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Sep 19

Egon Müller erziehlt neuen Rekordpreis für Deutschen Wein

Egon Müller Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese 2003

Die 2003er Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese (TBA) von Egon Müller aus Wiltingen an der Saar erzieht den höchsten Preis, der je für ein Versteigerungslos junger Deutscher Weine erreicht wurde. Der Zuschlag erfolgte bei 12.000 Euro netto für jede der 22 versteigerten Flaschen. Inklusive 5% Auktionsgebühr und 19% MwSt beträgt der Preis pro 0,75l Flasche 14.994 Euro. Weitere 36 halbe (0,375l) Flaschen gingen für je 5.500 Euro netto (6.872,25 brutto) über den Tisch. Allein diese beiden Versteigerungslose brachten einen Nettoumsatz von 462.000 Euro. Der Preis der ganzen Flaschen wäre noch höher gegangen, wenn Egon Müller die Anzahl der versteigerten Flaschen beim erreichen von 12.000 Euro nicht kurzfristig von 18 auf 22 erhöht hätte. So konnten bei 12.000 alle Kaufwilligen bedient werden und der Preis musste nicht noch höher getrieben werden um noch den/die potentiellen Käufer von vier weiteren Flaschen loszuwerden.

Die rund 6.000 Mitglieder der Facebookgruppe Hauptsache Wein können das Highlight der Versteigerung in einem kleinen Handyvideo von Winzerkollegen Florian Lauer miterleben.

Egon Müller bei einer der Versteigerungen des Großen Rings in Trier

Versteigert werden bei der jährlichen Prädikatsweinversteigerung des VDP Mosel-Saar-Ruwer (Großer Ring) in Trier in der Regel keine Einzelflaschen sondern immer alle Flaschen eines Weines in derselben Flaschengröße auf einmal. So kommen auf den Literpreis umgerechnet immer mal wieder sehr unterschiedliche Preise für 0,75l Normalflaschen, für 0,375l und für 1,5 Liter-Magnumflaschen zustande. Insgesamt wurden 13218 Flaschen verteilt auf 60 Einzellose zum Nettopreis von 1.7 Millionen Euro versteigert. Gut die Hälfte davon fließt zum Scharzhof. Das größte Einzellos war eine Partie von 1080 Normalflaschen Riesling Spätlese Saarburger Rausch 2004 vom Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken (40 Euro netto). Auch Egon Müller hatte noch weitere Weine am Start: Braune Kupp Spätlese (600 Flaschen à 70€), Scharzhofberger Spätlese (600 Flaschen à 174€) und die sensationell gut gelungene Scharzhofberger Goldkapsel-Auslese (84 Ganze à 770 und 72 Halbe à 405).

Nach den Aufzeichnungen des Vaters von Egon Müller IV war der Jahrgangsverlauf dem Jahrhundertjahrgang 1959 extrem ähnlich. Auch bei vielen 1959ern war anfänglich eine zu geringe Säure vermutet worden, heute weiß man, dass das nicht das geringste Problem war. Der langjährige Riesling-Blogger Felix Eschenauer morgens bei der Vorprobe über die 2003er Scharzhofberger TBA:

„Ein glatter 100 Punkte Wein: grösser, tiefer und kompletter geht es nicht. Hallt ewig nach. Es werden noch Wetten auf das Höchstgebot angenommen, denn das wird eine kleine Sensation werden.“

Bei dem ganzen Wirbel um die 2003er Scharzhofberger TBA geraten die anderen großen Weine der Versteigerung zu Unrecht in den Hintergrund. Hanno Zilliken versteigerte seine 2005er TBA. 2005 war dort das wahrscheinlich beste Jahr in der Gutsgeschichte. Im Gault Millau Weinguide stellte er im Jahrgang 2005 die Auslese des Jahres und auch diverse andere seiner Weine sind großartig gelungen. Die 2005er Saarburger Rausch Riesling Trockenbeerenauslese erzielte 675 für die Halbe, 1100 für die ganze und 2910 für die Magnum.

