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Okt 18

Domaine de Baruel – 2 Cuvées aus 1995

Domaine de Baruel Syrah 1995 (ab dem Folgejahr „Cuvee Fontanilles“)
Domaine de Baruel 1995

Laut Etikett sind diese beiden „Vin de Pays de Cevennes“ einfache Landweine aus dem Languedoc. Das liegt daran, dass die regionalen AOC Richtlinien die beiden Rebsorten dieses Weingutes, Syrah und Cabernet Sauvignon, nur als Zusatz einer Cuvée erlauben, nicht aber als Hauptrebsorte eines Weines. Dieses Schicksal teilen die Weine der Domaine Baruel mit den beiden Kult-Weingütern der Region: Daumas Gassac und Domaine Trevallon. Eloi Durrbachs Domaine Trevallon galt auch als größtes Vorbild Rainer Pfefferkorns für die Domaine Baruel. Rainer Pfefferkorn und Bettina Dix-Pfefferkorn (Otto Dix Enkelin), die Deutschen, die das Weingut 1989-1998 führten, zogen nach dem Verkauf weiter, auf der Suche nach einem kleineren Weinberg, dessen Bewirtschaftung sich besser bewältigen lässt und dessen Terroir noch besser für große Weine geeignet ist. Daneben ist er seit einigen Jahren als Leiter der Otto Dix Stiftung tätig.

Für mich sind die Baruel-Weine kleine Trevallons, sehr ähnlich im Stil, mit nur einem Hauch weniger Frucht und Finesse, dafür zu einem Viertel des Preises. Daher zählt Baruel seit gut zehn Jahren zu meinen Lieblingsweingütern. Dies gilt allerdings nur für die Jahrgänge 1989 bis 1998. Nach dem Besitzerwechsel 1999 wurde der Stil der Weine verändert. Alle Baruel-Weine haben einen hohen Tanningehalt und sind sehr langlebig. Extrem ist der 1989er, der als einziger Rotwein im Barrique ausgebaut ist. Ein Monument für die Ewigkeit. Meines Wissens gab es nur ein anderes Barrique-Experiment: einen 1997er Rosé.

Nachdem Sie das Gut in Tornac erst einmal übernommen hatten um ökologische Landwirtschaft zu betreiben und erst später das Potential der 12 ha Weinberge erkannten, betrieben die Pfefferkorns eben ökologischen Weinbau (z.B. ohne Herbizide und Kunstdünger) und mit einer rigorosen Ertragsbeschränkung auf 20 hl/ha. Die Syrah-Rebstöcke sind teilweise über 70 Jahre alt, der Cabernet Sauvignon gerade mal um die 10 Jahre. Nach der Lese wurde in offenen 3000 Liter Holzfässern vergoren, in der gleichen Fassgröße ausgebaut (Ausnahme wie beschrieben 1989) und nach ca. 20 Monaten unfiltriert und ungeschönt abgefüllt.

Die 1995er Domaine de Baruel Standart-Cuvée besteht aus 60 Prozent Syrah und 40 Prozent Cabernet Sauvignon. Robert Parker gab diesem Wein 91+ Punkte und ca. 15 Jahre Entwicklungspotential (Bewertung aus 1997) und Wolfram Siebeck widmete diesem Wein eine komplette Seite voller Lobpreisungen im Zeit Sonderheft „Zeit-Punkte 8/1999″. Dabei empfiehlt Siebeck, den 1995er Baruel 24 oder besser 48 Stunden zu dekantieren. Siebeck:“Wer den Korken zieht und zum Glas greift, erlebt einen Schock.“ Eine so lange Zeit ist heute nicht mehr nötig, aber einige Stunden im Dekanter wirken auch heute noch Wunder (der 1995er ist der dunkelste und tanninreichste aller Baruel seit dem 1989er). Der Wein präsentiert sich fast schwarz mit leichten violetten Reflexen, dunkle Früchte (vor allem Schwarze Johannisbeere), etwas Pfeffer, gute Säurestruktur, sehr dicht, enorme Tannine, die idealerweise nach mindestens weiteren 7-8 Jahren Reife verlangen (meine 95er Magnum mache ich frühestens 2020 auf). 90P

Der 1995er Domaine de Baruel Syrah besteht zu 100% aus seiner namensgebenden Rebsorte. Ab dem Jahrgang 1996 trägt dieser reine Syrah den Namen Cuvée Fontanilles und so taucht auch der 1995er Syrah in der ein oder anderen Weinliste schon als Fontanilles auf. Der Wein ist ebenfalls kräftig in der Farbe (eine Mischung aus rot, schwarz & violett), zwar auch tanninreich, aber schon deutlich zugänglicher als die Standard-Cuvée, mit schöner üppiger Syrah-Frucht, rauchigen Noten, ebenfalls etwas Pfeffer, präsenter Säure und guter Länge. Perfekt zu kurzgebratenem von Rind oder Lamm. 92P


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

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