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Jul 05

Finalverkostung und Ergebnisse best of riesling 2012

Vor wenigen Wochen fand die Verkostung zur siebten Ausgabe von best of riesling statt, nun wurden die Ergebnisse bekannt gegeben. Dieser im zweijährigen Abstand durchgeführte Wettbewerb wird als der wichtigste Riesling-Preis weltweit angesehen. Sowohl das Feld der angestellten Weine wie auch die Jury sind international besetzt. Veranstalter von best of riesling ist das Bundesland Rheinland-Pfalz, das mit Mosel, Nahe, Pfalz, Rheinhessen und Mittelrhein gleich fünf der wichtigsten Riesling-Anbauregionen der Welt stellt.

Mit der Durchführung der traditionell in Neustadt an der Weinstraße ausgetragenen Veranstaltung war in diesem Jahr erstmals der ebenfalls in Neustadt ansässige Meininger Verlag betraut. Die Vorrunden-Verkostung fand wie in den vergangenen Jahren im DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) Neustadt statt, die Finalverkostung im Hambacher Schloss.


In der ersten Runde galt es 2372 Rieslinge aus elf Ländern von vier Kontinenten zu Verkosten und Bewerten.

Sowohl in der ersten Runde wie auch im Finale wurden alle Weine blind serviert und es galt für jedes Jurymitglied, zu jedem Wein einen recht umfangreichen Auswertungsbogen auszufüllen. In meinem Beitrag zu best of riesling 2010 habe ich das von Professor Ulrich Fischer entwickelte Sensorik- und Bewertungsformular, das auch bei MundusVini verwendet wird, abgebildet und näher erläutert.

Bei der über drei Tage ausgetragenen ersten Runde haben 164 Jurymitglieder 47 Jurys gebildet (da waren nie nur drei Personen in einer Jury, sondern die Zusammensetzung der einzelnen Verkostungstische/Jurys wurde täglich neu durchgemischt, daher die hohe Anzahl der Jurys). Insgesamt wurden in diesem drei Tagen 417 Weine fürs Finale ausgewählt. Dafür mussten sie in etwa einen Mindestdurchschnitt von 88-89 Punkten erreichen.

Der Finaltag im Hambacher Schloss begann mit einem Grußwort aus dem rheinland-pfälzischen Weinbauministerium und einer Einführung in den Verkostungsablauf durch Professor Fischer.

Anschließend ging es an zehn Jurytischen mit je etwa sieben Juroren an die Finalverkostung. Mein Tisch hatte dabei in zwei Runden insgesamt etwa 50 Weine der Kategorien I-IV (Details zur Einteilung weiter unten) zu bewerten. Mein persönlicher Eindruck ist, dass das Niveau der zum Finale zugelassenen Weine in den Kategorien II (trockene Rieslinge ab 13% Vol.) und IV (fruchtige Spätlesen) sehr hoch war, die Weine der Kategorie III (halbtrocken) fielen dagegen deutlich ab.

An jedem Tisch gab es eine verantwortliche Person, die besonders auf die Einhaltung der Regularien achtete und u.a. auch bei besonders weit auseinander liegenden Bewertungen darauf hinweisen sollte. An unserem Verkostungstisch war Weinwelt Chefredakteurin Ilka Lindemann die Vorsitzende und sie agierte absolut souverän. Wir hatten beispielsweise mehrere Weine, bei denen sechs Verkoster zwischen 88 und 92 Punkten werteten und ein Verkoster immer wieder nur um die 77 Punkte. Nachdem sich das wiederholte, wurde dieser Juror dann – wie ich finde vollkommen zurecht – einmal gefragt, was konkret er regelmäßig an den Weinen kritisiere, die der Rest des Tisches für hervorragend hielt.

Zwei weitere Mitglieder meines Verkostungstisches: Alexander Kohnen, der Gründer und Leiter des International Wine Institute in Ahrweiler und die Journalistin Remke de Lange aus den Niederlanden.

Einer von 70 standartisierten Arbeitsplätzen mit Landesflagge, Namensschild, drei Verkostungsgläsern der Sensa-Serie von Schott-Zwiesel, Wasser, Ausgießgefäß, einem computerlesbaren Stift, einem einzelnen aber stets wiederkehrenden Brötchen und einem Stapel Auswertungsbögen.

In den Pausen und auch am Morgen vor der Veranstaltung ging es für die Meisten in einen Innenhof des Schlosses.

Ein Blick von außen auf die Austragungsstätte, das wunderbar renovierte Hambacher Schloss, direkt oberhalb der Pfälzer Weinstraße bei Neustadt gelegen.

