel-Saar-Ruwer Gebiet ein wichtiger Bestandteil des Geschmacksbilds. An der Saar ist dies oft noch etwas intensiver ausgeprägt als an der Mosel selbst. Wer keine säurebetonten Rieslinge verträgt oder mag sollte daher besser die Finger von den allermeisten klassischen Saar-Rieslingen lassen. Und wenn stimmt, was man seit einigen Wochen so aus der Gegend hört, wollen wir hoffen, dass auch Günter Jauch säurebetonte Weine verträgt.

Ein weiteres Charakteristikum speziell der Loch Rieslinge ist die enorme Alterungsfähigkeit schon einfachster Qualitäten. Außerdem brauchen diese Weine brutal viel Luft. Ich hatte im letzten Jahr mehrere Kabinett und Contes-Saar Rieslinge dieses Weingutes und alle waren nach einem Tag im Dekanter oder aus der angebrochenen Flasche im Kühlschrank am zweiten Tag deutlich harmonischer und zugänglicher als am ersten Tag gleich nach dem Öffnen der Flasche. Mehrere 1996er und 1997er hatten Probleme mit porösem Korken, so dass einige der Weine durch ein Sieb gejagt werden mussten. Bei der heutigen Flasche war auch der Korken Tip-Top.

Die neun Hektar umfassende Weinbergslage Wiltinger Schlangengraben ist optimal nach Süden ausgerichtet und wurde erst um 1920 angelegt. Ein Teil des Riesling-Rebbestands stammt noch aus dieser Zeit und ist noch wurzelecht (hat also die Reblausplage überstanden und musste noch nicht, wie heute für Neuanlagen vorgeschrieben, auf Wurzeln reblausresistenter Überseerebstöcke gepfropft werden). Der Boden aus Schieferverwitterung hat hier, durch in ihm enthaltene oxidierte Eisenverbindungen, einen rötlichen Farbton.

Weinhof Herrenberg Wiltinger Schlangengraben Riesling Kabinett 1998
Wunderschöne Farbe in sattem Gelbgold, leichte Firne, tolle Aromen von reifem Pfirsich, Physalis (Kapstachelbeere), Apfel und Birne, sehr intensive Schieferwürze, nur noch gering wahrnehmbare Fruchtsüße, kräftige aber gut eingebundene Säure, eine angenehme herbe Note, sehr lang, gewinnt nach einem Tag in der geöffneten Flasche weiter an Qualität. Viele alte Rieslinge haben das Problem, zu alkoholisch zu wirken, wenn die Fruchtaromen nachlassen. Bei nur 8% Vol. ist das hier glücklicherweise überhaupt kein Problem. In einem Satz: Einfach ein wunderbar gereifter Kabinett. 89P

Weitere Informationen zum Weingut Herrenberg (Loch-Riesling) in einem früheren Artikel dieses Blogs.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

1 Kommentar

  1. RHNo Gravatar

    Danke für die Vorstellung dieses Weines!

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