Weinprobe im Scharzhof bis zurück ins jahr 1989

Der Preis von 12.000 Euro pro Flasche für ein Los jugendliche TBA ist absoluter Rekord in der Deutschen Weingeschichte. Den bisherigen Spitzenwert hielt auch Egon Müller mit seiner 2011er TBA, für die 2013 in der ganzen Flasche bei 5.000 Euro netto (ca 6.250 nrutto) der Hammer zuschlug. Das sind allerdings nur die Rekordpreise für Jungweine, die idR in größeren Einheiten versteigert werden. Der aktuelle Rekordpreis für eine Flasche deutschen Wein stammt offenbar immer noch aus dem Jahre 1987. Damals ersteigerte ein deutsch-kanadischer Unternehmer für 53.000 DM eine Flasche Johannisberger Riesling des Weingutes Schloss Schönborn aus dem Jahrgang 1735. Auf Platz zwei liegt eine Flasche Neroberger Trockenbeerenauslese von 1893 aus dem Cabinetkeller der Hessischen Staatsweingüter im Kloster Ebersbach, die im Jahr 1986 stolze 35.000 DM erzielte. Hier kommt Egon Müller mit umgerechnet 30.000 DM Bruttopreis langsam in Schlagdistanz.

Der Weinkaiser zu Gast zu Scharzhof bei TBA König Egon Müller

Bei der Auktion selbst bieten dürfen nur die sieben lange im Vorfeld der Auktion zugelassenen Weinkommissionäre. Bei diesen Kommissionären kann jeder Interessierte vor der Versteigerung eine Bestellung aufgeben, wie viele Flaschen er ersteigern möchte und bis zu welchem Höchstpreis er zu zahlen bereit ist. Besonders gute Kunden und Kunden die sich für die begehrtesten und damit teuersten Weine konkret interessieren, sitzen entweder beim Kommissionär des Vertrauens selbst mit am Tisch oder sind in der heißen Phase telefonisch zugeschaltet. Viele dieser Bieter reisen eigens aus diversen asiatischen Ländern, den USA, Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken an aber auch unsere westlichen Nachbarländer sind allesamt gut vertreten. Das besondere für die Besucher vor Ort: alle Weine können von jedem Gast zweimal probiert werden. Morgens bei der zweistündigen Vorprobe und während der Versteigerung, immer genau dann wenn der Wein zur Auktion aufgerufen wird, schenkt ihn das Serviceteam im gesamten Saal aus. Ein großer Teil der rund 300 Versteigerungsbesucher sind seit langen Jahren in jedem September in Trier mit dabei. Ein extrem spannender Menschenzoo. Vor der Tür steht schon mal ein mit Blattgold und Klarlack lackierter SUV und schon bei der Vorprobe hört man Dialoge wie „Are you Prrrrum? I’ll buy everything!“ „Maybe you would like to taste the wines before?“

Besucher der Prädikatsweinversteigerung des VDP Mosel-Saar-Ruwer (Großer Ring) in Trier

Egon Müller verkauft nicht an private Kunden. Seine Weine bekommt man nur über wenige autorisierte Händler. Das mit Abstand größte Sortiment an Müller Weinen in Deutschland hat Albert Kierdorf im bergischen Reichshof, darunter auch TBAs von früheren Auktionen in Trier. Hier geht es zu Kierdorfs aktueller Preisliste.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

2 Kommentare

1 Ping

  1. Imtiaz AlikhanNo Gravatar

    Sehr sympatisher Winzer. Ich mag nicht nur seine Weine sondern auch sein Haarschnitt

  2. Hedi BollnowNo Gravatar

    Hallo,
    ich besitze seit Jahren eine Beerenauslese:
    Rheingau 1993er, Hochheimer Reichestal, Qualitätswein mit Prädikat A.P. Nr. 4004100194, 10% vol.
    Weingut Emmerich Himmel
    Können Sie mir helfen und einen Tip geben Wie ich ihn trinken kann oder ob er wertvoll ist, um zu verkaufen??
    Ich bin LEIDER kein Kenner, d.h. ich bin reichlich ungebildet in diesem Bereich. Ich wende mich im Vertrauen auf Ihr Wissen an Sie und hoffe, Sie können mir weiterhelfen.
    Vielen Dank und frreundliche Grüße

  1. Wimbledon in der Tiefgarage | Weinkaiser.de

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