Vor der Ergebnisliste noch ein paar Details zu den fünf Kategorien, in denen Preise vergeben wurden:

Die Preisträger:

Kategorie I – trocken bis einschließlich 12,5% Alkohol

1. Platz 2011 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Tyrell‘s Edition Spätlese trocken, Weingut Karthäuserhof, Trier-Eitelsbach, Mosel
2. Platz 2011 Riesling Qualitätswein trocken
Weingut Thorsten Krieger, Rhodt unter Rietburg, Pfalz
3. Platz 2011 Michelbacher Apostelgarten Riesling Heilmännchen Kabinett trocken, Weingut Heilmann, Alzenau, Franken

Kategorie II – trocken ab 13,0% Alkohol

1. Platz 2011 Wachenheimer Königswingert Riesling Spätlese trocken
Weingut Zimmermann, Wachenheim, Pfalz
2. Platz 2011 Riesling Steinreich Spätlese trocken
Weingut Heiner Sauer, Böchingen, Pfalz
3. Platz 2011 Kallstadter Saumagen Riesling Spätlese trocken
Weingut Petri, Herxheim am Berg, Pfalz

Kategorie III – halbtrocken

1.Platz 2011 Enkircher Steffensberg Riesling Spätlese, halbtrocken
Weirich Weine, Starkenburg über der Mosel, Mosel
2. Platz 2011 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Spätlese, halbtrocken
Weingut Udo Weber, Monzingen, Nahe
3. Platz 2011 Riesling Qualitätswein, feinherb
Weingut Neef-Emmich, Bermersheim, Rheinhessen

Kategorie IV – fruchtig & süß

1. Platz 2011 Lieser Niederberg-Helden Riesling Spätlese
Weingut Ulrich Schumann, Lieser, Mosel
2. Platz 2011 Valwiger Herrenberg Riesling Edition F Spätlese
Weingüt Lönartz-Thielmann, Ernst, Mosel
3. Platz Kröver Steffensberg Riesling Finesse Spätlese
Weingut Trossen, Traben-Trarbach, Mosel

Kategorie V – edelsüß

1. Platz 2009 Würzburger Stein Riesling Beerenauslese
Staatlicher Hofkeller Würzburg, Franken
2. Platz 2009 Kirrweiler Oberschloss Riesling Eiswein
Weinhaus Hermann Zöller, Kirrweiler, Pfalz
3. Platz 2001 Forster Ungeheuer Riesling Auslese
Weingut Reichsrat von Buhl, Deidesheim, Pfalz

Vier Sonderpreise wurden an folgende Betriebe verliehen:

Bester europäischer Riesling außerhalb Deutschlands
2011 Kogelberg Riesling Reserve Qualitätswein DAC Kamptal
Weingut Brandl aus Zöbing (Österreich)

Bester Riesling aus der Neuen Welt
2011 Riesling Columbis Valley
Ste Michelle Wine Estates aus Woodinville (US-Bundesstaat Washington)

Bester Steillagenriesling
2011 Ürziger Würzgarten Riesling Von Alten Reben Spätlese Mosel, trocken
Weinguts Rebenhof, Ürzig

Bester Riesling im Lebensmittel-Einzelhandel
2011 Riesling Roter Hang Nierstein Qualitätswein Rheinhessen, trocken
Weinkellerei Reh Kendermann

Wie erwartet gingen die meisten Rieslinge von deutscher Seite ins Rennen, ganz vorne dabei die klassischen Riesling-Regionen Pfalz, Rheinhessen und Mosel. Aber auch aus dem Ausland wurden viele Weine eingeschickt, insbesondere aus Österreich, Luxemburg und Australien.

Die Zahlen können sich sehen lassen: Über 750 Weinerzeuger und -händler nahmen mit insgesamt 2.372 Weinen am internationalen best of riesling Wettbewerb teil. Anbaugebiete aus ganz Deutschland setzten auf ihre besten Rieslinge – im Weinland Rheinland-Pfalz waren es die Pfalz (632), Rheinhessen (497), Mosel (458), Nahe (183), Mittelrhein (27) und die Ahr (1). Aus den benachbarten Regionen waren der Rheingau mit 166 Anstellungen und die Hessische Bergstraße mit neun Weinen vertreten.

Der Süden präsentierte sich mit Baden (89) und Württemberg (88) sowie Franken (99), der Osten mit Sachsen (7) und Saale-Unstrut (5).

Das europäische Ausland war mit 87 Weinen beteiligt, darunter 50 aus Österreich und 24 aus Luxemburg. Dazu kamen 24 aus Übersee, hier die meisten aus Australien.


Über den Autor

Ralf Kaiser

Gründer von Weinkaiser.de, inzwischen einer der meistgelesenen Weinseiten im deutschen Sprachraum. Ralf ist Mitglied der Redaktion des Gault&Millau Weinguide Deutschland und diverser internationaler Weinjurys. Er verbindet die weinjournalistische Tätigkeit mit seiner langjährigen Erfahrung als Fotograf. Daneben berät er Kunden aus dem In- und Ausland beim Aufbau von Blogs und Social-Media-Aktivitäten.

Mehr unter weinkaiser.de/autorenprofil-ralf-kaiser/

1 Kommentar

  1. Thomas RiedlNo Gravatar

    Hallo Ralf,

    Du stellst die Arbeit der Jury als souverän und fachlich kompetent dar. Liest sich für mich schlüssig. Aber trotzdem frage ich mich, wie es sein kann, dass z.B. der St. Nikolaus von P.J. Kühn für 26 € schlechter bewertet wurde als ein QBA für 3.30 €?

    Da bekamen Winzer sehr hohe Punktbewertungen, die in in keinem der bekannten Weinführer auftauchen. Wie erklärst Du das?

    Schönen Gruß

    Thomas

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