«

»

Apr 26

Winzer zeigen Gesicht für eine Zukunft ohne Hochmoselübergang

Für eine bessere Zukunft ohne Hochmoselübergang

Am Ostermontag kurz nach dem Frühstück bekam ich die Anfrage, ob ich Zeit und Lust habe zu einem Fototermin am Nachmittag nach Wehlen an die Mosel zu kommen.

Einem solchen Aufruf sind dann spontan über 80 Teilnehmer von 40 Weingütern gefolgt. Sie kamen nicht nur aus gut einem Dutzend der umliegenden Weinorte, sondern auch von der Saar, Rheinhessen und der Pfalz. Vom kleinen Familienweingut, über Spitzenbetriebe der globalen Weinwelt bis hin zur Großkellerei waren alle Bereiche vertreten. Viele Winzer hatten ihre Familie und Kinder mitgebracht, um zu zeigen, dass es ihnen um ihre Zukunft geht.

Sie alle wenden sich an die neue Landesregierung in Mainz mit dem Gesuch, den mittlerweile auch im Ausland bekannten und berüchtigten Hochmoselübergang nicht zu bauen. Sie begründen dies mit dem zu geringen Nutzen und den zu erwarteten Schäden des Bauprojekts.

Egon Müller, Spitzenwinzer und Präsident des VDP Mosel-Saar-Ruwer, reiste eigens mit seiner Familie von der Saar an, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

„Wie soll ich meinen Kunden klarmachen, dass der Wein etwas wert ist, wenn sie sehen, wie unbarmherzig mit der Landschaft, aus der er stammt, umgegangen wird“, meinte Johannes Schmitz, Winzer aus Ürzig.

Viele weitere, die verhindert waren, schickten unterstützende Nachrichten. Peter Jacob Kühn kommentierte das Treffen aus dem Rheingau mit den Worten: “Um eine Verbindung zwischen Menschen zu schaffen, braucht es keine monumentalen Brückenbauwerke. Die Brücke wäre eine Kreuzigung der Weinkultur.”

Großes Verständnis haben die Winzer auch für die Kollegen, deren Lagen unmittelbar von der geplanten Trasse tangiert würden. „Wir wissen alle, dass solche massiven Erdbewegungen, gerade oberhalb der Weinberge, die Wasserversorgung gefährden können. Und die ist bisher perfekt, wie ihre Weine beweisen“ erklärt Winzer Clemens Busch aus Pünderich.

Michael Willkomm, Chef der Peter Mertes KG, Deutschlands größter Weinkellerei, kann den Nutzen der vor 50 Jahren geplanten Straße nicht nachvollziehen: „Mit Baukosten bei dieser Linienführung von über einer Milliarde Euro, die mittlerweile in der Presse genannt werden, macht das Projekt schon allein aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn.“

„Wir haben noch so viel Potential hier an der Mosel, was Weinbau und Tourismus angeht“, ist sich die Wehlener Winzerin Dr. Katharina Prüm vom Weingut Joh. Jos. Prüm sicher, „aber um das zu nutzen, brauchen wir eine intakte Landschaft und Natur.“ Dies bestätigt auch der wohl renommierteste Fotograf der Weinszene, Andreas Durst: „Das Motiv der Ürziger Felsen ist weltbekannt. Wenn da jetzt eine riesige Betonbrücke im Weg stünde, wäre das das schlechteste Marketing überhaupt.“

So richten sich alle Blicke auf den Neuanfang in Mainz in der Erwartung, dass auch dort der Wert dieser einmaligen Kulturlandschaft erkannt und gewürdigt wird.

Die Teilnehmerliste dieses Fotoshootings liest sich wie das who-is-who der Weinszene: Egon Müller (Scharzhof), Dr. Manfred & Dr. Katharina Prüm (Joh. Jos. Prüm), Willi & Christoph Schaefer, Markus Molitor, Clemens Busch mit Frau Rita und Sohn Florian,  Martin Kerpen, Michael Willkomm (Großkellerei Peter Mertes), Daniel Vollenweider, Ingmar Püschel, Johannes Selbach, Familie Kees-Kieren um nur einige zu nennen. Der durch Familienurlaub verhinderte VDP-Präsident Steffen Christmann übermittelte ebenso eine Solidaritätsadresse, wie Armin Diel und Cornelius Dönnhoff von der Nahe und Philipp Wittmann aus Rheinhessen.

Weitere Informationen:
Bürgerinitiative Pro-Mosel

Hintergrundinformation:
Der Hochmoselübergang ist eine 25 Kilometer lange Neubaustrecke der Bundesstraße 50 zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich und Longkamp. Zu ihr gehört die 1,7 km lange und 160 m hohe Hochmoselbrücke zwischen Zeltingen-Rachtig und Ürzig. Seit Beginn der Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz zwischen SPD und Grünen besteht ein Bau- und Vergabestopp an dem umstrittenen Projekt.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

1 Ping

  1. Nachgefragt @drunkenmonday.de: 13 Fragen/Aussagen an, von und mit Ralf Kaiser aka Weinkaiser « Drunkenmonday Wein Blog

    […] Artikel auf seinem Weinblog http://www.weinkaier.de verfolgt. Ralf setzt sich unter anderem gegen überflüssige Brückenbauprojekte ein, trifft wichtige Staatsmänner bei semi-leegeren Weinproben und ist ein absoluter Enthusiast […]

Schreibe einen Kommentar zu Nachgefragt @drunkenmonday.de: 13 Fragen/Aussagen an, von und mit Ralf Kaiser aka Weinkaiser « Drunkenmonday Wein Blog Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.