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Jun 08

Auswahlprobe: Vinissima-Weine mit Holzeinfluss

Die Winzerinnnen-Vereinigung Vinissima hat für ihre Mitglieder ein Degustationsmenü zum Thema „Wein und Holzeinfluss“ in Johann Lafers Stromburg organisiert. Zum Essen wurden zwölf Weine in Zweierflights gereicht. In der Vorbereitung standen dafür rund 75 von den Vinissima Mitgliedsbetrieben eingeschickte Weine mit Holzeinfluss aus ganz Deutschland zu einer Auswahlverkostung an. Ziel war nicht unbedingt, den besten aller eingeschickten Weine zu finden, sondern Weine, die im Zweierflight ideal zu den geplanten Speisen passen (sich also auch gegenseitig die Luft zu atmen lassen).

Auf Einladung von Sommelière Christina Fischer und VDP-Bundesgeschäftsführerin Eva Raps durfte ich an dieser Auswahlprobe in der VDP-Bundesgeschäftsstelle teilnehmen. Für mich sehr spannend, denn zum einen ist Christina Fischer ausgemachte Expertin in Sachen Wine&Food-Pairing, hat auch schon mehrere Bücher dazu veröffentlicht und zum anderen gab es hier auch einige spannende Weine von weniger bekannten Weingütern zu probieren.

Christina Fischer: In einem Preisniveau von € 4,50 bis gut € 40,00 zeigten sich nicht nur Qualitätsunterschiede, sondern auch die unterschiedlichen Weinstilistiken der jeweiligen Winzer und Anbaugebiete in Punkto „Holz“.

Neben den beiden Einladerinnen und mir nahm noch Franziska Schätzle, Jungwinzerin des Jahres 2009 und VDP-Mitarbeiterin, an der Vorprobe teil.

Franziska Schätzle: Bei aller neuen Erkenntnisgewinnung hat es einfach viel Spaß gemacht und war ein absolutes Highlight in unserem Büro-Alltag. Vielen herzlichen Dank an alle Mädels, die Ihre Weine eingesandt haben und die tolle Vielfalt von Vinissima so richtig schmeckbar gemacht haben.

Die Rieslinge der Auswahlprobe und zwei Silvaner vom Juliusspital aus Franken, darunter das 2009er GG aus dem Würzburger Stein, der mit 92 Punkten bestbewertete trockene Silvaner aller Zeiten im Gault Millau Weinguide.


Ich war erst einmal überrascht, wer alles Vinissima-Mitglied ist. Zum Beispiel Weine von Reinhard Löwenstein hatte ich hier nicht erwartet. Zwei der drei Heymann-Löwenstein-Weine zeigten sich leider auch nicht in Bestform. Beim vom blauen Schiefer 2009 überdeckte die Süße fast alles andere. Der jung geniale Uhlen Laubach (L) 2007 hat derzeit eine deutliche Karamellnote angenommen und wirkte insgesamt einfach viel breiter als ich ihn aus seiner Jugend in Erinnerung habe. Das gilt ähnlich übrigens auch für den Röttgen 2007, der jetzt hier nicht dabei war, von dem ich aber noch fast zwei Kisten im Keller habe und der derzeit eine ähnliche Phase durchmacht. Wer wie ich Heymann-Löwenstein 2007 im Keller hat: Tief eingraben, die werden garantiert wieder besser, im Moment sind sie recht schwierig. Der 2009er Uhlen R, das Flaggschiff des Hauses, präsentierte sich deutlich besser aber auch dieser Wein wäre für meinen Geschmack mit weniger schmeckbarer Süße noch näher an der Perfektion.

Die Rieslinge in der engeren Auswahl für das Degustationsmenü. Sehlbach-Osters trockene Spätlese aus der Zeltinger Sonnenuhr gefiel mir in ihrer schieferwürzigen und mineralischen Art sehr, lies sich nur ebenso wie der 2009er Uhlen R von Heymann-Löwenstein nicht so gut wie andere Weine mit einem zweiten Wein zu einem Flight zusammenfügen.

Für mich eine der Entdeckungen des Tages: Enkircher Zeppwingert Riesling Spätlese feinherb Alte Reben vom Weingut Immich-Anker aus Enkirch an der Mosel. Ein wunderbar intensiver Geschmack von sehr reifen Äpfeln. Enkircher Zeppwingert ist eine erstklassige Steillage, das Weingut Weiser-Künstler erzeugt hier bereits seit Jahren eine großartige Riesling-Spätlese.

Die Weißweine aus den Aroma- und Burgundersorten.

Unsere Finalisten bei den weißen Burgundersorten. Zweimal Weingut Kostanzer (Klasse vor allem die Ihringer Winklerberg Grauburgunder Spätlese trocken 2009), Bamberger (Grauburgunder S 2009), Schätzle (nicht im Bild, da gerade im Dekanter: Schellinger Kirchberg Grauburgunder RS 2009), Spiess und Schlör, die auch noch mit mehreren anderen Weinen in der engeren Auswahl waren. Schlör hatte wirklich eine erstklassige Kollektion eingeschickt.

Die vier Rotweine in der engeren Auswahl. Am Ende wurden es der Schätzle Spätburgunder trocken RS 2008 und der Drautz-Able Lemberger Reserve HADES trocken 2008.

Für mich das rote Highlight der Verkostung: Drautz-Able Lemberger Reserve HADES trocken 2008. Nach enttäuschenden Lemberger-Verkostungen in den letzten Jahren hatte ich bei dieser Rebsorte erst einmal so meine Vorurteile. Zu Unrecht! Intensive Frucht von Kirsch, Cassis und anderen dunklen Beeren, Pfeffer, Kaffee, weitere Gewürze, trotz der hohen Konzentration elegant, für mich der beste Rotwein der Verkostung. Zum Essen auf der Stromburg wurden die beiden ausgewählten Rotweine (Schätzle und Drautz-Able) dann nach längerer Dekantierzeit serviert, was dem Schätzle-Pinot RS deutlich besser bekam als dem Lemberger. Wer diesen Wein im Keller hat: Besser nicht lange belüften, sondern gleich ins Glas und Spaß haben.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

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